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31
4,4 von 5 Sternen
Keine Posaunen vor Jericho: Die archäologische Wahrheit über die Bibel
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96 von 117 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Zahlreiche (sich widersprechende) Doppel- und manchmal Dreierversionen derselben Ereignisse in den Berichten über die Wanderung der Erzväter, dem Auszug aus Ägypten und der Gesetzgebung lassen unterschiedliche Quellen erkennen, die zu verschiedenen Zeiten aus bestimmten Gründen zusammengefügt oder redaktionell überarbeitet wurden. Die alttestamentarischen Geschichten sind demnach als nationale Mythen einer pan-israelitischen Idee zu betrachten.....

Neben der historischen Verschwommenheit (13. Jahrhundert v. Chr.) des ?Auszuges aus Ägypten? gibt es keine archäologischen Beweise dafür, dass zu dieser Zeit eine große Volksgruppe den Sinai durchzogen hat. Die Auseinandersetzung zwischen Moses und dem Pharao ist vielmehr eine Spiegelung der historischen Konfrontation zwischen dem judäischen König Josia (639-609 v. Chr.) und Pharao Necho. Ebenso gab es keine gewaltsame Einnahme Kanaans. Jericho Mauern haben auch nicht einstürzen können, da die kanaanitischen Städte keine Stadtmauern besaßen.. Die meisten Menschen, die man als frühe Israeliten bezeichnen kann, waren vielmehr Einheimische, die sich um 1200 v. Chr. infolge eines dramatischen sozialen Wandels weitab der kanaanitischen Städte im westjordanischen Bergland niederließen und zweihundertfünfzig Dörfer gründeten. Aus dieser Zeit stammt der älteste kultische Ritus, kein Schweinfleisch zu essen. Archäologische Befunde deuten darauf hin, dass Jerusalem zur Zeit der "Könige" David und Salomon (ca. 1005 - 931 v. Chr.) nicht größer als ein kleines Bergdorf gewesen ist. Beide waren lediglich Stammesoberhäupter mit einer ziemlich kleinen und lokal beschränkten Verwaltung. Denn es gab immer zwei verschiedene Gemeinwesen im Bergland, von dem das südliche (Juda) stets ärmer, schwächer und ländlicher war als das Nordreich (Israel). Die Könige des Nordreiches, die in Alten Testament ausnahmslos als Götzendiener beschrieben werden, besaßen tatsächlich eine außerordentliche militärische Macht und eine hochentwickelte Verwaltung und ließen architektonische Leistungen vollbringen. Da sie jedoch auch Baals- Astartekulte nicht nur zuließen, sondern auch förderten, werden sie im Alten Testament negativ dargestellt. Gleiches gilt auch für den judäischen König Manasse (698-642 v. Chr.), der als schlimmster aller Apostaten beschrieben wird und dem die Bibel die Schuld für die spätere Zerstörung des 1. Tempels und die Verschleppung nach Babylon (586 v. Chr.) gibt.................

Sachlich kontrovers, jedoch frei von Polemik weisen die Autoren auch auf einige Anachronismen hin. So gibt es bereits in der Geschichte der Erzväter massenhaft Kamele, obwohl diese erst weit nach 1000 v. Chr. im alten Orient als Lasttiere Verwendung finden sollten. Isaak begegnet Abilech, dem König der Philister. Dieses Volk sollte jedoch erst nach 1200 v. Chr. an der kanaanitischen Küste auftauchten und dort sesshaft werden.

Die Buchautoren kommen zu dem Schluss, dass die unter der Herrschaft König Josias (639-609 v. Chr.) zusammengestellten Sage (von der Geschichte des Auszuges aus Ägypten bis zur Auffindung des Gesetzbuches im Jerusalemer Tempel) eine glänzende, mit Leidenschaft geschriebene Komposition ist, die mit dem Ziel verfasst wurde, Ereignisse der Vergangenheit und der Zukunft zu erklären, die Notwendigkeit religiöser Reformen zu rechtfertigen und die Gebietsansprüche der davidischen Dynastie zu untermauern.

Neben zahlreichen Landkarten, Rekonstruktionen von archäologischen Stätten und anderen Abbildungen, bietet das Buch auch tabellarische Listen der Könige von Israel und Juda, mit einer Gegenüberstellung ihrer alttestamentarischen Beschreibung, den außerbiblischen Belegen und den archäologischen Funden. Ein 38-seitiges Literaturverzeichnis und ein alphabetisches Register runden das Bild des auf dem neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden, sehr empfehlenswerten Sachbuches ab.

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53 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. November 2012
Zunächst die Stärken des Buches: Es ist aktuell, günstig als 380 seitiges Taschenbuch, Finkelstein als ausgewiesener Fachmann versteht es, den umfangreichen Stoff anschaulich und allgemeinverständlich darzustellen.
Man bekommt einen zutreffenden Überblick über die Forschungsgeschichte von Theologie und Archäologie (allerdings bewertet vom Autor). Die Meinung wird gut begründet vorgetragen.

Schwäche: Die Darstellung versucht den Eindruck zu vermitteln, als hätte die gegenwärtige Forschung oder "die" Archäologie das Vorgetragene herausgefunden bzw. würde die Kernthese ebenfalls vertreten. So schon im Titel: "Archaology's new Vision of Ancient Israel".
Dem ist nicht so.

Es handelt sich hier nicht um die Sicht "der" Archäologie, sondern um die des Autors und evtl. seiner Schüler.

Die Hauptthese, wonach die alttestamentl. Geschichtsbücher in der Josiazeit zusammengestellt, eingefärbt und in Umlauf gebracht wurden, ist sehr kühn. Vor allem wenn sie, wie wiederholt formuliert, weitestgehend mit den archäologischen Funden begründet wird. Denn gerade hier zeigt sogar der Überblick des Autors selbst über die Etappen der Archäologie im Vorderen Orient, wie sich im Abstand weniger Jahrzehnte, vor allem auf Grund neuer Funde die Forschungslage krass verändern kann.

Wer also mit diesem Buch meint, die letzte Wahrheit zum immer wieder kehrenden Diskurs "Die Bibel hat doch/nicht recht" in Händen zu haben, geht fehl.

Wer sich ein Urteil bilden will, wie Finkelsteins Sicht auf dem Hintergrund der gegenwärtigen Forschung zu bewerten ist, wird um eine aktuelle (!) Übersicht biblischer Archäologie, Geschichte Israels, Einleitung ins Alte Testament nicht herum kommen. Was das erste angeht, wäre z.B. das 2012 bei Reclam erschienene Büchlein von Eric H. Cline, "Biblische Archäologie" ein kostengünstiger Einstieg.
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36 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. März 2011
Ich zähle "Keine Posaunen vor Jericho" von Finkelstein und Silberman zu den 20 wichtigsten Sachbüchern, die man gelesen haben sollte. Warum? Weil darin sehr grundlegendes Wissen über unsere Weltwirklichkeit mithilfe der historisch-kritischen Methode vermittelt wird.

Das Buch legt verständlich aber fundiert den derzeitigen Stand der Wissenschaft dar, was der reale Hintergrund für die Entstehung des grundlegenden Teiles der Bibel war: Es handelt sich weniger um Berichte von realen Ereignissen, als vielmehr um Texte, die in theopolitischer Absicht komponiert wurden, zusammengesetzt aus Historie, Mythen, Legenden, Wunschdenken und Zielvorstellungen, geschrieben zur Erreichung eines bestimmten Zwecks in einer konkreten Situation in der damaligen Gegenwart.

Was profitiert man davon?

Zunächst wird man von der Illusion befreit, die biblischen Geschichten seien wörtlich wahr. Dies ist für das persönliche Weltbild wichtig, da diese Geschichten immer noch in Kindergarten, Schule und Literatur erzählt werden, wie wenn sie historisch wahr seien.

Auch wenn man nie selbst an diese Geschichten glaubte, kann man mithilfe dieses Wissens die christlich-jüdisch-islamisch geprägten Kulturen besser verstehen. Und diese Kulturen prägen die gesamte Welt.

Man erwirbt sich die grundlegende Kompetenz, auch bei anderen Texten historisch-kritisch zu hinterfragen, ob sie denn wahr sein könnten und was die wahre Absicht ihrer Verfasser war. Das einmal kennengelernte Prinzip kann auf jeden anderen Text übertragen werden: Auf das Neue Testament, auf den Koran, auf antike Philosophen und Historiker, bis hin zu modernen Texten und Filmen und ihren Hintergründen.

Man bekommt auch ein Verständnis dafür, dass eine Entmythologisierung nicht unbedingt die Entwertung eines Mythos nach sich ziehen muss. Was nicht wörtlich wahr ist kann dennoch im übertragenen Sinn von Bedeutung sein. Eine blindwütige Bilderstürmerei ist nicht angesagt.

Einladung an gläubige Leser:

Gläubige Leser sollten dieses Buch nicht zuerst als Angriff auf ihren Glauben lesen. Die Erkenntnis, dass ein heiliger Text nicht wörtlich wahr ist, entwertet diesen noch lange nicht als Grundlage für eine Religion. Natürlich bringt dieses Buch Erschütterungen für den Glauben mit sich, aber Erschütterungen können auch heilsam sein! Jedenfalls lehren alle Religionen das Vertrauen in die Vernunft, und dieses Vertrauen sollte man aufbringen. Gläubige Leser sollten sich insbesondere auch nicht gezwungen fühlen, gleich für alles eine Erklärung zu haben, sei es pro oder contra. Vernunft braucht Zeit. Man kann die Erkenntnisse dieses Buches auch erst einmal distanziert zur Kenntnis nehmen und mit ihnen gedanklich spielen. Nach einer Weile wird sich dann ganz zwanglos herauskristallisieren, was sich bewährt, und wo umgedacht werden muss, und wie dieses Umdenken zu einem neuen Ganzen führt. Ganz falsch wäre es sicher, die Ideen dieses Buches bewusst nicht zur Kenntnis zu nehmen. Dann hätte man gegen die Religion gehandelt, weil man nicht auf die Vernunft vertraute.

Vierteilige Doku:

Zum Buch gibt es eine sehr gut gemachte vierteilige TV-Doku von 4 x 50 Minuten, die die Inhalte des Buches gut und umfassend präsentiert und mit Bildern von Ausgrabungen, Papyri, Keilschrifttexten usw. unterlegt, sowie Interviews mit an der Forschung beteiligten Wissenschaftlern zeigt. Sie wird unter verschiedenen Titeln auf DVD vertrieben, z.B. "Die Enthüllung der Bibel" oder "Was die Bibel verschweigt". Empfehlung!

Stichworte: Bibel, Glaube, Religion, Abraham, Moses, Salomon, Koran, Islam, historisch-kritische Methode, Messias, Israel, Palästina, Heiliges Land, Altes Testament, Judentum, Juda
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57 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Zahlreiche (sich widersprechende) Doppel- und manchmal Dreierversionen derselben Ereignisse in den Berichten über die Wanderung der Erzväter, dem Auszug aus Ägypten und der Gesetzgebung lassen unterschiedliche Quellen erkennen, die zu verschiedenen Zeiten aus bestimmten Gründen zusammengefügt oder redaktionell überarbeitet wurden. Die alttestamentarischen Geschichten sind demnach als nationale Mythen einer pan-israelitischen Idee zu betrachten.....
Neben der historischen Verschwommenheit (13. Jahrhundert v. Chr.) des ?Auszuges aus Ägypten? gibt es keine archäologischen Beweise dafür, dass zu dieser Zeit eine große Volksgruppe den Sinai durchzogen hat. Die Auseinandersetzung zwischen Moses und dem Pharao ist vielmehr eine Spiegelung der historischen Konfrontation zwischen dem judäischen König Josia (639-609 v. Chr.) und Pharao Necho. Ebenso gab es keine gewaltsame Einnahme Kanaans. Jericho Mauern haben auch nicht einstürzen können, da die kanaanitischen Städte keine Stadtmauern besaßen.. Die meisten Menschen, die man als frühe Israeliten bezeichnen kann, waren vielmehr Einheimische, die sich um 1200 v. Chr. infolge eines dramatischen sozialen Wandels weitab der kanaanitischen Städte im westjordanischen Bergland niederließen und zweihundertfünfzig Dörfer gründeten. Aus dieser Zeit stammt der älteste kultische Ritus, kein Schweinfleisch zu essen. Archäologische Befunde deuten darauf hin, dass Jerusalem zur Zeit der "Könige" David und Salomon (ca. 1005 - 931 v. Chr.) nicht größer als ein kleines Bergdorf gewesen ist. Beide waren lediglich Stammesoberhäupter mit einer ziemlich kleinen und lokal beschränkten Verwaltung. Denn es gab immer zwei verschiedene Gemeinwesen im Bergland, von dem das südliche (Juda) stets ärmer, schwächer und ländlicher war als das Nordreich (Israel). Die Könige des Nordreiches, die in Alten Testament ausnahmslos als Götzendiener beschrieben werden, besaßen tatsächlich eine außerordentliche militärische Macht und eine hochentwickelte Verwaltung und ließen architektonische Leistungen vollbringen. Da sie jedoch auch Baals- Astartekulte nicht nur zuließen, sondern auch förderten, werden sie im Alten Testament negativ dargestellt. Gleiches gilt auch für den judäischen König Manasse (698-642 v. Chr.), der als schlimmster aller Apostaten beschrieben wird und dem die Bibel die Schuld für die spätere Zerstörung des 1. Tempels und die Verschleppung nach Babylon (586 v. Chr.) gibt.................

Sachlich kontrovers, jedoch frei von Polemik weisen die Autoren auch auf einige Anachronismen hin. So gibt es bereits in der Geschichte der Erzväter massenhaft Kamele, obwohl diese erst weit nach 1000 v. Chr. im alten Orient als Lasttiere Verwendung finden sollten. Isaak begegnet Abilech, dem König der Philister. Dieses Volk sollte jedoch erst nach 1200 v. Chr. an der kanaanitischen Küste auftauchten und dort sesshaft werden.
Die Buchautoren kommen zu dem Schluss, dass die unter der Herrschaft König Josias (639-609 v. Chr.) zusammengestellten Sage (von der Geschichte des Auszuges aus Ägypten bis zur Auffindung des Gesetzbuches im Jerusalemer Tempel) eine glänzende, mit Leidenschaft geschriebene Komposition ist, die mit dem Ziel verfasst wurde, Ereignisse der Vergangenheit und der Zukunft zu erklären, die Notwendigkeit religiöser Reformen zu rechtfertigen und die Gebietsansprüche der davidischen Dynastie zu untermauern.
Neben zahlreichen Landkarten, Rekonstruktionen von archäologischen Stätten und anderen Abbildungen, bietet das Buch auch tabellarische Listen der Könige von Israel und Juda, mit einer Gegenüberstellung ihrer alttestamentarischen Beschreibung, den außerbiblischen Belegen und den archäologischen Funden. Ein 38-seitiges Literaturverzeichnis und ein alphabetisches Register runden das Bild des auf dem neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden, sehr empfehlenswerten Sachbuches ab.
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19 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. April 2011
Es ist jedem denkenden Menschen schon aufgefallen, dass die von bibeltreuen Christen als absolute, wortwörtliche Wahrheit dargestellten Erzählungen der Bibel eine immense Herausforderung an Logik und Verstand sind. Die Autoren dieses Buches decken mit Sachkunde und Ruhe den Grund dafür auf und verzichten dabei auf Polemik. Sie stellen keine neuen Thesen auf sondern erklären anhand alter und neuer Erkenntnisse, welche Angaben des AT - zum Beispiel die Namen der Orte und die der israelitischen und judäischen Könige - als Fakten untermauert werden können. Gleichzeitig machen sie deutlich, welche Angaben als literarische Ergänzung gelten, da sie im Vergleich zu den tatsächlichen damaligen Gegebenheiten, die recht gut außerbiblisch dokumentiert sind, so nicht geschehen konnten. Das Niveau des Glaubens an die Schöpfung in sechs Tagen und Adam und Eva im Paradies sinkt dabei ins Bodenlose, ohne dass es erwähnt werden muss. Dieses Buch ist die hervorragendste Grundlage für weitere bibelkritische Themen und Bücher, die ich bis jetzt gelesen habe.
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24 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. November 2009
Die Autoren tragen hier kleinlich genau die aktuelle archäologische Forschung zusammen. Mit dieser Arbeit zeigen sie Deutlich auf, dass viele Ergeignisse sicher nicht so wie in der Bibel beschrieben stattgefunden haben können.

Das Ganze ist sehr übersichtlich gemacht und es wird detailiert auf die Bibelstellen und die Beziehungen hingewiesen, es wird auch immer wieder zwischen Thesen, Fakten und Annahmen unterschieden.

Natürlich gibt es unbelehrbare Gläubige welche es einfach nicht wahr haben wollen, dass das "Alte Testament" zu grossen Teilen Propaganda und Wunschdenken als wahre Geschichten ernhält und diese versuchen hier bei den Kommentare auf Widersprüche aufmerksam zu machen. Das Buch begründet sehr gut woher welche Informationen stammen und wie man welche Thesen ableitet.

Wenn man im Zusammenhang mit dem Auszug der Israeliten aus Agypten ca. duzende Widersprüche belegen kann, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Rest trotzdem stimmt. Dazu wird klar erwähnt, dass es gut Möglich ist, dass eine kleinere Gruppe von Israeliten Fronarbeit in Agypten geleistet hat und später geflohen oder entlassen wurden. Die Geschichte in der Bibel mit den 50 Jahren in der Wüste etc. wird jedoch ganz klar als Märchen entlarvt.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Juli 2013
Einige der Kritiker ließen verlauten, dass die Zahlen mit der Bibel um 1650 sehr wohl übereinstimmen. Die Schreiber dieses Buches gaben sehr wohl zu erkennen, dass sie sich nach der Übersetzung und der Zeittabelle von Luther richten und dort steht die Einnahme von Kanaan nun einmal um 1230 an. Und dafür gibt es keine Spuren. Es sei denn man würde den Auszug auf das 3. Jahrtausend vor Christus legen. Aber auch andere Bibelübersetzungen gehen nicht so weit zurück. Von daher gibt es entweder keine Spuren für eine Wanderung die unmittelbar mit dem Auszug verknüpft ist oder aber der Auszug aus Ägypten fand ca. 1000 Jahre eher statt. Allerdings gäbe es dann das Problem, dass die Israeliten als Volk erst über 1000 Jahre später erwähnt werden durch Merenptah. Viele der archäologischen und literarischen Spuren außerhalb der Bibel lassen doch ein ganz anderes Bild verlauten. (Für meinen persönlichen Geschmack ein realistischeres.)

Weiter geht natürlich die Anklage, des Textes. Bibelwissenschaftler (nicht Israel Finkelstein und Neil A. Silberman) setzen die Handschrift (d. h. die Ausdrucksweise die bei jedem Schreiber individuell ist) auf unterschiedliche Schreiber fest. Der deuteronomistische Teil ist der schwerwiegendere Teil, der die Geschichte erzählt so wie wir sie heute kennen. Dieser Schreiber bezog sich hauptsächliche auf die Welt die er kannte, auf Königreiche die in seiner Zeit waren. Die es davor nicht gab. Er bezog sich auf Ansichten und Bauweisen, für die es vor seiner Zeit keine Spuren gibt. Nur das konnte er natürlich nicht wissen. Und vor allem nicht das einmal eine Zeit kommen wird in der man solches überprüfen kann. Damit steht das Hauptwerk, (das was bis heute im Fokus der Auslebung für Judentum und Christenheit steht) im Fokus des 7. Jahrhunderts vor Chr. Ca. 2000 Jahre nach den Spuren des ersten Geschehens (die Urväter nicht mit einkalkuliert) oder ca. 600 Jahre nach der Lutheranischen Zeittafel. (d. h. 30 bis 100 Generationen später wurde der Text formuliert oder eben umformuliert.)

Meisterhaft wird in diesem Buch die archäologischen und literarischen Funde zusammengefügt. Die nicht nur verdeutlichen das viele Textpassagen in der Bibel deutlich ausgeschmückt sind (wie die 600 000 Seelen beim Auszug aus Ägypten – nur zum Vergleich im 10. Jahrhundert v. Chr. lebten nach archäologischen Funden nur 45 000 Seelen in Israel, selbst in ihren Blütezeiten haben sie solche Zahlen nicht erreicht.) sondern auch deutlich zeigen, dass so wie es geschildert ist nichts passiert ist. David herrschte über Dörfer (unwichtige dazu). Die Omriden (in der Bibel absolute Tyrannen) sorgten für Wohlstand und Blüte. Genau wie Manasse und Ahas. Fürsten die in der „menschlichen“ Geschichte deutlich den Rang von Großen und gütigen Königen erhalten hätten. Doch in der Bibel werden sie abtrünnig böse dargestellt. Anders wie Hiskia und Josia (die wiederum tatsächlich brutal dem Volk und ihrer Lebensweise gegenüberstanden) diese werden als Helden des Guten verehrt. Sie töteten und verstümmelten Priester und schmiedeten Pläne wodurch tausende den Tod fanden. An der Stelle, dachte ich als Gläubiger, auf welcher Seite stehen wir eigentlich. Wenn wir uns so deutlich machen lassen das, dass Böse das Gute ist und das Gute das Böse, nur weil es nicht das tut was andere aus dem Neid heraus verlangen. In wie weit sind wir dann noch die Kinder Gottes auf die er stolz sein kann. Denn die deuteronomistischen Schreiber waren wohl die Priester der JHWH Kultstätte in Jerusalem die nicht so deutlich besucht war, wie die Stätten in Bethel und Dan. Und jeder der sich mit Geschichte auskennt, weiß das dank solchen Pilgerstätten eine Menge Reichtum und Ruhm zu scheffeln war. Aus diesem Neid heraus entstand der JHWH Allein Kult. Der sich nur dank der Gefangenschaft in Babylon ausweiten ließ. Denn jegliche Versuche durch Hiskia und Josia schlugen fehl, die Leute verlangten ihre alten Traditionen wieder. Genauso wie es bei Echnaton in Ägypten passierte. Doch nachdem in der Gefangenschaft die fast 100 Jahre währte, die letzen Schreiber die Priester den Text umformulierten gab es kein Königshaus mehr das den Messias stellen sollte. (Ihre Marionette zum Aufstieg. Damit er ihre Kultstätte als die einzige der Anbetung verlauten lässt, dafür hatte ja nur der König die Autorität.) Es gab nur noch das Volk und die Religion oder eher gesagt die Religion und das Volk. Dank dem Generationswechsel (wodurch keine Erinnerungen mehr durch Überlebende vorhanden waren) konnte sich ihr JHWH Allein Kult etablieren. Sie brauchten keine Marionette mehr dazwischen. Für mich persönlich, wäre es sehr interessant zu erfahren, wie war der alte Glauben, wie verehrte man JHWH wirklich, wofür stand er. Aber das werden wir wohl dank den Schreibern mit persönlichen Ambitionen Richtung Reichtum, Ruhm und Macht nie erfahren…

Das Buch ist höchstinteressant und brillant geschrieben und kombiniert. Es lässt natürlich Lücken offen und gibt deutlich zu erkennen wann es sich nur um eigene Interpretationen handelt. Es lässt aber eben keine Lügen über Geschehnisse zu, die deutlich (zu 100%) zu belegen sind. Wer sich für die Wahrheit interessiert der sollte sich unbedingt dieses Buch zulegen. In vielerlei Hinsicht werden einen auch die Augen auf andere Fragen der jetzigen Zeit geöffnet. Fünf Sterne von mir…
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37 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. August 2009
Die Polemik gegen das Buch finde ich eher beschämend. Das klingt mehr nach "eingeschnappten Christ", der wissen will, dass die Bibel vom Himmel gefallen ist.
Die Frage, die sich Finkelstein stellt, ist eben jene jüdischer Geschichtsauffassung (vielleicht, weil selbst bei einem jüdischen Wissenschaftler etwas hängen bleibt...)

Ich bin Theologiestudentin und das Buch wurde mir zur Vorbereitung auf das Vordiplom von einem namhaften Göttinger Professor als Zusatzlektüre nahe gelegt. Sollte I. Finkelstein tatsächlich ein "fragwürdiger" Wissenschaftler und Autor sein, dann muss ich mich wohl fragen, weshalb das Buch anscheinend auch in Theologenkreisen nicht übergangen wird.

Über den reißerischen Titel mag man indes wirklich streiten, aber den Autoren nachzusagen, sie wollten Bibel und Glauben auf den Kopf und in Frage stellen, ist absoluter Nonsens.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. April 2014
Die wissenschaftliche Sicht der Dinge ist für alle i nteressierten und selbst denkenden Menschen von unschätzbarem Wert.!!!
Sehr zu empfehlen.
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26 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Juli 2007
Israel Finkelstein hat mit "Keine Posaunen vor Jericho" seine Jahrelang anhaltenden Arbeitsergebnisse aus archäologischen Feldforschungen veröffentlicht, die nicht jeder Akzeptieren will. Anhand von Ausgrabungen in Megido und Jerusalem lässt sich sehr gut nachvollziehen, dass die Völker Juda und Israel einst aus den Gegenden vom Sinai eingewandert sind.
Danach praktizierte das reiche Volk Israel Politheismus und das ärmere Volk von Juda konnte sich die Vielgötterei nicht leisten und begnügte sich mit dem Monetheismus, wo ein Gott alle Kräfte vieler Götter in sich vereinte.
Eine Interessante Darstellung und unbequeme Wahrheit, die nicht jeder akzeptieren will!
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