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VINE-PRODUKTTESTERam 7. November 2010
Format: Taschenbuch|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Mehr als 50 Jahre hat die englischsprachige Zeitung in Rom existiert, hat Höhen und Tiefen durchlebt, stand kurz vor dem Ende, hat sich wieder aufgerappelt um nun, im 21. Jahrhundert, eingestellt zu werden. Was hat diese Zeitung geprägt, wer waren die Menschen dahinter, die zum Teil mehrere Jahrzehnte dort angestellt waren, die ihr Leben ganz dieser Zeitung gewidmet haben?

Tom Rachman erzählt diese Geschichte in einer eher ungewöhnlichen Form: Er porträtiert 10 Mitarbeiter und eine Leserin dieser Zeitung, ihre Sorgen und Nöte, Ihre Ängste und ihre Freuden. Hervorzuheben ist, dass jeder der Mitarbeiter wiederum eine Abteilung der Zeitung widerspiegelt und so erhält man nicht nur einen Einblick in die Einzelschicksale sondern auch eine Ahnung davon, wie so eine Zeitung funktioniert: Ein gewaltiger Apparat, bei der sich fast jeder selbst der Nächste ist, der aber letztendlich nur funktionieren kann, wenn alle ihre persönlichen Eitelkeiten beiseite schieben und in den entscheidenden Momenten zusammenhalten. Auch die Leserin hat eine besondere Beziehung zur Zeitung, die sich über eines der anderen Kapitel erschließt. Tom Rachman hat einen sehr komplexen Roman geschrieben, der zwar auf den ersten Blick wie Kurzgeschichten anmutet, bei dem man aber am Ende feststellt, dass diese Kurzgeschichten untrennbar miteinander verbunden sind. Jeder der Protagonisten kommt in einer der vorangehenden oder folgenden Geschichte vor, sodass man immer das Gefühl hat, man begegnet alten Bekannten oder lernt die Person, von der man schon das ein oder andere erfahren hat, endlich kennen. Zugegeben, die meisten dieser Geschichten sind eher melancholischer Natur. Manchmal hat man den Eindruck, dass keiner der Protagonisten wirklich glücklich ist, bzw. sein Glück nur auf Kosten tragischer Ereignisse machen kann. Aber ist es nicht genau das, was unsere heutige Gesellschaft darstellt? Wer kann von sich denn wirklich sagen, er arbeite in einer Firma voller begeisterter Arbeitnehmer und kenne nur glückliche Menschen? Insofern empfand ich Rachmans Protagonisten als sehr authentisch und lebensnah gezeichnet.

Wer sich nun fragt, wie Rachman die Geschichte der Zeitung selbst in sein Buch hat einfließen lassen, dem sei verraten, dass jedes der 11 Kapitel eigentlich aus zwei Teilen besteht. Rachman hat jedem der 11 Kapitel ein prägendes Ereignis der Zeitung aus den letzten 5 Jahrzehnten hintangestellt und erzählt so nach und nach die Geschichte der Zeitung selbst, angefangen von der Gründung, bis hin zum Grund, warum die Zeitung überhaupt gegründet wurde.

Rachmans Schreibstil ist unaufgeregt, leise aber sehr eindringlich. Es gibt keine durchgängige Spannung, dennoch entwickelt dieses Buch einen ganz eigenen Sog, der einem beim Lesen von Geschichte zu Geschichte zieht und so war das für mich eine ganz neue Leseerfahrung, diese Geschichten in der Geschichte, die Lust macht auf weitere Bücher von Tom Rachman.
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am 3. Dezember 2012
Eine gute Freundin riet mir spontan und überzeugend zu diesem Buch, welches Sie großartig gefunden und wahrlich verschlungen habe. Ich lese selten aktuelle Bestseller, war aber zunächst durchaus angetan.

Und auf dem Buchrücken stand auch noch:

"Rachmans Roman ist so gut, dass die New York Times schier ausflippt."
Zeit Magazin

Damit hatte man mich, ich war in die Falle gegangen. Wollte nun auch gerne wissen, wen sämtliche Medien hier derart feierten.

Die PROS
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Um fair zu sein: Die Idee des Buchs ist originell. Eine Zeitung in Geldnöten, interessante Menschen, die dafür sorgen, dass der Laden einigermaßen läuft, einzeln portraitiert in 11 relativ getrennten Kapiteln, die stilistische Ähnlichkeit mit Kurzgeschichten aufweisen. Vielversprechend. Vielversprechend auch die Rahmenhandlung: Gründung und Aufstieg der Zeitung in den 50ern, ein paar Jahre Erfolg, danach, langsamer Verfall. Vielversprechend auch die ersten beiden Kapitel: ein alternder Auslandskorrespondent, der auf Gedeih und Verderb eine Story braucht sowie eine rührende Geschichte über einen Familienvater und eine alternde Feministin, die in einer Katastrophe endet.
Und dann fällt die Qualität meines Erachtens dramatisch ab.

Die CONTRAS
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Die restlichen Kapitel wirkten auf mich - bis auf eines "Ornella de Monterecchi, Leserin" - so oberflächlich und belanglos, so wenig überraschend und unglaubwürdig, so übertrieben gewollt und letztlich so nervig, dass ich mich stellenweise gründlich über den Erfolg dieses Buches gewundert habe. Ans vorzeitige Aufhören hab ich nicht gedacht, dafür hat man es einfach zu schnell durch.
Um zu illustrieren, was ich an "Die Unperfekten" nicht mochte, möchte ich die Dialoge anführen. Dialoge schreiben, die glaubwürdig sind, ist eine Kunst. Tom Rachman beherrscht diese Kunst meiner Meinung nach leider nicht. Da er sich jedoch in weiten Teilen völlig auf Dialoge verlässt, liegt hier in meinen Augen die große Schwäche dieses Buches. Drei kleine Beispiele:

No. 1

"Trinkst Du keine Cocktails?"
"Ich bin eigentlich mehr für Wein. Und du, bist du zum Cocktailprofi aufgestiegen, seit ich weg bin?"
Er zwinkert sie an. "Musste doch meine Sorgen ertränken."
"Ertränkt man seine Sorgen nicht in Scotch und solchen Sachen? Jedenfalls nicht in Erdbeer-Dingsbumms."
"Caipiroschka. Ich bestell dir einen. Na komm."
Das ist alles andere als harmlos, denkt sie. Das ist ein Flirt.

No. 2

"Vollkommen. Das ist typisch italienisch."
"Irgendwie schwer reinzukommen. Für einen Amerikaner. Ist für Mädels wahrscheinlich leichter. Bei den schicken sexy Italienern und so."
"Sie glauben doch nicht etwa an den Mythos vom Latin Lover, oder? Ich will Ihnen mal ein Geheimnis verraten: Italienische Männer - ich weiß das, ich bin mit einem verheiraret - sind Primadonnen, keine Hengste..."

No. 3

Die Stewardess bugsiert gerade den Trolley den Gang entlang und teilt die zweite Mahlzeit aus.
Abbey guckt auf die Uhr: "Was ist das jetzt? Mittagessen Nummer zwei? Kommt mir vor wie Abendessen."
"'ne Art Mittagabendessen", antwortet Dave.
"Und wie heißt das? Mibendessen?"
"Oder Attagessen."
"Es sei denn, es ist eine Mischung aus Lunch und Büffet. Dann kriegen wir Lüffett", sagt sie. "Oder Blunch".
"Blunch. Find ich gut. Sollten wir als Marke schützen lassen."
Wir? Hm. Interessant.

Vielleicht denken Einige von Ihnen jetzt: Wo ist das Problem? Was sagen schon isolierte, willkürlich herausgegriffene Dialoge?
Das Problem für mich war: Fast das ganze Buch ist so. Schwierige Sache. Möglicherweise auch ungut übersetzt, das kann ich nicht beurteilen. Was vielleicht humorvoll oder ironisch gedacht war, hat für meinen Geschmack Seifenoper-Niveau.

Mein FAZIT
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Für Idee, Rahmenhandlung und drei gute Kapitel gibt es zwo Sterne.
(die Werbestrategie hat fünf verdient).
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am 18. Oktober 2010
Der Roman besteht aus einer Vielzahl kleiner Episoden, die sich insgesamt um eine englisch-sprachige Tageszeitung mit Sitz in Rom ranken. Der Autor selbst - es handelt sich offensichtlich um sein Debütwerk - war mehrere Jahre Herausgeber der in Paris ansässigen englischsprachigen International Herald Tribune und hat unter anderem für Associated Press (Rom) gearbeitet. Die professionelle Art, wie er das Innenleben der Zeitung schildert, ist also kein Zufall.
Darf man dennoch einen Schlüsselroman erwarten? Nein: In den einzelnen Episoden geht es allein um einzelne Persönlichkeiten, die als Journalist, Redakteur, Manager oder Herausgeber bei der Tageszeitung tätig sind. Die besondere Stärke des Buches beruht auf zwei Umständen: Einerseits ist die Charakterzeichnung so prägnant und gekonnt, dass man als Leser bereits nach wenigen Zeilen Feuer fängt, zum anderen: an jede Einzelepisode schließt sich jeweils ein Stück einer Rahmenerzählung an, in der es um die Gründung der Zeitung und ihr wechselndes Schicksal geht. Ein nicht besonders stark akzentuierter Clou liegt In der letzten Episode, wo der Leser von den Gründen für die Zeitungsgründung erfährt; bei aufmerksamer Lektüre hält der Autor hier aber keine nennenswerte Überraschung bereit. In diesem Mikrokosmos der Verlagswelt spiegeln sich das Ellenbogendenken und der Egoismus einer ganzen Welt wieder.

Viele der einzelnen Episoden und ihre Protagonisten sind tief bis zu mir durchgedrungen - besonders die Geschichte des Nachrufsschreibers, der Berühmtheiten noch vor ihrem Tod interviewt und heimlich ihre Nachrufe vorbereitet. Oder die Geschichte der Leserin Ornella, die die Zeitung so akribisch liest, dass sie mittlerweile mehr als ein Jahrzehnt zurückliegt und in einer völlig anderen Gegenwart lebt, als der Rest der Gesellschaft es tut. Als Leser hungert man geradezu nach ein wenig Menschlichkeit, nach Wärme.

Die große Stärke von Rachmans Erstling ist, dass er es perfekt versteht, sich in die verschiedensten Charaktere hineinzuversetzen und jeweils den Erzählstil an den jeweiligen Charakter anpasst, sodass alles sehr lebendig wirkt und selbst bei Lesern wie mir, denen es sonst eher schwer fällt, eine bildliche Vorstellung von Buchcharakteren zu entwickeln, Bilder im Kopf aufflackern. Ein weiterer Pluspunkt ist natürlich die Aktualität der Thematik: Das Sterben einer Tageszeitung und die damit verbundenen Folgen.

Definitiv verdientes Lob, was bereits ausgesprochen wurde. Jeder, der die Nachrichten liest (egal, in welcher Form ob digital oder gedruckt) kann mit diesem Buch etwas anfangen! Fantastisch!
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am 27. Mai 2011
Schon lange nicht mehr habe ich mich von einem Buch so gut unterhalten gefühlt. Zunächst etwas skeptisch griff ich zu dem dicken Wälzer: Die Geschichte einer internationalen Tageszeitung in Rom - würde man mich etwa mit technischen Details zu Produktions- und Vertriebsprozessen langweilen? Weit gefehlt: Geschildert werden die persönlichen Schicksale und Geschichten von Menschen im Dunstkreis dieser Zeitung. Diese Leute ragen in so fern schon aus dem Durchschnitt heraus, als dass sie sich entschieden haben fern der Heimat zu arbeiten und zu leben. Das Geschehen spielt sich hauptsächlich in Rom ab - ein zusätzlicher Glücksfall für diesen Roman, man kann sich die Atmosphäre dieser Stadt nicht nur bei den Schilderungen über Wohnverhältnisse und die Lage der Redaktion der Tageszeitung vorstellen.

Die 11 Episoden werden flankiert von der Geschichte der Zeitung, die sich jeweils kursiv geschrieben am Ende eines jeden Kapitels fortsetzt. Zudem entspinnen sich Verknüpfungen zwischen den einzelnen Personen in Gegenwart und Vergangenheit, was immer wieder zu neuen Aha-Effekten führt und was ich als außerordentlich spannend empfand, denn nach jedem Kapitel wollte ich mehr über die geschilderte Person wissen. Ein gelungener, temporeich geschriebener Roman - begierig griff ich in jeder freien Minute nach diesem Buch. Mit Leichtigkeit hätte ich noch einmal 500 Seiten davon lesen können - es gab keine Längen oder öde Passagen, auf die man hätte verzichten mögen und dem Autor ist es gelungen, auch seine skurrilsten Protagonisten noch irgendwie menschlich und sympathisch erscheinen zu lassen. Endlich mal wieder ein Buch, das man mit Bedauern zuschlägt, weil man die letzte Zeile gelesen hat. Fazit: perfekte Unterhaltung, ein Must Read" ;-)!
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Ich denke, Literatur, über die zu sprechen sich lohnt, sollte nicht zu vordergründig sein - Rachmans Buch zeigt diese Tendenz leider ziemlich ausgeprägt. Es ist schlicht vordergründig, wenn Herman Cohen als Chefkorrektor seine Fähigkeiten unterschätzt, die seines Freundes Jimmy aber überschätzt, bis dieser Jimmy ihm genau das mitteilt. Es ist vordergründig und vielleicht für manche Leute spaßig, wenn der Anfänger Winston Cheung, ein typischer Simplex, von einem ausgebufften Aufschneider in grotesker Weise ausgenutzt und vorgeführt wird und schließlich eine Dritte, eine Frau, ihren Job kriegt. Es ist ferner vordergründig, wenn gezeigt wird, wie eine wenig begabte Textredakteurin, Ruby Zaga, altert und wegen mangelnden Erfolges frustriert, einsam und gehässig wird. Auch ist es vordergründig, wenn Abbey Pinnola, Finanzchefin, vorgeführt wird: Sie hat einen Redakteur gefeuert, trifft ihn danach im Flugzeug wieder, er gewinnt ihr Vertrauen, ihre Zuneigung, als sie ihm auf sein Zimmer folgt, stellt er sie wegen der Kündigung zur Rede - so what? Es ist schließlich ziemlich vordergründig, sagen wir bestenfalls informativ, wenn die verschiedenen Episoden um einzelne Typen und Ressorts durch die Geschichte der Zeitung zusammengehalten werden.
Die anderen Episoden zeigen mehr oder weniger den Mehrwert, den Literatur haben sollte: Vertiefung, Symbolik, etwas, was uns nachdenklich oder betroffen machen kann: Warum wird der ausgebrannte, charakterlose Lloyd Burko ausgerechnet von seinem Sohn Jerome aufgenommen, bei dem sich abzeichnet, dass er ein ebensolcher Loser ist wie sein Vater? Es macht mich nachdenklich, wenn ich lese, wie die drahtige, nicht mehr ganz junge Profifrau Hardy Benjamin sich von einem Penner ausnutzen und sogar öffentlich demütigen lässt und nicht wahrhaben will, was da geschieht. Die Geschichte um die alte Dame Orrnella, die Leserin, die jede Zeitung immer erst ganz ausliest, bevor sie zur nächsten greift und im Jahre 2007 erst am 23.4.1994 angekommen ist, hat eine symbolische Ausdruckskraft. Es wird sogar spannend, wenn sie nun nachforscht, warum die nächste Ausgabe vom 24. April 1994 fehlt. - Die noch nicht erwähnten Geschichten sind soso, eher wenig aussagestark.
Sie sind immerhin realitätsgesättigt (aber das ist Journalismus auch). Rachman war selbst Redakteur an der International Herald Tribune in Paris und hat ganz offensichtlich seine genauen Beobachtungen und Erfahrungen ausgewertet. Die Geschichten sind wie Filmscripts geschrieben, locker, leicht, anschaulich. Wem das genügt, der ist mit diesem Buch gut bedient - aber der ganze Hype, der um den Roman herum entfacht wurde, und was da so auf dem Cover steht, das ist wohl doch etwas hoch gegriffen.
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am 5. Oktober 2010
Ein Erstling voller literarischer Frische, überzeugender Charaktere und in Stil und Sprache ungemein überzeugend, dass sind die 'Unperfekten', die Tom Rachmann mit einem breiten Hintergrund eigener Lebenserfahrung im geschilderten Umfeld, vorlegt.

Dass Print-Medien seit Jahren stark unter wirtschaftlichem Druck stehen, dass manche Traditionsblätter der verschiedenen Nationalitäten zum Teil nur knapp (bisher) Insolvenzen vermeiden konnte und die Zukunft alles andere als rosig aussieht, all das ist Teil der Realität sich vollziehender kultureller Veränderungen, die auch vor dem alten Kulturgut Zeitung keinen Halt machen.

Diese Krise ist Thema und Blaupause des Romans von Tom Rachmann, allerdings weniger, um sich über kulturelle Abstiege zu gerieren oder ein Requiem der Zeitungswelt zu komponieren, sondern vielmehr (und das unglaublich treffend und überzeugend), um die Geschichte und Geschichten seiner Protagonisten zu erzählen. Unperfekt sind sie alle, wie sie durch die Seiten des Buches ihre Geschichte entwickeln, unperfekt, aber jeder und jede für sich ein Überlebenskünstler par excellence. Und natürlich der festen Überzeugung, dass die Welt auf nichts anderes sehnlicher wartet als ihre nächsten Texte und Berichte.
Ganz auf sich bezogen, voller Macken und Brüche und grundlegend darauf bedacht, den eigenen Lebensstil gegen alles Bedrohliche zu bewahren, vor allem gegen die Kollegen. Jeder für sich bereits schwer verdaulich, als Gruppe in der Vielfalt der (mit größtmöglicher Lust) geschilderten Unzulänglichkeiten eine (höchst elegant geschilderte) Offenbarung an gestörten Gestalten.

Nach 50 Jahren ist die Zeitung am Ende. Misswirtschaft, Desinteresse des aktuellen Besitzers, als englischsprachiges Blatt in Rom mit immerhin 150.000 Exemplaren an Auflage dennoch nicht mehr am Puls der Zeit. Zurück bleibt letztlich nur ein existentialistisch abgenutzter und abgearbeiteter Redaktionsraum. Ehemals Heimat von solch unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Arthur, zuständig für Nachrufe (keiner kann ihm hier das Wasser reichen), vor allem aber geübt im konstruktiven Nichtstun. Oder Lloyd, ängstlich im Wesen, einsam und als Korrespondent für Paris sich mehr schlecht als recht über Wasser haltend. Dazu noch Ruby, die ihre besten Jahre so langsam hinter sich sieht, immer noch nicht die Liebe gefunden hat, mit aller Kraft auf der Suche ist und aufgrund dessen nicht mit ganzer Konzentration ihrer Aufgabe als Texterin nachzugehen vermag. Diese und andere bevölkern den Redaktionsraum, der, ebenso wie die Zeitung selbst und alle handelnden Protagonisten, an vielen Fronten um Sinn und überleben kämpft. Kämpfe, von denen zum Ende des Buches hin noch lange nicht jeder gewonnen sein wird, aber, bis auf wenige, auch nicht alle verloren zu geben sind.

Das Buch lebt. Das ist eine der Erkenntnisse von Tom Rachmanns Roman. Sein Buch lebt vor allem von drei wesentlichen Zutaten jedes guten Romans. Zum einen Sachkenntnis. Tom Rachmann schreibt als Insider der gehetzten, kreativen, neurotischen Welt des Journalismus. Zum zweiten von seiner Fähigkeit der genauen Beobachtung und Darstellungskraft dieser Welt in den einzelnen Charakteren von der Chefredakteurin über den verschrobenen Besitzter, der nichts mit einem Zeitungsmogul alter Prägung gemein hat bis hin zum freien Korrespondenten, der ohne weiteres jederzeit in Gefahr steht, abgesägt zu werden. Und zum dritten lebt dieses Buch von den weitreichenden sprachlichen und stilistischen Fähigkeiten des Autors, der zu keiner Sekunde Durchhänger erkennen lässt und auf keiner Seite langweilt.
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Format: Taschenbuch|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
In seinem Debüt-"Roman" porträtiert der Brite Tom Rachmann, Mitarbeiter, den letzten Besitzer und eine (!) Stammleserin einer internationalen Tageszeitung in Rom. Jede Person wird in einer deprimierenden Lebenssituation schlaglichtartig beleuchtet. Die Zeitung bildet die formale Klammer um die mit viel Einfühlung und (schwarzem) Humor für die menschlichen Schwächen geschilderten Personen. Fast beiläufig, in zeitlichen Versatzstücken und mit nur kurz erwähnten Berührungspunkten zur Gegenwart wird die Geschichte der Zeitung von der Gründung bis zum Niedergang erzählt.

Ein "Zeitungsroman" ist dieses Buch dennoch nicht. Zwar kommen die Kapitelüberschriften als wunderbar viel versprechende, reißerische Schlagzeilen daher ("Das Sexleben islamischer Extremisten")!, zwar zeigt das Buch in den ersten Geschichten wie Artikel entstehen, mit welchen Problemen ein Journalist zu kämpfen hat und woran so manche Story scheitert, dennoch bleibt das äußerliche Zeitungsgeschehen (leider) nur der Aufhänger zur ausführlichen Schilderung der Macken und der intellektuellen und emotionalen Defizite der verschiedenen Individuen, deren größte Gemeinsamkeit die Suche nach Wegen aus der Einsamkeit ist. An die Stelle einer spannungsgetriebenen Handlung tritt die Beschreibung von Empfindsamkeiten der diversen Seelenlandschaften, gewürzt mit Ironie, Illusionslosigkeit und einem Hauch Sarkasmus. Es sind nicht gerade die Genies, die wir kennen lernen. Durchschnittliche Menschen, mehr oder weniger intelligent und erfolgreich, mehr oder weniger frustriert, mehr oder weniger einsam, mehr oder weniger ungeschickt. "Unperfekt" ist eine schmeichelhafte Beschreibung für manchen dieser Vertreter: für Versager, Hysteriker oder Traumtänzer.

Und hier liegt für meinen Geschmack auch der Schwachpunkt dieses ansonsten gut geschriebenen Buches: es gibt zu viele von diesen Typen in einem einzigen Buch. Was anfänglich unterhaltsam und zum Teil amüsant zu lesen ist, fängt nach der Hälfte des Buches an zu nerven. Am liebsten möchte man so manche Person durchschütteln, damit sie aufwacht und das Offensichtliche zur Kenntnis nimmt. Je weiter man liest, desto stärker treten Frust, Selbstmitleid und Kuriosität an die Stelle von Melancholie und untergründiger trauriger Romantik. Diese Menschen haben wenig bis nichts Inspirierendes. Kein Wunder, dass die Zeitung Pleite geht. So ist dem Autor sicher ein überdurchschnittlicher Episodenroman mit gekonnten Charakterporträts, zum Teil an der Grenze zur Satire, gelungen, aber ab der Mitte überrascht nichts mehr wirklich. Auf Grund dieses Defizits: 1 Stern Abzug.
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am 23. April 2016
Ich habe dieses Buch in Englisch gelesen.
Das Buch ist auch eine Abrechnung mit dem "American Dream" - Realität vs. öffentliche Wahrnehmung von "Erfolgsmenschen". Nach dem Motto: Jeder der extrem erfolgreich in einem Bereich seines Lebens ist. muß zwangsläufig in einigen wenn nicht in allen Anderen versagen. Mit dieser "Erkenntnis" kann man sich offensichtlich als Amerikaner vom Druck des American Dreams befreien.
Die Charakterisierung der handelnden Personen ist sehr oberflächlich (amerikanisch?). Die Personen wirken nicht echt, sind in ihrer Handlung nicht vorhersehbar teilweise nicht nachvollziehbar. Die Personen werden vor dem geistigen Auge nicht sichtbar als Persönlichkeiten und werden auch sehr eindimensional beschrieben. Am Beginn hat man den Eindruck der Roman schildert nur eine Reihe von Personen die auf verschiedenste Art im Leben versagt haben. Erst nach einigem Nachdenken versteht man die oben geschilderten Zusammenhänge. Klassisch ist auch die Art und weise wie die handelten Amerikaner in dem Roman sich in einem anderen Land lebend verhalten: wollen Amerika dort hin tragen wo immer sie leben, ignorieren größtenteils völlig die sie umgebende Kultur des Gastlandes (Sprache, Hintergründe für Handlungen, Traditionen, ...), beurteilen andere Kulturen nur durch die amerikanische Kulturbrille.
Völlig un-amerikanisch ist es, dass es kein Happy End gibt.
Genial ist am Ende des Buches das Interview des Autors mit sich selbst.
Ich bin nicht sicher, ob der Autor sich all der Dinge die er in diesem Buch (über sich? - über Amerikaner?) preisgibt beim Schreiben bewusst war.
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am 4. Juni 2012
In 11 Porträts zeichnet der Autor Tom Rachmann das intensive Bild einer internationalen Zeitungsmannschaft, die in Rom um die stetig schwindende Leserschaft kämpft. Auch wenn kaum eines der Porträts länger als 40 Seiten ist, schafft es Rachman, dem Leser die Figuren sehr nahe zu bringen. Während die Zeitung langsam aber unaufhaltsam ihrem Ende entgegenschlingert, verstricken sich ihre Redakteure, Reporter, Korrektoren, Leser und Verleger in zwischenmenschlichen Beziehungen, müssen den Tod eines Kindes verkraften, im Ausland um ihren ersten Artikel kämpfen, einen demütigenden Seitensprung ertragen, usw.

Mal traurig, mal komisch, aber immer leichtfüßig und mit ironischer Distanz begleitet Rachman seine Figuren. Besonders beeindruckt hat mich, wie Rachman ihre Schwächen offen legt. Ihren Egoismus, ihren Narzissmus, die Intrigen, mit denen sie sich für erlittene Demütigungen rächen. Im Newsroom scheint es kaum Freundschaften zu geben, jeder kämpft allein und alle kämpfen sie gegen irgendetwas - selbst die alte Leserin Ornella, die mit der Lektüre der Zeitung in der Vergangenheit feststeckt, statt 2007 liest sie noch im Jahr 1994, und der die Zeitungsausgabe vom 24. April 1994 abhanden gekommen ist. Kurz: "Die Unperfekten" ist ein wunderbares, intelligentes Lesevergnügen!
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am 25. Oktober 2010
Format: Taschenbuch|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Zum Inhalt:

Der in London geborene und in Vancouver aufgewachsene Journalist Tom Rachman erzählt in seinem Debütroman die Geschichte des Aufstiegs und Niedergangs einer internationalen englischsprachigen Tageszeitung in Rom. In elf episodenartig konzipierten Portraits stellt er dem Leser verschiedene Angestellte der Zeitung in ihrem persönlichen und beruflichen Umfeld vor. Ebenfalls mit von der Partie sind die wohl treueste Leserin des Blattes und ein freier Mitarbeiter. Die Überschriften beziehen sich jeweils auf einen bestimmten Artikel, mit dem die betreffende Person gerade beschäftigt ist. Der gesamte Text ist im Präsens verfasst und auf den letzten Seiten jedes Kapitels wird fortlaufend in relativ kurzen Passagen die Entstehungsgeschichte der Zeitung aufgerollt. Das Ende des Buches markiert auch das Ende der Tageszeitung und dem Leser wird das letzte Puzzleteil zur Klärung der Frage geliefert, warum das groß angelegte Projekt letztendlich scheitern musste.

Meine Meinung:

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich die Bezeichnung "Roman" im vorliegenden Fall für sehr irreführend halte. Denn das Buch ist eher eine Ansammlung von Kurzgeschichten, deren einziges Bindeglied die Tageszeitung ist. Die Protagonisten der einzelnen Geschichten haben kleine Gastrollen in anderen Portraits und zwar immer dann, wenn es um das Berufliche und somit um die Beziehungen der Redakteure und Reporter zueinander geht. Ich finde es nicht weiter verwunderlich, dass sich die Produktionsfirma von Brad Pitt die Filmrechte für die Story gesichert hat, denn ich kann mir den Stoff sehr gut als Episodenfilm vorstellen. Wahrscheinlich wird er durch die für ein Drehbuch notwendigen Veränderungen sogar an Attraktivität gewinnen.

Das Buch konnte mich nämlich nur teilweise überzeugen. Ich hatte Schwierigkeiten, bis zum Ende durchzuhalten, da ich die Handlung zum großen Teil als zäh und uninteressant empfand. Wenn man überhaupt von Handlung sprechen kann, denn der Autor neigt zur Nacherzählung von Ereignissen aus der Vergangenheit seiner Figuren. So erfährt der Leser zwar etliche Details über allerlei berufliche und private Stationen der verschiedenen Figuren, wird aber an vielen Stellen nicht über die näheren Begleitumstände in Kenntnis gesetzt, die dazu geführt haben, dass wichtige Beziehungen im Leben dieser Leute bis heute nicht funktionieren. Gerade bei diesen Gelegenheiten verschenkt der Autor viel Potenzial. Wo er in die Tiefe gehen müsste, um Spannung oder zumindest Betroffenheit, wenn nicht sogar Mitgefühl zu erzeugen, verweigert er jedwede Erklärung und lässt den Leser mit schwammigen Andeutungen im Regen stehen. So weist eine Person massive Persönlichkeitsstörungen auf, während andere Charaktere übertrieben unkonventionelle Verhaltensweisen an den Tag legen. Das soll dem "Roman" wohl einen originellen Anstrich verleihen, wirkte in seinem gehäuften Auftreten auf mich aber nur unglaubwürdig und angestrengt. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Fazit:

Leider konnte ich mit "Die Unperfekten" relativ wenig anfangen. Selbstverständlich trägt der Autor keine Schuld an den Lobeshymnen, die überall über sein Buch zu finden sind. Überzogene Erwartungen von Leserseite aus sind ihm also nicht anzulasten. Ich bin mir jedoch ganz sicher, dass ich auch ohne jede Beeinflussung von außen mein eher negatives Urteil gefällt hätte. Es mag ja sein, dass Tom Rachman das in einigen Filmen und Büchern glorifizierte Berufsbild vom engagierten und anständigen Journalisten demaskieren wollte, nur frage ich mich, wieso er bei der Umsetzung dieses Anliegens genau ins andere Extrem fallen musste, so dass alle Welt nach dem Lesen denken könnte, Journalisten wären fachliche Versager oder Schwindler und würden privat samt und sonders durch die Hölle gehen. Die Darstellungen der arbeitstechnischen Abläufe und persönlichen Seilschaften innerhalb der Zeitung habe ich dagegen als informativ und kurzweilig empfunden und Rachmans manchmal etwas lakonischer Schreibstil mit seinen knappen Sätzen passte dazu sehr gut. Deshalb gibt es insgesamt noch drei Sterne von mir!
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