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43 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn Oma Rother erzählt ...
Dieses Buch ist mindestens in dreierlei Hinsicht lesenswert:

Inhalt: Wir halten Buch in den Händen, das uns, angefangen in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts über drei Generationen am Schicksal einer deutsch-jüdischen Familie teilnehmen lässt.

Stil: Der Erzählstil ist außergewöhnlich, weil Irene Dische ihre...
Veröffentlicht am 6. Februar 2007 von Karl-Heinz Heidtmann

versus
21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nettes Buch, das in mir einen Konflikt auslöste...
Wiedereinmal stand ich vor dem riesigen Bücherregal im Buchladen, als mir Irene Disches "Großmama packt aus" ins Auge fiel! Ich begann sofort ein paar Zeilen von der ersten Seite zu lesen und konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen... eines war klar: Dieses Buch muß ich lesen! Gesagt getan...

Zunächst bin ich von einem eher kurzweiligen...
Veröffentlicht am 10. Mai 2007 von Efraims Tochter


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43 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn Oma Rother erzählt ..., 6. Februar 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Großmama packt aus: Roman (Taschenbuch)
Dieses Buch ist mindestens in dreierlei Hinsicht lesenswert:

Inhalt: Wir halten Buch in den Händen, das uns, angefangen in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts über drei Generationen am Schicksal einer deutsch-jüdischen Familie teilnehmen lässt.

Stil: Der Erzählstil ist außergewöhnlich, weil Irene Dische ihre eigene Großmutter diese Familiengeschichte (in der sie selber meist nicht besonders gut wegkommt) von Anfang bis Ende, ja sogar noch im Himmel, erzählen lässt.

Man möge mir den Vergleich verzeihen, aber ein wenig habe ich mich an manchen Stellen an den phantastischen Erzählstil von Gabriel García Márquez ("100 Jahre Einsamkeit") erinnert gefühlt.

Humor: Großmama verliert beim Erzählen der Geschichte der Familie Rother auf über 350 Seiten nie ihren Humor - immer nach dem Motto "Es ging auch, als es nicht ging". Dabei nimmt sie sich auch selber "auf die Schippe" (so proklamiert sie zum Beispiel nahezu jedes Jahr dramatisch als ihr Todesjahr, wird aber letztendlich 96 Jahre alt).

Gelungen ist dieses Buch vor allem auch deshalb, weil es weder die Wiederholung einer Vertreibungsgeschichte ist, noch je in larmoyanten, nostalgischen oder gar abrechnenden Gefühlen wühlt.

Fazit: Lesenswert für Leser, die sich für Zeitgeschichte auf Basis von autobiographischen Zeitzeugnissen interessieren.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Besuch bei Oma, 26. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Großmama packt aus: Roman (Taschenbuch)
Der eigentliche Aufhänger für das Buch ist das die Enkeltochter die Familienjuwelen verkauft und Großmama Dische sich so darüber aufregt das sie anhand der Familiengeschichte versucht aufzuzeigen warum die Tat so unmöglich war . Dafür muss sie sehr weit zurück gehen.

Die Familiengeschichte geht über mehrere Jahrzehnte von der Vor bzw Nachkriegszeit über die Hippie Zeit bis hin zu den späten 80ern.

Der Erzählstil ist humorvoll .

Sie springt schonmal gerne zeitlich hin und her ,besonders am anfang des Buches , oder vertröstet mit dem Satz : Davon später mehr.

Dadurch hat man das Gefühl ihr gegenüber zu sitzen und sie plaudert munter drauf los.

Wie das nunmal bei Großmüttern so ist, manchmal möchte man sie schütteln und dann auch wieder herzen.

Vorallem bei ihren Erziehungsmethoden hätte ich sie manchmal gerne angebrüllt : sowas tut man doch nicht .

Einsicht zeigt sie recht wenig aber gerade das macht ihren Charme aus .

Das Buch hat mich noch nachdem ich es aus hatte sehr beschäftigt,ich musste daran denken wie an einen Verwandten den man erst kürzlich besucht hat, und dafür muss es einfach 5 Sterne geben.
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67 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die ganz besondere Art, eine Autobiographie zu schreiben, 5. Dezember 2005
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Grossmama packt aus (Gebundene Ausgabe)
Irene Dische hat 1989 mit ihrem Erzählband Fromme Lügen für erhebliches Aufsehen gesorgt. es folgten Erzählungen, Romane, Kinderbücher. Und jetzt, in so jungen Jahren, versucht sie sich an ihrer Autobiografie. Ein riskantes Unterfangen, wenn sie sich nicht einen genialen Trick ausgedacht hätte, denn sie lässt ihre Großmutter aus dem Jenseits sprechen. Und das heißt, diese Großmutter muss niemals einen literarischen Satz sprechen, die Autorin kann sich hinter der Großmutter verstecken, die kann sagen was sie will, muss niemals politisch korrekt sein. Und Großmama tut das in einem rasanten, frechen, schnellen, amüsanten Schnodder Ton, mit einer unbedeckten Nüchternheit und gezielten Ungehörigkeit,
Zum Inhalt: Großmama, eine streng katholische Bürgerstochter, heiratet Ende der zwanziger Jahre einen jüdischen Arzt aus Oberschlesien. Er konvertiert, bleibt aber für die Nationalsozialisten Jude. Er operiert, sterilisiert Kleinkriminelle und geistig Behinderte. Als er einmal eine Scheinoperation vornimmt, denunziert ihn die assistierende Krankenschwester, die ausgerechnet die beste Freundin von seiner Frau ist. Er begreift eigentlich nicht recht, was um ihn herum alles passiert, was die Massenmörder in Berlin vorhaben. Immer das gleiche alte Thema, die Fassungslosigkeit der Verfolgten angesichts der Verfolger. Großmama drängt ihn resolut zur Emigration nach Amerika. Ihr Bruder, der als Reichsrichter Karriere bei den Nazis gemacht hat, will verhindern, dass sie ihrem Mann nach Amerika folgt. Doch dann gelingt es ihr schließlich doch ein Schiff zu besteigen und mit ihrer Tochter nach Amerika zu entfliehen. Es folgt die Geschichte der Assimilation in Amerika. Die Tochter wird Leichenbeschauerin in New York, heiratet drei Mal nacheinander einen Juden. Der Vater verdrängt seine Herkunft, verdrängt seine ermordete Familie, will seinen einzigen Bruder nicht sehen, sagt, ich habe einen amerikanischen rhetorischen Freund, ich brauche keinen Bruder. Dieses Verdrängen hat sich fortgesetzt in der Tochter und der Enkeltochter, die Reisen macht, sich Todesdrohungen aussetzt, weil sie in Wahrheit eigentlich selber erst leben kann, nachdem sie überlebt hat.
Die Haushälterin Liesel, die der Familie überall hin folgt, ist eigentlich die großartigste Figur in dem ganzen Buch. Es sind übrigens ganz starke Frauen und ganz schwache Männer. Wobei Großmama voller Vorurteile gegenüber den Nazis ist, voller Aversion gegenüber Sex. Sie ist eine hochnäsige, blasierte, dünkelhafte Person, aber doch auch sehr authentische Person, die bei aller Verzweiflung und Trauer nach links und rechts austeilen kann, dass einem die Luft wegbleibt. Sie ist aber trotz allem auch recht amüsant und komisch. Bemerkenswert wie der Autorin die Gradwanderung gelingt, denn dieses Amüsement findet ja schließlich vor dem Hintergrund von Auschwitz statt.
Das Buch ist ein Doppelporträt von Zeit und Frau, das uns einerseits den Nationalsozialismus facettenreich zeigt, andererseits zeigt wie all dies von Großmama verarbeitet wird.
Das Buch ist so unglaublich rasant geschrieben, wobei sicher der erste Teil, der unter der unmittelbaren Bedrohung geschrieben ist, der stärkste ist. Die Autorin lebt von einer Stofffülle die frappierend und faszinierend ist, und obwohl es ja vornehmlich um Trauer und Verzweiflung geht, wird dies bewusst recht bedeckt unter der Decke gehalten.
Ein grandioses Buch, weil es eine maliziös einfühlsame Liebeserklärung der Autorin sowohl an ihre Mutter wie auch an ihre Großmutter ist. Große Literatur, unverständlich für mich, dass die Kritik nicht ganz so lobenswert mit dem Buch umgegangen ist.
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50 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geheult wird, wenn der Kopf ab ist!, 24. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Grossmama packt aus (Gebundene Ausgabe)
Was auch immer sich der Leser unter dem Titel "Großmama packt aus" vorstellen mag -- die Lektüre wird ihn doch überraschen! Denn Irene Dische ist ein ganz ungewöhnlicher autobiographischer Bericht gelungen, in dem sie ihre Großmutter literarisch wieder auferstehen lässt und die Familiengeschichte aus ihrer Sicht erzählt.

Diese Großmutter, aus dem rheinischen Niederadel stammend, hatte stets ihren eigenen Kopf! Sie schert sich nicht um gesellschaftliche Konventionen und heiratet ihre große Liebe, den jüdischen, ihr zuliebe konvertierten Chirurgen Carl Rother und folgt ihm in die schlesische Provinz. Dort freilich führt sie ihr distinguiertes Leben weiter, bis die Nazis ihrem Mann so zusetzen, das er schließlich in die Staaten auswandert. Sie selber folgt nach dem Abitur ihrer Tochter Renate und es gelingt der Familie, wieder eine neue Existenz aufzubauen. Renate hat den Dickschädel ihrer Mutter geerbt, heiratet ebenfalls unstandesgemäß und bekommt ihrerseits zwei Kinder, eines davon ist Irene. Die steht ihren weiblichen Vorfahren in Eigensinn nichts nach und macht es damit ihrer noch immer urkatholischen und preußisch korrekten Großmama schwer!

Irene Dische hat in diesem Buch sehr gut die Mentalität der heutigen Urgroßmutter-Generation, die das ganze zwanzigste Jahrhundert durchlebt und durchlitten hat, eingefangen. Sie paart Mutterwitz mit einem ganz eigenen Pragmatismus, der Durchhaltewillen und die Eigenschaft, aus nichts etwas zu machen verbindet. Getreu der Devise "Geheult wird, wenn der Kopf ab ist" geht die Oma in jeder Beziehung beherzt und wenig zimperlich mit den großen und kleinen Schwierigkeiten des Lebens um. Manchmal bleibt das Lachen wirklich im Halse stecken und doch ist diese Elisabeth Rother so eine starke literarische Figur, dass man sie beim Lesen nicht nur vor Augen hat sondern auch so schnell nicht vergessen wird!
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bei Oma zum Kaffee, 29. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Großmama packt aus: Roman (Taschenbuch)
So richtig zum Reinfühlen und Erwarten, was da so alles aus Omas Nähkästchen quillt. Dabei kommt Oma schon mal vom Hundersten ins Einfache, vom Tausendsten ins Eingemachte. Schade nur, dass man Oma nicht mal in den Arm dabei nehmen kann, wenn es einen besonders anspringt, das Getan und Gesagte.

Frau Dische ist ein tolles Buch gelungen. Vom Stil her gut und selbstironisch. Sollten doch mehr Menschen aus dem Vergangenen so leichtfüßig plaudern und Verlage bereit sein dies zu veröffentlichen, ohne eine Schublade dazu zu haben. Es liegt dann auch gewiß auf dem Bestsellertisch und muss nicht einsortiert werden.

Ein kleines Minus ist die Oma aus dem Himmel, aber deren Ableben vergißt man, wenn man schon mal am Aufräumen der zu vollen Schubladen ist.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Geschichte einer deutsch-jüdischen Auswandererfamilie, 15. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Großmama packt aus: Roman (Taschenbuch)
Der Roman erzählt die Familiengeschichte der Autorin aus der Sicht deren Großmutter Elisabeth. Die katholisch erzogene Rheinländerin lernt in einem Feldlazarett während des ersten Weltkriegs den jüdischen Arzt Carl kennen, den sie, nachdem dieser zum Katholizismus konvertiert ist, heiratet. Es folgt der Umzug nach Schlesien, die Geburt der Tochter Renate und schließlich die Auswanderung in die USA - nach den Rassegesetzen der Nazis blieb nämlich auch ein konvertierter Jude immer noch ein Jude.

Der Neuanfang im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist zunächst mühsam, schließlich kann Carl aber auch dort seinen Beruf ausüben, auch die Tochter macht Karriere, heiratet den in der Familie unbeliebten Wissenschaftler "Dische" und bringt zwei Kinder zur Welt...

Das Besondere an diesem Roman ist die Erzählung aus Sicht der Großmutter. Elisabeth ist eine resolute und standesbewusste Bürgersfrau, die von (zu ihrer Zeit offensichtlich allgegenwärtigen) Vorurteilen nur so strotzt. Sie selber verachtet Juden, Schwarze, das unkonventionelle Leben ihrer Tochter Renate und noch mehr das ihrer Enkelin Irene, die von der Hippie-Welle der sechziger Jahre voll erfasst wird.

Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und erzählt so, wie so eine Geschichte tatsächlich erzählt werden würde: Einerseits um eine gewisse Chronologie der Geschehnisse bemüht, andererseits auch immer wieder hin- und herspringend, mal assoziativ vorgreifend, mal zurückblickend.

Die im Plauderton gehaltene Geschichte liest sich durchgehend locker-flockig und beeindruckt mal durch Humor und politische Unkorrektheit, aber auch durch viele tief tragische Momente und Anekdoten aus den Leben der Familienmitglieder. So kommt zum Beispiel Carls gesamte Familie in Deutschland um, nur der missratene jüngere Bruder kann sich noch rechtzeitig nach Australien retten. Diese schreckliche Wirklichkeit wird jedoch nie in der Familie thematisiert - im Gegenteil, erst durch die treue Haushaltshilfe erfahren die Enkelkinder erst Jahre später, warum die Familie aus Deutschland auswanderte.

Mich hat dieses Familienschicksal mit seinen vielen tragischen aber auch immer wieder komischen Momenten sehr bewegt, betroffen gemacht, aber auch zum Schmunzeln gebracht.

Zum Ende hin, als es hauptsächlich um das spätere Leben der Tochter Renate und der Enkelin Irene geht, wirkt die Erzählung aus Sicht der Großmutter allerdings etwas gekünstelt oder sogar vielleicht ein wenig anmaßend. Da hier Ereignisse wiedergegeben werden, die die Großmutter selbst nicht erlebt hat, unterstellt die Autorin der Großmutter sozusagen eine bestimmte Sicht der Dinge. Dadurch verliert die Geschichte zum Schluss ein wenig an Authentizität, bleibt jedoch trotzdem beeindruckend und lesenswert.

Großmama packt aus
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herrlich hochmütig und hochherrschaftlich, 30. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Großmama packt aus (Audio CD)
Herrlich hochmütig und hochherrschaftlich

... Zar Alexander war nämlich so dankbar, dass er meiner Großmutter eine ganze Schatulle mit Onyx- und Brillantschmuck schenkte. Große Stücke, die man wirklich als Familienjuwelen" bezeichnen kann. Das Wort - Juwelen - mag ich zwar nicht besonders, wegen der ersten Silbe."

Hannelore Hoger liest nicht Großmama packt aus", sondern sie IST Oma Elisabeth Rother, die Ich-Erzählerin in Irene Disches Roman. Sie kann ihre Herkunft, dem so genannten rheinischen Hochadel, nicht verleugnen. Hochherrschaftlich wächst sie auf, behütet im Schoss der Familie, umhegt von zahlreichen dienstbaren Geistern, die katholische Kirche Stütze und zweite Heimat. Doch dann der Eklat: während des Ersten Weltkrieges leistet Elisabeth ihren vaterländischen Dienst im heimatlichen Lazarett. Während einer Beinamputation assistiert sie Carl. Und als dieser das amputierte Glied fein säuberlich neben den Patienten und seine Gesichtsmaske abgelegt hat, bemerkt dieser Irene zum ersten Mal. Er wirbt hartnäckig um sie und sie gibt seinem Drängen schließlich nach. Doch als sie ihrer Familie die frohe Kunde überbringt, schlägt ihr eisiges Schweigen entgegen - denn Carl ist Jude. Doch obwohl er zum katholischen Glauben konvertiert, bleibt diese Ehe eine Schmach in den Augen der Familie.

Jeder, der schon einmal das Vergnügen hatte, einem Kränzchen betagter Damen im ortsansässigen stilvollen Café, freiwillig oder unfreiwillig, zu lauschen, wird mühelos sowohl den Erzähl- als auch den Sprachduktus wieder erkennen. Man lässt das Leben Revue passieren, widerspricht sich in Details, pflichtet bei oder weist weit von sich und dies alles im festen Brustton der Überzeugung. Die abwesenden Männer, Kinder, Schwiegertöchter kommen nur in den seltensten Fällen gut weg und im Gegensatz zum landläufigen Bild ist auch nichts von Prüderie zu spüren.

Reduzieren sie nun dieses Kränzchen auf eine monologisierende Matriarchin, die neben ihrer Meinung keine andere zulässt, und sie können sich eine ungefähre Vorstellung davon machen, was sie erwartet. Genug erlebt für drei hat ja nun Oma auch. Antisemitismus und Judenverfolgung - Flucht ins Exil - Integration in der Fremde. Geschichte reiht sich an Geschichte, wird kommentiert und beurteilt oder mit einem aber davon später" vertagt. Hinter dem Offensichtlichen versteckt sind zahllose ironische Seitenhiebe, der typisch rheinländisch-trockene Mutterwitz, die respektlose Sicht auf Tabu-Themen und generell der Trend zu politisch-unkorrekten Darstellungen. So spricht Großmama von der afroamerikanischen Bevölkerung als Darkies und bemängelt, dass die Gegend, in welcher ihre Tochter lebt, jüdisch sei. Im Brustton der rechten Überzeugung verurteilt sie sie dafür, dass sie nach dem katholischen Religionsunterricht der Enkelin erstmal, sozusagen als Ausgleich, beim Metzger im Viertel koschere Hotdogs essen geht.

Mühelos bringt Hannelore Hoger dem Hörer all diese Facetten zu Gehör. Mal säuselt sie wie ein Täubchen oder unschuldig wie ein Lämmlein nur um im nächsten Augenblick in Entrüstung und Ärger umzuschlagen. Dann wieder abschätzig-abfällig oder gewollt-ungewollt witzig und ironisch. Keine Nuance des Textes ist der Sprecherin verborgen geblieben und man merkt ihr förmlich die Freude an, dem Hörer all dies zu Gehör zu bringen und den ohnehin schon extrem unterhaltsamen Text als Hörbuch noch einen Tick amüsanter, rasanter, intensiver und kurzweiliger zu machen.
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was für ein amüsanter Familienroman!, 18. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Grossmama packt aus (Gebundene Ausgabe)
Irene Dische Großmama packt aus Hoffmann & Campe
ISBN 3455014585
Irene Dische hat eine rasante und blitzgescheite Autobiographie über ihre Familie geschrieben.
Daß das Buch so unterhaltsam ist, verdankt der LeserIn einem Trick: in Gestalt der Großmutter von Irene Dische erscheint die Erzählung voller kritischer Brisanz, eigenbrötlerischer Distanz, mit der die Großmutter diese sehr skurrile jüdische Familie betrachtet, die in New York während der Hitlerzeit Unterkunft und Auskommen gefunden hat.
Daß die Nörgelei an der Tochter, auch dem eigenen eigensinnigen Ehemann, dem Schwiegersohn und den Enkelkindern, die ihr allesamt nicht geheuer sind, so unverhohlen zum Ausdruck kommt, macht die Geschichte einer Familie ehrlich und trotz aller Widrigkeiten ungemein sympathisch. Da wird wirklich rein gar nichts unter den Tisch gekehrt: die Tochter Renate, die mit einem nicht genehmen Schwiegersohn erscheint, die Enkelkinder, die nicht nur hässlich und absonderlich in ihren Eigenarten sind; Carl z. B. der mit fünf Jahren schon Dante liest und Irene, die außer Rand und Band und nur schwer zu erziehen ist,--das alles wird unverblümt, belustigt und von einem fast schwarzen Humor getragen erzählt.
Irene Dische hat sich dabei nicht ausgenommen: ein Wunder an Ehrlichkeit über das eigene Herkommen, das gerade darum so interessant und außerhalb der allgemeinen Norm erscheint.
Ein wirklich unterhaltsames und lesenswertes Buch im Stil der weit verbreiteten und wunderbaren jüdischen Erzählkunst.
Cl.B.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Langeweile kann einpacken, 7. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Großmama packt aus: Roman (Taschenbuch)
Es ist ein großartig unterhaltender Roman, den Irene Dische unter dem Titel ,Großmama packt aus' hier vorstellt. Der Titel ist Programm. Was kann eine Großmutter nicht alles aus dem Nähkästchen plaudern über dunkle Familiengeheimnisse, Großvaters kleine Leidenschaften und der grenzenlosen Disziplinlosigkeit des Enkelkindes, das übrigens Irene Dische heißt, im Roman aber nur eine Nebenrolle einnimmt!
In einem drei Generationen überspannenden Roman erzählt die Großmutter frei von der Schnauze weg die Geschichte ihrer Familie. Es ist eine Familienchronik in dunklen Zeiten, aber mit Heiterkeit und Altfrauenweisheit erzählt. Es ist die Geschichte eines verschwundenen Europas, mit all seinen verstockten und liebenswerten Formen, all seinen Vorurteilen und seinem Gräuel, aber auch die Geschichte eines so vollkommen anderen und dabei so ähnlichen Amerikas. Es ist eine Familiengeschichte aus dem 20. Jahrhundert.
Sie beginnt in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus. Die erzählende Großmutter, eine geborene Gierlich aus streng katholischem Hause, gutes gehobenes Bürgertum, ist mit dem Chirurgen Carl Rother, einem Juden, verheiratet. Mit latenter Ironie und Witz erzählt Großmama von den schrecklichen Jahren im Nazideutschland in einem großbürgerlichen Ton, der sich die althergebrachte Opferhaltung verbittet. Die Familie reist letztendlich mit ihrer einzigen Tochter Renate nach Amerika aus. Dort beginnt ein neues Leben, das weiterhin in der oberen Gesellschaftsschicht angesiedelt ist. Renate lernt den schrecklichen Dische kennen, heiratet ihn und zeugt mit ihm die völlig verzogene Enkeltochter Irene. Deren Geschichte wird bis in die 80er Jahre erzählt, wobei die wilden Zeiten der 60er-Revolte besonders lesenswert sind, beschreiben sie doch aus der Perspektive der Oma eine an den Wahnsinn grenzende Entgrenzung, in der alle Werte, die Familie, Tradition und Kultur ausmachen, aufgehoben scheinen.
Es ist eine vollkommen tragische Geschichte, die aber an Komik kaum zu überbieten ist. Es ist die ganz normale Familienkatastrophe, zu der die historischen Verwerfungen nur die Hintergrundsmusik spielen. Ein überaus lesenswerter Genuss.

Thomas Reuter
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stark, 5. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Grossmama packt aus (Gebundene Ausgabe)
„Es ist Frauensache, dafür zu sorgen, dass die Familie ihr Niveau hält. Männer sind nicht stark genug.“
„Man muß an sich arbeiten.“
Kernsätze eines Werkes, dass man eigentlich vor dem Schluß nicht mehr aus der Hand legen kann und mag. Irene Dische erzählt aus der Sicht ihrer Großmutter aus ihrem Leben.
Großmama, das ist Elisabeth Rother, Katholikin, ein Mädchen „aus gutem Hause“. Aufgewachsen in Boppard, heiratet sie vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten den jüdischen Arzt Carl Rother, Herrn Professor Doktor Carl Rother, und folgt ihm nach Leobschütz, ein „trostloses Provinznest“ in Schlesien. Tochter Renate wird geboren, die Rassentrennungs-Gesetze lassen jedoch kein gemeinsames Familienleben mehr zu. Carl emigriert in die USA und entgeht dem grausamen Schicksal seiner Familie, der Vernichtung durch den Holocaust. Elisabeth und Renate folgen später. In Amerika nimmt das Leben der Rothers den Verlauf vieler jüdischer Emigranten. Glück und Unglück, Freude und Leid, das alles schildert Großmama nicht nur vor dem Hintergrund der geschichtlichen Ereignisse und der Tragödien, nein, ein kleines Augenzwinkern ist immer mit dabei.
„Denn diese schauderhafte kleine Geschichte betrifft meine Enkeltochter, das ganze Wie und Warum ihres Lebens...“
Eine unterhaltsame Familiengeschichte.
Eine kostbarer authentischer zeitgeschichtlicher Roman
Die Geschichte starker Frauen.
Die Geschichte von Großmama Elisabeth, Mutter Renate und Enkeltochter Irene. Und die Geschichte von Liesel aus Niederschlesien, Haushälterin, Kindermädchen, Beraterin, Vertraute, Beschützerin. Zweifelsohne eine Hauptfigur.
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Großmama packt aus: Roman
Großmama packt aus: Roman von Irene Dische (Taschenbuch - 1. Oktober 2011)
Gebraucht & neu ab: EUR 3,50
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