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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Phantastisch, 19. September 2005
Von Ein Kunde
Ein Meisterwerk des Autoren Joakim Garff in einer kongenialen Übersetzung: Ausgebreitet wird das außergewöhnliche Leben des visionären Philosophen und Theologen Kierkegaard. In sein Werk wird gründlich eingeführt, immer mit genauer Analyse der Lebensumstände, Krisen und Selbstanalysen, die zu den einzelnen Schriften führten. Seine Stellung in der Kopenhagener Intellektuellengemeinde wird ebenso ausführlich beleuchtet wie der Mensch Kierkegaard in all seinen Lebensvollzügen bis hin zu seiner physischen Erscheinung. Dazu kommt eine Darstellung eines halben Jahrhunderts europäischer Geistesgeschichte in ihrer dänischen Variante, die einen Einblick in die Zeit bis hinein in die Lebensumstände der Menschen erlaubt. Die Sprache des Buches ist präzise und ironisch, also seinem Subjekt angemessen.
Allein schon das Durchblättern des Fototeils macht Lust aufs Lesen und Kennenlernen der abgebildeten Personen, erzählen doch schon ihren Physiognomien Geschichten.
Ein winziger Wermutstropfen: Leinen-Einband und Lesebändchen hätten den Band sinnlich noch abgerundet.
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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sören Kierkegaard, 17. März 2005
Eine Biographie? Nein, es ist viel viel mehr. Eine höchst detailreich recherchierte Lebensgeschichte in einer spannenden Erzählweise geschrieben, die einen eintauchen läßt in das Leben des Sören Kierkegaard und den Leser führt bis in das innerste Fühlen und Denken, hinein in ein menschliches Labyrinth, aus dem es kein Entrinnen gibt, vom blühenden Anfang bis zum gnadenlosen Ende.
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24 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen unter Pseudonym und doch nicht ohne Angst ..., 5. Februar 2006
Von 
FrizzText "frizz" (Wuppertal) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Kierkegaard: Biographie (Taschenbuch)
Der Vater des Existentialismus, Sören Kierkegaard, hatte gefordert (seinerseits an Sokrates zurückerinnernd), es doch auch einmal mit Ironie zu versuchen. Kierkegaard experimentierte damit, ein erheblich mehr individualisiertes Lebenskonzept zu verwirklichen als es damals unter dem Horizont orthodoxer Frömmigkeit oder braver Staatsloyalität oder ehelicher Treue denkbar schien. Er benutzte sowohl die Form des philosophischen Essays als auch ausgedehnte literarische Exkurse sowie außerdem riskante Vermengungen mit seiner realen Lebenswirklichkeit, um sein Gedankengebäude voranzutreiben.
Es wird kolportiert, Kierkegaard hätte einen dänischen Pfarrer bewundert, der seiner etwas zu emphatisch gefühlsbewegten Gemeinde zugerufen habe: "Weint nicht liebe Kinder, - es könnte doch auch alles gelogen sein!" Ein anderes anti-klerikales Statement Kierkegaards: "Man kann nicht von nichts leben. Das hört man so oft, besonders von Pfarrern. Und gerade den Pfarrern gelingt dieses Kunststück: Das Christentum ist gar nicht da - und dennoch leben sie davon."
Dies ist Kierkegaards typische Methode der ironischen Haltung, ein Verfahren, sich wirksam vom umgebenden sozialen Milieu zu distanzieren. Die Dissertation des berühmten dänischen Philosophen trug den Titel "Über den Begriff der Ironie - mit ständigem Hinsehen auf Sokrates", bzw. nein, den Titel hatte sie nicht, sondern: "Om Begrebet Ironi med stadigt Hensyn til Socrates..." Die XV. und letzte These seiner vor den Universitätsgremien abzuleistenden Disputation lautete: "Ut a dubitatione philosophia, sic ab ironia vita digna, quae humana vocetur, incipit." Für uns Deutsche: "Ebenso wie die Philosophie mit dem Zweifel, ebenso beginnt ein Leben, das menschenwürdig genannt werden kann, mit der Ironie."
Französische Philosophen wie Jacques Derrida und andere Dekonstruktivisten haben Kierkegaard zu ihrem Lieblingsphilosophen erkoren. Formaler, hölzerner Denk- und Schreibstil war für Kierkegaard eine Grässlichkeit, ob er nun durch eine christlich-konservative Predigt stelzt oder sich in staatlichen Erlassen selbstgefällig gebärdet oder unter Universitätstalaren hervorstaubt - wie zum Beispiel bei Georg W.F. Hegel. Kierkegaard, der in Berlin dessen philosophische Vorlesungen besuchte, hasste es zum "Hegelianischen Idioten" zu degenerieren - wie wohl manch einer seiner Mitstudenten. Kierkegaard resümierte: "Eine leidenschaftliche, tumultartige Zeit wird alles über den Haufen werfen. Eine reflektierende Zeit aber verwandelt die Kraftäußerung in ein dialektisches Kunststück: alles bestehen zu lassen, aber allem hinterlistig seine Bedeutung zu entziehen."
Erst im 20. Jahrhundert entpuppte sich wirklich unübersehbar deutlich das menschenverachtende Element der großen Denksysteme. Ob Marxismus oder Nationalsozialismus, es schien geraten, eher dem einzelnen zu trauen als den indoktrinierten Massen und ihrem degenerierten Gehabe. Natürlich war es immer Ziel einer politischen Kaste, jedes einzelne Erkenntnisbemühen als gemeinschaftsfeindlich zu diskriminieren, ja zu kriminalisieren. Systemgegner hatten wenig zu lachen, wie in allen Zeiten, unter Stalin oder Hitler allerdings ganz besonders.
100 Jahre bereits vor solchen katastrophalen Stabilisierungen falschen Denkens warnte Kierkegaard vor Fehlentwicklungen - schlichtweg genial. Er vermittelte den Gebildeten und Lesefähigen das Selbstbewusstsein, ein Recht zu besitzen darauf, öffentliche Vorgänge stets einer individuellen, intrapersonalen Zensurinstanz vorlegen zu dürfen - und die Ergebnisse, allen bedrohlichen und einschüchternden Vorschriften von "Political Correctness" zum Trotz, auch unbeirrt vorzutragen.
Diese Form von Extrem-Individualismus, so nützlich sie sein mag, sie behinderte andererseits wohl bei Sören K. die Ausformung eines zufriedenstellenden sexuellen Verhaltensspektrums. Er wurde seine Angst nicht los, eventuell erstickend sich zu verheddern in der Beziehung zu seiner langjährigen Verlobten Regine Olsen. Die gab schließlich irgendwann entnervt auf und suchte sich einen anderen. Ersatzweise vertiefte sich Kierkegaard gern und allzu oft in die Lektüre des "Don Juan" und schuf dementsprechend gefärbt sein Hauptwerk "Entweder - Oder" (Hü oder Hott oder gar nicht). Besuchte Kierkegaard Prostituierte?
Joakim Garff, Professor am "Sören Kierkegaard Forschungszentrum" an der Universität von Kopenhagen, muss sich leider diesbezüglich auch nur mit Spekulationen zufrieden geben. Kierkegaards Vater war ein vom Alten Testament fundamental beeinflusster Streng-Christ. Offensichtlich etwas zu häufig labte er sich vor seinem Sohn darin, Sünde und Erbschuld, Gehorsam und Strafe darzustellen. In seiner Publikation über das "Konzept Angst" begrüßt Kierkegaard Angst als kreatives, Freiheit mit-erzeugendes Element in jeder menschlichen Existenz - wie es später Heidegger in "Sein und Zeit" auch ausführen würde.
Keine wirkliche Unabhängigkeit ohne das begleitende, verunsichernde Gefühl, womöglich doch alles falsch anzufassen. Die Angst, bestraft zu werden, ist die nicht zu umgehende Basis des freien Willens und des Mutes, dennoch Entscheidungen zu treffen. Nicht nur moderne Psychologen haben das zu vermitteln, wenn sie die Kraft voranzugehen an depressive Patienten weitergeben wollen; in der Geschichte der Philosophie mühte sich besonders Nietzsche damit ab (sich ebenfalls gegen Hegel wendend), ein vergleichbares Niveau wie Kierkegaard zu erklettern - und überstieg es eventuell sogar in seiner "Genealogie der Moral". Auch er, riskant mit dem Konstrukt eines Übermenschen herumfuchtelnd, verließ schnöde den sicheren Boden des eingeführten Christentums.
"Wie eine Prinzessin aus 1001 Nacht rettete ich mein Leben durch Erzählen, das heißt durch literarisches Produzieren. Schwere Melancholie, inneres Leiden, alles konnte ich meistern - wenn ich nur etwas schreiben durfte. Misshandlungen, welche andere Leute um den Verstand gebracht hätten - mich machten sie nur umso produktiver", notierte Kierkegaard, der sich wohl stets etwas mehr als Poet denn als Philosoph empfand.
Sein Horror vor der zwingenden, immer mehr vom Journalismus multiplizierten Gleichmacherei allen Urteilens, - dieser Schrecken zeigte sich in Formulierungen wie: "Die Menge ist die Unwahrheit..." "An die Kategorie DER EINZELNE ist meine etwaige Bedeutung geknüpft. Ich erkannte es als meine Aufgabe, darauf aufmerksam zu machen." Kierkegaard hatte in der Tat (eher: spöttischen Tatenlosigkeit) den Mut, sich zurückwerfen zu lassen auf ein höchst subjektives, von nicht sonderlich viel Außenbeifall begleitetes und zuweilen verzweifelt einsames Urteilen. Auf der Rückseite der Medaille spielten sich nervöse Zänkereien zwischen Kierkegaard und der örtlichen Presse, dem Kopenhagener "Korsar", seinen Kolumnisten und Karikaturisten ab. Was könnte man hierzu Ironisches beitragen? Kierkegaard vermerkte dialektisch fast besser als Hegel:
"Wie vielleicht manche Sache verloren ging, weil der Beistand der Welt ausblieb, so wurde auch manche Sache verdorben, weil die Welt (Hinz und Kunz) mithelfen durfte."
Kierkegaard starb mit 42 Jahren, fiel tot auf der Straße um, exakt in dem Moment, als das vom Vater ererbte Geld aufgebraucht war. Kierkegaards tapfere anfängliche Ironie war im zunehmenden Lauf seines Lebens von einer leider noch viel beharrlicheren Angst vor allem und jedem besiegt worden. "In einem jeden Zustand ist die Möglichkeit gegenwärtig und insofern die Angst..." Kierkegaard war wohl kein Tatmensch wie Hemingway, aber er war ein zutiefst dynamischer Denker, einer der wichtigsten Starter modernen Weltbewusstseins.
Kierkegaard schrieb das meiste unter Pseudonym. Das gab es von Spinoza bis Ibn Warraq in der Geschichte der Philosophie betrüblich oft. Ohne den schützenden Deckmantel der Anonymität drohte einem allzu häufig das Schicksal eines Giordano Bruno oder Sokrates...
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Kierkegaard: Biographie
Kierkegaard: Biographie von Joakim Garff (Taschenbuch - 1. Oktober 2005)
EUR 24,50
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