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52 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leben und Sterben in Briefen
Vor kurzem erschien bei der Deutschen Verlags-Anstalt ein beeindruckendes Buch über das viel zu kurze Leben der jüdischen Ärztin Lilli Jahn.
Wer jetzt denkt, daß es sich bei dem Buch nur um eine weitere Veröffentlichung handelt, in der es um eine Jüdin im Dritten Reich geht, der liegt nicht ganz richtig, denn das Buch zeichnet sich...
Veröffentlicht am 8. Oktober 2002 von KL

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tragische Geschichte, die leider nicht selten war
Ohne die Tragik des Schicksals dieser Ärztin relativieren zu wollen, muss man deutlich machen, dass ähnliche Schicksale leider nicht selten waren. Das Buch ist so geschrieben, dass man es von Seite zu Seite voller Hoffnung liest, wohl wissend, wie die Sache ausging. Die Auswahl der Briefe mag nicht immer geschickt sein, die Aussagen wiederholen sich, durch die...
Vor 6 Monaten von Peter veröffentlicht


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52 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leben und Sterben in Briefen, 8. Oktober 2002
Vor kurzem erschien bei der Deutschen Verlags-Anstalt ein beeindruckendes Buch über das viel zu kurze Leben der jüdischen Ärztin Lilli Jahn.
Wer jetzt denkt, daß es sich bei dem Buch nur um eine weitere Veröffentlichung handelt, in der es um eine Jüdin im Dritten Reich geht, der liegt nicht ganz richtig, denn das Buch zeichnet sich durch mehrere Besonderheiten aus:
Zunächst einmal wird hier nicht die Geschichte einer Überlebenden, sondern die Geschichte einer Frau erzählt, die nach ihrer Überstellung vom Arbeitslager Breitenau nach Auschwitz diesen Ort nicht mehr lebend verlassen sollte.
Daß ihre Geschichte trotzdem erzählt werden kann, ist der Tatsache zu verdanken, daß Lilli Jahn einen regen Briefwechsel mit ihren Kindern führte, aus dem Breitenauer Lager hinaus. Und daß diese Briefe vor ihrer Überstellung nach Auschwitz, vermutlich durch eine Aufseherin, aus dem Lager hinausgelangen konnten.
Nach dem Tod von Lillis Sohn Gerhard, Justizminister im Kabinett Willy Brandts, im Jahre 1998, fanden sich in seinem Nachlaß diese Briefe wieder. Und dank der Fürsprache Martin Doerrys, des Enkels von Lilli Jahn, gestatteten es die übrigen Kinder Lilli Jahns, daß diese Briefe in "Mein verwundetes Herz" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.
Herausgegeben wurde das ganze von Martin Doerry, einem Enkel Lilli Jahns und stellvertretender Spiegel-Chefredakteur. Dabei hat Herr Doerry nicht nur die bereits erwähnten Briefe verwendet, sondern es geschafft noch viele weitere Briefe Lillis an Freunde und Verwandte aufzutun, so daß die Lebensgeschichte Lilli Jahns fast vollständig mit Hilfe von Briefen erzählt werden kann. Martin Doerry erläutert dabei und verbindet die einzelnen Briefe miteinander, doch enthält er sich jeglicher Wertung, was mir sehr lobenswert erscheint.
So entsteht vor dem inneren Auge des Lesers ein Bild nicht nur von Lilli Jahn selbst, sondern auch von ihrer Umgebung.
Im Jahr 1900 kam Lilli in einer jüdischen Familie zur Welt und wuchs relativ behütet auf. Ihre Eltern ermöglichten ihr ein Medizinstudium, was in jener Zeit noch etwas relativ ungewöhnliches war, und gestatteten ihr schweren Herzens auch die Heirat mit dem Protestanten Ernst Jahn.
Die junge Familie zog nach Immenhausen, einem kleinen Dorf bei Kassel, in dem Lilli das Kulturangebot der Großstadt, das sie schon immer gerne und ausgiebig wahrgenommen hatte, schnell vermißte. Auch der schnell zunehmende Antisemitismus vergiftete die Atmospähre mehr und mehr: Lilli konnte ihren Beruf nicht mehr ausüben, Freunde wandten sich ab und die Kinder fühlten sich ausgegrenzt.
Als sich Ernst in eine jüngere, arische Ärztin verliebte und sich, nach der Geburt eines gemeinsamen Kindes, letzlich auch noch von Lilli scheiden ließ, tat sich schnell ein Abgrund auf, in den Lilli hineingezogen wurde. Ernst Jahn hatte wohl vermutet, daß Lilli wegen der fünf gemeinsamen Kinder nichts ernsthaftes zustoßen würde, doch sie wurde, eigentlich aufgrund einer Lappalie, verhaftet und kam nicht mehr zurück.
Von der Polizeistelle wurde sie direkt ins Arbeitslager Breitenau deportiert. Hier entstanden die vielen Briefe an ihre Kinder und hierher schickten die Kinder ihre liebevollen, sehnsüchtigen Briefe, die das Herzstück von "Mein verwundetes Herz" bilden. Doch weder die Liebe und Sehnsucht von Mutter und Kindern, noch die zaghaften Versuche von Ernst Lillis Freilassung zu bewirken halfen.
Die Geschichte von Lilli Jahn die mit Hilfe vieler bewegender Briefe in "'Mein verwundetes Herz`. Das Leben der Lilli Jahn 1900-1944" erzählt wird, ist es allemal wert gelesen zu werden.
Denn wie könnte das Schicksal, das Millionen von Menschen im Dritten Reich erleiden mußten, uns heute besser bewußt werden, als am Schicksal einer einzelnen Person, deren Lebensweg mit Hilfe zeitgenössischer Dokumente erzählt wird?
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22 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine sehr traurige Geschichte...., 22. August 2002
Doerry Martin Mein verwundetes Herz DVA ISBN 3 421 05634 X
S. 338
Dieses ist das Lebensbild der Jüdin Lilli Jahn, die 1944 mit 44 Jahren in Auschwitz zu Tode kam.
Aufbereitet wurde ihre Geschichte von ihrem Enkel Martin Doerry.
Wieder einmal liegt hier ein Zeugnis vor über eine Zeit, in der Menschen gelegentlich Mitmenschlichkeit zeigten , mehrheitlich aber von Gedankenlosigkeit und Inhumanität gekennzeichnet waren.
Das Verdienst dieses Buches ist es , daß in nüchternen Tatsachen über die Judenverfolgung berichtet wird. Einzig die Zeugnisse der Kinder in Briefen an die Mutter und andere, mit kurzen Zwischentexten und Erläuterungen, machen das Buch bemerkenswert und eindrucksvoll.
Lilli Jahn, Ärztin,assimiliert und dem Christentum zugehörig, war verheiratet mit dem Arzt Ernst Jahn , mit dem sie eine Praxis in Immenhausen bei Kassel betrieb. Sie hatten fünf Kinder, als sich ihr Mann Ernst Jahn mit einer jüngeren Ärztin liierte. Diese führte die Praxis zusammen mit Ernst Jahn, nachdem Lilli als Jüdin die Praxiszulassung entzogen worden war. 1942 folgte die Scheidung von Lilli, deren Konsequenzen Ernst Jahn wahrscheinlich nicht einmal richtig einschätzen konnte.
Lilli wurde 1943 in das Arbeitserziehungslager in Breitenau bei Kassel interniert. Von dort kam sie 1944 nach Auschwitz. Die Kinder blieben alleine in einer Wohnung in Kassel, wohin sie mit der Mutter aus Immenhausen gezogen waren. Hilfe vom Vater kam nicht.
Mögen die Briefe der Kinder an die Mutter zunächst auch etwas altmodisch anmuten: fünf Kinder zwischen 2 - 16 Jahren müssen sehr plötzlich für sich selber sorgen. Zuerst besteht noch Hoffnung, daß der Zustand nur vorübergehend ist. Allmählich wird diese Hoffnung zunichte. Erst nach der Ausbombung der Wohnung in Kassel kommen die Kinder wieder zum Vater nach Immenhausen. Mit der neuen Frau des Vaters kommen sie nur schlecht zurecht. Die älteste Tochter Ilse ist Bezugspunkt für die kleineren Schwestern, und sie bemüht sich auch am intensivsten, der Mutter zu helfen.
Es ist nur ein Teil dieser tragischen Geschichte, daß es hier auch um eine Ehetragödie geht: einen depressiven und schwachen Mann, der seiner starken Frau nicht die Liebe zu geben vermag, die sie so gerne erzwungen hätte.
Anrührend ist es, eine Kinderschar alleine gelassen zu sehen, die natürlich in Liebe, Anhänglichkeit und Abhängigkeit an der Mutter hingen; und daß eine Mutter hilflos erleben muß, daß sie für ihre Kinder nicht mehr sorgen kann, ja, daß sie allein gelassen ihrem schweren Schicksal entgegen geht,von dem sie mit großer Wahrscheinlcihkeit Kenntnis hatte .
Ich möchte das Buch sehr empfehlen, weil es einerseits die Verstrickungen jüdischer und nicht-jüdischer Bürger zeigt, in die Menschen geraten konnten, zum anderen die Grausamkeit des Systems in eindringlicher, nachvollziehbarer Form versinnbildlicht.
Claudine Borries
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27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein bewegendes und glaubhaftes Zeugnis, 17. September 2002
Von 
Seit dem Tagebuch der Anne Frank und dem Film Schindlers Liste habe ich noch keine so eindruckvolle und berührende Schilderung einen Familienschicksals aus der Zeit des Holocaust gelesen. Dieser Briefwechsel zwischen der Jüdin Lilly Jahn und ihrer Kinder geht total unter die Haut und treibt die Tränen in die Augen, ohne dabei sentimental zu sein. Diese Familie zeichnet sich aus, durch einen zärtlichen Umgang miteinander, durch die gegenseitige Sorge, die verhindert, dass die Mutter aber auch die älteren Kinder aufgeben und resignieren. Gerade die älteste Tochter versucht ihre Mutter im Lager durch die Schilderung ihres Alltags auf dem Laufenden zu halten. Oft fühlt sich sich mit ihren 15 Jahren als Ersatzmutter ihrer jüngeren Geschwister überfordert, zumal sie kaum Hilfe von außen hat und zudem auch noch mit den jüngeren Geschwistern ausgebombt wurde und damit auch ihr Zuhause verlor. Der Kontakt zu Mutter verhilft ihr den großen Anforderungen, die an sie gestellt werden gerecht zu werden und nicht den Mut zu verlieren. Umgekehrt schreibt die Mutter der Tochter Ilse nur "geschönt" ihren wahren und grausamen Alltag im KZ, um sie und die Geschwister vor der harten Wahrheit zu verschonen.
Unverständlich dagegen bleibt mir die feige, opportunistische Haltung des Vaters und Ehemannes der den Weg des geringeren Widerstands geht, seine Familie auf Druck und mit dem "Segen" des Nazi-Regimes verlässt, eine neue Familie gründet und Frau und Kinder gerade dann im Stich lässt, als sie ihn am meisten brauchen. Ich frage mich wirklich, wie er nach dem Sterben seiner Frau im KZ Ausschwitz noch selbst vor sich bestehen konnte!?
Dem Enkel MARTIN DOERRY gelingt mit Veröffentlichung dieser Briefe eine einfühlsame und doch nicht sensationslüsterne Zusammenfassung. Er hält Abstand und berichtet relativ nüchtern und doch spürt man die große Familienzusammengehörigkeit und den Respekt den er insbesondere seiner Großmutter noch nach ihrem Tod zollt.
Ein ganz besonderes und wertvolles Buch, für das eine fünf Sterne Bewertung einfach nicht ausreicht!
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein erschütterndes Buch, 15. Oktober 2002
Sicherlich erfährt man nichts Neues aus dieser schlimmen Zeit, aber die Art und Weise ist sehr eindrücklich. Lilli Jahn ist eine lebenslustige junge Frau, vielseitig interessiert an Kunst, Literatur, Musik, während ihr Ehemann von ganz gegensätzlichem Naturell ist: eigenbrötlerisch mit einem Hang zur Schwermut. Der Briefwechsel umfasst nicht nur die Zeit des Nationalsozialismus, sondern beginnt schon in der Studienzeit Lillis. So bekommt man eindrucksvoll mit, wie sie sich im Laufe der Jahre verändert. Aus der fröhlichen Ärztin wird eine eingeschüchterte Frau, die sich zuletzt kaum noch aus dem Haus traut und deren Freunde sich auch nach und nach von ihr zurück ziehen. Obwohl sich ihr Mann in den Kriegsjahren von ihr scheiden lässt und sie somit der Verfolgung aussetzt, findet sich in ihren Briefen kein böses Wort über ihn, was mich dagegen teilweise zur Weissglut getrieben hat.
Sehr gut hat mir die Art der Veröffentlichung gefallen. Das Buch besteht nicht nur aus den Briefen, Martin Doerry hat die Briefe mit erzählenden Passagen verbunden und es dabei geschafft, eine Wertung der Dinge den Lesern zu überlassen, obwohl in Briefen und Passagen teilweise erschütternde Dinge erzählt werden.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In Memoriam: Dr. med. Lilli Jahn (1900-1944), 11. November 2011
Von 
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: "Mein verwundetes Herz": Das Leben der Lilli Jahn. 1900 - 1944 (Taschenbuch)
Dieses Buch beschreibt das tragische Leben der jüdischen Ärztin Dr. med. Lilli Jahn
und deren Ermordung in einem Konzentrationslager der Nationalsozialisten.

Die junge Ärztin Dr. Lilli Schlüchterer heiratete 1926 den gleichaltrigen Arzt Ernst Jahn.
Sie eröffneten gemeinsam eine Hausarzt-Praxis und bekamen im Laufe der Jahre 5 gemeinsame Kinder.

Die beliebte, lebensfrohe und engagierte Hausärztin durfte nach der "Machergreifung" der National-
sozialisten nicht mehr als Ärztin arbeiten. Aufgrund ihres jüdischen Glaubens entzog man ihr die
Approbation (Zulassung) als Ärztin und die Promotion.

Bis 1943 blieb Lilli Jahn relativ unbehelligt. Die Ehe mit ihrem "arischen" Ehemann schützte sie
zunächst vor der Deportation in ein Konzentrationslager.
1942 nahm sich ihr Ehemann eine jüngere Geliebte, zeugte mit dieser ein Kind und forderte nun von
seiner Ehefrau die Ehe-Scheidung.
Nach der Scheidung mußte Lilli Jahn das gemeinsame Haus verlassen, zog nach Kassel und mußte nun
jederzeit mit ihrer Deportation rechnen.
1943 wurde sie schließlich verhaftet, in Gestapohaft schwer mißhandelt, als Zwangsarbeiterin in
einer Pharmafabrik eingesetzt und im Frühjahr 1944 nach Auschwitz deportiert.
Im September 1944 starb Lilli Jahn in Auschwitz.

Lilli Jahn gelang es irgendwie, über 250 Briefe ihrem Sohn Gerhard zukommen zu lassen.
Dieser Sohn -Dr. iur. Gerhard Jahn (1927-1998)- wurde später u.a. Bundesminister der Justiz.
Als dieser 1998 verstarb und sein Nachlass gesichtet wurde, wurden die Briefe seiner Mutter
entdeckt.
Gerhard Jahn hatte die Briefe seiner Mutter heimlich verwahrt, deren "Noch-Existenz" nur ihm
bekannt war.
Lilli Jahns Enkel, der Historiker und Spiegel-Redakteur Martin Doerry, sichtete diese Lebenszeug-
nisse seiner Großmutter und veröffentlichte diese 2002 unter dem Titel "MEIN VERWUNDETES HERZ".

FAZIT:

Ein bewegendes Buch über das tragische Leben der jüdischen Ärztin Dr. med. Lilli Jahn.
11 lange Jahre gelang es ihr, als Jüdin die nationalsozialistische Herrschaft zu überleben.
Erst als ihr Mann sie fallen ließ, war sie schutzlos, und starb schließlich nur 8 Monate vor dem
Kriegsende, das ihre Rettung bedeutet hätte.
Es ist gut, dass ihr Enkel den Wert dieser "Zeitdokumente" erkannte und schließlich den Mut fand,
diese zu veröffentlichten.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit der Kraft der Zurückhaltung, 14. September 2004
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Lilli Jahn kommt aus einer wohlhabenden Familie, sie studiert Medizin, heiratet und hat fünf Kinder. Aber: Es ist eine wohlhabende, jüdische Familie. Ihr Mann lässt sich scheiden und wendet sich einer anderen Frau zu. Lilli Jahn wird zunächst in ein Arbeitserziehungslager gebracht und stirbt 1944 in Auschwitz. Diese Geschichte - so sollte man jedenfalls denken - spricht für sich. Doch das möchte ich anzweifeln. Es bedurfte erst einer langwierigen handwerklichen und redaktionellen Arbeit, einer journalistischen Vorarbeit und Recherchen vor Ort - und sicherlich auch einer großen persönlichen Überwindung, die man heute gerne als „Trauerarbeit" bezeichnet (womit allerdings nicht viel erklärt ist). All diese Arbeiten, so mühevoll und belastend sie auch gewesen sein mögen, halten sich sehr zurück und bleiben ganz im Hintergrund. Wie bei perfekter Organisation, die nur aufgefallen wäre, wenn sie an irgend einer Stelle versagt hätte, so fallen auch hier die Anstrengungen von Martin Doerry nicht weiter auf; wie mit leichter Hand werden - mit nur wenigen Strichen - die Originale ausgeleuchtet und wirkungsvoll zur Geltung gebracht: Briefe, Fotos, Zitate, Dokumente - alles in flüssiger Prosa. Umso stärker ist die Wirkung, der wir schutzlos ausgesetzt sind. Hier kann man wirklich sagen: Es haut einen um!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einmaliges Zeitdokument, 3. September 2003
Von Ein Kunde
Der Vergleich mit dem "Tagebuch der Anne Frank" ist berechtigt: man wünscht sich für dieses eindrückliche Zeitdokument so viele Leser wie möglich!
Die Biograhpie der Ärztin und fünf-fachen Mutter Lilli Jahn (1900-1944) steht stellvertretend für Millionen Leidensgenossen, die im Naziterror umgekommen sind- vor den Augen von Nachbern, Freunden und Mitbürgern.
Einmalig -und daher vergleichbar mit Anne Frank- ist allerdings die Form des Buches: ausschließlich Briefe an und von Lilli Jahn geben einen detailllierten und tiefen Einblick in ihr Leben. Die Mischung aus "Alltag und Geschichte" macht diese Zeitdokument wohl einmalig. Es ist nicht übertrieben: manchmal kann man die Lektüre kaum aushalten, so nah fühlt man sich den briefschreibenden Kindern und der totgeweihten Mutter.
Die diskreten Zwischenkommentare des Herausgebers (und Enkels) Martin Doerry verbinden die zahlreichen Briefe perfekt miteinander, auf eine Wertung verzichtet er dabei völlig.
Ein sehr beeindruckendes Buch!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen uneingeschränkt zu empfehlen, 11. April 2007
Grundlage dieses Hörbuches (2 CD's )bildet das Buch von Martin Dörry "Mein verwundetes Herz". Das Leben der Lilli Jahn, 1900 - 1945.
Zu Beginn wird kurz geschildert, wie Lilli sich verliebt, heiratet und zusammen mit ihrem Mann 5 Kinder erhält. Später schmählich hintergangen und im Stich gelassen. Die Mischehe (sie Jüdin und Ärztin / er Deutscher und ebenfalls Arzt) steht unter keinem guten Stern. Die Vorschriften für Juden häufen sich.
Lilli kann sich lange bei der Familie halten, bis dann auch sie -wegen eines fadenscheinigen Vergehens- ins Gefängnis muss.
Unter bedenklichen Bedingungen lebt und leidet sie - was in den zahlreichen Brieffolgen zwischen den Kindern und der Mutter belegt ist.

Ich möchte hiermit meine beste Empfehlung für das Hörbuch abgeben:
Excellent besprochen von Martin Doerry, Sunnyi Melles, Beate Jensen - wird die kurze Lebensgeschichte der Lilli Jahn erzählt. Hauptbestandteil bilden die Briefwechsel, welche sehr ergreifend sind !
Man gewinnt grosse Achtung vor der Mutter und den Kindern, die häufig schreiben und der sehr vermissten Mutter "vom Munde abgespartes" Essen senden - sie auch moralisch aufmuntern und am Leben teilhaben lassen wollen. Einzigartig, die Briefe aus dem Gefängniss, Briefe einer starken Frau, die Dankbarkeit zurück gibt und die Kinder trotz der schlechten Lebensbedingungen nicht zusätzlich verängstigen möchte; sie unglaublich vermisst. Die Worte, teils auf Packpapier, Medikamentenpackungen etc. geschrieben, sind in zunehmendem Masse verschlüsselt - und doch wiederspiegelt sich darin die unglaubliche Not in der sich Lilli Jahn befand - und wiederum ihre Stärke, wie sie sich selbst zurücknimmt.
Meine grosse Hochachtung und beste Empfehlung.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein wichtiger Beitrag zur Holocaustliteratur, 18. August 2005
Rezension bezieht sich auf: "Mein verwundetes Herz": Das Leben der Lilli Jahn. 1900 - 1944 (Taschenbuch)
Dieses Buch ist ein zutiefst erschütterndes Dokument über eine Familie, die soviel zu erleiden und erdulden hatte u. am Ende dann doch die Mutter verloren hat.
Dem Autor dieses Buches ist es durch seine Auswahl an Briefen (die sicherlich nicht leicht war) gelungen, das Schicksal dieser Familie deutlich zu machen. Es tat mir oft in der Seele weh, die Briefe der Mutter an ihre Kinder zu lesen und das gleiche gilt für die Kinder. Wie sehr alle gehofft haben, dass die Mutter wieder zurück kommt und sich alles zum guten wendet. Wie stark alle miteinander warem um den Alltag zu durchstehen und die Hoffnung nie aufzugeben, dass die Mutter wieder zurück kommt. Ich habe schon oft Bücher gelesen, die zum größten Teil aus Briefen bestanden, aber noch keines, ist so ergreifend gewesen wie dieses. Dieses Buch gehört eindeutig zu einem der wichtigsten Berichte über den Holocaust.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein trauriges Familienschicksal, das sich in ähnlicher Form millionenfach ereignet hat, 2. Juni 2014
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hillershausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: "Mein verwundetes Herz": Das Leben der Lilli Jahn. 1900 - 1944 (Taschenbuch)
Die jüdische Ärztin Lilli Schlüchterer heiratet ihren Arztkollegen Ernst Jahn noch vor dem Zweiten Weltkrieg. Sie bekommt mit ihm 4 Mädchen und einen Jungen. Die Familie lebt in Immenhausen und betreibt eine Arztpraxis, die fortan gut läuft, doch die mehr und mehr werdenden Diskriminierungen Lilli gegenüber und der eingefleischte Hass auf die jüdischen Mitbürger wird zunehmends unübersehbar. Lilli wird im Herbst 1943 wegen einer Kleinigkeit in ein Arbeitserziehungslager 7 Monate lang festgehalten und anschließend nach Auschwitz deportiert. Während ihrer Haftzeit korrespondiert sie mit ihren Kindern und versucht eine Freilassung anzustreben, die jedoch vergebens ist...

"Mein verwundetes Herz" ist ein wichtiges Buch einer Zeitzeugin des Zweiten Weltkriegs. Es sind nicht nur wertvolle Briefe, weil sie aus jener Zeit stammen, sie tragen auch die Besonderheit den Naziterror im Alltag einer Familie bis ins kleinste Detail zu beschreiben und zu beklagen. Vor allem konnte Lilli nicht offen in ihren Briefen zu ihren Kindern über die Verhältnisse im Lager Breitenau schreiben (aufgrund der Zensur), sie musste "offenere" Briefe herausschmuggeln und hat die Wahrheit über die Zustände im Lager auch nur an ihren Ex-Mann und einer Freundin geschrieben, ihren Kindern wollte sie so viel Wissen über das Elend nicht zumuten. Nebst dem Tagebuch der Anne Frank, welche auch das KZ nicht überlebte, bildet dieses literarische Dokument einen wertvollen Zusatz in der Geschichte über den 2. WK und ermöglicht einen Einblick in das (Familien)schicksal jüdischer Mitbürger. Man kann sich fragen, weswegen Lilli nicht nach Israel ausgewandert ist, wobei sie doch die zunehmenden Schandtaten der Nazis nicht blind umgehen konnte, die Antwort darauf wird man wohl nie genau wissen, doch man kann sagen, dass sie eine intelligente, lebenslustige, fürsorgliche Frau war, die immer und immer wieder an das Gute glaubte und bereit war viel zu verzeihen, auch als ihr Mann sie betrogen, verlassen und eine andere geheiratet hat, half Lilli sogar bei der Geburt von Ernsts Tochter mit seiner neuen Frau Rita als Hebamme mit. Lilli dachte wohl nicht, dass der Hass auf die Juden dermaßen ausarten würde und die Nazis eine systematisch, geplante Säuberungsaktion, eine Vernichtung einer ganzen Menschenrasse vorsah. Sie glaubte ja bis zuletzt sogar irgendwie an ihre Freilassung und hoffte auf die Güte der Gestapo hierbei, die jedoch niemals für sie Partei ergriffen hätte oder hat.

Es ist für den Leser allemal interessant solch eine starke Persönlichkeit wie Lilli kennen zu lernen, die, selbst wenn sie hungrig oder krank war, stets gute Miene ihren Kindern geboten hat, um jene nicht zu enttäuschen oder ihnen noch mehr Kummer und Sorgen zu bereiten. Unerträglich ist es aber für den Leser auch die Fröhlichkeit in Lillis Persönlichkeit zu sehen und zugleich die fatalen Umstände um sie herum und ihr scheinbares Verständnis und Hinnahme hiermit zu vereinbaren. Liest man die Haftbedingungen, welche Lilli sowohl in Breitenau und Auschwitz beschreibt, kann man kaum glauben an welch einer Perversion und Hohn diese Pläne der Nazis grenzen. Doch es lohnt sich dieses Buch gelesen zu haben und einem die Augen noch einmal für ein weiteres Schicksal zu öffnen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt aber auch nicht in Vergessenheit gerät.

~Bücher-Liebhaberin~
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"Mein verwundetes Herz": Das Leben der Lilli Jahn. 1900 - 1944
"Mein verwundetes Herz": Das Leben der Lilli Jahn. 1900 - 1944 von Martin Doerry (Taschenbuch - 1. November 2004)
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