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21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Dezember 2004
Die in diesem Buch zusammengefassten Werke sind allesamt Spaetwerke Nietzsches. Nietzsche steht nur wenige Jahre vor seinem Versinken im Wahnsinn, er hat sich von Wagner abgewandt, ist aus seiner naturwissenschaftlichen Phase herausgetreten in seinen letzten Lebensabschnitt, in dem er den Zarathustra dichten wird und bittere Briefe gegen seine Familie und gegen Wagner in Form von kleinen Abhandlungen zusammenfasst.
"Der Fall Wagner" beispielsweise ist eine bittere Abrechnung mit dem einst so geliebten Kuenstler und Freund, "Goetzen-Daemmerung" ruft zur Umdefinierung der moralischen Werte auf. In "Ecce Homo" fasst Nietzsche sein Leben zusammen und rechnet sehr hart mit seiner Familie und den Frauen ab, die sein Leben praegten (in ehrlich gesagt so harter Weise, dass ich es kaum vermochte, das Buch ganz zuende zu lesen), "Nietzsche contra Wagner" zuletzt ist wieder eine Streitschrift gegen die Kunst und die Ideenwelt Wagners.
Dazwischen aber, wie eine keine Insel, finden sich die "Dionysos-Dithyramben", die tatsaechlich aus spaetesten Lebensjahren Nietzsches stammen, und eine Abhandlung in dichterisch-lyrischer Form darstellen.
Hierin verwebt Nietzsche die alte Sage der Ariadne, des Labyrinths, des Minotaurs mit seinem eigenen Leben: Ariadne ist da ploetzlich Cosima Wagner (auch, wenn es nirgends erwaehnt ist, Briefe Nietzsches und das Buch "Nietzsche und Cosima Wagner" bestaetigen diese naheliegende Vermutung) und Nietzsche der Gott, der sich ihr nahen darf. "Ich bin Dein Labyrinth" wird er zur unerreichbaren Geliebten sagen.
Diese lyrischen langen Verse Nietzsches sind nicht so bekannt wie sein Zarathustra, verdienen aber meines Erachtens dieselbe Zuneiung und denselben Respekt. Sie sind bezaubernd geschrieben, voller aphorismischer Bilder und malerischer Beschreibungen.
Das hier vorliegende Buch also, das mehrere Werke des alten Nietzsche zusammenfasst, moechte ich allen, die an Nietzsches Leben und Entwicklung interessiert sind, empfehlen, aber auch denen, die gerne noch einmal etwas von Nietzsche lesen moechten, das so zauberhaft, dunkel und nachdenklich und dabei so schoen ist wie der Zarathustra. (Ausserhalb dieser Sammlung werden die Dionysos-Dithyramben zur Zeit nicht aufgelegt, dieses Buch allein fuer den Abschnitt der Dithyramben zu kaufen ist meiner Meinung nach bereits lohnenswert). Natuerlich aber sind im Grunde alle in dieser Sammlung enthaltenen Werke lesenswert, sei es aus historischem Interesse, aus Interesse an Nietzsche und Wagner, oder vielleicht auch, weil man selbst Argumente fuer oder gegen Wagner sammeln moechte, oder fuer oder gegen Nietzsches Philosophie. In jedem Fall also ist diese Sammlung absolut lesenswert.
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Oktober 2001
Dieses Buch stellt eine wunderbare Einführung in das Denken Nietzsches dar.
Mit "Ecce Homo" liefert F.N. uns nicht nur ein verklärt - erheiterndes Bild seines Lebens (seines Kreuzganges, welches ihn stählte - wenn man F.N. Glauben schenken darf) oder interessante Einblicke in die Bedingungen und Zustände an denen er so unverkennbar heftig litt, sondern auch eine persönliche Einführung in seine geschriebenen Werke und ihren Zusammenhängen.
"Der Antichrist" ist für mein Dafürhalten F.N.'s beste Niederschrift, kurz und knapp stellt er dar, wie das Christentum mißbraucht wurde, um die moralische und psychologische Dummheit der Menschenmassen zu kultivieren und sie in eine illusionäre, heile Welt hineinzulügen. Besonders delikat ist seine Abrechnung mit den Priestern, welche von selbst Aufmerksamkeit erregt, sobald man diesen Typus Mensch mit unseren heutigen Politikern, Rechtsanwälten und Wirtschaftslenkern gleichsetzt, die alle ihre neuen Kirchen so zu beherrschen wissen, wie es F.N. nachlesbar anwiederte.
Auch seine beiden "WagnerAbhandlungen" sind lesenswert, und nicht nur bloße Konfliktbewältigungen eines Wagnerschülers, als was sie so gern angesehen werden. F.N. beschreibt eindrucksvoll ,was ihn von dem immer wieder gelobten Wagner trennte, die Verflachung und Instrumentalisierung Wagner's Kunst, die (deutsche)Wagnerianerei, welche er als Décadenzphänomen entblößt, und so wunderbar mit seinen tiefen Gedanken zur Kultur verknüpft.
Mit seiner Kritik an den "modernen" Verhälnissen in Kunst, Religion, Moral setzt er in der "Götzendämmerung" fort und radikalilisiert sie schon fast in seinen " Streifzügen eines Unzeitgemäßen".
Nicht nur seinen Standpunkt zur Philosophie und Psychologie legt er dar, sondern auch geradezu brutal seine Meinung zu den Deutschen, die für das Verständnis dieses Buches von nicht geringer Wichtigkeit ist.
Entäuschend fand ich hingegen F.N.'s "Dionysos-Dithyramben", er hat lyrisch gewiß schon höhere Sphären erreicht, seine "Sprüche und Pfeile" der "Götzendämmerung" aber sind wahre Stimmungskanonen(schüsse), die wahre Leckerbissen in diesem Buch abgeben.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. April 2013
Für Musiker, die sich mit Wagner beschäftigen Ist dieses Buch unverzichtbar. Wagner war ein genialer Blender und hier liest man warum. Sehr gut!
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