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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierende Moralkeule
Es sei vorneweg gesagt: Dieses Buch ist ein kleines erzählerisches Juwel. Es ist mitreissend. Es zeigt Menschen auf dem Höhepunkt Ihrer Gefühle, kraftstrotzend und selbstsicher - und es zeigt sie am Ende ihrer Kräfte, vor dem Mülleimer ihres Lebens. Dieses Buch unterhält, fasziniert und stösst ab und ritzt die Grenze zum widerlichen...
Veröffentlicht am 18. März 2012 von Tom Ripley

versus
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3.0 von 5 Sternen Vater - Mutter - Sohn
Meine Geschmack hat dieses Buch nicht getroffen - die Geschichte des Ödipus in die Jetztzeit zu versetzen.
Die Personen der Handlung sind oberflächlich geschildert, sehr bald weiß man, wohin das ganze hinauslaufen wird.
Ich würde das Buch kein zweites Mal hören.
Vor 4 Monaten von audiobookfan H. veröffentlicht


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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierende Moralkeule, 18. März 2012
Es sei vorneweg gesagt: Dieses Buch ist ein kleines erzählerisches Juwel. Es ist mitreissend. Es zeigt Menschen auf dem Höhepunkt Ihrer Gefühle, kraftstrotzend und selbstsicher - und es zeigt sie am Ende ihrer Kräfte, vor dem Mülleimer ihres Lebens. Dieses Buch unterhält, fasziniert und stösst ab und ritzt die Grenze zum widerlichen Schundroman so gekonnt und selbstverständlich, dass einem die Spucke wegbleibt.

Was zeichnet ein gutes Buch aus? Der Plot? Die Charakteren? Die Originalität der Geschichte? Die Sprache und der Stil? Ich denke, gute Bücher bieten oft von allem etwas. Manchmal ist es aber auch so, dass irgendwo Abstriche gemacht werden müssen und der Rest ist immer noch derart gut und überzeugend, dass man darüber hinwegsehen kann. Bei David Gutersons neuem Roman verhält es sich genau so. Die Idee und die Verstrickungen des Romans können es nicht sein, die einem in Begeisterung versetzen, denn dieser Plot ist, streng genommen, abgekupfert. Abgekupfert aus dem antiken Drama "König Ödipus" von Sophokles.

Zur Handlung: 1962 schwängert der 35jährige Versicherungsmathematiker Walter Cousins das vermeintlich 18jährige englische Au-pair-Mädchen Diane Borroughs, welches er während der Abwesenheit seiner Frau in einer pschiatrischen Kinik zur Betreuung der beiden kleinen Kinder angestellt hat. Diane hat bei der Einreise in die USA ihre Papiere gefälscht und ist in der Tat erst 15 Jahre alt - eine Tatsache, die dem willensschwachen Walter zum Zeitpunkt des sexuellen Abenteuers erst noch bekannt ist. Das Kind wird nach der Geburt von der Mutter ausgesetzt und schliesslich von einem kinderlosen Ehepaar aus der höheren Bildungsschicht adoptiert. Die Wege von Walter und Diane trennen sich unwideruflich und beide treten ihren Weg in ein Leben nach dem Sündenfall einsam an. Die schicksalshaften Verstrickungen nehmen ihren Lauf und da der "Ödipus" zugegebenermassen die Vorlage für diesen Roman ist, kommt es auf dem Höhepunkt dieser fast unerträglich vorgespurten Lebensläufe zum Sex zwischen Mutter und Sohn, die sich selbstverständlich nicht kennen und sich mit jeder ihrer Fasern naiv und unwissend in ein prickelndes Liebesabenteuer stürzen.

Guterson verpackt den alten Stoff in eine mitreissende Story aus der modernen Welt und es gelingt ihm, die Zwanghaftigkeit des menschlichen Handelns kompromisslos aufzuzeigen. Es wäre meiner Ansicht nach falsch, diesen Roman auf eine Kopie eines antiken Dramas zu reduzieren. Es ist wichtig, dass moderne Schriftsteller ur-menschliche und zeitlose Themen in unsere modernen Zusammenhänge stellen können, und genau dies ist Guterson hier gelungen. Schuld und Sühne, Leichtsinn, Wohllust, unkontrolliert Gefühle, den Glauben, das eigene Leben meistern zu können ohne ehrlich zu sich und zu anderen zu sein. Das alles mag im antiken Drama genau so drin sein. Dennoch können nur moderne Romane moderne Menschen für diese Themen sensibilisieren. Wir leben nun mal nicht mehr in der Antike, schauen uns keine Gladiatorenkämpfe mehr an und beten nicht mehr zu den Göttern. Wenn wir über Themen des menschlichen Daseins nachdenken wollen, die damals wichtig waren und heute noch wichtig sind, brauchen wir moderne Plots.

Jeder der ein solches Buch schreibt läuft Gefahr, unbewusst die grosse Moralkeule zu schwingen. Zu vieles läuft hier schief, zu viel Schlechtes ist offensichtlich dem triebhaften und egomanischen Verhalten der Menschen geschuldet als dass wir bereit wären, den handelnden Personen ihre Fehler zu verzeihen, ohne sie ein Stück weit zu verurteilen. Das tut auch Guterson, aber für mich ist diese Moralkeule nicht kleingeistig und engstirnig, sondern faszinierend und tröstlich, denn sie zeigt, dass wir es eigentich besser könnten, wenn wir uns nur eine Spur mehr für den Anderen interessieren würden.

Insgesamt: ein ausgezeichnetes Buch. Hier erschliesst sich einem eine Welt-Philosophie mit Menschen aus Fleisch und Blut, und dies auf keinen 400 Seiten. Hinzu kommt: man kann kaum aufhören zu Lesen, vielleicht aus purem Voyeurismus? Was soll's - lesen Sie selbst!
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dark Winged - Auf dunklen Schwingen, 2. Mai 2012
Von 
Helga Kurz "Helga Kurz" (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Die alten Götter sind tot, keiner glaubt mehr an sie. Was liegt also näher, als die Geschichte des Ödipus, will man sie wieder einmal neu erzählen, in die Welt der Hochtechnologie zu verlegen, in jenen neuen Kosmos, der in weite Bereiche unseres Lebens hineinragt und in dem das allgegenwärtige Internet mit seinen Suchmaschinen, besonders der einen, nicht mehr wegzudenken ist? Ed King ist einer der schwerreichen Jünger dieser Welt, die er, mathematisch hochbegabt und mit vitalem Durchsetzungsvermögen ausgestattet, mitgestaltet hat. Anklänge an real existierende oder verstorbene Computer- und Netzgiganten sind sicher kein Zufall.

Pythia heißt hier die weltweit größte Suchmaschine, die den 1963 geborenen Edward King zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht hat. Und wie die Priesterinnen des Orakels von Delphi, hat Pythia an sich ebenfalls keine Machtposition; sie hat zu gehorchen, Fakten in atemberaubender Geschwindigkeit abzugleichen und Ergebnisse in Windeseile zu präsentieren. Sie hat vielen zu dienen und an erster Stelle ihrem ungeduldigen Herrn. Interpretiert werden müssen diese Ergebnisse allerdings immer noch. Schlüsse zu ziehen und neue Befehle zu erteilen ist nach wie vor Sache von Menschen. Ed King ist darin ein Meister. Doch die gewonnenen Erkenntnisse müssen in manchen Fällen vor allem emotional bewältigt werden und können sich als verhängnisvoll erweisen. Auch King bleibt diese Konsequenz nicht erspart, als er ein letztes Mal eindrucksvoll beweist, wie direkt und rücksichtslos er ein Ziel anzusteuern versteht. Am Ende kann er seinem Schicksal nicht entkommen und Naturgesetze gelten auch für ihn, denn er ist ein Mensch und daher sterblich...

Seine Existenz verdankte King einem zwar schäbigen, aber nicht außergewöhnlichem Ehebruch eines unzufriedenen Mannes mittleren Alters. Walter Cousins, der so gar nichts vom Nimbus, der die Könige von Theben umgab, an sich hat, nutzte die krankheitsbedingte Abwesenheit seiner Ehefrau aus, um mit dem blutjungen, allerdings gar nicht naiven und auch sonst mit allen Wassern gewaschenen Au-pair-Mädchen ins Bett zu steigen. Diane hieß die bemerkenswerte junge und hübsche Dame mit wippendem Pferdeschwanz, die im Lauf ihres Lebens auch dem Teufel ihre Seele verschrieben hätte, um den Glanz der Jugend für immer konservieren zu können. Da aber der Teufel für einen Deal nicht zur Verfügung stand, mussten immer wieder üppig zu entlohnende Spezialisten der Schönheitschirurgie eingreifen. Diane Burroughs, die selten über nahezu keine, fast immer jedoch über erhebliche finanzielle Mittel verfügen konnte, ist die stärkste und spannendste Figur in dieser Geschichte. Ihr Leben, mehr im Auf als im Ab, war ein Kampf, den nur ein äußerst willensstarker Mensch gewinnen kann. Ihr dabei über die Schulter zu schauen, lohnt schon für sich genommen die Lektüre dieses Buchs. Das erste Opfer ihres Fortkommens war vermutlich der Vater ihres Kindes, ein Versicherungsmathematiker, der später alles Mögliche bereut hat, vor allem aber die Affäre mit Diane. Dass diese Geschichte ihm indirekt auch das Leben kostete, konnte er sich nicht ausrechnen, er kannte noch nicht einmal die Zusammenhänge. Aber Diane, skrupellos und dennoch nicht unsympathisch, war auch hart gegen sich selbst und gegen ihr Baby. Als sie den Neugeborenen auf der Schwelle eines bürgerlichen Hauses vermeintlich für immer zurückließ, wusste sie für lange Zeit noch nicht, dass ihr viele glückliche und sorglose Jahre mit ihrem Sohn vergönnt sein würden - erst als seine Geliebte und später als seine Ehefrau. Der Ort ihres ersten Zusammentreffens als Erwachsene war ein unheilvolles Bühnenbild für den Auftakt ihrer Tragödie griechischen Ausmaßes. Der allwissende Leser aber, der schon lange ahnt, wohin die Reise geht, weiß es, Diane erinnerte der Ort an lange vergangene Zeiten und Ed bedeutete er gar nichts. Der junge Mann war wieder einmal auf der Pirsch. An dieser Stelle des Buches wendet sich der Autor für kurze Zeit direkt an seine Leser, erst an die Männer, dann an die Frauen, was uns in Romanen nicht häufig passiert.

Edward King wurde von liebevollen und fördernden Adoptiveltern erzogen, die ihm das Geheimnis seiner Geburt allerdings Zeit ihres Lebens vorenthalten haben. Mit seinem ebenfalls mathematisch hochbegabten "Bruder", der einer der "Game-Boys" der ersten Stunde sein würde, wuchs er behütet auf. Schon früh avancierte er zum Frauenschwarm und fühlte sich besonders zu älteren Frauen hingezogen. Sehr gelungen und eindrucksvoll sind seine kurzen Gespräche als junger Mann mit der älteren Haushälterin seines Großvaters, die in einem vergangenen Leben Tänzerin war und die er vergeblich zu verführen versuchte. Zenaida, die Russlands Seele mit sich herumschleppt und die englische Sprache nur gebrochen spricht, bringt für den jungen Mann manches auf dem Punkt: "... kein Gott - alle betrügen" oder "Sie kennen nicht Weh! Ihr ganzes Leben kein Schmerz, weil Amerika." Für den ersten Satz gilt das in dieser Geschichte nahezu uneingeschränkt, der andere wird sich erst am Ende der Geschichte als Irrtum herausstellen.

David Guterson, der mit "Schnee, der auf Zedern fällt" großen Erfolg hatte und auch als Autor des zu Unrecht weniger beachteten Romans "Östlich der Berge" eher durch eine ruhige Erzählweise mit stillen Landschaftsbeschreibungen zu glänzen wusste, stellt mit seinem neuen Buch die rasante Entwicklung der Kommunikations- und Informationstechnologie der letzten Jahrzehnte bis zur Gegenwart in den Vordergrund. Wohin führt die Technologiegläubigkeit uns? Schützt sie die 'Könige' der Neuzeit vor uraltem menschlichem Leid und Untergang besser als die eingeschränkten Möglichkeiten der alten Zeiten? In immer wieder zwanghaft eingeschobenen Aufzählungen, die den Lesegenuss und -fluss etwas beeinträchtigen, packt er eine Fülle von Fakten und Einschätzungen. Er hat uns viel zu sagen. Und was sagen wir, die wir die handelnden Personen aus unterschiedlichen Erzählperspektiven ganz gut kennengelernt haben? Sind wir, die wir auch in Kings Welt leben, wenn auch in aller Regel nicht annähernd so erfolgreich, noch leicht zu beeindrucken oder gar zu schocken? Sind wir noch genügend aufnahmefähig angesichts einer Fülle von Informationen jeder Art, die jeden Tag über uns hereinprasseln? Wie werten wir sie? Was halten wir von uns fern, was lassen wir an uns heran, was müssen wir an uns heranlassen? Es hat einmal eine Zeit gegeben, und die ist noch gar nicht so lange her, da hätte der Inhalt dieses Romans wegen seiner Tabubrüche einen Skandal entfacht. Ich wage die Prognose, dass das durchaus unterhaltsame und mitunter boshaft amüsante Buch, in dem nebenbei der Amerikanische Traum einmal mehr abgewatscht wird, gar kein großes Aufsehen erregen wird. Es wird vermutlich weder auf deutschen Bestsellerlisten erscheinen noch eine Hauptrolle in der Fülle der Neuerscheinungen des Jahres 2012 spielen. Lesenswert ist es aber durchaus.

(Tipp: Den Inhalt des Prologs sollte man bis zum Ende im Hinterkopf behalten oder vor dem Zuklappen des Buches noch einmal nachlesen.)

Helga Kurz
2. Mai 2012
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartiger Gesellschaftsroman, 17. Juli 2012
"1962 beging Walter Cousins den größten Fehler seines Lebens: Er schlief einen Monat lang mit dem Au-pair."

So fängt er an, der neue Roman von David Guterson und man ahnt, dass hierbei nichts Gutes herauskommen kann.
Diane wird schwanger!
Dabei darf man ihr unterstellen, daß sie trotz ihrer 15 Jahre sehr kompetent vorgegangen ist um schließlich in Walters Schlafzimmer zu landen. Und Walter? Nun, seine Frau liegt im Krankenhaus und seine moralischen Bedenken fegt er ganz schnell zur Seite.
Als Walters Frau Lydia aus der Klinik entlassen wird (das war der Grund für Dianes Einstellung im Hause Cousins) sind sich die Eheleute einig, daß das Au-pair-Mädchen nicht länger gebraucht wird.

Kurze Zeit später erhält Walter einen Anruf in dem Diane ihm von der Schwangerschaft erzählt.
Eine Abtreibung kommt für sie nicht in Frage, allerdings hat sie nichts dagegen einzuwenden das Kind direkt nach der Geburt zur Adoption freizugeben.

Aber dazu wird es nicht kommen....

und mehr werde ich auch nicht verraten, die Geschichte entwickelt ab hier eine ganz eigene Dynamik!

Fazit:
Einem Schriftsteller der sein Handwerk vielleicht nicht so gut versteht, könnte man Unglaubwürdigkeit oder auch eine haarsträubende Konstruktion vorwerfen.
Sprachlich auf hohem Niveau und mit gut dosierter Ironie hat es David Guterson geschafft, daß dieses Buch für mich zum absoluten page-turner wurde.
In der heikelsten Phase des Buches läßt er den Leser nicht alleine, sondern spricht ihn direkt an und wechselt somit die Perspektive. Das fand ich ganz großartig und nebenbei bemerkt war Diane für mich die Hauptperson dieses faszinierenden Romans.
Eines meiner highlights in diesem Jahr.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbar :-), 29. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ed King ist eine großartige, moderne Interpretation der Ödipus Thematik. Normalerweise gelingen Modernisierungen nicht besonders gut aber Ed King ist unglaublich.
Ich fand den Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, trotzdem unterhaltsam...der Übergang zur ernsteren Thematik ist so sanft, dass ich gar nicht wusste wie mir geschah als aus einer profanen, gewöhnlichen Sex-Geschichte eine profane, gewöhnliche Katastrophe und schließlich eine grauenvolle, ergreifende Tragödie wurde...
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ödipus in Portland, 2. Juli 2012
Von 
Wolfgang Stroebl (Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Ed King" ist ein Gesellschaftsroman, der die Veränderungen der US-amerikanischen Gesellschaft seit der 1960er-Jahren beleuchtet. Dass der Plot selbst eine gelungene Paraphrase auf den Ödipus-Mythos ist, soll in diesem Umfeld nicht überbewertet werden, ist aber der Motor für eine originelle Handlung. Selbstverständlich ist da vieles unglaubwürdig, aber das ist doch schon im antiken Stoff so: Sohn kennt seine Eltern nicht, tötet den Vater und schläft mit der Mutter. In den die Handlung vorantreibenden Passagen, outet sich David Guterson als furioser Erzähler, begabt mit genauer Beobachtungsgabe und sarkastischem Witz.
Triebfeder für die Handlung ist der Sexualtrieb der Protagonisten, deshalb ist Sex im Roman oft ein Thema. Originell: in der zentralen Szene des Inzests verlässt Guterson seine Position des auktorialen Erzählers und spricht direkt die Leser an.

Ein wenig mühsamer wird die Lektüre, wenn die Handlung still steht und Guterson ein Zeitbild der jeweiligen Ära entwirft. Dabei hat er offensichtlich genau recherchiert und wirft mit Namen und Symbolen der jeweils aktuellen Populärkultur um sich. Da werden Kleidungen und Accesoires ebenso eingehend beschrieben wie Lokaleinrichtungen oder Videogames. Die Oberflächlichkeit der beschriebenen Gesellschaft findet sich plötzlich im Text selbst wieder.

Fazit: Ein über weite Strecken sehr unterhaltsamer, blendend geschriebener Roman, der für mich allerdings auch hätte hundert Seiten weniger haben dürfen.
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannender Krimi und großartiger Gesellschaftsroman, 16. April 2012
Von 
David Gutersons Roman "Ed King" beginnt 1962. Der Versicherungsmathematiker Walter führt ein scheinbar ganz normales Leben. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Einen Klinikaufenthalt seiner Frau nutzt Walter, um aus seinem Eheleben auszubrechen und das minderjährige Au-pair Diane zu schwängern. Diese erpresst ihn für den Rest seines Lebens mit dem Kind, das sie sofort nach der Geburt ausgesetzt hat. Ebenso geschickt und gewissenlos heiratet sie später einen reichen Mann, wird nach der Scheidung Drogendealerin und angelt sich schließlich einen 15 Jahre jüngeren Millionär. Die Vergangenheit holt sie ein. Ihr ebenso skrupelloser Ehemann stallt sich nach Jahrzehnten als ihr leiblicher Sohn heraus.

David Guterson schildert an Hand der drei Hauptfiguren den Amerikanischen Traum von Erfolg und Glück und das furiose Platzen des Traumes.

Der Roman ist gewohnt brilliant geschrieben. Die Lektüre packt einen und doch fehlt mir dieses letzte Quäntchen, das seinen Weltbestseller "Schnee, der auf Zedern fällt" ausgemacht hat.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vater - Mutter - Sohn, 22. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ed King CD (HB Belletristik) (Audio CD)
Meine Geschmack hat dieses Buch nicht getroffen - die Geschichte des Ödipus in die Jetztzeit zu versetzen.
Die Personen der Handlung sind oberflächlich geschildert, sehr bald weiß man, wohin das ganze hinauslaufen wird.
Ich würde das Buch kein zweites Mal hören.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Langfädig trivial, 4. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wer 'Schnee, der aud Zedern fällt' als Massstab für Gutersohns Schaffen im Kopf hat, wird durch 'Ed King' arg enttäuscht.
Phantastisch-triviale Geschichte, langfädig erzählt.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ödipus einmal ganz anders, 7. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein in einer ganz ausgezeichneten Sprache (wie man es halt von Guterson kennt) geschriebener Roman, der auf eine - kann mal wohl sagen - recht humorvolle Weise die Geschichte des Ödipus in die Gegenwart verlegt. Unbedingt lesenswert !
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14 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nazikeule, 4. Juli 2012
Mir hat dieses Buch ausgezeichnet gefallen, bis ich den Dialog auf Seite 178 las. Dem Adoptivvater von Ed wird ein Dackel zum Geburtstag geschenkt "Er ist fuchtbar häßlich...Außerdem sind Dackel deutsch (kursiv geschrieben), wußtest du das nicht?"..."Wir nennen ihn Adolf". Ich bin es leid, mich von selbstgerechten Amerikanern, Paul Auster macht das ebenfalls sehr gern, immer und immer wieder auf die Nazizeit reduzieren zu lassen. Vielleicht beschäftigen sich die amerikanischen Schriftstellerstars zur Abwechslung mal mit ihrer eigenen, ebenfalls äußerst unrühmlichen Geschichte. Der Dackel taucht übrigens nie wieder auf, er muss lediglich für einige Zeilen Deutschenbashing herhalten.
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