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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. April 2005
Was dieses Buch von so vielen der deutschen Nachkriegszeit - und leider auch Grass' manchmal doch recht selbstverliebtem Spätwerk - abhebt, ist für mich der Schwung, die liebevolle Schilderung der Figuren und über allem viel Phantasie.
Wie auch bei den anderen beiden Büchern aus der "Danziger Trilogie" scheint für mich viel Spontanität und Übermut im Spiel gewesen zu sein. Sicherlich ist Grass' Feder auch hier schon sprachgewaltig und nicht immer ganz einfach zu lesen; dennoch wirkt sie für mich nie konstruiert oder überspitzt.
Insgesamt endlich einmal ein Buch, das sich mit der unglücksseligen deutschen Vergangenheit zwar sehr bewußt, aber nicht voller Selbstmitleid und unter dem Mantel der Betroffenheit mit dem Thema auseinandersetzt.
Die Genialität dieses Werkes liegt für mich darin, diese Zeit zwar aus der Sicht eines nicht involvierten Außenseiters, aber eben auch nicht aus intellektuell-unterkühlten Gesichtspunkten heraus zu zeigen. Ich halte dieses Buch nach wie vor für den besten Roman übers 3. Reich - und das auch noch nach über 45 Jahren!
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15 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. September 2002
Die Geschichte spielt in den Jahren 1930-1950 und erzählt das Leben von Oskar Matzerath. Dieser beschloss, im Alter von drei Jahren nicht mehr zu wachsen. An seinem dritten Geburtstag erhält Oskar die schon bei seiner Geburt versprochene Blechtrommel von seinen Eltern. Allen ist bewusst, dass Oskar kein gewöhnliches Kind ist, denn er besitzt unter anderem eine Stimme, die Glas zum Zerbrechen bringen kann. Oskar freundet sich im Laufe seines Lebens mit vielen skurrilen Persönlichkeiten an, mit denen er immer wieder neue Abenteuer bestreitet. Als Oskar noch jung ist stirbt seine Mutter, an deren Tod er indirekt mitschuldig ist. Oskar erlebt die Übernahme Danzigs durch die Nazis. Er verteidigt mit seinem vermeintlichen Vater die polnische Post, scheitert aber an der Übermacht der Nazis. Oskar ist an dem Tod seines mutmaßlichen Vaters mitschuldig. Er spielt im 2.Weltkrieg in einem Fronttheater in Frankreich mit. Als er dann auch noch den Tod seines zweiten mutmaßlichen Erzeugers verantworten muss, trennt er sich von seiner Trommel und beschließt, wieder zu wachsen. Nach dem Krieg reist Oskar noch mal an die französische Atlantikküste und lässt seine Erlebnisse Revue passieren. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wird Oskar in eine Pflege- und Heilanstalt eingewiesen.
Günter Grass hat seinen Roman „Die Blechtrommel" in drei Bücher aufgeteilt. Das erste Buch berichtet von der Zeit vor dem 2.Weltkrieg, in dem zweiten Buch über die Zeit während des 2. Weltkrieges und im dritten Buch dann schließlich über die Zeit nach dem 2. Weltkrieg in Westdeutschland. Der erste Hinweis findet sich in dem Kapitel „Falter und Glühbirne", wo geschrieben steht: „Der Krieg (hiermit ist der 1. Weltkrieg gemeint) hatte sich verausgabt. Man bastelte, Anlass zu ferneren Kriegen gebend, Friedensverträge". „Das Gebiet ... (um Danzig) ... wurde zum Freien Staat erklärt und dem Völkerbund unterstellt" (S.47/48). Immer wieder weisen gewisse Aktionen von Personen in dem Roman auf geschichtliche Hintergründe hin. So heißt es in Bezug auf Stalingrad, dass Oskar sich „aber weniger um die sechste Armee...", als, „vielmehr um Maria(s)..." Grippe sorgte (S.416). Das Ende Rommels Afrikakorps wird mit dem Ende von Kurtchens Keuchhusten verglichen. Aber nicht nur weltgeschichtliche Ereignisse hat Günter Grass in seinem Roman eingebaut. Es gibt auch viele Parallelen zwischen dem Buch und der Biographie von Günter Grass. Die eindeutigste Parallele ist, dass der Roman hauptsächlich in der Geburtsstadt von Günter Grass spielt. Die Blechtrommel, die Oskar im Roman bei sich hat, dient als Zeichen der Auflehnung gegenüber den Erwachsenen. Hauptsächlich handelt dieses Buch von der Übernahme Polens durch die Deutschen.
„Die Blechtrommel" ist ein sehr eigenwilliger Roman, der eigenen Mechanismen unterliegt. Obwohl Günter Grass in seinem Roman die Zeitstränge Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kunstvoll verwebt, ist seine schwer lesbare Sprachwahl kein Genuss für den Leser. Erst nachdem ich die Verfilmung der „Blechtrommel" gesehen hatte wurde mir klar, worum es in diesem Buch geht. Dieses Buch ist für den gebildeten Leser verwirklicht worden, da die teilweise eine halbe Seite langen Sätze nicht einfach zu verstehen sind. Wenn man einen Satz zu Ende gelesen hat weiß man meistens gar nicht mehr, worum es am Anfang des Satzes ging. Während des Lesens war ich immer wieder begeistert, auf welche originellen Ideen Günter Grass gekommen ist. Die Anspielungen auf Nazideutschland habe ich kaum wahrgenommen. Erst im Film und in der Sekundär-Literatur wurde mir bewusst, wie viele Hinweise über den zeitgeschichtlichen Hintergrund, in dem Roman, zu finden sind. An manchen Stellen wirkt das Buch meiner Meinung nach unnötig übertrieben pervers. Mit diesem Buch wird der Ernst der Vergangenheit verdeutlicht. Die vielen versteckten geschichtlichen Hinweise sind informativ in eine spannende Geschichte eingebunden, wobei einige Kapitel zu langatmig sind. Günter Grass beherrscht es, um einen Punkt stundenlang herumzureden. Das mag vielleicht zu seinem Schreibstil gehören, aber für den Leser ist das keineswegs angenehm. Durch diese langen Sätze wurde der Geschichte die gesamte Spannung entrissen. Ich hatte mir mehr von diesem Buch erwartet. „Die Blechtrommel" ist kein Buch, dass man an einem Wochenende durchliest. Man muss schon einen längeren Zeitraum einplanen. Das hängt aber nicht nur mit der Länge des Romans zusammen, sondern auch mit dem hohen Anspruch, den das Buch an den Leser stellt. Günter Grass hat es mit diesem Werk geschafft, eine Geschichte aus der Sicht von verschiedenen Personen (z.B. als Oskars Pfleger für Oskar schreibt S.552-564) über die Vergangenheit und die Gegenwart zu verfassen. Ich kann nachvollziehen, warum dieser Roman den Literatur Nobelpreis erhalten hat. Rundum ist „Die Blechtrommel" ein gelungenes Buch, dass aber nur für erwachsene und gebildete Leser geeignet ist.
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38 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. Juli 2006
Ich habe es zu einer Regel für verfilmte Romane gemacht, mir erst die Verfilmung anzusehen, und erst dann den Roman zu lesen. Egal wie gut eine Filmversion ist, irgendeine Abänderung findet immer statt, daher befriedigt kaum eine Verfilmung auf voller Länge. Außerdem macht danach die Lektüre des Romans umso mehr Spaß

Bei der Blechtrommel dürfte es das erste (und ich hoffe letzte) Mal gewesen sein, dass diese Regel nicht gegriffen hat, ich vielmehr von einem beeindruckenden Film Lust auf den Roman bekommen habe und von diesem über alle Maßen enttäuscht wurde.
Dass der Film im Vergleich zum Roman doch so gut ist, hat einen einfachen Grund: Schlöndorff hat einfach die langweiligen Passagen aus dem Roman entfernt.

Als ich an der Stelle im Buch angelangt war, an dem sich der Film langsam dem Ende entgegenneigte (am Ende des 2. Weltkriegs), fragte ich mich, warum immer noch eine so weite Strecke im Buch vor mir lag.
Bis zu diesem Punkt fand ich das Buch durchschnittlich unterhaltend, eine einfache Sprache, interessante Geschichte- nichts besonderes, jedoch auch kein Buch über dass ich mich geärgert hätte.

Der letzte Teil des Romans, den Schlöndorff wohlweislich aus seiner Verfilmung ausgeschlossen hat, schaffte es jedoch, sowohl meinen Gesamturteil des Romans, wie auch des Schriftstellers Grass selbst, drastisch zu verschlechtern. Ich hatte vorher nichts von Grass gelesen, und dank diesem Roman werde ich wahrscheinlich auch für die nächsten Jahrzehnte keine Lust haben, diesem Schriftsteller noch eine Chance zu geben.

Und da "Die Blechtrommel" Grass Debütroman war, daher kann man hier auch nicht zu der beliebten Entschuldigung greifen, dieser Roman sei einfach nicht der "passende Einstieg" - es ist die Beliebigkeit, die Zusammenhanglosigkeit, die das letzte Viertel des Romans so unerträglich macht. Zahlreiche Handlungsstränge werden begonnen und keiner wird zu Ende geführt. Dies beginnt bereits noch während des Teils, der im Zweiten Weltkriegs spielt: Mal wird Oskar Matzerath Anführer einer Gruppe von jugendlichen Antifaschisten, die ihn scheinbar für einen Gesandten des Herrn halten, dann tritt er einer "Freakshow" bei, die eine Tournee durch die besetzten Westgebiete macht, plötzlich hat er einen Sohn. Von der Normandie reist er mal nach Berlin, mal wieder zurück nach Danzig.

Diese Handlungsabschnitte nehmen weitschweifige Kapitel in Anspruch, tragen jedoch nichts zu der eigentlichen Geschichte bei. Figuren werden vorgestellt, dann wieder für die nächsten 70 Seiten vernachlässigt.
Nach Kriegsende wird das Buch noch unübersichtlicher, noch episodenhafter. Die Flucht aus Danzig wäre ein geeigneter Moment gewesen, den Roman zu beenden. Nun fragt man sich, worauf die ganze Geschichte denn schlussendlich hinauslaufen soll.
Wieder erleben wir unzusammenhängende, wahllos aneinandergereihte Begebenheiten, die lediglich von dem Leitmotiv eines Ich-Erzählers und des im Titel vorgestellten Musikinstruments zusammengehalten werden.

Wer Grass Biographie kennt, wird schnell bemerken, dass er sich hierfür an eigenen Erfahrungen orientiert hat. Ein Abwägen zwischen wichtig und unwichtig findet jedoch auch hier nicht statt. Alles wird verarbeitet: Erst wird "das Oskarchen" Bildhauer bei einem Grabsteinhersteller, dann erlebt es einen Umzug in die große Stadt, und wird schlussendlich Trommler in einer Kneipe- und bemerkt hier seine Fähigkeit, dank seines Instruments das Publikum in ekstatische Verzückungszustände zu versetzen.

Wenn man mir jetzt vorwerfen will, dass meine schlechte Bewertung ungerechtfertigt ist, da doch offensichtlich der "lesbare" Teil von der Menge her, den unangenehmen überschattet, möchte ich sagen, dass diese letzten 200 Seiten des Buches so langweilig, so uninteressant, so monoton und so belanglos waren, dass mir keine andere Bewertung für angebracht erscheint. Es ist mir weder stilistisch noch handwerklich auch nur ansatzweise nachvollziehbar, wie dieses Buch in Deutschland eine nahezu mythologischen Status erlangen konnte. Vor 50 Jahren mochte man diesem Werk noch eine gewisse "Schockwirkung" zugestehen, aber was Grass aus dem Hut zaubert wirkt aus heutiger literarischer Perspektive nur noch pubertär. Ich selbst habe mich selten so sehr gefreut, ein Buch beendet zu haben, wie die "Blechtrommel"- daher schliesse ich mich mit besten Gewissen meinen Vorrednern an und empfehle dem geneigten Leser, die Filmfassung zu sehen, da hier alle guten Seiten des Romans bildreich vorgeführt werden. Ersparen Sie sich unnötigen Ärger und beherzigen Sie diesen Rat.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Günter Grass' Roman "Die Blechtrommel" leuchtet am Beispiel einer Danziger Kleinbürgerfamilie die Bedingungen für die Entstehung des Nationalsozialismus aus. Am Beispiel seiner Hauptfigur, des zwergwüchsigen Oskar Matzerath, widerlegt Grass die in den 50er Jahren häufig - und sogar heute noch vereinzelt - vertretene These, den Einzelnen treffe kaum Schuld am Aufkommen totalitären Denkens. Im Gegenteil: Im fehlenden Vermögen des Individuums, sich für das Gemeinwesen verantwortlich zu zeigen, in seiner Verführbarkeit ist der Keim der Nazibarbarei angelegt. Oskar Matzerath enthüllt durch seine schon bei der Geburt vorhandene Einsicht schonungslos die Egoismen, Kleingeistigkeiten und Lebensängste seiner Mitmenschen, die sie letztlich verführbar machen. Doch Oskar findet auch selbst Gefallen an der Manipulation und erweist sich als mitunter bösartiger und egoistischer Zeitgenosse. Allerdings ist er auch ein Opfer, aus nazistischer Sicht "unwertes Leben", ein Zeit seines Lebens Getriebener. Einerseits trommelt er gegen das Vergessen - und darin liegt der moralische Anspruch des Romans -, andererseits stellt sich im Trommeln auf groteske Weise das Gefühl von Machtlosigkeit und Ausgeliefertsein dar. Die stupende Phantastik des Geschehens, die Grass auf rund 800 Seiten mit hoher Sprachkunst ausbreitet, macht aus der "Blechtrommel" einen Roman von Weltrang.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. Oktober 2006
Jeder, der den 2. Weltkrieg verstehen will, sollte dieses Buch gelesen haben! Denn hier wird nicht den "bösen Nazis" die Schuld an den grausemen Schandtaten des 2. Weltkriegs zugeschoben, sondern erklärt, dass jeder Einzelne, der sich nicht aufgelehnt hat gegen das vorherrschende Regime, die Schuld mit sich trägt und zwar für immer.

Grass gelingt es in diesem Roman zu schildern, dass die Mittäter meist Mitläufer waren und keine Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie. Es waren Menschen wie Du und ich, die gegen die Juden aufgehetzt haben und zerstört haben, was sich nicht wieder herstellen lässt. Denn das politische Bewußtsein fehlte den meisten und sie ahnten kein bißchen, welche Auswirkungen ihr Mitläufertum haben könnte. Die Blechtrommel ist ein Roman, der das politische Bewußtsein der Leser schärfen will und sollte daher auf gar keinen Fall jemals in Vergessenheit geraten. Der Roman bewältigt die Geschichte des Nationalsozialismus nicht, er beschreibt sie in ihrer wahren Aura und fordert den Leser dazu auf diese Geschichte nicht zu vergessen und die kommenden Generationen daran zu erinnern, damit sich die Geschichte auf solch grausame Art nicht mehr wiederholen kann.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Juli 2004
Günter Grass liefert 1959 mit der Blechtrommel ein eindrucksvolles Romandebüt ab. Inhalt wie auch sprachliche Umsetzung lassen kaum zu wünschen übrig, und spätestens zum Ende des zweiten Teils, brilliert Grass wie es kaum ein anderer Schriftsteller vermag. Einzig das letzte Drittel kam mir etwas zusammengeschustert vor, ließ ein wenig die Genialität der ersten 550 Seiten vermissen. Ich hatte den Eindruck, dass hier (zumindest zum Teil) der Werdegang des Schriftstellers und nicht der des Hauptprotagonisten wiedergegeben wird. Aber das mag Ansichtssache sein und kann den Gesamteindruck nicht trüben.
Günther Grass lässt längst vergangene Zeiten scheinbar mühelos wiederauferstehen, schreibt stets wortgewaltig und mit einem ironischen Unterton. Dieses Buch diente wohl John Irving als Grundlage für seinen Roman Owen Meany (man weiß ja, dass die beiden Schriftsteller gute Freunde sind). Bedenkenlos weiterzuempfehlen.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Juli 2003
Ich kann jeden verstehen, der dieses Buch liebt und kann durchaus nachvollziehen, warum es als ein Meisterwerk gilt. Trotzdem: Für mich (Jahrgang 1980) klingt daraus immer die Stimme einer vergangenen und etwas altmodischen Epoche deutscher Literatur, zu der ich nur sehr schwer einen Zugang finden kann. Obwohl Grass zweifellos sprachgewaltig schildern kann, schaffe ich es einfach nicht die Geschichte in meinem Kopf mit Bildern auszustatten.
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9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Januar 2002
Wenn man bedenkt aus welcher Zeit dieses Buch stammt, wenn man bedenkt was die Moderne versucht, wenn man bedenkt wie Moral vermittelt wird, sollte man "Die Blechtrommel" lesen.
Dieses Buch handelt von Menschen. Dieses Buch ist auch sehr alt. Aber es hat mich gepackt. Die Blechtrommel ist für mich DAS Deutsche Buch. Verschissenes Bürgertum, Kleingeistigkeit und gehemmte Sexualität wird präsentiert. Ein Doppelmoralkiller! So alt und doch so modern.
Für mich ein Muss!
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13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
1000 Seiten Zauberberg, um die 700 Seiten Buddenbrooks, Kafka, Hesse, Shakespeare, Goethe - ich habe schon viel anspruchsvolle Literatur gelesen. Grass finde ich persönlich über bewertet, zu trocken, zu verbiestert. Nun muss nicht jeder schreiben wie Hemingway, aber dieses Buch ist heute wohl vor allem für Studenten relevant. Eine Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Das ist zweifellos gut, richtig und wichtig. Aber ganz ehrlich: Der Besuch der alten Dame oder Des Teufels General, Der Richter und sein Henker, Die Physiker oder Kafkas Prozess bedeuten mir ungleich mehr und es machte Spaß diese Werke zu lesen. Grass ist nicht meins.
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. Oktober 2009
Der Debütroman des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass, gleichzeitig sein wohl bekanntestes Werk, ist sicherlich keine Lektüre für die gemütliche Schmökerstunde zwischendurch. Zu sprachmächtig und skurril ist die Geschichte rund um den kleinwüchsigen Weltenbeobachter Oskar Matzerath, der im Alter von drei Jahren aus Protest gegen seine Umgebung aufhört zu wachsen und von diesem Zeitpunkt an seine Mitmenschen einerseits aufmerksam studiert und gelegentlich unter Zuhilfenahme seiner Blechtrommel terrorisiert. Erzählt aus der Perspektive Oskars Mitte der 1950er Jahre, in denen er Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt ist, breitet sich nach und nach ein Panorama voller kleiner Puzzlesteinchen aus, die sich sowohl nahtlos in einen breiten Handlungsstrang, als auch in einen gesamtgeschichtlichen Kontext einfügen.

Als würde das Buch nicht allein schon durch seine Ur- und Bildergewalt einen bleibenden Eindruck beim Leser hinterlassen, bekommt man es in dieser Audiobook-Ausgabe auch noch mit einer die Wirkung noch verstärkenden Lesung des Autors höchstselbst zu tun. Da die Einbettung der Handlung in die politischen und regionalen Gegebenheiten Danzigs zwischen Ende des 19. bis hin zur Mitte des 20. Jahrhunderts auch die spezielle Verhältnissituation zwischen Deutschen, Polen und der Minderheit der Kaschuben zentral behandelt, ist das teilweise Hin- und Herspringen zwischen den verschiedenen Dialekten durch Grass für das Verständnis äußerst hilfreich. Alle Erzählperspektiven- und Handlungszeitwechsel fügen sich so viel leichter in ein großes, harmonisches Bild.

Ein wahrer Parforceritt ist dem damals 32jährigen gelungen. Ernste Themen wie Krieg, Tod und Vertreibung mit einer Liebesgeschichte, erotischen Eskapaden skurrilster Art und aus dem Nichts kommenden geradezu bizarren Schockmomenten voller Absurdität zu verbinden - ja das ist Literatur auf höchstem Niveau! Eines der wichtigsten Bücher der deutschen Sprache, gerade in dieser Hörbuch-Version wärmstens zu empfehlen.
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