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Kundenrezensionen

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Walter Kapacher, Jahrgang 1938, Salzburger hat sehr viele Romane geschrieben, ist aber bisher bei dem breiten Lesepublikum völlig unbekannt geblieben. Mit diesem Roman konnte er nun in der Stille, fernab von jeglichem Erfolgsdruck, ein Werk schaffen, dass ganz der Stille verpflichtet ist. Es ist ein Buch der Langsamkeit und der Abwendung vom alltäglichen Leben, dass durch seine Gleichgültigkeit fasziniert, das heißt, das alle gleich gültig ist. Es geht um das Leben an sich und um das Sterben. Es geht um die Frage, wie lebe ich und wie kann ich leben, es ist eigentlich ein Buch über ungelebtes Leben, weil unser aller Leben sehr selten „wirklich“ gelebt ist.
Zum Plot: Stefan, der Protagonist, ein Lehrer aus Salzburg, nimmt sich ein Jahr eine „Auszeit“, geht in die Toskana. Von Selinas Onkel Heinrich, einem Deutschen der in der Toskana lebt, übernimmt er ein einsames, ziemlich verwahrlostes Bauernhaus. Seine Aufgabe sieht er darin dieses Haus wieder in Ordnung zu bringen. Walter Kapacher erzählt protokollierend von einem Leben in Einsamkeit, ohne fließendes Wasser, ohne Elektrizität. Er berichtet von den Nachbarn, die er dann doch kennen lernt, von Fahrten in die Umgebung, von Bildern und Büchern die in interessieren und bewegen. Er reflektiert über diesen Heinrich, der bald stirbt und über Selina, über die Liebe zu ihr, die aber letztlich nichts anderes als grenzenlose Erwartung ist. Selina taucht eigentlich nur am Anfang und am Ende des Buches kurz auf. Am Ende kommt sie mit ihrem Mann aus Düsseldorf angereist um das Haus des Onkels aufzulösen. Als letztlich Stefan Unterlagen an Selina schicken will, da muss er feststellen, dass er weder ihren Namen noch ihre Anschrift kennt.
Das Buch ist kein Aussteigerroman, es ist vielmehr eine Offenbarung in einer Art Meditation, ein absolutes Anti-Event Buch. Der Ich-Erzähler berichtet von den einsamen Abenden, wenn er auf der Terrasse liegt, den Nachthimmel beobachtet, den Sternenhimmel betrachtet und immer wieder sein eigenes Sein in Frage stellt. Dabei hat er manchmal den Eindruck der letzte Mensch auf der Erde zu sein, den ein Sog nahezu ins Universum zieht.
Kleinigkeiten und Alltäglichkeiten erzählt er ereignishaft, wenn auch die anfängliche Ereignislosigkeit bei der Lektüre verwundert. Er schafft irgendwie eine Oase, eine Welt für die man leben kann, und er bringt damit eine gewisse Besinnlichkeit ins Leben zurück, die wir im Alltag immer wieder absterben lassen. Und wenn er auf der einen Seite von dem Zivilisationsmüll, dem lärmenden Verkehr, den Scheußlichkeiten unsere Umwelt spricht, auf der anderen Seite von den Büchern, den Bildern, den Wiesen, dem Himmel, dem Vieh, den Ameisenstraßen, von den vielen kleinen Kostbarkeiten, dann hat man manchmal das Gefühl, dass es sich auch für die vielen kleine Dinge im Leben zu leben lohnt und das man sich in den vielen kleinen Dingen suchen und finden kann. Es ist die Geschichte einer langsamen Annäherung durch Metamorphose.
Es ist die Langsamkeit, die ich als Therapie und Balsam in unserem hektischen Leben empfunden habe. Es ist ein schönes, dichtes Buch, schöngeistige Literatur, Prosa des neunzehnten Jahrhunderts. Das eigentliche Thema ist eine „unstillbare Melancholie“, in einer harmonischen Innerlichkeitsstory, voller Langsamkeit im Erzählton. Martin Walser der immer wieder für Walter Kapacher’ s „Beckettsche Dimension“ geworben hat, sagte einmal über ihn: „Auch wenn er spricht, glaubt man er schweige“.
Es ist ein glänzend geschriebenes Buch, das ich mit Nachdruck und Leidenschaft aus vielen Gründen empfehlen kann. Immer dann, wenn Hektik des Alltags und Nervosität zu qualvoll werden, dann sollte man Ruhe in diesem Buch finden.
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am 7. Mai 2010
In einem sehr ruhigen und seltsam gemäßigten Erzählfluss entsteht eine Geschichte, die von dem Lehrer Stefan erzählt, der für einige Zeit eine Auszeit aus seinem Lehrerdasein genommen hat.
Er lernte zufällig in der Toskana Heinrich Seiffert kennen.
Wer ist dieser ältere Herr? Die Frage bleibt unbeantwortet. Man erfährt lediglich, dass er zwei Häuser besitzt, die er nicht beide bewirtschaften kann. So bietet er Stefan an, sich eines der beiden Häuser, ein halb verfallenes Bauernhaus, wieder bewohnbar zu machen.
Stefan nimmt das Angebot freudig an.
Die meiste Zeit beschäftigt er sich hier mit Rodungen und dem Reparieren des verfallenen Hauses. Neugierig erwartet er die Ankunft Selinas aus Deutschland. Sie ist die Nichte Heinrich Seiferts.

Nach und nach lernt er die Bewohner des nahe gelegenen Dorfes kennen, und hin und wieder macht er einen Ausflug nach Florenz oder Arezzo, um sich mit alten Gemälden und Kirchenbauten zu beschäftigen. Toskanaliebhaber werden den einen oder anderen Ort mit seinen Besonderheiten wieder erkennen.
Keine spektakulären Ereignisse trüben den trägen Ablauf der Zeit, der Tage und Wochen. Im Dorf sieht man sich zu einem Kaffee und trennt sich wieder. Gelegentlich wird Stefan zum Essen vom einen oder anderen Ortsbewohner eingeladen. Er ist auf- und angenommen in dem kleinen Dorf.
Die Tage vergehen mit Bauarbeiten und mit der Urbarmachung des Geländes. Nächtliche Stille, Sonne, Mond und Sterne führen durch die Zeit. Ein Weg durch die Dunkelheit, das Getier in den Mauerritzen,--alles wird vermerkt und beobachtet.

Die ruhige Stille der Erzählung und die ausgewogene Sprache übertragen sich auf den Leser.

Stefan kommt zur Selbstbesinnung und zur Reflexion über sein Leben und das Leben aller Lebewesen. Schließlich geht es um Leben und Unsterblichkeit in Anlehnung an das Buch"Selina"von Jean Paul. Es sind die uralten Fragen der Menschheit, die auch diesen Protagonisten beschweren und bewegen.
Kappacher fängt in seinem Roman Stimmungen ein, die unvergleichlich subtil und klar sind.
Er zeigt, dass auch unspektakuläre Ereignisse von einem verborgenen Wert zeugen, den so mancher Zeitgenosse verloren hat. Die Stille, das Lauschen und die Schärfung aller Sinne führen den Protagonisten zurück zu den einfachen Fragen des Seins.
Ein Buch für stille und nachdenkliche Stunden.

Walter Kappacher ist in Salzburg geboren und Inhaber verschiedener hochrangiger Literaturpreise.
Er lässt sich keiner Gruppierung zuordnen und nimmt eher eine Einzelgängerposition ein.
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am 20. September 2010
Durch eine zufällige Begegnung am Bahnhof von Arezzo trifft der Autor den Besitzer eines kleinen, verlassenen Anwesens in toskanischen Apennin und wird von selbigen eingeladen, dieses zu bewohnen und soweit in Stande zu halten, damit dessen Verfall nicht weiter fortschreitet.
Das Anwesen "Mora", die eigentliche Hauptperson des Buchs entpuppt sich als ein idyllischer Fleck inmitten eines Olivenhains, in welchem der Erzähler mit unglaublichem Respekt und Liebe zum Kleinen den Sommer seines Sabbatjahrs verbringt. Das Schneiden des Gestrüpps, das Mähen der Terrassen, die Begegnungen mit dem Getier, die Ausbesserungsarbeiten am Haus und die Freundschaft mit Heinrich Seiffert, dem im benachbarten Ort lebenden Besitzer des Anwesens lassen den Erzähler einen Sommer lang eine glückliche Idylle erleben.
Ohne jegliche Klischees wiederzugeben, spiegelt das Buch eine tiefe Liebe zu einem Land, dessen Kultur und Landschaft wider. Der Mentalität der Bewohner des Dorfes in einer einsamen Ecke der apenninischen Berge, an dessen Rand "Mora" liegt, zollt der Autor tiefen Respekt und Wohlwollen zu.
In ihrer Stille wird die Natur um "Mora" zum Spiegel für philosophische Überlegungen zu Tod, Unendlichkeit, Einsamkeit und Freundschaft. In seiner Einsamkeit entrückt der Erzähler vollkommen seinem Alltag und erlebt ein tiefes Glückgefühl. Wenn auch im Hintergrund spielt das Wissen um die Freundschaft mit Heinrich Seiffert hierbei eine entscheidende Rolle. Kann das empfundene Glücksgefühl doch lediglich im Wissen um den anderen und dessen Freundschaft aufrecht bleiben und durch dessen plötzlichen Tod unerwartet gebrochen.
Wie in einer Vorahnung des Freundes Tod, nimmt der Erzähler die Einsamkeit des Nachthimmels über dem Anwesen plötzlich nicht mehr als Idylle wahr, sondern als bedrückende Kälte und Verlassenheit.
Dieses Erlebnis ist auch der Anfang eines Abschieds von einem glücklichen Sommers in den Bergen Mittelitaliens.
Ein Buch voll von Liebe, Stille und Respekt, fern ab von unserer lärmenden, überreizten und hastenden Welt. Man nimmt beim Lesen unweigerlich den Atlas zur Hand und beginnt mit dem Gedanken zu spielen, sich auf die Spuren des Erzählers zu begeben. Ein großes kleines Buch.
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am 21. Dezember 2009
Das Buch hat mich sehr enttäuscht. Es ist das erste, das ich von Kappacher - seines Zeichens immerhin Büchner-Preisträger - gelesen habe und wird wohl auch das letzte bleiben. Ein antriebsloser und des Lehrens müder Lehrer (wie orginell!) fährt in die Toskana und bewohnt ein heruntergekommenes Landhaus. Er lernt Einheimische kennen, fährt mit seinem Simca herum (ein Auto, das ich als junger Mann tatsächlich noch gesehen habe)und trinkt Wein. Das wars. Nun kann man natürlich berechtigterweise sagen: man braucht keine komplizierten storys auszuhecken, um etwas Spannendes zu erzählen, der Alltag reicht völlig aus. Dem schließe ich mich ohne Einschränkung an - WENN der Autor halt in der Lage ist, diesen Alltag und die Personen lebendig und spannend zu beschreiben, und das ist Kappacher definitiv NICHT. Hier bewegt sich nichts, höchstens die Fledermäuse und Schlangen im Gehölz. Das Schicksal des öden Lehrers hat mich schon nach zehn Seiten nicht mehr interessiert - da sind die 1180 Seiten von Anna Karenina kurzweiliger. Ich kann die euphorischen Kritiken nicht verstehen. Und die "leise Musikalität" seines Stils hat sich mir auch nach 200 Seiten noch nicht offenbart. Ich finde diesen Stil einfach gespreizt, humor- und spannungslos. Ich gebe zu - vielleicht liegts an mir, und mir fehlen einfach die "Kappacher-Rezeptoren"..
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am 19. Mai 2013
Dieser Titel ist dezidiert nichts für Leserinnen und Leser die es mögen, wenn in einem Buch viel geschieht. Das heisst allerdings nicht, dass Walter Kappachers Buch langweilig wäre: Vielmehr ist das Gegenteil der Fall.

In der Abfolge des (eigentlich ganz und gar nicht) Alltäglichen wird man mit hineingezogen in ein Leben, in dem man es sich einrichten könnte, das viele Elemente aufweist, in denen man sich im einen oder anderen Aspekt wiedererkennen möchte: Es ist ein, wenn nicht kaputtes, so doch gebrochenes und an vielen Stellen wieder irgendwie zusammengeflicktes Leben, aber keine aussichtslose oder sonderlich schwierige Existenz. Der Protagonist verschafft sich allerdings einen Freiraum, und in diesem entfaltet sich die Geschichte.

Ein Sabbatical in der Toskana, ein Mann, weitestgehend alleine mit sich selbst. Kappachers bildgewaltige und dennoch schlichte Sprache vermögen durchaus zu fesseln und zu entführen, in eine archaische, aber keinesfalls ferne Welt.

"Selina" ist ein stilles, aber niemals ein langweiliges Buch, eher im Gegenteil: Nach einigen Seiten baut sich eine Spannung auf, die sich bis an das Ende durchzieht, man möchte erfahren wie es weitergeht, obwohl kaum etwas geschieht, aber die präzise und akkurate Beschreibung, die Auseinandersetzung des Protagonisten mit seinem Leben, der Verfahrenheit, und den Perspektiven, das alles zieht einen hinein.

Walter Kappacher, auf den ich selbst nur durch den Büchner-Preis aufmerksam geworden bin, ist zu einem meiner Lieblingsschriftsteller geworden. Er ist ein überragender Beobachter, mit enormem Sprachgefühl versehen, ein ruhiger und zurückhaltender Schreiber. Aber aus diesen Facetten heraus entwickeln seine Bücher eine eigene Dynamik. Man hat es fast mit einem Minimalisten zu tun, dessen Kunst darin besteht, den Leserinnen und Lesern nichts hinzustellen als ein paar armselige Requisiten, aber aus diesen entwickeln sich vor dem Auge der Leserinnen und Leser die detailreichsten und farbenprächtigsten Bilder. Und das liegt durchaus an den Details, die er so sorgfältig einarbeitet.

Ein grossartiges Buch und eine uneingeschränkte Empfehlung. Bietet sich sommers wie winters an.
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am 7. August 2009
Kappacher ist der diesjährige Büchnerpreis-Träger. Nach Lektüre dieses Buchs (andere kenne ich nicht) verstehe ich das nicht.

Ein mittelalter Lehrer nimmt sich ein Jahr Auszeit und nutzt diese, um in der Toskana ein altes Bauernhaus zu renovieren. Seitenlange Beschreibungen von Banalitäten folgen (mehr als 80 % schätze ich mal). Renovierungsarbeiten - was hat er vor, was setzt er um, wo kriegt er das Material her, was für Schwierigkeiten tauchen auf, wann kauft er was wo ein & was isst er, wen besucht er wann & wo, wer besucht ihn, was läuft dort im Fernsehen, wie schmeckt der Wein, wie ist der Himmel, welche Straße fährt er wohin, wie kurven- oder verkehrsreich ist diese, welches Geräusch hört er in der Nacht, trifft er heute eine Viper, eine Fledermaus oder ein Wildschwein?

Erinnert mich sehr an unser tägliches Leben auf dem Land am Waldrand. Man tut halt etwas dafür, dass man in der Natur überlebt, geht einkaufen, trinkt einen Kaffee, redet mit den Nachbarn. Sehr erzählenswert erscheint mir das nicht.

Für mich einzig interessant sind die Gespräche mit einem über 70-jährigen Deutschen (sein ,Vermieter'), der nach seiner Pensionierung in die Toskana ausgewandert ist. Themen: Literatur, Religion, Tod, Philosophie, Unsterblichkeit. Diese Gespräche nehmen allerdings sehr geringen Raum ein, eher gegen Ende, die letzten 20 Seiten.

Wir kennen solche Lehrertypen oder sind selbst solche. Nichts finde ich überraschend, fast alles banal. Ich phantasiere beim Lesen immer wieder, wer wohl in dieser Jury sitzt. Männer 40 + mit einer gewissen Zivilisationsmüdigkeit? Wohlhabende, gelangweilte, etwas schwermütige Menschen mit Luxusproblemen?
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am 24. Dezember 2012
Walter Kappacher schreibt sehr, sehr leise. Es umfängt einen eine meditative Stille, die flirrende Hitze eines toskanischen Sommers, das südliche Leben, verwoben mit den Alltäglichkeiten und Sorgen des menschlichen Seins. In Kappachers Roman geht es um nichts. Es ist eine Schilderung der Zeit. Ich weiß nicht, ob ich dieses Buch zu Ende lesen werde, nicht, weil es mir nicht gefällt, sondern weil es mich bewegt daran Teil zu haben.
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am 21. April 2012
"Selina oder das andere Leben" ist ein in vielen Passagen ein wunderschöner, stiller Roman, der den Leser tief in die Atmosphäre der toskanischen Lebensweise zu ziehen vermag. Man folgt diesem unaufgeregten und sprachlich ansprechenden Roman mit Besonnheit und Interesse und führt sich das dargestellte Leben, nach dem man sich selbst zu sehnen beginnt, selbst vor Augen. Eher unpassend ist die diesem Roman vom Autor auferlegte Intellektualität, der er mit pathetisch, aufgesetzt anklingenden Themen wie Tod und Unsterblichkeit versucht in die Handlung einzuflechten. Dieses Sinnieren des Protagonisten "Stefan" passt stellenweise einfach nicht.
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am 12. April 2006
Die Papiere ordentlich auf dem Beifahrersitz des rostigen Simca bereitgelegt, fährt Stefan in Salzburg los, um einen langen Sommer in dem verfallenen toskanischen Haus von Heinrich, Leser, Altphilologe und Onkel der Selina zu verbringen. Er richtet sich ein, kämpft gegen die wuchernde Natur.
Kappacher zeichnet kleinteilig: Miniaturen (die Beobachtung einer Schlange, ein Einkauf auf dem Antiquitätenmarkt, ein Mittagessen bei einer Familie im Vorort) fügen sich zu einem Ganzen. Vor Südeuropastereotypen verschont uns der Erzähler aber: Heinrich als intellektuell-moralische Instanz - und in dessen Hintergrund diese unbekannte unfassbare Selina - würden ihm eine romantisierende Darstellung nicht gestatten.
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am 24. Februar 2010
Selten habe ich ein so vollkommen überflüssiges Buch gelesen. Lehrer (wer sonst hat so viel Zeit, wochenlang in der Toskana rumzuhängen?) schmarotzt sich durch ein kleines Dorf (und ist selbst nicht übermäßig erfreut, wenn die Dorfbewohner ihn im Gegenzug abends besuchen, da wäre er dann doch lieber alleine), und renoviert ein altes Haus. Das alles liest sich so, als hätte Kappacher sich selbst einmal in die Toskana zurück gezogen, weil er dort in Ruhe ein Buch schreiben wollte - nachdem ihm dann aber partout nichts eingefallen ist, hat er einfach beschrieben, was er den ganzen Tag so getrieben hat: Heute Wiese gemäht, Kaffee bei Mario getrunken. Gestern Schinken gekauft. Wenn es irgendwo um "die Jean-Paul'schen Themen Liebe, Tod und Unsterblichkeit" geht, dann sind sie sehr gut versteckt - ich habe sie jedenfalls nicht entdecken können. Fazit: An Banalität kaum zu übertreffen - es passiert absolut nichts, was irgendwie wert wäre, gedruckt und von irgendjemandem gelesen zu werden, der nicht zufällig in diesem Dorf wohnt und sich zumindest daran freuen kann, sich im Buch wieder zu erkennen.
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