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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verstörend
was einer der größten englischen Schriftsteller da zu Papier gebracht hat. Zum einen ist es seine detailversessende Beschreibung der englischen Landschaft, die den Leser zu fesseln weiß, andererseits ist das Frauenbild, das Hardy uns nicht nur in diesem Buch präsentiert, äußerst bedenklich. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die "Tess"...
Veröffentlicht am 11. November 2007 von Prof Dr Thomas Sonar

versus
5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Detailverliebter Gesellschaftsroman
Die Geschichte der jungen Tess Durbeyfield, die eigentlich eine Nachkommin der Adelsfamilie d`Urberville ist und deren Schicksal mit der Entdeckung ihrer Herkunft unerbittlich ihren Lauf nimmt, hat durchaus ihre Stärken.
Teilweise gibt es sehr intensive Szenen, besonders zwischen Tess und ihrer großen Liebe Angel Clare.
Doch ebenso oft wirkt das Buch...
Veröffentlicht am 24. Juni 2008 von Caillin


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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verstörend, 11. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Tess: Roman (Taschenbuch)
was einer der größten englischen Schriftsteller da zu Papier gebracht hat. Zum einen ist es seine detailversessende Beschreibung der englischen Landschaft, die den Leser zu fesseln weiß, andererseits ist das Frauenbild, das Hardy uns nicht nur in diesem Buch präsentiert, äußerst bedenklich. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die "Tess" Teil einer Selbst-Psychoanalyse dieses Schriftstellers ist, der aus "kleinen" Verhältnissen stammte und diese Herkunft wohl seiner Mutter nie verzeihen konnte (aber ich bin kein Psychologe). Das Buch gehört in jedem Fall zur ganz großen Literatur und da ich das englische Original gut kenne, kann ich diese deutsche Übersetzung nur in höchsten Tönen loben. Hardy ist in Deutschland viel zu wenig bekannt und sollte endlich entdeckt werden.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tess in hervorragender Übersetzung, 23. März 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Tess: Roman (Taschenbuch)
Auf den ersten Blick scheint sich das Schicksal gegen Tess verschworen zu haben. Hardy erzählt mit einer wunderbaren Hingabe zum Detail über das Land, die Landarbeit, die Gepflogenheiten in Dörfern und Gutshäusern, während Tess einen Schlag nach dem anderen verkraften muss. Doch Hardy beschreibt auch die Gemüts- und Seelenzustände ungemein deutlich, so dass schnell klar wird: Die Charaktere hätten ihr Schicksal in der Hand, wenn sie sich nicht ständig durch Umstände, Moralvorstellungen, aber auch ihren eigenen Charakter behindern würden. Alles tragisch... und herrlich schön erzählt.

Die neue Übersetzung von Helga Schulz ist herausragend.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Too Late, Beloved, 29. Oktober 2009
Von 
Ophelia (Helsingör) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tess: Roman (Taschenbuch)
Ich bin noch ganz benommen vom Lesen und wirklich sehr beeindruckt. "Tess Of The D'Urbervilles", die bittere Story "of a pure woman", hat der englische Dichter Thomas Hardy 1891 veröffentlicht und wurde damals teils erbittert angegriffen und auch von vielen als schockierend abgelehnt. Das Buch hat sich auf für damalige Verhältnisse drastische Art mit der viktorianischen Moral und deren Fallstricken auseinandergesetzt. Heute gilt "Tess" als Hardys berühmtester Roman und als einer der wichtigsten der viktorianischen Epoche.
Es ist für mich das reinste Vergnügen gewesen dieses Buch zu lesen, wobei Vergnügen vielleicht ein etwas irritierender Ausdruck ist, denn die Geschichte ist von einer tiefen Tragik und Traurigkeit, wie man sie wirklich selten findet. Vergnügen bereitete mir das Buch trotzdem, denn die Geschichte von dem armen Landmädchen Tess, ihrem Elend und ihren kleinen Freuden, nimmt einen sehr gefangen, berührt und verzaubert. Aber vor allem ist es die wunderbare Sprache Hardys, die das Lesen zu einem wahren Genuss macht.
Die liebevollen und treffenden Charakterzeichnungen ließen mich immer wieder schmunzeln und die wunderschönen Landschaftsbeschreibungen bringen ebenfalls Linderung.

Alles spielt sich im ländlichen Bauernmilieu des ausgehenden 19 JH, im Südwesten von England ab. Dörfer, Gehöfte, Meiereien, die kleinen Straßen über Hügel und durch Täler, sind die Handlungsorte der Geschichte.
Als die arme Händlerfamilie John Durbeyfields erfährt, dass sie von einem alten normannischen Rittergeschlecht den "D'Urbervilles" abstammen, wollen sie u.a. mit Hilfe der schönen 16-jährigen Tochter Tess daraus Kapital schlagen und schicken diese zur reichen Mrs. Stoke D'Urberville, die sie für einen erfolgreichen Abkömmling des alten Adelsgeschlechts halten und auf deren Unterstützung sie hoffen. Dort wartet der lüsterne junge Alec, der das Mädchen bedrängt und schließlich skrupellos vergewaltigt. Gedemütigt kehrt sie nach Hause zurück. Jahre später begegnet Tess dem jungen Angel Clare, einem Pfarrerssohn, und nach schweren Gewissenskonflikten wendet Tess sich ihm zu.

Wie sich im weiteren Verlauf sogar ein angeblich vorurteilsloser Mensch, der dem Klassendenken und der strengen Religion eigentlich gar nicht abgewinnen kann, als Sklave der Moral und der Konvention erweist, war für mich teilweise fast unverständlich und nur schwer zu ertragen. Hier wird aber die Sinnlosigkeit und das Hohle dieser Konventionen entlarvt und man erkennt, wie tief sogar schon längst überholte Moralbegriffe in der Seele haften und wie schädlich sie sind. So gerät Tess unausweichlich ins Räderwerk eines unerbittlich waltenden Schicksals.
Wenn schließlich sogar der pharisäerhafte und prüde Pfarrer gegenüber seinem modernen Sohn charakterlich gewinnt, ist das echt hartes Brot.
Aber: Es sind nicht wirklich die strengen Regeln dieser Zeit, die das Unheil bringen. So löst sich Hardy auch von der viktorianischen Epoche, denn wenn man genau hinsieht sind es allein die charakterlichen Eigenschaften zweier Männer, beide selbstgerechte Egoisten (der eine offensichtlich, der andere verdeckt), die alles zu Fall bringen. Und der Zufall. So hätte sich eine ähnliche Geschichte wie diese, zu allen Zeiten abspielen können, auch heute.

Eine sehr starke Wirkung hatten auf mich die Landschafts- und Naturbeschreibungen. Sie waren manchmal so schön, dass ich diese Passagen öfter lesen musste. Sie haben auch symbolische Ausdruckskraft, genauso wie die Jahreszeiten und die Farben des Romans.
Das grüne saftige Tal in der Meierei im Sommer umrahmt die aufkeimende Liebe zwischen Tess und Angel. Der beginnende Herbst begleitet die schon von tiefen Schatten und Sorgen geprägte Verlobungszeit. Dann der Winter auf dem brauen Hungeracker in Flintcomb-Ash, wo in Schürze und Flügelhaube gekleidete hart arbeitende Landarbeiterinnen wie Fliegen über die braune gefrorene Ackerfläche kriechen, darunter Tess, von ihrem Ehemann verlassen. Dies alles sind Spiegelbilder der seelischen Verfassung der Heldin. Schrecklich-schön.
Mich erinnerte Tess an diesen Stellen an Gottfried Kellers Romeo und Julia auf dem Dorfe, wo auch die Natur und deren Ausdruck, den tragischen Werdegang des Paares begleitetet. (Lesetipp!)
Jedenfalls wird auch ein interessierter Landwirt oder Agrarökonom ;-) seine Freude mit der Geschichte haben, denn Hardy beschreibt durchaus detailliert das bäuerliche Leben und die Arbeit auf dem Feld, im Kuhstall und der Scheune. Das Bild, wie sich die Melkerinnen mit der Wange an die Kühe schmiegen, den Blick traumverloren in unbestimmte Ferne gerichtet, behalte ich klar vor meinem inneren Auge. (Jetzt aber nicht abschrecken lassen von Melkschemelromantik, Landarbeiterinnenmode und antiquierter Dreschmaschine! ;-))
Hardy schreibt wohl mir Vorliebe Romane, die im ländlichen Raum, fern der Zivilisation spielen, beschreibt bäuerliche Schönheit und wirft literarisch einen wehmütigen Blick zurück, denn zu seinen Lebzeiten hat die industrielle Revolution das ländliche Idyll schon längst eingeholt und seine Schatten darauf geworfen. Verklärung kann man seinen Büchern jedoch dennoch nicht vorwerfen, im Gegenteil.

Falls ich eine Kritik an den Buch nennen sollte, würde ich die etlichen schicksalhaften Zufälle nennen, die natürlich immer gerade zur rechten Zeit, Tess Geschick noch hoffnungsloser machen. Das wirkte gelegentlich etwas konstruiert auf mich. Auch das Frauenbild machte mich manchmal stutzig, aber da bin ich nicht die einzige, dafür ist Hardy ja schon fast berühmt. Womöglich ist ER das große Vorbild von Lars von Trier. ;-) Der hat auch mit marienhaften Leidensgeschichten, mit von Schuld und Schande geprägten einfachen Mädchenfrauen seine sämtlichen Filme gemacht. ;-)

Persönlicher Schlusspunkt: Desillusionierende und tragische Begebenheiten vor dem Hintergrund stimmungsvoller Naturschilderungen. Wie Hardy die tiefe Hoffnungslosigkeit der Geschichte ausbreitet, macht es einem schwer den eigenen Alltag davon nicht überschatten zu lassen, aber es ist erstaunlich wie viel Schönheit sich hierin verbirgt.
Ich bin mitnichten eine Hardy-Kennerin, dies ist mein erstes Buch von ihm, ich kenne lediglich einige Verfilmungen. Dass man an ihm aber nicht vorbei kommt, wenn man sich für Film und Literatur des 19 JH interessiert, habe ich natürlich irgendwann gemerkt und nun wurde es für mich höchste Zeit mit einem seiner Romane zu starten.
Ich finde selten ein solches in jeder Hinsicht lesenswertes Buch und dies ist nach "Abbitte" endlich mal wieder ein richtiges Highlight für mich. Dies war nicht mein letzter Roman von Hardy und es erleichtert mich, dass er, neben 1000 Gedichten und etlichen Kurzgeschichten, ganze 14 Romane auf seinem Konto verbucht, auf die ich mich nun schon freue. :-)

Verfilmungen:
Roman Polanskis Tess 1979 Mit Nastasia Kinski
ITV Tess Of The D'Urbervilles [UK Import] 1998 mit Justine Waddell
BBC Thomas Hardy`s Tess Of The D'Urbervilles 2008 mit Gemma Arterton
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mär von einem grundanständigen Landmädchen, 27. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tess: Roman (Taschenbuch)
Thomas Hardys 1891 veröffentlichter Wessex-Roman "Tess" erzählt die Lebensgeschichte des naiv-grundanständigen Landmädchens Tess Durbeyfield, ihr Lieben und Leiden im Bannkreise zweier Männer, von denen der eine gehasst und der andere geliebt wird, und ihr letztlich tragisches Verhängnis.
Dabei deutet Hardy gleich zu Beginn seines Werks Tess Lebensweg an: Zum einen wird ihrem einfältigen und trunksüchtigen Vater die Abkunft seiner Familie von dem alten normannischen Rittergeschlecht d'Urberville offenbart, was zur verhängnisvollen Bekanntschaft mit dem jungen Wüstling Alec d'Urberville führt, und zum anderen begegnet Tess auf einem Dorftanz am gleichen Abend dem jungen Pastorensohn Angel Clare, der zwar keine Notiz von ihr nimmt, aber später sehr wichtig werden soll.
In der Folge entwickelt sich die recht interessante, freilich nicht zu originelle Geschichte, die ein Abbild der, vom Autor in Frage gestellten, viktorianischen Wertvorstellungen, des, im Spannungsfeld uralter Tradition und drohend hereinbrechender Moderne (Maschinisierung der Landwirtschaft und Landflucht der überflüssig gewordenen Arbeitskräfte in die städtischen Ballungszentren oder gleich nach Übersee) stehenden, englischen Landlebens der 1880er Jahre und schließlich der Grafschaft Wessex und ihrer Land- und Ortschaften selbst entwirft.

Einen Stern für dieses an sich gute, romantisch-tragische Buch möchte ich jedoch für den doch etwas langatmigen und nicht mehr ganz zeitgemäßen Erzählstil des Autors abziehen, der sich vor allem im Mittelteil die Handlung doch sehr langsam und sperrig entwickelt und es mit Landschaftsbeschreibungen ab und an allzu übertreibt.
Ausserdem bleiben die Hauptakteure sonderbar blaß und scheinen in höheren moralischen Sphären zu schweben während ihre zentralen, im Grunde ja noch verständlichen, Beweggründe nur unzureichend erläutert werden.

Daher ist dieses, etwas schwer (weil demotivierend) zu lesende, Buch für mich auch weniger zeitloser Klassiker, als vielmehr ein interessantes Dokument seiner Zeit, bei der vor allem die Beschreibung des damaligen Landlebens und der Lebensumstände und Wertvorstellungen einen hohen Nutzen für die nachgeborenen Leser darstellen.

Neben dem eigentlichen Roman ist zudem noch ein mehrseitiges Nachwort zum Leben des Autors und seinem schriftstellerischen Schaffen vorhanden.
Das Buch ist schön handlich und das Druckbild ist insgesamt sehr sauber gehalten und weist nur sehr wenige Schreib- bzw. Satzfehler auf.

Zu empfehlen ist auch die weitgehend werkgetreue, fast schon perfekte Verfilmung des Buches die unter der Regie von Roman Polanski im Jahre 1978 mit der sehr jungen und anmutigen Nastassja Kinski entstanden ist und die mich zum Kauf des Buches veranlasst hat (wenngleich die Psychologie der Hauptfiguren auch hier eher im Dunkeln bleibt).
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unschuldige Tragik, 1. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Tess: Roman (Taschenbuch)
...das ist wohl der Ausdruck, der dieses Werk von Thomas Hardy am besten beschreibt. Die junge, unschuldige Tess auf der Suche nach Liebe und Akzeptanz zu begleiten, zu sehen, wie sie immer und immer wieder ohne eigenes Verschulden ins Unglück rennt - das ist schon harter Tobak.
An einigen Stellen möchte man das Buch gradezu aus der Hand legen, weil das ganze Elend kaum zu ertragen ist.
Angesichts der beiden hauptsächlichen Männergestalten, dem offen egozentrischen und demütigenden Alec, und dem unter seiner offenen und liberaleren Fassade ebenso egoistischen Angel, möchte man Tess zurufen ihr Leben selber in die Hand zu nehmen und sich endlich aus all den viktorianischen Fesseln zu befreien - vergeblich.
Der Roman endet so tragisch, wie er begonnen hat, und brennt sich bitterlich ins Herz ein.
Die einzige "Erholung" bieten die ausschweifenden Landschaftsbeschreibungen Hardys, die an anderer Stelle vielleicht anstregend wären, hier jedoch eine willkommene Abwechslung fürs Herz darstellen.
Berührend, herzzreißend, fesselnd - das einzige Manko ist für mich, dass ich an einigen Stellen kurz Pause machen musste, weil die Geschichte so grausam war.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Psyche einer Landschaft, 8. Oktober 2010
Von 
Walter "Walter" (Buxtehude, Baden-Württemberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tess: Roman (Taschenbuch)
Mein erster Thomas-Hardy-Roman; sicherlich nicht mein letzter. Was Hardy von anderen Erzählern der viktorianischen Zeit, wie z.B. George Eliot, unterscheidet, ist seine Eigenart, Mensch und Landschaft in einer Art Innenleben gleichsam einhergehend, in ausladenden Metaphern, beschreiben zu können. Die Zeit des Verliebtseins im frühlingshaften, blühenden, grünen Tal mit glücklichen Menschen; die Zeit des Ausgestoßenseins auf der mit Schneegestöber versehenen kargen Hochebene, -- einer grausamen und menschenfeindlichen Natur.
Hardy versteht es, der damaligen prüden viktorianischen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Der Roman war ein Skandalroman, gerade deshalb, weil er mit einer Außenseiterin und Ausgestoßenen als Protagonistin sympathisiert. Die Figur der Tess ist in seinen Schilderungen so kunstvoll von Beschreibungen umwoben, dass man um sie bangt und ringt; gleichzeitig versteht es der Autor aber, den letzten kleinen Abstand zu ihr offenzuhalten, sodass beim Leser wie auch beim zurückkehrenden reuigen Gatten eine letzte Umarmung nicht so recht gelingen mag. So setzt Hardy kunstvoll die Kritik an der Bigotterie der damaligen gottesfrommen Gesellschaft, der offenbar die Mitmenschlichkeit verloren ging. Nicht nur streifen uns seine Vorboten einer unmenschlichen Industrialisierung (Landmaschinen, Dampflok); die Unmenschlichkeit zeigt sich auch im Hin- und Hergerissensein seiner Protagonisten, die an einer überkommenen Gesellschaftsordnung festhalten, obwohl die Morgendämmerung einer neuen Zeit sich bereits angekündigt hat. Fazit: Weltliteratur vom Feinsten.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Detailverliebter Gesellschaftsroman, 24. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Tess: Roman (Taschenbuch)
Die Geschichte der jungen Tess Durbeyfield, die eigentlich eine Nachkommin der Adelsfamilie d`Urberville ist und deren Schicksal mit der Entdeckung ihrer Herkunft unerbittlich ihren Lauf nimmt, hat durchaus ihre Stärken.
Teilweise gibt es sehr intensive Szenen, besonders zwischen Tess und ihrer großen Liebe Angel Clare.
Doch ebenso oft wirkt das Buch langatmig, und das von Amfang an. Es braucht eine Weile, um in Fahrt zu kommen und den Leser wirklich zu fesseln.
Auf starke Szenen folgen immer wieder neue Längen, die allerdings auch sehr schöne detaillierte Landschaftsbeschreibungen enthalten. Meiner Meinung nach ist der Roman manchmal zu detailverliebt, so dass man leicht geneigt ist, die Seiten manchmal nur zu überfliegen.
Es ist mir nicht wirklich gelungen, die Hauptfiguren - oder eine von ihnen - wirklich ins Herz zu schließen oder anderweitig einen emotionalen Zugang zu ihnen zu finden. Da ich aber darauf bei Büchern großen Wert lege, bekommt "Tess" von mir nur 3 Sterne.
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5.0 von 5 Sternen Zeitlose Geschichte voller aktueller Fragestellungen, 26. August 2012
Von 
callisto (Freiburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Tess: Roman (Taschenbuch)
1891 veröffentlichte der englische Schriftstellers Thomas Hardy diesen Roman, der unter seinen Zeitgenossen eher gemischt aufgenommen wurde, wohl weil es für damalige Verhältnisse eher freizügig zuging bzw. einfach realistisch beschrieben wurde, wie es eben in der Welt zugeht, damals und auch heute. Wenn der Roman heute geschrieben worden wäre, würde man die Handlung wohl so zusammenfassen:

Die sechzehnjährige Tess Durbeyfield kommt aus einer kinderreichen Präkariatsfamilie. Da ihr Vater ein Trinker und die Mutter geistig unterbelichtet ist (der Autor nennt es kindliches Gemüt), bleibt viel an täglicher Arbeit, vor allem auf die Sorge um ihre sechs kleineren Geschwister an Tess hängen. Als ihr Vater eines Tages zu betrunken ist, um seiner Arbeit nachzugehen, versucht Tess die Waren auf den Markt zu bringen, dabei kommt es zu einem Unfall und das Pferd stirbt (Heutzutage würde sie wohl den Familienlieferwagen zu Schrott fahren). Da die Familie nun ihres Einkommens beraubt ist, bleibt Tess nichts anderes übrig als zu versuchen, das Geld für ein neues Pferd zu verdienen. Mit ihren 6 gerade mal Schuljahren (heute wohl eine Hauptschulabbrecherin) kann sie keine großen Ansprüche stellen und wird Tierpflegerin für das verhätschelte Hausgeflügel einer exzentrischen, reichen, alten Dame, nichts ahnend, dass deren Sohn sie nur eingestellt hat, weil er auf sie steht, denn Tess ist schön, schöner als gut für sie ist, denn sie ist leider auch nicht sonderlich helle. Hübsch, ungebildet und naiv sind eine desaströse Kombination, wenn ein Mädchen auf sich allein gestellt ist. Es kommt wie es kommen muss, Alec D’Urberville versteht kein nein, oder hält es für ein ja und vergewaltigt Tess. Sie verlässt ihre Anstellung, aber es ist zu spät, sie ist bereits schwanger und wird mit siebzehn zur Teeniemutter. Der kleine Junge jedoch stirbt und weil Tess es daheim nicht aushält, nachdem sie einmal die Freiheit gekostet hat und auch weil daheim jeder ihre Schande kennt, sucht sie sich einen neuen Job. Diesmal als Melkmagd. Erneut kommt es wie es kommen muss. Auf dem Hof lernt der Pfarrerssohn Angel Clare was man braucht, um ein guter Gutsherr zu werden. Natürlich verguckt er sich sofort in Tess, auch wenn sie ihn abweist, versteht auch er kein nein, bedrängt sie, nervt sie bis sie ja sagt und einwilligt ihn zu heiraten. Angel hat ein dunkles Geheimnis, er hatte eine Affäre mit einer älteren Frau, das beichtet er seiner neu Angetrauten, die den Mut fasst und ihm ihre Vergangenheit gesteht, die ja seiner nicht unähnlich ist…

Dieser Roman ist zeitlos, weil die Themen dieser Geschichte zeitlos sind. Hübsche, ungebildete Frau, zu naiv um sich der Männer zu erwehren oder Contra zu geben, mit zu wenig Selbstbewusstsein ihren Weg zu gehen und daher ihren Mann und Beschützer anhimmelnd scheint genau das Jagdschema der damaligen Männer gewesen zu sein (und auch vieler heutiger Männer). Ehrlicherweise ging mir Tess mit ihrer Naivität streckenweise ungemein auf die Nerven. Ich bin mir immer noch nicht sicher ob sie einfach nur ungebildet, naiv oder wirklich eher dumm wie ihre Mutter ist, so wie sie sich teilweise verhält (vor allem gegen Ende). Auch wie sie sich in ihrem Selbstmitleid sonnt und sich für ihre Schuld, die nicht ihre Schuld war, selbst kasteit ist teilweise wirklich anstrengend zu lesen, man möchte sie am liebsten schnappen und schütteln. Dennoch geht es hier um eine zeitlose Frage. Soll man eine vergangene Beziehung beichten oder nich? Tess Mutter sagt, sie soll die Klappe halten (OK, ganz so dumm ist sie wohl nicht). Der Autor vertritt die Meinung, die auch heute noch vertreten wird " that having shifted the burden of her life to his shoulders, she was now reposing without care." D.h. dass sie ihr Gewissen auf seine Kosten erleichtert, also im Klatext: Klappe halten wäre besser gewesen.
Angel Clare, Tess Gatte, der zunächst, wie sein Name schon sagt, engelsgleich aufgebaut wird, in Tess Augen der perfekte Mann, dem sie nicht würdig ist, dem sie sich unterordnet, erweist sich schon bald als so engstirnig wie seine Zeitgenossen, statt sich einfach mal an die eigene Nase zu fassen, schließlich war er auch keine Jungfrau mehr.
Der große böse Mann, Alec D’Urberville, macht in diesem Roman wohl die meisten Wandlungen durch und man ist sich bis zum Schluss nicht klar, liebt er sie, will er sie nur besitzen, oder ist eine Liebe so besitzergreifend, dass sie schon wieder grausam ist?
Eine klassische Dreiecksgeschichte, aber ohne Kitsch und mit lauter grauen Personen. Keine Schwarz-Weiß Malerei, keine wirklichen Sympathieträger, kein Kitsch und Pathos trotz Liebesgeschichte. Das ist die große Kunst des Thomas Hardy und das Ganze dann noch mit einer Zeitlosen Geschichte verknüpft, die man so recht schnell in unsere Zeit transferieren könnte, rechtfertigt, dass dieser Buch ein Klassiker ist, auch wenn er schon ab und an ein paar Längen hat.
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5.0 von 5 Sternen dramatisch, 5. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tess: Roman (Taschenbuch)
Ich wusste durch den Film (die Version mit Gemma Arterton) auf was ich mich einlasse aber es ist immer wieder schockierend sowohl in Film als auch in Romanversion.

Was Tess alles so wiederfährt, erscheint mir zwar an manchen Stellen überspitzt aber der Autor hat sich ja was gedacht bei der Gesichte. Um die gesellschaftlichen Missstände der damaligen Zeit aufzudecken, ist Übertreibung ein gutes Mittel. Durch die detaillierten Beschreibungen wird man förmlich reingezogen in die Gesichte und an vielen Stellen würde man gern eingreifen. Sämtliche Figuren handeln nur der Gesellschaft und den Konventionen entsprechnd und sind nicht fähig über ihre Schatten zu springen oder Fehler einzusehen. Das dramatische Ende für Tess scheint unausweichlich. Kurzgefasst kann man sagen das Tess ein Spielball ihrer Umwelt ist und sich davon auch nicht befreien kann.

Dabei lebt die Gesichte von dem Schreibstil. Die Landschaften und bestimmte Tätigkeiten wie z.B. Getreide ernten werden detailliert beschrieben. Andere wichtige Sachen werden aber nicht exakt beschrieben. Obwohl hier in der Kurzzusammenfassung was von einer Vergewaltigung steht, ist das eben nicht exakt klar weil diese Stelle nie ausführlich beschrieben wird. Auch im weiteren Handlungsverlauf wird nicht klar was in jener Nacht wirklich passiert ist und so bleibt es dem Leser überlassen.

Trotz der Dramatik fesselt die Geschichte bis zum Schluss und es ist eines der Bücher, über die man auch Tage später noch nachdenkt.
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4.0 von 5 Sternen Eine reine Frau, 18. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Tess: Roman (Taschenbuch)
Tess Durbeyfield ist das älteste Kind einer Landarbeiterfamilie. Sie kümmert sich um ihre jüngeren Geschwister, wenn die Eltern mal wieder im Wirtshaus versacken und hat für ein Landmädchen eine recht ordentliche Schulbildung. Als ihr Vater, ein Mann, der den Fleiß sowieso schon nicht erfunden hat, erfährt, dass seine Familie adligen Ursprungs ist, arbeitet er noch weniger als vorher. Ihre Mutter, die man oberflächlich betrachtet für eine sympathische Frau halten könnte, was sie allerdings im Laufe des Romans ad absurdum führt, da sie häufig nur zu ihrem eigenen Vorteil handelt, sieht hier ihre Chance und überredet Tess zu einer nicht weit entfernt lebenden Verwandten, einer Miss D'Urberville, zu fahren und sich dort als Mitglied eines Zweiges ihrer Familie vorzustellen. So nimmt das Verhängnis seinen Lauf, denn Tess ist alles andere als aufgeklärt. Gegen Avancen ihres vermeintlichen Cousins Alec, ein zynischer, wetterwendischer und hochgradiger unsympathischer Charakter, kann sie sich nur schwer wehren und irgendwann geschieht das, was zu Tess' Zeit moralisch nicht vertretbar war und sie in den Augen ihrer Mitmenschen und auch in ihren eigenen Augen stigmatisiert. Und auch weiterhin hat Tess, die mittlerweile in einem anderen Dorf als Milchmädchen arbeitet, Pech mit den Männern, ob es nun der angeblich so freigeistige Pfarrerssohn ist, selbst nicht ganz unbescholten, der sich an seine sehr konventionellen Moralvorstellungen nur bedingt hält, andere aber gnadenlos daran misst oder der unsympathische Dienstherr, der Tess aufgrund alter Vorkommnisse mehrmals in die Mangel nimmt. Und zu allem Überfluss ereignet sich dann auch noch ein Todesfall und Tess' Familie verliert ihren Wohnsitz.
Ja, Tess kann und wird einem leid tun. Ist sie zu Beginn noch ein aufgewecktes Mädchen, das die Dinge auch mal selbst in die Hand nimmt, wird sie im Laufe des Romans durch schicksalhafte Begegnungen und Entscheidungen zu einer unglücklichen Frau, die sich selbst nicht ausstehen kann und irgendwann explodiert. Selbstverständlich war "Tess" 1891 großer Kritik ausgesetzt, denn Thomas Hardy rüttelt hier ganz stark an der herrschenden Sexualmoral seiner Zeit und da ist es nicht verwunderlich, dass die eine oder andere Passage noch nachträglich geändert werden musste. Völlig schuldlos wird hier ein sympathisches Mädchen in einen Strudel herein gerissen, der sie mit sich nach unten zieht und der Autor macht auch keinen Hehl daraus, dass er seine Heldin mag. So hat Sie zum Beispiel große Gewissensbisse als ein Tier durch ihr Verschulden zu Tode kommt. Später im Buch lässt Hardy sie dann aber, vielleicht als Ausgleich, verletzte Fasane töten, die sich ansonsten sinnlos gequält hätten. Manchmal übertreibt er es wohl ein bisschen und man wird fast sauer, wenn man lesen muss wie egoistisch und hinterhältig mit Tess umgegangen wird, sie aber immer klein bei gibt und die Schuld tatsächlich bei sich selbst sucht. Da stößt man wirklich manchmal an die Schmerzgrenze.
Thomas Hardy hat aber nicht nur mit den Moralvorstellungen abrechnen wollen, er beschreibt auch den Einbruch der Moderne und der Technik in das von der Natur beherrschte Leben der Menschen. Beispielsweise sind die Passagen, in denen die Arbeiter/innen mit neuartigen Maschinen hantieren müssen, sehr düster und fast grässlich beschrieben. So haben die Menschen kaum eine Chance mit der Maschine mitzuhalten, sich müssen immer schneller arbeiten, oftmals bis zur Erschöpfung, damit sie sich auch weiterhin als nützlich erweisen können. Auf die Aktualität dieses Sachverhaltes muss wohl nicht hingewiesen werden.
Ein sehr schönes, allerdings auch manchmal etwas langsames Buch, aber dafür ist es ja auch fast 120 Jahre alt und ein paar ausschweifende Naturbilder gehören für manchen Leser ja auch zum guten Ton dazu ;-). Jeder, der die Literatur des 19. Jahrhunderts zu schätzen weiß, wird demzufolge auch an "Tess" nicht vorbei kommen. Viel Spaß!
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Tess: Roman
Tess: Roman von Thomas Hardy (Taschenbuch - 1. Mai 2008)
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