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27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Regt zum Nachdenken an, 15. Oktober 2004
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Tapetentür (Sondereinband)
Wie auch in ihren anderen großartigen Romanen beschreibt Marlen Haushofer auch hier wieder das Leben einer Frau, die trotz Gesellschaft innerlich immer einsam bleibt.
Annette löst sich aus ihrer Beziehung mit dem Intellektuellen Alexander, der immer alles so kompliziert sieht. Annette ist nicht glücklich, empfindet sich selbst nicht als "typisch weiblich" und ist damit unglücklich.
Dann lernt sie Gregor kennen und stürzt sich Hals über Kopf in eine Beziehung und Ehe mit ihm. Doch schnell entpuppt sich das schöne neue Leben als Farce, und Annette ist wieder unglücklich und fühlt sich allein. Als sie schwanger wird, wird ihr immer klarer, dass Gregor nicht sie, sondern das Kind liebt, während sie selbst Schwierigkeiten hat, sich in die Mutterrolle einzufinden.
Und so wird Annette immer einsamer, ihre gesellschaftlichen Pflichten sind ihr egal, und sie sehnt sich danach, der Wirklichkeit zu entfliehen. In ihren Träumen tritt sie durch eine Tapetentür in das Paradies ihrer Kindheit - doch als diese Tür sich für immer schließt, muss Annette ihr Leben wieder neu ordnen. - Ob sie glücklich werden kann, bleibt offen, aber sehr schön und gewohnt traurig zeigt Marlen Haushofer, wie schwer es sein kann, sich gesellschaftlichen Regeln unterzuordnen, wenn man sie nicht nachvollziehen kann - und wie unglücklich man wird, wenn man versucht, sich in eine bestimmte Rolle "hineinzuleben", ohne von ihr überzeugt zu sein.
Regt sehr zum Nachdenken an. Ein wunderschönes Buch.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tiefsinnig und feingeistig, 20. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Tapetentür (Sondereinband)
Marlen Haushofers zweiter Roman, erschienen 1957, besticht durch seine fein gewobene Sprache und die tiefsinnigen, hochgeistigen Reflexionen der Hauptprotagonistin. Die Geschichte wird in der dritten Person, aus der Perspektive Annettes erzählt, ergänzt durch ihre Tagebuchaufzeichnungen. Trotz des weit zurückliegenden Erscheinungsdatums ist dieses Buch immer noch ausgesprochen lesenswert.
Schon früh hat Annette ihre Eltern verloren, die Mutter stirbt als sie zwei Jahre alt ist, der Vater flieht nach Südamerika, auf der Suche nach Identität und Lebenssinn und stirbt frühzeitig im Exil. Als einzige Bezugspersonen bleiben ihr Onkel Eugen, den sie zärtlich liebt und seine Frau, die strenge Tante Johanne. Sie erzieht Annette nach dem gesellschaftlichen Frauen-Kodex der Fünfzigerjahre. Auch Johanne stirbt vor der Zeit. Annette wächst im bürgerlichen Milieu Wiens zu einer jungen Frau heran, die trotz vieler Liebschaften, umgeben von Freunden und Bekannten, seelisch vereinsamt. Der monotone Ablauf ihrer Affären langweilt sie, immer wieder enttäuschen die Männer ihre Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit. Eine dieser lustlosen Beziehungen ist Alexander, ein immer komplizierter denkender Intellektueller. Als er einen vielversprechenden Auslandsjob erhält, lässt sie ihn widerstandslos ziehen, so, wie er es von ihr erwartet hat.
Sie lernt den vitalen Anwalt Gregor kennen, in den sie sich rasend verliebt. Er erscheint ihr als das Urbild des idealen Liebhabers. Schon bald bittet er um ihre Hand. Annette willigt ein, wird schwanger und hofft, endlich ein normales" Leben an der Seite eines geliebten Mannes führen zu können. Sie kündigt ihre Wohnung und gibt ihm zuliebe ihren Beruf als Bibliothekarin auf. Aber auch in dieser Beziehung findet sie kein Glück. Für Gregor ist sie nur Besitz, er interessiert sich ausschließlich für ihren Körper, ihre Erotik, aber nicht für den Menschen Annette. Trotz des ehelichen Lebens, bleiben die beiden einander fremd.

Zitat:
Gregor weiß nichts von mir, weil ihn nichts interessiert, was über mein erotisches Verhalten hinausgeht, nichts, was er nicht im wahrsten Sinn des Wortes mit Händen greifen kann."

Die Einsamkeit Annettes steigert sich während der Schwangerschaft ins Unendliche, Gregor bleibt nächtelang fort, betrügt sie, sie weiß davon und erträgt es dennoch schweigend. Im Traum flüchtet Annette durch eine Tapetentür. Ein gelber Hund, dem sie als kleines Mädchen das Leben gerettet hat, erscheint ihr und trägt sie an die Orte ihrer Kindheit. Sie begegnet ihrem (verdrängten)Vater und erlebt sich wieder als kleines Mädchen, auf seinem Schoß sitzend und lauscht seinen fantastischen Tier-Geschichten.
Unmittelbar danach erleidet Annette eine Totgeburt, das Kind erstickt an seiner Nabelschnur. Gregor ist nicht fähig, ihr in dieser Situation zu helfen, die Beziehung ist am Ende, die Entfremdung der Eheleute schreitet weiter voran. Annette ist körperlich und seelisch entkräftet, sinnentleert denkt sie an Selbstmord. Sie vernichtet ihr Tagebuch und zerstört damit bewusst einen Teil ihres Selbst.
Auf Einladung ihres geliebten Onkels Eugen fährt sie zur Erholung nach Italien, um sich von den Strapazen zu erholen. Ihm zuliebe führt sie den geplanten Suizid nicht aus, behält sich aber dennoch diese Option vor. (Quasi als letzte Rettung aus der Einsamkeit.)

Dieser (Frauen?)Roman hat mich außerordentlich beeindruckt. Er ließ mich trotz seiner melancholischen Grundstimmung gestärkt zurück, ist schönsprachlich, tiefsinnig, und enorm einfühlsam geschrieben. Aus jeder seiner Zeilen tropft Weisheit. Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen.
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30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Tapetentür, 11. Februar 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Tapetentür (Sondereinband)
Der Roman „Die Tapetentür" handelt von der 30- jährigen Bibliothekarin Annette, die ein einsames Leben führt. Als sie sich in einen Mann verliebt und ein Kind erwartet heiratet sie. Die Geschichte wird zum Teil aus einer auktorialen Erzählperspektive und zum Teil in Form von Annettes Tagebucheinträgen erzählt. Das Werk besteht vor allem aus Annettes Reflexionen aber sich selbst, ihr Leben, ihren Alltag und anderen Menschen. Immer wieder treten auch gesellschaftliche und philosophische Fragen auf.
Zu Beginn des Romans ist Annette immer wieder vom Leben überfordert und es scheint, als wäre sie sehr oft unglücklich. Sie arbeitet gern als Bibliothekarin, ist aber häufig erschöpft, schläft viel und die Gesellschaft anderer Menschen strengt sie an. Am liebsten ist die Protagonistin allein. Bisher war sie nie wirklich verliebt und hatten nur kurze Liebesaffären. Als junge Frau ist sie trotzdem eine kurze Ehe eingegangen, die durch den Tod des Mannes beendet wurde.
Im Laufe der Zeit lernt sie Dr. Gregor Xanther kennen und wird zum ersten Mal von der Liebe „überfallen". Er steht mit beiden Beinen fest im Leben, lebt für seine Arbeit aber auch für Genuss und Leidenschaft. Annette erlebt sich durch die Liebe zu ihm und durch die Schwangerschaft als einen neuen Menschen. Sie gibt die Wohnung auf um zu ihm zu ziehen zugleich auch ihre Arbeit. Annette ist lebendiger und emotionaler als früher. Gleichzeitig bleibt sie aber eine scharfe Beobachterin und Kritikerin ihres eigenen Lebens und sieht die Mängel und Schwächen ihrer Liebesbeziehung deutlich. Sie fühlt sich in ihrer neuen Rolle als Mutter ungeeignet und dazu kommt, dass sie ihr Mann betrügt. Sie spricht nicht darüber, da sie versucht es hinzunehmen im Glauben nichts ändern zu können. Dieses Leid zu ertragen empfindet sie als ihr Los. Sie versucht sich gegen ihre zunehmende Anlehnungsbedürftigkeit zu wehren und sich nicht so sehr von ihrem Mann abhängig zu machen, was ihr aber kaum gelingt.
Das Kind, das Annette erwartet, stirbt bei der Geburt. Die Distanz der Eheleute wird unüberbrückbar. Ihr Mann ist nicht fähig, ihr in dieser Lage zu helfen. Annette ist mit ihrem Onkel, der seit ihrer verwaisten Kindheit ihre liebste Bezugsperson ist, auf Erholung in Italien. Annette ist verzweifelt und spielt mit dem Gedanken sich selbst das Leben zu nehmen. Ihrem Onkel zuliebe tut sie dies aber nicht. Am Ende der Geschichte ist sie hoffnungslos und resigniert. Die Frau vernichtet ihr Tagebucht und damit einen Teil ihrer selbst und sieht für sich nur noch die Möglichkeit, ein schmerzvolles und unerfülltes Leben, so wie ihres jetzt ist, zu ertragen.
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23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Blankes Schaudern von der ersten bis zur letzten Seite, 11. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Tapetentür (Sondereinband)
Die Geschichten von Marlen Haushofer berühren mich in einem unglaublichen Ausmaß. Die Einsamkeit der von ihr gezeichneten Frauen ist greifbar. Hoffnung besteht keine! Und trotzdem geht man nach der Lektüre gestärkt ins Leben. Warum, ist mir selbst ein Rätsel. Ich werde jedenfalls nicht ruhen, bis ich alle ihre Werke gelesen habe.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Seelenverwandtschaft, 17. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Tapetentür (Sondereinband)
In diesem Buch traf ich eine Seelenverwandte, die mir zuletzt sogar den Weg wies, wie und warum weiterleben sich lohnt.

Isoliert und abgetrennt von ihrer Umgebung, lebt die Hauptperson in der Welt ihrer Bücher.

Nur in der gewohnten Einsamkeit empfindet sie sowas wie Glück und Behaglichkeit.

Ihr Lebensgefährte durchbricht dieses Wohlgefühl in ihrer völligen Abgeschiedenheit, was ihr letztendlich unbequem ist, zugleich aber erfährt sie Zweisamkeit. Die selber gewählte Einsamkeit behagt ihr nicht mehr, da sie Glück auch mit ihrem Mann erfährt.

Typisch Frau versteht und akzeptiert sie seinen Freiheitsdrang und Gefühllosigkeit um ihn nicht zu verlieren.

Auch als er sie während der schweren Zeit ihrer Schwangerzeit rücksichtslos und egoistisch allein läßt, entschuldigt sie sein Verhalten und übersteht die schwere Zeit in der ihr gewohnten Einsamkeit und verfällt in Halluzinationen.

Losgelöst von allem wieder in ihrer Einsamkeit geht sie gestärkt hervor und erkennt, daß ein Leben auch mit Schmerz und inneren Leere gelebt werden kann und gibt nicht auf. Entschlossen sich dem Leben zu stellen.

Der Schluß gefällt mir am besten.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufbruch in ein neues Leben?, 23. Juli 2004
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Tapetentür (Sondereinband)
Annette reflektiert sich, ihre Lage und Umgebung. Erfreuliches kommt darin kaum vor, Witziges schon. Sie hat sich indessen mit ihrer Situation arrangiert. Da tritt der bodenständige und vitale Gregor in ihr Leben. Mit ihm möchte sie ein normales Familienleben, weiss aber, dass sie sich damit betrügt, das es nicht funktionieren wird, weil es falsch ist: Sie spielt eine Rolle, denn sie ist nicht zivilisiert und vernünftig. Gregors Kindergesicht vermischt sich mit dem Gesicht des Lügners und Spekulanten. Die Tapetentür hat sie einst in eine schöne Traumwelt geführt. Nach Spital und totem Kind gibt es sie nicht mehr. Mit Onkel Eugen in Italien findet sie nach der Verzweiflung hoffentlich den Weg in ein neues Leben. Wenn allerdings der Fischer Antonio, der trotz unglücklichen Ereignissen in seinem Leben, ruhig seiner Arbeit nachgeht und dabei zufrieden ist, das Muster abgeben soll, dann zweifeln wir, ob das auf Annette passt.

Gute, spannende, interessante Lektüre
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Die Tapetentür: Roman
Die Tapetentür: Roman von Marlen Haushofer (Taschenbuch - 1. Dezember 2006)
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