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34 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 11 Gefährten sollt ihr sein.
Mehr als 50 Jahre hat die englischsprachige Zeitung in Rom existiert, hat Höhen und Tiefen durchlebt, stand kurz vor dem Ende, hat sich wieder aufgerappelt um nun, im 21. Jahrhundert, eingestellt zu werden. Was hat diese Zeitung geprägt, wer waren die Menschen dahinter, die zum Teil mehrere Jahrzehnte dort angestellt waren, die ihr Leben ganz dieser Zeitung...
Veröffentlicht am 7. November 2010 von Bouquineur

versus
12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zu unperfekt.
Eine gute Freundin riet mir spontan und überzeugend zu diesem Buch, welches Sie großartig gefunden und wahrlich verschlungen habe. Ich lese selten aktuelle Bestseller, war aber zunächst durchaus angetan.

Und auf dem Buchrücken stand auch noch:

"Rachmans Roman ist so gut, dass die New York Times schier ausflippt."
Zeit...
Veröffentlicht am 3. Dezember 2012 von Eden


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34 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 11 Gefährten sollt ihr sein., 7. November 2010
Von 
Bouquineur (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Die Unperfekten: Roman (Taschenbuch)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Mehr als 50 Jahre hat die englischsprachige Zeitung in Rom existiert, hat Höhen und Tiefen durchlebt, stand kurz vor dem Ende, hat sich wieder aufgerappelt um nun, im 21. Jahrhundert, eingestellt zu werden. Was hat diese Zeitung geprägt, wer waren die Menschen dahinter, die zum Teil mehrere Jahrzehnte dort angestellt waren, die ihr Leben ganz dieser Zeitung gewidmet haben?

Tom Rachman erzählt diese Geschichte in einer eher ungewöhnlichen Form: Er porträtiert 10 Mitarbeiter und eine Leserin dieser Zeitung, ihre Sorgen und Nöte, Ihre Ängste und ihre Freuden. Hervorzuheben ist, dass jeder der Mitarbeiter wiederum eine Abteilung der Zeitung widerspiegelt und so erhält man nicht nur einen Einblick in die Einzelschicksale sondern auch eine Ahnung davon, wie so eine Zeitung funktioniert: Ein gewaltiger Apparat, bei der sich fast jeder selbst der Nächste ist, der aber letztendlich nur funktionieren kann, wenn alle ihre persönlichen Eitelkeiten beiseite schieben und in den entscheidenden Momenten zusammenhalten. Auch die Leserin hat eine besondere Beziehung zur Zeitung, die sich über eines der anderen Kapitel erschließt. Tom Rachman hat einen sehr komplexen Roman geschrieben, der zwar auf den ersten Blick wie Kurzgeschichten anmutet, bei dem man aber am Ende feststellt, dass diese Kurzgeschichten untrennbar miteinander verbunden sind. Jeder der Protagonisten kommt in einer der vorangehenden oder folgenden Geschichte vor, sodass man immer das Gefühl hat, man begegnet alten Bekannten oder lernt die Person, von der man schon das ein oder andere erfahren hat, endlich kennen. Zugegeben, die meisten dieser Geschichten sind eher melancholischer Natur. Manchmal hat man den Eindruck, dass keiner der Protagonisten wirklich glücklich ist, bzw. sein Glück nur auf Kosten tragischer Ereignisse machen kann. Aber ist es nicht genau das, was unsere heutige Gesellschaft darstellt? Wer kann von sich denn wirklich sagen, er arbeite in einer Firma voller begeisterter Arbeitnehmer und kenne nur glückliche Menschen? Insofern empfand ich Rachmans Protagonisten als sehr authentisch und lebensnah gezeichnet.

Wer sich nun fragt, wie Rachman die Geschichte der Zeitung selbst in sein Buch hat einfließen lassen, dem sei verraten, dass jedes der 11 Kapitel eigentlich aus zwei Teilen besteht. Rachman hat jedem der 11 Kapitel ein prägendes Ereignis der Zeitung aus den letzten 5 Jahrzehnten hintangestellt und erzählt so nach und nach die Geschichte der Zeitung selbst, angefangen von der Gründung, bis hin zum Grund, warum die Zeitung überhaupt gegründet wurde.

Rachmans Schreibstil ist unaufgeregt, leise aber sehr eindringlich. Es gibt keine durchgängige Spannung, dennoch entwickelt dieses Buch einen ganz eigenen Sog, der einem beim Lesen von Geschichte zu Geschichte zieht und so war das für mich eine ganz neue Leseerfahrung, diese Geschichten in der Geschichte, die Lust macht auf weitere Bücher von Tom Rachman.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zu unperfekt., 3. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Unperfekten: Roman (Taschenbuch)
Eine gute Freundin riet mir spontan und überzeugend zu diesem Buch, welches Sie großartig gefunden und wahrlich verschlungen habe. Ich lese selten aktuelle Bestseller, war aber zunächst durchaus angetan.

Und auf dem Buchrücken stand auch noch:

"Rachmans Roman ist so gut, dass die New York Times schier ausflippt."
Zeit Magazin

Damit hatte man mich, ich war in die Falle gegangen. Wollte nun auch gerne wissen, wen sämtliche Medien hier derart feierten.

Die PROS
---------------
Um fair zu sein: Die Idee des Buchs ist originell. Eine Zeitung in Geldnöten, interessante Menschen, die dafür sorgen, dass der Laden einigermaßen läuft, einzeln portraitiert in 11 relativ getrennten Kapiteln, die stilistische Ähnlichkeit mit Kurzgeschichten aufweisen. Vielversprechend. Vielversprechend auch die Rahmenhandlung: Gründung und Aufstieg der Zeitung in den 50ern, ein paar Jahre Erfolg, danach, langsamer Verfall. Vielversprechend auch die ersten beiden Kapitel: ein alternder Auslandskorrespondent, der auf Gedeih und Verderb eine Story braucht sowie eine rührende Geschichte über einen Familienvater und eine alternde Feministin, die in einer Katastrophe endet.
Und dann fällt die Qualität meines Erachtens dramatisch ab.

Die CONTRAS
---------------
Die restlichen Kapitel wirkten auf mich - bis auf eines "Ornella de Monterecchi, Leserin" - so oberflächlich und belanglos, so wenig überraschend und unglaubwürdig, so übertrieben gewollt und letztlich so nervig, dass ich mich stellenweise gründlich über den Erfolg dieses Buches gewundert habe. Ans vorzeitige Aufhören hab ich nicht gedacht, dafür hat man es einfach zu schnell durch.
Um zu illustrieren, was ich an "Die Unperfekten" nicht mochte, möchte ich die Dialoge anführen. Dialoge schreiben, die glaubwürdig sind, ist eine Kunst. Tom Rachman beherrscht diese Kunst meiner Meinung nach leider nicht. Da er sich jedoch in weiten Teilen völlig auf Dialoge verlässt, liegt hier in meinen Augen die große Schwäche dieses Buches. Drei kleine Beispiele:

No. 1

"Trinkst Du keine Cocktails?"
"Ich bin eigentlich mehr für Wein. Und du, bist du zum Cocktailprofi aufgestiegen, seit ich weg bin?"
Er zwinkert sie an. "Musste doch meine Sorgen ertränken."
"Ertränkt man seine Sorgen nicht in Scotch und solchen Sachen? Jedenfalls nicht in Erdbeer-Dingsbumms."
"Caipiroschka. Ich bestell dir einen. Na komm."
Das ist alles andere als harmlos, denkt sie. Das ist ein Flirt.

No. 2

"Vollkommen. Das ist typisch italienisch."
"Irgendwie schwer reinzukommen. Für einen Amerikaner. Ist für Mädels wahrscheinlich leichter. Bei den schicken sexy Italienern und so."
"Sie glauben doch nicht etwa an den Mythos vom Latin Lover, oder? Ich will Ihnen mal ein Geheimnis verraten: Italienische Männer - ich weiß das, ich bin mit einem verheiraret - sind Primadonnen, keine Hengste..."

No. 3

Die Stewardess bugsiert gerade den Trolley den Gang entlang und teilt die zweite Mahlzeit aus.
Abbey guckt auf die Uhr: "Was ist das jetzt? Mittagessen Nummer zwei? Kommt mir vor wie Abendessen."
"'ne Art Mittagabendessen", antwortet Dave.
"Und wie heißt das? Mibendessen?"
"Oder Attagessen."
"Es sei denn, es ist eine Mischung aus Lunch und Büffet. Dann kriegen wir Lüffett", sagt sie. "Oder Blunch".
"Blunch. Find ich gut. Sollten wir als Marke schützen lassen."
Wir? Hm. Interessant.

Vielleicht denken Einige von Ihnen jetzt: Wo ist das Problem? Was sagen schon isolierte, willkürlich herausgegriffene Dialoge?
Das Problem für mich war: Fast das ganze Buch ist so. Schwierige Sache. Möglicherweise auch ungut übersetzt, das kann ich nicht beurteilen. Was vielleicht humorvoll oder ironisch gedacht war, hat für meinen Geschmack Seifenoper-Niveau.

Mein FAZIT
---------------
Für Idee, Rahmenhandlung und drei gute Kapitel gibt es zwo Sterne.
(die Werbestrategie hat fünf verdient).
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35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen der Mikrokosmos der Verlagswelt ..., 18. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Unperfekten: Roman (Taschenbuch)
Der Roman besteht aus einer Vielzahl kleiner Episoden, die sich insgesamt um eine englisch-sprachige Tageszeitung mit Sitz in Rom ranken. Der Autor selbst - es handelt sich offensichtlich um sein Debütwerk - war mehrere Jahre Herausgeber der in Paris ansässigen englischsprachigen International Herald Tribune und hat unter anderem für Associated Press (Rom) gearbeitet. Die professionelle Art, wie er das Innenleben der Zeitung schildert, ist also kein Zufall.
Darf man dennoch einen Schlüsselroman erwarten? Nein: In den einzelnen Episoden geht es allein um einzelne Persönlichkeiten, die als Journalist, Redakteur, Manager oder Herausgeber bei der Tageszeitung tätig sind. Die besondere Stärke des Buches beruht auf zwei Umständen: Einerseits ist die Charakterzeichnung so prägnant und gekonnt, dass man als Leser bereits nach wenigen Zeilen Feuer fängt, zum anderen: an jede Einzelepisode schließt sich jeweils ein Stück einer Rahmenerzählung an, in der es um die Gründung der Zeitung und ihr wechselndes Schicksal geht. Ein nicht besonders stark akzentuierter Clou liegt In der letzten Episode, wo der Leser von den Gründen für die Zeitungsgründung erfährt; bei aufmerksamer Lektüre hält der Autor hier aber keine nennenswerte Überraschung bereit. In diesem Mikrokosmos der Verlagswelt spiegeln sich das Ellenbogendenken und der Egoismus einer ganzen Welt wieder.

Viele der einzelnen Episoden und ihre Protagonisten sind tief bis zu mir durchgedrungen - besonders die Geschichte des Nachrufsschreibers, der Berühmtheiten noch vor ihrem Tod interviewt und heimlich ihre Nachrufe vorbereitet. Oder die Geschichte der Leserin Ornella, die die Zeitung so akribisch liest, dass sie mittlerweile mehr als ein Jahrzehnt zurückliegt und in einer völlig anderen Gegenwart lebt, als der Rest der Gesellschaft es tut. Als Leser hungert man geradezu nach ein wenig Menschlichkeit, nach Wärme.

Die große Stärke von Rachmans Erstling ist, dass er es perfekt versteht, sich in die verschiedensten Charaktere hineinzuversetzen und jeweils den Erzählstil an den jeweiligen Charakter anpasst, sodass alles sehr lebendig wirkt und selbst bei Lesern wie mir, denen es sonst eher schwer fällt, eine bildliche Vorstellung von Buchcharakteren zu entwickeln, Bilder im Kopf aufflackern. Ein weiterer Pluspunkt ist natürlich die Aktualität der Thematik: Das Sterben einer Tageszeitung und die damit verbundenen Folgen.

Definitiv verdientes Lob, was bereits ausgesprochen wurde. Jeder, der die Nachrichten liest (egal, in welcher Form ob digital oder gedruckt) kann mit diesem Buch etwas anfangen! Fantastisch!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abgesang auf den klassischen Journalismus, 5. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Unperfekten: Roman (Taschenbuch)
Ein Erstling voller literarischer Frische, überzeugender Charaktere und in Stil und Sprache ungemein überzeugend, dass sind die 'Unperfekten', die Tom Rachmann mit einem breiten Hintergrund eigener Lebenserfahrung im geschilderten Umfeld, vorlegt.

Dass Print-Medien seit Jahren stark unter wirtschaftlichem Druck stehen, dass manche Traditionsblätter der verschiedenen Nationalitäten zum Teil nur knapp (bisher) Insolvenzen vermeiden konnte und die Zukunft alles andere als rosig aussieht, all das ist Teil der Realität sich vollziehender kultureller Veränderungen, die auch vor dem alten Kulturgut Zeitung keinen Halt machen.

Diese Krise ist Thema und Blaupause des Romans von Tom Rachmann, allerdings weniger, um sich über kulturelle Abstiege zu gerieren oder ein Requiem der Zeitungswelt zu komponieren, sondern vielmehr (und das unglaublich treffend und überzeugend), um die Geschichte und Geschichten seiner Protagonisten zu erzählen. Unperfekt sind sie alle, wie sie durch die Seiten des Buches ihre Geschichte entwickeln, unperfekt, aber jeder und jede für sich ein Überlebenskünstler par excellence. Und natürlich der festen Überzeugung, dass die Welt auf nichts anderes sehnlicher wartet als ihre nächsten Texte und Berichte.
Ganz auf sich bezogen, voller Macken und Brüche und grundlegend darauf bedacht, den eigenen Lebensstil gegen alles Bedrohliche zu bewahren, vor allem gegen die Kollegen. Jeder für sich bereits schwer verdaulich, als Gruppe in der Vielfalt der (mit größtmöglicher Lust) geschilderten Unzulänglichkeiten eine (höchst elegant geschilderte) Offenbarung an gestörten Gestalten.

Nach 50 Jahren ist die Zeitung am Ende. Misswirtschaft, Desinteresse des aktuellen Besitzers, als englischsprachiges Blatt in Rom mit immerhin 150.000 Exemplaren an Auflage dennoch nicht mehr am Puls der Zeit. Zurück bleibt letztlich nur ein existentialistisch abgenutzter und abgearbeiteter Redaktionsraum. Ehemals Heimat von solch unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Arthur, zuständig für Nachrufe (keiner kann ihm hier das Wasser reichen), vor allem aber geübt im konstruktiven Nichtstun. Oder Lloyd, ängstlich im Wesen, einsam und als Korrespondent für Paris sich mehr schlecht als recht über Wasser haltend. Dazu noch Ruby, die ihre besten Jahre so langsam hinter sich sieht, immer noch nicht die Liebe gefunden hat, mit aller Kraft auf der Suche ist und aufgrund dessen nicht mit ganzer Konzentration ihrer Aufgabe als Texterin nachzugehen vermag. Diese und andere bevölkern den Redaktionsraum, der, ebenso wie die Zeitung selbst und alle handelnden Protagonisten, an vielen Fronten um Sinn und überleben kämpft. Kämpfe, von denen zum Ende des Buches hin noch lange nicht jeder gewonnen sein wird, aber, bis auf wenige, auch nicht alle verloren zu geben sind.

Das Buch lebt. Das ist eine der Erkenntnisse von Tom Rachmanns Roman. Sein Buch lebt vor allem von drei wesentlichen Zutaten jedes guten Romans. Zum einen Sachkenntnis. Tom Rachmann schreibt als Insider der gehetzten, kreativen, neurotischen Welt des Journalismus. Zum zweiten von seiner Fähigkeit der genauen Beobachtung und Darstellungskraft dieser Welt in den einzelnen Charakteren von der Chefredakteurin über den verschrobenen Besitzter, der nichts mit einem Zeitungsmogul alter Prägung gemein hat bis hin zum freien Korrespondenten, der ohne weiteres jederzeit in Gefahr steht, abgesägt zu werden. Und zum dritten lebt dieses Buch von den weitreichenden sprachlichen und stilistischen Fähigkeiten des Autors, der zu keiner Sekunde Durchhänger erkennen lässt und auf keiner Seite langweilt.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nobody is perfect!, 17. Oktober 2010
Von 
Dr. Heinz Brill "Tölzi" (Bad Tölz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Unperfekten: Roman (Taschenbuch)
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In seinem Debüt-"Roman" porträtiert der Brite Tom Rachmann, Mitarbeiter, den letzten Besitzer und eine (!) Stammleserin einer internationalen Tageszeitung in Rom. Jede Person wird in einer deprimierenden Lebenssituation schlaglichtartig beleuchtet. Die Zeitung bildet die formale Klammer um die mit viel Einfühlung und (schwarzem) Humor für die menschlichen Schwächen geschilderten Personen. Fast beiläufig, in zeitlichen Versatzstücken und mit nur kurz erwähnten Berührungspunkten zur Gegenwart wird die Geschichte der Zeitung von der Gründung bis zum Niedergang erzählt.

Ein "Zeitungsroman" ist dieses Buch dennoch nicht. Zwar kommen die Kapitelüberschriften als wunderbar viel versprechende, reißerische Schlagzeilen daher ("Das Sexleben islamischer Extremisten")!, zwar zeigt das Buch in den ersten Geschichten wie Artikel entstehen, mit welchen Problemen ein Journalist zu kämpfen hat und woran so manche Story scheitert, dennoch bleibt das äußerliche Zeitungsgeschehen (leider) nur der Aufhänger zur ausführlichen Schilderung der Macken und der intellektuellen und emotionalen Defizite der verschiedenen Individuen, deren größte Gemeinsamkeit die Suche nach Wegen aus der Einsamkeit ist. An die Stelle einer spannungsgetriebenen Handlung tritt die Beschreibung von Empfindsamkeiten der diversen Seelenlandschaften, gewürzt mit Ironie, Illusionslosigkeit und einem Hauch Sarkasmus. Es sind nicht gerade die Genies, die wir kennen lernen. Durchschnittliche Menschen, mehr oder weniger intelligent und erfolgreich, mehr oder weniger frustriert, mehr oder weniger einsam, mehr oder weniger ungeschickt. "Unperfekt" ist eine schmeichelhafte Beschreibung für manchen dieser Vertreter: für Versager, Hysteriker oder Traumtänzer.

Und hier liegt für meinen Geschmack auch der Schwachpunkt dieses ansonsten gut geschriebenen Buches: es gibt zu viele von diesen Typen in einem einzigen Buch. Was anfänglich unterhaltsam und zum Teil amüsant zu lesen ist, fängt nach der Hälfte des Buches an zu nerven. Am liebsten möchte man so manche Person durchschütteln, damit sie aufwacht und das Offensichtliche zur Kenntnis nimmt. Je weiter man liest, desto stärker treten Frust, Selbstmitleid und Kuriosität an die Stelle von Melancholie und untergründiger trauriger Romantik. Diese Menschen haben wenig bis nichts Inspirierendes. Kein Wunder, dass die Zeitung Pleite geht. So ist dem Autor sicher ein überdurchschnittlicher Episodenroman mit gekonnten Charakterporträts, zum Teil an der Grenze zur Satire, gelungen, aber ab der Mitte überrascht nichts mehr wirklich. Auf Grund dieses Defizits: 1 Stern Abzug.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Viel Kunst - wenig Unterhaltung, 2. August 2012
Von 
Kai "Psychiater und Vielleser" (Lübeck) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Die Unperfekten: Roman (Taschenbuch)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Ohje, was soll ich mit diesem Buch nur machen. Eigentlich will ich mit einem Roman nur" unterhalten werden - zwar anspruchsvoll aber nicht zwingend literarisch wertvoll"! Ein Buch muss mich irgendwie berühren, damit ich damit was anfangen kann, es sollte gleichzeitig spannend sein, damit ich weiterlesen will... Ja, ich weiß, das sind gleich drei Wünsche auf einmal - aber irgendwie schafft es dieses Buch, alle meine Wünsche zu bedienen - und gleichzeitig auch nicht...

Im Grunde ist es eine Sammlung von Kurzgeschichten, die von sehr unterschiedlichem Gehalt sind. Manche sind tatsächlich sehr unterhaltsam, andere sind langweilig, manche sind spannend, wieder andere haben mich nur genervt. Und irgendwie sind diese einzelnen Geschichte durch einen übergreifenden Rahmen miteinander verwoben und verbunden. Und genau das macht den eigentlichen Reiz dieses Buchs aus.

Sind die einzelnen Episoden erstmal völlig belanglos, erlangen sie doch irgendwie an Bedeutung und aus Einzelschicksalen werden verbundene Lebensgeschichten. Das ist spannend und durchaus unterhaltsam! Was mich aber dann doch stört an dem Buch, ist die Tatsache, dass mir das Ganze etwas zu finster und melancholisch ist. Klar, die Geschichten sind ernst - eben so ernst, wie das Leben an sich (?) Aber im Vordergrund steht für mich immer noch die Unterhaltung, ich will Spaß haben am Lesen. Und eben dieser Spaß kam hier nicht so wirklich auf. Ich habe mich von Kapitel zu Kapitel gehangelt und irgendwie war das auch ganz nett - aber mit Spaß hatte das nichts zu tun...

FAZIT: Große Literatur, von der einschlägigen Presse mit Lob und Preisen überschüttet, ist dieses Buch wie ein Film, der 12 Oscars gewonnen hat: Man muss ihn gesehen haben, um mitreden zu können, der Film selbst ist auch ganz nett - aber will ich den Film noch mal auf DVD sehen: Nein. Also viel Literatur und Kunst - wenig Unterhaltung.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Skandal: Autor deckt Leben von Zeitungsredakteuren auf!, 5. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Unperfekten: Roman (Taschenbuch)
Ein Roman über eine Tageszeitung, deren Niedergang und ihre Macher, so wird Tom Rachmans Buch gern zusammengefasst. Falsch ist das nicht, aber so ganz richtig auch nicht.

Formal besteht das Buch aus 11 Geschichten: 9 Porträts / Episoden aus dem Leben von Zeitungsmachern, eins einer Leserin und eines vom letzten Herausgeber des Blattes. Dazwischen wird jeweils kurz in die Vergangenheit der Zeitung gewechselt. Diese Episoden über die letzten 50 Jahre erzählen die Entstehungsgeschichte des Blattes sowie die Entwicklung die die Zeitung nimmt.

Die Storys erzählen eine Episode oder einen Aspekt im Leben der jeweiligen Hauptfigur. Das kann sowohl witzig, als auch tieftraurig sein. Allen gemein ist das nur allzu menschliche im Verhalten der Personen. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, sucht Anerkennung in Beruf und Karriere oder klammert sich an eine Beziehung während andere einen Halt in einer Beziehung suchen aber nicht finden. Vielen gemein ist dabei die Abneigung die sie ihrem Job bei der Zeitung gegenüber empfinden. Eigentlich möchten sie raus aus dem Trott, was ganz anderes machen und scheinen wie gestrandet bei dem Blatt, aber unfähig es zu verlassen. Selbst das Führungspersonal benutzt die Zeitung nur als Durchgangsstation zu erhofften besseren Posten bei renommierteren Blättern.
Die Geschichten könnten auch unabhängig voneinander bestehen. Was sie verbindet sind lockere Querverbindungen durch die auftretenden Personen sowie die Tatsache, dass sie bei der Zeitung arbeiten. Insofern ist der vorliegende Band nicht der stringente Roman den der eine oder andere vielleicht erwartet. Auch wenn die Zeitung natürlich eine Rolle als verbindendes Element spielt, im Zentrum stehen die Menschen. Wer also Details über die Entstehung einer Zeitung und tiefgreifende Einblicke in den Alltag einer Redaktion erwartet, wird sie hier nicht finden. Das Hauptthema sind die Macher, nicht ihr Arbeitsalltag.

Die Storys sind außerordentlich unterhaltsam, frisch und direkt erzählt. Rachmann hat eine klare, genaue Ausdrucksweise. Er kann sowohl die berührende Geschichte des Redakteurs für Nachrufe als auch die, zunächst, überaus komische der Finanzredakteurin auf der Suche nach einem Freund überzeugend erzählen. Tonfall und Dialoge sind stimmig und nehmen schnell gefangen. Ohne Klischees aus dem Repertoire "Zeitungsmacher" kommt er allerdings nicht aus, sei es die karrierefixierte, stets erreichbare Chefredakteurin oder der draufgängerische, allen Konventionen trotzende Auslandsberichterstatter in Krisengebieten. Möglicherweise sind die ja auch so, immerhin kennt der Autor das Milieu aus eigener, langjähriger Berufserfahrung.
Unterhaltung auf hohem Niveau, mit meist gelungenen, aus dem Leben gegriffenen Geschichten um sehr unterschiedlicher Menschen. Der Niedergang der Zeitung spiegelt sich in den wie auf dem Absprung befindlichen Akteuren der Geschichten.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Menschen wie Du und ich, 10. Mai 2011
Von 
Apefred "Fred Ape" (Dortmund Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Unperfekten: Roman (Taschenbuch)
Manchmal fühlte ich mich an das großartige Buch Fabian" von Erich Kästner erinnert. Das war wohl einer der ersten Romane, die sich kritisch mit dem Innenleben (newsroom) einer Redaktion auseinandersetzte. Fabian, als Neuling, fragt (wenn ich das recht erinnere) was denn der nächste Aufmacher sein solle? Es gäbe nix. Da antwortet der Chefredakteur, man solle einfach schreiben 8 Tote bei Zugunglück in Peking" - ob das stimme oder nicht, interessiert morgen keinen mehr.

Und so ist man immer auf der Suche, nach sensationellem, eben das was Auflage bringt - und die Auflage garantiert das Überleben. Tom Rachmann allerdings stellt die Menschen, die unmittelbar mit der Zeitung zu tun haben, anders vor; nämlich in ihren persönlichen Dramen, Konflikten, Ängsten, Hochmütigkeiten, etc... Das macht diese Geschichten so anders. Es sind meist abgeschlossene Einheiten von Lebenskrisen der einzelnen Protagonisten, die auch allesamt unterschiedlich mit der in Rom erscheinenden englischsprachigen Zeitung zu tun haben. Vom Redakteur bis hin zur Chefbuchhalterin. Das ist nicht immer interessant, teilweise nervt es auch, wie zum Beispiel die Story aus Kairo. Da kommt so ein professioneller Kriegsberichterstatter, der in seinem comedyartigen Duktus eher in einen Film von Monthy pythons oder M.A.S.H. gepasst hätte. Alles in allem fand ich wieder mal, nach den ungeheuren Vorschusslorbeeren, dass echt übertrieben wurde. Ich teile die Einschätzung eines Freundes, der dies Buch zur gleichen Zeit gelesen hatte. Er sagte,... na ja....normale Menschen, mit normalen Fehlern, aber alles war entweder zu vorhersehbar oder zu banal.....das Leben von außen betrachtet ist vielleicht immer genauso und nur wenn wir in der Mitte davon stecken, erscheine es manchmal mysteriös oder Besonders. Er habe das Buch zügig durchgelesen und sich auch nicht gelangweilt.....aber irgendwie war ihm schon immer klar, was auf der nächsten Seite stehen würde. Spannender, und deshalb legt man das Buch auch nicht weg, ist da schon die in kursiv gehaltene Geschichte der Zeitung, die sich jeweils nach den einzelnen Kapiteln, historisch langsam dem Heute nähert. Das ist deshalb interessant, weil wir einerseits die Dekaden der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts durchschreiten und man wieder an geschichtsträchtige Ereignisse erinnert wird, und andrerseits die Personen kennen lernen, die dahinter stecken. Vom großen Cyrus Ott als Gründer der Zeitung und im Vorstand bzw. der Besitzer eines Multinationalenkonzerns, bis hin zu seinem degenerierten Enkel, der das große Erbe dieses Unternehmens und somit auch der Zeitung an die Wand fährt.

Die großen Veränderungen im Nachrichtenmarkt tun ein Übriges. Das Internet lässt grüßen. Lesenswert allemal, aber nicht der große Wurf, den ich erwartet habe.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was ist das Gegenteil von einem Perfektionisten?, 2. November 2010
Von 
Norma Schlecker - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Unperfekten: Roman (Taschenbuch)
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"Die Unperfekten", das klingt irgendwie nach "Mängelexemplaren", nach Menschen, die eben nicht perfekt sind. Der Titel lautet im Original allerdings "The imperfectionists" - das sind eigentlich Menschen, die nicht perfektionistisch sind - und das ist ein Unterschied. Deshalb finde ich den Titel nicht ganz optimal übersetzt. Er weckt bei mir falsche Assoziationen, auch wenn die elf Figuren, die im Mittelpunkt des Episoden-Romanes stehen, sicherlich auch nicht perfekt sind.

Zur Handlung: Elf "Zeitungsmenschen", Mitarbeiter einer englischsprachigen, internationalen Tageszeitung mit Sitz in Rom, stehen im Mittelpunkt der Darstellung. Bei so einem Blatt rechnet man als "Nicht-Zeitungsmensch" natürlich damit, dass die Mitarbeiter in vielerei Hinsicht (zumindest in journalistischer) Asse sein müssten, Leute, die es eben "geschafft" haben. Man schreibt nicht für die FAZ, die ZEIT oder eben ein internationales Blatt, wenn man ein Durchschnittstyp ist, oder doch?
In den elf Episoden entfaltet der Autor elf Leben - Einzelschicksale, wenn man so will - und schnell wird klar, dass es sich hier nicht unbedingt um Perfektionisten handelt, die einen außerordentlichen Job machen. Vielmehr geht es um Menschen, die genau die gleichen Probleme haben (mit sich und anderen) wie jeder andere auch. Hardy, die Reporterin für Wirtschaft und Finanzen ist z.B. unzufrieden mit ihrem Äußeren, quält sich mit Diäten und verliebt sich in einen Nichtsnutz, der sie auch noch ausnutzt. Kein bisschen Top-Journalisten-Glamour, nur trauriger Alltag. Oder Arthur Gopal, der Verfasser der Nachrufe, der auf seine eigene Mittelmäßigkeit zurückblickt, v.a. im Vergleich zum übermächtigen Vater.
So lernt man als Leser also elf Menschen mit ihren ganzen Unzulänglichkeiten kennen. Man erfährt, wie sie zu ihrer Arbeit bei der Zeitung stehen - und das Business wird auf diese Art und Weise gehörig entzaubert. Und parallel zu den elf Episoden um die Einzelschicksale einzelner Mitarbeiter, kann man den Aufstieg und Niedergang der Zeitung verfolgen. Jedes Kapitel enthält zum Schluss einen kursiv gedruckten Teil, in dem die Geschichte des Blattes von der Gründung bis zum Schluss erzählt wird. Man erlebt also auch noch 50 Jahre Mediengeschichte mit, die es in sich hatten.

Der Autor, Tom Rachman, war selbst viele Jahre lang im Zeitungsbusiness tätig. Er kennt sich also aus - und das merkt man dem Buch auch an. Für seine gerade mal dreißig Jahre, die er beim Verfassen des Buches war, schreibt er auch ziemlich erfahren. Er schafft es sich ebenso in die Rolle eines alten Mannes, wie einer jungen Frau zu versetzen. Die einzelnen Episoden wirken allesamt schlüssig. Und trotzdem fehlte mir das gewisse Etwas. Ich kann es nicht ganz genau festmachen. Ich habe das Buch gerne gelesen - aber der Funke ist nicht wirklich übergesprungen. Die einzelnen "Schicksale" haben mich nicht berührt. Einige mehr, andere weniger. Seltsamerweise fand ich die Geschichten stärker, die gar nicht so sehr tragische (auf den ersten Blick) Inhalte hatten (z.B. gleich die erste: der alte Mr. Burko, der nicht mehr mithalten kann und dann auch noch eine Lebenslüge enthüllen muss). Die Geschichte um Arthur Gopal hat mich seltsamerweise recht kalt gelassen, obwohl sie inhaltlich eigentlich "härterer" Stoff ist.

Fazit: Eine spannende Lektüre, die einem auch interessante Einblicke in das Zeitungsbusiness bietet. Das "gewisse Etwas" fehlte mir allerdings - was vielleicht aber ganz gut passt: Hier ist der Titel sozusagen Programm!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fast perfekt, 22. Oktober 2010
Von 
Catrin Nack (Hamburg Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Unperfekten: Roman (Taschenbuch)
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Tom Rachmans Roman "Die Unperfekten" hat Presse und Rezensenten im Vorfeld ja zu wahren Begeisterungsstümen hingerissen und beinahe lyrische Kritiken von sehr renommierter Seite bekommen. Da ist die Erwartungshaltung an ein solches Buch natürlich riesig, und beim Buchhändler meiner Wahl war ich bereits lange um den Stapel herumgeschlichen - sicher nicht die einfachste Voraussetzung für einen Roman, zu überzeugen.

In Kurzform: das Buch enttäuscht nicht, hat aber bei mir auch keine Begeisterungsstürme hervorgerufen. Trotzdem ist es ein Buch, dass nachhängt und niemals langweilig ist.

Rachman, 1976 geboren und bislang selber als Journalist tätig, wählte für seinen Erstling klugerweise ein Metier, welches er kennt: die Zeitung. Die Story einer fiktiven, in Rom angesieldelten Internationalen Zeitung kommt in diversen Einzel-Kapiteln daher, in welchen er, Kurzgeschichten gleich, diverse Mitglieder des Redaktionsstabs der Zeitung genauer betrachtet. Zwischen jeder Story, die wirklich beinahe für sich stehen und im Endeffekt nur lose miteinander verbunden sind - so lose wie der Zusammenhalt der Angestellten untereineinder - beschreibt Rachmann die Entwicklung der Zeitung als solches, auch anhand einiger Eckdaten der Weltgeschichte. Diese Teile sind, und das macht auch das Lesen leichter, in kursiver Schrift gedruckt; da fällt das "Umschalten" noch einmal leichter. Die einzelnen, ich nenne es einmal "Schicksale" der Redakteure, die Rachman genauer beleuchtet, nehmen im Verlauf des Buches, in der Geschindigkeit, in der die Zeitung ihrem Untergang entgegen segelt, an Dramatik, beinahe kann man sagen, Brutalität, zu; menschliche Schwächen werden immer eklatanter dargestellt. Folgerichtig sind die hinteren Passagen des Buches auch die Stärksten; da trifft einen schon manches wie ein kleiner Schlag.

Rachman ist ein wirklich geschickter, guter Autor, und dies ist, vor allem wenn man sein Alter in Betracht zieht, ein sehr guter Roman. Um ein großer Roman zu sein, bräuchte der Autor wohl einfach selber eine noch größere Lebenserfahrung. Manches ist einfach gar zu klischee-haft dargestellt. Trotzdem -s.o.

Volle Kaufempfehlung für intelligente, kurzweilige und niveauvolle Unterhaltung!
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Die Unperfekten: Roman
Die Unperfekten: Roman von Tom Rachman (Taschenbuch - 1. April 2012)
EUR 9,90
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