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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Vom Wahn der Vielen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Telefongespräche: Erzählungen (Taschenbuch)
Eigentlich mag ich ja keine Vergleiche, - besonders nicht, wenn man zwei verschiedene Medien miteinander vergleicht, ein Bild, ein Buch mit einem Film, das passt in der Regel nur schlecht. Zu sagen, mich erinnerten Roberto Bolaños Telefongespräche irgendwie an David Lynch ist so einer von diesen eher hinkenden Vergleichen. Dennoch muss ich's tun, denn auch wenn Intention, Medium, Aussage & Erzählweise jeweils andere sind, so ist das immer mal wieder aufkommende Gefühl von Beklemmung, der Schrecken & auch Humor vergleichbar.Ich weiß nicht, ob Bolaño ein Genie war, seine Geschichten trafen aber zumindest bei mir einen Nerv, den nicht viele treffen. Was das heißt? Die Erzählungen sind abwechslungsreich, wie man so schön sagt; sie handeln von den Verlierern, von den Dichtern & Schriftstellern, - generell: von Literatur, - vom Tod, & von der Liebe. Das klingt nicht neu? Ist es nicht. Eigentlich. Dennoch passiert in den Telefongesprächen etwas zugleich wunderschönes, wie furchtbares: Mal verfolgt man die Geschichte von Enrique Martin, - die Erzählung über einen gescheiterten Dichter, der allmählich seinen Verstand verliert, - mal die von Wiliam Burns, - ein Mann, der zwei Frauen vor einem angeblichen Mörder schützt, & dabei zwischen die Grenzen von Realität & Horror gerät, - mal liest man die Dialoge zweier Kriminalbeamten, die sich während einer Autofahrt über ihre Erinnerungen unterhalten; es ist die Pornodarstellerin Joanna Silvestri, die während eines Drehs in Los Angeles Jack Holmes liebt, & es ist Clara, eine beziehungsgestörte Frau, die in ihren Träumen die Ratten lockt. Überall lauert Wahnsinn, überall geschieht Furchtbares. Nein, nicht alles davon wird benannt. Das meiste wird nur angedeutet, durchs Telephon wird's erzählt, von Freunden, von Zellengenossen, von Fremden; es geschieht in der Distanz & ist furchtbar nahe, - der Tod, der Mord, der Wahn, - & grade weil es so ist, ist es bedrohlich. & doch verliert nicht jeder den Verstand. Es gibt Stellen, über die man lächeln kann, manchmal sogar trotz des kalten Grausens. Es gibt sehr schöne, sehr friedliche Momente, ein Aufatmen kurz vor dem nächsten Schlag, - vielleicht, - aber in jedem Fall ein Gefühl von Oh wie schön; gerade auch bezüglich von so viel Literatur. Meiner Meinung nach sind die Kurzgeschichten & Erzählungen ein guter Einstieg in Bolaños Werk. In jedem Fall will ich jetzt mehr von ihm lesen, will noch tiefer in dieses teils düstre, teils grelle Labyrinth gehn, das Bolaños klare, schöne, manchmal distanzierte, manchmal über drei Ecken reichende Sprache baut; es ist, als höre man einem Geschichtenerzähler zu, in irgendeiner Bar in Barcelona vielleicht, vielleicht aber auch in der nächsten Bücherei. Sehr empfehlenswert! Lynchvergleich hin oder her. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Vierzehn meisterhafte Kurzgeschichten,
Rezension bezieht sich auf: Telefongespräche: Erzählungen (Taschenbuch)
In vierzehn kurzen Geschichten erzählt Bolano von Menschen, die einander meist zufällig begegnen, zueinander finden, und sich wieder aus den Augen verlieren. Ohne abzuschweifen skizziert er in den Erzählungen oft absurd anmutende Lebensläufe und verstörende Beziehungsgeflechte, die sich aber immer echt anfühlen, die trotz des stets präsenten Wahnsinns nie wie Fiktion erscheinen, sondern als ein Abbild des wirklichen Lebens. Traurige Geschichten voll komischer Momente, in denen die Protagonisten in aberwitzige Situationen geraten und nur selten ihr Glück finden.Jede Erzählung hätte mühelos in Bolanos Hauptwerk "2666" gepasst, sie sind ähnlich traurig und voller Wendungen, nur bei weitem nicht so brutal. Auch die Erzählungen verzichten auf finale Twists, enden meist offen und werfen neue Fragen auf. Als Einstieg in Bolanos Gesamtwerk scheinen mir die Erzählungen gut geeignet, sie vereinen alles, was Bolanos Schreiben ausmacht. Ich selbst bin nicht unbedingt ein Freund von Kurzgeschichten, dennoch haben mir Bolanos Erzählungen sehr gut gefallen. Wofür andere Autoren oft viele Seiten brauchen, bedarf Bolano nur weniger Sätze: Den Leser in die Welt der Protagonisten eintauchen zu lassen, entspannt und zugleich konsequent von ihrem Leben zu erzählen, ohne je zu langweilen. 5 Sterne also für diese Fingerübung von Bolano. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Seltsam unfertig,
Von Quellgeist (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Telefongespräche: Erzählungen (Taschenbuch)
Ich kann in die Lobeshymnen meiner Vorrezensenten nicht einstimmen. Auf mich wirkten die Geschichten seltsam unfertig. Die meisten Erzählungen haben keinen Schluss - und damit meine ich nicht, sie hätten ein offenes Ende. Sie hören einfach auf. Aufgeworfene Fragen gibt es, ja, vor alle die, was das jetzt eigentlich soll. Der an anderer Stelle gepriesene Humor kam bei mir nicht an. So irre abwechslungs- und einfallsreich finde ich es übrigens auch nicht, wenn ein Schriftsteller in der Hälfte seiner Geschichten über Schriftsteller schreibt. Bevor das jetzt aber zu einem Verriss wird: Ich gebe drei Sterne, weil mir Bolanos Sprache gefällt. Er reiht lange Sätze, ohne überkompliziert zu werden, und es strahlt immer eine gewisse Wärme aus seiner Ausdrucksweise - und dabei habe ich ja nur die Übersetzung gelesen, vermute daher, dass seine Sprache im Original noch besser ist. Schade nur, dass seine Inhalte mich so wenig gefesselt haben. Ich werde 2666 wohl nicht lesen, jedenfalls nicht in der nächsten Zeit.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Bolano beweist in jedem Buch, dass er schreiben kann...,
Von Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Telefongespräche: Erzählungen (Taschenbuch)
Gewiss ist Roberto Bolano einer der großen Schriftsteller unserer Zeit. Eigensinnig, eigenwillig und unverwüstlich, dabei immer interessant und fast schon mythologisch fesselnd, hat Bolano die Form des magischen Realismus in seinen Büchern noch einmal gewandelt. Seine Geschichten spielen zwischen Pornostars und Buchhändlern, sind abstrakt und dann wieder ganz klar erzählt, zeigen kafkaeske und borgesische Züge,. Vor allem letzter scheint unterbewusst einen starken Einfluss auf Bolanos Schreiben und Stil genommen zu haben.Ich würde jedem empfehlen 2666 zu lesen, ein grandioses, vor Erzählen, Fantasie und Feuer überquellendes Werk mit eigener Dimension, dass bei mir bis heute einen starken Nachhall ausübt. Doch auch diese Erzählungen hier kann ich empfehlen, sind sie doch, auf seltsame Weise, aus demselben Stoff gewebt, nur kleiner und feiner. Letztlich sind sie nichts Besonderes und gerade deswegen ist es so faszinierend, die Lektüre auch noch nach danach so lebendig zu spüren. Irgendetwas haben diese Erzählungen und wahrscheinlich ist es gut, nicht zu wissen, was. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
"... der überwiegende Teil wirkte anregend, obwohl ich nicht genau sagen könnte, was daran anregend war",
Von
Rezension bezieht sich auf: Telefongespräche: Erzählungen (Taschenbuch)
14 kleine Erzählungen, die inhaltlich kaum etwas miteinander gemein haben. Aber sie stehen offenbar alle unter ihrer Oberfläche in geheimer Verbindung als großes Bolaño-Panoptikum. Seine Koordinaten lauten: Chile während der Linksregierung und nach dem Militärputsch / Mexico / Großraum Barcelona / verkannte bzw. unfähige Schriftsteller / FrauenFrauenFrauen. Wer andere Bücher von ihm kennt, fühlt sich im B-Sound schnell zuhause.Inhalte: 1.ICH korrespondiert über längere Zeit mit dem erfolgreicheren Schriftsteller Sensini. Persönlich lernen sie sich nie kennen. Nach dessen Tod erhält ICH Besuch von S's Tochter für die er unbekannterweise lange geschwärmt hat. 2. Leprince fühlt sich von erfolgreichen Schriftstellern verachtet. Das änderte sich, als er während der deutschen Besetzung Frankreichs einigen seiner Idole - inzwischen politisch Verfolgte - helfen konnte. Dabei lernt er ganz kurz eine nette Frau kennen und fristet sein weiteres Leben zufrieden als Lehrer in der Provinz. 3. Enrique Martin versucht auf alle erdenkliche Weise, als Journalist/Schriftsteller zu reüssieren. Dabei gleitet er in die Esoterik ab und erhängt sich schließlich, obwohl er einen gut laufenden Buchladen sein eigen nennt. ICH mag ihn nicht, führt aber über Jahre eine sporadische Hassfreundschaft mit E.M. 4. Der erfolglose B zieht in einem Buch wüst über den beliebten Schriftsteller A her. Anstatt sich dafür zu rächen, schreibt A lobende Rezensionen über B. Damit verschafft er diesem Anerkennung und schlechtes Gewissen. B fällt es schwer, ein Treffen mit A zu arrangieren; aber er schafft es. 5. B will eine Liebesbeziehung mit X führen, doch sie läßt ihn nach kurzer Zeit wieder abblitzen. Sie zieht in eine andere Stadt, was verzweifelte und missverstandene "Telefongespräche" nach sich zieht. Als X ermordet aufgefunden wird, verdächtigt man zunächst B ... 6. ICH schwänzt die Schule und klaut Bücher. Er lernt einen älteren Mann kennen, der ihm von seinem Wanderleben in Nordmexiko erzählt. Es entwickelt sich eine Art Freundschaft. Aber sie endet unmittelbar nach einem Gespräch über Frauen. 7. Der Chilene ICH erzählt von einem gleichaltrigen Landsmann, den das Exilantenschicksal nach Moskau verschlagen hat. Dort stieg er zur rechten Hand eines Mafiaboss' auf, weil er diesem attraktive junge Sportlerinnen zuführen konnte. Die schönste spannt er ihm dann aber aus und muss mit ihr fliehen. Aktuell lebt er allein in Barcelona als Lehrer und geht zu Prostituierten ("es läuft nicht schlecht für mich"). 8. Ein Spanier hat sich freiwillig an die Ostfront gemeldet und dient in einem SS-Bataillon. Bei einem Angriff der Russen werden die Deutschen besiegt, anschließend kurzerhand erschossen. Der Spanier überlebt dank eines Übersetzungsfehlers, wandert in sibirische Kriegsgefangenschaft und läßt sich dann in Barcelona nieder. 9. Zwei Frauen fahren in Urlaub und nehmen Burns als Leibwächter mit, weil sie sich vor einem Mörder fürchten. Ihre Angst überträgt sich auf den Mann, der dem vermeintlichen Mörder in einer Panikaktion selbst das Licht ausbläst. Burns wird später das Opfer von Unbekannten ... 10. Zwei chilenische Polizisten rasen mit dem Auto durch die Nacht und quatschen. Ihr Dialog strotzt vor Selbstgefälligkeit. Doch es zeigt sich, dass sie Schiss in der Hose und einen fiesen Charakter haben. 11. ICH lebt und schläft mit einer drogensüchtigen Lehrerin. Sie ist eigentlich total cool und verschwindet irgendwann. Als er sie wiedertrifft, erscheint sie ihm recht verwahrlost und verwirrt. Im Bett klappt es noch. 12. ICH würde gern mit der attraktiven Clara zusammen leben. Die leidet unter Bindungsängsten, haut ab, fängt ambitionslos diverse künstlerische Ausbildungen an, heiratet nacheinander sehr unterschiedliche Typen. Sie läßt sich auch äußerlich gehen. ICH fühlt sich trotz ihrer Verfettung platonisch weiter zu ihr hingezogen und hält den Kontakt. Sie verschwindet spurlos kurz vor einer geplanten Krebsoperation. 13. ICH steht als Pornodarstellerin wohl so ziemlich am Ende ihrer Karriere (Aids?). Bei ihrem letzten Dreh in L.A. hatte sie eine romantische Affaire mit dem ehemaligen Superstar ihrer Branche, dessen hengstmäßige Rute nicht mehr so recht auf Touren kommt. (Interessant hier: die geheimnisvolle Rahmenhandlung knüpft an Bolaños Roman "Stern in der Ferne" an.) 14. Der erste Freund von Anne's Schwester Susan hat seine Eltern getötet. Für die beiden Mädels wohl ein traumatisches Erlebnis. Susan schmeißt später ihr Studium und säuft, Anne entscheidet sich für den Kellnerinnen-Beruf. Nach einigen Liebeleien lebt sie mit dem (immer weniger) erfolgreichen Maler Paul zusammen, den sie für den mexikanischen Dealer Ruben verläßt. Geldnöte lassen auch diese Zweisamkeit scheitern, dann kommt der Schwarze Charles, der gerne als ihr Zuhälter Furore machen möchte. Aber die Hurerei liegt ihr doch nicht so ganz, und der Junge versagt als Lude völlig. Dann heiratet sie koreanisch: Tony führt sie in seine Familie ein. Die Nestwärme behagt ihr eine Zeit lang, bis die Liebe erlöscht. Tony begeht Suizid. ("Die folgenden Jahre waren viel zu schnell".) Anne verfällt dem Bauarbeiter Bill und dessen Bruder. Eine schwere Krankheit macht ihr zu schaffen. Sie verschwindet nach Spanien, wo ICH sie kennen und lieben lernt. Dort hat sie weitere Beziehungen, aber auch ICH verliert sie irgenwann aus den Augen, obwohl er sie sehr vermisst. Alles ist sehr handlungsorientiert erzählt. Nicht atemlos, sondern dynamisch, ohne ausschweifende Reflexionen oder Beschreibungen. Es geht jedoch weder um Spannung noch sonstige große Gefühle. Mord ist Mord und Schnaps ist Schnaps. Sehr unerotisch geht es im Punkte Sexualität zu: miteinander schlafen findet bei Mann-Frau-Begegnungen jeweils ohne viel Federlesen statt. Außer Länge und Häufigkeit bekommt die Leserphantasie jedoch wenig geboten. Man kann die Geschichten einfach als belebenden Espresso konsumieren oder auch mal länger darüber nachdenken. (Rezensent empfiehlt letzteres!) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Telefongespräche: Erzählungen von Roberto Bolaño (Taschenbuch - 1. Juli 2008)
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