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118 von 122 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wohin das Leben führt!
Wer weiß schon, was in einem Menschen vorgeht, der langsam sein Gedächtnis verliert? Arno Geiger hat es erfahren und in eine literarische Form gebracht, die anrührend, klar und feinfühlig an die Geschichte seines Vaters heranführt.

Zuerst noch unbemerkt, tastend und irritierend bemerkt der Sohn Veränderungen im Verhalten des...
Veröffentlicht am 1. Februar 2011 von cl.borries

versus
37 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht vollständig
Demenz zeigt sich bei jedem Betroffenen anders, und es ist schön zu lesen, dass es Menschen gibt, die scheinbar so gut zurecht kommen wie Arno Geigers Vater.
Mein Vater war selber dement und beim Lesen des Buches empfand ich dir Krankheit als zu einseitig beschrieben. Sicherlich, es soll ein Mutmach-Buch sein, eines, das zeigt, dass auch Demente noch...
Veröffentlicht am 9. Oktober 2011 von MarieLeJars


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118 von 122 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wohin das Leben führt!, 1. Februar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wer weiß schon, was in einem Menschen vorgeht, der langsam sein Gedächtnis verliert? Arno Geiger hat es erfahren und in eine literarische Form gebracht, die anrührend, klar und feinfühlig an die Geschichte seines Vaters heranführt.

Zuerst noch unbemerkt, tastend und irritierend bemerkt der Sohn Veränderungen im Verhalten des Vaters, die er nicht deuten kann. Er verbessert Sätze, wenn sie wirr erscheinen und versucht dem Vater auf die Sprünge zu helfen bei Fehleinschätzungen und Erinnerungslücken. Doch eines Tages dämmert dem Sohn, dass der Vater die Realität nicht mit den gleichen Augen sieht wie er selber. Er muss sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass sich der Geist des Vaters verändert, und er sein Leben aus dem Griff zu verlieren droht. Mit wachen Sinnen und einfühlsamem Bemühen lernt der Sohn, den Vater in seiner sich stetig verändernden Andersartigkeit zu akzeptieren. Die oft wiederholte Phrase"'ich will nach Hause"' bringt Arno Geiger zu der Erkenntnis, dass '"Zu Hause sein"' ein zutiefst menschliches Bedürfnis nach Geborgenheit und Vertrautheit ist, das sich nicht zuletzt in der Religion mit dem Begriff des Himmelreichs bezeichnen lässt.

Feinsinnig und nachdenklich folgt Arno Geiger den Veränderungen im Verhalten seines Vaters und lässt noch einmal dessen Herkunft Revue passieren. Das karge Dasein eines Buben aus einer kinderreichen aber armen Familie lassen nicht viele Hoffnungen und Illusionen auf kommendes Glück zu.
Als der siebenunddreißigjährige Vater eine viel jüngere Lehrerin heiratete, waren beider Erwartungen an die Ehe und das Familienglück so diametral gegensätzlich, dass das Ende dieser Ehe geradezu vorprogrammiert schien. Sie überdauert nur die Zeit des Heranwachsens der Kinder.
Gut erinnert sich Arno Geiger an die eigene Kinderzeit, die Großeltern und die Atmosphäre im Haus und an den fleißigen und arbeitsamen Vater in seiner Rolle als kleiner Beamter in dem Ort Wolfurt in Österreich. Die Natur und erhabene Landschaft mit Blick auf den fernen Bodensee sind wiederholt Anknüpfungspunkte für Arno Geigers eigene Heimatbetrachtungen. Wohltuend steht er in seinen Erinnerungen an den Vater hinter diesem zurück und spiegelt nur seine Gefühle im Wandel zu dem an Demenz erkrankten Vater. Ein anrührendes Stück Literatur zeigt eine Vater-Sohn - Beziehung, die den Sohn zurück zu seinen Wurzeln führt und zu einem Vater, dem er sich lange entfremdet sah. Versöhnlich und liebevoll begleitet er mit wachen Sinnen dessen langsames Verlöschen aus der Gegenwart und aus den Bezügen der Vergangenheit. Wie tröstlich ist das Wiedererkennen der Charakterstrukturen des Vaters auch in seinen trüben Stunden!

Arno Geiger zeigt ein hervorragendes Talent, sich den Gefühlen zu stellen und sie in Worte zu fassen, die ihn zurück zum Vater seiner Kindheit führen und zu dem aus der Welt verschwindenden alten Menschen, der ihm wieder so nahe gekommen ist.
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79 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lebenshilfe, 21. April 2011
Auch mich hat dieses Buch tief berührt, habe ich doch genau das, was der Autor hier so ungeschminkt und zugleich einfühlsam schildert, mit meiner Mutter erlebt. Nur daß ich selbst völlig hilflos war und mit der Situation nicht umgehen konnte.

Geblieben sind Schuldgefühle und die Angst, eines Tages das gleiche Schicksal zu erleiden.
Obwohl seither viele Jahre vergangen sind, ist dieses Buch für mich eine wunderbare Hilfe, das Leiden meiner Mutter im Nachhinein mit anderen Augen zu sehen und mein "Versagen" in diesen auch für mich schlimmen Jahren nun aufzuarbeiten.

Dafür bin ich dem Autor zutiefst dankbar und ich kann hier nur jedem, der im Familien-und Freundeskreis mit dieser oder ähnlich verlaufenden Alterserkrankungen konfrontiert ist empfehlen, dieses Buch zu lesen.
Besser noch, JEDER sollte es lesen, denn es regt zum Nachdenken über den eigenen Lebensweg an und über unsere Beziehungen untereinander, besonders zu den Menschen, die uns nahestehen. Und wer weiß schon, wie das eigene Leben im Alter aussieht...

Ein zutiefst humanistisches Buch, eine echte Lebenshilfe für jeden, der sich auf diese authentische Schicksalsgeschichte einläßt.
Ich schreibe nur selten etwas hier bei Amazon,
aber dieses Buch gehört zu den wirklichen Raritäten im Literaturmarkt, die es wert sind, sie möglichst vielen Menschen nahe zu bringen. Das zeigen auch die wertvollen Beiträge der anderen Rezensenten, die hier nach dem Lesen dieses Buches ihr Herz geöffnet haben und mich inspirierten, es ebenfalls zu kaufen. Deshalb auch mein Dank an Sie alle für ihre wunderschönen Beiträge auf dieser Seite.

Allen Lesern und Rezensenten die besten Wünsche H.Friedrich
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217 von 232 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Roman ist eine bewegende Geschichte einer Liebe zwischen Vater und Sohn, die erst am Ende eines Lebens zum Tragen kommt, 1. Februar 2011
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Eine Krankheit hält schleichend Einzug in das öffentliche Bewusstsein, nachdem sie schon seit vielen Jahren immer mehr Menschen betroffen hat. Die Alzheimer-Krankheit und andere Formen der Demenz geraten immer mehr in den Blickpunkt auch der Gesundheitspolitik. Neben der Situation der von der Krankheit betroffenen Menschen sind die Rolle der meist pflegenden Angehörigen und die professionellen Anforderungen an die pflegenden Berufe Gegenstand einer intensiven gesellschaftlichen Debatte.

Auch in der Literatur hat dieses Thema Einzug gehalten. Man denke an Tilman Jens` breit diskutiertes, 2009 erschienenes Buch "Demenz. Abschied von meinem Vater", in dem er die Krankheit und seine Beziehung zu Walter Jens, den begnadeten Autor und Rhetoriker beschrieb. Die Debatte war so kontrovers, dass Tilman Jens sich genötigt sah, im Mai 2010 mit einem weiteren Buch zu antworten: "Vatermord. Wider einen Generalverdacht.'"

Ganz anders kam im letzten Jahr das Romandebüt der 1975 geborenen englischen Schriftstellerin Samantha Harvey daher, das unter dem Titel "Tage der Verwilderung" bei DVA erschien, und den verzweifelten
Kampf eines Mannes gegen seinen Gedächtnisverlust und das erbitterte Ringen um die Wiedergewinnung seiner Erinnerung beschrieb.

Das neue Buch des preisgekrönten österreichischen Schriftstellers Arno Geiger ("Es geht uns gut", "Alles über Sally") geht bei der Annäherung an Alzheimer und Demenz einen anderen, sehr persönlichen und intimen Weg. Er beschreibt seinen an Alzheimer erkrankten Vater als den "alten König im Exil" und sein Verhältnis zu ihm, das durch die Krankheit und die Pflege des Vaters eine völlig neue, all die Jahrzehnte vorher nie gekannte und erlebte menschliche Qualität erhält.

Es kommt allerdings nur zu dieser Entwicklung, weil Arno Geiger seinen Vater über Jahre intensiv begleitet, unterstützt von Menschen, die sich noch als eine Familie im alten Sinne verstehen und sich das Engagement um den schwächer und dementer werdenden Vater teilen.
Insofern muss Arno Geiger im Gegensatz etwa zu Peter Härtling ("Nachgetragene Liebe", 1980) nicht lange nach dem Tod des Vaters dessen Leben rekapitulieren und so würdigen und damit seine eigene Existenz und Identität quasi neu begründen, sondern er kann es zu Lebzeiten tun.

In vielen Gesprächen mit ihm versucht er, die oft eigenwilligen und fremden Sätze seines Vaters zu verstehen, lernt auch darüber zu schmunzeln und schließt eine ganz neue Freundschaft mit ihm. Doch das gelingt ihm erst nach längerer Zeit: "Ich stellte mich weiterhin ungeschickt an, weil ich nicht aufhören wollte zu glauben, dass ich die Verbindung des Vaters zur Realität durch Hartnäckigkeit wach halten könne."

Erst als er lernt, diese Haltung aufzugeben und die Realität von Alzheimer zu akzeptieren, gelangt er zu einem völlig neuen und teilweise beglückenden Verständnis seiner Vaters und damit auch seines eigenen Lebens. "Und irgendwann schlugen wir einen Weg ein, der von der nüchternen Wirklichkeit wegführte und über Umwege zur Wirklichkeit zurückkehrte."

"Der alte König in seinem Exil" ist eine bewegende Geschichte einer Liebe zwischen Vater und Sohn, die erst am Ende eines Lebens wirklich zum Tragen kommt. Aus dieser Liebe heraus beschreibt Arno Geiger das Leben eines Mannes, der nach jugendlichen ernüchternden Erfahrungen im Krieg und in der Gefangenschaft nie wieder weggehen wollte aus seinem Dorf.

Es ist ein Buch, das trotz seines Themas an viele Stellen leicht, ja heiter, manchmal komisch daher kommt, weil sein Autor davon überzeugt, ist, das auch das Leben eines Alzheimerkranken ein Leben ist, das es "zutiefst wert ist, gelebt zu werden, und das sich vielleicht nur wenig unterscheidet von dem Leben, was wir alle tagtäglich führen."

Wegen seiner hohen literarischen Qualität und seiner tiefen Menschlichkeit hat dieses neue Buch von Arno Geiger zumindest die Nominierung für den Deutschen Buchpreis 2011 verdient.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre für alle Angehörigen von Demenzkranken, 12. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Hätte ich dieses Buch nur früher gehabt! Es hätte mir sehr geholfen, mich von Anfang an in den zu betreuenden Angehörigen besser hineinzuversetzen. Bis man es begriffen hat, diese andere Wirklichkeit, in der sich der Kranke befindet, als für ihn wahr anzuerkennen und entsprechend zu reagieren, baut sich auf beiden Seiten sehr viel Widerstand auf, der unnötig Kräfte verzehrt.
Beim Lesen dieses Buches im Nachhinein gab es für mich eine Menge Parallelen und Aha-Erlebnisse.
Arno Geiger hat sicher nicht alle Facetten beschrieben, sondern sich gerade gegen Ende auf "schwierige Zeiten" beschränkt, ohne näher darauf einzugehen. Trotzdem ist dieses Buch seine 5 Sterne wert, weil es eindrucksvoll Situationen schildert, die die meisten Angehörigen von Demenzkranken so oder in ähnlicher Weise erleben - und vor allem die angemessene, respektvolle Reaktion gegenüber dem Kranken darauf nahebringt. Eine wertvolle Hilfe, deshalb: Lesen!
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37 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht vollständig, 9. Oktober 2011
Demenz zeigt sich bei jedem Betroffenen anders, und es ist schön zu lesen, dass es Menschen gibt, die scheinbar so gut zurecht kommen wie Arno Geigers Vater.
Mein Vater war selber dement und beim Lesen des Buches empfand ich dir Krankheit als zu einseitig beschrieben. Sicherlich, es soll ein Mutmach-Buch sein, eines, das zeigt, dass auch Demente noch Lebensfreude haben und nicht nur ihrer Familie und Umgebung zur Last fallen. Aber ich hätte mir gewünscht, dass mehr auf die dunkle Seite der Krankheit eingegangen wird.
Menschen, die keinen Kontakt zu Demenzkranken haben, erhalten einen viel zu unvollständigen Einblick in den Verlauf der Krankheit. Das unerträgliche Fortschreiten des Vergessens, das einem mehr und mehr den geliebten Menschen entreisst, ihn aber an guten Tagen noch einmal kurz herzeigt, damit man daran erinnert wird, wen und was man verloren hat. Das Schwinden von Charakter und Persönlichkeit, der lange Weg bis zu dem Punkt, an dem der Kranke so schwer dement ist, dass er seine eigene Veränderung nicht mehr wahrnimmt und sich tagtäglich darüber grämt und trauert. Das sind doch die wirklich schlimmen Zeiten. Den Zustand, den Arno Geigers Vater im Buch erreicht hat, ist wieder erträglicher.
Gegen Ende des Buches kamen mir viele Absätze nicht nachvollziehbar aneinander gereiht und nicht miteinander verbunden. Fast schien es mir so, als wolle Geiger hier noch ein paar weise Gedanken einfließen lassen, wisse aber nicht wie und wo.
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit dem magischen Potential von Wörtern geschrieben..., 10. Februar 2011
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Arno Geigers neues Buch ist eine echte Überraschung. Die Berner Buchhandlungen sind ausverkauft und man fragt sich, ist es der Autor, die Geschichte, das Interesse an Demenz, oder ganz einfach der aktuelle Zeitungsartikel des Bundes, der diese Neuerscheinung mit einer dermassen ausgeprägten Sogwirkung auf den Buchmarkt wirft. Martin Ebel widmet auf einer ganzen Zeitungsseite (!) vom 8.Februar der Berner Tageszeitung "Der Bund" differenziert und gekonnt, seine Buchrezension. Dieses Buch einen "Roman" zu bezeichnen, finde ich dann doch etwas daneben gegriffen und auch nicht zutreffend. (Rez. von W.St......)

"Papa, weisst du überhaupt, wer ich bin?" Die Frage machte ihn verlegen, er wandte sich zu Katharina und sagte scherzend mit einer Handbewegung in meine Richtung: "Als ob das interessant wäre." (..)Ich reiche ihm seine Socken, er betrachtet die Socken ein Weilchen mit hochgezogenen Augenbraunen und sagt dann: "Wo ist der dritte?" (..) "Bist du zufrieden August? Ich bin immer zufrieden. Ich war schon als Baby zufrieden." (..) Liliane erzählte von ihrer Mutter, die Alzheimer hatte. Hin und wieder habe die Mutter sie angeschaut und gefragt:"Bin ich schon gestorben?" Einmal habe die Mutter Liliane gebeten:"Bitte, wenn ich gestorben bin, sag es mir." Liliane habe ihr versichert: "Natürlich, Mama, wenn du gestorben bist, werde ich es dir sagen."

Arno Geigers Buch ist intim, persönlich, konfrontierend, einfühlsam, reflektierend, behutsam, nachspürend, eine Annäherung an den alten Vater, der von Demenz betroffen ist, es ist eine Biographie, eine Vatersuche, eine Versöhnung mit einer Krankheit, die einen verzweifeln lassen kann, vehement unergründlich bleiben wird. Es ist eine Würdigung eines Lebens, das den Boden unter den Füssen zu verlieren scheint, ein Buch über das Leben, wenn man so will, auch unter erschwerten Lebensumständen die eine solche Krankheit verursacht, noch etwas Positives zu abzugewinnen. Arno Geiger nimmt dem Gespenstischen, dem Unheimlichen seine Kraft, "Die Krankheit zog ihr Netz über ihn, bedächtig, unauffäliig. Der Vater war schon tief darin verstrickt , ohne dass wir es merkten" streut Sympathie, Licht, liebevolle Annahme auf ein Leben, dass auch dann seine Würde nicht zu verlieren scheint, auch wenn er sein Vater, im Gesicht den Stempel des Irrsinns trägt. Er zaubert trotz hautnaher Abgründe eine Liebeserklärung vor den Augen des Lesers her, die sich gewaschen hat. Unglaublich, dass man bei so einem Thema, das eine gewisse Beklommenheit verstrahlt, selbst dann es der Autor schafft, eine Literatur schreibt, die mit wie mit einem magischen Potential versehen zu sein scheint. Wörter, Sätze, Lebensweisheiten, die einen berühren, ja man möchte fast sagen, ein wenig glücklich machen. Als ob er Sterne wie mit einer Wunderkerze darüber sprühen würde..

Wir erfahren nicht nur etwas über das Leben eines August Geigers mit JG 1926 in Vorarlberg, der in Kriegsgefangenschaft war, er dort vier Wochen bettlägerig unter Toten und Sterbenden verbringt, vor lauter Hunger einen verdorbenen Knochen abnagt. Für den Pensionär scheint durch das Heimweh, irgendwann die Heimat zum kostbarsten Gut geworden zu sein, in seinem inneren Lebenszentrum dreht sich alles um Zuhause, Sicherheit, Geborgenheit. Seine quälende Überzeugung "nicht zuhause zu sein" die unaufhörlich in ihm wirkt und er ständig danach fragt, nach Hause zu gehen, nach Hause zu kommen, "obwohl er es bereits ist." "Zuhause sieht ganz ähnlich aus wie hier-nur ein wenig anders." Ein Leben das einen beruflichen wie familiären Verlauf erzählt, seine Frau verlässt ihn nach 30 Jahren Ehe, ein Mann, für den die eigenen Kinder das grösste Glück bedeutet. Wir erfahren auch Persönliches über Arno Geiger selbst, über seinen Wunsch zu schreiben, seine ersten Erfolge. Ganz natürlich trägt dieses Buch autobiographische Züge.
"Erst Jahre später begriff ich, dass der Wunsch, nach Hause zu gehen, etwas zutiefst Menschliches enthält."

Geiger, der als Erster 2005 den deutschen Buchpreis erhielt, ist unglaublich offen, authentisch, aufrichtig mit sich, aber auch dem Leser. Ein Buchautor, der aus innerer Solidarität dem Leben des eigenen Vaters nachspürt, warum der geworden ist, der er heute ist. "..dass der Vater die Toten ein bisschen lebendig machte und sich selbst dadurch den Tod ein bisschen näher brachte, gelang es mir, tiefer ein sein Leiden einzudringen." Es ist weder Blossstellung noch wirklich ein Buch nur über Demenz, es ist viel mehr. Die wenigen Worte die sein Vater spricht, gehen beim Leser direkt ins Herz, ins Zentrum von Wahrheit.

Geiger lässt dadurch das Unerwartete, das Irre, eben das nicht einschätzbare Demente direkt auf den Leser zugehen. Eine Gratwanderung zwischen Urkomik und Schrecken im gleichen Atemzug. Man schmunzelt und ist gleichzeitig von der Seltsamkeit betroffen. Eine Literatur die sich dem Wesentlichen, dem wirklich Wichtigen verschrieben hat. Von einer liebevollen, anteilnehmenden, vielleicht auch dankbaren Haltung durchdrungen, wo anmutige Kindheitserinnerungen genauso ihren Platz bekommen, wie der Möglichkeit mit etwas Frieden zu schliessen, an dem wir genauso verzweifeln könnten. Man geht wirklich durch Leseeindrücke, die bizarr, komisch, lustig, surreal, unergründlich, nicht fassbar, beunruhigend aber auch auf eine Art erschreckend sind.

Eine Jahrhundertkrankheit, die alle Betroffenen zu verändern scheint. Ein klasse gemachte literarische Verarbeitung einer Alterserscheinung, die uns längst an unsere Grenzen bringt, einer Beziehungssuche zum eigenen Vater, die trotz alledem eine zuversichtliche Weisheit und auch Hoffnung ausstrahlt, die dieses Buch zu etwas ganz Besonderem macht. Wo das verloren Geglaubte in eine neue Form und Ausrichtung gebracht wird. "Da mein Vater nicht mehr über die Brücke gelangen kann, muss ich hinüber zu ihm."

Arno Geiger hat für dieses Buch immerhin sechs Jahre gespart. Er schreibt: "Es hat lange gedauert, etwas herauszufinden über die grundlegenden Dinge, die uns getrieben haben, die Menschen zu werden, die wir sind."

Ich kann Arno Geiger zu seinem neuen Buch nur beglückwünschen, bei dem man zwischen den Zeilen schon fast etwas magisch Beglückendes zu spüren meint, und es mich persönlich nicht wundern würde, wenn es mit Preisen ausgezeichnet werden würde, verdient hätte es dieses Buch, darin bin ich mir ganz sicher.

Empfehlung.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Die Krankheit des Jahrhunderts", 15. Juli 2012
Rudi Assauer, einst Fußballprofi und Manager von Schalke 04, verschaffte der Alzheimer-Krankheit unlängst große Öffentlichkeit. Der vielfach ausgezeichnete österreichische Schriftsteller Arno Geiger hat schon ein Jahr zuvor mit "Der alte König in seinem Exil" ein Buch vorgelegt, in dem er einen sehr persönlichen Blick auf den Umgang mit Demenz beschreibt. Der Roman ist weniger Ratgeber als Erfahrungsbericht und macht begreiflich, dass der Umgang mit dem krankheitsbedingten Vergessen ein langer Prozess ist ' für alle Beteiligten.
Geiger erzählt die Geschichte seines Vaters August, dessen Biografie wie die einer ganzen Generation vom Krieg geprägt wurde. Seine Erinnerungen, aufgeschrieben im Alter von 24 Jahren, entdeckt Arno in einem Wandregal im Vorratskeller des elterlichen Hauses. Erst mit dessen Lektüre erfährt er von den Ängsten und Wünschen seines Vaters, dem Überleben im Lazarett in Bratislava, wo um ihn herum Gevatter Tod Überstunden schob, August aber überleben ließ. Derartige Traumata vergisst man nicht. Keine Form der Demenz radiert sie aus dem Lebenslauf.
Nachdem er viele seiner Weggefährten begraben musste, kehrte August nach Hause ins vorarlbergische Wolfurt zurück, wo er als Sachbearbeiter der Landesregierung und als Gemeindeschreiber seinen Platz in der Nachkriegsgesellschaft fand. Hier wollte er nicht wieder weg, das Zuhausebleiben zog er neuen Abenteuern vor. Diese Weltfremdheit erschwerte das familiäre Zusammenleben immer mehr. Augusts Frau verließ ihn nach 30 Ehejahren, seine Kinder zogen nach und nach aus.
Dass seine zunehmende Schrulligkeit nicht einzig die Summe aus Charakter und Biografie ist, sondern Anzeichen für eine Krankheit sein kann, bemerkte die erst Familie spät. 'Wir schimpften mit der Person und meinten die Krankheit.', beschreibt Arno Geiger das anfängliche Unverständnis für den Vater. Auch, weil Eltern immer stark und standhaft erwartet werden, deuteten sie die immer deutlicher hervortretenden Schwächen des Vaters falsch. 'Kaum ein Mann schafft es, dem Bild gerecht zu werden, das Kinder sich vom Vater machen.' Doch diese Idee sei zum Scheitern verurteilt.
Das Wissen um die Krankheit sorgte trotz ständig neuer Herausforderungen für Erleichterung, lieferte es doch immerhin eine Erklärung für das Chaos. Die Distanz zum Vater verringerte sich, bedeutete die Vergesslichkeit schließlich auch das Vergessen von Konflikten.
Nach und nach erkannten Augusts Angehörige die Wegrichtung, die eingeschlagen werden musste. Weil Demente nicht mehr in der Lage seien, die Brücke in die Welt der Gesunden zu überqueren, mussten sie eben hin zum Vater gehen.
Die Geistesblitze von August wurden immer seltener, seine Verwirrtheit dafür umso abstruser. Er erkannte seine Kleidung nicht mehr, verstaute den Rasierapparat in der Mikrowelle, vergas erst und verlernte später das Essen und Trinken. August verkannte die Realität, bot dem Nachrichtensprecher im Fernsehen Plätzchen an und ärgerte sich, dass dieser ihn ignorierte. Wie schwierig es ist, Respekt zu bewahren, lässt sich erahnen.
Arno Geiger rät, im Umgang mit an Demenz Erkrankten neue Maßstäbe anzulegen. Trotz aller Schwierigkeiten habe die Krankheit nicht alle Verbindungen gekappt, bot ihm sogar die Chance, den Vater besser kennenzulernen und ihm nahe zu sein.
Geiger bezeichnet Alzheimer als die Krankheit des Jahrhunderts, denn sie sei auch ein Sinnbild für den Zustand unserer Gesellschaft: 'Der Überblick ist verlorengegangen, das verfügbare Wissen nicht mehr überschaubar, pausenlose Neuerungen erzeugen Orientierungsprobleme und Zukunftsängste.'
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach nur gut, 26. Mai 2011
Ich bin ergriffen und kann nicht anders als mich in Begeisterung zu ergehen und mich dabei vielfach Gesagtem anzuschliessen.
Wer in seiner persönlichen Biografie mit Vergleichbarem konfrontiert ist/war, wird dieses Buch atemlos lesen. Damit meine ich nicht nur das Thema Demenz im nahen familiären Umfeld, sondern auch kulturel und zeitlich ähnlich einzuordnende Hintergründe (Eltern, die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts im deutschsprachigen Kulturraum zur Welt kamen).
Es tut mir lediglich leid, dass ich nicht schon früher zu diesem Buch gefunden habe, was vielleicht das eine oder andere bei mir im Umgang mit meiner zunehmend dementen und inzwischen verstorbenen Mutter für uns beide hätte erleichtern oder mir doch zumindest in manchen schwierigen Momenten zu mehr Güte und Grossmut hätte verhelfen können.
Dem Autor gelingt trotz grosser emotionaler Intensität eine Leichtigkeit des Erzählens, die auch diese sicher nicht einfache Ausprägung eines möglichen Lebensabschnitts nicht nur betrüblich erscheinen lässt. Immer wieder schmunzeln zu müssen beim Lesen, erscheint trotz der zweifelsfrei komplexen Thematik nicht deplaziert oder reduzierend, im Gegenteil.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ...ein Stück Vaterliebe, 7. September 2011
Von 
Chaostante - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Wie kann man die Alzheimerkrankheit seines Vaters besser verarbeiten, als literarisch?

Arno Geiger hat ein Buch über seinen demenzkranken Vater geschrieben - und wurde ganz nebenbei für die Shortlist der Leipziger Buchmesse nominiert.
Viele Autoren haben schon darüber geschrieben, die wenigstens aus Erfahrung. Gerade das macht das Buch über den alten König im Exil so authentisch.

Zum Anfang jedes Kapitels stellt Arno Geiger einen Dialog voran. Ein Dialog, den Vater und Sohn führen. Mal ist der Vater Stichwortgeber, mal der Sohn. Die Dialoge wechseln von tief traurigen Gedanken zu lustigen Erlebnissen.

Wir lesen hier auch keinen Erfahrungsbericht über Demenz, es geht nicht um die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Noch viel weniger ist es eine Abrechnung, vielmehr ist es eine Auseinandersetzung mit dem Alter, Krankheit und Familie.
Geiger wirbt nicht um Verständnis, klagt nicht über die Betreuung, die sich die Geschwister teilen und auch nicht über die Kosten. Der Autor spricht über das Alltägliche, darüber jeden Tag aufs Neue seinen Vater ein Stück mehr kennenzulernen.

Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Anfangs beschlich mich das Gefühl, dass Arno Geiger seinen Vater als Material für ein weiteres Buch nutzt, was sich aber für mich nicht bestätigte. Demenz ist nun mal eine Krankheit, die man nicht verstehen oder begreifen kann, man kann einzig und allein versuchen die erkrankte Person in seinem Tun und Handeln zu verstehen.

Er beschreibt als Sohn und Schriftsteller den Rückzug seines Vaters. "Papa, weißt du überhaupt, wer ich bin?' - ,Als ob das so interessant wäre.'"
Die Familie entscheidet sich, ihn in das im Dorf gelegene Heim zu geben.
Dort blühte er wieder auf, so Arno Geiger: "Wir haben das eh nicht leichtfertig getan, aber wir hätten es wahrscheinlich früher tun sollen, und wir hätten uns ein schreckliches Jahr erspart."

Arno Geiger: "Heute sag ich: 'Ich geh mit.' Wenn er sagt: 'Ich gehe nach Hause', dann sag ich, 'Ich geh mit'. Dann sag ich: 'Jetzt regnet es noch und wir warten noch eine halbe Stunde.' Und dann gehen wir. Das bestätigt ihn in seiner Welt. OK, er will auch nach Hause. Das erzeugt Sicherheit, das erzeugt Ordnung."

Angst ist ein schlechter Ratgeber, denn sie behindert zu sehen was noch machbar ist.
Arno Geiger hat ein trauriges und heiteres Buch geschrieben, voller Achtung und Liebe. Es ist von hoher literarischer Qualität.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fünf Sterne sind einfach nicht genug für dieses Buch der Extraklasse, 9. April 2011
Als ich einer älteren Bekannten von der Alzheimererkrankung meines Vaters erzählte, empfahl sie mir das Buch "Der alte König in seinem Exil" von Arno Geiger zu lesen, um so die kleinen Eigenheiten meines Vaters, der heute achtzig Jahre alt ist und im Dezember letzten Jahres, dank sehr schneller medizinischer Hilfe, einen schlimmen Herzinfarkt überlebte, besser zu verstehen. Nur einen Tag später hielt ich dieses ganz besondere Buch in den Händen und hatte es in zwei Tagen ausgelesen. Ich entdeckte viele Parellelen zu Arno Geiger und seinem Vater und ich bewundere den Zusammenhalt seiner Familie, den es bei uns so, leider nicht gibt. Aber das ist eine andere Geschichte.
Genau wie Arno Geiger, bin ich fast halb so alt wie mein Vater und stehe am Beginn meiner literarischen Laufbahn. Hilfe und Unterstüzung von den Geschwistern erfahren meine Mutter und ich leider nicht. Zusammen betreuen wir den Vater noch im alten Haus und unser beider Leben dreht sich fast ausschließlich um ihn. Als wir vor ungefähr einem Jahr die Diagnose "Alzheimer" erhielten, war es wie ein Schlag ins Gesicht. Insgeheim ahnten wir es, denn der Vater, der früher handwerklich sehr geschickt war, brachte nichts mehr so recht zusammen. Nach seinem Herzinfarkt begann ich, ihn mit anderen Augen zu sehen und wenn manches, was er heute sagt oder tut auch für Aussenstehende verwirrend sein mag, so habe ich, ebenso wie Arno Geiger, mit meinem Vater neu Freundschaft geschlossen. Er bedankt sich, wenn ich ihn abends ins Bett bringe und ihn am Morgen aus dem Schlafzimmer hole. Bin ich noch nicht bei ihm gewesen, steht er allein auf und schaut in meinem Zimmer vorbei. Gehen wir spazieren, grüsst er jeden und genießt die Gesellschaft der anderen. Noch erkennt er alle mit Namen, aber bald schon kann es anders sein...
Das Leben mit einem demenzkranken ist nur schwer zu meistern, aber "Der alte König in seinem Exil" ist eine Stütze, Hilfe und Erleichterung für alle, die sich bei der Pflege eines an Alzheimer erkrankten Familienmitglieds engagieren.

Dieses Buch ist es wert gelesen zu werden und sollte in keiner Buchhandlung fehlen!

Mein herzlicher Dank gilt dem Autor für dieses wunderbares Geschenk!
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Der alte König in seinem Exil
Der alte König in seinem Exil von Arno Geiger (Taschenbuch - 1. November 2012)
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