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am 19. Oktober 2007
Penelope, die Ehefrau des Odysseus, wartete zwanzig Jahre treu und brav daheim auf Ithaka, bedrängt von zudringlichen Freiern, bis der Herr Gemahl nach Krieg und Irrfahrten (die sich überwiegend bei schönen Frauen abspielten) nach Hause kam. Das sollen wir glauben, meint der Dichter Homer.

In diesem Buch erzählt nicht nur Penelope ihre Geschichte (oder einen Teil davon, oder: den Teil, den wir glauben sollen), dazu kommt die Geschichte der zwölf Mägde, die Odysseus hat erhängen lassen, nachdem sie die Spuren seines Blutbades unter den Freiern beseitigen mußten. ("Ach, wir Armen!" um es mit Goethe zu sagen)

Penelope erzählt, von der Unterwelt ("Hab ich schon erwähnt, dass es auch nichts anderes zu essen gibt als Narzissen? Aber ich sollte mich nicht beschweren.") aus, in einem zornigen bis schnoddrigen Tonfall (der einen bedauern lässt, daß die Geschichte so kurz und das Buch so dünn ist), daß das alles ganz anders war: alle waren sie hinter ihrer Cousine Helena her, die einfach besser ihre weiblichen Primärreize zur Geltung bringen vulgo mit dem Hintern wackeln konnte, sie selbst, Penelope, galt als besserer Trostpreis. Der Gemahl, der in den Krieg zog, bevor er seine Irrfahrt antrat ("Odysseus was in einen Kampf mit dem einäugigen Riesen Polyphem geraten, sagten einige; nein, es war nur ein einäugiger Wirt, sagte ein anderer, und der Streit sei um die Nichtbezahlung der Rechnung gegangen" "während sie an den verführerischen Sirenen - halb Frauen, halb Vögel - vorbeisegelten, die Männer auf ihre Insel lockten und sie dann auffraßen... Nein, sagte ein anderer, es war ein hochklassiges sizilianisches Hurenhaus - die Kurtisanen dort seien berühmt für ihre musikalischen Talente und ihre ausgefallenen, mit Federn geschmückten Gewänder"), die selbst, die da saß und wartete, halb bemitleidet, überwiegend verspottet vom ganzen Mittelmeerraum und bedrängt von Männern, halben Kindern noch, die weniger an ihr als an Ithaka interessiert waren.

Zwischen den Kapiteln in brechtscher Manier (aber in der Übersetzung eher holprig) oder wie in der griechischen Tragödie der Gesang des Chors der zwölf Mägde, Dienerinnen, Sklavinnen, Zwangsprostituierte auch: die nicht die Wahl hatten und trotzdem die Rechnung bezahlen mußten.

Eine interessante Geschichte.
Was mich stört: mit 172 groß geschriebenen Seiten eine schlichtweg zu kurze Geschichte. Das wirkt sich vor allem deshalb aus, weil sie dazu extrem rasant erzählt wird. Was mich noch stört: Kapitel XXIV - die Anthropologievorlesung. Ein an sich gutes Kapitel, das aber vom Erzählstil und der Wortwahl ein Fremdkörper im Buch ist.

Insgesamt: ein interessanter Ansatz, gerade beim stilistischen Talent der Autorin, aber einfach zu kurz.

Noch ein Zitat? "Wir beide waren - nach eigenem Eingeständnis - geschickte und schamlose Lügner mit großer Erfahrung. Es ist ein Wunder, dass einer von uns ein Wort dessen glaubte, was der andere sagte. Aber wir taten es. Oder zumindest versicherten es einander."

Schon für Zeilen wie diese lohnt sich die Lektüre!
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am 20. Mai 2011
Auf dem Cover der englischen Ausgabe dieses Büchleins wird ein Kritiker zitiert, welcher Atwoods "Penelopiade" mit den angeblich verzweifelten Hausfrauen einer berühmten Fernsehserie verglich. Der Vergleich ist natürlich unangebracht. Atwoods Buch ist schlicht und ergreifend, witziger, schneller, träumerischer und in seinen Aussagen bissiger, als jede TV Serie, das heutzutage überhaupt sein dürfte.
Dieses Buch ist ein Buch über die Lüge und die Liebe in Zeiten des Krieges. Zwar ist es ein kalter Krieg, der hier behandelt wird - dennoch ist es ein Krieg.
Seine Schlachtfelder: die Küchen und Scheuern, die Säle und Schlafzimmer des Königreichs von Ithaka, belagert von den Horden zynischer Freier, entschlossen sich der klugen Königin Penelopes zu bemächtigen. Die es zwar offensichtlich längst aufgegeben hat, auf ihren abenteuerlustigen Gatten Odysseus zu warten, sich aber dennoch halsstarrig dagegen sträubt ihr Schicksal anzunehmen und endlich einen der verfressenen und ungehobelten Freier, die wie die biblische Heuschreckenplage in Penelopes Haus und Hof einfielen, zu erhören.
Wie in jedem Krieg sind auch in diesem Opfer zu beklagen. Doch dass es ausgerechnet erst nach dem Ende jenes kalten Krieges zu einem Akt höchster Grausamkeit und himmelschreiender Ungerechtigkeit kommt - und kommen muss - beschreibt Margaret Atwood hier in einer schon beinah aufreizend kühlen Präzision. Allein das würde dieses kleine Buch zu einem Meisterwerk gestempelt haben. Doch erlaubt uns Atwood eben jenen letzten Akt hoher Grausamkeit nach dem Ende des Krieges, auch als Analogie für jene so berühmte Weisheit von der Wahrheit als erstes Opfer jedes Krieges zu lesen. Die Liebe und die Lüge in Zeiten des Krieges - selten zuvor und wie zu erwarten ist, noch seltener nach Margaret Atwood, wird man einen Text finden, der diese beiden wohl größten Themen der Literatur derart gekonnt präzise behandelt.
Was es auszusetzen gibt an diesem Buch? Nichts. Ausser: dem so unerhört lieblos gestalteten Cover, das der renommierte dtv-Verlag ihm mitgab.
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am 31. Dezember 2013
Dieses Buch wurde als Geschenk gekauft und hat - soweit mir bekannt - dem Beschenkten eine sehr große Freude bereitet.
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am 4. Juli 2009
Margaret Atwood versteht es den Leser zu fesseln, zu unterhalten und über das Leben, Bräuche und Weltanschauung der Menschen im alten Griechenland zu informieren. Im Zentrum der Handlung steht Penelope; die Frau des Odysseus. Ihre Art zu denken ist jeder Frau sehr vertraut, obwohl ihr Handeln Zeitgeschichtlich bestimmt ist.
Das Buch ließt sich sehr leicht und ermüdet den Leser nicht. Viele
Lebensweisheiten sind in den locker gesagten Sätzen verpackt und drängen sich einem nicht auf.
Auch die Übersetzung ins Deutsche trägt zum Genus des Buches bei.
Ich würde dieses Taschenbuch für den Reisekoffer in den Urlaub empfehlen.
Vera Soukup
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