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Kundenrezensionen

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am 3. Januar 2015
In der Übersetzung von Thomas Reschke eines der mir liebsten Werke, nimmt Nitzberg dem „Meister und Margarita“ allen Zauber.
Lobt Kathrin Schmidt (in einer Rezension der Neuübersetzung von „Das hündische Herz“ in der „Zeit“ Nr. 25/2013) den "Muttersprachler Nitzberg", frage ich mich, ob das Gelingen einer Übertragung nach ihrer Auffassung tatsächlich nur große Kenntnisse der Quellsprache verlangt und nicht ebensolche der Zielsprache. So zeugt im „Meister“ ein "geziertes" (statt "verziertes") Gusseisengitter zumindest von fehlendem Feingefühl. Ebenso das "Gepfiff" anstelle des Pfeifens. Der Satz "Es zehrt an deinen Kräften, mich anzusehen, geschweige denn mit mir zu sprechen." tut aber einfach nur weh, kommt diese Wendung ("geschweige denn") nur im Anschluss an eine verneinte oder einschränkende Aussage in Betracht.
Am meisten ärgert mich jedoch der bemüht lockere Tonfall ("recht fit" statt "ziemlich munter", "boah" statt "du lieber Gott", "Aber hundert Pro" statt "Voll und völlig!“ etc.). Nach den ersten 88 Seiten habe ich die Lektüre vor Schmerz stöhnend endlich abbrechen müssen. Unerträglich!
Unangenehm wird es darüber hinaus, wenn Nitzberg als Herausgeber der neu übersetzten Werke Daniil Charms über die bisherigen Übersetzter (insbesondere Peter Urban) herfällt. Vor allem scheint er zu wissen, wie man sich in Szene setzt.
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am 17. August 2012
Klassiker brauchen Neuübersetzungen, eben weil es Klassiker sind. Denn jede neue Übersetzung gewährt einen neuen Blick auf das Werk. Und das ist gut so, vor allem, wenn sich die neue Version von der alten so stark unterscheidet wie im vorliegenden Fall.

Wer etwas mehr Subtilität besitzt, wird schon sehr bald die Richtung merken: Alexander Nitzberg ist ein Dichter und ausgewiesener Lyrikübersetzer. Dies wird bei den sprachlichen Feinheiten deutlich. Nicht nur versieht er seinen Text mit fundierten und erhellenden Kommentaren (die zahllose Stellen im Deutschen wohl zum ersten Mal verstehbar machen), sondern enthüllt auch permanent stilistische, klangliche und rhythmische Nuancen des Originals. Dabei bleibt seine Arbeit stets transparent: Alle übersetzerischen Entscheidungen werden im Anhang dokumentiert. Das ist Sprachreflexion. Und genau das erhoffe ich mir von einer Neuübersetzung!

Thomas Reschke ist ein guter Handwerker, und seine Übersetzung ein Kind ihrer Zeit: 1960er Jahre, DDR. Damals ging es vor allem darum, die Inhalte korrekt wiederzugeben. Den sprachlichen Eigenheiten des Originals, dem Absonderlichen wurde weit weniger Beachtung geschenkt.

So lesen wir bei Reschke: "Ja, grau Haare hast du bekommen ... Vor meinen Augen bedeckt sich dein Kopf mit Schnee ... Was du für Augen hast! Leer sind sie ..." Doch das russische Original ist wesentlich poetischer. Da ist von "Fäden" und "Wüste" die Rede, was Nitzberg viel treffender übersetzt: "Ja, Fäden, Fäden ... Vor mir bedeckt sich dein Kopf mit Schnee ... Da schau - deine Augen! Darin ist Wüste ..." Die meisten solcher Metaphern werden bei Reschke leider geglättet, normalisiert.

Auch zugespitzt groteske Formulierungen kommen bei ihm recht brav daher. Wenn zum Beispiel der Kater Behemoth einen Sowjetbeamten parodiert, heißt es in der alten Übersetzung noch: "Hiermit wird bescheinigt, daß der Inhaber dieses, Nikolai Iwanowitsch, die letzte Nacht auf dem Ball beim Satan verbrachte. Er wurde als Transportmittel eingesetzt ... jetzt Klammer auf, Gella, und in Klammern schreibst du 'Eber'. Unterschrift - Behemoth." Bei Nitzberg lautet dieselbe Passage viel bürokratischer und darum witziger: "Hiermit wird bescheinigt, daß der Überbringer des vorliegenden Schriftstücks, Klammer auf: im Folgenden Nikolaj Iwanowitsch genannt, Klammer zu, die oben angeführte Nacht auf dem Ball beim Satan verbracht hat, aufgrund seiner Vorladung zu demselbigen in der Eigenschaft als Beförderungsmittel ... Klammer auf: Mastschwein. Klammer zu. Gezeichnet: Behemoth".

Ganz zu schweigen von solchen Stellen, wo Musikalität gefordert ist: Wenn das russische Original mit einer dreifachen Echo-Wirkung aufwartet, die in der neuen Übersetzung recht virtuos nachgestaltet werden: "Ni-sa ..., brachte Judas hervor, nicht so wie sonst, gesanglich und klangvoll. (...) Nie sagte er jemals wieder ein Wort. Und wie er niedersank, prallte sein Leib gegen die Erde, daß diese erdröhnte", bleibt die alte Übersetzung prosaisch und ohne jede Klangmagie: "Ni...sa, sagte Judas nicht mit seiner hohen und klaren Jünglingsstimme (...) Weiter gab er keinen Laut von sich. Sein Körper schlug so heftig zu Boden, daß es einen dumpfen Aufprall gab".

Zuletzt sei bemerkt, daß das neue Buch ausgesprochen ästhetisch ediert ist. Die in der Tradition der russischen Avantgarde gefertigten Foto-Kollagen eröffnen die Kulisse der damaligen Zeit und zeigen, künstlerisch umgesetzt, alle wichtigen Handlungsorte des Romans. Somit sind sie wesentlich mehr als nur ein Gestaltungselement, ja, werden zu einer unentbehrlichen Hilfe.

Siehe bzw. höre auch die Rezension vom 17.08.12 (Deutschlandradio):
[...]
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am 14. Oktober 2015
Also ich kenne zwar die alte Übersetzung von Meister und Margarita nicht, aber diese Neuübersetzung ist schon fast eine Frechheit, wobei es mir ein Rätsel ist, wie Alexander Nitzberg zb. beim Hündischen Herz eine Top Übersetzung abliefern, und bei Meister und Margarita dagegen kläglich scheitern kann... Die Sprache ist zum einen, teilweise einfach zu modern für den Roman, was an sich noch gar nicht so schlimm wäre, aber wenn dann bei einem Russischen Klassiker, in den Dialogen vieles schon beinah im Wiener Dialekt gehalten ist, fühlt man sich unpassender Weise eher in ein Wiener Wirtshaus versetzt, als ins Moskau der 1950er.
Sätze wie: "Trinkens noch ein Glaserl, Schatzerl" passen einfach nicht hinein und erzeugen alles andere als ein russisches Ambiente. Ebenso passen Worte wie zb. "Aktenkofferl" nicht ins Bild, und des Öfteren überkommt einen beim lesen der starke Verdacht, das Korowjew jetzt gleich nach einem "Tschick" verlangen wird...

Ich hatte mir zuerst das Hündische Herz, ebenfalls von Nitzberg übersetzt, zugelegt, und war begeistert. Also hab ich mir auch von Meister und Margarita die Neuübersetztung gekauft, was sich aber definitiv als Fehler herausstellte. Werde mir auf jeden Fall, wenn ich das Buch in Zukunft nochmals lesen werde, die alte Übersetzung kaufen.

Der Roman selbst hätte sicher 5 Sterne verdient, allerdings vergebe ich hier lediglich 2, wegen der unpassenden Übersetzung
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am 30. Juli 2013
Langsam geht es einem schon auf die Nerven, dass der Literaturbetrieb in den letzten Jahren die "Marktlücke Neuübersetzung" entdeckt hat.

Sicherlich mag es Ausnahmen geben (Salinger: Der Fänger im Roggen oder Melville: Moby Dick), bei denen Neu-, oder Nachübersetzungen sinnvoll, wenn nicht sogar notwendig waren, aber mittlerweile ist es scheinbar ein lukratives Geschäft für die Verlage geworden, Klassiker neu zu übersetzen. Gerne werden selbige dann mit Schlagworten wie: "kongenial - die einzig wahre - genauer - vollständiger…" u.s.w. lanciert.
Da fragt man sich, wie ein fremdsprachiger Klassiker (beispielsweise von Tolstoi oder Dostojewski) in Deutschland vorher überhaupt als Meisterwerk angesehen werden konnte - wenn diese alten Übersetzungen so mangelhaft, fehlerhaft, unvollständig etc. waren???!!!

Ich habe mir "die Mühe" gemacht und Bulgakows "Meister und Margarita" parallel in meiner alten (von Thomas Reschke) und in der neuen (von Alexander Nitzberg) Übersetzung kapitelweise zu lesen.
Fazit: Viel Lärm um Nichts.
Nitzberg Übersetzung ist, ganz schlicht bemerkt, - anders. Anderer Satzaufbau, die Wortwahl teilweise viel zu modern und zeitgemäß. In Russland kommt auch niemand auf die Idee Bulgakows Russisch aus den 30er Jahren in das Russisch der heutigen Zeit zu transferieren!

Sicherlich gibt es einige wenige Passagen, die - wenn man Herrn Nitzberg glauben darf - (wahrscheinlich) dem Original näher kommen.

Tatsache bleibt für mich jedoch, dass der Markt "Neuübersetzung" ganz gezielt und marketingtechnisch von den Verlagen propagiert wird um brachliegenden "Klassikern" zu neuen Absätzen zu verhelfen und somit wieder Geld in die Kassen zu spülen. Zumal bekanntermaßen die Rechte eines Autors/Herausgebers 70 Jahren nach der Publikation erlöschen. Abgesehen von den Kosten der Übersetzung, fließt nun jeder Cent an den Galiani Verlag.
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am 28. Dezember 2012
Ich habe diese Übersetzung gestern geprüft und bin einigermaßen entsetzt. Aus einem russischen Satz von Bulgakow fünf deutsche Stummelsätze ohne Prädikat machen, wovon der fünfte aber bis in die Mitte des zweiten Satzes des Originals reicht, ist schon ziemlich frech. Nitzberg hat sich offenkundig am flotten Illustriertenstil unserer Tage orientiert. Wer Nitzberg lesen will, sollte dieses Buch lesen; wer Bulgakow lesen will, muß sich die Übersetzung von Thomas Reschke beschaffen.
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am 3. Januar 2014
Wie so oft bei Neuübersetzungen streiten sich die Geister bezüglich der Qualität. Von einer Freundin bekam ich dieses Werk geschenkt und es musste sich im Regal neben die Übersetzung von Thomas Reschke stellen. Genauer stand es da, bis ich anfing zu lesen und mich zu ärgern.

Nun ganz klar ist, daß es mein Ärger ist, der ohne die Kenntnis der anderen Übersetzung gar nicht hätte entstehen können. Nun steh ich hier ich armer Tor - was mach mich mit meinem Ärger, eine Warnung an andere aussprechen und mir vornehmen mein Russisch zu polieren, um mich dann an der TV Verfilmung im Original zu erfreuen.
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"Es war Frühling. Eine heiße Dämmerstunde am Patriarchenteich..." So beginnt einer der bedeutendsten Romane der Weltliteratur. "Meister und Margarita" von Michail Bulgakow ist ein Jahrhundertroman: eine allegorische, phantasievolle und satirische Schilderung der stalinistischen Zeit und der sowjetischen Gesellschaft im Moskau der 30er Jahre. Und er ist - wie der Übersetzter Alexander Nitzberg schreibt: "ein Schlüsseltext der Moderne".

Am Patriarchenteich trafen sie sich: Woland, die Inkarnation des Satans und seine Gefährten, sowie der Kulturredakteur und Kritiker Berlioz und der Lyriker Iwan Besdomny. Sie diskutieren die Existenz Gottes. Berlioz verliert darüber im wörtlichen Sinne seinen Kopf. Und die satanische Figur des Woland und seiner teuflischen Genossen sorgen fortan für Unruhe. Dieser Woland gehört übrigens zu den Teufeln, die das Böse wollen, um letztlich Gutes zu schaffen.

Ungeheure Dinge geschehen. Menschen verschwinden, magische Momente sorgen für unliebsame Überraschungen. Der Kulturbetrieb, konzentriert im Schriftstellerhaus Gribojedow, wird auf satirische Weise aufs Korn genommen; der sowjetische Alltag - geprägt von Korruption, Günstlingswirtschaft, Bürokratismus, Bespitzelung und Überwachung - wird ebenso thematisiert wie menschliche Schwächen und Duckmäusertum.

Bulgakow hat dafür eine Fülle von allegorischen Bildern und realistischen Beschreibungen gefunden, von teuflischen Einfällen und irrwitzigen Plots. Wohnungen verwandeln sich, ein Irrenhaus wird zum Asyl, ein Satansball im Stile einer Walpurgisnacht findet statt. Und überall und immer allgegenwärtig agierend der satanische Woland, sein Gehilfe Korowjew und nicht zuletzt Behemot, der katerartige Mensch oder menschenähnliche Kater. Ein höllisches Personal.

Auf einer sozusagen zweiten Ebene dieses komplexen Romans, in diesem Wirrwar von phantastischen Ereignissen, spielt sich eine Liebesgeschichte ab - zwischen einem Schriftsteller, der nur "Meister" genannt wird, und Margarita. Die verheiratete und etwas frustrierte Margarita liebt den Schriftsteller - ein Pärchen à la Grtechen und Faust. Er sitzt im Irrenhaus, und sie versucht ihn zu befreien. Dazu ist ihr jedes Mittel recht, auch die Verwandlung durch den Satan in eine Hexe.

Eine dritte Dimension dieses Buches ist der Pilatus-Roman. Der namenlose Autor, der "Meister", erzählt die Geschichte von Verurteilung und Tod des Jesus von Nazareth und dessen "Gegenspieler" Pilatus, römischer Prokurator. Zeitbezüge, in einem politisch-kritischen Unterton, werden durch Darstellung der Auseinandersetzung zwischen Jesus und Pilatus sehr deutlich.

Dass ein solcher Roman den Machthabern in der Sowjetunion nicht gefallen konnte, war zu erwarten. Nicht nur aus politischen Gründen. "Auf dem weiten Feld der Literatur war ich in der UdSSR der einzige literarische Wolf. Man gab mir den Rat, mir den Pelz zu färben. Ein törichter Rat.", so Bulgakow. Deshalb nicht verwunderlich: Erst 26 Jahre nach dem Tode von Michail Bulgakow, der den Roman in zwölf Jahren, zwischen 1928 und 1940, seinem Todesjahr, verfasst hatte, konnte das Buch unzensiert in der Sowjetunion erscheinen.

Wenn der Leser jetzt sagt. Haben wir doch alles in der wunderbaren Übersetzung durch Thomas Rechke schon gelesen – hat er Recht. Das war allerdings vor fast fünfzig Jahren. Und wir erleben es in der letzten Zeit sehr häufig, dass mit einer Neuübersetzung, sei die alte noch so gut, ein neues Verständnis des jeweiligen Werks entsteht.

Für "Meister und Margarita" heißt das, eine neue Lesart – jenseits der rein politischen. Alexander Nitzberg hat, wie er den Anmerkungen schreibt, die "poetische" Lesart möglich gemacht. Denn dieser Roman ist - so Nitzberg - "ein grandioses episches Sprachkunstwerk, ein Großstadtpoem in Geiste der Moderne". Unter dieser Prämisse hat Alexander Nitzberg übersetzt. Denn für ihn gilt, dass er sich dabei sowohl "dem Text des Werks" als auch dem "Geist des Werks" verpflichtet fühlte.

So ist seine Übersetzung direkter und damit zeitgemäßer. Ohne grundlegende Eingriffe in den Bulgakowschen Text hat Nitzberg das eine und andere geglättet, hat dem Text einen neuen, einen anderen sprachlichen Rhythmus gegeben. Und er hat - der Roman ist ja längst noch nicht ausgedeutet - neue Interpretationsansätze eröffnet.

Hervorzuheben sind ein vorzüglicher, eine umfassender Anmerkungsgapparat und sehr ausführliche "Notizen des Übersetzers" von Alexander Nitzberg. Beides trägt hervorragend zum Verständnis des Romans bei. Und so ist dieses Buch bei aller Bedeutungsschwere und Ernsthaftigkeit auch ein satanisches Lesevergnügen. Deshalb fordert Felicitas Hoppe in ihrem Nachwort auf: "Leser, mir nach." Eine Aufforderung, den faszinierenden Roman von Michail Bulgakow zu lesen, der man sich gern anschließt.
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am 4. April 2013
Welcher Teufel hat den Übersetzer da geritten, dachte ich bereits am Anfang des Buches "Meister und Margarita" von Michail Bulgakow. Ein anderer Rezensent hat bereits das "Beglatzte" und Gestelzte angesprochen. Warum bringt er nur soviel österreichisches Kolorit in die russische Geschichte rein?

Natürlich muß man das Buch zu Ende lesen, um eine finale Aussage treffen zu können. Und hier vor allem am Schluss die Anmerkungen und Notizen des Übersetzers, der unbestreitbar österreichische Wurzeln hat. Das Nachwort von Felicitas Hoppe erklärt auch noch einiges zur Motivation und zum Verständnis der Geschichte.

Es ist kein leichtes Buch. Ich denke, das kommt aus dem bisher Geschriebenen hervor. Viel erzählt in dieser Rezension, aber noch nichts über das Buch, über die Geschichte...

Das genau sehe ich als das Problem: Der Übersetzer Nitzberg steht im Mittelpunkt (bzw. stellt sich) und nicht Bulgakow und seine Geschichte.

Die Geschichte ist faszinierend: Zwei verschiedene Handlungsstränge, die so unterschiedlich sind; zeitlich und thematisch. Im Laufe der Geschichte glaubte ich immer wieder Hinweise zu finden, die diese Plots (scheinbar, zeitweise) zusammen brachten. Und am Ende dann die Synthese, im Sinne von Zusammenführung. Genial.

Ein wunderbares Buch von Bulgakow, vor allem wenn man die Umstände betrachtet, unter denen es zustande kam. Voll von Anspielungen und Andeutungen.

Der Übersetzer hatte eine riesige Aufgabe vor sich: Die ungewöhnliche Sprache, die Bulgakow einsetzte und die ungewöhnliche(n) Geschichte(n), die er erzählte. Nitzberg hat versucht, beides in ein neuzeitliches und teilweise lockeres Gewand zu kleiden. Es ist ihm meiner Meinung nach nicht richtig gelungen.

Ich werde mir die erste Übersetzung von Thomas Reschke besorgen und es dann nochmal versuchen.

Das Buch und die Story: 5 Punkte
Die Übersetzung: 1 Punkt
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am 7. Juni 2016
Unfassbar, was die Übersetzung dem Leser hier zumutet. Das hat kein Künstler verdient, erst recht nicht der (vermutlich) hoch talentierte Bulgakow.

Nach den ersten Seiten der Lektüre der Neuauflage und Übersetzung von Alexander Nitzberg fühlte ich mich wie der Zeuge von einem schrecklichen Verbrechen, gelähmt und traumatisiert, am Tatort zurückgelassen.

Irgendwann habe ich mich dann gefangen und dieses Werk mit anderen Übersetzungen verglichen. Es wurde bei denen auch nicht besser. Ich habe mir dennoch die Mühe gemacht, den ersten Absatz dieses Buches mit 2 weiteren (bei Amazon erhältlichen) Übersetzungen an dieser Stelle gegenüberzustellen. Der geneigte Leser kann dann selbst entscheiden, welche Verwurstung das für ihn geringere Übel ist oder ob er mit dem Original vorliebnimmt.

Bulgakow „Der Meister und Margarita“ in der Übersetzung von Alexander Nitzberg, Teil 1, Kapitel 1, 1. Absatz:

„Es war Frühling, eine heiße Dämmerstunde am Patriarchenteich. Zwei Herren zeigten sich. Der erste im grauen Sommeranzug. Ein brünetter Vierziger, klein, rundlich, beglatzt. Seinen recht ansehnlichen Hut hielt er zusammengedrückt in der Falte. Das glattrasierte Gesicht zierte eine überdimensionale dunkle Hornbrille. Der zweite ein junger Mann. Breite Schulter, struppiges rotes Haar unter einer weit nach hinten gezogenen Schirmmütze mit Schachmuster. Kariertes Hemd, zerknitterte weiße Hose, schwarze Latschen."

Bulgakow „Der Meister und Margarita“ in der Übersetzung von Thomas Reschke, Teil 1, Kapitel 1, 1. Absatz:

„An einem ungewöhnlich heißen Frühlingstag erschienen bei Sonnenuntergang auf dem Moskauer Patriarchenteichboulevard zwei Männer. Der eine, etwa vierzig Jahre alt, trug einen mausgrauen Sommeranzug, war von kleinem Wuchs, dunkelhaarig, wohlgenährt und hatte eine Glatze; seinen gediegenen Hut, der wie ein Brötchen aussah, hielt er in der Hand und das glattrasierte Gesicht war mit einer überdimensionalen schwarzen Hornbrille geschmückt. Der andere, ein breitschultriger junger Mann mit wirbligen rötlichem Haar, hatte die gewürfelte Sportmütze in den Nacken geschoben und trug ein kariertes Hemd, zerknautschte Hosen und schwarze Turnschuhe.“

Bulgakow „Der Meister und Margarita“ in der Übersetzung von Thomas Boerner, Teil 1, Kapitel 1, 1. Absatz:

Sonnenuntergangs in Moskau, erschienen an den Patriarchenteichen zwei Bürger. Der erste von ihnen war mit einem sommerlichen grauen Zweiteiler bekleidet, war von kleinem Wuchs, wohlgenährt, kahl, seinen dazu passenden Hut trug er wie eine Pirogge in der Hand und auf dem gut ausrasierten Gesicht befand sich eine schwarze Hornbrille von übernatürlichen Ausmaßen. Der zweite – ein breitschultriger, rotblonder, zotteliger junger Mann mit einem keck in den Hinterkopf geschobenen kariertem Käppi – trug ein Cowboyhemd, zerknautschte weiße Hosen und schwarze Turnschuhe“.

Glaubt man nicht, ist aber so.
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am 16. August 2012
Ich habe das Buch in der neuen Übersetzung gelesen, leider kein grosser Wurf, die Übersetzung von Thomas Reschke find ich flüssiger, sprachlich besser und auch aktueller. Es wird überhaupt nicht darauf eingegangen, welchen Wert diese neue Übersetzung haben soll, wenn es doch schon eine großartige gibt. Die neue Übersetzung wirkt für mich teilweise sehr holzschnittartig und aufgesetzt, alles andere als spektakulär. Klar wird bald nach dieser Meinungsäußerung eine Kritik folgen, die diese Neuübersetzung über den grünen Klee lobt, das Spiel kennt man ja. Ich habe auf einen großen Wurf gehofft und wurde leider enttäuscht, besonders die Sprache der Pilatuskapitel missfiel mir sehr, während ich bei Reschke in den Bann gezogen wurden, ließ mich die Sprache von Nitzberg merkwürdigerweise kalt, obwohl ich ihn wegen seiner Charms-Übersetzungen sehr schätze. Schade, nicht???- denn Meister und Margarita ist eines meiner Lieblingsbücher!
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