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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswert
'Was? Ein Buch über Frank Lloyd Wright, geschrieben von jemandem, der in einem von Wright gebauten Haus lebt? Her damit!' - dachte ich mir und musste feststellen, dass der Meister selbst nur die Klammer ist, die den Roman zusammenhält.
Es dreht sich zwar alles um ihn, den von Geldnot und innerem Zwang getriebenen, genialen Architekten, aber hier ist er...
Veröffentlicht am 7. Oktober 2009 von MMMichael

versus
70 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut durchdacht, aber spannungsarm
Mit seinem Roman "Die Frauen" widmet sich T.C. Boyle dem Leben des US-amerikanischen Star-Architekten Frank Lloyd Wright (1867 - 1959) im Zeitraum von 1909 bis zu Beginn des 2. Weltkriegs.

Wright war nicht nur ein begnadeter Architekt, sondern auch eine Person des öffentlichen Lebens, die sich aufgrund ihres "unmoralischen Lebenswandels" immer wieder in...
Veröffentlicht am 22. Februar 2009 von Sommerzeit


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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswert, 7. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Frauen: Roman (Gebundene Ausgabe)
'Was? Ein Buch über Frank Lloyd Wright, geschrieben von jemandem, der in einem von Wright gebauten Haus lebt? Her damit!' - dachte ich mir und musste feststellen, dass der Meister selbst nur die Klammer ist, die den Roman zusammenhält.
Es dreht sich zwar alles um ihn, den von Geldnot und innerem Zwang getriebenen, genialen Architekten, aber hier ist er sozusagen nur die Bühne für die Frauen, die sich an seiner Seite ablösten.

Das allerdings ist gut gemacht. Die vier Kapitel (jedes einer seiner vier Frauen gewidmet) sind so unterschiedlich geschrieben, dass die Lektüre Spaß macht. Der Leser erlebt F. L. Wright, dessen Projekte und die immer komplizierten Umstände der jeweiligen Beziehung aus Sicht der aktuellen Frau. Besonders Maude, die schillerndste, exaltierteste in dieser Riege ist interessant. Sie ist wohl der Alptraum jedes Mannes, hysterisch und irrational, trotzdem haben ihre Handlungen, so wie Boyle sie erzählt, eine innere Logik.

Die größte Katastrophe in Wrights Leben, die zeitlich eher am Beginn der beschriebenen Epoche liegt (erste Hälfte des 20. Jh.), wird ab und zu angedeutet, doch erst am Ende des Buches beschrieben. Das hält die Spannung aufrecht.

"Die Frauen" ist ein originelles, interessantes und unterhaltsames Buch. Für meinen Geschmack hat es einige Längen; ein paar Seiten weniger wären mehr gewesen, deshalb nur 4 Punkte.
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70 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut durchdacht, aber spannungsarm, 22. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Frauen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit seinem Roman "Die Frauen" widmet sich T.C. Boyle dem Leben des US-amerikanischen Star-Architekten Frank Lloyd Wright (1867 - 1959) im Zeitraum von 1909 bis zu Beginn des 2. Weltkriegs.

Wright war nicht nur ein begnadeter Architekt, sondern auch eine Person des öffentlichen Lebens, die sich aufgrund ihres "unmoralischen Lebenswandels" immer wieder in die Schlagzeilen brachte. Als "unmoralisch" ist zu verstehen, dass Wright dreimal verheiratet war und auch während seiner Ehen Beziehungen zu anderen Frauen unterhielt.

T.C. Boyle schildert in seinem Roman drei dieser Beziehungen/Ehen, wobei es jeweils darum geht, wie sie entstehen, wie die Reaktion der jeweiligen (noch-)Ehefrau ist, wie die Presse (und die öffentliche Meinung) darauf reagiert, wie sie sich entwickeln und wie sie enden.

Was mir an "Die Frauen" gefällt:

* Die Erzählperspektive.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht eines (fiktiven) japanischen Architekten, der in den dreißiger Jahren mehrere Jahre als Schüler bei Wright lebte, lernte und arbeitete und trotz der vielen charakterlichen Schwächen Wrights auch im hohen Alter noch loyal gegenüber seinem ehemaligen Meister ist.

* Die gut durchdachte Struktur.
Der Roman ist klar in drei Teile gegliedert. Jeder Teil widmet sich einer "Beziehung", wobei chronologisch rückwärts erzählt wird. Begonnen wird also mit der dritten Ehefrau, der montenegrinischen Olga und dem Drama der Scheidung von der zweiten Ehefrau Miriam, einer morphiumsüchtigen Psychopatin. Im zweiten Teil wird geschildert, wie Wright eben diese Miriam kennen lernt und wie sich die Beziehung entwickelt. Der letzte Teil beginnt mit der Trennung von seiner ersten Ehefrau Kitty, die er nach zwanzig Ehejahren und sechs gemeinsamen Kindern verlässt, um "in wilder Ehe" mit seiner Geliebten Mamah zusammenzuleben, bis diese auf äußerst tragische Weise ihren Tod findet.

Jeder dieser Teile hat eine Einleitung, in der gewissermaßen als Rahmenhandlung der japanische Architekt seine eigene Zeit gemeinsam mit Wright erzählt. Diese Gliederung empfinde ich als sehr gekonnt und gut gelungen.

* Die Darstellung des prüden Amerikas zu Beginn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Obwohl es damals weder Fernsehen, noch Internet gab, brachte es Wright immer wieder zu Schlagzeilen - allein weil er es als "Promi" wagte, mit anderen Frauen als seinen jeweiligen Ehefrauen zusammenzuleben.

Was mir an "Die Frauen" nicht gefällt:

* Die unsympathischen Charaktere.
Star-Architekt Wright wird als eitler, von sich selbst vollkommen eingenommener Mensch, der ständig über seine Verhältnisse lebt und selten seine Schulden zurückzahlt, dargestellt. Er kann gut reden und sich selbst darstellen, ist aber ein Ausbeuter mit bigotten Moralvorstellungen. Auch seine Frauen bleiben mir letztlich unsympathisch. Die erste ist eine Zicke, weil sie nicht in die Scheidung einwilligt. Die zweite lässt ihre beiden Kinder in einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" zurück, nur um mit ihrem geliebten Architekten zu leben. Die dritte ist einfach nur unmöglich und die vierte vollkommen farblos.

* Die fehlende Identifikation mit den Protagonisten.
Ein ganz wichtiges Kriterium für einen guten Roman ist aus meiner Sicht, dass ich mich in die Figuren hineinversetzen und somit ihr Denken und Handeln nachvollziehen kann. Das ist bei "Die Frauen" weitestgehend nicht der Fall. Nur der neu eingestellte Butler, der das Massaker, bei dem auch die Geliebte Mamah umkommt, verursacht, ist wirklich gut dargestellt.

* Flacher Spannungsbogen.
Dieser ergibt sich fast zwangsläufig aus den unsympathischen Protagonisten, in die ich mich nicht hineinversetzen kann. Denn wenn mich Menschen nicht interessieren, lassen mich auch deren Geschichten eher kalt. Aufgrund der gelungen Struktur und auch der spöttischen Erzählweise gelingt es T.C. Boyle dennoch, seinen Roman so interessant zu gestalten, dass die Spannung, gerade im dritten Teil, deutlich steigt und in einem echten Show-down gipfelt.

Fazit: "Die Frauen" ist ein interessanter, ordentlich gemachter Roman, bei dem der Funke für mich jedoch nicht übergesprungen ist.

Die Frauen
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25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen der schlechteste Boyle, 15. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Frauen: Roman (Taschenbuch)
Tja, lange drauf gefreut, schwer enttäuscht worden...das Buch ist gleichermaßen langatmig wie handlungsarm. Wo sind die hervorragend kontrastierten Gegensätze wie in América oder Der Samurai von savannah? Ein großartiger Handlugsaufbau wie in Worlds End oder interessante Nebenschauplätze wie in Willkommen in wellville? Nix. Die Handlung schleppt sich drei todlangweilige Abschnitte lang durch verschiedenen Beziehungen zu Frank Lloyd Wrights Frauen und somit auch durch Phasen seines Lebens. Weitere Handlung besteht im Grunde nicht. Es werden lediglich die Frauen und ihre Liebe bzw ihre Abneigung gegen Frank dargestellt, gern auch wechselhaft. Zwischendurch immer mal langweilige Abschnitte über seine Heimat Taliesin oder einzelne architektonische Entwürfe. Das einzig einigermaßen abwechsungsreiche stellen die Vorworte der einzelnen Abschnitte durch FLWs japanischen Schüler dar, wobei selbst diese nicht an gewohnte Meisterwerke Boyles heranreichen. Das ist ziemlich arm und ich hätte nicht gedacht, dass das passieren könnte, aber dieses Werk ist tatsächlich noch schwerfällifer als das merkwürdige Ein Freund der Erde. Wer noch keine Erfahrung mit TC machen konnte, dem seien zu Anfang der Rezension erwähnte Werke ans Herz gelegt, von diesem hier sei jedoch definitiv abzuraten.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wortreicher Wälzer, 13. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Frauen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zwei seiner typischen Merkmale bringt T.C. Boyle in diesem Roman von 2009 zusammen:
- teils fiktive Biographie eines wohlhabenden Exzentrikers, den es tatsächlich gab, gern etwas egomanisch
- wortreiche, detailgenaue Beschreibung, die sehr lebhafte Eindrücke vermittelt

So schrieb Boyle bereits über einen historischen Afrika-Forscher (Water Music), den Corn Flakes-Erfinder Kellogg (Road to Wellville), einen seelenkranken Millionär (Riven Rock) und Sexforscher Kinsey (Dr. Sex). In The Women geht es um Frank Lloyd Wright, den amerikanischsten aller Architekten, und um seine Frauen.

Die meisten Boylebücher fand ich hinreißend (darunter auch Grün ist die Hoffnung, América, Samurai von Savanah), von allen Romanen sagte mir nur World's End nicht zu. Die Beschreibungen in The Women erscheinen mir diesmal jedoch zu genau, zu wortreich, mitunter zu bombastisch effektheischend formuliert, einfach teils überflüssig, all diese Details braucht kein Mensch, und ich vermisste jene makrofotografische Präzision, die etwa in T.C. Boyles América so exakte Vorstellungen erzeugt.

Weil ihm der Lauftext nicht ausreicht, packt Boyle weitere Beschreibung in Fußnoten. Und wenn ihm hier nichts einfällt, dann heißt es in einer Fußnote über eine völlig unwichtige Nebenfigur ohne Nachname auch einmal: "No surname available. No one seemed to recall anything about him, except that he was called Mel." (S. 74 im Penguin-Taschenbuch) Wird Boyle pro Wort bezahlt? In einer anderen Fußnote nennt er lediglich eine Jahreszahl - vier Ziffern. Die passten nicht in den Lauftext?

Das Buch ist nicht chronologisch. Der erste Teil zeigt - mit vielfach wechselnder Perspektive - den Übergang von Miriam zu Ogilvanna, also von Dame 3 zu 4. *Danach* kommt die Annäherung an Dame 3 (an Miriam). Danach die Annäherung an und die Beziehung zu Dame 2 (Mamah). Das tragische Ereignis auf Wrights Anwesen wird erst nur angedeutet und viel später erneut aufgegriffen; vom Leben mit der ersten Ehefrau (Dame 1) und Mutter seiner sechs Kinder erfährt man nur das Ende.

Die umgekehrte Chronologie erinnerte mich an Harold Pinters vergnügliches Theaterstück Betrayal (Betrug; die Verfilmung ist schwach). Auch Betrayal läuft rückwärts ab und das führt zu vielen verblüffenden Pointen. In The Women bringt die umgekehrte Chronologie nicht so viel; sie erlaubt es dem Autor lediglich, ein besonders dramatisches Stück aus Wrights Leben am Ende zu platzieren. In einem Fall erleben wir das Werben um eine Frau, nachdem wir viele Seiten zuvor das Scheidungsdrama durchgemacht und ihre unangenehmen Seiten kennengelernt haben. Die Rückwärtserzählweise soll den Roman wohl lediglich interessanter erscheinen, so wie auch die Fußnoten. Auch Boyle selbst sagte, so sei es für ihn und den Leser ungewöhnlicher. Boyle sagte auch in Dutzenden Interviews zum Roman immer wieder, dass er gern über Egomanen schreibt, wie bei Kellogg und Kinsey, und wie bei Kinsey lässt er in The Women die Handlung von einem Assistenten vortragen.

Definitiv macht die Rückwärtserzählweise den Roman unübersichtlich, und sie wurde von den meisten Kritikern nicht gelobt, ebensowenig wie der Fußnotenfimmel. Es schadet also nichts, sich im Internet vorab Wrights Leben durchzulesen und einige Häuser anzusehen, auch seinen Wohnsitz Taliesin, der im Buch eine große Rolle spielt.

T.C. Boyle selbst lebt in einem attraktiven Wright-Haus, das seine Frau aussuchte, und kam so auf sein Romanthema; die L.A. Times und das Wall Street Journal haben schön illustrierte Home stories mit Boyle ins Netz gestellt. Auf Architectural Digest erzählt er genauer, wie der Kauf zustandekam und wie er sich mit Renovierung, Erdbeben- und Brandschutz stresst.

Ich hab's auf Englisch gelesen. Boyle schreibt recht gebildet mit reichem Wortschatz und für mich relativ viel unbekannten Vokabeln (skein, onerous, abrasive, cloven, goad, ornery, slugabed, appurtenance), aber auch eigentümlich zahlreichen deutschen Vokabeln innerhalb des Erzähl-Englisch ("verboten", "Schadenfreude", "Hausfrau", die wohlgemerkt nicht im kurzen Deutschlandteil des Romans auftauchen).

Nach ca. 200 Seiten hatte mich The Women gefesselt, aller Phrasen- und Fußnotenhuberei zum Trotz. Aus dem Roman bin ich - ähnlich wie bei Boyles América - etwas erschöpft und abgekämpft herausgekommen. Beide Bücher werde ich noch lange "in den Knochen spüren". Beide Romane sind immerhin sehr lang, strapazieren Sensible mit wilden Ereignissen, Hauptdarstellern am Rande des Nervenzusammenbruchs und filmreifem Riesendrama am Ende. Eigentlich mag ich keine Kurzgeschichten, aber vielleicht nehme ich mir Boyles Kurzgeschichten einmal vor - zumindest wird er da nicht so schwafeln wie in The Women.

Wen knöpft sich T.C. Boyle als nächsten vor? Rockefeller? Bill Clinton? Boris Becker? (Die L.A. Times tippt auf Donald Rumsfeld.)

Zu Frank Lloyd Wright gibt es nicht nur zahlreiche Bio- und Monografien, sondern neben The Women auch mindestens zwei weitere Romane. Teils erscheint Wright darin nicht unter eigenem Namen, doch Nancy Horans nennt in ihrem Loving Frank (2007; für August 2011 auch auf Deutsch angekündigt) alle Figuren beim Klarnamen. Das Fünf-Sterne-Buch schildert sehr sensibel nur eine von Wrights Beziehungen, die Verbindung mit der freigeistigen, intellektuellen Mamah Borthwick Cheney; sie ließ für Wright Ehemann und Kinder zurück. Boyle und Horan schildern Borthwick in etwa vergleichbar, Horan ist jedoch weit detaillierter und einfühlsamer, weil sie nur eine von mehreren Beziehungen behandelt.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Roman über den amerikanischen Star-Architekten Wright, 3. Dezember 2010
Von 
Manfred Orlick (Halle, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Frauen: Roman (Taschenbuch)
Der amerikanische Kult-Autor T.C. Boyle hat sich wieder zu Wort gemeldet und mit "Die Frauen" bereits sein zwölften Roman vorgelegt. Nach dem Gesundheitsguru John Harvey Kellogg (in "Willkommen in Wellville", 1993) und dem Sexualforscher Alfred Kinsey (in "Dr. Sex", 2005) beschäftigt er sich dieses Mal mit Frank Lloyd Wright, einem der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Boyle widmet sich aber weniger mit der künstlerischen Arbeit des Star-Architekten sondern vorrangig mit seinen Ehefrauen bzw. Lebenspartnerinnen.

Der begnadete Künstler und überspannte Frauenheld Wright hat sich in der Prärie seinen Traum verwirklicht: sein grandioses Künstler-Anwesen Taliesin mitten im tiefsten Wisconsin. Hier lebt und arbeitet der Exzentriker zusammen mit seinen Schülern und geliebten Frauen sowie ihren zahlreichen Nebenbuhlerinnen. Selbstherrlich setzt er seine Studenten bei der Küchenarbeit ein, ignoriert die Wünsche seiner Auftraggeber, schläft mit deren Ehefrauen und hat überall Schulden.

Die Handlung des Romans verläuft chronologisch rückwärts, also von "hinten" nach "vorn". Sie wird aus der Perspektive von drei Frauen (Olgivanna, Miriam und Mamah) erzählt. Der Roman, der sich aus drei Teilen (überschrieben mit den Frauennamen) zusammensetzt, umspannt dabei den Zeitraum von 1909 bis 1930. Die einzelnen Teile sind in eine Rahmenhandlung um den ehemaligen japanischen Schüler Tadashi Sato eingebettet, der neun Jahre bei Wright gewohnt und gearbeitet hat. Wrights Leben ist ein Kampf zwischen Erfolg und Rückschlägen, zwischen Lobeshymnen und niederschmetternder Kritik einer sensationslüsternen Presse.

"Die Frauen" ist aber nicht nur eine Schlammschlacht zwischen den verschiedenen Rivalinnen, dem Autor gelingt mit der fiktiven und aufregenden Biografie von Wright auch ein äußerst genaues und kritisches Gesellschaftsbild des bigotten Amerika in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. T.C. Boyle erweist sich mit diesem fulminanten Sittengemälde wieder als messerscharfer Beobachter und als einer der großen Schriftsteller der Gegenwart.

Manfred Orlick
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23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Boyle zeigt eine neue Seite - seine katastrophale!, 11. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Frauen: Roman (Gebundene Ausgabe)
T.C. Boyle ist über die Jahre zu einem meiner Lieblingsschriftsteller geworden, weil er immer wieder völlig verschiedene Geschichten schreibt, die er manchmal genial, stets aber zumindest überdurchschnittlich erzählt. Darum schreckten mich auch die vielen schlechten Rezensionen zu seinem neuen Werk nicht. Wie oft irren solche Aussagen! Nun, dieses mal zumindest taten sie es nicht.
Boyle ist keiner der Autoren, die einen von Beginn an in ihren Bann reißen und auch dieses Mal beginnt er schleppend, genauer genommen noch deutlich schleppender als gewöhnlich. Der Autor versucht seinem Werk einen historischen Touch zu geben, Ähnlichkeiten zu Willkommen in Wellville" und Riven Rock" sind unübersehbar. Im Bemühen um Authentizität greift Boyle zu einem Stilmittel, welches man aus wissenschaftlichen Publikationen kennt: Er fügt seinem Text Fußnoten an. Dies hat den wohlbekannten Effekt: Der Lesefluss wird erheblich gemindert. Unbegreiflicherweise folgen sogar zu absoluten Belanglosigkeiten solche Fußnoten und sogar innerhalb dieser Querverweise auf frühere Fußnoten. Ein absolut grausamer Kniff, den der Autor hier anwendet. Aber auch ohne diese Fußnoten wäre es kein gutes Buch geworden. Unter anderem deshalb, weil über die nominelle Hauptperson des Buches, den Architekten Wright, verhältnismäßig wenig geschrieben wird. Weder wird eine Identifikation mit ihm geschaffen, noch deutlich gemacht, was diesen Mann so herausragend macht. Wäre dieses Buch maßgeblich, dann wäre es sein hervorstechendster Charakterzug gewesen sich in psychisch labile Frauen zu verlieben und mit diesen furchtbare Beziehungen zu führen. Seine Ehefrauen nehmen ohnehin einen sehr breiten Raum ein. Leider begeht der Autor einen weiteren großen Fehler, indem er die Geschichte nicht chronologisch erzählt. Stattdessen beginnt er mit der letzten der Frauen und erzählt dann deren Beziehungsgeschichte mit Wright von Anfang bis zum Ende. Warum aber soll man sich für die aufflammende Liebe zu einer Frau interessieren, wenn man sie schon seit 150 Seiten als morphiumsüchtige, völlig unzurechnungsfähige Ex kennt? Generell sind die Figuren aber im Gegensatz zum sonstigen Werk des Autors so blass, dass einem schon früh im ersten viertel bleierne Müdigkeit erfasst.
So ist mir ausgerechnet bei einem meiner Lieblingsautoren etwas passiert, was ich eigentlich an einer Hand abzählen kann: Ich habe ein Buch vorzeitig zugeklappt und nicht mehr weitergelesen. In diesem Fall sogar schon nach gut der Hälfte.
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3.0 von 5 Sternen Vom Leben gebeutelt und mitgerissen..., 9. April 2009
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Frauen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Boyle erzählt das Leben des amerikanischen Stararchitekten Frank Lloyd Wright, vor allem sein Familien und Eheleben. Das Ganze spielt Anfang bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, und führt uns in die damalige Gesellschaft von Amerika.

Das Besondere an diesem Buch ist, dass es zum Einen von einem ehemaligen japanischen Architektur Studenten (Tadashi Sato) erzählt wird, der jeweils am Beginn, der in drei Teile eingeteilten Buches einleitet und sich durch Fussnuten durchziehend während des ganzen Buches immer wieder als Kommentator und Erzähler bemerkbar macht.

Das Buch wird rückwärts was die Zeit betrifft erzählt, der Autor beginnt sozusagen mit der 4. Ehe seiner Ehefrau Olgivanna, lässt diesen Familienabschnitt und deren Enstehungsgeschichte vor dem Leser erscheinen, jeweils beginnend mit dem Ende der vorausgehenden Beziehung, Und so macht sich Boyle auf den Weg, um eine Ehe nach der Anderen aufzuzeigen. Die dritte Ehefrau gibt die Klinke sozusagen der vierten in die Hand usw..

Mittelpunkt ist der erbaute Wohnort Talisien, um den sich alles entwickelt, auch wenn sich Wright immer wieder von diesem Erzählzentrum entfernt und anderen Orten wie Chicago usw. sich während des Romans aufhält und das Leben auch ohne ihn dort zwischendurch erzählt.

Wir erfahren die Organisation dieses Ortes, Hauspersonal das dort arbeitet, Studenten die dort anreisen, leben arbeiten, Nachbarn und Orstbewohner die das private Leben und den Wechsel der Ehepartner der damaligen verurteilenden USA deutlich zeigen, Presse und Journalisten die sich am Privatleben Wrights erzürnen, und 4 versch. Frauencharaktere werden uns vorgeführt, die diesen arroganten Stararchitekten samt dem jap. Studenten (inkl. Boyle) lieben, selbst wenn er noch so ein Egoist ist der vor allem an seine eigenen Vorteile und Nutzen denkt.

Die Charaktere der Frauen werden vor allem aus Sicht der Beziehungsebene aufgezeigt, ansonsten erfahren wir nur spärlich wer diese Menschen waren.

Das alleinige Eheleben eines solchen Stararchitekten als Mittelpunkt und Handlungsebene zu nehmen, lässt die Frage offen, ob dieses Thema wirklich soviel hergibt, gegen Ende des Buches wurde ich etwas lesemüde und auch ein wenig gelangweilt, weil sich gewisse Abläufe in jeder Ehe zu wiederholen schienen, wie z.B. der Auflauf der Journalisten, wenn eine neue Frau im Haus eingezogen war und es noch niemand wissen durfte.

Obwohl ich die Sprache von Boyle wirklich mochte und eine aufkommende Flachheit im 3.Teil des Buches aufzuwiegen mochte, so wurde zumindest ich auf des Leben von Wright eher neugierig, man möchte gerne wissen was davon nun denn wahr ist und wie gut der Autor recherchiert hat.

Gegen Ende des Buches lässt Boyle nochmal Miriam erscheinen, die in diesem Teil des Buches Wright noch gar nicht kennt, sie liest einen Zeitungsartikel über einen Brand in Talisien und wird davon magisch angezogen...doch der Leser weiss zu diesem Zeitpunkt mehr über Miriam als sie selbst, es kommt einem vor als ob man in einer Zeitmaschine sitzt und über das ganze Leben von Talisien hinüberschaut..

Bei allem Hin-und Hergerissensein, bei diesem Autor, muss ich doch ehrlicherhalber zugeben, mich auf weitere Lektüre dieses Autors einlassen zu wollen, er mich neugierig macht, auf das was er bisher an Literarischem geschaffen hat.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Langeweile pur..., 30. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Frauen: Roman (Taschenbuch)
Wenn man bedenkt, welch kurzweiligen, umfangreichen, literarisch hochwertigen und zugleich witzigen Werke T.C. Boyle uns bereits präsentiert hat (World's end, Grün ist die Hoffnung, Wassermusik, Ein Freund der Erde, Drop City -meine pers. Boyle-faves)muss man sich anhand des vorliegenden Werks wirklich fragen: Wo bitte sind die messerscharfen Metaphern hin verschwunden, diese gelungenen bildlichen Vergleiche, die den Leser spontan auflachen ließen?

Schon die letzten Werke ließen dies vermissen, konnten aber wenigstens noch mit einer mehr oder weniger spannenden Story (z.B. Talk, talk) entschädigen.
In "Die Frauen" schildert Boyle das z.T. ausschweifende (Liebes)leben des berühmten Architekten Frank Lloyd Wright und verzettelt sich dabei auf über 500 Seiten heillos.
Vielleicht habe ich aufgrund der oben genannten Werke andere Erwartungen an einen Boyle, die dieser evtl. gar nicht mehr erfüllen will, dennoch vermisse ich Boyle's- von schwarzem Humor triefenden- Metaphern, die seine Werke so außergewöhnlich für mich machten.
Wäre bei "Die Frauen" am Cover nicht T.C. Boyle als Autor ersichtlich, ich hätte dieses Buch spätetstens bei Seite 200 aufgegeben.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Biographie eines Egomanen, 19. August 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Frauen: Roman (Gebundene Ausgabe)
T.C.Boyle ist spätestens seit seiner Biographie über Professor Kensey (Dr.Sex) vielen Lesern ein Begriff. Kensey war eine gespaltene Persönlichleit, der allerdings bis heute mit seiner Forschung auf dem Gebiet der Sexualität bahnbrechende Erkenntnisse über das Wesen der Homosexualität erarbeitet hat. In sofern ist die vorliegende Biographie über den Stararchitekten Frank Loyd Wright vergleichbar hinsichtlich seiner Besessenheit. Auch haben beide Figuren der Zeitgeschichte vergleichbare Charakterzüge. Genial, besessen von ihren Zielen, egomanisch und total rücksichtslos. Auch Wright war ständig in finaziellen Nöten und doch total anmassend in seinen Forderungen. Hinzu kam wohl auch eine gewisse Selbstüberschätzung, bei allen Verdiensten, die er sich erworben hat. Einmal steht er mal wieder vor einem Richter und er sagt: " Ich bin der berühmteste Architekt der Welt". Darauf der Richter:" Woher wollen Sie das wissen?" "Herr Richter, ich stehe doch hier unter Eid".
Wright war ein ausgesprochenen Frauenheld, dem Frauen regelrecht verfallen konnten und er nutzte das ziemlich schamlos aus. Gut, er geriet auch an die Falschen. Ein fürchterlicher Schicksalsschlag, bei dem er seine liebsten Menschen verlor, warf ihn aber auch nicht aus der Bahn.
Boyle erzählt das alles recht flüssig, auch wenn immer wieder die Authentizität fehlt. Er hat offenbar Schwierigkeiten mit der zwiespältigen Persönlichkeit eine Mannes wie Wright, er kommt ihm nicht wirklich nahe und scheint sich dann in Klischees zu flüchten. Doch bei allen Schwächen dieses Buches entsteht ein Bild von Wright, das dem Leser einen Menschen aus Fleisch und Blut skizziert, der durchaus so gewesen sein kann wie er von Boyle beschrieben wird.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Langeweile auf hohem Niveau, 30. März 2009
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Frauen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit "Wassermusik", der enorm amüsanten - und fiktiven - Achterbahnfahrt durch das Leben des Afrikaforschers Mungo Park begründete T. C. Boyle seinen Weltruhm als Schriftsteller, und er legte damit das Fundament für Folgeprojekte wie "Willkommen in Wellville" oder "Dr. Sex", deren Protagonisten ebenfalls Figuren der Zeitgeschichte waren, die Boyle auf seine unnachahmliche Art einerseits demontierte und denen er zugleich Liebeserklärungen machte. Genies sind eigenwillig, nicht immer Vorbilder in sämtlichen Lebensbereichen, manchmal sogar ziemlich abgedrehte Knalltüten. Dieser Tenor schwingt in all jenen biographischen Romanen mit. So auch in "Die Frauen", der das Leben des Stararchitekten Frank Lloyd Wright thematisiert, der vor allem in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts erfolgreich die "organische Bauweise" propagierte - und der u.a. das Guggenheim-Museum in New York schuf.

Wie in "Dr. Sex", dessen Hauptfigur der Sexualforscher Albert Kinsey war, stellt Boyle in "Die Frauen" Frank Lloyd Wright einen fiktiven Erzähler aus dem unmittelbaren Dunstkreis zu Seite, in diesem Fall einen Architekturschüler aus Japan. Dieser tritt nur im Rahmen der Einleitungen zu den drei Teilen des Romans in den Vordergrund, und ansonsten macht er sich durch Fußnoten bemerkbar - übrigens ein Aspekt, der den Lesefluss manchmal erheblich behindert.

Diese drei Teile sind jenen Frauen gewidmet, die Wrights erster Ehefrau Kitty folgten. In umgekehrter Chronologie schildert der Roman nur nebenher, häufig sogar lediglich angedeutet Wrights Laufbahn und Erfolge; im Vordergrund stehen die Epochen, die die drei Folgefrauen markierten. Allen Beziehungen war gemein, dass sie mit "wilden Ehen" begannen, zu Zeiten, als Wright noch mit der jeweiligen Vorgängerin verheiratet war. Da dies während der ersten drei Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts geschah, waren die moralischen Implikationen erheblich. Wright, der ohnehin auf zu großem Fuß lebte, ständig hoch verschuldet war und außer der eigenen Meinung keine andere gelten ließ, war - glaubt man Boyle - praktisch ständig Anfeindungen ausgesetzt, worunter jene Beziehungen und vor allem die Frauen selbst erheblich litten.

"Die Frauen" ist ein großes, sehr langweiliges Buch. Groß, weil Boyle ein anschauliches Sittengemälde gelingt, ein biographisches Werk, das viel Zeitgefühl und einiges über seine Hauptfigur vermittelt. Langweilig, weil es keine Entwicklung gibt, und weil die Figuren allesamt armselig und fremd- bzw. wrightgesteuert daherkommen, beginnend bei der Schülerschar des Architekten und längst nicht endend bei seinem Harem. Einzig Miriam, die offensive, selbstbewusste, drogensüchtige Mittvierzigerin, die Wright auf furiose Weise gezielt erobert, um dann ebenso großartig an der Beziehung zu scheitern, entwickelt Konturen und nachempfindbare Eigenschaften. Die anderen Frauen in Wrights Schatten verharren dort auch, weshalb sie sich nicht als Hauptfiguren eignen. Bleibt eine sich im Kreis drehende Lebensgeschichte, der auch die ironische Stimme des japanischen Erzählers nicht genug Farbe verleiht, um sie einen mehr als fünfhundert Seiten starken Roman tragen zu lassen. Tatsächlich gibt es amüsante und spannende Passagen, aber am Ende steht die Erkenntnis, dass weder Kunstgriffe bei der Chronologie, noch Selbstplagiate bei der Erzählperspektive darüber hinwegtäuschen können, dass hier nur etwas mäßig Interessantes erzählt wird. Auf hohem Niveau zwar, aber das erweist sich als wenig probates Mittel gegen die fortwährende Leserermüdung.
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Die Frauen: Roman
Die Frauen: Roman von T. C. Boyle (Taschenbuch - 1. November 2010)
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