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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine ganz andere Sohn-Vater Geschichte
Wenn Fred nicht täglich an der Bushaltestelle des kleinen Ortes Königsdorf stehen kann, um die vorbeifahrenden Autos zu zählen, allerdings nur die Grünen, dann steht sein Leben fast Kopf, dann spüren alle, dass sich ein Unglück, eine fast innere Auflösung zusammenbrauen.

Fred, der 'Held der Bushaltestelle', der 1977 ein...
Vor 13 Monaten von M. Lehmann-Pape veröffentlicht

versus
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen nett
Eine nette Geschichte, nett niedergeschrieben, mehr irgendwie nicht. Ich habe mir das Buch aufgrund der vielen positiven Bewertungen bestellt und bin daher vielleicht mit zu großen Erwartungen herangegangen. Sicher liest es sich in einem Rutsch weg, die Geschichte ist flüssig und auch liebevoll erzählt, nimmt einige überraschende Wendungen und...
Vor 6 Monaten von hucksi veröffentlicht


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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine ganz andere Sohn-Vater Geschichte, 5. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Meistens alles sehr schnell: Roman (Taschenbuch)
Wenn Fred nicht täglich an der Bushaltestelle des kleinen Ortes Königsdorf stehen kann, um die vorbeifahrenden Autos zu zählen, allerdings nur die Grünen, dann steht sein Leben fast Kopf, dann spüren alle, dass sich ein Unglück, eine fast innere Auflösung zusammenbrauen.

Fred, der 'Held der Bushaltestelle', der 1977 ein kleines Mädchen im Kinderwagen vor einem Busunglück gerettet hat. Einem Unglück, dem andere, auch die Mutter des Mädchens, zum Opfer gefallen waren. Und der dennoch im Dorf ein Exot, ein 'Depp' ist.

Fred, der nun über 60 Jahre alt wird, aber immer noch und seit ehedem geistig wie ein kleines Kind agiert. Fred, der über seinen Großvater und seine Großmutter durch Inzest eine geistige Behinderung immer schon trug. Im Übrigen, zu Zeiten damals, war ein solches Schicksal beileibe kein Einzelfall in diesem abgeschiedenen Dorf. Eine innere Geschichte, die Kloeble als zweiten Erzählstrang in seine eigentliche Geschichte einfügt, die alte Geschichte der Geschwister Anni und Josef mit ihren Eltern, die Geschwister waren in diesem Dorf, dessen Einwohner beim 'Zeugen von Nachwuchs nicht immer wählerisch waren'.

Fred stammt aus dieser Linie. 'Fred war eben Fred', sagt sich Albert, sein Sohn, der nach dem frühen Tod der Großmutter natürlich nicht mit Fred alleine im Dorf leben konnte, dazu wäre Fred gar nicht in der Lage gewesen. Eigentlich nämlich war Albert bereits von Kindesbeinen an der 'Vater' Freds, der, der sich kümmern musst. So wuchs Albert in einem Waisenheim auf, steht nun kurz vor dem Abitur und erfährt, dass Fred nur mehr wenige Monate zu leben hat.'Mama sagt, alle Liebsten Besitze sterben irgendwann'.
Zeit für Albert, sich der eigenen Geschichte zu nähern. Zeit, zu erfahren, wer eigentlich seine Mutter war und wie das überhaupt hätte gehen können mit Fred, ein Kind zu zeugen.

Albert begibt sich auf die Reise. Mit Fred. Mit sich selbst. Im näheren Umfeld des Dorfes, im Waisenhaus, bei seiner Betreuerin, Schwester Alfonsa und verzweifelt fast, denn nichts wirklich Griffiges bietet sich, weder in der Kanalisation des Dorfes (wo Fred eine Schatzkiste versteckt hat) noch im Aufrollen der Vergangenheit.

In bester Weise vermeidet Christopher Kloeble es, diese anrührende, andersartige Geschichte in eine Satire abgleiten zu lassen. Durchaus ernst zu nehmen sind seine Figuren, spürbar die Spuren, die all dies beim nun 19jährigen Albert hinterlassen hat, der es nie über sich brachte, Fred als 'Vater' zu bezeichnen. Spürbar auch das Innenleben Freds, das eine ganz eigene Welt darstellt. Melancholisch ist der Unterton des Romans, eine Geschichte voller Geheimnisse, die gut verborgen im Hintergrund liegen. Ganz anders als gewohnt auch die Geschichte, die Kloeble von den Altvorderen zu erzählen weiß, von den Geschwistern Anni und Josef, Freds Mutter und Onkel. Auch dessen Geschichte wird erzählt, er selbst taucht allerdings erst ganz zum Schluss in der Gegenwart auf. Dann aber entscheidend.

Anrührend und bewegend lässt Christopher Kloeble seine differenziert und emotional tief gezeichneten Figuren ihren gemeinsamen und je eigenen Weg suchen, rekapitulieren und gehen. Sprachlich mit hoher Qualität und differenziert zeigt er ebenso sensibel die verschiedenen Hoffnungen und Dramen der Lebenswege auf, die über ein ganzes Jahrhundert in dieser oberbayrischen 'Heimat' reichen und erstaunliche, teils dramatische Wendungen nehmen. Ein ganz anderes, vor allem aber in sich rundum stimmiges Leseerlebnis.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen nett, 6. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Meistens alles sehr schnell: Roman (Taschenbuch)
Eine nette Geschichte, nett niedergeschrieben, mehr irgendwie nicht. Ich habe mir das Buch aufgrund der vielen positiven Bewertungen bestellt und bin daher vielleicht mit zu großen Erwartungen herangegangen. Sicher liest es sich in einem Rutsch weg, die Geschichte ist flüssig und auch liebevoll erzählt, nimmt einige überraschende Wendungen und Perspektivwechsel vor. Ich würde auch eher 3,5 Sterne geben, für 4 Sterne hat mich irgendetwas an dem Buch zu sehr an Schlafes Bruder und Extrem laut und unglaublich nah - beides übrigens wirklich gute Bücher!! - erinnert, allerdings nicht so gut geschrieben, was mich dann doch irgendwie gestört hat.
Sicherlich lesenswert und gute Urlaubslektüre...gar keine Frage.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mal was anderes...., 19. Juni 2012
Von 
Kalamaria - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Meistens alles sehr schnell: Roman (Taschenbuch)
Mit "Meistens alles sehr schnell" hat Christopher Kloeble ein für die deutsche Literaturgeschichte höchst ungewöhnliches Werk erschaffen. Es handelt sich um die Suche eines sehr skurrilen Vater-Sohn-Gespanns bestehend aus Fred, dem leicht behinderten Vater und Anton, dem im Heim aufgewachsenen, inzwischen erwachsenen Sohn, nach ihrer Vergangenheit, vor allem nach der - zumindest für Anton - unbekannten Mutter. Auf dieser Reise rückwärts, die eher an angelsächsische literarische Traditionen gemahnt, treffen sie auf zahlreiche skurrile Gestalten aus der Vergangenheit, doch auch aus der Gegenwart, die ihnen, jeder auf seine Art, den Weg weisen. Die Familiengeschichte birgt Dunkles: Lieblosigkeit, Inzest, Verlassensein, Verstoßen - aber auch Gefühle.

Eine dichte, reichhaltige Geschichte, die man an einem Stück weglesen kann und die sprachlich teilweise extrem stark daher kommt, dann jedoch wieder merkwürdig abflacht. Durchgehende Sprach- und Wortgewalt wie auch inhaltliche Überzeugung kann ich diesem Buch nicht attestieren: gemahnt Kloebles Stil teilweise an Irving, sind die Figuren und ihr Verhältnis zueinander teilweise doch zu kühl, ja fast kaltherzig dargestellt, dann wiederum kommt überraschend Wärme durch, aber nur für eine Weile.

In mir wurden viele Fragen und zwiespältige Gefühle hervorgerufen. Ein Buch, das spannend zu lesen war und eine mögliche Anregung für Rezipienten von Irving, den beiden Jonathans (Lethem und Safran Foer), aber auch den deutschsprachigen Autoren Herrndorf und Lappert ist und für manch einen literarischen Höhepunkt darzustellen mag - für mich ist es eher die Verheißung auf weitere, größere Lesefreuden mit Christopher Kloeble, der im übrigen in diesem Roman auf sehr mutige und überraschende Art und Weise einen Einblick in die Herkunft seines Familiennamen gibt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein schneller emotionaler Roman, 27. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Meistens alles sehr schnell: Roman (Taschenbuch)
Zum Buch
In diesem Buch geht es um Fred, oder doch um Albert oder doch nicht?
Albert wächst in einem Waisenhaus auf und weiss leider nicht wer seine Mutter ist, aber wohl Fred, Fred ist sein Vater, der Held , der 1977 ein Kind rettete bei einem Busunglück.
Doch Fred ist anders.....Fred Entwicklung ist bei dem eines Kindes stehen geblieben. Durch den Inzest seiner Eltern....als nun die Nachricht kommt das fred nur noch 5 Monate zu Leben hat, bekommt die Frage nach der Mutter Alberts wieder eine ganz andere Bedeutung. Werden sie sie zusammen finden?
Mein Fazit:
Wir erleben hier eine Zeitreise in diesem Buch, zu einen den aktuellen Stand, die Krankheit Freds, die Albert zu der Suche nach seinen Wurzeln treibt und zu Anderen zurückversetzt zu Alfonsa und Fred, und Anni und Josef, den Großeltern....
Christopher Kloeble, hat mich überrascht, dieses Buch überzeugt durch die vielen verschiedenen Geschichten, die am Ende zu einem Ganzen sich zusammenfügen.
Viele Emotionale Szenen, kombiniert mit Witz, Spannung und ernstem Hintergrund rührten mich Stellenweise zu Tränen, doch duch den flüssigen Schreibstil verfehlte auch die amüsanten Stellen nicht ihre Wirkung. Ich warte gespannt auf das nächste Werk. Richtig aufmerksam wurde ich nicht durch das schlicht gehaltene Cover sondern durch das Interview mit dem Autor, das ich gerne für alle interessierte mal mit anhänge.
[...]
Cover:
Ich finde das Cover zu schlicht gehalten, andererseits, wenn man das Buch liest, bekommt man einen Bezug dazu, was mich wieder zu dem Ergebnis bringt, das man nicht nur nach dem äusseren schauen sollte. Wie beim Menschen !!!
Zum Autor
Christopher Kloeble, geboren 1982 in München, wuchs im oberbayerischen Königsdorf auf und bereiste als Knabe des Tölzer Knabenchors die europäischen Bühnen. Er studierte in München, Dublin und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Mit seinen Theaterstücken wurde er zu Werkstattagen an das Wiener Burgtheater, die Münchner Kammerspiele sowie an das Staatstheater Nürnberg eingeladen. Er schrieb für die Süddeutsche Zeitung, veröffentlichte Kurzgeschichten in diversen Anthologien und erhielt zahlreiche Stipendien. Christopher Kloeble lebt heute in Berlin.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jeder kann ein "liebster Besitz" sein!, 3. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Meistens alles sehr schnell: Roman (Taschenbuch)
Albert, neunzehn Jahre alt, ist in einem Heim aufgewachsen. Wer seine Mutter ist, weiß niemand so genau. Dafür ist sein Vater um so bekannter. Fred ist nämlich nicht nur Held des Busunglücks, sondern auch ein Kind im Rentenalter. Sein Leben lang musste Albert ein Vater für seinen Vater sein, der am liebsten grüne Autos zählt, Lexika liest oder in der Kanalisation nach "liebsten Besitzen" sucht.
Als Albert erfährt, dass Fred nur noch fünf Monate zu leben hat, ist er fest entschlossen, endlich herauszufinden, wer seine Mutter ist. Und dabei kann ihm nur Fred helfen.
Schon bald entspinnt sich eine Geschichte, die ihren Ursprung im frühen 20. Jahrhundert findet und sich bis in die Gegenwart hinzieht. Albert muss erkennen, dass diejenigen, die er glaubt am besten zu kennen, am meisten zu verbergen haben und, dass sowieso immer nur das wahr ist, an das man sich zu glauben entscheidet. Und wie das im Leben immer so ist, geht am Ende sowieso meistens alles sehr schnell!

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es mir sehr schwer fällt, die richtigen Worte für diesen Roman zu finden. Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass diese Geschichte so wahnsinnig ergreifend und zugleich verstörend und aufwühlend sein würde. Aber ich möchte ganz von vorne beginnen:

Gleich zu Beginn des Romans wird man mit Alberts Alltagsleben konfrontiert. Er hat gerade sein Abitur hintersich gebracht, doch anstatt wie alle seine Mitschüler nun erst einmal Urlaub und Party zu machen, kümmert er sich aufopfernd und liebevoll um seinen über sechzigjährigen Vater, Fred, der nur noch fünf Monate zu leben hat. Besonders berührend ist die Tatsache, dass es schon immer Albert war, der Fred Trost spendete, wenn dieser schlecht geträumt hatte. Der fünfjährige Albert brachte dem über vierzigjährigen Fred das Schwimmen bei. Und es ist auch Albert, der dafür sorgt, dass Fred eine warme Malzeit zu essen bekommt.
Gerade weil Albert ein so schweres Leben hat und sich doch kein einziges Mal beschwert, wächst er einem sogleich ans Herz. Aber auch Fred ist ein wahrer Sympathieträger. Auf seine kindliche Art sagt er manchmal Dinge, die so einfach und in sich schlüssig sind, aber einem Erwachsenen, der meist um tausend Ecken und viel komplizierter denkt, sofort die Augen öffnen. Diese Vater-Sohn Beziehung ist wirklich etwas ganz Besonderes!

Was mir sofort auffiel, nachdem ich einige Seiten dieses Buches gelesen hatte, ist, dass Schreibstil teilweise geradezu poetisch klingt. Dem Autor gelingt es, ungemein tiefgründig zu schreiben und seinen Lesern auf ganz einfache Art die Augen für die kleinen Dinge im Leben zu öffnen.

Allerdings besteht "Meistens alles sehr schnell" nicht nur aus Fred und Alberts Geschichte, sonder auch aus der von Anni und Julius. Anni und Julius sind Geschwister, die in einem kleinen Dorf namens "Segendorf" aufwuchsen. Aber auch die Eltern der beiden sind Geschwister! In Segendorf scheint es gar nicht so ungewöhnlich zu sein, mit seinen Geschwistern, Eltern... wiederum Kinder zu zeugen. Diese Tatsache an sich mag vielleicht die einen oder anderen Leser abschrecken, ich muss aber sagen, dass ich persönlich das Thema ungemein interessant finde. Zudem gelingt es Herrn Kloeble die Handlung nicht überspitzt oder dramatisiert darzustellen. Diese Inzuchtgeschichte wirkte auf mich zu keinem Zeitpunkt makaber, auch wenn man sich an dieses Tabuthema natürlich erstmal gewöhnen muss. Ich finde es super mutig vom Autor, so etwas anzusprechen und dann auch noch so gelungen umzusetzen.
In diesem zweiten Handlungssprang dreht sich nun alles darum, wie Anni und Julius ihr Leben nach dem Tod ihrer Eltern zu meisten versuchen. Vorallem Julius Geschichte ist wirklich unheimlich interessant und abwechslungsreich aufgebaut, sodass der Ausflug in die Vergangenheit mir als Leser überhaupt nicht schwer viel.
Was Anni und Julius nun aber mit Fred und Albert zu tun haben, dass müsst ihre selbst herausfinden, in dem ihr das Buch lest, es lohnt sich!

Was mich nun aber wirklich am allermeisten an "Meistens alles sehr schnell" fasziniert hat, war die Leichtigkeit, mit der sich das Buch lesen lies, obwohl die behandelten Themen so bedrückend und traurig zu sein scheinen. Fred fröhliche, kindlich naive Art hat mich so oft zum Lächeln gebracht und Alberts Umgang mit Fred ist so liebevoll, dass mir immer wieder warm ums Herz wurde. Eine so intensive Beziehung wie die der beiden ist mir sowohl im realen Leben als auch in der Welt der Literatur selten untergekommen. Und doch kommt am Ende alles anders, als wir Leser - aber auch Albert - es vermutet hätten!

Ich könnte jetzt noch zeilenweise über die wunderbaren Helden dieser Geschichte und die gelungene Umsetzung der Grundidee schwärmen, aber ich belasse es nun dabei. Ich glaube nicht, dass ich dem Buch mit dieser Rezension gerecht werden konnte, daher kann ich jedem, der sich für andersartige und innovative, bis zum Schluss überraschende Romane interessiert nur wärmstens empfehlen, "Meistens alles sehr schnell" zu lesen. Denn um die Geschichte von Albert und Fred kennen zu lernen, bleibt nicht mehr viel Zeit. Es geht ja meistens alles sehr schnell!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebste Besitze Oder Die Geschwindigkeit des Lebens, 30. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Meistens alles sehr schnell: Roman (Taschenbuch)
Albert wächst aufgrund der geistigen Behinderung seines Vaters in einem Kinderheim auf, hält jedoch regen Kontakt zu seinem Vater. Kurz nach seinem Abitur erfährt Albert, dass Fred nur noch wenige Monate zu leben hat und entschließt sich, nicht nur die ihnen verbleibende Zeit zusammen mit Fred zu verbringen, sondern auch zusammen mit ihm nach seiner Mutter zu suchen. Albert ist nicht nur auf der Spur seiner eigenen Wurzeln, sondern entdeckt auch die Geschichte einer ganzen Familie und eines ganzen Dorfes.

Die Thematik hat mich sehr berührt: Albert geht sehr verantwortungsbewusst mit seiner Rolle um. Auch wenn Fred kein Vater im klassischen Sinn für Albert sein kann, so gibt er doch viel an Albert weiter, insbesondere Emotionalität, Wärme und einen anderen Blickwinkel auf das Leben und die Mitmenschen. Dieser Perspektivenwechsel wird dem Leser sehr authentisch vermittelt. Die Charaktere werden so greifbar und liebevoll mit all ihren Stärken und Schwächen dargestellt. Es sind insbesondere die tragisch-komischen Momente, die durch ihre Polarität besonders ergreifen. Sprachlich und strukturell ist der Roman durchdacht, pointiert und aufmerksam.

Insgesamt ist die Lektüre des Romans eine große Bereicherung: Der Roman beinhaltet so viele Facetten des Lebens (Freundschaft, Liebe, Verantwortung, Ursprünge/Herkunft, Tod), thematisiert viele gesellschaftliche Tabus und verknüpft Vergangenheit und Gegenwart auf gekonnte Weise. Beide - sowohl der Roman "Meistens alles sehr schnell" als auch der Autor Christopher Kloeble - verdienen die Aufmerksamkeit von Liebhabern tiefgründiger, menschlicher und außergewöhnlicher Literatur!
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von hier aus weitermachen., 9. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Meistens alles sehr schnell: Roman (Taschenbuch)
Nach dem Lesen des letzten Satzes des Buchs habe ich mich gefragt: Wie kann es sein, dass dieser Roman so gut ist? Nicht "gut" oder "interessant" sondern so in sich gut. Dermaßen ausgewogen zwischen der Entwicklung der Personen und den Zeit- und Ortswechseln, zwischen der inneren Spannung und dem sorgsamen Gebrauch der Worte. Auch zwischen dem Aushalten des Unvermeidbaren und dem Auftauchen neuer Wendungen. Die Inhalt ist ungewöhnlich aber an keiner Stelle unnatürlich oder unglaubhaft.

Der Stil ist der Geschichte immer dienlich. Da ist nichts prätentiöses. Die pointierte Wortwahl wird sichtbar zur Akzentuierung eingesetzt, die meist zurückhaltende Schreibweise macht das Lesen flüssig ohne es zu vereinfachen. Denn der Verlauf der Geschichte aber vor allem die feine Ausgestaltung der Charaktere macht es zwangsläufig zu interessant auch nur ein Detail zu verpassen. Auch wenn der Roman der Lebensraum seiner Figuren ist so bewegen, erstarren, verzweifeln oder überwinden sich diese darin für den Leser. Und in meinem Fall findet dieser darin einen großen Gefallen. Es werden also beide Seiten ernst genommen.

Die Thematik der Inzests ist aus meiner Sicht gar nicht mal die wichtigste Spannungsquelle des Buches. Vielleicht kann der Roman dadurch Öffentlichkeit gewinnen. Die ihm zu wünschende Aufmerksamkeit halten können wird er nur durch sein weiteren Qualitäten. Und das Potential bringt er übervoll mit.

Ich habe Christopher Kloeble zum Jahresanfang 2011 kennengelernt und vor "Meistens alles sehr schnell" den Erzählband "Wenn es klopft" gelesen. Die Erzählungen waren gut hatten aber lange nicht die Qualität des neuesten Romans! Der Entwicklungsschritt bzw. -sprung von der letzten Veröffentlichung zu diesem neuen Buch ist überdeutlich. Ich habe den so sichtbar nicht erwartet. Ein Schub, der vielleicht mit einer langen und arbeitsintensiven Ausarbeitung oder vielleicht auch einem guten Lektorat zu tun hat. Am Ende ist es wahrscheinlich die gute, alte Erfahrung welche dem andauernden Arbeiten folgt. Ich empfehle speziell diesen Roman hier und auch privat weiter. Und jetzt, nach dem Lesen desselben, warte ich zwangsläufig auf die nächste Veröffentlichung von Christopher Kloeble.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für ein Zweitling, 9. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Meistens alles sehr schnell: Roman (Taschenbuch)
Wenn ich einmal ausführlich werden darf...

Der erste Satz: Ich vergesse nichts.
Der erste Eindruck: Da hat sich einer von seiner Schreibschulenprosa gelöst, da geht einer ein sprachliches Wagnis ein und gewinnt. Was mit der Lebensbeichte eines alten Mannes beginnt, der die Geschichte seiner Familie im Laufe des vergangenen Jahrhunderts offen legen will, führt schon ganz zu Anfang in die Irre, denn der neunzehnjährige Albert und sein geistig behinderter Vater Fred sind die Hauptfiguren, und die haben mit dem Ich-Erzähler erst einmal überhaupt nichts gemein. Die Geschichte hat eine bestechend einfallsreiche Ausgangsidee.
Das Urteil: Ein rundum gelungenes Buch, ein reifer Zweitling, unbedingt empfehlenswert.

Worum es geht (keine Nacherzählung der Handlung)
Albert zieht nach dem Abitur zu seinem Vater zurück, um mit ihm dessen letzte fünf Monate zu verbringen. Fred ist im Rentenalter und er hat das Gemüt eines fünfjährigen Kindes. Albert kennt das nicht anders, er hatte schon immer einen geistig behinderten Vater. Er ist in einem von Nonnen geführten Waisenhaus aufgewachsen und wie sich das anfühlt, mit einem Kindvater älter zu werden, schon so früh die Rollen zu tauschen, und was das einem Heranwachsenden abverlangt, das ist einfühlsam, manchmal tragisch und immer auch mit sanftem, ironischem Witz erzählt: Wenn der melancholische, im Grunde elternlose Albert mit der kindischen Weltweisheit seines Vaters konfrontiert wird, das zieht in diese Geschichte, diese Menschen lassen mitlachen und mitweinen und mitfiebern. Albert muss dringend wissen, wer seine Mutter ist. Er will nachträglich die Familie haben, die ihm als Waisenkind fehlte, um sich selbst darin zu erkennen. Die Frage, ob ein Mensch so etwas wie Familie überhaupt braucht, wird dabei zum zentralen Motiv, sie führt nicht nur zu mal traurigen, mal schönen Erinnerungen an Alberts Zeit als Vaterssohn, in kunstvolle Anekdoten und Beobachtungen, sondern geradewegs in den Untergrund von Alberts inneren Verletzungen. Und dann kommt mittendrin auch noch die Erzählung des alten Mannes zum Tragen, die sich hinterhältig in die Handlung schleicht und die erkennen lässt, dass Alberts Reise in die Vergangenheit nicht mit einer schönen Fund enden wird.

Worauf man sich einlässt
Es ist immer wieder spannend, gute Bücher zu entdecken ohne sie im Eingangsbereich der Großbuchhandlung stapelweise aufgedrängt zu bekommen. Gelungene Fundstücke sind Glücksfälle und Christopher Kloebles zweiter Roman (nach Unter Einzelgängern und einer leidlich gelungenen Kurzgeschichtensammlung) ist ein solcher Glückfall. Er ist, wie es bei jungen Autoren sein sollte, dem ersten, noch von der Schreibschule geprägten Buch weit überlegen.
Der Eindruck, dass hier ein frischer Erzähler Wagnisse eingeht, in der Sprache, in den Details, in den Charakteren, verstetigt sich praktisch über die gesamte Geschichte. Die gängige Präsensprosa, die sich vor Bildern und Vergleichen geradezu versteckt, hat Kloeble nicht nur überwunden, er ist darüber hinausgewachsen. Der Eindruck vom Jungautoren, der nur Angelesenes und vor allem: Selbsterlebtes halbwegs auf einem sprachlichen Niveau niederschreiben kann, vergeht schnell unter all den wunderbaren Einfällen. Wie hier auch zwei Geschichten miteinander verwoben werden, die einander stützen und einander die nötige Schwere und Ernsthaftigkeit verleihen, ohne dabei den Humor zu verlieren, das ist die Kunst (bitter witzlos sind seine Kollegen ja teilweise doch). Kloeble gelingt es spielend, die Klischeeuntiefen des abgedroschenen Familienromans trotz Feuer, Inzest und Nazis zu umschiffen, indem der Ich-Erzähler seinem maßlosen Ich vergesse nichts gerecht wird: Da entsteht nicht das heimelige Gefühl altbayerischer Dorfsagas, denn der alte Sack will schockieren. Dabei verrät er mehr über sich und seine Zeit als es ein flacher Historienroman mit ähnlichem Sujet überhaupt zulassen könnte. Und Kloeble schildert dabei auch so schleichend wie facettenreich, wie sich der Umgang mit geistiger Behinderung durch das zwanzigste Jahrhundert hindurch wandelt - oder eben nicht. Somit erfährt die Geschichte eines Jungen, der mit einem Kind als Vater aufwuchs und auf der Suche nach einer Familie ist, am meisten aber nach sich selbst, einen ganz besonderen Dreh, der bis zum Schluss fesselt und tatsächlich auch die Frage beantwortet, warum so viele Personen in der Geschichte so alberne Namen haben.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meistens alles sehr schnell, 30. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Meistens alles sehr schnell: Roman (Taschenbuch)
Ich habe schon lange kein so berührendes, überraschendes und liebenswertes Buch gelesen. Wie zu Schulzeiten, als man noch Zeit hatte, habe ich es wie im Rausch 'alles sehr schnell' durchgelesen! Sehr zu empfehlen!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genial, 12. Dezember 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Ein Buch, dass mich sehr bewegt hat und das durch seine Ehrlichkeit und Einfühlsamlkeit besticht.
Spanned bis zum Schluss - sehr zu empfehlen!
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Meistens alles sehr schnell: Roman
Meistens alles sehr schnell: Roman von Christopher Kloeble (Taschenbuch - 1. März 2012)
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