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54 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ihr Dreckskerle, ich lebe noch
Neapel im südlichen Italien ist ein wunderschöner und malerischer Ort. Als drittgrößte Stadt ist sie neben Rom und Mailand ein wichtiges Zentrum, allerdings weniger unter dem wirtschaftlichen Gesichtspunkt. Vielmehr gibt es wichtige kulturelle Sehenswürdigkeiten wie Paläste, Burgen, Schlösser, Klöster und Kirchen,...
Veröffentlicht am 5. Dezember 2008 von Amazon Customer

versus
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gute Buch, mäßige Übersetzung
An dem Inhalt des Buches gibt es nicht zu rütteln. Atemberaubend, fesselnd und erhellend. Selbst jene Passagen Savianos, die den Bereich des Sachbuches verlassen sind schön geschrieben und oft herzzerreißend. Man bedenke, dass er zum Zeitpunkt erst 26 Jahre alt war.
Jedoch scheint mir die deutsche Übersetzung zwar genau und korrekt, aber oft...
Veröffentlicht am 29. Januar 2010 von -


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54 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ihr Dreckskerle, ich lebe noch, 5. Dezember 2008
Neapel im südlichen Italien ist ein wunderschöner und malerischer Ort. Als drittgrößte Stadt ist sie neben Rom und Mailand ein wichtiges Zentrum, allerdings weniger unter dem wirtschaftlichen Gesichtspunkt. Vielmehr gibt es wichtige kulturelle Sehenswürdigkeiten wie Paläste, Burgen, Schlösser, Klöster und Kirchen, Kunstausstellungen und Galerien. zu bestaunen.

Die Arbeitslosenquote von 20 bis 30 Prozent ist für die Größe von einer Million Einwohnern und den kulturellen Reichtum der Gegend eher verwunderlich. Exakte wirtschaftliche Zahlen sind aber schwer zu bestimmen, da die Camorra mit einer Art von Schattenwirtschaft über die ganze Region herrscht.

Die Camorra ist eine Verbrecherorganisation, die ähnlich wie die Cosa Nostra und die sizilianische Mafia strukturiert ist, ein Syndikat, das schon längst alles in der Stadt und der Region steuert. Die Wirtschaft befindet sich fest in der Hand des organisierten Verbrechens, still geduldet von Politikern, Stadträten und Bürgermeistern, die aus Angst und Abhängigkeit nicht reagieren können oder wollen, die Polizei und die Staatsanwaltschaft tragen einen fast aussichtslosen Kampf aus. Erpressung und Einschüchterung tun ihr Übrigens dazu, und immer wieder geraten auch unschuldige Zivilisten in den Bandenkriegen zwischen den Clans und Familien und bezahlen nicht selten mit ihren Leben.

Im Jahre 2006 wurden beispielsweise bis Oktober rund 700 (bekannt gewordene) Morde verübt, und die Politiker erwogen in dieser Extremlage bereits, das Militär in der Stadt einzusetzen. Neapel ist zu einem Schauplatz der Gewalt geworden: Drogenhandel, Prostitution, Produktpiraterie von Luxusgütern, durch Korruption und Erpressung organisierte Großaufträge im Baugewerbe, hinzu kommen der Waffenhandel und auch die illegale Müllentsorgung, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Camorra hat bei alldem keine Angst vor der Staatsanwaltschaft oder dem Innenministerium, natürliche Feind gibt es keine, und wenn sich jemand gegen die Interessen der Clans und Familien stellt, so ist dies gleichbedeutend mit Selbstmord.

Der 28-jährige Roberto Saviano, ein Journalist aus Casal die Principe, hat die Geschäftspraktiken der Camorra in seinem Erstlingswerk "Gomorrha" beschrieben. Dabei geht er deutlich ins Detail, schildert die Machenschaften und Verflechtungen der organisierten Kriminalität, und hat dennoch keine Furcht davor, die Namen der Oberhäupter der Clans und Familien zu nennen. Gewagt hat so etwas noch niemand ,und Roberto Saviano ist sich durchaus bewusst, dass sein Mut ihn das Leben kosten könnte.

"Gomorrha" ist ein erschütternder Bericht, kein Roman, aber auch nicht als Sachbuch einzuordnen. Es ist ein gut recherchierter und aufwühlender Tatsachenbericht, der uns Mitteleuropäer beschämen sollte, zumindest aber jeden Menschen, der vielleicht von der organisierten Kriminalität profitiert oder bewusst darüber hinwegsieht. Was müssen die Journalisten der Region über den jungen Mann denken, der einen solchen Mut aufbringt? Schütteln sie den Kopf über seinen Übermut oder zollen sie Roberto Saviano Respekt, wenn auch nur still und anonym?

Inhalt

"Gomorrha" ist ein Buch voller düsterer und erschreckender Tatsachen. Roberto Saviano fesselt seine Leserschaft dabei dermaßen, wie es sonst nur ein atmosphärisch dichter Roman schaffen kann. In Italien erschien "Gomorrha" tatsächlich als Belletristik; hier liegt die Vermutung nahe, dass das Verlagshaus Mondadori, das sich im Besitz des früheren Ministerpräsidenten Berlusconi befindet, von dem Gewicht der Wahrheit um die Camorra distanzieren wollte. Aber dieses Tatsachenwerk gehört definitiv nicht das Genre fiktiver Literatur.

Der Macht der Camorra und dem Strudel aus illegaler Gewalt, Blutrache und globalen Geschäften kann man sich in Neapel nicht entziehen, geschweige denn wegschauen oder ignorieren. Das Buch ist diesbezüglich gründlich recherchiert und atemlos anklagend geschrieben. Alle Fälle sind aktenkundig und zumindest durch Beweise und Indizien in einer Ehrlichkeit beschrieben, die beispiellos ist. Robert Saviano malt ein Schreckensbild und verbindet dies mit eigenen Erinnerungen und Emotionen. Anklagend, wütend und empört beschreibt er Fehden und kriegerische Auseinandersetzungen der Clans. Er beschreibt Drogensupermärkte und erzählt von Schulkindern, die mit kugelsicheren Westen bekleidet Schmiere stehen. Er beschreibt 'Unfälle' ,auf Baustellen deren Opfer vor Übermüdung und Überbeanspruchung von Notärzten nicht behandelt werden, aus Angst davor, sich damit Feinde zu machen. Angeschossene Opfer werden blutend auf der Straße liegen gelassen, aus Angst davor, die Killer könnten zurückkommen.

Seine Reisen durch die neapolitanische Unterwelt unternimmt der junge Autor zu Fuß oder mit seiner Vespa. Manchmal ist er nur Zuschauer, manchmal auch Beteiligter. Als Hafenarbeiter getarnt, schuftet er bei Morgengrauen und löscht Schmuggelware für die Camorra. Wenig später lernt er den Schneider Pasquale kennen, der wie viele seiner Kollegen für einen Hungerlohn Kleider näht, die unter einem berühmten Modelabel weiterverkauft werden, was Unsummen an Profit für die Bosse bedeutet.

Eines Abends beim Fernsehen mit seiner Familie sieht Pasquale im Fernsehen, wie die Schauspielerin Angelina Jolie bei der Oscar-Gala über den roten Teppich flaniert. Sie trägt einen weißen Hosenanzug, den er persönlich entworfen und genäht hat. Für einen Hungerlohn hat er sein Talent eingesetzt und Designs kreiert, die von den Oberen Zehntausend geschätzt werden, aber beweisen kann er es nicht, um Kapital daraus zu schlagen, ansonsten wäre dies sein Tod und vielleicht der seiner ganzen Familie. Pasquales Gehalt beträgt 600 €uro im Monat.

Dies ist nur eine kleine Szene aus "Gomorrha", doch sie beschreibt die Hoffnungslosigkeit und tiefe Frustration jener Menschen, die mit ehrlicher Arbeit in ihrer Heimatregion nichts erreichen können. Saviano sieht Monate später den Schneider Pasquale wieder; inzwischen arbeitet dieser als Fahrer für die Camorra und wird besser bezahlt, und in seiner Brieftasche trägt er einen Zeitungsausschnitt: Angelina Jolie im weißen Hosenanzug.

Roberto Saviano beschreibt weitere Einzelschicksale, wie z. B. auch das eines 32-jährigen Priesters, der anklagend gegen die Camorra auftritt und gegen die Verbrecherorganisation predigt. Auch er wird das Opfer von Killern und nach seiner Ermordung auch noch in Tageszeitungen verhöhnt und angeklagt.

Diese persönlichen Eindrücke bleiben den Lesern und Hörern am stärksten im Gedächtnis haften. Saviano verzichtet dabei nicht immer auf Effekthascherei. Die Emotionalität der Berichterstattung entspricht seiner Wut, seiner Empörung, seiner Klage gegen diese Organisation, für die Menschen nur austauschbare und minderwertige Figuren auf der kriminellen Bühne sind.

Man fühlt die Wut des Autors förmlich, und seine apokalyptischen Szenen hinterlassen auch beim Leser eine ganze eigene Form von Entrüstung und Entsetzen, z. B. dann, wenn der Autor beschreibt, wie die Clans den Giftmüll aus Norditalien nach Süden verfrachten. Diesen vergraben sie unter kampanischem Ackerland und es entstehen ganze Landstriche und Hügel, in denen Giftmüll lagert. Diese Ländereien werden verseucht an Bauern verkauft, die dies stillschweigend akzeptieren, denn was bleibt ihnen auch sonst anderes übrig? Die Clans verdienen an diesen Geschäftsabläufen doppelt und dreifach und kennen keine Skrupel, denn Moral, Recht und Ethik sind in ihrer Sprache nicht vorhanden. Nach Schätzungen der Justiz entsorgte diese Müllmafia im vergangenen Jahr 26 Millionen Tonnen illegaler Abfälle, einen Großteil davon in den Provinzen Caserta und Neapel.

Kritik

Roberto Saviano Erstling ist ein einziges Schreckensgemälde über die vielleicht blutigste und brutalste Region im Süden von Europa. Die Camorra ermordete allein in diesem Jahr 72 Menschen. In und um Neapel terrorisieren 15 Clans die Bewohner und machen Milliardengeschäfte, die in legale Unternehmen reinvestiert werden. Die Camorra ist der wichtigste Arbeitgeber der Region, und mit Hilfe von korrupten Politikern blüht diese immer mehr auf. Über 70 Bürgermeister hat das Justizministerium wegen Amtsmissbrauch abgesetzt - vielenorts finden sich keine Lokalpolitiker mehr, die für die Ämter kandieren wollen.

Saviano beschreibt diese seine Welt für die Tagszeitung La Repubblica und das Wochenmagazin L'Espresso. "Gomorrha" hat sich in Italien bestens verkauft und eine gesellschaftliche Debatte ausgelöst, wie man es noch nicht erlebt hat. In vielen Medien und Radiosendungen, auf Websites und auch in Leserbriefen wird immer wieder die Frage gestellt: Wie konnte dies alles geschehen?

Roberto Saviano musste seine Wohnung in Neapel räumen und nach erhaltenen Morddrohungen steht er nun unter Polizeischutz. Ein Schriftsteller, der mit seinem Buch zwar weltberühmt, aber auch zum Vogelfreien erklärt wurde. Saviano schreibt: "Ich bin geboren im Land Camorra, wo mehr Menschen ermordet werden als irgendwo sonst in Europa, wo Geschäftemacherei und brutale Gewalt unauflöslich miteinander verbunden sind und nur das einen Wert besitzt, was Macht verspricht." Denn im Grunde geht es allen Überhöhungen der organisierten Kriminalität, allen Legenden um "Scarface", allen geheimen Ritualen und mystischen Bünden zum Trotz nur um eines: um Geld. So einfach ist das.

Die Camorra oder auch "il sistema", das System, ist ein gigantisches Wirtschaftsimperium, und Saviano beschreibt es anklagend mit scharfen Worten. Aber sein Buch ist auch eine Mahnung, eine Aufforderung, die Augen zu öffnen, Stellung zu beziehen und gegen "das System" anzukämpfen.

Fazit

"Gomorrha" ist ein düsteres Buch. Die Reise in das Reich der Camorra wird aufwühlend und wütend erzählt. Heikko Deutschmann, 1962 in Innsbruck geboren, liest "Gomorrha" für Hörbuch Hamburg, und man merkt ihm sehr gut an, dass das Buch ihn bewegt und nicht kaltlässt. Alleine schon im Vorwort des Chefredakteurs Giovanni di Lorenzo - Die Zeit - spürt der Hörer, wie sehr die Erzählung eine Emotionalität aufbaut und unter die Haut geht.

Das Buch ist nichts für schwache Nerven. Es ist kein Thriller, der unserer Fantasie entspringt. Roberto Saviano beschreibt eindringlich seine Heimat und deren kriminelle Realität. Er klagt an und legt Beweise vor. Er schildert das Morden und Sterben in all seiner Erbärmlichkeit und Jämmerlichkeit. Es gibt keine fiktionalen Charaktere, keine schattenhaften, anonymen Schauspieler. Saviano nennt Namen, Strukturen und Details, welche die ganze Organisation mehr bedrohen, als es die italienische Justiz jemals für möglich gehalten hat und sich erhoffen konnte. Saviano hält sich dabei an Fakten, die so atemberaubend sind, dass man sie kaum glauben will. Er glaubt aber auch an die Kraft seiner Worte, die er gezielt als Waffe einzusetzen weiß.

"Wenn wir die Mafia wirksam bekämpfen wollen, dürfen wir sie weder in ein Monster verwandeln noch denken, sie sei ein Blutsauger oder Krebs. Wir müssen akzeptieren, dass sie uns ähnlich ist", schrieb der bekannte sizilianische Richter Giovanni Falcone. 1992 wurde er von der Mafia ermordet. Roberto Saviano führt vor, wie untrennbar Legalität und Illegalität im globalisierten Kapitalismus miteinander verstrickt sind. Wie funktioniert eine kriminelle Organisation? Wer "Gomorrha" liest bzw. hört, wird dies in Ansätzen verstehen können. Er wird begreifen, wie Drogen verkauft und Gelder gewaschen werden, wie Modeartikel hergestellt und verkauft werden, wie ganze Müllberge verschoben werden und wie Menschen ohne Skrupel getötet werden, weil dies zum Alltag der Camorra gehört. Und es wird transparent, wie eng die Politik, die Wirtschaft und das Verbrechen in Kampanien/Neapel miteinander im Einklag stehen. Im Grunde geht es nur um das Geld für einige Wenige, niemals um das Schicksal und das Leben der dort lebenden Menschen.

Für den Autor Roberto Saviano geht es aber auch ganz unmittelbar um das Überleben. Die Camorra ist nachtragend und wartet nur darauf, dass sich die Wellen der Entrüstung legen, um dann zum tödlichen Schlag auszuholen. Fakt ist es auch, dass Saviano bedroht wird. Er schläft in Kasernen, bewacht wird er ständig von zwei Polizisten, und niemals verbleibt Saviano länger am gleichen Ort. Robert Saviano lebt wie ein Verbrecher - auf der Flucht, im Untergrund, immer in Gefahr.

Seinen Häschern widmete der Untergetauchte jedoch den letzten Satz in seinem Buch: "Ihr verfluchten Dreckskerle, ich lebe noch!"

Details

Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann und Rita Seuß
Gekürzte Lesung von Heikko Deutschmann
4 CDs, 297 Minuten mit 69 Tracks

Die italienische Originalausgabe erschien 2006 unter dem Titel "Gomorrha"
2007 Carl Hanser Verlag München
Vorwort: Giovanni di Lorenzo, Hamburg Januar 2008 (Chefredakteur Die Zeit)
Hörbuch Hamburg: HHV GmbH, Hamburg 2008
[...]
ISBN-10: 3899034864
ISBN-13: 978-3899034868

Der Sprecher

Heikko Deutschmann war nach dem Schauspielstudium Ensemlemitglied an der Berliner Schaubühne und am Hamburger Thalia-Theater, im Schauspiel Köln und im Schauspielhaus Zürich. Außerdem spielte er in zahlreichen Filmen mit und ist ein begehrter Hörbuchsprecher. Für Hörbuch Hamburg hat er u. a. "Der Erlöser" und "Das fünfte Zeichen" von Jo Nesboe, "Die dunkle Seite des Mondes" von Martin Suter, Stendhals "Rot und Schwarz" sowie von Thomas Glavinic "Die Arbeit der Nacht" gelesen.

Michael Sterzik
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gute Buch, mäßige Übersetzung, 29. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra (Taschenbuch)
An dem Inhalt des Buches gibt es nicht zu rütteln. Atemberaubend, fesselnd und erhellend. Selbst jene Passagen Savianos, die den Bereich des Sachbuches verlassen sind schön geschrieben und oft herzzerreißend. Man bedenke, dass er zum Zeitpunkt erst 26 Jahre alt war.
Jedoch scheint mir die deutsche Übersetzung zwar genau und korrekt, aber oft holperig und etwas veraltet. Slang und Jugendsprache sollte es auch im Deutschen sein. Da hilft es nicht, die Wörter exakt zu übersetzen. Daher war das Lesen manchmal etwas stocken, auch litt darunter die Atmosphäre des Buches.

Wer Italienisch kann, lese es auf Italienisch.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach unglaublich!!!, 6. September 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra (Taschenbuch)
Dieses Buch hat mich wirklich ziemlich vom Hocker gehaun!! Packend und absolut nüchtern beschreibt der Autor die Organisation der Camorra, ihre Strukturen, Angehörigen, Ziele, Mechanismen, den gesamten Machtapparat. Man glaubt irgendwie immer einiges über die Mafia zu wissen, egal ob aus Filmen wie der Klassiker "Der Pate", aus Nachrichten, Dokumentationen und vielleicht der ein oder andere Zeitungsartikel. Doch dieses Buch sprengt wirklich jede Vorstellung! Ich bin kurz vor dem Ende und bereits jetzt sehr betroffen und fast schon schockiert, wenn man wirklich dieses Ausmaß sich vor Augen führen lässt, denn - ich wage die Behauptung - auch ein durchschnittlich bis gut gebildeter Bürger vermag diese Machenschaften, Organisationen und Kaltblütigkeit nicht einmal zu erahnen!

Ich möchte hierbei jedoch darauf hinweisen, daß es sich um eine Reportage/Sachbuch handelt und nicht um einen Roman! Hin und wieder werden einem seitenlang Namen und Orte aufgezählt, die man sich als ortsfremder weder merken noch vorstellen kann! Hier kann ich nur empfehlen einfach locker drüber gehen, die wirklich wichtigen Namen werden noch oft wiederholt so daß man sie sich gut merken kann. Wenn ich festgestellt habe, daß es um eine Auflistung geht (z.Bsp. werden einem ziemlich weit am Anfang über mehrere Seiten Decknamen und originale Namen aufgeführt), hab ich diese einfach grob überflogen und bin wieder eingestiegen, als es wieder sachlich weiter ging.

Ich vermute, Absicht des Autors war es auch, endlich mal Namen und Orte, Decknamen etc. für die Justiz darzulegen um sie mal "schwarz auf weiß" zu haben und nicht, um den Leser zu ermüden oder besonders stilistisches Talent in der Aufzählung zu beweisen. Dies sollte einem beim Kauf des Buches auf jeden Fall bewusst sein!

Ich kann dieses Buch jedem uneingeschränkt empfehlen, der mal weit weit über den Tellerrand seines bisherigen Mafiawissens schauen möchte und sich für dieses Thema interessiert! Mich hat es sofort in den Bann geschlagen und fasziniert, wobei ich zugeben muss, dass es schon ganz schön Betroffenheit erzeugt und nicht immer ganz ohne ist.

Für Leser, die einen Mafiaroman, Krimi, Thriller oder ähnliches erwarten, ist von diesem Buch abzuraten.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswert., 13. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nach der Lektüre dieses Buches betrachtet man einiges, das man im Urlaub oder in der Innenstadt einer deutschen Großstadt so sieht mit neuen Augen. Lokale, deren unhöfliche Bedienung nicht vom Fach ist und die keine Kunden wollen. Geschäfte ohne Kundenbesuch, aber mit Umsatz. Vieles wird auf einmal sehr deutlich...
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36 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Italien mal anders, 1. September 2007
Aus einem Container im Hafen von Neapel, der gerade am Kran hängend entladen wird, fallen Dutzende von Körpern heraus. "Sie sahen aus wie Schaufensterpuppen. Doch beim Aufprall auf dem Boden barsten die Köpfe."
So beginnt das Buch von Roberto Saviano.
Neapel und seine Vorstädte bilden den Humus für Orgien von Gewalt, für Arbeit unter extremen Bedingungen und die Macht diverser Clans, die mit Rauschgift und dem Fälschen vom Markenware gewaltige Gewinne einfahren.
Spannend, teilweise im Stil einer Reportage, gut recherchiert und absolut glaubwürdig schidert Saviano ein Süditalien, wie es der Urlauber glücklicherweise nicht kennt.
Es ist unvorstellbar, dass dort im Jahr durchschnittlich über 200 Menschen, darunter Kinder, ermordet werden. Auch die Verbindungen nach China -billige Arbeiter- und Spanien, dort beherrschen die Italiener den Markt für Rauschgift, deckt der Autor auf.
Für alle, die Italien nicht nur mit Pasta und Wein verbinden, sondern eben auch die dunklen Seiten betrachten, die auch Auswirkungen auf andere Länder haben, ein lesenswertes Buch.
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83 von 105 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein beeindruckendes Buch, 27. August 2007
Von 
kfir "liesundlausch.de" (Langenbach, Oberbayern, Zonenrandgebiet zu Niederbayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
Nicht erst durch den sechsfachen Mord unlängst in Duisburg hat dieses Buch seine Aktualität bekommen. In Italien schon seit langem ein Bestseller, erscheint jetzt die deutsche Übersetzung. Und punktgenau wird eben durch die Morde verdeutlicht, dass in Deutschland eben nicht nur Schutzgeld erpresst wird, sondern die Camorra ihr Netz bereits dicht gesponnen hat. Hier werden die Strukturen gezeigt, wie beispielsweise nach der Wende in den fünf neuen Ländern mit Investitionen Geldwäsche in ganz großem Stil vollzogen wurde und die Mafia mittlerweile ein wichtiges Standbein hierzulande errichtet haben. Und dass dies scheinbar ungeachtet der Öffentlichkeit und der Staatsorgane geschehen konnte.

Doch trotz der bestürzenden aktuellen Ereignisse ist das Mutterland der Camorra nach wie vor Italien. Was für einen Deutschen meist nur durch die TV-Serie Alleine gegen die Mafia" mit Commissario Corrado Cattani bekannt ist, wird hier mit den genauen Vorgehensweisen, den Taten und den Namen der Betroffenen und Drahtzieher ein wahres Gesicht gegeben. Ein gewisses Interesse und Kenntnisse der italienischen Innenpolitik und der wichtigen Köpfe sei jedoch angebracht, um manche Zusammenhänge besser verstehen zu können.

Obwohl es sich hierbei um ein Sachbuch handelt, ist es dennoch sehr flüssig zu lesen, ja bei mir kam fast so etwas wie Spannung auf.

Dass das Buch eine hohe Brisanz hat, eben weil es scheinbar lange unausgesprochene und unaussprechliche Wahrheiten ausspricht, zeigt nicht alleine die Tatsache, dass der Auto Robert Saviano auf der Todesliste steht und seit Jahren unter Polizeischutz steht.

Ein gutes Sachbuch, dass zu lesen lohnt.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein mitunter gut geschriebenes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch, 21. Dezember 2009
Von 
Christian Bleis (Hannover, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra (Taschenbuch)
Gomorrha ist ein mitunter gut geschriebenes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch über die Camorra. Roberto Saviano vordringlichstes Ziel mit diesem Buch ist es, Namen zu nennen, denn gerade diese Öffentlichkeit möchten die von ihm Genannten nicht. Es wird auch deutlich, was die Camorra ist. Sie ist ein auf die Macht des Stärkeren reduzierte wirtschaftliche Maschinerie, die brutal, rücksichtslos und ichbezogen (familienbezogen) agiert. Beispiele hierfür liefert Saviano im Überfluss.

Wichtig für den, der dieses Buch liest ist: Es ist und will zu allererst ein Sachbuch sein. Auch wenn der Autor in der "Camorra-Region" aufgewachsen ist und vieles selbst miterlebt hat, sind viele Quellen Gerichtsurteile, Medienartikel etc.

Es ist ein fesselndes Buch, weil fast mit jeder Seite neue Aktionen und erschütternde Details zur Sprache kommen. Es ist aber auch ein etwas verwirrendes Buch, weil sehr viele Namen auftauchen und Saviano sich nicht an die zeitliche Stringenz hält. Er möchte den Geist der Camorra aufschreiben, wie diese Menschen handeln, denken und leben. Dies gelingt ihm ausgesprochen gut.

Stark und fast romanhaft sind mitunter Passagen geschrieben, in denen Saviano näher auf einzelne Personen und ihre Lebensumstände eingeht.

Ein gutes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch, dass zu lesen lohnt.
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26 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Solte man gelesen haben..., 26. Januar 2008
wenn man bereit ist die Kirche im Dorf zu lassen. Wer sich hier unschlüssig ist, das Buch zu lesen, dem will ich nur drei Hinweise geben.

1) Wenn einem das Buch halbwegs gefallen soll, kann man sich ja mal von überzogenen Ansprüchen lösen. Hier schreibt ein junger Kerl mit 28 Jahren. Dass der kein Goethe ist wird man überleben.

2) Man bekommt dafür etwas, was die anderen Mafia-Experten, die in ihren Häuschen am See sitzen und genüßlich Kaffe trinken, nicht schaffen: Authentizität! Saviano ist (fast) überall auch dagewesen, er wirkt ehrlich und versucht einfach kein Detail zu vergessen. Natürlich haben mich irgendwann die x-ten Giovanni di Mafioso, genannt "das Skalpell", auch etwas genervt - na und?

3) Man bekommt einfach mit, was so in einem kleinen Fleckchen Europas (Hinterland von Neapel) abgeht.

Wenn dann die Tagesschau zeigt, dass Neapel Müllprobleme hat, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Ich weiß ja dann, wer da seine Finger im Spiel hatte... :)

Das Buch ist keine Ode an die Sprache, aber eine Zeugnis von Mut. Die Welt soll hören, was da unten Alltag ist! Saviano muss wohl für immer mit seinen Leibwächtern rumrennen, wir sollten zumindest wissen wollen warum und sein Buch lesen.

Wenn es dann auch erst später das Taschenbuch ist.
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23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einer der die Wahrheit sprach., 20. September 2007
Dadurch, das meine Frau Neapolitanerin ist und wir sehr viel Verwandschaft in und um Neapel haben, habe ich oft die Gelegenheit Zeit bei der Familie in der Stadt zu verbringen.Neapel hat Wunderschöne Seiten (Lungomare,poggioreale,Molo Beverello etc...), aber eben auch die Seiten von denen Saviano erzählt (Brennende Müllberge usw.)Ob die Geschichten die er erzählt alle absolut wahr sind können wohl nur die Beteiligten sagen.Aber allein der Mut der nötig ist um so ein Buch zu schreiben, hat 5 Sterne verdient.Jedem der sich für Italien ohne la dolce vita interessiert kann man dieses Buch nur empfehlen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Äußerst Lesenswert!, 19. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra (Taschenbuch)
Das Buch hat mich überzeugt. Es ist interessant, der Inhalt beeindruckend und grandios recherchiert. Roberto Saviano gehört meine ganze Hochachtung. Ein wichtiges Buch. Stilistisch brilliant, inhaltlich wertvoll!
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Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra
Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra von Roberto Saviano (Taschenbuch - 1. Februar 2009)
EUR 9,90
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