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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Inspirierend, teilweise unverständlich, immer provokativ
Dieses Buch muss ich definitiv ein zweites Mal durchlesen, damit ich es in allen Nuancen verstehe. Zum Zwischendurchlesen ist das Buch gänzlich ungeeignet. Die Inhalte müssen eigentlich im Rahmen einer intensiven Auseinandersetzung studiert werden, damit alle Gedanken, Herleitungen und Schlußfolgerungen des Autors verinnerlicht werden können. Leider...
Veröffentlicht am 3. Juli 2012 von Carsten Krautwald

versus
20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Plädoyer gegen falsche logische Schlüsse und die Statistikgläubigkeit
Der aus dem Libanon stammende Autor Nassim Nicholas Taleb kam als Trader nach New York und verdient inzwischen sein Geld damit, potentielle Ereignisse zu analysieren, die zwar nur mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit eintreten aber dafür umso weiter reichende Folgen für die (Finanz-)Wirtschaft haben könnten.

Die ersten Kapitel des Buches...
Veröffentlicht am 22. Oktober 2010 von Torsten Stefan


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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Plädoyer gegen falsche logische Schlüsse und die Statistikgläubigkeit, 22. Oktober 2010
Von 
Torsten Stefan (Ravensburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Der aus dem Libanon stammende Autor Nassim Nicholas Taleb kam als Trader nach New York und verdient inzwischen sein Geld damit, potentielle Ereignisse zu analysieren, die zwar nur mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit eintreten aber dafür umso weiter reichende Folgen für die (Finanz-)Wirtschaft haben könnten.

Die ersten Kapitel des Buches sind dabei stark von autobiografische Erlebnissen und ersten Beobachtungen über den Umgang mit Risiken und (un-)wahrscheinlichen Ereignissen geprägt. Daran schliessen sich weitere Kapitel an, welche die unterschiedlichen Arten von Risikoverteilungen und die Risikowahrnehmung der Menschen beschreiben. Taleb postuliert bei alledem jedoch keinen wissenschaftlichen Anspruch und muss daher auch nicht nur unter diesem Aspekt gemessen werden. Vielmehr schreibt er in einer sehr essayistischen Art gegen das unreflektierte Verwerten von statistischen Informationen und beschriebt allzu menschliches Verhalten, wie die Konzentration auf die Suche nach Beobachtungen zur Bestätigung der eigenen Theorie sowie das häufige Übersehen von methodischen Lücken. Besonders gut beschreibt er dabei in seinem lockeren Schreibstil die Ergebnisse einiger Experimente zu Gehirnprozessen und Verhaltensmustern, wobei der Autor jedoch wie so häufig recht ausschweifend wird.

Aus meiner Sicht ist das Buch insgesamt vor allem ein gutes Plädoyer gegen zu schnelle logische Schlüsse und die vielfach anzutreffende Statistikgläubigkeit. An Stelle der letztgenannten sollte ein gesundes Mass an Skepsis stehen sowie eine Auseinandersetzung mit unwahrscheinlichen und unvorhersehbaren Ereignissen. Trotz der inzwischen viel gerügten mangelnden Wissenschaftlichkeit halte ich dieses Werk daher für eine Bereicherung, die zur eigenen Auseinandersetzung mit diesem Thema motiviert.
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59 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von oben herab, 30. Januar 2012
Zuallererst: ich weiss nicht, ob ich dieses Buch wirklich verstanden habe. Ja, ich fühlte mich zeitweise überfordert von der gedanklichen Fülle von Taleb und den logischen Purzelbäumen, nach denen es den Autor offenbar regelmässig gelüstet. Dabei liegt die Schwierigkeit nicht nur darin, diesen Stoff zu verstehen, sondern ganz besonders in der typisch amerikanischen Verbindung einer komplexen Materie mit banalsten Beispielen aus dem Alltagsleben des Menschengeschlechts. Das europäische Hirn hat schlicht und ergreifend Mühe damit, mathematische Argumentation mit Zwischentiteln wie: "Auf der Suche nach Vogeldreck" in Übereinstimmung zu bringen.

Einerseits geht es dem Autor um die Vermittlung eines höchst anspruchsvollen Stoffs (Die scheinbare Gesetzlichkeit statistischer Annahmen und Interpretationen), andererseits will er tief in unser angewöhntes alltägliches Denken eingreifen und uns aufzeigen, wie dumm wir uns in der Regel die Welt vorstellen und wie leicht wir durch unerwartete Ereignisse aus dem Tritt zu bringen sind. Und an unerwarteten Ereignissen ist auch in unserer Epoche ja kein Mangel: Die Twin Towers, Börsencrashs, Tsunamis und Fukushima machen deutlich, wie leicht die Gewissheiten und Hoffnungen von heute im Morgen zerbröseln können.

Die Grundaussage des Buches ist ja die, dass wir derart in den Bahnen gelenkten Denkens gefangen sind, dass wir den Herausforderungen der Zukunft nicht genügen können und uns durch den Gang der Geschichte, durch Katastrophen in der Natur und an den Börsen und die nur schwer vorhersehbaren Entwicklungen der Technik immer wieder übertölpelt vorkommen. Wir haben uns demnach ein Denken angewöhnt, das davon ausgeht, dass die Entwicklungen vorhersehbar und berechenbar sind. Zudem verführen uns unsere angeborene Trägheit und Bequemlichkeit sowie die Verdrängungsmechanismen unserer Psyche dazu, der Wahrheit, nämlich dem, was wirklich geschehen könnte, nicht in die Augen sehen zu wollen.

Taleb findet deshalb, dass wir uns auf den unterschiedlichen Niveaus unserer intellektuellen Fähigkeiten einem pseudowissenschaftlichen Wahrsagertum verschrieben haben. Die intelligenten Menschen glauben an die scheinbaren Gesetze der Statistik oder an lächerliche Dinge wie die Normalerverteilung nach Gauss. Andere, weniger begabte Menschen, verlassen sich in naiver Intuition darauf, dass alles gut kommt, was gut kommen muss. Katastrophen erwischen uns deshalb immer und immer wieder auf dem falschen Fuss. Damit hat Taleb ja grundsätzlich recht und sein Kapitel über die Unmöglichkeit präziser Vorhersagen und die Tatsache, dass trotzdem alle an deren Möglichkeit glauben, ist für mich denn auch der überzeugendste Teil des Buches.

Was stört: Der Autor dürfte nicht zu den bescheidensten Zeitgenossen gehören. Er stellt denn auch seine intellektuellen Fähigkeiten kaum unter den Scheffel. Die Überheblichkeit ist bei Taleb Programm und damit klagt sich der Autor gleich selber an, denn wirklich geniale Wissenschaftler zeichnen sich immer durch eine gewisse Bescheidenheit aus. Das rührt daher, dass die wirklich guten Denker sich bewusst sind, dass es die unverbrüchliche Wahrheit im wissenschaftlichen Denken nicht geben kann. Taleb lässt uns nichts von dieser intellektuellen Bescheidenheit spüren. Offenbar schaut er auch angewidert auf Anzug- und Krawattenträger hinunter, obwohl er offenbar vor nicht allzu langer Zeit als Trader an der New Yorker Börse mitten in deren Milieu ganz erspriesslich Geld verdient hat. Ausserdem ärgerte mich der Duktus des Textes mit der Zeit ganz gewaltig und ich habe mit Sicherheit noch nie eine Text mit derart vielen Klammerbemerkungen gelesen.

Im Grossen und Ganzen finde ich das Buch einen respektablen Beitrag zu einer spannenden Gegenwartsdiskussion. In gewisser Weise knüpft Taleb an alte und wohlbekannte Thesen und Untersuchungen an, etwa an die "Risikogesellschaft" von Ulrich Beck, den er möglicherweise nicht einmal kennt. Es mag wohl sein, dass die Gedanken Talebs, wie in einer anderen Rezension aufgezeigt wird, nicht wirklich originär sind. Es ist aber auch so, dass jede Generation von Neuem mit gefährlichen Entwicklungen konfrontiert ist und sich die Frage stellen muss, wie sie damit umgeht.
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438 von 490 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Die neue Oberflächlichkeit, 21. Februar 2010
Von 
Dr. Christian Donninger "vulgo Chrilly" (Altmelon, Waldviertel) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
"Ich habe versucht, so tief wie möglich in eine Lebensweise einzudringen, die immer oberflächlicher wird, in eine neue Kultur, welche die für handwerkliche Einstellung typische Mühe und Selbstverpflichung ablehnt. Da die Menschen nur dann sicheren Halt in ihrem Leben finden können, wenn sie versuchen, etwas um seiner selbst willen gut zu tun, erscheint mir der Triumph der Oberflächlichkeit in Arbeit, Schule und Politik sehr zweifelhaft. Und vielleicht wird die Revolte gegen diese entkräftete Kultur die nächste neue Seite der Geschichte sein, die wir aufschlagen müssen." Schlusswort in R.Sennett: Die Kultur des neuen Kapitalismus.

N.Taleb und der Schwarze Schwan sind ein Musterbeispiel für die neue Oberflächlichkeit. Als Statistiker beutelt es mich, wenn ich die Lobeshymnen auf dieses Buch lese und der Autor als Genie gefeiert wird. Man kann ihm ein gewisses Talent zur Selbstdarstellung nicht abstreiten. Aber nach diesem Kriterium ist auch Paris Hilton ein Genie. Seine einzig erkennbare Leistung ist, den Begriff Schwarzer Schwan von Sir K.Popper übernommen zu haben.
Taleb zeichnet eine Karrikatur von moderner Statistik und haut dann fest auf diese Karrikatur ein. Er argumentiert, dass sich die statistischen Techniken hauptsächlich um das arithmetische Mittel drehen und man dieses Mittel mit Hilfe der Normalverteilungsannahme schätzt. Aber das (Finanz-)Leben ist nicht Normalverteilt und es kommt nicht auf das Mittel sondern auf die Extremwerte (insbesondere negativer Natur) an. Tatsächlich trägt Taleb Eulen nach Athen. Es gibt eine umfangreiche statistische Literatur, die diese Probleme behandeln (siehe eine kleine Auswahl unten).
Die Black-Scholes-Merton Formel ist die Standardformel zur Berechnung von Optionen. Diese Formel geht tatsächlich von einer Normalverteilung aus. Natürlich haben die Erfinder gewusst, dass die Returns (Gewinn/Verlust) von Aktien nicht Normalverteilt sind. Aber aus der NV-Annahme ergibt sich eine sehr einfache Formel. Die Formel hat sich durchgesetzt, weil man sie auch auf einem Taschenrechner leicht programmieren kann. Selbstverständlich wissen auch die Händler, dass die Formel nicht korrekt ist. Sie korrigieren die Formel durch den sogenannten Volatility-Smile. D.h. sie geben größere Parameterwerte ein um die "fat-tails" zu kompensieren. P.Wilmott hat es in seinem Standardwerk über Finanzmathematik so auf den Punkt gebracht "Man gibt in eine falsche Formel falsche Werte ein um das richtige Ergebnis zu bekommen". Es sind natürlich auch wesentlich komplexere Optionenformeln entwickelt worden. Von N.Taleb kenne ich keinen wissenschaftlichen Beitrag zu diesem Thema.
So sehr Taleb die Normalverteilung verteufelt, umso mehr schwärmt er von Mandelbrotschen Fraktalen. B.Mandelbrot hat in den 1960er Jahren tatsächlich interessante Untersuchungen zu den statistischen Verteilungen auf Börsen unternommen. Er hat sogenannte "scale-invariant (oder stable) -Distributions" vorgeschlagen. Eine scale-invariant-Distribution ist das Statistische äquivalent zu Fraktalen. Die Verteilung für 5 min folgt demselben Gesetz wie jene für 5 Stunden, für 5 Tagen, für 5 Wochen.... Eine triviale scale-invariante Verteilung ist die Normalverteilung. Die will man aber nicht. Die übrigen in Frage kommenden Verteilungen haben aber eher grausliche mathematische Eigenschaften. Z.B. unendliche Varianz. Es zeigte sich auch klar, dass die Börsenkurse nicht scale-invariant sind. Z.B. gibt es für kurze Zeiträume (bis ca. 5 min) die sogenannte Microstructure. Die Verteilung wird durch die technischen Handelsbedingungen bestimmt (z.B. bid-ask-Spread). Über längere Zeiträume nähern sich die Kursentwicklungen hingegen der Normalverteilung relativ gut an. Die Ideen von Mandelbrot sind interessant, aber unhandlich und ebenfalls weit von der Realität entfernt. Es gibt in der Finanzmathematik einen kleinen Mandelbrot-Fanklub, aber seine Ideen haben sich - m.E. zu Recht - nie durchgesetzt.

Die Kritik Taleb's an der Statistik ist auch nicht besonders neu. 1889 kritisierte Francis Galton die Statistikerzunft mit:
"who limited their inquires to Averages, and do not seem to revel in more comphrensive views. Their souls seem as dull to the charm of variety as that of a native of one of our flat English counties, whose retrospect of Switzerland was that, if the mountains could be thrown into its lakes, two nuisances would be got rid at once" (F.Galton, Natural Inheritance).
Im Unterschied zu Taleb hat Galton aber wesentliche Beiträge zur Statistik geleistet.

Kleine Literaturliste für Methoden, die laut Taleb erst erfunden werden müssen, aber schon längst erfunden sind:
L.v.Bortkewitsch (auch Bortkiewicz geschrieben): Das Gesetz der kleinen Zahlen. Ein klassisches Buch. Erschienen 1898!!. Wie der Titel schon sagt geht es um seltene und nicht normalverteilte Ereignisse (bei der Normalverteilung spricht man vom Gesetz der grossen Zahl). Das berühmteste Beispiel aus diesem Buch ist die Verteilung von Toten durch Hufschlag in der Preussischen Armee. Die von Bortkewitsch verwendeten Methoden spielen in der modernen Finanzmathematik eine zentrale Rolle (Levy-Prozesse).
Qi Li, J.S. Racine: Non Parametric Econometrics, Theory and Practice. Die Nonparametric Statistic macht überhaupt keine Annahme über die Verteilung. Sie ist ein eigenes, riessiges Gebiet der Statistik. Nonparametric Statistics gibt es schon seit mindestens 200 Jahren.
R. Koenker: Quantile Regression. In der Quantile Regression schätzt man z.B. die untersten oder obersten 10% einer Verteilung. Also genau das, auf was es laut Taleb ankommt. Man kann natürlich auch den Median damit schätzen. In der "normalen" Linearen Regression schätzt man das arithmetische Mittel. Erfunden 1978.
R.Maronna et al.: Robust Statistics, Theory and Methods. In der robusten Statistik untersucht man Methoden, die von einzelnen Ausreissern (den "schwarzen Schwänen") wenig beeinflusst werden. In vielen Untersuchungen hat man das umgekehrte Schwarze Schwan Problem. Man will etwas über die weissen Schwäne wissen, die Daten enthalten aber ein paar schwarze Schwäne. Diese sollen das Ergebnis nicht zu stark beeinflussen. Das arithmetische Mittel ist ein grauer Schwan, ein robustes Mittel (z.B. Median) ist ein weisser Schwan. Seit mindestens 200 Jahren bekannt.
R.B.Nelsen: An Introduction to Copulas. Mit Copulas kann man beliebige statistische Zusammenhänge zwischen Zufallsvariablen modelieren. Die auf der Normalverteilung basierende Korrelation (Pearsons-R) ist nur ein Spezialfall. Erfunden 1959 (Satz von Sklar).
P.Embrechts, C.Klüppelberg, Th.Mikosch: Modelling Extremal Events for Insurance and Finance. Wie der Titel schon sagt, geht es um statistische Methoden für Extremereignisse. Wie häufig tretten graue Schwäne auf und welchen Grauwert haben sie bzw. kann auch ein schwarzer Schwan vorkommen? Seit mindestens 100 Jahren bekannt.
Didier Sornette: Why Stock Markets Crash. Erschienen 2001. Die Schwarzen Schwäne heissen bei Sornette "King-Dragons". Sornette versucht mit Methoden der Statistischen Physik und der Erdbeben-Forschung diese King-Dragons vulgo Crashes zu prognostizieren. Man kann über diese Methoden streiten. Aber Sornette und seine Mitarbeiter publizieren seit 15 Jahren über dieses Thema.

P.S.: Ich teile nicht Sennett's Optimismus, dass es eine Revolte gegen die neue Oberflächlichkeit geben wird.
P.P.S.: Diese Rezension ist eindeutig der Schwarze Schwan unter meinen Rezensionen. Es gibt keine andere Rezension die auch nur annähernde soviele Pro- und Contra-Punkte erhalten hat. Zunächst freut man sich über die Punkte (auch die negativen). Aber dann beschleicht einem der Gedanke, dass man beim Taleb'schen und Hilton'schen Spiel auch mitspielt und
die Freude schwindet.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zugleich gut und nicht so gut: Verwirrend, 3. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse (Taschenbuch)
Nassim Taleb hat mit dem Popperschen Schwarzen Schwan ein sowohl gutes, als auch wichtiges Buch geschrieben. Der Inhalt weist immer wieder darauf hin, dass es so sehr schwierig ist, Voraussagen zu treffen; und dass diese mal stimmen, aber meistens eben nicht und dass wichtige Dinge nicht vorausgesagt werden, obwohl es gut wäre, wenn man sie voraussagen könnte ... Dieser Inhalt stiftet immer wieder Verwirrung beim Leser, auch wenn die Erkenntnis als solche wiederum nicht so sehr überrascht. Es ist aber ein gutes Buch, weil es durch Aha-Effekte Verwirrung im (scheinbar) Etablierten stiftet. Und das ist einfach gut so und ganz im Sinne des Denkens von Popper.

Die Sprache, die Taleb dazu verwendet ist ebenfalls verwirrend, weil sie von einem Punkt zum anderen springt und wieder zurück. Es wiederholt sich sehr viel, es werden Zusammenhänge hergestellt, die nicht so offensichtlich sind, wie er das meint, Anekdoten werden hier und da eingeflochten und das alles unter despektierlicher Verwendung von Erkenntnissen anderer Wissenschaftler/Wissenschaften. Und hier muss man sich als Leser vom uneingeschränkten Befürworten der Aussagen Talebs lösen, denn, auch wenn er es wohl gerne möchte, den Stein der Weisen hat auch er nicht gefunden. In diesem Punkt schließe ich mich anderen kritischen Rezensionen hier an. Insofern ist das Buch eben auch nicht so gut, weil es zu besserwisserisch, ja, zum Teil geradezu arrogant geschrieben ist.

Fazit aber trotzdem: Es ist erkenntnisreich, es birgt die eine oder andere heitere Anekdote und es verändert die Sichtweise auf viele Dinge - aber nur ein bisschen! Und das ist auch gut so.
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Inspirierend, teilweise unverständlich, immer provokativ, 3. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse (Taschenbuch)
Dieses Buch muss ich definitiv ein zweites Mal durchlesen, damit ich es in allen Nuancen verstehe. Zum Zwischendurchlesen ist das Buch gänzlich ungeeignet. Die Inhalte müssen eigentlich im Rahmen einer intensiven Auseinandersetzung studiert werden, damit alle Gedanken, Herleitungen und Schlußfolgerungen des Autors verinnerlicht werden können. Leider habe ich das beim ersten Lesen nicht gemacht und werde mir das Buch zu einem späteren Zeitpunkt erneut konzentriert vornehmen müssen.

Dieses Buch bricht mit gängigen Denk- und Haltungsweisen. Zumindest in Bezug auf Vorhersagen jeglicher Art. Dabei macht Taleb bereits vorhandenes Wissen nur besser greifbar. Wir sind uns der Ungenauigkeit bei der Wettervorhersage jederzeit bewußt und maßen uns gar nicht an, dass Wetter in 1 Monat oder 1 Jahr vorher zu sagen. Gleichzeitig vertrauen wir auf Wirtschafts- und Finanzmarktprognosen, die oft über wesentlich längere Zeiträume hinausgehen. Taleb macht klar, dass Vorhersagen mit einer Fehleinschätzung der Risiken (oder deren komplette Nichtbeachtung) einhergehen und damit grundsätzlich anzuzweifeln sind. Er legt zudem umfangreiches Material zugrunde, WARUM das so ist.

Hier wird mit dem Expertentum gebrochen, die Wirtschaftswissenschaften kritisiert, das Nobelpreis-Komitee abgewertet und öffentliche Kritik an namhaften Personen/Wissenschaftlern geübt. Allem voran geht es gegen die gaußsche Glockenkurve. Wäre die Glockenkurve Hexenwerk, dann wäre Taleb die Inquisition. Freunde und Anhänger der Normalverteilung, bzw. der Statistik im Allgemeinen werden an diesem Buch keine Freude haben.

Was gefällt mir gut an diesen Buch?

Taleb klärt schonungslos auf, zeigt neue, so bisher konkret kaum erfahrene Sichtweisen auf, mahnt zur Vorsicht, verschiebt elementar geglaubte Prioritäten. "Der Schwarze Schwan" hat das Zeug Lebensphilosophien und -ansichten grundlegend zu verändern. Taleb kritisiert nicht ohne Grund. Und er macht dieses auch plausibel. Er zeigt genügend Beispiele auf, warum die von im dargestellte "Sichtweise" ihre Berechtigung hat. Dieses Buch zwingt zu einem anderen Umgang mit Risiken.

Was gefällt mir nicht an diesem Buch?

Taleb läßt gerne seinen Intellekt spielen und verliert dabei den Leser. Fakten, Herleitungen und Schlußfolgerungen werden Knall auf Fall präsentiert, was mir persönlich oft zu schnell geht. Mir fehlte noch eine gedankliche Brücke, um auf den gleichen gedanklichen Punkt, wie der Autor zu kommen. Ja, ich bin wahrscheinlich nicht ansatzweise so belesen, wie der Autor, aber ich empfinde es als Pflicht eines Buches, den Leser inhaltlich auf die Schlußfolgerung vorzubereiten und inhaltlich so viel beizusteuern, dass diese Schlußfolgerungen auch erreicht werden können. Ich habe den Eindruck, dass vieles sich erst durch Hinzuziehen von Sekundärliteratur erschließen mag.

Zudem mag ich Talebs Hasstiraden und unendliche Seitenhiebe nicht. Diese Schreibe mag man als "lebhaft" bezeichnen, aber ich empfinde das Auftreten des Autors oft als forsch, plump und schlichtweg provokant. Mag sein, dass sowas dem Buch eine gewisse Würze gibt, letztendlich verliert sich der Anspruch der Sachlichkeit (da bin ich mir nicht sicher, ob der Autor diesen Anspruch ursprünglich hatte). Etwas weniger "Austeilen" und Wutgeschnaube hätte dem Buch durchaus gut getan.

Fazit:

Das Negative nehme ich hin - kann es eh nicht streichen - und freue mich am Positiven, was meine Denkweise durchaus bereichert. Taleb wird garantiert keine offenen Türen mit seinem Überlegungen eintreten, aber es ist für alle von Vorteil sich mit den hier präsentierten Gedanken auseinander zu setzen. Das trifft vor allem auf Personen zu, die beruflich mit Risiken, Prognosen und Voraussagen in Kontakt kommen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Inspirierend, großartig und etwas größenwahnsinnig, 5. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse (Taschenbuch)
Ein Buch wie eine Dampfwalze, aber eine von höchster Originalität.
Eine sehr unorthodoxe, polarisierende und unterhaltsame Mischung aus Philosophie, Mathematik, Ökonomie und Psychologie, die jedoch niemals in Seichtheit abgleitet.
Nach eigener Aussage ist das Buch vom Autor absichtlich so angelegt, dass es gerade NICHT leicht und schnell zu lesen ist. Also kein weiterer Ratgeber, Gottseidank.
Der Rote Faden ist anfänglich in der Fülle der Informationen und philosphischen Exkurse etwas schwierig zu erkennen, wird dann jedoch bald offensichtlich. Trotz einiger Längen ein großes Lesevergnügen mit Tiefgang. Gerade dieser unglaubliche Wust an Quellen, Begebenheiten und Gedanken ist inspirierend und brilliant.

Taleb liebt seine Freunde (z.B. Sir Karl Popper, Benoît Mandelbrot, Danny Kahnemann) ebenso inbrünstig wie er seine Feinde hasst. Die Polemik gegen seine Feinde (vor allem Experten und deren Prognosen, Statistiker, Ökonomen, die Glockenkurve von Gauss) ist extrem harsch, jedoch meistens augenzwinkernd und im Kontext berechtigt.

Wer hofft, dass die Lektüre einem dazu verhilft, ungewisse Ereignisse von großer Tragweite ("Schwarze Schwäne") besser vorhersagen zu können, wird enttäuscht sein. Kochrezepte liefert der Autor nicht. Hier sollte man lieber das wöchentliche Horoskop oder einen Experten konsultieren.

Talebs Fazit ist scheinbar einfach- am besten wappnet man sich gegen Schwarze Schwäne präventiv durch "Black Swan Robustness": einer sorgfältig abgewogenen Mischung zwischen konservativer Vorsicht und der gleichzeitigen Bereitschaft zu hohen Risiken - seien es nun Finanzen, die eigene Gesundheit oder andere Lebensbereiche. Er empfiehlt, nur mit einem Bruchteil des eigenen Vermögens zu zocken, mit diesem jedoch sehr radikal (sog. Barbell Strategie, "be 85% hyperconvervative and 15% hyperaggressive"). Das klingt simpel. Die Finanzkrise 2008 hat jedoch leider gezeigt, dass es manchen schwerfällt, derart einfache Regeln zu beherzigen- was nach der Lehman-Pleite fast zu einem Kollaps des globalen Finanzwesens geführt hätte. Schwarze Schwäne werden in Zukunft immer häufiger werden. Umso mehr sollte man sich mit dem Thema auseinandersetzen.
Wer dies ernsthaft tut, scheinbare Gewissheiten und existierende Institutionen in Frage stellt und selbst an der eigenen Risikokompetenz arbeitet, ist bei diesem Buch genau richtig.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen selbstgefällig und schlecht geschrieben, 15. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse (Taschenbuch)
Ich habe das Buch nicht fertig gelesen, man gewinnt keine neuen Erkenntnisse. Es hat keine Struktur, es ist kein roter Faden erkennbar. Das mit einem Essay zu rechtfertigen, ist ziemlich billig. Der Autor hätte sich den im Buch angeprochenen Montaigne zum Vorbild nehmen sollen.

Ärgerlich ist auch, dass er viele Personengruppen und Institutionen abwertet, um sich selber besser dastehen zu lassen. Überhaupt schreibt er gerne über sich, allerdings in einem überheblichen Tonfall. Das ist auch ein Manko dieses Buches. Die Themen, die in dem Buch angeführt sind, wären grundsätzlich interessant, die Vergangenheit als Modell für die Zukunft zu nehmen ist sicherlich problematisch. Nicht das WAS sondern das WIE macht das Buch sehr mühsam zum Lesen.

Es reicht den Buchklappentext zu lesen. Mehr muss nicht sein. Wenn jemand etwas über Zufall wissen will, ist er mit dem Buch von Stefan Klein "Alles Zufall" viel besser bedient.
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Lasst den Schwan wegfliege, 20. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse (Taschenbuch)
Taleb mischt eine Menge Binsenweisheiten mit einer Prise Termini aus Soziologie, Ökonomie und Philosophie. Heraus kommt eine Menge heisser Luft ohne Tiefgang.
Das Buch ist einigermassen unterhaltsam geschrieben und im wesentlichen leicht verständlich. Trotzdem erscheinen ca. 10 Sätze die auch nach zehnmaligem Lesen nicht zu verstehen sind, möglicherweise liegt das auch an einer schlechten Übersetzung.
Besonders störend ist die Arroganz, die Taleb an den Tag legt. Mehrfach betont er, dass er der einzige ist, der die Welt verstanden hat, das wirkt ntürlich recht lächerlich.
Es ist mir völlig unverständlich, dass diese kruden Theorien von vielen Menschen gefeiert werden und Taleb als Prophet der Finanzkrise gilt.
Die Anregung, die Gausssche Glockenkurve etwas kritischer zu betrachten ist sicher hilfreich, das hätte man aber auch auf 10 Seiten komprimieren können.

Ein erstaunlich schwaches Buch!
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24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein höchst überflüssiges Buch, 3. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse (Taschenbuch)
Dies ist meine erste Rezension über das zugleich erste Buch, das unausgelesen im Papierkorb gelandet ist. Ich habe es mir voller Erwartungen gekauft, mehr über die höchst spannenden Themen Behavioral Finance und Wirtschaftspsychologie zu lernen, doch nach den ersten Seiten wird klar, dass der Autor eher ein Meister der Selbstdarstellung ist und um seiner selbst Willen schreibt. Man hat den Eindruck, dass hier seine Wissensbrocken und Lebenserkenntnisse lose um das Gesamtthema gesponnen werden, doch dadurch fehlt völlig der rote Faden und der Erkenntnisgewinn beim Leser. Was in manchen Rezensionen als Respektlos bezeichnet wird, erscheint mir eher als hoffnungslose Arroganz. Warum fügt er ständig überflüssige Seitenhiebe auf bestimmte Personengruppen ein, die er offensichtlich nicht leiden kann (Franzosen/Europäer, Ingenieure, Ärzte, Bankmanager etc.)
Es ist schon fast komisch, dass Taleb die Gaußsche Glockenkurve so abgrundtief ablehnt (was ihm die Gelegenheit gibt, wacker auf die Deutschen einzuschlagen die es sogar wagten, einen Geldschein nach Gauß zu gestalten), und es ihm offensichtlich entgeht, dass es zahllose Bereiche gibt in denen diese Wahrscheinlichkeitsverteilung seine bewiesene Berechtigung hat.

Zugegeben, Taleb bezeichnet sein Buch als Essay. Doch soll damit der Anspruch heruntergespielt und Kritik im Vorfeld abgewehrt werden? Mir erscheint Taleb als ein Mensch, dem sein zufälliger finanzieller Erfolg zu Kopf gestiegen ist und nun mehr sein möchte, als er ist.
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31 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten, 18. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse (Taschenbuch)
Ich mag das Buch nicht. Es hat einen interessanten Ansatz und hin und wieder tauchen Informationen auf, die lohnenswert zu lesen sind, aber schon nach wenigen Seiten kam bei mir eine deutliche Ablehnung gegen den Autor auf, was unter anderem daran liegt, daß der Text so unstrukturiert und polemisch ist. Taleb singt Loblieder auf die Frische und Innovationsleistung der USA, bezeichnet Europa im Gegenzug als verstaubte und rückständige Phantasiewelt einer Kaste konservativer Bücherwürmer und erklärt lang und breit, daß sein Buch nicht schwammig und planlos daherkommt, sondern daß diese Unordnung und die unwissenschaftliche Arbeitsweise die Essenz der amerikanischen Originalität und Kreativität im Bereich der Wissenschaften ist.
Bedaure, aber als jemand, der selbst wissenschaftlich tätig war und eine Weile Studenten in wissenschaftliche Arbeitsmethoden eingewiesen hat, kann ich nur sagen: Das ist eine verdammt billige Ausrede dafür, daß Taleb keinen Schimmer hat, wie man einen Text aufbaut. Das Buch ist schlecht zu lesen, weil der Autor sich ständig in irgendwelchen Familienanekdoten (die, nebenbei bemerkt, beim Aufstellen einer angeblich wissenschaftlichen Hypothese nichts verloren haben) verzettelt, sich wiederholt und auf ein Europa schimpft, das er offensichtlich überhaupt nicht kennt. Vorurteile dieser Art und privat gefärbte Einschübe gehören nicht in eine mathematisch-wirtschaftliche Betrachtung.
Es wird nicht einmal klar erkennbar, welches Hauptthema Taleb nun eigentlich verfolgt. Will er sich als Migrant positionieren, geht es um seine Jugend- oder Kriegserlebnisse? Seine Studienzeit in den USA oder seine Arbeit an der Börse? Solche autobiographischen Details werden nämlich genauso breit im Buch ausgewalzt wie die Hypothese vom Schwarzen Schwan.
Zwischendurch schiebt er immer einmal wieder kurze Textstücke ein, die ungenau mit sinngemäßen Zitaten untermauert sind und deren Einsatz im Text sehr konstruiert wirkt. Natürlich behauptet Taleb, der Geisteswissenschaften schon einmal per se für wertlos hält (was vielleicht erklärt, weshalb sein Buch so wenig Struktur hat...), dann auch gleich, daß man Zitate allgemein nicht verwenden sollte, weil das Zitieren bedeutender Denker nur ein Symptom der verstaubten Bücherweisheit Europas ist.
Man könnte sich über diese Attitüde aufregen. Aber eigentlich ist es nur tragikomisch, wie ein kleiner, wütender Mann versucht, eine 3-Seiten-Theorie auf Buchgröße zu strecken und dabei auch noch seine komplette Lebensgeschichte und alle Vorurteile über Dinge und Menschen loszuwerden, die er nicht mag. Wissenschaft ist das keinesfalls. Es ist eigentlich nicht einmal ein Buch. Und das sage ich nicht nur, weil ich eine konservative Europäerin bin.
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Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse
Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse von Nassim Nicholas Taleb (Taschenbuch - 1. April 2010)
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