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am 30. April 2009
Gerd Langguth, Autor hochgelobter Biographien über Bundespräsident Köhler und Kanzlerin Angela Merkel, hat hier Portraits der "Machtmenschen" Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel vorgelegt. Alle drei Personen seien "Machtmenschen" insofern, als der Erwerb und der Erhalt einer Machtposition ihr Lebensziel sei. Politiker - so Langguth - wollten vor allem öffentliche Anerkennung erhalten und im Rampenlicht stehen - im Gegensatz etwa zu Wirtschaftsführern, die eher im Verborgenen wirkten. Macht sei insbesondere am Einfluss auf die Besetzung von Positionen zu erkennen, also der Fähigkeit, befreundete Politiker in Machtpositionen zu bringen und (politische) Widersacher zu entmachten.

Der Autor untersucht dann Gemeinsamkeiten der "Machtmenschen" Kohl, Schröder und Merkel. Allen sei ein gewisser Grad an Rücksichtslosigkeit zu eigen. Kohl sei - im Gegensatz zu den "Pragmatikern" Schröder und Merkel der "ideologischste" Bundeskanzler mit einem festgefügten Weltbild gewesen, Schröder eher - um ein Wort des Politikwissenschaftlers Korte zu benutzen - ein instinktsicherer "Pragmatiker des Augenblicks", also ein Politiker, dem es insbesondere um die augenblickliche Wirkung gehe.

Frau Merkel pflege wie Kohl institutionelle Runden, etwa die Kanzler-Morgenlage und wäge ihre Entscheidungen in Bezug auf ihre Wirkungen lange ab. Ihr naturwissenschaftliches Weltbild - Politik versteht sie als Kräfteparallelogramm im Sinne von Wirkung und Gegenwirkung - prägt ihr Amts- und Machtverständnis.

Das Buch endet mit mehreren Thesen zur Beziehung zwischen Macht und Politikern. Ernüchterndes Fazit: obwohl nicht abgestritten werden könne, dass Politiker auch Inhalte umsetzen wollten und für die Menschen etwas erreichen wollten, ginge es vielen Politikern - unter anderem den drei erwähnten Bundeskanzlern - primär um Erwerb und Bewahrung von Macht.

Insbesondere Helmut Kohl kommt in der Bewertung Langguths relativ "schlecht" weg; er wird als reiner "Machtpolitiker" betrachtet, der diesem Ziel alles andere untergeordnet habe. Besonders im Bewahren der Macht sei er Meister gewesen. Schröder sei offener gewesen und habe seine Machtambitionen daher auch nie verborgen. Im Gegensatz zu Kohl und Frau Merkel habe er allerdings weniger Geschick im Bewahren von Macht besessen, Gremien (etwa die Morgenlage) schätzte er nicht.

Das Buch hat Stärken und Schwächen.

Die Stärke des Buches liegt darin, dass der Leser durch einen "plastischen" Stil das Gefühl hat, gewissermaßen "durchs Schlüsselloch" zu sehen und den Aufstieg (und - bei Kohl und Schröder - auch den Niedergang) der Politiker gewissermaßen miterleben zu können. Insofern erinnert mich das Buch sehr an das Buch "Machtwechsel" von Arnulf Baring, welches die sozial-liberale Koalition beschreibt.

Interessant sind auch die Einblicke in unser politisches System, etwa über die Schwierigkeit des Regierens in unserem Verbundföderalismus und der "strukturellen Machtlosigkeit" (so ein Zitat von Michael Naumann) des Bundeskanzlers.

Ich war dennoch etwas enttäuscht. Zum einen werden viele Passagen wiederholt, sogar einige Kurzbiographien von Politikern (etwa Schäuble) tauchen an mehreren Stellen auf. So plausibel die Kurzpotraits der drei Politiker einschließlich der Skizzierung und Analyse ihrer Kanzlerschaft geraten ist (im Falle von Frau Merkel ergänzt das Schlusskapitel die im Jahre 2007 aktualisierte Biographie des Autors), so fehlt mir doch - gerade in der Beschreibung der Politiker - eine definitive Begründung, warum sie lediglich Macht bzw. den Erwerb von Macht in den Mittelpunkt ihres Denkens gestellt haben sollen. Hatten sie nicht auch andere Motive? Hätte Gerhard Schröder nicht an der Macht bleiben können, wenn er die "Agenda 2010" nicht entworfen und sich dadurch mit Teilen seiner Partei überworfen hätte? Hätte er - wenn es ihm nur um die Bewahrung der Macht gegangen wäre - nicht nach den für die SPD verlustreichen Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen im Jahre 2005 einfach weiterregiert anstatt danach die Auflösung des Bundestages anzustreben? Hatte Kohl nicht auch objektive Gründe, einen Stabwechsel zugunsten Schäubles nicht durchzuführen - etwa die Tatsache, dass er die Euro-Einführung noch selber "unter Dach und Fach" bringen wollte? Und ging es Angela Merkel, als sie Kohls und Schäubles Sturz nach der Spendenaffäre über einen Artikel in der FAZ im Dezember 1999 einleitete, wirklich nur darum, beide Politiker zu stürzen, um selber an ihre Stelle zu treten? Mußte sie nicht damit rechnen, bei Schäubles Sturz auch ihre Position als CDU-Generalsekretärin zu verlieren? Dies muß so nicht sein. Langguth mag recht haben mit seiner Analyse, es gehe den drei Politikern in erster Linie um Erwerb und Sicherung von Macht und um "Kaltstellen" politischer Rivalen. Aber zumindest sollten gegenteilige Sichten - dass es Politikern möglicherweise doch um "mehr" geht, auch dargestellt oder zumindest untersucht werden.

Kurz: die Schlussfolgerungen des Autors, den Politikern gehe es nur um Machterwerb und Machtsicherung klingen sicherlich populär, ganz im Sinne von Richard von Weizsäckers Diktum, die Parteien seien "machtbessen und machtversessen" (dieses Zitat taucht im übrigen merkwürdigerweise in der Biographie gar nicht auf). Aber ging es ihnen nicht auch um Politikinhalte?

Zweitens: Wenn man den politischen Aufstieg unter dem - vielschichtigen - Begriff der "Macht" untersucht, so muss dieser Begriff genauer analytisch untersucht werden. Kurze Verweise auf den Machtbegriff von Max Weber bzw. K. Galbraith reichen hier nicht aus, auch wenn deutlich wurde, dass Politiker in erster Linie öffentliche Anerkennung suchen und daher Machtpositionen anstreben. Was bedeutet denn Macht für einen Politiker, wenn andererseits ein "struktureller Einflussverlust" - etwa des Amtes des Bundeskanzlers - aufgrund der Zwänge unseres politischen Systems mit vielen Vetomächten (Bundesrat etc.) oder den Auswirkungen der Globalisierung bilanziert wird? Da hätte ich gerne mehr gehört.

Auch sind mir die Quellen zeitweise etwas dünn. Dies gilt insbesondere für das Kapitel über Gerhard Schröder, wo mir zu sehr auf (doch recht subjektive) Interviews mit Politikern - politischen Weggefährten oder innerparteilichen Gegnern - zur Urteilsbildung zurückgegriffen wird, obwohl erste Fachliteratur über die Bilanz der rot-grünen Regierung, die teilweise sogar zitiert wird, ja durchaus vorliegt.

Fazit: ein interessantes und spannend geschriebenes Buch, welches aber seine These, dass die drei portraitierten Politiker - Kohl, Schröder und Merkel - sich primär von ihren Machtinteressen leiten ließen und politische Ziele diesen Interessen unterordneten, nicht genügend beweist. Ansonsten: durchaus spannende, wenn auch aus meiner Sicht nirgends wirklich "neue" Informationen zu Biographie und Kanzlerschaft der drei Politiker. Wer solche Informationen sucht, ist mit diesem Buch gut bedient. Wer eine politische Analyse des Begriffes von Macht, Herrschaft und Macht bzw. Ohnmacht von Individuen im Rahmen der gesellschaftlichen Entwicklungen am Beispiel der drei Bundeskanzler erwartet, dürfte aber etwas enttäuscht sein. Insofern ein Buch mit Stärken und Schwächen. Insgesamt dennoch lesenswert.
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am 16. Februar 2013
Gerd Langguth ist von Haus aus Honorarprofessor für Politikwissenschaft und beschäftigt sich schwerpunktmäßg mit deutscher Politik – darüber hinaus äußert er sich aber auch regelmäßig in Zeitungen und im Fernsehen, hauptsächlich auf Phoenix, zur aktuellen politischen Lage in Deutschland. Er ist CDU-Mitglied und war selber einige Zeit Bundestagsabgeordneter. Er verfügt somit im Gegenatz zu vielen anderen Kollegen aus der Politikwissenschaft nicht nur über theoretisches, sondern auch über praktischen Wissen über den politischen Betrieb, was in seinen Schriften durchaus zu spüren ist. Denn er beschäftigt sich darin weniger mit theoretischen Konzepten, die er dann auf die politische Situation anwendet, sondern hat einen mehr praxisorientierten, qualitativeren Stil, der gut lesbar ist. Spürbar ist das auch in seiner Schrift über drei deutsche Kanzler, die er „Machtmenschen“ nennt und die grob gesagt die Regierungsstile von Kohl, Schröder und Merkel miteinander vergleicht. Langguth versucht, die essentiellen Eigenheiten und charakteristischen Elemente dieser drei politischen Alphatiere herauszuarbeiten und diese dann in einem Schlusskapitel zu vereinen, um so eine Art Katalog an Fähigkeiten und Konzepten zu erstellen, der seiner Meinung nach mehr oder weniger notwendigerweise beherrscht werden muss, wenn man sich erfolgreich als deutscher Kanzler oder als Kanzlerin im Haifischbecken der Spitzenpolitik behaupten will.

Zuvor beschäftigt er sich aber jeweils im Detail mit den drei Kanzlern. Diese Kapitel zeichnen jeweils recht ausführlich den biographischen Werdegang der einzelnen Kanzler nach. Wie kamen sie in die Politik? Welche Konkurrenten hatten sie auf ihrem Weg nach oben auszuschalten und welche Politiker haben sie auf ihrem Weg nach oben unterstützt? Welche zentralen Etappen und Ereignisse gab es auf dem Weg an die Spitze? Welche Strategien wendeten sie dabei an? Diese Fragen versucht Langguth zu beantworten. Somit ist Machtmenschen also auch eine Art „Dreierbiographie“ von Merkel, Schröder und Kohl geworden. Wer sich daher für die Lebensläufe dieser Politiker interessiert, der ist bei Langguth an der richtigen Stelle. Vieles, was Langguth nachzeichnet, dürfte dem halbwegs aufmerksamen politischen Beobachter aber trotzdem bereits bekannt sein. Kohl musste sich neben der Spendenaffäre u.a. innerparteilich mit hartnäckigen Gegnern – Geißler, Späth, Süssmuth – auseinandersetzen, die ihn stürzen wollten, letztlich aber scheiterten. Schröder entzweite sich mit Oskar Lafontaine und später durch seine Agenda auch noch mit einem nicht geringen Teil seiner eigenen Partei. Angela Merkel schließlich hatte sich bei ihrem politischem Aufstieg zur quasi unantastbaren und machtbewussten Kanzlerin gegen eine ganze Armada an männlichen Politikern – Stoiber, Koch, Wulf, Merz, um hier nur einige zu nennen – durchzusetzen.

Trotz der Bekanntheit dieser Ereignisse gelingt es Langguth dennoch, sie plastisch, detailliert und meiner Meinung nach mit viel Hintergrundwissen nochmals nachzuzeichnen. Man merkt dem Autor hier deutlich an, dass er über Themen und Menschen schreibt, die ihn wirklich interessieren. Seine persönlichen Erfahrungen und Einblicke, die er während seiner Zeit als aktiver Politker sammeln konnten, waren in diesem Zusammenhang sicher hilfreich. Es ist mit die Stärke von Langguth, dass es ihm gelingt, persönliche Erfahungen von innen aus der Politik mit dem - hoffentlich halbwegs neutralen - Blick von außen, den er jetzt eingenommen hat, zu verbinden. Das Schlusskapitel gerät allerdings etwas banal und klischeehaft. Floskeln wie Nehmerqualitäten, Strategische Kompetenz und Weitblick oder Durchsetzungsvermögen kommen hier zur Sprache und sollen zeigen, welcher Qualitäten es bedarf, um Kanzler bzw. „Machtmensch“ zu werden und das auch für eine gewisse Zeit zu bleiben. Wer sich für die biographischen Werdegänge der drei genannten Politiker interessiert, ist bei Langguth sicher trotzdem richtig, denn ihm gelingt es, diese unaufgeregt und anschaulich angereichert mit Insiderwissen nachzuzeichnen.
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am 21. Mai 2009
Manche Marketing-Kings behaupten, das Ende der alten Kulturtechnik Lesen sei gekommen. Zumindest bezogen auf das Medium Buch. Der Homo technicus des 21. Jahrhunderts zöge demnach E-Paper, Handhelds oder diverse andere Gimmicks vor, auf denen digitale Dateien dienstbar sind. Deshalb sollte "Machtmenschen" gleich doppelt abschreckend: es ist ein gedrucktes Buch. Und dazu ein besonders dickes...

Aber man liest sich schnell fest. Es ist flott geschrieben, die Sprache ist schnörkellos - passt daher bestens zu dem Thema. Interessantes zuhauf, Unbekanntes sowieso, wie es sich für ein gut recherchiertes Buch gehört.

Absolut zu empfehlen. Und sicherlich auch noch in zehn Jahren gültig.
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