Kundenrezensionen


13 Rezensionen
5 Sterne:
 (8)
4 Sterne:
 (3)
3 Sterne:
 (2)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein Ende in Sicht.
"Das Zeitalter der Extreme." bildet gleichsam als Ergänzungsband einer dreibändigen Geschichte des Langen 19. Jahrhunderts, den vorläufigen Abschluß des Lebenswerks von Eric Hobsbawm (nach "Europäische Revolutionen. 1789 - 1848", "Blütezeit des Kapitals. 1848 - 1875", und "Das imperiale Zeitalter. 1875 - 1914") und führt dem Leser -...
Veröffentlicht am 11. Mai 2009 von Hubert Kraill

versus
2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wirr und wertend aber inspirierend
Hobsbawns Gesamtschau über sein kurzes 20.Jahrhundert (1914 bis 1991) ist insgesamt gelungen aber kein ganz großer Wurf. Zu wild durcheinander wirft der Autor die Fakten und Figuren, die dann auch insgesamt relativ dünn gesäh sind. Der Versuch der höchsten Vogelperspektive (nämlich die weltweite Sicht) führt auf der einen Seite beinahe...
Veröffentlicht am 28. Oktober 2010 von Jack Biber


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein Ende in Sicht., 11. Mai 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts (Taschenbuch)
"Das Zeitalter der Extreme." bildet gleichsam als Ergänzungsband einer dreibändigen Geschichte des Langen 19. Jahrhunderts, den vorläufigen Abschluß des Lebenswerks von Eric Hobsbawm (nach "Europäische Revolutionen. 1789 - 1848", "Blütezeit des Kapitals. 1848 - 1875", und "Das imperiale Zeitalter. 1875 - 1914") und führt dem Leser - gnadenlos - vor Augen, daß die Geschichte ständig lehrt, aber keine Schüler findet (frei nach I. Bachmann).

Als Gegenwartsgeschichte steht dies Buch zwischen den Zeiten, zwischen Vergangenheit und Zukunft, überbrückt es den Abgrund zwischen dem "hier und jetzt" seiner Abfassung, und der Gegenwart des Lesers mit seiner Erfahrung einer jüngsten Vergangenheit, welche dem Autor bei Niederschrift des Werks noch Zukunft war, sowie beider Vergangenheit (die des Autors in zeitgeschichtlicher Dimension), welche Ursprung sowohl dieses, als auch jenes, Gegenwart war.
So reflektiert jede Rezeption dieses Buchs auch die Perzeption einer Geschichte zwischen der Gegenwart der Niederschrift und der Gegenwart des Lesens.
Oder auch: Es ist wie der, von einer Norne zur nächsten, gerade in Übergabe begriffene Faden.

Verfaßt kurz nach der Epochenwende am Ende des "Kurzen 20. Jahrhunderts" (übrigens Untertitel der englischen Originalausgabe: "The short twentieth century, 1914-1991", veröffentlicht engl. 1994, 1995 dt.), entblättert sich dem Leser ein Panoptikum von Blut, Schuld, Schande und Ausbeutung, worin eine versagende Aufklärung und der frühe Nationalismus mündeten, von welchen diese Weltgeschichte Hobsbawms den Ausgang nahm, und welches keine besseren Aussichten im Neonationalismus ethnisch zerbrechender Staaten nach dem Ende des Endes der Geschichte (Fukuyama, 1992) verheißt, das weiß der Leser im zeitlichen Respektsabstand beider Werke: Der Humanismus hat mit den Schlachtfeldern des ersten Weltkriegs und dem Nationalsozialismus abgewirtschaftet, nachdem die "Déclaration des Droits de l'Homme et du Citoyen" zu den "Nürnberger Rassengesetzen" und der "Code Civil" zum "Volksgerichtshof" geführt haben, das teleologische Endstadium des politischen Liberalismus mit seiner geradezu chiliastischen Heilserwartung, war mit dem Jugoslawienkriegen ab 1991 und dem Vertrag von Maastricht 1992, dem Zerfall des Ostblocks und der Formung der "Festung Europa" durch ihre "ausschließende Identitätspolitik" (Hobsbawm-Terminus), beendet.
"Das Ende der Geschichte" als Zukunft hat sich (wie immer, wie bisher) als Fortschreibung der Vergangenheit erwiesen: "In den Jahren nach 1989 fanden mehr militärische Operationen in mehr Gebieten von Europa, Asien und Afrika statt, als irgend jemand erinnern konnte, wenngleich nicht alle von ihnen auch offiziell als Kriege eingestuft wurden: ['...] Außerdem gab es, wie sich in den frühen neunziger Jahren auf dem Balkan zeigte, keine scharfe Trennlinie zwischen regionalen Vernichtungskämpfen und einem nach alter Art spezifizierbaren Krieg, zu dem sich solche Kämpfe schnell entwickeln konnten. Kurzum, die weltweite Kriegsgefahr war nicht gebannt. Sie hatte sich einfach nur verändert." (Zitat).
Es antwortet Hobsbawm unmittelbar Fukuyama mit Hegels Blamage vor Klio: Schopenhauer bleibt en vogue.

Bezeichnend die Dreiteilung des Werks in: "Das Katastrophenzeitalter", "Das Goldene Zeitalter" und "Der Erdrutsch": Weltkriege, Diktaturen, Wirtschaftskrise, danach Nachkriegszeit, Demokratien, Prosperität, und zuletzt wieder das Ausschlagen des Pendels in die Gegenrichtung.
Faites vos jeux - Die Kugel rollt doch seit einiger Zeit (seit dem Erscheinen des Buchs) von neuem und die Richtung ist dem Gegenwartsmenschen, sofern wahrnehmbar oder von ihm wahrgenommen, beängstigend: Mit der Renaissance von Neokonservatismus, Neonationalismus, wirtschaftlichem Neoliberalismus, Rassismus (der ist nicht "Neo-", das ist immer derselbe kalte Kaffee geblieben), religiösem Fundamentalismus, Ökonomisierung politischer, kultureller, und sozialer Agenden, Beschränkung bürgerlicher Freiheiten aufgrund politischer und medialer Schürung irrationaler Ängste, nebulose Xenophobien bedienend, Ignoranz von unmittelbar notwendig zu treffenden Umweltschutzmaßnahmen, wie wider besseren Wissen fortgeführte Umweltzerstörung, steuert die Welt fröhlich zurück in's 19. Jahrhundert. Eine weitere Ära geht jetzt, unmittelbar und schmerzhaft anhand der jetzigen Weltwirtschaftskrise vorgeführt, eine Generation nach dem Sterben des Sowjetkommunismus, zu Ende, nachdem der Postkommunismus zu einem drastischen Rechtsruck in den demokratischen Systemen Europas geführt hatte, und der wirtschaftliche Wind europaweit von Sozialwirtschaft auf Neoliberalismus drehte. Marx und Engels sind tot (oder lebten quasi nie), Hajek und Friedman sind endlich (hoffentlich für immer) auch tot. Hobsbawm meinte bereits 1994: "Das Scheitern des sowjetischen Modells bestätigte die Anhänger des Kapitalismus in ihrem Glauben, daß eine Wirtschaft ohne Börse niemals funktionieren könne. Das Scheitern des ultraliberalen Modells bestätigte die Sozialisten in ihrem schon eher gerechtfertigten Glauben, daß die Belange des Menschen wie der Wirtschaft viel zu wichtig seien, um allein dem Markt überlassen zu werden." (Zitat).
Während Keynes heute (nicht nur nach damaliger Ansicht Hobsbawms) wieder im zuletzt immer tiefer gewordenem Grab zucken sollte: "Die Wirtschaftswunder des Goldenen Zeitalters hatten auf den steigenden Realeinkommen in den "entwickelten Marktwirtschaften" beruht, denn Massenkonsumwirtschaften brauchen Massenkonsumenten, deren Einkommen hoch genug ist, um die langlebigen High-Tech-Konsumgüter kaufen zu können." (Zitat).
Die Realität des allerdings nun gesuchten Auswegs aus der gegenwärtigen Krise: Nachdem die Gewinne privatisiert wurden, werden die Verluste sozialisiert. Die Zeit der Prosperität kam einzelnen, managenden, überdimensional, der eigentlich wirtschaftenden Menge höchstens durchschnittlich zugute, die Zeit der Krise finanziert dagegen eine Mehrheit, deren Existenz geschmälert wird, während die Portfolios angehäuften Kapitals stiftungsgeschützt dem staatlichen Krisenmanagement entzogen bleiben. Das Motto scheint gegenwärtig zu lauten: Back to the roots! Weg von der Konsumwirtschaft der Masse, zurück zur Subsistenzwirtschaft des Einzelnen.
Das Scheitern von Aufklärung und Humanismus auf ethischer Ebene, Kommunismus und Kapitalismus auf sozialer und wirtschaftlicher, wird von Hobsbawm mit detaillierten Funktionalismen angeführt, sein Stil ist dabei immer leicht lesbar, selten trocken: "Je näher die Jahrtausendwende rückte, um so deutlicher wurde, daß es wirklich angemessener wäre, wieder an die Defekte zu denken, die dem Kapitalismus zu eigen sind, als sich an der Leiche des sowjetischen Kommunismus zu weiden. Doch welcher Veränderungen bedürfte es, um diese Defekte zu überwinden? Und wäre es danach noch dasselbe System?" (Zitat).
Gestern stand die Menschheit vor einem Abgrund, heute, 15 Jahre später, ist sie schon einen großen Schritt weiter.

Aber nicht nur die Kritik der degenerierten Wirtschafts- und Sozialpolitik der "Ersten Welt", auch deren politische Auswirkung auf die "Zweite" bis zur kulturellen der "Dritten" sind Gegenstand der Darstellung Hobsbawms, immer aufgelockert mit vergessenen Konflikten, verdrängten (Polit-)Morden, ignorierten Massakern. Absolut keine "Ereignisgeschichte" schreibend, erweckt Hobsbawm (mir) den Eindruck, Gegenwarts- und Zeitgeschichte ist nichts als eine Abfolge mehr oder weniger in Erinnerung gebliebener mörderischer Ereignisse und Bluttaten. Angst machend: Keine Bluttaten, die irgendwann, in einer einstigen, fernen Vergangenheit, von Troglodyten an ihresgleichen, irgendwo, auf weit entfernten Inselchen, jenseits des (Erkenntnis-)Horizonts begangen wurden, sondern Bluttaten, die am Höhepunkt einer prosperierenden Zivilisation, stolz auf kulturelle und soziale Errungenschaften, nach Jahrhunderten des mühsamsten geistigen und technischen Fortschritts, an gleichen, meist nicht einmal anderen, Menschen, quasi vor der Haustür, begangen wurden und werden (notabene: In Europa, in Rückschau, bereits von und an der Elterngeneration, oder am Balkan der eigenen), eine Folge der Hirnpest des 19. Jahrhunderts: dem "Nationalismus", jede Gleichheit, jede Brüderlichkeit überwindend, nur sich die Freiheit herausnehmend, nach Gutdünken, nach Eigeninteressen zu schlachten, virulent in Gegenwart und Zukunft, das völlig irrationale Denken und Handeln der Massen, Medien, und Politik bestimmend. Es ist alles und alles wird sein wie es immer schon war: Das egozentrische Weltbild, projiziert auf, von verantwortungslos agierender Politik und skrupellos meinungsmachenden Medien quasiideologisch mobilisierten Menschenmengen, von Plebs und Mob bis selbsternannten oder mediengemachten Pseudoeliten, eingekesselt in geistigen, kulturellen, ethnischen und nationalen Grenzen, determiniert den geschichtlichen Prozeß. Der einzig feststellbare Fortschritt, die den unsäglichen Nationalismus überwindende, freie Wirtschaft, hat dagegen, im Zuge der Globalisierung, Völker gegeneinander verschachert, jede Ungleichheit zementierend (siehe die Kapitel über die Dritte Welt). Man ist also "Fortgeschritten" in den letzten soundso vielen Jahren nach 1789, man fragt sich bei der Lektüre (wie beim Erleben, Erfahren) dieser Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, wohin: Fort von Idealen (zum Materialismus der Desillusion), von Humanität (zur egoethnischen Nabelschau), von Gemeinschaft (zur Gesellschaft), von sozialem Bewußtsein (zur Gewinnmaximierung), und von moralischer Kompetenz (zum Sendungsglauben und -willen von Seilschaften - wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen, medialen "Männerbünden").
Nestroy meinte in " Der Schützling", (1847 - auch nicht wirklich zufällig, dieses Entstehungsjahr): "Der Fortschritt ist halt wie ein neuentdecktes Land; ein blühendes Kolonialsystem an der Küste, das Innere noch Wildnis, Steppe, Prärie. Überhaupt hat der Fortschritt das an sich, daß er viel größer ausschaut, als er wirklich ist."
Die Welt wurde nicht besser, sie wurde nur moderner.

Aufgrund des hohen Alters und des an Erfahrungen und erlebter Geschichte reichen Historikerlebens, ist dieses Werk Hobsbawms persönlichstes und beinahe resignierendes: "Es wäre also töricht, dieses Buch mit Vorhersagen über die zukünftige Gestalt einer Landschaft zu beenden, die durch die tektonischen Erschütterungen des Kurzen 20. Jahrhunderts bereits zur Unkenntlichkeit verändert wurde und die von den zur Zeit stattfindenden Erschütterungen noch unkenntlicher gemacht werden wird. Es gibt weniger Anlaß, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken, als Mitte der achtziger Jahre, als der Autor seine Trilogie der Geschichte des "Langen 19. Jahrhunderts (1789-1914)" mit den Worten schloß: "Die Anhaltspunkte dafür, daß die Welt im 21. Jahrhundert besser sein wird als heute, sind keineswegs gering. Wenn es der Welt gelingt, sich nicht selbst zu zerstören (durch einen Atomkrieg), ist die Wahrscheinlichkeit dafür sogar sehr hoch." Aber selbst der Historiker, dessen Alter dramatische Veränderungen zum Besseren während seiner verbleibenden Lebenszeit kaum erwarten läßt, kann vernünftigerweise nicht die Möglichkeit ausschließen, daß die Dinge in einem Viertel- oder halben Jahrhundert vielversprechender aussehen könnten." (Zitat).

Das sind also die Gedanken, welche Hobsbawm mit diesem gewaltigen Meisterwerk schönster Geschichtsschreibungsprosa und Panorama des Schreckens und Grauens hervorruft, - kein Buch für Optimisten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aus gegebenem Anlaß:, 2. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts (Taschenbuch)
Eric Hobsbawm, einer der führenden Historiker der letzten 40 Jahre (oder länger) ist tot. Aus gegebenem Anlaß schreibe ich diese Rezension, denn dies ist eines der besten Geschichtsbücher, die ich kenne. Es schließt an an Hobsbawms "Hauptwerk" (wenn man so will), einer Geschichte des langen 19. Jahrhunderts, bestehend aus den Bänden "Europäische Revolutionen", "Die Blüte des Kapitals" und "Das imperiale Zeitalter". Hobsbawm, ein Marxist, der Marx gegen den Strich las und manchmal vom Kopf auf die Füße stellte, vertrat einen globalen Ansatz historischer Betrachtungen, was mittlerweile viele seiner Kollegen übernommen haben, ebenso wie seine Einteilung des 20. Jahrhunderts in ein "kurzes", nämlich von 1914 (Beginn des WKI) bis 1989 (Fall der Mauer, Wiedervereinigung und damit auch zwangsläufig Zusammenbruch des Ostblocks).

Hier wird eine wahrhaft fulminante Übersicht geboten, die auch Afrika und die asiatischen Staaten ebenso wie Südamerika mit einbezieht und keinen Hehl aus der Überzeugung des Autors macht, daß die europäische Entwicklung (inklusive der europäischen Revolutionen, auch und gerade der industriellen) nur auf der Basis des Imperialismus und des Kolonialismus möglich war. Die Entwicklung sämtlicher Kontinente nach ca. 1780 ist somit immer eurozentriert, zugleich jedoch auch von ganz eigenen Entwicklungsschritten geprägt. Dem trägt Hobsbawm hier Rechnung. Man erfährt sehr, sehr viel über kulturelle Hintergründe, Sozialentwicklung und politische Begebenheiten, aber eben auch über Wirtschaft und ökonomische Entwicklungen (wie auch nicht, bei einem Marxisten?), darauf sich einzulassen, muß man bereit sein. Belohnt wird man mit fundiertem und gut recherchiertem Wissen. Und einer hervorragenden Quellenlage, so daß ein jeder eingeladen ist, sich jederzeit auf eigene Faust weiterzubilden.

Hobsbawm ist ein Menschenfreund. Ein freundlicher Mensch (gewesen), der diesen Wesenszug auch immer in sein Schreiben mit einfließen lies. Dies gibt seinen Werken immer einen Anstrich, der selten ist in akademischen Werken. Und mit einem solchen hat man es hier definitiv zu tun. Nicht daß der Eindruck entsteht, hier läge ein populärwissenschaftliches Werk vor!

Warum dann keine volle 5-Sterne-Punktezahl? Ausnahmsweise hat es etwas mit der hier angegebenen Ausgabe zu tun. Der Druck (was wohl anders nicht möglich war, um den gesamten Umfang in wirklich einem Werk herauszugeben) ist derart klein, solche Schriftgröße trifft man normalerweise in den Fußnoten an. Es sei also einem jeden eine Lupe zusätzlich empfohlen. Als ich das Buch erstmals las, waren meine Augen noch halbwegs in Ordnung und dennoch musste ich oft nach einer halben Seite die Lektüre unterbrechen, derart anstrengend wurde das Lesen.

Dennoch: Wer hier zugreift, der hat ein Werk für die Ewigkeit. Ewigkeit? Nun gut, sollte man als Historiker niemals sagen...also ein Werk, das sicher noch lange Geltung und Bestand hat. Es lohnt sich!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glattes 'Sehr Gut', 10. Dezember 2003
Von 
Rezension bezieht sich auf: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts (Taschenbuch)
Hobsbawm führt vor, wie Geschichte um die Jahrtausendwende(was für ein blödes Wort)geschrieben wird.
Er versteht es hervorragend die Zusammenhänge darzustellen und hat hier ein ungemein packendes Buch geschrieben, das ob der hohen Informationsdichte die vermittelt wird niemals langweilt.
Hätten sich nur einige seiner Vorgänger in derselben Art und Weise an ihre gewagten Unterfangen herangewagt. Dies ist ein Buch das man sogar absoluten Einsteigern im Bereich Zeitgeschichte, vor allem aber der Mehrzahl der amtierenden Politiker, unbedarft empfehlen kann.
Die Grundlagen wie die Details sowohl aus fachlicher als auch aus sprachlicher Sicht in exzellenter Art und Weise miteinander verbunden, dieser Umstand, und dazu die Kompetenz von Hobsbawm, machen das Buch eigentlich zu einer Pflichtlektüre für die Gymnasialschuloberstufen(auch wenn das schwerlich als ein Kompliment für ein Buch aufgefasst werden kann, es ist eines).
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungene Form der Zusammenfassung eines Jahrhunderts, 5. März 2008
Von 
Jürgen Mayer "Pyri" (Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts (Taschenbuch)
Hobsbawms Bezug auf ein Jahrhundert der Katastrophen und des (positiven) Wandels. Behandelt werden Entwicklungen und Erschütterungen, des einzelnen und von "Gesellschaft" als solches - durchaus "Weltgeschichte" im wahrsten Sinne des Wortes. "Das Zeitalter der Extreme" taucht ein in eine Welt, welche den Jazz ebenso hervorgebracht hat wie die Shoah, welche in ihm stattfand. Eine Welt voller Widersprüche und Menschen, des Kapitals, von kreativer Kraft und Verbrechen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Nochmals gelesen: Zeitalter der Extreme, 2. März 2010
Von 
Hartmut Boger (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts (Taschenbuch)
Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Aus dem Englischen von Yvonne Badal. München und Wien: Carl Hanser Verlag 1995
Das 20. Jahrhundert hat(te) es in sich, und zwar in jeder Hinsicht! Zahlreiche Versuche gab es, dieses Jahrhundert zu beschreiben und zu charakterisieren. Während die einen begeistert auf den unglaublichen wissenschaftlich-technologischen Fortschritt (Luft- und Raumfahrt, Kernspaltung, Doppelhelix, Computertechnologie) sich beziehen, weisen andere auf die Nachtseite dieses Jahrhunderts hin: Kriege und Völkermord bisher unbekannten Ausmaßes. Demgegenüber stellt sich der britische Historiker Eric Hobsbawm die anspruchsvolle Aufgabe, das kurze 20. Jahrhundert in umfassendem Sinne nachzuzeichnen und zu analysieren, Beziehungen zwischen den Entwicklungen in Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft, Kultur und Künsten herzustellen und Entwicklungslinien herauszuarbeiten, die für die Zukunft der Weltgesellschaft jenseits der - zuweilen als magisch imaginierten - Schwelle zur Jahrhundert- und Jahrtausendwende bedeutsam sein werden.
Für den Autor dauerte das 20. Jahrhundert von 1914 bis 1991. Die beiden Jahreszahlen markieren den Beginn des 1. Weltkriegs und den politischen Zusammenbruch der Sowjetunion. 1914 endete für Hobsbawm das lange 19. Jahrhundert, das mit der Französischen Revolution begonnen hatte und durch liberale Gesellschafts- und Rechtsstrukturen, bürgerliche Herrschaft, Aufschwung von Bildung, Wissenschaft und Moral und Europa als Zentrum der Welt bestimmt gewesen war. Mit dem Zivilisationsbruch des 1. Weltkriegs begann eine Epoche, die als 'Triptychon' - was man neudeutsch-verständlich als horizontales Sandwich übersetzen könnte - beschrieben werden kann: Dem Katastrophenzeitalter von 1914 bis zu den Nachwirkungen des 2. Weltkriegs folgten etwa 25 bis 30 Jahre eines außergewöhnlichen Transformationsprozesses, retrospektiv als Goldenes Zeitalter zu begreifen, das seit den 70er Jahren in eine Ära des Verfalls, einen Erdrutsch mündet. Dieses weitere Katastrophenzeitalter ist wesentlich bestimmt durch drei Entwicklunsprozesse: den Bedeutungsverlust Europas und der europäisch geprägten Weltpolititik und die damit verknüpfte Herstellung der Welt als primärer Funktionseinheit als Ergebnis der weitreichenden Entwicklungen der Kommunikationstechnologie - freilich ohne anerkannte, handlungsfähige und auf Ausgleich der Interessen bedachte Institutionen zur Ordnung und Regulierung der Weltgesellschaft. Die dritte Transformation sieht Hobsbawm in der Auflösung traditioneller Sozialstrukturen und religiöser und moralischer Bindungen, das Zerbersten der Bindeglieder zwischen den Generationen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart und die Herausbildung eines absolut asozialen Individualismus. Hobsbawm ist kein pessimistischer Apokalyptiker, sondern ein skeptischer Realist, dem aber trotz aller Schrecklichkeiten unserer Zeit die Hoffnung auf eine bessere, gerechtere und lebenswertere Welt nicht abhanden gekommen ist. Sein voluminöses Buch ist ein im umfassenden Sinne anregendes und erhellendes Werk, dem größte Verbreitung zu wünschen ist.
Hartmut Boger, vhs Wiesbaden
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anspruchsvoll und spannend, 26. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts (Taschenbuch)
Ein hochinteressantes Buch über die Zusammenhänge und Ursachen der historischen, soziologischen,wissenschaftlichen und kulturellen Erscheinungen des "kurzen" 20. Jahrhunderts von Beginn des 1. Weltkrieges an bis in die Anfänge der 90er Jahre. Obwohl der Blick des anerkannten britischen Historikers auf die ganze Welt gerichtet ist, liegen Europa, insbesondere Deutschland, und Nordamerika doch im Mittelpunkt seines Interesses.
Das Buch ist nicht an Leser gerichtet, die ein Lehrbuch über das Geschehene erwarten, sondern dieses Wissen wird beim Leser vorausgesetzt, der sich dann genussvoll in die stets spannenden und schlüssigen Darlegungen des wissensreichen Autors vertiefen kann.
Der Umstand, dass der Autor Mitglied der kommunistischen Partei war, kann man Wikipedia entnehmen, nicht aber der objektiven und Soviet-kritischen Darstellung der historischen Ereignisse, und eine schärfere Abrechnung mit dem "real existierenden Sozialismus" könnte man auch von einem rechtsideologischen Historiker nicht erwarten.
Das umfangreiche (über 700 Seiten), mit einer Fülle von Wissen ausgestattete Buch liest sich trotz seines spannenden Inhalts dennoch nicht leicht, was weniger dem Stoff als vielleicht der Übersetzung geschuldet ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen meisterhafte Geschichtsbetrachtung, 26. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts (Taschenbuch)
Eric Hobsbawm legt mit dieser Betrachtung und Analyse des kurzen 20. Jahrhunderts ein großartiges Werk vor. Beeindruckend die Betrachtung globaler Zusammenhänge der Geschichte , mit vielen Fakten und /aber mit überraschender Distanz zu gängigen analogen Betrachtungen einzelner Abschnitte der HIstorie. Beachtlich auch die umfangreiche Analyse des Einflusses der sowjetischen Sozialismus- Modells auf die Entwicklung der (dritten) Welt nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Auch die Diffenrenzierung zwischen der Marxschen Lehre und der Entartung, dem politischen Pragmatismus des sowjetischen Modells sind erfrischend.
Ein Buch, das in die Bibliothek für unsere Kinder und Enkel gehört.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Das Zeitalter der Extreme, 5. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts (Taschenbuch)
Als philosophisch interessierter Mensch neugierig auf die Weltsicht anderer.
Warum erzwingen Sie im Feld derartig viele Worte ? Dem Zeitgeschmack entsprechend - Wortblasen - ?
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Ein intelektueller Genuss, 30. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts (Taschenbuch)
Hobsbawm ist einfach genial. Sein Sicht der Geschichte ist überwältigend und zeigt ganz neue Perspektiven im Vergleich zu klassischen Geschichtsbücher. Höchst empfehlenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Eine sehr persönliche Bilanz, 16. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts (Taschenbuch)
Wenn ein anerkannter Historiker die "Weltgeschichte" der eigenen Epoche (im Untertitel) ankündigt, ist man gespannt. Für gewöhnlich zeichnet sich die historische Wissenschaft ja durch eine gewisse zeitliche Mindestdistanz zu ihrem Gegenstand aus. Um so reizvoller ist es, wenn ein berufener Interpret der Vergangenheit sich an seine miterlebte Gegenwart herantraut. Diese Erwartungshaltung wird allerdings bei der Lektüre schnell enttäuscht. Das Buch ist keine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem 20. Jahrhundert. Selbst da, wo der zeitliche Abstand zur Zeit der Niederschrift bereits groß genug war und auch an wissenschaftlicher Aufarbeitung kein Mangel herrschte, bleibt Hobsbawn im Beschreiben und Bewerten eigener Wahrnehmungen. Dass dies der Anspruch des Buches ist, macht Hobsbawm allerdings gleich zu Beginn deutlich. Nur, man muss erst anfangen zu lesen, um zu wissen, was einen erwartet. Lässt man sich aber darauf ein, es hier mit einer subjektiven Aufarbeitung der Zeit von 1917 bis 1989 zu tun zu haben (die unmittelbar vorangehenden und nachfolgenden Jahren dienen erkennbar nur der Kolorierung), bietet sich eine äußerst gewinnbringende Lektüre. Man muss dabei mit Hobsbawm nicht politisch übereinstimmen. Nicht zufällig fällt sein "kurzes 20. Jahrhundert" (im wesentlichen, m.E. sogar eigentlich) mit der Zeitspanne bolschewistischer Herrschaft in der Sowjetunion zusammen. Selbst wenn er den Blick stets wirklich global ausrichtet und auch die sogenannte "Dritte Welt" nicht vergisst, kreist sein Denken - besser Wahrnehmen - doch stark um Erfolg und Misserfolg der "Zweiten Welt". Eine wirkliche Alternative zu dem von ihm hart angegriffenen Kapitalismus (sowohl des real praktizierten der USA und später auch Großbritanniens unter Thatcher wie auch des theoretisch aus seiner Sicht vor allem von Hayek und Friedmann propagierten) zeigt Hobsbawm allerdings auch nicht auf. Trotz alledem, Hobsbawm hinterläßt mit diesem Buch eine großartige Bilanz, so wie er seine Epoche wahrgenommen und in einzelnen Aspekten auch selbst miterlebt hat. Es ist keine Autobiographie aber doch nahe daran. In so manchem Detail und aus der Sicht des Rezensenten auch im Grundsätzlichen kann man Hobsbawm oft widersprechen. Ob zurecht, kann nur die Zukunft zeigen. Trotz aller Festigkeit seiner Beurteilungen ist Hobsbawm selbstkritisch genug, die Bilanz mit dem Hinweis zu schliessen, ihr aktuell pessimistischer Ausblick widerspreche der noch wenige Jahre zuvor von ihm erwarteten "sehr hohen Wahrscheinlichkeit", "dass die Welt im 21. Jahrhundert besser sein wird." Wer das Buch als das liest, was es sein soll, nämlich die Bilanz eines wachen Zeitgenossen mit bewundernswerter Allgemeinbildung, wird hieraus ohne Zweifel großen Gewinn für die eigene Beurteilung der heutigen Welt ziehen können.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts
Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts von Eric Hobsbawm (Taschenbuch - 1. August 1998)
EUR 17,90
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen