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42
4,5 von 5 Sternen
Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung: Roman
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am 11. Mai 2014
Um es vorweg zu nehmen – dieser Debütroman begeisterte mich sehr!

Der Roman beginnt damit, dass die 20 jährige Bea, die Ich-Erzählerin, der Beerdigung ihres besten Freundes Alfredo beiwohnt. In einer Rückblende erfährt man nun, wie sich die beiden kennengelernt haben, wie sich ihre Beziehung entwickelt hat und wie sie ihr Leben lebten.
Beide wohnen in La Fortessa, in einem italienischen Stadtteil der 80er Jahre. In einem „Viertel der Diebe und Dealer, der Drogenabhängigen und Verbrecher, diesem Ort mit seinen schmutzigen Ecken und den Hauseingängen, die nach Pisse stinken, mit seinen kaputten Straßenlaternen und Straßen, die im Dunkel ertrinken, mit seinen bewachten Grenzen, damit niemand reinkommt und seine Nase reinsteckt und schaut, was wir machen.“ (S.53).
Alfredos Vater ist ein gewalttätiger Trinker. Vor den Schlägen des Vaters flüchtet sich Alfredo immer wieder zu Beas Familie und die beiden werden bald unzertrennlich. Von den anderen werden sie nur „die Zwillinge“ genannt. Irgendwann beginnt Bea sich zu verlieben und alles wird komplizierter. Und dann nimmt der Roman eine Wendung und als Leser weiß man, dass es nun keine Rettung mehr geben wird.

Die Figuren sind tiefgründig gestaltet und absolut überzeugend. Das Verhalten, die Erlebniswelten der Protagonisten wirken sehr echt. Es gelingt der Autorin hervorragend, die widersprüchliche und komplizierte Beziehung zwischen Bea und Alfredo sensibel zu beschreiben. Das Gefühlschaos von Bea ist absolut nachvollziehbar.
Als weiteres Highlight empfand ich die spannenden Milieubeschreibungen. Sie wirken überaus authentisch und eindrücklich.
Der Schreibstil ist sehr lebendig, man fühlt sich, als ob man wirklich dabei ist. Die Autorin schafft es grandios, eine dichte Atmosphäre herzustellen.

Dieser Roman berührte mich sehr. Vieles wirkte bedrückend, gewaltvoll, traurig, dennoch ist die Hoffnung aber präsent. Der Roman wühlte mich auf und ließ mich nachdenklich zurück.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. Februar 2014
Sehnsucht, ja, die gibt es im Leben von Beatrice. Tief verborgen, denn die Realität treibt Träume schnell aus. Dort, wo sie lebt. Eine Sehnsucht, für die Beatrices Vater das Meer als Symbol entdeckt hat. Da will man hinfahren. Die Weite sehen, den Wind spüren, die Freiheit atmen. Aber immer erst „Morgen“ natürlich, nie heute, nie geschieht diese Fahrt.

Das Leben für Beatrice ist, dieses Bild bietet Valentina D'Urbano dem Leser an, „wie ein See“. Aber nicht mit klarem Wasser, sondern:
„Das Wasser ist still und klar. Aber wenn man einen Stein hineinwirft, sieht man, wie es sich vermischt, wie Schlamm aufgewirbelt und es trübe wird“.

Dieser Schalmm ist immer da gewesen, war nur nicht immer im Blick, bis man eben entschieden hat, ihn an die Oberfläche zu befördern, nur um ihn bald wieder vergessen zu können, denn jeden Tag diesen Schlamm zu sehen, das übersteigt die Kräfte. Schlimm genug, dass er immer vorhanden ist.

In diesem Leben am Rande. Das zudem noch belastet, tief getroffen wird vom frühen Tod des Geliebten, des Mannes, der kongenialen Seele an Beatrices Seite. Jener Alfredo, der als Kind Gewalt en Masse erlebte, der seinen ganz persönlichen Ausweg sich suchte und von diesem den Rückweg nicht mehr gefunden hat.

Ein Leben am Rande, mit Härten, auch im Umgang miteinander, selbst da, wo es um Liebe geht, um innere Verbindungen. Sanft kann da kaum jemand in diesem Elendsviertel, wo nur wenige es verstehen, ihre eigene Würde einigermaßen beieinander zu halten.

Und doch ist da, zumindest in Beatrice, dieser nicht auszulöschende Funke, dass da mehr sein muss. Dass es anderes geben muss. Dass die Sehnsucht nach einem echten, sicheren, gelebten Leben nicht irgendeine Illusion nur ist, sondern mögliche Realität. Nur wo und wie?

In klarer, einfacher, dennoch nicht immer leicht zugänglicher Sprache und harten Bildern führt D'Urbano den Leser mitten hinein in diese „Welt am Rande“, in die auch emotionale Sprachlosigkeit dieser „Elendsfestung“, in der dann Gewalt spricht, das Störende, und sei es das eigene Kind, mundtot gemacht werden soll.

Eine emotionale Achterbahnfahrt, die das gesamte Elend, die wenigen, berührenden Momente der Annäherung in diesem ganzen Strudel aus Verlust, Haltlosigkeit und Hoffnung spürbar und erlebbar in den Raum des Buches setzen. In einem Stil und einer Sprache, die in ihrer Härte, in ihrem direkten, schnörkellosen Ausdruck in diesem „gelblichen Staub“ ganz dem Rahmen des inneren und äußeren Lebensgefüges dort entspricht.

Eine Form, an die man sich als Leser erst gewöhnen und einlesen muss und die Gedanken an „erfolg“, an „schönen und überraschenden Wendungen“ doch im Lauf der Lektüre dann auch fahren zu lassen lernt.

Das ist nicht immer einfach zu lesen und hier und da ein wenig zu abgehackt auch, aber dennoch ein Buch, dass den Leser berührt und mit einem „wahren Leben“ konfrontiert, dass an vielen Orten einfach die Realität ist. Eine Art des Lebens, für das D'Urbano ein tiefes, inneres Verstehen vermittelt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Oktober 2014
Dieses Buch wird erzählt von der jungen Beatrice, die in einem der ärmsten Teile Italiens lebt, einer Gegend ohne die Chance, jemals aus dieser Lebenssituation heraus zu kommen. In diesem Viertel mit hoher Arbeitslosigkeit leben die Menschen in besetzten Häusern, die Polizei traut sich in diese Viertel nicht hinein und es gelten eigene Gesetze.
Die Geschichte beginnt mit der Beerdigung von Beatrices Freund Alfredo.

„Mindestens einmal pro Monat läutete Don Antonio in der Pagode die Totenglocke. Ihr Klang waberte wie Nebel über den Hügel. Wir nahmen das hin wie ein Naturereignis. Wenn du zwischen sechzehn und dreißig Jahre alt bist und in La Fortezza lebst, liegt die Chance draufzugehen über dem Landesdurchschnitt.“ (S. 171)

Die Charaktere werden sehr authentisch dargestellt. Eine drastische Sprache mit vielen Kraftausdrücken zeigt die Lebenssituation in diesem Slum. Die herrschende Armut, die allgegenwärtige Brutalität, Alkohol- und Drogensucht machen die Perspektivlosigkeit überaus deutlich. Man kann sich gut in diese Gegend hineinversetzen und die bedrückende Atmosphäre wird zum Begleiter dieses Buches. Hier gibt es keine Chancen, nicht einmal für die Liebe.

Dabei ist mir der Charakter Beatrices absolut unsympathisch vorgekommen, sie hat den jungen Alfredo zwar geliebt, aber sich mit ihm gestritten und ihn auch als Kind gequält und selbst körperlich brutal behandelt. Vielleicht wusste sie es nicht besser, da auch diese Brutalität ihren Alltag bestimmte und es ihr so vorgelebt wurde.
Sie war von sich selbst überzeugt, hielt sich für etwas Besseres. Vielleicht ist das ihre Art von Bewältigung ihres Lebens und die Hoffnung auf Besserung.

Die Bewohner von La Fortezza haben schlechte Zukunftschancen, dass sich ihre Situation verbessert und dennoch verzweifeln sie nicht. Das bringt die Autorin mit diesem Buch gut zum Ausdruck. Hier werden verborgene Gefühle beschrieben, die trotz der Trostlosigkeit Hoffnung machen.

Dieses Buch zeigt ein Leben trotz Schmerz und Armut, ein realistisches Bild von Chancenlosigkeit und dem Leben, das dennoch statt findet.
Berührend, traurig und mal eine ganz andere Leseerfahrung.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 1. April 2014
La Fortezza, 1970er und 1980er Jahre: Wer hier aufwächst hat schon verloren. Für die Leute, die in La Fortezza leben, gibt es kaum eine Perspektive. Die Polizei traut sich nicht ins Viertel und auch sonst scheint sich keine Obrigkeit für die hier lebenden Menschen zu interessieren. In diesem Viertel eines Bergstädtchens wächst Beatrice auf und hat dabei noch Glück, denn ihre Familie ist recht gut geraten. Auf jeden Fall besser als die des neuen Nachbarjungen Alfredo. Die beiden lernen sich im Treppenhaus kennen, nachdem Alfredos Vater den Siebenjährigen fast totgeprügelt hat. Ab diesem Moment entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die jedoch ebenso unter Gewalt und Trostlosigkeit leidet.

Und von dieser Freundschaft handelt das Buch der jungen italienischen Autorin, die selbst in einem ähnlichen Umfeld aufgewachsen ist und mit diesem Debütroman einen Schriftstellerwettbewerb gewonnen hat. Schon zu Beginn erfährt der Leser, dass es sich um Alfredos Beerdigung handelt, zu der Beatrice im Alter von 20 Jahren gehen muss. Zunächst in Vor- und Rückblenden, später linear, wird erzählt, wie die Freundschaft der beiden begann, die so ungewöhnlich tief ist, dass Beatrice und Alfredo nur noch als "die Zwillinge" bezeichnet werden. Und gleichzeitig ist die Freundschaft brutal und die Geschichte schont den Leser nicht. Sie zeigt einem, dass man hart sein muss, um dieses Leben zu leben und dass das nicht jeder schafft. Manch einer, wie Alfredo, kommt dabei unter die Räder und doch ist das irgendwie der normale Lauf der Dinge in La Fortezza.

Mich hat diese Geschichte unglaublich berührt und ich kann ihre Magie gar nicht in Worte fassen. Denn magisch ist sie irgendwie, auch wenn sie vor Umgangssprache, manch vulgärem Ausdruck und vor allem respektlosem Umgang der Figuren miteinander nur so strotzt. Das Buch hat mich nicht losgelassen, in seinem Bann gezogen und man hat trotz der Gossensprache - zumindest in den Dialogen der Figuren - das Gefühl, ein literarisch anspruchsvolles Buch einer begabten Autorin zu lesen.
Eine zusätzliche Faszination übt das Buch durch sein Ursprungsland aus. Hier ist Italien keine malerische Landschaftskulisse für wahlweise Liebes-, Histo- oder Krimihandlung und auch steht nicht die Mafia im Zentrum. Stattdessen ist dieses Buch ehrlich und authentisch und beleuchtet die Probleme der italienischen Jugend in den 1970er und 1980er Jahren in einer Gegend, die wirtschaftlich nichts zu bieten hat.

Während mich das Cover im Laden nicht überzeugt hätte, hat mich dennoch der Titel interessiert und die Geschichte selbst hat mich letztlich restlos überzeugt. Ich habe auch Tage nach dem Beenden noch das Gefühl, mit diesem Buch einen wahren kleinen Schatz entdeckt zu haben und würde es immer wieder weiterempfehlen. Mich konnte es jedenfalls sehr begeistern.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Mai 2014
Das Buch ist sehr emotional. Es hat mich sehr ergriffen. Alfredo und Beatrice wachsen einem sehr schnell ans Herz und so kann man die Geschehnisse, durch die sie durch müssen zum Teil kaum ertragen. Dennoch kann man sich nicht von dem Buch abwenden. Der Schreibstil ist so gut, dass man unbedingt weiterlesen muss. Es war traurig, aber hoch schön. Ich habe lange Zeit darüber nachdenken müssen. Ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen. Das ist ein ganz besonderes Buch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. April 2014
Rezension:

Allein der Titel von Valentina D’Urbanos Debüt “Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung” und das melancholische Cover machten mich neugierig auf dieses Buch. Der Klappentext tat dann sein Übriges und so wollte ich diese Geschichte unbedingt lesen.

Das Buch beginnt im Sommer 1987. Die Protagonistin Beatrice, kurz Bea, verbringt ihren letzten Tag in La Fortezza (= Die Festung), einem Viertel einer italienischen Stadt, das nicht einmal die Polizei freiwillig betritt. Es ist der Tag, an dem Beas ‘Zwilling’ beerdigt wird – allerdings waren Alfredo und Bea nicht wirklich Zwillinge, sondern beste Freunde.

An diesem Tag erinnert sich Bea an ihr Leben in La Fortezza zurück und erzählt so ihre und Alfredos Geschichte, welche mich wirklich tief berührt und gefesselt hat. Das Viertel in dem sich der Großteil der Story abspielt wurde von seinen Bewohnern komplett besetzt – man kann es nicht anders sagen: es ist ein Viertel, das von Asozialen bewohnt wird. Die Kinder und Jugendlichen haben keine Perspektive und es regiert das ‘Gesetz der Straße’.

Man merkt deutlich, dass auch die Autorin in einem ähnlichen Viertel in Rom aufgewachsen ist, denn Beas Beschreibung und auch die etwas derbe Art zu erzählen sind absolut glaubwürdig. Man fühlt sich während des Lesens, als wäre man selbst dort gewesen und auch die Beziehung die Bea und Alfredo zueinander haben, erklärt sich einem nach und nach aus den äußeren Umständen.

Zuerst nur Nachbarn, hält sich der Junge immer mehr bei Beas Familie auf, da sein Vater ihn und seine beiden Brüder immer im Suff verprügelt. Obwohl sich die beiden Kinder nicht wirklich leiden können, bauen sie etwas auf, das ich persönlich eine ‘Hass-Liebe’ nennen würde und werden später ein Paar, das sich in einer Art Co-Abhängigkeit befindet. Und wie man anhand der ersten Seite schon feststellt: Die Geschichte geht tragisch aus.

Leser, die sich für berührende wie erschütternde Geschichten aus den untersten Schichten der Gesellschaft interessieren, werden dieses Buch ebenso wenig aus der Hand legen können wie ich, sobald mit dem Lesen angefangen wurde.

Fazit:

Eine berührende und erschütternde Geschichte über eine schmerzhafte Liebe aus der ganz untersten Schicht der Gesellschaft.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. April 2014
Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung ist ein total überraschender Roman, lässt die Handlung doch sehr tief in das menschliche Sein blicken. Ein trauriger Beginn, ist es doch die Beerdigung von Alfredo. Man spürt, dass Bea völlig neben sich ist und nicht verstehen kann warum Alfredo – “der Idiot” (ihre Gedanken) – nicht mehr am Leben sein kann. Hier beginne ich schon zu überlegen, warum ist Alfredo tot und warum bezeichnet sie ihn als Idiot? Erst im Laufe der Geschichte kommt man der traurig tragischen Wahrheit auf die Schliche. Nichts überraschendes, aber doch traurig und tragisch.

Der Rückblick in Bea’s und Alfredos Kindheit ist sehr gut gemacht. Es schildert den Alltag und die Verzweiflung, die die Protagonisten während der Jahre oft haben sehr gut. Die Sprache ist einfach zu verstehen auch wenn sie oft schlampig ist, so wie man sich Sprache vorstellt wenn man in einem “Ghetto” aufwächst – “Was’n los?”, “Was soll’n das?”. Auch mit Brutalität spart die Autorin nicht. Mir kamen während des Lesens manchmal die Tränen und ich hatte großes Mitleid mit den Kindern, die in so einer Umgebung aufwachsen müssen.

Valentina D’Urbano schafft es mit ihrer Art zu schreiben, diese Gefühle in mir hervorzubringen. Obwohl man heutzutage doch oft mit häuslicher Gewalt und Armut in Verbindung gebracht wird, geht mir diese Geschichte doch sehr nahe, wird doch von einem ganzen Leben erzählt. Mit dem Roman bewarb sich die junge Schriftstellerin bei einem Schreibwettbewerb (Lo Scrittore), dessen erster Preis eine Buchveröffentlichung war. Ein wirklich gelungenes Debüt!

Mein Fazit:

Obwohl ich das Buch eigentlich nicht haben wollte (sollte eigentlich ein anderes – Thriller – bekommen), wurde ich doch absolut positiv überrascht. Der Roman zweigt wie schwer und brutal das Leben ist, wenn man im falschen Viertel der Stadt aufwächst, wenn man nur wenig vom Leben zu erwarten hat und trotz aller Trostlosigkeit versucht eine unbekümmerte Kindheit und eine besser Zukunft zu haben – die Einen schaffen es…..die Anderen nicht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Inhalt:

La Fortezza, das Leben in diesem Viertel formt dich wie Wachs. Entweder gehst du gestärkt daraus hervor, oder du gehst unter.
Die junge Bea und ihr Freund Alfredo wachsen in La Fortezza auf. Obwohl ihrer beider Leben von Armut gekennzeichnet ist, so verlaufen ihre Lebenswege vollkommen anders. Bea besitzt eine liebevolle Familie, während Alfredo tagtäglich von seinem alkoholabhängigen Vater verprügelt wird. Dennoch verbindet diese beiden Kinder eine Freundschaft, die über jede Prüfungen hinauswächst, die ihnen das Leben in diesem harten Viertel abverlangt.

Cover:

Das Cover an sich verrät einiges über den Inhalt der Geschichte. Es ist düster, wirkt verregnet und ist noch dazu in Schwarzweiß gehalten. Das schwarze Kleid und die barfüßigen Beine interpretierte ich als Zeichen der Armut und der Trauer, noch dazu der verlorene Gesichtsausdruck der Frau. Alles wirkt passend für diese Geschichte. Dennoch muss ich sagen, auch wenn mir das Cover gut gefällt, geködert hat mich der Titel des Buches. Er ist unüblich lang und ein richtiger Eyecatcher.

Charaktere:

Die Charaktere, die die Autorin erschaffen hat, sind unbeschreiblich gut gelungen. Jedes Wort wirkt real, jede Tat glaubhaft, die Beziehung untereinander entsprechen den Umständen. Selten gingen mir Protagonisten so stark unter die Haut wie in diesem Buch.

Beatrice, auch Bea genannt, ist der Hauptcharakter des Buches. Geformt von dem harten Leben in diesem Viertel, ist sie ebenfalls hart geworden. Sie ist egoistisch, gibt nichts leichtfertig her und besitzt dennoch eine Stärke, die sie denjenigen zuteil kommen lässt, die sie liebt. Ich empfand sie als große Stütze Alfredos, aber in vielen Situationen auch als jemanden, der viel mehr fordert, als er gibt.

Alfredo ist der mittelälteste Sohn des Säufers, der im Wohnblock über Beas Familie wohnt. Als er mit sieben Jahren fast von seinem Vater totgeprügelt wurde, nimmt Beas Mutter sich seiner an. Alfredo wird zum Teil ihrer Familie, er schläft manchmal nächtelang mit Bea und ihrem kleinen Bruder Franceso in einem Bett. Diese Nähe schweißt sie zusammen, durch Liebe, aber auch durch Zorn. Alfredo empfand ich in der Geschichte als den schwächeren Part. Während Bea diejenige ist, die hasst, ist er jemand, der liebt. Noch nicht einmal als er in der Lage ist sich zu wehren, tut er seinem grausamen Vater etwas an.
Die Situation der beiden wird immer verworrener je älter sie werden und die Beziehung sich zwischen ihnen verändert. Aber während Bea den Prüfungen des Lebens standhält, droht Alfredo unter ihnen zu zerbrechen.

La Fortezza:

Wow! Das Viertel, in dem die Geschichte spielt, ist mit solch einer brutalen Klarheit gekennzeichnet, dass man es förmlich vor Augen hat. Für Menschen, die ein solches Leben nicht kennen, mag es wie eine ausgedachte Geschichte erscheinen und doch verspürt man ein sachtes Ziehen in der Magengegend, eine stumme Mahnung, dass solche Viertel nicht der Phantasie angehören. Denn das Leben schreibt Geschichte!

Meinung:

Ich hatte die Geschichte binnen zweier Tage durch, hätte ich nicht ein Kleinkind zuhause, ich hätte das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Zu Beginn war ich skeptisch. Die Inhaltsangabe verrät einiges, der Leser weiß also sofort, dass es für Alfredo und Bea nicht gut ausgehen wird, denn das Buch nimmt seinen Anfang mit Alfredos Beerdigung. Natürlich fragte ich mich da, ob die Geschichte mich dennoch fesseln konnte. Und ja, das ist diesem Buch durchaus gelungen. Ich war so gefangen in der Welt von Bea, in ihrer Erinnerung über ihre Kindheit mit Alfredo, dass ich die meiste Zeit vergass, was am Ende geschehen würde.
Ich würde gerne den Begriff bittersüß verwenden um die Beziehung der Beiden zu beschreiben, tatsache jedoch ist, dass kaum etwas in La Fortezza süß ist. Die Autorin verwendet eine Art dies zu umschreiben, ich kenne den genauen Wortlaut nicht mehr, aber aus meiner Erinnerung heraus, klingt es ist in etwa so:
"Die Menschen in La Fortezza werden schnell erwachsen, bekommen schnell Kinder, denen sie das gleiche hoffnungslose Leben hinterlassen und sie sterben schnell."
Wenn man bisher keine Ahnung von diesem Leben hatte, so ist man dadurch schlauer. Man bekommt Einsicht in dem Wirken der Kinder. Die Treffen an bestimmten Orten des Viertels, die ungewollte Schwangerschaft, die von einer Engelsmacherin beendet wird. Das Kiffen in den Hinterhöfen und noch Schlimmeres. Menschen, die verhaftet werden, oder Menschen, die unter diesem Leben zerbrechen.
Nicht selten fand ich mich mit einem dicken Kloss in der Kehle wieder oder spürte Tränen, die mir in die Augen drangen. Ich litt mit den beiden förmlich mit, wissend, wie schnell man auf das Ende zuraste. Und wissend, was das für eine Ende sein würde.
Irgendwie hoffte man doch, man hoffte man hätte mehr Zeit. Man hoffte, alles würde sich zum Guten ändern, nicht was den Tod betrifft. Alfredo stirbt, das ist gewiss, aber an der Art, wie das Buch zu ende geht.

Kritik:

Ich muss sagen, zu diesem Buch habe ich so gut wie keine Kritik. Vielleicht lediglich eine kleine Anmerkung. Die ganze Zeit über erwartete ich, dass zwischen den beiden mal etwas passieren würde. Sie lieben sich, sie sind eifersüchtig und man merkt als Leser, dass sie nicht ohneeinander können. Allerdings wurde in dem ganzen Buch nicht ein einziges Mal geschrieben, dass sie miteinander schliefen. Bei einem Drama erwarte ich nicht unbedingt ellenlange Sexszenen, aber wenn man am Ende erfährt, dass es dennoch Liebesszenen gegeben haben musste, dann hätte ich mir als Leser gewünscht, etwas davon zu erfahren. Sogar wenn es nur eine winzig kleine Umschreibung gewesen wäre. Dies am Ende wie aus heiterem Himmel zu erfahren, hat mir nicht so ganz gefallen.

Fazit:

"Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung" ist Drama pur. Dem Leser sollte klar sein, dass er sich auf eine Geschichte einlässt, die tief unter die Haut geht. Tränen und eine enge Kehle gehören zu diesem Buch mit dazu und dennoch bleibt man am Ende staunend zurück, denn trotz der großen Traurigkeit kann man nicht anders, als zu erkennen, wie ergreifend diese Geschichte geschrieben worden ist. Aus diesem Grund erhält dieses Buch von mir 5/5 und ein Wow!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. August 2014
Ich lese viel... sehr viel... ca. ein bis zwei Bücher pro Woche, habe also schon so einiges gelesen... dann fing ich mit diesem Buch an. Schon der Titel und das Cover haben mich neugierig gemacht... ich habe noch nie ein Buch so verschlungen und förmlich aufgesogen wie dieses... habe es in zwei Tagen durch gehabt. Alle nur denkbaren Emotionen waren beim Lesen vorhanden, inkl. eines Heulkrampfes am Ende... so wunderbar geschrieben, fesselnd, emotional, bildhaft, es baut sich eine wunderbare Atmosphäre auf, die so gut beschrieben und erzählt wird, dass man sich richtig schön hineindenken kann. Die Story ist schlicht, aber so spannend geschrieben, dass man das Buch einfach nicht weglegen kann. Es passiert viel, und das was passiert, passiert richtig. Bin kurz davor es jetzt unmittelbar ein zweites Mal zu lesen. Die Figuren werden nur subtil beschrieben, durch ihr Handeln erfährt man sehr viel über sie. Man baut eine wahnsinnige Sympathie v. a. zu den Hauptfiguren auf.

Ich könnte jetzt ewig so weiter schwärmen, empfehle aber lieber jedem, der mal wieder ein richtig fesselndes Buch lesen will, dieses zu lesen. Mir ist beim Lesen aufgefallen, dass ich mir dieses Buch wunderbar als Film vorstellen könnte, da die Story beim Lesen eh wie ein Film im Kopf abläuft...

Großartiges Buch, das noch lange nachwirken wird, an das ich noch lange denken werde. Einer dieser Romane, die einem lange in Erinnerung bleiben. Ich vermisse es jetzt schon, dieses Buch zu lesen. Warum hat es nicht 7000 Seiten, ich könnte es ewig weiterlesen.
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am 3. Juli 2015
Die Gestaltung des Buches finde ich sehr gut gelungen! Das Cover ist super und das Buch fühlt sich gut an.Die 275 Seiten waren schnell gelesen. Das Buch ist klar und verständlich geschrieben, die Schrift ist groß.

Die Geschichte erzählt die Kindheit und Jugendzeit von Bea (Beatrice), ihrer Familie, ihren Freunden und ihrem besten Freund Alfredo. Alfredo und Bea sind sich sehr ähnlich unternehmen fast alles gemeinsam, sie werden die Zwillinge genannt. Bea wächst in einem sehr ärmlichen Viertel einer Stadt in Italien auf. Dieses Viertel wird La Fortezza - die Festung genannt.

Das Buch beginnt mit der Beerdigung von Alfredo, er wurde nur 21 Jahre alt. Bea erzählt rückblickend, wie sie die Kindheit und Jugendzeit in diesem Viertel mit ihren Freunden und ihrer Familie erlebt hat.

Die Sommer ihrer Kindheit fand sie immer unendlich langweilig: keine Schule, kein Urlaub, die Kinder spielten in den staubigen, dreckigen Straßen. Nicht selten kam es zu Prügeleien. Abends beim gemeinsamen Abendessen versprach der Vater: und im nächsten Jahr fahren wir im Sommer an das Meer. Jeder wusste, dass aus diesem Versprechen nichts werden würde - aber das störte nicht. Alfredo wohnt im gleichen Haus wie Beatrice und ihre Familie. Er ist der Mittlere von drei Geschwistern. Beatrice erlebt, wie der alkoholisierte Vater ihn fast zu Tode prügelt. Die Familie von Beatrice nimmt Alfredo bei sich auf und behandelt ihn wie einen eigenen Sohn.

Es entsteht eine besondere Freundschaft zwischen Beatrice und Alfredo, die allerdings Risse bekommt, als Beatrice das erste Mal in ihrem Leben Urlaub am Meer macht. Sie hatte die Möglichkeit über die Kirche, an dieser Reise teilzunehmen. Es war ein wunderschöner Sommer für Beatrice, keiner interessierte sich dafür wo sie herkam, sie freundet sich mit Marta an. Marta und Bea werden sich erst einige Jahre später wiedersehen.

Als Bea aus ihrem Sommerurlaub zurückkehrt, freut sie sich doch tatsächlich auf La Fortezza. Hier war es zwar scheußlich, aber hier waren ihre Freunde, hier war ihre Heimat. Alkohol und Zigaretten gehörten zum Alltag dazu. Aber Alfredo hatte sich nach Beas Urlaub verändert. Er hat eine Freundin - Paola, das hat Bea sehr verletzt.

Das Schicksal nimmt weiter seinen Lauf. Der Vater von Alfredo wurde von dem großen Bruder von Alfredo mit dem Messer erstochen. Er konnte die Gewalt, die der Vater seinen Söhnen antat, nicht mehr ertragen. Alfred suchte die Linderung seiner Trauer im Heroin. Bea versuchte immer wieder, Alfred vom Heroin runter zu bekommen. Es gab Zeiten, in denen er clean war, diese hielten allerdings nicht lange an.

Einige Jahre nach Alfredos Tod kehrt sie nach La Fortezza zurück. Vieles hat sich nicht geändert, seit sie weggegangen ist.

Die Autorin ist in einem ähnlichen Viertel wie La Fortezza aufgewachsen, sie hat mit diesem Buch einen Schreibwettbewerb gewonnen. Der Preis war die Veröffentlichung dieses Buches.

Dieses doch sehr traurige Buch finde ich außerordentlich gut gelungen und verdient es auf jeden Fall gelesen zu werden!
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