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4.0 von 5 Sternen Ecos später Rückzug, 26. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Die Grenzen der Interpretation (Taschenbuch)
Umberto Eco war bekannt geworden als ein Interpret, der die Offenheit von Kunstwerken bezüglich ihrer Interpretation verfocht. Alles schien interpretatorisch möglich - so stimmte der jung Eco in den Chor ein, dessen andere Sänger Iser, Jauß, Rorty und viele andere waren.
In seiner Spätzeit trat Eco einen leichten und geordneten Rückzug an. Anfang der 90er erstmals erschienen, bestimmt Eco nun "Grenzen der Interpretation". Interpretationen sind nunmehr nicht mehr allein von der Absicht des Lesers (intentio lectoris) bestimmt, sondern maßgeblich von den Strukturen, die im Werk selbst eine Rolle spielen (intentio operis). Diese hat der Interpret zu ermitteln, und zwar so, daß er sich einen Modell-Leser erarbeitet, der einen idealen Verständnishorizont für den jeweiligen Text hätte. Anhand dieses Modell-Lesers lassen sich dann auch bestimmte Interpretationen überprüfen. Verkürzt gesagt: was Eco macht, ist die Anwendung der Popperschen Erkenntnistheorie auf die Hermeneutik: Zwar ist die Verifikation einer Interpretation nicht möglich (denn unendlich viele Interpretationen sind "richtig"), dafür lassen sich aber bestimmte Interpretationen eindeutig falsifizieren.
Eco hat für dieses Werk, das nach meinem Dafürhalten aber durchaus in seiner eigenen Tradition steht und glänzende Anregungen enthält, Prügel bezogen. Man schimpfte ihn einen Strukturalisten - aber das hat er nicht verdient.
Letztlich bleibt noch ein Bezug zu setzen: wie so oft, hat sich Ecos Philosophie auch auf die Literatur ausgewirkt: Sein Roman "Das Foucaultsche Pendel" ist zeitgleich entstanden und ist die konkrete Anwendung der "Grenzen der Interpretation", indem es die (im Roman sogar lebensbedrohlichen) Konsequenzen einer Überinterpretation eines mittelalterlichen Dokuments zeigt, das sich letztlich nur als Einkaufsliste erweist.
Insgesamt: auch und gerade wegen der reichhaltigen Nachwirkungen auf Literaturwissenschaft, Philosophie und Theologie ist Ecos Spätwerk eine unverzichtbare Lektüre. Auch wenn man ihm nicht in allen Punkten zustimmen mag, wird man doch eine starke Bereicherung erfahren.
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Die Grenzen der Interpretation
Die Grenzen der Interpretation von Umberto Eco (Taschenbuch - 1. September 1999)
EUR 19,50
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