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63 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Welt verstehen lernen
'Die Welt als Wille und Vorstellung' - ein Werk, das ich als Leser immer wieder beiseite legen musste. Manchmal, weil die Schnelligkeit und Stringenz mit der Schopenhauer vor allem in der Erkenntislehre Schlüsse zu ziehen und miteinander zu verknüpfen imstande ist, mich stellenweise bis heute überfodert. An anderen Stellen aber auch, weil das gerade...
Veröffentlicht am 29. Mai 2006 von Jan Brunner

versus
29 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schlechte Ausgabe (dtv-Verlag)!
Inhaltlich möchte ich an dieser Stelle nichts zu Schopenhauers Hauptwerk sagen, dazu wurde hier schon genügend erwähnt. Meine Kritik richtet sich konkret an die Gesamtausgabe 'Welt als Wille und Vorstellung'; hrsg. von Ludger Lütkehaus, 4. Auflage 2008 München.
Was bietet diese Ausgabe? Es handelt sich um eine reine, vollständige...
Veröffentlicht am 6. August 2009 von Fat Abbot


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63 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Welt verstehen lernen, 29. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Welt als Wille und Vorstellung: Gesamtausgabe (Taschenbuch)
'Die Welt als Wille und Vorstellung' - ein Werk, das ich als Leser immer wieder beiseite legen musste. Manchmal, weil die Schnelligkeit und Stringenz mit der Schopenhauer vor allem in der Erkenntislehre Schlüsse zu ziehen und miteinander zu verknüpfen imstande ist, mich stellenweise bis heute überfodert. An anderen Stellen aber auch, weil das gerade Gelesene einfach eine zu große Wirkung auf mich hatte, als dass ich den Gedanken des Autors gleich hätte weiter folgen können.

Schopenhauer erklärt in diesem Buch die Welt - und dabei ist dieses Werk meines Erachtens das einzige, das diesen Anspruch auch aufrecht erhalten kann. Alle Thesen Schopenhauers sind aus der Anschauung der Wirklchkeit geschöpft. Nichts liegt ihm so fern wie die mit Begriffen und Begriffshülsen jonglierende 'Professorenphilosophie' (heute könnte man sie vielleicht noch viel eher 'Studentenphilosophie' nennen). Für ihn ist die Philosophie weder Broterwerb noch persönliche Lebenshilfe noch Bestätigungsinstrument bestehnder (Herrschafts)Verhältnisse.

Die 'Welt als Wille und Vorstellung' ist vielmehr die Perspektive eines Außenseiters, des etwas abseits stehenden Beobachters, der das Treiben von Mensch und Natur mit der nötigen Distanz analysieren und seine eigenen Schlüsse daraus ziehen kann. Dass diese bis heute meines Erachtens viel zu wenig gewürdigt, dass Parallelen etwa zur Psychologie/Psychoanalyse oder den Erkenntissen der modernen (Evolutions)Biologie kaum gezogen werden, ist wohl leider ein notwendiger Nebeneffekt der unerbittlichen Kompromisslosigkeit, mit der Schopenhauer jedes Zugeständnis an die menschliche Eitelkeit verweigert.

Gerade das aber macht ihn für mich zu einem der wenigen 'echten' Philosophen und zu einem Autor, dessen Werk bis heute an Wahrheitsgehalt und Klarheit kaum zu überbieten ist, der auch heute noch jedem, der bereit ist, sich allen Ernstes und unbefangen auf die Welt einzulassen, ein wunderbarer Lehrmeister und Anreger zum Selberdenken sein kann.

Für mich das größte schriftlich fixierte Werk menschlichen (westlichen?) Denkens.
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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen schrecklich-schön, 6. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Welt als Wille und Vorstellung: Gesamtausgabe (Taschenbuch)
Die Welt als Wille und Vorstellung; ein schrecklich-schönes - oder wie Nietzsche sagt: entsetzlich großartiges -, Welt, Mensch und Selbst fassendes und be-greifendes Buch; eine unerschöpfliche Schatztruhe brillanter Gedanken und Weisheit. Schopenhauer ist faszinierend, der Leser wird gepackt von der Gewalt der (potentiellen) Wahrheit und im wahrsten Sinne des Wortes schwindelt ihm nach einer gewissen Zeit der Lektüre. Es ist zutiefst menschlich und kompromisslos ehrlich, was Schopenhauer uns da hinterlassen hat, und nicht nur das, mehr noch: Der Leser hat beständig das sichere Gefühl, der WAHRHEIT ganz dicht auf den Fersen zu sein - das Weltbild, die Welterklärung des großen Weisen, Universalgelehrten und Kosmopoliten könnte tatsächlich STIMMEN, oder es könnte sich doch zumindest, wennschon nicht genau so, wirklich ganz ähnlich verhalten. Schopenhauer vergleicht sich an einer Stelle seines Werks, ich weiß nicht mehr, ob in diesem Buch, mit dem Ödipus, der das berühmte Rätsel der Sphinx gelöst hat, und man kommt nicht umher, sich zu denken: Ja, vielleicht hat er tatsächlich Recht damit und trifft mit seinem Vergleich, wie er es doch so oft tut, ins Schwarze.

Der Eingang jedoch in Schopenhauers, in unser aller Welt, wird dem Leser allerdings nicht einfach gemacht; im Gegenteil ist zu Beginn, um zum Herzen der schopenhauerschen Philosophie zu gelangen, ein dornichter Pfad - die Erkenntnislehre - zu durchschreiten. Diesbezüglich äußert sich Schopenhauer in der Vorrede zur ersten Auflage (worin er darüber hinaus den Leser mit weiteren Voraussetzungen zum Verständnis seines Werkes konfrontiert) als auch im Manuskript seiner großen Berliner Vorlesung:

"Die Ordnung welche ich erwähle, weil sie die Verständlichkeit am meisten befördert, macht es nothwendig von der Untersuchung des Erkenntnißvermögens und der Theorie des Vorstellens und Erkennens auszugehen. Dieses ist aber bei weitem der trockenste Theil des ganzen Cursus: hingegen sind grade Aesthetik und Ethik welche ich zu allerletzt nehme das welches am meisten Interesse erregt und Unterhaltung gewährt. Wäre es mir bloß darum zu thun durch etwas Anziehendes Ihre Aufmerksamkeit zu fesseln und vor's Erste zu gewinnen, so müßte ich einen grade umgekehrten Gang nehmen. Da ich aber mich lieber bestrebe gründlich als anziehend zu seyn, so wünsche ich daß Sie durch den Ernst und das Trockene des ersten Theils unsrer Untersuchung nicht mögen die Ausdauer verlieren oder sich abschrecken lassen auszuharren, bis auch unmittelbar interessantere Dinge kommen."

Empfohlen sei die von Ludger Lütkehaus besorgte Gesamtausgabe; mit dieser erscheint 1988, rund 130 Jahre nach Schopenhauers Tod, erstmals eine Gesamtausgabe nach den Ausgaben letzter Hand, d. h. so, wie Schopenhauer seine Werke hinterlassen und autorisiert hat (alle anderen Ausgaben sind durch Eingriffe der Herausgeber mehr (Löhneysen) oder weniger (Hübscher) verfälscht).
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29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen das geniale hauptwerk, 16. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Welt als Wille und Vorstellung: Gesamtausgabe (Taschenbuch)
schopenhauer schrieb sein hauptwerk im zarten alter von 27, und band zwei mit ergänzungen im reiferen alter. seine philosophie ist eine der letzten die den mut hat sozusagen "gott und die welt" und alles was dazwischen ist liegt, erklären. religionsähnlich leiten sich aus schopenhauers philosophie alle antworten auf leben und tod, ab. schopenhauers leben mag dazu beigetragen haben, ändert aber nichts am genialen system selbst. (hierzu sei safrinskis buch "schopenhauer und die wilden jahre der philosophie" empfohlen)
metaphysik, erkenntnistheorie, ethik, ästhetik. so liesse sich das werk einteilen. alle vom grundgedanken des "blinden, raum und zeitlosen willens" als zurgundeliegendem prinzip hinter den lebewesen und dingen, getragen. den willen muss man sich hier als eine art kraft vorstellen, die sich selbst verwirklichen will und dies anhand von menschen und auch dingen oder planetenlaufbahnen(!) tut. (schopenhauer kann das besser erklären ;-)
warum diese kraft das tut, wozu der wille, "wozu das ganze endlose treiben...gemetzel...leid...ewiges widergebären von lebewesen" und gerade in der form des menschen, darauf weiss auch schopenhauer keine antwort.
und das unterscheidet ihn von religionen, die viel mehr auf glauben oder nicht-glauben aufgebaut sind. schopenhauer gibt für seine "wille" theorie beispiele aus allen möglichen bereichen, erklärt damit physiologien, verhaltensweisen, etc., aber alles irdisch, sinnlich und vernunftsmässig nachvollziehbar. und dieser wille bietet tatsächlich antworten auf immer wiederkehrende fragen, zb. was ist der tod? warum lieben sich menschen? warum handeln menschen "so" und nicht anders?
aber wie gesagt, es gibt keine antwort auf den grund des treibens des willens. denn was schafft er: menschen, die geboren werden, die er quasi zu seiner selbstverwirklichung benutzt, darum den menschen alles daran liegt sich zu vermehren (daher sexuelle anziehung), und die dann wieder sterben (arterhaltung vor individuenerhaltung, lässt sich im tierreich wunderbar beobachten).
schopenhauers schluss daraus wurde immer als sein schwachpunkt gesehen und gab ihm den ruf des alten grantlers und pessimisten (wo er wohlgemerkt sein hauptwerk mit 27 schrieb). er meint es wäre besser, wenn es das alles nicht gäbe. der mensch, nur als instrument des willens, sollte besser nicht sein. das vorziehen des nichtseins kennt man aus der fernöstlichen religion (buddhismus etc.), und schopenhauer sympatisierte auch mit dem buddhismus, und mit den upanischaden. er beschreibt sodann wie man den willen unschädlich machen sollte, ihm widerstreben (zb. in form interesseloser kunstbetrachtung).
in vielerlei hinsicht führt das erkennen des blinden willens und dessen eingehalt (askese) tatsächlich zu ethischen verbesserungen zwischen den menschen und kann auch für einen selbst, in form von gewisser bescheidenheit(!!), sich selbst oder auch anderen gegenüber, von grossem vorteil sein. so sollte man schopenhauers (pessimistische) philosophie deuten und sich zu nutzen machen.
in seinem späteren werk, den "aphorismen zur lebensweisheit" erklärt schopenhauer sehr ausführlich wie man denn mit dem blinden willen umzugehen hat, und wie man trotz der "verurteilung" zum unglücklichsein, da man nur der spielball des willens ist, grosses leid vermeiden kann.
FAZIT:
es ist ein faszinierendes erlebnis sich in die welt von schopenhauer zu begeben. man braucht dafür zeit, philosophisches allgemeinwissen und interesse. der profit den man aus dem werk ziehen kann ist in vielerlei hinsicht beachtlich. schopenhauer wurde und wird unterschätzt. über seine conclusio (verneinung des willens, pessimismus) lässt sich streiten, aber über die einmaligkeit seiner raffinierten beobachtungs und denkgabe, die zu seinem system führt, dürften sich die leserinnen und leser dieses buches einig sein.
PS: es gäbe noch VIEL interessantes zu dem buch zu schreiben, aber bitte, lesen sie selbst....es begeistert immer wieder.
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29 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schlechte Ausgabe (dtv-Verlag)!, 6. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Welt als Wille und Vorstellung: Gesamtausgabe (Taschenbuch)
Inhaltlich möchte ich an dieser Stelle nichts zu Schopenhauers Hauptwerk sagen, dazu wurde hier schon genügend erwähnt. Meine Kritik richtet sich konkret an die Gesamtausgabe 'Welt als Wille und Vorstellung'; hrsg. von Ludger Lütkehaus, 4. Auflage 2008 München.
Was bietet diese Ausgabe? Es handelt sich um eine reine, vollständige Leseausgabe im Dünndruck, die zumindest in bibliophiler Hinsicht ansprechend erscheint.
Was lässt sie vermissen?
Eine nützliche Einleitung, Vorbemerkung, einen Kommentar, Verständnishilfen, Nachwort, Begriffsregister, weiterführende Literatur, Querverweise etc. sucht man hier vergebens und somit disqualifiziert sich diese Ausgabe ganz von selbst in allen textkritischen Belangen. Dass Schopenhauers Werk durchzogen ist von längeren fremdsprachigen Passagen, stellt an sich kein Manko seiner Arbeit dar. Wer jedoch nicht fließend Altgriechisch, Latein und Französisch spricht, steht ziemlich verloren da. Es gibt keine Übersetzungen, Anmerkungen und hilfreichen Erläuterungen, die gerade bei diesem Werk unabdingbar sind. Es ist ungefähr so, als würde man die 'Göttliche Komödie' von Dante ohne eine einzige Randbemerkung herausgeben. Der blanke Text von 'Die Welt als Wille und Vorstellung' wird hier zwar unverfälscht im Sinne Schopenhauers wiedergegeben, jedoch ist ein Anhang mit Übersetzungen für Nicht-Gräzisten unerlässlich!
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Metaphysik und Lebensphilosophie, 27. März 2007
Von 
Matthias Wiede (Landsberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Welt als Wille und Vorstellung: Gesamtausgabe (Taschenbuch)
Schopenhauers Weltbild wird bestimmt von einer archaischen Urgewalt, welche in den Menschen und den Kräften der Natur gleichermaßen wirkt. Diese Urgewalt ist der Wille. Der Wille ist bei Schopenhauer jener unbewusste Anfang alles Seins, der blinde Wahn zum Sein. Den Willen kann man nicht hinterfragen, denn er aus ihm folgert alles, was wir in der Welt erkennen, einschließlich wir selbst. Doch sind alle Dinge und Lebewesen durch das gemeinsame Band des Willens zum Dasein verbunden. In ihnen transzendiert sich das Gemeinsame auf diesen ursprünglichen Fixpunkt.

Im menschlichen Bewusstsein kommt der Wille zu sich, wird Vorstellung und begreift die Welt in den Formen von Raum, Zeit und Kausalität. Die Welt wird etwas Objektives. Die Vorstellung und ihr Sitz, der menschliche Intellekt, sind jedoch nur das Sekundäre. Die Vorstellung kann niemals hinreichen, die Dinge an sich zu erkennen sondern immer nur ihre Abbilder, ihre Erscheinungen. Ihr ist das wahre Wesen der Dinge verschlossen. Allerdings tut sich im Selbstbewusstsein der ursprüngliche Wille selbst kund, kann hier unmittelbar, d.h. subjektiv, erfahren werden. Im Selbstbewusstsein erfährt der Mensch, daß er will, im Intellekt erfährt der Mensch die äusseren Objekte und somit die Motive seines Willens.

Die Welt ist für Schopenhauer eine große Leidensgeschichte des Willens. Strebend, ringend, kämpfend und somit leidend, stellen sich alle Lebewesen dar, und ihr Dasein wird durch den Tod vereitelt. Leiden und Tod sagen aus, daß das Leben etwas ist, das im Grunde genommen nicht sein soll. Der Pessimismus, der aus dieser Philosophie erwächst, steht im Gegensatz zu den optimistischen Philosophien des Abendlandes und findet sein Pendant nur in den Religionen des Orients (Buddhismus/Brahmaismus) und im echten Christentum.

Die Verneinung des Willens zum Leben ist für Schopenhauer die höchste Form des menschlichen Strebens, gewonnen aus reiner Erkenntnis. Indem man erkennt, daß jedes Wollen Leiden ist und sich selbst vereiteln muss, verneint man in der Askese die Genüsse des Lebens und durch moralisches Handeln den eigenen Egoismus. Dadurch lehnt man den Wahn des Willens ab, reisst die Grenzen der Individualität nieder und findet Erlösung.
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59 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schopenhauer - am besten für alle Nationen..., 12. September 2001
Von 
FrizzText "frizz" (Wuppertal) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Welt als Wille und Vorstellung: Gesamtausgabe (Taschenbuch)
Der Vater von Schopenhauer beging Selbstmord. Arthur Schopenhauer war seinem Vater Heinrich Floris sehr zugetan. Der hoch-sensible Sohn verkraftete nicht, wie seine Mutter (Johanna) sich von ihrem Ehemann, einem Hamburger Kaufmann, abwandte, - nachdem er zunächst sehr erfolgreich gewesen war, dann aber in sich verstärkender seelischer Krankheit zwischen hoher Reizbarkeit und sich immer mehr versteinernder Depression hin- und her-schwankte. Schopenhauers Mutter sonnte sich derweil in narzißtischer Eitelkeit und feierte sich selbstinszenierend als Schriftstellerin und oberste Fregatte ihres Weimarer literarischen Salons, in welchem auch, oh Gott, Goethe verkehrte. Ein typischer Wortwechsel zwischen verbittertem Sohn und höhnischer Mutter:
Arthur: "Meine Schriften wird man noch lesen, wenn von Deinen kaum mehr ein Exemplar in einer Rumpelkammer stecken wird..." Mutter Schopenhauer daraufhin: "Von den Deinigen wird die ganze Auflage noch zu haben sein..."
Die Welt als Wille, als zuviel rücksichtsloser Wille - so erlebte Schopenhauer alles ihm Begegnende. Das Resümee seiner Philosophie ist somithin der Hinweis auf die Noblesse des Nicht-Wollens - die in fernöstlicher Kultur damals schon zu hohem Stil entwickelt war; heute feiert die Hinwendung zu Meditation und sonstigen Theorien der Gelassenheit deutliche Wiederauferstehung: Nachdem zwei Weltkriege und gar manches andere allzu deutlich vor Augen geführt haben, dass die Gewaltsamkeit des Wollens letztendlich eine Sackgasse darstellt. "Vulgarität", formuliert Schopenhauer einmal, "besteht im Grunde darin, dass im Bewusstsein das Wollen das Erkennen gänzlich überwiegt." Man hofft, dass diese Einsicht sich immer mehr verbreitet - am besten auf allen Kontinenten, in allen Nationen...
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16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Viele lateinische und griechische Zitate, nichts übersetzt ...!, 16. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Welt als Wille und Vorstellung: Gesamtausgabe (Taschenbuch)
Es mag ja sein, daß diese von Ludger Lütkehaus herausgegebene Ausgabe den "unverfälschten" Schopenhauertext bietet, er ist aber nur für Leute geeignet, die Altgriechisch und Latein verstehen oder sehr flüchtige Leser sind, denen es also nichts ausmacht, die Zitate unverstanden zu überblättern. Und es sind in dem Buch viele fremdsprachige Zitate! Ich empfehle, eher zur Diogenes-Ausgabe zu greifen. Diese ist zwar vierbändig und insgesamt doppelt so teuer, aber dafür mit Gewinn lesbar:
Die Welt als Wille und Vorstellung I/1 (1.Band)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Wille zur Kunst !, 8. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Welt als Wille und Vorstellung: Gesamtausgabe (Taschenbuch)
Schopenhauer war auf der Suche nach den Bestandteilen, welche die Welt in ihrem Innersten zusammenhalten. Anders als seine philosophischen Vorgänger, die den Geist für die alles zusammenhaltende kraft definierten, war Schopenhauer auf eine andere Ontologie gestoßen, die bei den Vertretern des damals vorherrschenden deutschen Idealismus für großen Unmut sorgte. Schopenhauer löste eine lange Tradition ab, welche sich durch den fragenden Geist , der Welt zu nähern gedachten. Doch auf diese Weise kratzte man bloß an der Oberfläche der Dinge, so der Philosoph, das Wesen jedoch sei so gänzlich unerkennbar. Sein Hauptwerk, welches den kühnen Titel " Die Welt als Wille und Vorstellung " trägt, brachte eine neue Perspektive auf die Sicht der Dinge.
Es ist in vier Bücher eingeteilt und beginnt bei der Vorstellung. Diese zerspringt nun in ein erkennendes, aber nie erkanntes Subjekt und in ein Objekt, das immer auf ein Subjekt bezogen ist. Beeinflusst durch Kant, sieht auch Schopenhauer die Welt der Objekte durch Raum, Zeit und Kausalität geprägt, welche a priori im Subjekt bereitliegen und die Form der Wirklichkeit konstituieren. Auf diese Weise jedoch, kritisiert Schopenhauer, gleichen wir einem, der von außen dem Wesen der Dinge beizukommen versucht, aber nichts als Bilder und Begriffe gewinnt. Das zweite Buch stellt nun den Versuch dar in das Innere vorzustoßen und die Welt unabhängig der Vorstellungen zu betrachten.
Was ist die Welt und was hat es mit dem Sein auf sich, fragt sich der Autor. Für Kant war es unmöglich das sogenannte Ding an sich zu erkennen, da diesem keine Anschauung in Raum und Zeit zugrunde liegt. Schopenhauer teilt zu einem gewissen Grad diese Ansicht, wendet jedoch ein, dass wir, die Erkennenden von unserem eigenen Wollen Erkenntnis haben.
Diese Anschauung, die weder räumlich noch leer ist, sondern realer als irgend eine andere, stellt eine Möglichkeit dar, äußere Vorgänge aus dem inneren zu verstehen. Mittels dieser Introspektion, meint er, einen Schlüssel gefunden zu haben, um sich dem Ding an sich zu nähern.
Der Wille schafft sich im Intellekt ein Werkzeug, sich selbst und sein Wollen zu erkennen. Er benötigt ihn, um die erscheinende Welt als einen Spiegel seiner Objektivation in ihm aufzufassen. Bei Descartes verbürgt das Denken das Sein, ich denke also bin ich, anders Schopenhauer, bei ihm ist es der allem zugrunde liegende, ziellose Wille, der die Essenz der Welt ausmacht.
Der Ton des Buches wird nun zunehmend pessimistischer. In allen Dingen waltet, so Schopenhauer eine Art Urwille. Ob Pflanzen, Tiere oder Menschen , der Wille verwirklicht sich als waltende Kraft und schafft sich im Menschen ein Selbstbewusstsein, um sich seiner bewusst zu werden. Dieser immer wollende, aber nie zufriedene Wille, der unnachgiebig von neuen quälenden Wünschen getrieben wird, kann einzig in der Überwindung durch Kontemplation verneint werden, wodurch ein innerer Friede erreicht werden kann. Zum schauenden Weltauge sollen wir werden, so Schopenhauer und die reinen aller Wirklichkeit vorangehenden Äüßerungen des Urwillens erkennen. In der Kunst sieht er diesen Blick auf die Ideen realisiert.
Ein philosophischen Meisterwerk, welches sich am besten mit Vorkenntnissen zu Kant und Platon lesen lässt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genial, 5. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Welt als Wille und Vorstellung: Gesamtausgabe (Taschenbuch)
Schopenhauer war genial.
Zum Glück hat uns dieser Mensch dieses Buch hinterlassen.
Wenn es ein Philosoph gewesen ist, welcher der Wahrheit am nächsten kam, so war es wohl er.
Jede einzelne Seite ist ein Hochgenuss und die Lektüre dieses Buches, unvergleichlich schön.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Jahrtausendwerk!, 28. August 2008
Von 
Heino Bosselmann "Heino Bosselmann" (Rützenfelde, Mecklenburg-Vorpommern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Welt als Wille und Vorstellung: Gesamtausgabe (Taschenbuch)
Dass die Welt meine Vorstellung ist und darüber hinaus Wille, ist die prägnanteste und schlüssigste Ontologie, die ich mir vorstellen kann, verbunden mit Konsequenzen, die für die Geschichte des Denkens revolutionär sein dürften. Schopenhauer vollzieht Kants kopernikanischer Wende mit, lässt als apriorische Kategorie des Denkens allerdings nur die Kausalität gelten, an deren Band sich alles in Raum und Zeit gedehnt vollzieht, während er das Ding an sich jenseits aller Raster als den Willen identifiziert, ein so omnipotentes wie konstantes und allgegenwärtiges Prinzip, für das es, ähnlich der Bestimmung von Gott oder Sein, nur eine tautologische Erklärung geben kann. Während Gott über sich Auskunft gibt in der Formel 'Ich bin, der ich bin.', kann der blinde Gott alles Seins und Seienden, der Wille, nur bezeichnet werden als das, was eben will und sich in all den Objektivationen zu erkennen gibt, die unserer Vorstellung als räumlich, zeitläufig, vergänglich, kausal gebunden erscheinen. Das finstere Herz der Welt; selbst nicht sichtbar, aber stetig am Werk, entgegen allem teleologisch veranlagtem Hoffen sinnlos, zwecklos, unerkennbar, aber lückenlos zeugend, was der Vorstellung an Oberflächen gegeben erscheint. Eine solche Metaphysik bedarf weder der mythischen Erzählungen noch der religiösen Legenden, schon gar nicht des esoterischen Qualmes, wenngleich sie in diesen menschlichen Erkenntnisübungen und Lotungen so farbige wie naive Illustrationen ihres einfachen Prinzips erblickt. Ein und derselbe Wille manifestiert sich in der Mannigfaltigkeit des Vergänglichen, während er selbst, unser ureigenstes Wesen, unzerstörbar und ewig wiederkehrend ist. Er dreht das große Rad, das uns treibt, bewegt, mit Bedürfnissen narrt und als Trieb bei Freud, als Egoismus bei Stirner, als Wille zur Macht bei Nietzsche seine Varianten findet. Schopenhauer sieht den Menschen als das einzige Wesen an, in dem das Urprinzip allen Daseins in der Vorstellung zur Selbsterkenntnis kommt, was den Spielraum ermöglicht, den Willen als quälendes Getriebensein bedingt zum Schweigen zu bringen, ihn zu verneinen: Buddhistische Bedürfnislosigkeit, Unterbrechen der Zeugung, Nirvana. Weniger zu wollen, nicht Sklave der Begierden und des eigenen Leibes zu sein, ermöglicht das brüchige und zeitweilige Glück von Askese oder Kontemplation jenseits des eitlen Geschreis der Welt. Wo der Wille schweigt, dehnt sich die Urharmonie des Nichts, der schwarze Frieden, die Mutter Nacht Mephistos. Wo das Leben Leid ist, da ist Mitleid Tugend; wo alle ein Wesen eint, der Wille selbst, kann man die Wesensverwandtschaft mit allem anderen entdecken, wenn sich der Schleier der Maya in der unio mystica hebt. Kants ethische Konstruktionen, vom freien, gar guten Willen bis zum Gebäude des kategorischen Imperativs, vollzieht Schopenhauer nicht nach; er verwirft sie rundweg. Wo die Kausalität regiert, gibt es für den freien Willen kein Ausnahmerefugium guter und böser Optionen. Egoismus regiert, Bosheit begleitet ihn geschwisterlich hämisch; nur das Mitleid lässt im anderen das eigene Wesen erkennen, während das geheiligte Ich, das sich für das Zentrum des Universums hält, nur eine trügerische Fiktion des Verstandes ist, der parasitär den Willensleib bewohnt und ihn mit ängstlichem Blick von der Kommandobrücke durchbringen will. In gewisser Weise schließt Schopenhauer an die Mystik an: Alles ist eines, und was ich wahrnehme nur ein in Raum und Zeit gedehntes Ein und Dasselbe. Eine Philosophie des Pessimismus, die mehr Trost spendet und Gelassenheit ermöglicht als alle den Menschen hinäffenden Utopien und Glücksversprechen.
Diese Philosophie der Desillusionierung bildet die Grundlagen einer echten Humanität ohne Utopie und Verhängnis. Sie ist in sich schlüssig, kompakt und m. E. in ihren ontologischen Passagen sogar kompatibel mit moderner Physik. Schopenhauer kann wachen Lesern die Tore der Philosophie als Einweihungsereignis aufstoßen. Der hervorragende Stil Schopenhauers hat den Leser im Blick, den sich einlassenden Denker, und unterscheidet sich wohltuend von der allzu kurzen Würfen gängiger Universitätsphilosophie, die Erkenntnis nicht mehr sucht, sondern verwaltet und im professoralen Stil aufrüstet, was an Substanz fehlt. Schopenhauers Motto NON MULTA! ist auf gewitzte Weise gerechtfertigt: Die Welt ist meine Vorstellung, darüber hinaus Wille. Diese Gleichung wendet der Meister auf jedes Phänomen an und besticht durch vollkommene Evidenz. Ein Schlüsselwerk.
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Die Welt als Wille und Vorstellung: Gesamtausgabe
Die Welt als Wille und Vorstellung: Gesamtausgabe von Arthur Schopenhauer (Taschenbuch - 1. April 1998)
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