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5.0 von 5 Sternen "Manches Buch wirkt wie ein Schlüssel zu fremden Sälen des eigenen Schlosses." (Franz Kafka), 26. Januar 2008
Von 
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Rezension bezieht sich auf: Betrachtungen über Leben, Kunst und Glauben (Taschenbuch)
Die wahre Angst ist die Angst des Kindes zum Opfer der jouissance (Lacan) des Anderen zu werden. Diese Haltung ist kafkaesk in dem Sinne, dass man mit und ohne jemanden nicht leben kann. Die Parabel: Vor dem Gesetz zeigt nichts anderes. Auch wenn der Mann wartet, um eingelassen zu werden, ist er, wie die Antwort des Wärters, diese Tür sei nur für ihn, zeigt, eigentlich schon drin. Denn dieses Gesetz ist nur für ihn, wo auch immer er sich befindet. Wo immer Kafka sich befindet, er ist ein Teil des Organismus Familie.

Und so beginnt dieser Band der Weltweisheiten folgerichtig mit "Kindheit und Erziehung". Kafka stellt in einem Brief aus dem Jahre 1921 erschreckend klarsichtig fest, wie er seine sanfte Sekte Familie erlebt hat in Bezug auf seine Kindheit. Tyrannei und Sklaverei sind die erlebten Erziehungsmittel, die aber in ihrer Sanftheit gerade im Kern beeinflussend und suggerierend waren und ihn nur zum schweigenden Handlanger in dem Organismus seiner Familie verdammten. In einem Brief an seinen Freund Max Brod zeigt er nochmals deutlich, dass die Entfaltung des eigenen Ichs erst zur eigenen Überzeugung führt. Zwingt man ein Kind in seiner Faltung zu verharren, wird es dem Wettbewerb des Lebens nur schwerlich auf derselben Ebene standhalten können. Und so wird ihm deutlich in "Identität und Erfahrung", das Klagen "keine Mühlsteine von Halse" halten. Er beginnt die Vorteile des Schreibens durch Tagebucheintragungen zu schätzen, durch die ihm die "Klarheit der Wandlungen" bewusst wird, denen man unaufhörlich unterliegt.

In "Erkenntnis und Wahrheitssuche" findet man folgenden Aphorismus: "Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg. Was wir Weg nennen, ist Zögern." Das "Zögern zur Geburt" wird deutlich, dass Angst, sich selbst zu leben, dadurch entsteht, so leben zu müssen, wie man denkt. Der selbst auferlegte Sachzwang wird zum Verhängnis, zur Verzweifelung und letztendlich wird ein Medium notwendig, um mit Menschen zu kommunizieren, das Schreiben. Die Differenz zwischen Tat und Denken, eben das Dazwischen zeigt sich bei Kafka als Kern der selbst bestimmten Freiheit. Und sein "[Der] Geist wird erst frei, wenn er aufhört Halt zu sein." Und doch muss er in seinem Leben sich den nötigen Halt durch Geist geben, durch das geschriebene Wort, dass eben Halt verspricht, Annahme in der Gesellschaft, Annahme von der Familie, Annahme vom Vater in der wirklichen, eben seiner Lebensart. Aber seine Ambivalenz zwischen hoffen und sicher sein, ist zerstört in der maßlos unzweideutigen Transzendenz des Lebens: "Die Tatsache, dass es nichts anderes gibt als eine geistige Welt, nimmt uns die Hoffnung und gibt uns Gewissheit."

Kafka ist ein bedeutender Mensch in dem Sinne, dass er seinem Leben Bedeutung abverlangt und auf der Suche danach, kognitiven Deutungen subjektiven Sinnbezug im Leben gibt. Geist bestimmt sein Sein, und doch erzeugt das Sinnliche Angst in ihm. In seinem Eintrag 1917 in den Oktavheften bekräftigt er, dass es "nichts anderes gibt als eine geistige Welt; was wir sinnliche Welt nennen, ist das Böse in der geistigen." Diese seine Deutungen geben vermeintliche Sicherheit, denen er seinen Sinn verleiht, doch denen er aus Angst keine Zunge gibt. Diese aus Hamlet entnommene Botschaft Shakespeares trifft m. E. im Besonderen auf Kafka zu, ist er doch derjenige, der erst durch Schreiben zur Welt gekommen ist. "Manches Buch wirkt wie ein Schlüssel zu fremden Sälen des eigenen Schlosses", schreibt er 1903. Lesen Sie Kafka in diesem Sinne.
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1 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben, 31. Dezember 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Betrachtungen über Leben, Kunst und Glauben (Taschenbuch)
man kann nie genug über Weisheiten und Phlilosophie aus dem Leben erfahren, speziell in unserer heutigen Zeit, braucht man dieses Wissen!
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Betrachtungen über Leben, Kunst und Glauben
Betrachtungen über Leben, Kunst und Glauben von Franz Kafka (Taschenbuch - 1. Dezember 2007)
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