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133 von 144 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebe und Lernen
"Den späten Herbst kannst Du in mir besehen:
Die letzten gelben Blätter eingegangen
An Zweigen, die dem Frost kaum widerstehen,
Und Chorruinen, wo einst Vögel sangen.
In mir siehst Du den späten Tag sich neigen,
Das Dunkel in die graue Dämmrung dringen,
Die Nacht mit ihrer Schwärze langsam steigen
Und Todes...
Vor 12 Monaten von Heike G. veröffentlicht

versus
17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mein "Depri-Highlight" 2013
Nach so viel Lob über die „Neuentdeckung“ des Jahres war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Es wird als „zutiefst menschlich“ beschrieben und von vielen als persönliches Jahreshighlight genannt, wenn man sie danach fragt. Mir wird es vor allem als zutiefst deprimierend und trostlos in Erinnerung bleiben.

Stoner, der Sohn eines...
Vor 8 Monaten von Eskalina veröffentlicht


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133 von 144 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebe und Lernen, 25. August 2013
Von 
Heike G. (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Den späten Herbst kannst Du in mir besehen:
Die letzten gelben Blätter eingegangen
An Zweigen, die dem Frost kaum widerstehen,
Und Chorruinen, wo einst Vögel sangen.
In mir siehst Du den späten Tag sich neigen,
Das Dunkel in die graue Dämmrung dringen,
Die Nacht mit ihrer Schwärze langsam steigen
Und Todes Bruder, Schlaf, die Welt umschlingen.
In mir siehst Du die Glut von alten Bränden,
Gebettet auf die Asche bessrer Zeiten -
Ein Sterbelager, wo sie muss verenden,
Verzehrt vom Brennstoff eigner Lustbarkeiten.
Siehst Du all dies, wird's Deine Liebe steigern:
Denn was Du liebst, wird Tod Dir bald verweigern."

Das Sonett 73 von William Shakespeare, ein Gedicht über Liebe und Verlust, nimmt in dem bereits 1965 in den USA veröffentlichten, damals unverständlicherweise kaum wahrgenommenen und heute wieder neu entdeckten, wunderbaren Roman von John Williams (1922 - 1994) eine Schlüsselfunktion ein. Zum einen für seinen Protagonisten, zum anderen fungiert es als roter Faden, als literarisches Rahmengerüst für den gesamten Text. Einen Bogen von über 65 Jahre überspannt der amerikanische Autor in seinem empathischen, leisen Roman, der die Frage aufwirft: Was bleibt nach dem Tod von einem Menschen übrig, der nicht durch großes Getöse auf sich aufmerksam machte?

Erzählt wird der Lebensweg William Stoners, einem Doktor der Philosophie an der Universität von Missouri im Fachbereich Englisch. 1891 auf einer kleinen Farm im tiefsten Missouri aufgewachsen, soll es der Sohn einmal besser haben als seine schon früh gealterten, leblosen Eltern. Sie schicken ihn auf die Universität. Doch das Studium der Agrarwirtschaft bricht er nach einem Einführungskurs in englischer Literatur und eben jener Begegnung mit dem Sonett des großen englischen Dichters ab, um sich fortan ausschließlich der Geisteswissenschaft zu verschreiben. Hier wird er sich erstmals seiner selbst bewusst. "Die Vergangenheit schälte sich aus dem Dunkel, in dem sie blieb, und die Toten erhoben sich, um vor ihm zum Leben zu erwachen; beide, die Vergangenheit und die Toten, mischten sich in die Gegenwart und unter die Lebenden, wodurch Stoner einen intensiven Moment lang eine Vision von Dichtigkeit überkam, in die er fest eingefügt war und der er nicht entkommen konnte, der er auch gar nicht entkommen wollte." Durch die Literatur lernt er zu sehen. Sie wird ihm zur Heimat, gibt ihm einen Platz und Hort, auch wenn das Leben und die Geschichte in großen, brausenden, zuweilen zerstörerischen Wellen über ihn hinwegzieht.

Wer war William Stoner? "Den Älteren bedeutet sein Name eine Erinnerung an das Ende, das sie alle erwartet, für die Jüngeren ist bloß ein Klang, der ihnen weder die Vergangenheit näherbringt noch eine Person, die sich mit ihnen oder ihrer Karriere verbinden ließe." Was auf den ersten Blick wie eine langweilige Beschreibung eines gewöhnlichen, nichtssagenden Lebens aussieht, offenbart allerdings auf den zweiten eine außerordentlich genaue Beobachtungsgabe. Mit Scharfblick fokussiert John Williams seinen Plot auf die zwei Leidenschaften in Stoner Lebens: die Liebe und das Lernen. Allerdings scheitert sein Protagonist in gewissem Sinne bei beiden. Seine Frau, die maliziöse Edith Elaine Bostwick, wird von dem Moment an, da er sie trifft, kalt und abweisend. Ihre Flitterwochen, in denen sie sich ihm mit einer nahezu brutalen Abneigung unterwirft, geraten zur Farce. Schon bald wird mit einem Klang des Unvermeidlichen offensichtlich, "dass seine Ehe scheitern würde, nach einem Jahr hoffte er nicht mehr darauf, dass es je besser werden würde. Er lernte mit der Stille zu leben und nicht auf seiner Liebe zu beharren." Gefangen in der leeren Hülle seiner Ehe, "versagt" er allerdings auch im universitären Gefüge. Stoner wird weder ein großer Lehrer, noch ein bekannter Gelehrter, sondern widmet sich mit scheinbar stoischer Zufriedenheit seiner ersten Liebe: die zur Literatur. Doch fehlt ihm auch hier das Talent, diese auf seine Studenten zu übertragen. Seine tief verwurzelte Zurückhaltung versteckt er hinter einer Fassade der Teilnahmslosigkeit.

Fazit: Nur wenigen, in ihren Grundzügen derart trauriger Geschichten, glückt es trotz alledem so unterschwellig zu triumphieren und zu berauschen wie diesem Roman. John Williams erzeugt in der Beschreibung von Stoners Schicksal auf unnachahmliche Weise eine seltene Welle der Empathie. In einer wunderschönen Sprache und plastischem Stil, der gerade in seiner Zurückhaltung eine immense Eloquenz aufweist, schildert der Autor das bescheidene, aber durchaus lebens- und beachtenswerte Leben eines Mannes und seine zunehmende Entfremdung von der modernen Welt. "Stoner" offenbart sich als College-, Liebes- und Entwicklungsroman, gehalten in leisen und zaghaften Tönen. Der Roman generiert großartige Charakterstudien, die zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. Letztendlich ist das Buch auch eine Liebeserklärung an die Literatur, die Sprache, an das Mysterium des Verstandes und des Herzens. Ein Text, der trotz seines dunklen, trostlosen Timbres jede Zeile wert ist, gelesen zu werden, zudem wenn er so kongenial aus dem Amerikanischen übertragen wurden wie es Bernhard Robben gelungen ist.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Große Geschichten brauchen keine Action, 29. Januar 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Freund hatte mir begeistert das Buch empfohlen, ohne zu sagen, worum es geht. Nach den ersten Seiten hat es mich nicht mehr losgelassen: Dabei passiert an der Oberfläche eigentlich wenig. Es geht um die Biografie des Titelhelden. Ein Leben ohne aufsehenerregende Erfolge, Abenteuer oder Heldentaten. Aber je weiter man diesem Lebensweg folgt, desto deutlicher wird, dass es kaum größere Heldentaten gibt, als das Leben zu leben, auch zu ertragen, sich selbst zu finden und sich selbst treu zu bleiben. Das alles ist so ökonomisch und präzise erzählt, ohne Appelle, ohne falsche Rührung, ohne ein Wort zuviel - und doch merkt man in jeder Zeile die Anteilnahme, den Respekt und die tiefe Zuneigung des Autors für seine Figur, und die teilt sich dem Leser mit. Große Literatur.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein einfaches Leben - Hörbuch, 25. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Stoner (Audio CD)
Stoner kommt aus den einfachen Verhältnissen einer Farmersfamilie Ende des 19. Jh. Statt das Studium der Agrarwissenschaften abzuschließen entdeckt er seine Liebe zur Literatur und lehrt schließlich selbst. Mit diesem Start des Romans würde manch einer ein Heldenepos erwarten nach dem Motto vom Tellerwäscher zum Millionär, nicht so bei Stoner. Er ist kein Held, er bleibt eher im Hintergrund. Er liebt es zu lehren und geht in seiner Arbeit auf. Er könnte ein wirklich glückliches, aber unaufgeregtes Leben führen, wäre da nicht sein enttäuschendes Privatleben. Seine Ehe bleibt gefühlskalt und seine Frau kämpft mit allen Mitteln gegen ihn. Erst die Geburt seiner Tochter zeigt ihm was Liebe wirklich bedeutet.

Bei Stoner hatte ich immer das Gefühl er ist zu gut für diese Welt, selten wehrt er sich. Er scheint sich von seinem Schicksal treiben zu lassen, ohne eingreifen zu wollen oder zu können. Nur wenige glückliche Momente gibt es in seinem Leben, die man als Leser umso mehr mit ihm genießt. Das ist ein großer Pluspunkt des Romans, schon nach kurzer Zeit ist man Stoner sehr nah, obwohl er kein außergewöhnlicher Mensch ist. Genauso ist auch die Sprache von John Williams schlicht, aber bestimmt. Ein schlichter Roman, der in seiner Unaufgeregtheit einen Tiefgang bewirkt, den ich selten erlebt habe. Trotz der überschaubaren Handlung des Romans bleibt der Spannungsbogen die ganze Zeit erhalten. Ein Roman zum „Runterkommen“ im hektischen Alltag ohne zu langweilen. Großartig!

Der Sprecher Burghart Klaußner schafft es mit seiner Sprachmelodie genau die Stimmung des Romans einzufangen. Angenehm und ruhig erzählt er Stoners Leben.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berichte aus der Parallellwelt..., 11. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
Bereits 1965 in Amerika erschienen, liegt John Williams Roman „Stoner“ nun auch auf Deutsch vor. Nominell ein sogenannter Campus-Roman, der von dem Englischdozenten William Stoner erzählt, umfasst das ca. 350seitige Werk aber das gesamte Leben dieses „kleinen““ Mannes.

Geboren auf einer Farm im ländlichen Ohio Ende des 19. Jahrhunderts, schicken die Eltern den jungen William nach Columbia, damit er dort ein Studium der damals neuen Agrarwissenschaften absolviert. Doch die Begegnung mit dem Dozenten Archer Sloane läßt ihn seine Liebe zur Literatur entdecken. So wechselt er ohne das Wissend er Eltern zur Literaturwissenschaft, schließt das Studium ab, promoviert und wird schließlich Dozent ans einer eigenen Alma mater, da aufgrund des Ersten Weltkrieges junge Dozenten Mangelware sind. Er heiratet Edith, eine stille und scheinbar sehr sensible Frau, deren Eltern im eleganten St. Louis leben. So geht es dahin, sein Leben: Er überwirft sich mit Kollegen, findet Freunde und verliert sie auch wieder, eine junge Studentin, die ebenfalls an seiner Universität promovieren will, wird seine Geliebte, bis die Konventionen und Stoners Feinde diese Liebe unmöglich machen. Auch Edith wird zusehends seine Feindin, scheint sie sich doch von ihm um ein Leben, ein anderes Leben betrogen zu fühlen? So richtig findet Stoner nie heraus, was sie ihm eigentlich vorwirft. Das einzige gemeinsame Kind – Grace – wird früh schwanger und geht mit einem Mann, den sie nicht liebt und der ihr den Gefallen tut, bald nach der Hochzeit im Südpazifik zu fallen. Ihr Kind überläßt sie größtenteils ihren Schwiegereltern und selbst verfällt sie dem Alkohol. Stoner wird alt, kann den einen oder anderen Sieg über seinen Erzfeind Lomax – Fachbereichsleiter in der Universität – erringen, nicht jedoch über den Tumor, der ihn nach und nach zerfrißt. Stoner stirbt Mitte der 50er Jahre, von wenigen betrauert, von vielen als Kauz betrachtet, ungeliebt und rückblickend auf ein Leben, dessen Möglichkeiten er nicht ausgenutzt hat.

Williams schildert dieses „ganz normale Leben“ in einem nahezu lakonischen Ton. Weder hat er große Sympathien für seine Hauptfigur, noch lehnt er ihn ab. Beschrieben wird das Leben eines Mannes, der in einer Zeitenwende, zu Beginn der Moderne, lebt. Er nutzt einige der ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, die sich dadurch auftun (überhaupt zu studieren ist ungewöhnlich für seinen Hintergrund, das Studienfach zu wechseln ist sicherlich der mutigste Schritt dieses Lebens) und läßt viele andere aus. Williams führt seine Figuren nicht vor, gibt sie nie der Lächerlichkeit preis, sondern schildert – nüchtern, manchmal beiläufig, ohne Drama oder besondere Höhepunkte – den Ablauf der Jahre und die darin entscheidenden Episoden. Der Leser allerdings taucht dabei tief ein in die Gedankenwelt, das Empfinden dieses Menschen und auch in die Entfremdung, die er immer wieder ebenso sich selbst wie seiner Umwelt gegenüber erfährt. Manchmal schwer erträglich in der Gleichmütigkeit, mit der Stoner bereit ist, die Widrigkeiten des Lebens zu ertragen, empfindet man dennoch eine wehmütige Sympathie für diesen Mann, der sich relativ fair reflektiert. Er ist kein Held, auch kein Schurke, er gibt sich Mühe im Rahmen seiner Möglichkeiten, er ist natürlich ein Aufsteiger, was ihn lange fremdeln, Vieles aber auch ertragen läßt, er ist ein Lehrer, aber meist kein guter und er ist feige. Feige vor dem Leben.

Früh in seiner universitären Laufbahn ordnet ein Freund sich selbst, Stoner und den gemeinsamen Freund Gordon Finch der Universität als einer Art Parallelwelt zu, eine Welt für jene, die mit der Welt selbst nicht zurecht kämen, die aber eine Idee hätten von Welt. Eine literarische, in ihrem Falle. Die Universität als eine Art Hort für die Aus-der-Welt-Gefallenen. Sowohl dieser Freund – Dave Masters, der für Stoner zeitlebens ebenso eine Referenzgröße zur Wirklichkeit, wie eine Art Vorbild bleiben wird – als auch Finch, melden sich freiwillig zu den Truppen des Ersten Weltkriegs, Stoner bleibt daheim. Masters fällt, die Wirklichkeit holt zumindest ihn maximal ein. So wird die Universität für Stoner also ebenso zu einem Schutzwall, wie sie ihm Substitution für die Realität bietet: Feinde, Freunde, eine Liebe, die wirklicher ist, als es seine Ehe als Liebschaft je war. Letztlich lebt Stoner ein literarisches (Ersatz)Leben, was natürlich eine schöne Spielerei mit einer Romanfigur ist. Er ist zu feige für die Wirklichkeit, könnte man sagen. Er verharrt lieber in einer schrecklichen Ehe, die er kennt, als das Wagnis einzugehen, mit der Frau, die er wirklich liebt, in ein vollkommen anderes Leben aufzubrechen. Daß ihre Zeit ein solches Leben sehr schwer machen würde, daß sowohl Stoner, als auch seine Geliebte (die schließlich in New York Karriere macht und damit auch klar eine ANDERE Möglichkeit dieser Zeit markiert) wissen und akzeptieren, daß dies schlicht nicht möglich ist (zu sein scheint), zeigt seine Mittelmäßigkeit, auch seine Feigheit. Es zeigt aber auch, wie genau Williams hin schaut, wie präzise er mit dieser so nüchternen Sprache, diesem lakonischen Ton seine Beobachtungen zu schildern weiß.

John Williams, ein Zeitgenosse Wallace Stegners (obwohl fast eine Generation jünger als dieser) und Richard Yates', schreibt wie diese in einem modernen Stil über eine Zeit, die man eher mit Sherwood Anderson und seinem Meisterwerk „Winesburg, Ohio“ verbinden würde: Stoner entstammt einer verarmten Farmersfamilie, die Schilderungen seiner jungen Jahre, in denen er studiert, in den Ferien aber sofort heimfährt, um den Eltern zu helfen, sind schon beeindruckendes Zeugnis einer Nation im Aufbruch, auch der so oft besungenen „unbegrenzten Möglichkeiten“, die Amerika ja angeblich bietet. Das Ethos der harten Arbeit ist hier reine Voraussetzung für die Bewegung der Figuren. Williams aber war vor allem Universitätsdozent und kannte also das Innenleben einer Universität in einer kleineren Stadt im mittleren Westen der USA und er kannte auch das Umfeld, in dem man dort zu leben hatte. Seine Schilderung eben dieses universitären Lebens fällt manchmal gehässig aus, wobei auch die Gehässigkeit beiläufig bleibt und somit kaum auffällt. Daß die ihm bös' gesinnten Kollegen und Studenten oft als körperlich eingeschränkt/behindert gezeichnet werden, kann man Williams freundlich dahingehend auslegen, daß es eine Metapher für die Spezifik dieses Lebens sein soll – ein verkopftes Leben, das sich abschottet gegen die wahren Unbilden, die Stoner – eine weitere Metapher, wie so mancher Name hier – auf Grund seiner Herkunft kennt. Er ist körperliche Arbeit gewohnt, er ist in ein vollkommen anderes Leben gewechselt (ohne das alte zwingend verlassen zu wollen, sein Wechsel ist keine Flucht aus etwas, sondern eine Hinwendung zu – Literatur). Er ist in gewissem Sinne dort, wo er hingehört. Und dennoch ist er dort nicht wirklich behaust. John Williams seziert das alles auf wundervoll stille Art und Weise. Er hat ein kunstvolles Konstrukt gesponnen. Das liest sich scheinbar so leicht und man gleitet dieser Sprache folgend dahin und oft bleiben einzelne Gedanken hängen, die sich dann aber als erstaunlich widerständig, gar widerborstig erweisen in diesem eleganten Geflecht. Was so gleichmütig erscheint, offenbart tiefsitzenden Schmerz, ohne sich erklären zu müssen und es ist schmerzlich zu lesen, weil es die Dinge so genau betrachtet und so gnadenlos folgerichtig darstellt. Große Literatur.
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen", 2. Januar 2014
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
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"Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen", schreibt Albert Camus in seinem berühmten Buch "Der Mythos de Sisyphos". In einem Buch, in dem er die große Frage stellt, "ob das Leben die Mühe, gelebt zu werden, lohnt oder nicht". In John Williams schon 1965 entstandenen Roman "Stoner", der nun erst in Deutschland übersetzt zu haben ist, fühlte ich mich mehrfach an Camus und seine existenziellen Fragen erinnert.

William (sic!) Stoner ist Sohn eines armen Farmerehepaares und soll dem Wunsch seines Vaters nach, Landwirtschaft studieren. Dafür spart der Vater sich und seiner Familie jeden Cent vom Mund ab. Doch der Sohn entscheidet sich nach kurzer Zeit für die Literaturwissenschaft und kehrt auch nicht in die Kargheit der elterlichen Umgebung zurück, sondern bleibt an der Universität von Missouri und lehrt dort rund vierzig Jahre lang Studenten.

Früh verliebt er sich in die spröde Edith, die er heiratet und aus der gut situierten elterlichen Umgebung in St. Louis entführt. Von echtem Eheglück kann nie die Rede sein und so entwickelt sich die Beziehung zu einem mehr oder minder subtilen Kampf, geführt von der Gattin. Aus der Ehe geht eine Tochter hervor, zu der Stoner eine Nähe aufbaut und sich auch diese von der zänkischen Edith wegnehmen lässt.

Er fügt sich, dieser genügsame Literaturdozent. Er fügt sich in der Ehe, er fügt sich an der Universität und am Ende fügt er sich in die Krankheit. Und dennoch, siehe den ersten Absatz, müssen wir uns Stoner als einen glücklichen Menschen vorstellen, der befriedet seinem Ende entgegengeht, mit sich und seiner Umgebung, die es nicht immer nur gut mit ihm meint, im Reinen. Andere Altersgenossen überleben den ersten Weltkrieg nicht, seine Eltern darben in Armut, seine Frau ist genauso wenig zu beneiden wie seine Tochter. Verhältnismäßig geht es unserem Protagonisten also recht gut.

Nur einmal begehrt er auf, doch wie man sich denken kann, ist auch seiner Liebesaffäre nicht das dauerhafte Glück beschert. Aufstand, Widerstand, Gegenwehr, das ist alles nicht unbedingt Stoners größte Stärke. Aber er hat seine eigenen, kleinen Art und Weisen, zu opponieren. Und er unterscheidet sich viel weniger, als man auf den ersten Blick denken mag, von den meisten von uns.

Große, dezente Literatur, psychologisch fein beobachtet und umgesetzt vom Dozenten für englische Literatur John Williams. Wie viel von Williams in William steckt, können wir nur erahnen. Ich vermute aber, eine ganze Menge.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk, 26. November 2013
Von 
derkleinenerd (Süddeutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
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Es gibt diese glücklichen Momente, in denen man bereits auf Seite 50 weiß, daß man sein Buch des Jahres entdeckt hat. Stoner ist meins. Erschienen bei DTV (aber trotzdem in gebundener Form, was kurz etwas verwundert, wenn der Verlag Deutscher Taschenbuch Verlag heißt) und eine Wiederentdeckung aus den sechziger Jahren. Die Handlung ist relativ einfach umrissen und hat dabei Grundzüge, die Philip Roth in "Ein menschlicher Makel" aufgegriffen hat: Ein Farmerjunge wird vor dem ersten Weltkrieg auf die Universität geschickt, hat dort sein intellektuelles Erweckungserlebnis und wird Professor. Er heiratet und führt eine unglückliche Ehe, versucht die Bindung zu seiner Tochter zu halten und verliert sie, hat eine Affäre, die er aufgeben muß wegen eines Zwists mit einem anderen Professor, erkrankt an Krebs und stirbt zum Zeitpunkt des Erreichens seines Ruhestands. Es passiert also wenig, oder eben viel, je nachdem. Doch wie es passiert, wie er reflektiert, was mit ihm geschieht, wie das beschrieben wird in klarer, manchmal nüchterner, manchmal euphorischer, fließender Sprache mit einer Verneigung an Sinclair Lewis, das beeindruckt nachhaltig. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und konnte es nicht aus der Hand legen - berauschend schön und herausragend.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mein "Depri-Highlight" 2013, 31. Dezember 2013
Von 
Eskalina (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
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Nach so viel Lob über die „Neuentdeckung“ des Jahres war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Es wird als „zutiefst menschlich“ beschrieben und von vielen als persönliches Jahreshighlight genannt, wenn man sie danach fragt. Mir wird es vor allem als zutiefst deprimierend und trostlos in Erinnerung bleiben.

Stoner, der Sohn eines mehr oder minder einfachen (und sehr wortarmen) Farmer- Ehepaares, entdeckt seine Leidenschaft für Literatur und findet seine Heimat in der Universität Missouri, wo er Zeit seines Lebens lehren wird. Er heiratet jung und lebt fortan mit einer psychisch schwer gestörten Ehefrau und seiner Tochter Grace in einem kleinen Haus in der Nähe der Universität. Es ist ein ganz normales kleines unbedeutendes Leben, so scheint es, doch es ist ein Leben ohne jegliche Hoffnung, ohne Heiterkeit oder Lichtblicke. Allen Figuren fehlt eine gewisse Lebendigkeit des Geistes und selbst die Begeisterung Stoners für seine Literatur wirkt allenfalls durch seine Taten, nicht aber durch seine Rede, überzeugend, denn für Worte ist kaum Platz in diesem traurigen Roman.

Für Willy Stoner scheint in seinem Leben nur einen winzigen Augenblick die Sonne, doch auch dieser Augenblick wird ihm sofort von Missgunst und Neid (und dem Autor) wieder zerstört. Es scheint, als sei der Umstand, dass sein Protagonist tatsächlich Freude und Liebe empfunden haben mag, dem Autor sehr schnell unbehaglich geworden.
Ich bin sehr schwer in die Handlung hinein gekommen. Das lag vor allem an dem unbeteiligten Erzählstil und an der großen Distanz, die zu dem Leser gehalten wird. Wörtliche Rede wird nur sehr spärlich eingesetzt und so hat man oft das Gefühl, dass Stoner und die Personen in seinem Umfeld sehr sprachlos durchs Leben gehen. Mir kam es häufig vor, als würde der Autor leblose Figuren auf einem Schachbrett hin- und herschieben.
Nach den längeren Startproblemen wurde ich zwar immer noch nicht warm mit der Handlung und den Figuren, doch die Schilderung der Intrigen an der Universität und das abstrakte Verhalten von Stoners Frau ließen mich das Buch nicht aus der Hand legen.

Es ist erschreckend, wie wehrlos Stoner seinem Umfeld entgegentritt. Nur ein einziges Mal lehnt er sich auf, ansonsten erduldet er beinahe alles, was ihm Kollegen, Studenten und seine grässliche Ehefrau bieten. Er zeigt nicht einmal die Kraft, sich gegen Konventionen zu stemmen, als sich ihm die Chance auf ein anderes, glücklicheres und erfülltes Leben bietet. Er scheint sich wohl zu fühlen in der Trostlosigkeit.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass ich beim Lesen viele Emotionen empfunden habe. Ich war wütend auf Stoner wegen des stoischen Hinnehmens seiner unglücklichen Lebensumstände, die er durch seine Tatenlosigkeit selbst verschuldet, ja selbst geschaffen hat. Ich war fasziniert von der Beschreibung der psychisch schwer gestörten Ehefrau und ich war interessiert an den Intrigen eines bestimmten Kollegen, gegen den sich Stoner natürlich jahrelang nicht wehrt. Diese Klaglosigkeit, das kampflose Ergeben eines veränderbaren Unglücks haben mich beim Lesen gequält.
Ein Buch, das soviele Emotionen beim Lesen weckt, kann kein schlechtes Buch sein, aber es ist definitiv eines, das ich nicht gerne gelesen habe und das mir noch lange als das „Depri-Highlight 2013“ in Erinnerung bleiben wird.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stoner - oder ein realistisches Leben, 26. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
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"Stoner" von John Williams war für mich eine sehr positive Entdeckung.
Schon die Beschreibung der letzten Zeit auf der Farm seiner Eltern am Anfang des Buches hat mich berührt und gefesselt. Mit so wenigen Worten wurde deren Leben beschrieben, jeder Satz zeigte mir wie reduziert und auswegslos dieses Leben in seiner sich ewig wiederholenden Gleichförmigkeit ist. Und obwohl die Eltern sich dessen durchaus bewusst sind, würden sie dieses Leben nie aufgeben. Denn seien wir ehrlich, welche Alternative hätten sie denn?
Aber natürlich soll es dem Sohn besser gehen, er soll andere Möglichkeiten erhalten, soll lernen - und wird deshalb vom Vater zum Studieren geschickt, aufs Landwirtschaftscollege.
Hier, am College, entdeckt Stoner durch Zufall seine Liebe zur Literatur - und entscheidet sich, nicht mehr auf die Farm zurück zu kehren.
Stoner hat also den Absprung gewagt, er folgt seiner Leidenschaft, seinen Idealen. Er hat seine Chance genutzt.
Was nun folgt ist für mich die Beschreibung eines realistisch aufgezeichneten Lebens.
Heirat mit der Frau, die er meint, zu lieben. Ein Kind, beruflicher Erfolg - alles läuft nach Plan. Während in seinem privaten Leben sehr bald Ernüchterung eintritt ( was er akzeptiert ) ist er auf beruflicher Ebene über Jahre hinweg sehr erfolgreich. Der Unterricht und die Arbeit mit seinen Studenten bestimmt sein Leben, dazu kommt allenfalls noch das zeitweise sehr präsente Verhältnis zu seiner Tochter.
Stoner ist in diesem täglichen Trott gefangen und lebt so Jahr für Jahr ( und das nicht unbedingt unglücklich ) bis ihm das Schicksal die für ihn überwältigende Erfahrung einer großen Liebe zukommen lässt.
Er lebt nochmals auf, traut sich fast, zu träumen und an eine gemeinsame Zukunft zu denken. Wie sehr habe ich Stoner diese wunderbaren Zeit gegönnt. Denn auch mir als Leser war sehr schnell klar, dass dies nicht von Dauer sein würde.
Die Realität holt ihn ein, gesellschaftliche und berufliche Zwänge setzen dieser Beziehung ein Ende. Denn Stoner und Katherine, seine große Liebe, erkennen in ihrer Klugheit, dass sie keine Chance haben. Die letzten Gespräche und Begegnungen der beiden sind in meinen Augen sehr beeindruckend.
Stoner lebt weiter, aber irgendwie ist es eher eine Art von Funktionieren. Es gibt kurze Momente des Aufbegehrens, der Erinnerungen, des Erkennens darüber, dass es in seinem Leben keine "Hochzeiten" mehr geben wird.
Sein Sterben wird überaus nachvollziehbar und realistisch beschrieben. Auch hier macht sich Stoner nichts vor, es ist eher eine Art Staunen darüber, dass dies sein, das Leben gewesen sein soll.

"Stoner" ist ein Roman, den ich als überaus ehrlich, realistisch und konzentriert empfand. Hier gibt es keine rosa Wölckchen, keine Menschen, die über sich hinauswachsen, und die Welt oder auch nur ihr Leben verändern, keine unrealistischen Hoffnungen - trotzdem habe ich das Buch nicht als depressiv oder niederschmetternd empfunden. In keiner Sekunde, auf keiner Seite.
"Stoner" ist für mich ein grossartiger Roman, der gewiss das Leben von vielen, vielen Menschen beschreibt. Ohne Schnörkel oder Schönfärberei. Aber dies zu erkennen und zu akzeptieren ist sicherlich nicht leicht.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Kleinod!!!, 9. Mai 2014
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Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich bin noch ganz sprachlos, weiß noch nicht so genau, was ich davon halten soll. Was ich weiß ist, dass ich gerade ein Kleinod beendet habe, ein Buchjuwel, das seinen Weg zu mir gefunden hat.

Das ist kein positives Buch, es baut den Leser nicht auf, es unterhält auch nicht. Dieser Roman fordert seine Rezipienten und er stellt sie vor Situationen, die einfach nur ein Kopfschütteln provozieren.

John Williams veröffentlichte seinen Roman schon 1965 - allerdings fand er in seiner Heimat, der USA, kaum Beachtung und verschwand in der Versenkung. Anna Gavalda entdeckte ihn vor ein paar Jahren für den europäischen Büchermarkt, übersetzte ihn ins Französische und bahnte dem Autoren posthum den Erfolg, der ihm zweifelsfrei zustand/zusteht.

John Williams präsentiert seinem Publikum William Stoner, seinen Protagonisten, und nimmt es mit auf dessen Lebensweg. Wir begleiten ihn von dem Verlassen seines Elternhauses 1910 bis zu seinem Tode 1956. Dabei stehen wir neben ihm und erleben sämtliche Tiefschläge und die wenigen Hochzeiten hautnah mit. Distanz zwischen Stoner und dem Leser entsteht durch den Erzähler, der uns durch die Lebensgeschichte führt. Sprachgewaltig, mit wunderbaren Bildern, führt uns Williams mit Stoner durch seinen Alltag, lässt uns die Ehefrau verachten, ihn in seiner Duldsamkeit hinterfragen, an der wahren Liebe zu Katherine teilhaben und traurig zurück in Anbetracht dessen, was mit seiner Tochter geschieht.

DAS ist ein wirklich großer Roman, der ans Herz und ins Hirn geht und den Leser bedrückt, traurig und eben auch ein wenig sprachlos zurücklässt.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sprachlich wunderbar, aber die Handlung ist gewöhnungsbedürftig, 13. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
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Eigentlich sollte er Agrarwissenschaften an der Columbia Universität in Missouri studieren, aber William Stoner entdeckte dort schnell seine Liebe zur Literatur und wurde schließlich sogar Literaturdozent. Ansonsten ist sein Leben jedoch allzu oft von Lethargie, Lieblosigkeit und Monotonie gezeichnet. Schicksalsergeben erträgt er die Kälte seiner Frau Edith und Intrigen an der Universität. Stoner ist kein herausragender Held. Er tut sich nicht sonderlich hervor durch spezielle Charakterstärken oder -schwächen. Er ist ein Normalo. Ein Mensch wie du und ich. Doch will man über so einen Menschen etwas lesen?

Der Texaner John Williams schrieb seinen Roman während des Krieges und dozierte selbst ebenfalls an einer Universität. Sein Buch geriet erst in Vergessenheit, aber vor einigen Jahren wurde "Stoner" wieder "entdeckt" und erlebt seitdem eine wachsende begeisterte Lesergemeinde. Sprachlich hinreißend, ist es jedoch auch die Geschichte, die das Buch für manche zu etwas Besonderem macht. Stoner ist eher ein Antiheld und entweder man kann sich für ihn erwärmen oder eben nicht. Ich mochte ihn manchmal ganz gerne, war aber meistens genervt von seiner Gleichgültigkeit, mit der er sein Leben "meistert".

Wir begleiten William Stoner von 1891 bis zum Jahr 1956, doch da die Handlung überwiegend in Universität und Wohnung spielt, gibt es nicht viele Möglichkeiten für die damalige Zeit, sich dem Leser in großer Vielfalt zu offenbaren. Ich mochte das Buch vor allem der wunderbaren Sprache wegen. Hätte der Autor dies nur noch mit einer etwas interessanteren Rahmenhandlung geschmückt! Irgendwann war ich leider recht genervt von den Protagonisten, die kaum ein positives Gefühl vermitteln - ein Gefühl, das ich zum Luft holen zwischendurch dringend nötig habe.
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Stoner: Roman
Stoner: Roman von John Williams (Gebundene Ausgabe - 1. September 2013)
EUR 19,90
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