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48 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Humorvolle Aufrichtigkeit
In ihrem ersten Erinnerungs-Band "weiter leben" hat die 1931 in Wien geborene Jüdin Ruth Klüger über ihr Leben und das ihrer Familie während der Nazi-Zeit berichtet. Nachdem sie das KZ überlebt hatte, wanderte sie nach Amerika aus. Ihr Leben dort steht im Mittelpunkt des zweiten Teils "unterwegs verloren". Beruflich erfolgreich als...
Veröffentlicht am 21. August 2008 von suusl

versus
0 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kommt an "Weiter leben" nicht heran
Da ich "Weiter leben" sehr gerne gelesen habe stürzte ich mich gleich auf dieses Buch. Schade - uninteressante Aufzählung eines nicht sonderlich spannenden Lebens.
Muss man nichtn gelesen haben.
Veröffentlicht am 12. November 2010 von Leseratte


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48 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Humorvolle Aufrichtigkeit, 21. August 2008
In ihrem ersten Erinnerungs-Band "weiter leben" hat die 1931 in Wien geborene Jüdin Ruth Klüger über ihr Leben und das ihrer Familie während der Nazi-Zeit berichtet. Nachdem sie das KZ überlebt hatte, wanderte sie nach Amerika aus. Ihr Leben dort steht im Mittelpunkt des zweiten Teils "unterwegs verloren". Beruflich erfolgreich als Literaturwissenschaftlerin an verschiedenen amerikanischen Universitäten, ist ihr Privatleben alles andere als ein Erfolg. So berichtet sie von einer freud- und weitgehend auch gefühllosen Beziehung zu ihrem Ehemann, von dem sie sich schließlich scheiden lässt. Als Mutter zweier Söhne muss sie nun allein für den Familienunterhalt sorgen. Da in den 50- und 60-er Jahren Frauen für eine Hochschulkarriere noch nicht vorgesehen waren, muss Ruth Klüger Barrieren überwinden, die sie letztlich zur Feministin werden lassen. Ruth Klügers Erinnerungen sind eine wirkliche Bereicherung. Zum einen, weil sie Einblicke geben in das Leben einer Exilantin, die auch in den USA immer wieder auch mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Zum anderen erlaubt das Buch tiefe, bisweilen intime Einblicke in ein Familienleben dieser Zeit. Besonders bestechend: Ruth Klügers Aufrichtigkeit und ihr Humor, der ein leiser, aber umso angenehmerer ist.
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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bad, 11. November 2008
Von 
Robert Fischer (Muenchen, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dies ist das Buch einer bösen alten Frau. Und um nicht missverstanden zu werden: Genau das ist auch das Gute daran. Denn hier ist jemand erkennbar nicht mit sich "im Reinen", nicht gewillt, erinnerungsselig Anekdötchen zum Besten zu geben; sondern hier werden offen gebliebene Rechnungen beglichen. Da bleibt ein Hauch von Unversöhnlichem, der an manchen Stellen schwer erträglich wäre, würde die Autorin nicht sich selbst ebenso ungeschminkt präsentieren wie ihre Umwelt. Dass es vorzugsweise, aber nicht nur, Männer sind, gegen die sich ihre Wut richtet, sollte für eben diese kein Grund sein, das Buch nicht zu lesen - im Gegenteil. Denn hinter der unerbittlich scheinenden Fassade wird eine in hohem Maße verletzliche, verletzte Persönlichkeit sichtbar, deren Schicksal auch dann anrühren würde, wenn man vom "Urgrund" ihrer Verletzung nichts wüsste.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bittere (?) Erinnerungen, 27. Juni 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ruth Klügers Erinnerungen, Teil 2, wirken vordergründig sehr bitter. Und sie sind es wohl auch, zumindest teilweise.
Diese Frau hat vieles er- und überlebt, aber die Probleme waren keineswegs 1945 zu Ende.
Ein sehr, sehr lesenswertes Buch, aber nur in Verbindung mit Teil 1: Ruth Klüger, weiter leben, Eine Jugend.
Ich habe 1952 im Nachbarhaus gelebt, ich kann mich nicht an diese Frau erinnern, weil ich damals erst 8 Jahre alt war. Aber da waren so viele "Ruth Klügers" quasi auf der Durchreise nach den USA und Palästina/Israel, die alle zusammen einen sehr tiefen, bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbequem und offen, widerständig, poetisch, eigensinnig, jüdisch!, 22. April 2012
Rezension bezieht sich auf: unterwegs verloren: Erinnerungen (Taschenbuch)
Das Buch ist eine Fortsetzung des Bestsellers "weiter leben" von 1992, in dem Ruth Klüger ihre Kindheit und Jugend beschreibt. Sie war zusammen mit ihrer Mutter als Jüdin in verschiedene KZs verschleppt worden. "unterwegs verloren" erzählt nun die Geschichte weiter. Ruth Klüger emigrierte in den 50er Jahren in die USA, studierte Germanistik, arbeitete als Dozentin, heiratete und wurde Mutter von zwei Söhnen. Sie erzählt gleichzeitig die Geschichte ihrer Annäherung an das Nachkriegsdeutschland und die Geschichte ihres ersten Bucherfolgs.
Ruth Klüger ist eine kluge, im besten Sinne eigensinnige und widerständige Dichterin, Schriftstellerin Literaturwissenschaftlerin. Literatur war als Kind ihr Rettungsanker, ihre Flucht, ein Mittel, der Wahrheit näherzukommen und gleichzeitig Mittel, diese Wahrheit in Frage zu stellen.
Kein falscher Pathos, kein Zurückzucken, um des Rufs, des Prestige oder des guten Tons willen. Ruth Klüger hat ein schwaches Herz, wie wir erfahren, aber ihr Geist ist stark wie eine Löwin, weil sie hinschaut, hinspürt, analysiert und ausspricht, was sie weiß und spürt. Weil sie ihren Gefühlen (doch) traut und ihrem Wissen. Sich als Opfer nicht weiter zum Opfer machen lassen, sich nicht kleinmachen lassen, nicht alles glauben, was uns die Koryphäen glauben machen lassen wollen. Das ist es, was Ruth Klüger auf ihre sehr eigene Art, in ihrer sehr eigenen und poetischen Sprache vermittelt.
Viele Rezensionen sprechen von Kränkungen, von tiefen Verletzungen und gescheiterten Beziehungen. Manche beklagen richtiggehend, wie schlecht die Männer in Ruth Klügers Erinnerungen wegkommen. Verraten diese Kommentare nicht viel davon, wie sehr man gerade in der literarischen Szene darum bemüht ist, zu glätten, zu beschwichtigen und eben nicht genau hinzuschauen? Weil es doch peinlich ist und weil eine Anklage auf uns zurückfallen würde?
Es sich mit Walsers und Unselds nicht verderben zu wollen, nicht als gekränkte und verletzte alte Frau dastehen zu wollen? Mir scheint, dass viele der Rezensentinnen und Rezensenten vielleicht eine der Kernaussagen des Buches nicht verstanden haben: Verdrängung bringt gar nichts. Verdrängung entspringt der Feigheit, sich nicht unbequemen Fragen stellen zu wollen und letztlich bewirkt Verdrängung, dass sich nichts in den Köpfen ändert, keine Veränderung möglich ist. Und vielleicht wollen sich viele nicht bewegen? Wollen auf Frauen herabschauen und alte Ressentiments gegen Jüdinnen und Juden pflegen? Und was macht dieses Buch so lesenswert? Die Kraft rührt aus der Ehrlichkeit der Autorin, aus der Offenheit die Leserinnen teilhaben zu lassen an den Ambivalenzen, Kränkungen und klugen Gedanken, dem Humor, und, was die "Bewältigung" unserer Geschichte und Geschichten angeht, nicht immer in derselben langweiligen Brühe zu dümpeln. Was für ein Glück, eine so belesene, erfahrene und mutige Germanistin zu entdecken! Eine, die furchtlos auf die alten Kamellen von Thomas Mann, Kleist u.a. losgeht, uns den Kopf andersherum aufsetzt, so dass uns der plötzliche Perspektivwechsel verblüfft erkennen lässt, ja, das sind Katastrophen, die Judenfeindlichkeit in der deutschen Literatur, ja, Frauen lesen anders und ja, Männer setzen Frauen zu oft herab und wollen auch noch, dass wir darüber schweigen.
Ruth Klüger will mit diesem Buch nicht nett sein. Nett, wie es vielleicht viele erwarten würden. Wie sie es selbst schreibt. Es gibt Wichtigeres!
Einhellig wird im öffentlichen Leben dazu aufgerufen, die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten. Dass aber die Überlebenden des Holocaust mit den traumatischen Erfahrungen zurecht kommen mussten und müssen, gehört das nicht dazu? Meine Empfehlung: unbedingt lesen!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen außergewöhnlich!, 11. Januar 2009
Von 
Maria Dorn (Hanau) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Eigentlich wurde ja schon alles gesagt, in den obigen Rezensionen. Eine Sache möchte ich noch ausdrücklich ergänzen: Ruth Klügers >unterwegs verloren< und >weiter leben< sind u.a. voll außergewöhnlich spürbarer und tiefer Authentizität. (Alice Miller, die schweizer Psychoanalytikerin, wird/würde an diesen Boigrafien ausnahmsweise ihre Freude haben.) Trotz des "starken Tobak", fehlt es nicht an Sprachwitz und Ironie, was das Lesevergnügen noch zusätzlich steigert und verhindert, daß einem gänzlich "blue" wird.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das literarische Zeugnis einer Frau, deren Leben immer wieder aus Trennungen von Menschen und Orten bestand, 3. September 2008
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
In "weiter leben", ihrem autobiographischen Überlebensbuch erzählte die Autorin Ruth Klüger 1992 die bewegende und dramatische Geschichte eines Überlebens. Dieses Buch ragte unter den vielen anderen lesenswerten Büchern von Überlebenden des Holocausts noch heraus und wurde vielleicht auch deswegen mittlerweile in zehn Sprachen übersetzt.

Sie erzählte damals, wie viele andere auch seltsam nüchtern und distanziert, ohne viel Emotion und Leidenschaft, wie sie als junges Mädchen die schrecklichen Vernichtungslager von Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt überlebte.

Doch nach dem Überleben kam für diese Menschen das Überleben, das Danach. Nicht wenige sind daran gescheitert, nahmen sich oft nach langen Jahren erst das Leben, wie etwa Jean Amery oder Primo Levi, alle aber standen sie vor großen Problemen. Kann es, so lautete die fast tägliche Frage von Überlebenden, kann es überhaupt ein Danach geben oder bleibt der überlebenden Mensch sein ganzes Leben lang mit seiner Seele dem verhaftet, was "dort" geschehen ist ? Die lesenswerten im Jüdischen Verlag erschienenen Bücher von Lizzie Doron etwa, geben Zeugnis davon, wie diese Last bis in die zweite Generation kaum zu tragen und ertragen ist.

Ruth Klüger hat sich nun, 15 Jahre nach "weiter leben" dazu entschlossen, von diesem Kampf zu erzählen. Davon, wie sie nach dem Krieg in die USA ging, dort sich ausbildete und über die Jahre eine auch in Deutschland angesehene Literaturwissenschaftlerin wurde. Sie erzählt von ihrem selbstbewussten Feminismus und ihrer Schriftstellerei.
Doch oft ist sie "unterwegs verloren", kommt kaum irgendwo wirklich an und ist auch in ihrem Privatleben alles andere als glücklich. Zu ihren beiden Söhnen entwickelt sie eine sehr schwierige Beziehung (Lizzie Doron beschreibt dieses Phänomen von der Seite der Kinder her), ihre Ehe ist ein "Eheunglück" und sie empfindet die letztliche Scheidung als große Befreiung.

Doch sie gibt nicht auf, kehrt nach ihrem "späten Ruhm" in die alte Heimat zurück und spricht und schreibt wieder in ihrer alten Sprache.
Ruth Klüger beschreibt die Gegenwart ohne die Schatten der Vergangenheit zu übersehen, wie könnte sie auch ? Sie stellt sich nüchtern dem Alter und ihren nachlassenden Kräften:
"Mit jedem Verlust gleitet der Fuß abwärts, auf jeder Reise bröckelt ein Stück Ich ab. Was unterwegs verloren geht, bist immer du selbst, und der nächste Ankunftsort besteht, wie die vorigen, aus dem Jetzt und dem Jenseits, es gibt keinen neuen Anfang, nur Fortsetzungen auf einem Weg, der zusehends schmaler wird.
Hat sich die Reise gelohnt ? Na ja: 'Es ist uns schon schlechter gegangen'".

Es ist dieser "Verstand, Witz, Trotz und Mut" (Elke Heidenreich) der die Lektüre von Ruth Klügers Buch so interessant und bewegend macht.
Sie hat neben anderem ein feministisches Bekenntnis geschrieben, nicht zornig, aber unerbittlich in der Sache. Ein literarisches Zeugnis liegt her vor von einer ungewöhnlichen Frau , deren Leben immer wieder aus Trennungen von Menschen und Orten bestand.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit gekränktem Kopf und beschädigtem Herzen, 5. Oktober 2012
Von 
Ulf Evers (Wattenbek) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Zwischen den Büchern „weiter leben“ und „unterwegs verloren“ liegen sechzehn Jahre. Dass in diesen Jahren einiges passiert ist, wird auch im Kleinen deutlich. War „weiter leben“ noch den „Göttinger Freunden“ gewidmet, ist in „unterwegs verloren“ von „Göttinger Neurosen“ zu lesen. Auffällig ist, dass die Göttinger zumindest im Buch den „Wiener Neurosen“ voran gehen.
Und vermutlich ist auch noch mehr passiert als im Buch steht, denn es liegt auch noch ein Verlagswechsel zwischen den Büchern: von Göttingen nach Wien.

Aber es lohnt nicht, zu spekulieren, dafür bietet das Buch zu viel.

Sich selbst beschreibt Frau Klüger an einer Stelle als Heimkehrerin mit gekränktem Kopf und beschädigtem Herzen.
Die Leser dieses Buches erfahren, wie Frau Klüger sich, ihr privates, ihr berufliches Leben rückblickend betrachtet. Erfahren, dass Kränkungen und Verletzungen kein Ende mit dem Abschluss der Jugend gefunden haben, sondern sich fortsetzen. Dass das Erleben, das Denken, das Fühlen, das Handeln bestimmt und „leider“ verhält sich nicht Frau Klüger neurotisch, sondern die Welt, in der wir leben. So genervt ich teilweise beim Lesen des Buches war, wenn wieder die Frage gestellt wurde: „Warum war ich ihnen zuwider? Frau oder Jüdin?“, so erschreckend ist, zu erkennen, wie begründet diese Frage ist.

Mich haben viele Passagen in diesem Buch berührt. Passagen über die viel geschrieben wurde, etwa das einleitende Kapitel über die Geschichte der Nummer oder auch der Bruch mit Martin Walser.
Noch mehr allerdings berühren mich die eingestreuten Gedichte. Besonders das Gedicht „In memoriam Anna Fuchs“. Die Strenge des Aufbaus, die Schönheit der Sprache, aber auch das enthaltene Versprechen: ich werde weiterreden

Ich hoffe, dass dieses „weiterreden“ in einem oder mehreren Gedichtbänden geschieht. Auf die bin ich neugierig!
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gespenster, die mich heimsuchen, 9. November 2010
Von 
H. P. Roentgen - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: unterwegs verloren: Erinnerungen (Taschenbuch)
In Ihrem Buch weiter leben: Eine Jugend schilderte Ruth Klüger, wie sie als jüdisches Mädchen Auschwitz überlebte. Sie schuf damit eines der ehrlichsten und authentischsten Bücher über das Leben in den deutschen KZs.

In diesem neuen Buch schildert sie ihr späteres Leben in den USA als Literaturwissenschaftlerin. Immer wieder greifen die Erinnerungen nach ihr, auch wenn sie glaubte, dass die Gespenster mit dem Älterwerden zurückweichen, stellt sie doch letztendlich fest, "dass die Jugenderlebnisse nicht die geringste Absicht hatten, sich aus der Psyche zu entfernen."

Doch nicht nur darüber schreibt sie. Sondern über ihren WEg als Literaturwisssenschaftlerin in den USA in einer Zeit, als Frauen an den Universitäten selten waren und sich ihren Weg mühsam erkämpfen mussten. Dabei schildert sie manches, dass heute kaum mehr vorstellbar scheint und lässt damit die Fünfziger bis Siebziger Jahre wieder lebendig werden. Auch ihre Ehe mit einem Kollegen war nicht glücklich, damals hatte die Karriere der Frau hinter der des Mannes zurückzustehen. Am besten angesehen waren die Frauen, die erst gar keine anstrebten. Schließlich sollte eine Ehefrau ihren Mann unterstützen.

Lange dauerte es, bis sie sich wieder zurück nach Deutschland wagte. Um so wichtiger für sie, dass ausgerechnet hier ihre Autobiografie "Unterwegs verloren" einen solchen Erfolg hatte.

Noch länger brauchte sie, um ihre alte Heimatstadt Wien wieder zurück zu erobern. Die Erinnerungen kommen zurück wie Gelsen. Nicht nur die Bösen, auch daran, was ihr an Wien gefällt. "Andererseits ist mir diese Wiener Wurschtigkeit gemäßer als die deutsche Prinzipienreiterei":

Das Buch wirkt oft bitter, obwohl Ruth Klüger jedes Jammern vermeidet, nur erzählt. Wie oft ihr "Jüdisch Sein" ihr auch in den USA angekreidet wurde. So sind die Erinnerungen auch eine Zeitgeschichte, eine Fahrt in die Vergangenheit nach dem zweiten Weltkrieg, ein Blick in das universitäre Milieu, die Intrigen dort und wie kleinkariert es dort zugeht, wo eigentlich Neugierde herrschen sollte.

Und eben wegen diesem scharfen Blick hinter die Kulissen, wegen der lebendigen Sprache, der lakonischen, kurzen Erzählweise, fesselt es auch den, der sich für Literaturwissenschaften und Universitäten gar nicht interessiert. So entstand ein bemerkenswert spannendes Zeitkolorit.

Hans Peter Roentgen
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0 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kommt an "Weiter leben" nicht heran, 12. November 2010
Rezension bezieht sich auf: unterwegs verloren: Erinnerungen (Taschenbuch)
Da ich "Weiter leben" sehr gerne gelesen habe stürzte ich mich gleich auf dieses Buch. Schade - uninteressante Aufzählung eines nicht sonderlich spannenden Lebens.
Muss man nichtn gelesen haben.
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unterwegs verloren: Erinnerungen
unterwegs verloren: Erinnerungen von Ruth Klüger (Taschenbuch - 1. September 2010)
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