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Kundenrezensionen

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am 18. November 2008
Ich habe das Buch durch Zufall gefunden und, weil ich "Die Arbeit der Nacht" von Glavinic gelesen hatte, wollte ich herausfinden, ob er auch spannend schreiben kann. Immerhin ist der "Kameramörder" ja Krimi-Preisträger. Ich habe das Buch beinahe in einem Zug ausgelesen - ist ja nicht sehr dick - und war während des Lesens schockiert wie lange nicht mehr bei einem Buch. Es ist sehr spannend, aber mehr noch fasziniert die Sprache, die die grausamsten Details von Morden an Kindern durch eine übermäßig sachliche und nüchterne Technokratensprache banalisiert. Dies als Stilmittel einzusetzen, habe ich noch nirgends so gekonnt und wirkungsvoll nachgelesen wie bei Glavinic. Dazu die Kritik an Medien und allgemein an der Gesellschaft, die diesen Gewalttaten und der Suche nach dem Täter mit einer obszönen Mischung aus Ekel und Faszination zusieht. So macht das Ganze eine absolut ungewöhnliche Geschichte aus. Ich kann aber auch diejenigen verstehen, die das Buch verreissen oder sich schockiert abwenden, es ist wirklich nicht jedermann Sache. Den Punktabzug gebe ich eigentlich nur für die Form des Romans die, ohne Absatz und Kapitel, das Lesen und das Innehalten davon sehr erschwert. Inhaltlich ist "Der Kameramörder" ein brillantes Stück Krimigeschichte...
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am 15. August 2005
Zwei Paare verbringen die Osterfeiertage geminsam in der ländlichen Steiermark. Doch ein Verbrechen im benachbarten Ort dringt immer nachdrücklicher in die Idylle ein.
schon die Handlung alleine, grausame Morde an Kindern vor laufender Kamers zu Ostern, könnte ein gutes Buch ausmachen. Doch Glavinic greift höher:
Mit fast unmenschlicher Sachlickeit lässt der Autor den Ich-Erzähler die Ereignisse wiedergeben. Durch diese Distanz kommt ein unbehagliches Gefühl auf dass den friedlichen Aufenthalt überschattet. Der Medienpräsenz des Doppelmordes können und wollen sich die Protagonisten nicht verschließen, sie sind gerade süchtig nach Neuigkeiten. Es sind keine herausragenden Persönlichkeiten, doch mit nüchternem Blick schafft Glavinic es den Alltagstypen und Klischeegestalten Leben einzuhauchen.
Ich wollte nach "Wie man leben soll" mehr von Glavinic lesen und bin dabei auf "Der Kameramörder" gestoßen. Nach den ersten paar Seiten hat mich der trockene Stil gepackt und für den Rest des Tages(und gleichzeitig Buches) nicht losgelassen.
Die frische Mischung aus Medienkritik, trockenem Krimi und genauer Alltagsbeobachtung verdient ihre fünf Sterne.
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am 30. April 2014
Meine Erwartung war nicht sonderbar groß, aber - wow - sie wurde wiederholte Male übertroffen! Ein wahnsinns Buch, das dich auch noch Stunden später sprachlos zurücklässt!

Inhalt:
»Ich wurde gebeten, alles aufzuschreiben.« Mit diesem Satz beginnt der Ich-Erzähler seinen Bericht über ein Osterwochenende, an dem er und seine Lebensgefährtin ein befreundetes Paar in der Steiermark besuchen. Während die Medien minutiös über einen am Karfreitag begangenen Doppelmord an zwei Kindern berichten, den der Mörder mit einer Videokamera aufgenommen haben soll, pendeln die vier Freunde zwischen Fernseher und Kartenspiel, Küche und Gesprächen hin und her. Angewidert und zugleich voller Lust an der Sensation, kommentieren sie das Vorgehen der Medien. Draußen, in der »wirklichen« Welt, wird unterdessen fieberhaft nach dem Mörder gesucht.

meine Meinung:
Vor Jahren schon musste ich das Buch unbedingt haben, dann habe ich es in meinem Bücherregal mehr oder weniger "verloren", bis ich es durch die "URLI-SUB-Liste" wiederfand.

Klar, der Inhalt selbst schien schon spannend, immerhin ging es um einen unglaublichen Mord, aber sonst war die Freude über das Buch schnell verflogen. Der erste Satz war zu beginn das spannendste und nach 20 Seiten wollte ich schon fast die Nerven verlieren, aber ich biss mich durch - zum Glück!
Das Buch baut rasend schnell an Spannung auf und immer mehr Details über den schrecklichen Mord wird publik gemacht.

Wenn man das Buch liest, wird man nicht nur Zeuge, zu welche Gräultaten wir Menschen in der Lage sind, sondern auch von den Mediengesetz zeuge, der viele Menschen in diesem Buch zur Weisglut brachte.

Natürlich dachte ich bei einigen Situationen Worte, wie "Über sowas regen sie sich auf?", "Nicht im Ernst?" oder "Und? Was ist jetzt so schlimm daran?", aber das konnte ich schnell ausblenden, immerhin spielte das Buch - mehr oder weniger - für mich in der Vergangenheit, da ich einfach schon zur Generation Medien gehöre.

Fazit:
Ein unglaublich gutes Buch, dass aber zu Beginn seeehr langatmig ist, dass das Weiterlesen von Anfang an, also schon schwer fällt.
Die Zähen, die es aber weiterlesen, werden definitiv belohnt!
Durch den schwierigen Einstieg (schwierig bezogen auf die Lust, weiterzulesen) ziehe ich 1en Stern ab, aber sonst gebe ich dem Buch 4 von 5 Sternen!
Das Ende lässt mich immer noch den Kopf schütteln, obwohl....
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am 12. April 2012
Der Kameramörder ist ein spannende und gut geschriebene Bericht von einen Doppelmord, dass die Steiermark Gegend von Österreich gegriffen hat. Durch die 157 Seite entfaltet die Untersuchung und die folgende Verbrecherjagd in oft grausame und störende Einzelheit. Dies Buch ist nichts für schwache Nerven! Die Geschichte folgt der Erzähler und seine Lebensgefährtin, die ihre Freunde während Osterwochende besuchen. Sie verbringen ihre Wochenende Spiele spielen, trinken und plaudern - wie alle Freunde würde. Aber das ganze Wochenende wird aus den Fugen geraten, als sie über den Morden herausfinden und was noch wichtiger ist, dass es in ihre Gebiet passiert ist.
Das Buch wird im Stil einer Bericht von der Hauptfigur geschrieben, dessen Name wir nie herausfinden. Dies geschriebene Stil entscheidet die Struktur und Anordnung des ganzen Textes - es gibt weder Kapiteln noch Absätze. Obwohl das Niveau von stylistischen Detail sehr eindrucksvoll ist, macht es das Buch ziemlich schwer zu lesen, weil es keine bestimmte Pause gibt. Gelegentlich führt dies zu Schwierigkeiten, wo man nicht erinnern kann, was bevor passiert ist.
Das gesagt, ist es ein tolles Buch mit Rätsel und Wendungen als die Geschichte entwickelt. Die entfernte Stimme des von Glavinic geschaffenen Erzähler beschreibt die Handlung in einer systematischen Methode aber es gibt keine Erklärung über die Morde und dies gibt das Buch eine unheimliche Gefühl.
Als Fremdsprecher habe ich "Der Kameramörder" sehr gut gefunden, weil die Vokabeln nicht zu komplex war und die Geschichte fliesst toll. Das österreichische Element habe ich sehr interessant gefunden, weil es ein bisschen unterschiedlich war, zu andere deutsche Bücher die ich bevor gelesen habe. Ich würde dieses Buch zu irgendjemand empfehlen, besonders Leute, die Krimi und Thriller Geschichten mögen.
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"Auf der Suche nach einer möglichen Sensation sind den Medien heute oft alle Mittel Recht. Ein selbstkritischer Zugang ist immer seltener vorhanden", stellt Peter Vitouch, Medienpsychologe und Professor am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien fest. Die Sensationsgier der Konsumenten tut ein Übriges. Thomas Glavinic schildert und prangert diesen Medienhype an.

Obwohl das schmale Büchlein recht harmlos beginnt - der Ich-Erzähler und seine Lebensgefährtin besuchen über Ostern ein befreundetes Paar auf einem Bauernhof in der westlichen Steiermark; man genießt das gesellige Beisammensein - ereignet sich schon bald eine unerhörte Begebenheit: ein Verbrechen, ein grausamer Mord an zwei Kindern, ganz in der Nähe. Die zwei Pärchen erfahren es über Teletext aus dem Fernseher. Schon bald hält die entsetzliche Tat ganz Österreich und Deutschland in Atem. Von überall her reisen Reporter, Fotografen und Kamerateams an. Das Fernsehen berichtet live aus dem Heimatort der Opferfamilie. Hier hat sich eine riesige Menschenmenge eingefunden, die schäumend vor Wut Vergeltung fordert. Zudem wurde die Ungeheuerlichkeit mit einer Videokamera gefilmt. Das Band befindet sich in den Händen eines deutschen Privatsenders, der es ausschnittsweise auszustrahlen gedenkt. Trotz diverser Protestaktionen vor dem Fernsehstudio fiebert die Masse, und mit ihr die vier Freunde, der angekündigten Ausstrahlung entgegen, changierend zwischen einer Mischung aus Abwehr und Sensationsgier. Der Ich-Erzähler berichtet minutiös, beinahe ohne Punkt und Komma, über das Geschehen und die schrecklichen Bilder des Mordvideos.

Thomas Glavinic treibt nicht nur mit seinen Figuren, sondern auch mit seinen Lesern ein psychologisch fintenreiches Spiel. Er berichtet im Stil einer reinen Nacherzählung. Die wörtliche Rede umgeht er komplett. Die Sprache ist knapp, Sätze im einfachen, völlig emotionslosen Stakkatostil; ein spröder, beinahe teilnahms- und emotionsloser, extrem sachlicher, von großer Pedanterie geprägter Protokollton, der in absolutem Gegensatz zur Dramatik und auch zur Grausamkeit der geschilderten Ereignisse steht, aber gerade dadurch eine kumulierende Wirkung hat. Der Autor erzeugt einen Sog, dem der Leser sich unschwer zu entziehen vermag. Man fliegt durch die Seiten, um "die Bestie" enttarnt zu sehen. Und stellt sich dabei mehr als einmal die Frage, wie man selbst reagieren würde, wenn... Trägt man als "Zuschauer" oder Leser nicht auch Schuld an den verwerflichen Auswüchsen der sensationslüsternen Medien? Ein dunkles Wechselspiel von Angebot und Nachfrage.

Fazit:
"Der Kameramörder" ist ein sprachlich und stilistisch eindrucksvolles Psychogramm, das auf knapp 160 Seiten zu einem kulminierenden Höhepunkt geführt wir und buchstäblich mit dem letzten Satz in einem "Big Crunch" zusammenfällt. Obwohl das Buch auf der Criminale 2002 in München mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet wurde, ist es kein Krimi im engeren Sinn. Eher kann man den Roman als Satire auf unsere, von den Medien bestimmten Welt und die Sensationslüsternheit der Menschen lesen.
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am 14. April 2007
Ein hitzedurchflutetes und gewittergetränktes Osterwochenende in einem kleinen "Kaff" in der Weststeiermark ist Schaubild des Romans. Das zentrale Thema jedoch der Mord an zwei Kindern vor laufender Kamera eines sadistischen Psychopathen. Zwei befreundete Paare (ein oberösterreichischen und ein steirisches) verbringen das Wochenende gemeinsam in vorsommerlicher, grüner Idylle. Nachbarn, Postboten und die übrigen Konsorten gehen durch allzeit unverschlossene Türen. Fleischweihe und Osterfeuer sind voraus zu setzten. Die Nachricht des Mordes lenkt den Besuch jedoch in eine ganz andere Richtung. Zwischen Federballmatch, Tischtennis-Doppel und Romme-Partien werden immer wieder der Teletext abgerufen, Nachrichten verfolgt, Zeitung gelesen und mit Ortsansässigen telefoniert. Die mediale Zelebrierung des tragischen Mordes erreicht ihren Höhepunkt, als ein deutscher Privatsender Ausschnitte des Videos im Fernsehen zeigt. Politiker wie Kleriker schalten sich zu. Selbst das "Urbi et Orbi" von Johannes Paul II wird unterbrochen. Um den Mörder zu fassen, rücken Bauern und Jäger mit Schrotflinten bewaffnet aus. Schaulustige belagern Konditoreien und Wirtshäuser. Allseitige Sensationsgeilheit ist schlichtweg hinzunehmen.

Die Ereignisse sind von Donnerstag bis Montag in chronologischer Abfolge niedergeschrieben, berichtet und dokumentiert. Der geradlinige und straffe Satzbau wird durch gängige Abkürzungen noch weiter abgespeckt. Dialoge sind im ersten Konjunktiv wiedergegeben, die handelnden Personen beschreiben sich selbst. Der Eindruck, ein Protokoll zu studieren stellt sich rasch ein und hindert daran, das Buch zur Seite zu legen. Ein angewidertes Würgen am Ende des Romans darf nicht ausgeschlossen werden - darum meine Bitte: den Knall der letzten Seite nicht vorwegzunehmen!
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am 18. September 2006
Nach den ersten Seiten wartete ich noch auf den Wechsel im Schreibstil.

Doch da kam nichts Neues.

Unfassbar dachte ich erst. So langsam gewöhnte ich mich an diese Art der Informationsvermittlung. Spaß macht der Stil nicht, aber das genau soll so sein (nehme ich jedenfalls an).

Trotzdem kommt man nicht los von dem kleinen Buch. Die Seiten lesen sich schnell und man ist fast geneigt nicht nachzudenken über die Handlung.

Doch es braut sich etwas zusammen.

Zum einen weckt die Story unsere unermüdliche Neugier und wir müssen uns manchmal an die eigene Nase fassen, zum anderen wird die Szenerie immer unwirklicher.

Der Schluss ist nicht vorhersehbar. Danach geht man in Gedanken das Buch ein zweites Mal durch.

Warum? Lest selbst...
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am 21. April 2012
'Der Kameramörder' von Thomas Glavinic ist ein Roman, das erfolgreich zwei Rollen erfüllt. Es ist in einem niedrigeren Teil ein Krimiroman, das die Auflösung sehr spannend und unerwartet beim Ende preisgibt. Aber wichtiger ist der Roman eine feine Kritik, die satirisch die Welt der Medien kritisiert. Glavinic schafft diese beiden Themen flüssig zu verbinden, indem das Ergebnis eine genauso spannende wie scharfe Satire auf die Medien herauskommt.

Durch das Verfolge des im Roman beschriebenen Mordes kommt der Leser bei einem interessanten Aspekt an. 'Das Kameramörder' bietet weder einen Grund für die Morde, noch Menschlichkeit des Mörders. Die Morde sind genauso grundlos wie skrupellos. Der Täter benimmt sich gefühllos, indem er verkehrte Freude bekommt, während er seine eigene Morde im Fernsehen beobachtet. Glavinics Meisterhaftigkeit wurde dadurch gestellt, dass der Täter immer übergeblendet ist, indem er sich wie ein soziales Chamäleon benimmt.

Die Skrupellosigkeit und Grundlosigkeit der Tötungen erschaffen einen allgemeinen Kontext, auf dem Glavinics Satire wunderschön erbaut wurde. Die Grauslichkeit der Morde ist da, um sowohl die Hauptfiguren, als auch der Leser zu empören. Trotzdem kann der Leser ein Paradox bemerken. Trotz der Entsetzlichkeit der im Fernsehen übertragenen Nachrichten wollen die Hauptfiguren immer mehrere und grauenhaftere Besonderheiten über die Morde herausfinden. Der Leser bezeugt eine Regression von den Hauptfiguren, indem sie von den Medien immer tiefer in einer 'vampirhaften' Existenzform gesunken werden. Schuldig genießen sie über die Unglücklichkeit der Opfer, indem sie unersättlich mehr Blut und Tod im Fernsehen wünschen. Trotz des öffenbaren Tadels wider die Sendung, die den Snuff-film überträgt, wollen die Hauptfiguren geheimnisvoll die graulichen Besonderheiten der Morde nicht verpassen.

Der Hochpunkt Glavinics Romans ist, wenn der Leser unbewusst und langsam wie die Hauptfiguren wird. Wegen der ungewöhnlichen und spannenden Morde findet der Leser es, dass er/sie mehr über die Tat 'im Fernsehen' erfahren will. Dadurch erreicht die moralistische Botschaft des Romans in der echten Welt, wo der Leser, wie die Hauptfiguren vom Roman, daran teilnimmt, um Glavinics Theorie zu beweisen: Blut und Tod sind suchterzeugend und die Medien versklaven Menschen zu dieser Sucht, um ihre egoistische Interesse zu erfüllen.

Schliesslich ist 'Der Kameramörder' ein Roman, dessen Botschaft echt und überragend ist. Die Subtilität ihrer Darstellung zusammen mit dem Krimi-Element erschaffen ein exzellent geschriebener Roman, dessen Bedeutung heutzutage allzu anwendbar ist.
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am 16. Februar 2010
Nach dem Betrachten von Titel und Rückentext des Romanes ist man zunächst davon überzeugt einen völlig "normalen" Kriminalroman in den Händen zu halten. Doch schon nach den ersten Seiten bemerkt man, dass es sich bei diesem Stück Literatur um etwas völlig anderes handelt.

Anfangs wird der Leser mit einem Wochenende konfrontiert, dass zwei Paare miteinander verbringen und nur aus unspektakulären Aktivitäten besteht, sodass die Vorgeschichte den Leser auf eine inhaltliche Wendung hoffen lässt.
Plötzlich kommt ein grausamer Mord an den Vorschein und man merkt, dass sich etwas in den Köpfen, der zuvor noch sorgenlosen spaßhabenden Paare, verändert. Zwei Kindern wurde grausamst das Leben genommen, aber was am meisten schockiert, ist, dass der ganze Ablauf vom Täter per Videokamera festgehalten wurde.
Schon nach dem ersten Tag beginnen die zwei Pärchen förmlich nach jeglichen Informationen zu dem Mord zu suchen.

Da die Medien in dem Verbrechen ein gefundenes Fressen in kommerzieller Hinsicht vorfinden, nutzen sie die Chance und erleichtern ihnen damit diese Suche um Einiges. Als schließlich das Ausmaß seinen Höhepunkt erreicht hat und das stark umstrittene Tatvideo im Fernsehen ausgestrahlt wird, scheint die Gier der Hauptdarsteller ihre Grenzen zu überschreiten und sie schauen sich live vor dem Bildschirm an, wie zwei Kinder die letzten Minuten ihres Lebens qualvoll verbringen.
Die ständigen Medienberichte scheinen nicht aufzuhören, bis es schließlich zu der Festnahme des Täters und einem unerwartetem spektakulärem Ende kommt.

Als ich auf diesen Roman stieß und ihn ungewollt zu lesen hatte, schien mir die Aufgabe zuerst als unmöglich, da ich wusste, was ich nach meinen Erfahrungen von einem Kriminalroman zu erwarten hatte. Doch meine Ansicht eines wenig fassettenreichen Ablaufes wurde eines Besseren belehrt und ich begegnete einem Buch, das zugleich atemberaubend und unglaublicher Weise bedrückend war.
Die monotone Sachlichkeit des Ich-Erzählers verleiht dem Buch die gewisse Kälte, die zu der Atmosphäre des schrecklichen Mordes beiträgt. Doch die bedrückende Tatsache ist das Verhalten, dass die Protagonisten, während des Verfolgens der Berichterstattungen aufweisen.
Sie werden praktisch süchtig nach neuen Ergebnissen der Ermittlungen.
Doch die größte Überraschung, die den Leser an sich selbst zweifeln lässt und ihn zum Nachdenken anregt ist, dass er nach einer Zeit merkt, dass er dieselben Strukturen wie die Bürger im Roman aufweist, da er jeder Zeit auf Neuigkeiten hofft, die zur Lösung des Falles beitragen und schließlich auch von den Medien abhängig wird, um sein Ziel, die Erkenntnis wer der Mörder ist, zu erreichen.

Somit ist für mich "Der Kameramörder" ein beachtliches Werk, das die Skrupellosigkeit der Gesellschaft darstellt und perfekt an das heutige Geschehen anknüpft. Als bestes Beispiel kann man heute den "Amoklauf in Winnenden" verwenden, da es dort auch zu einer verblüffenden Explosion der Medien in Form von allen möglichen Berichten in Zeitungen, Radio und Fernsehen kam.
Thomas Glavinic hat dadurch sein großes Können auf die Probe gestellt und einen Roman geschrieben, der mittlerweile nicht nur zu einem Muss von Krimi-Fans, sondern auch zu einem Muss für jegliche Menschen, die sich für ausgefallene besondere Literatur interessieren, geworden ist.
Die Botschaft und der Sinn seines Werkes dienen also nicht nur der Unterhaltung, sondern auch dem wachrütteln der Menschen, die ihr eigenes Verhalten und somit das Verhalten aller in Frage stellen sollten.
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am 19. Mai 2003
Zwei Paare, ein gemeinsames Osterwochenende in der Weststeiermark. Was wie ein ruhiger, gemütlicher Kurzurlaub beginnt, wird durch die Nachricht über einen beispiellos grausamen Mord an zwei kleinen Kindern getrübt, den der Mörder sogar gefilmt haben soll. Das Verbrechen habe sich sogar ganz in der Nähe der beiden Paare abgespielt. Die Medien bauschen das Entsetzen über das Verbrechen zusätzlich auf, als ein deutscher Privatsender bekannt gibt, ihm sei das Video zugespielt worden und man wolle es ausstrahlen. Bei den Paaren wächst die Angst vor dem noch frei herumlaufenden Mörder und es gibt Anzeichen, dass er sich ihrem Hof nähert.
Autor Glavinic versteht es, mit Erzählperspektive und Sprache zu spielen. Auf nicht einmal 160 Seiten redet sein Ich-Erzähler in einem fort. Kein Absatz, keine Kapitel, keine wörtliche Rede. Dafür aber bis ins kleinste Detail die Ereignisse des Wochenendes schildernd, Federballergebnisse nennend, die Gerichte beim Abendessen aufzählend und - nicht zu vergessen - die Reaktionen der einzelnen auf die präzis von den Medien aufbereitete Verbrechenstat beobachtend. Knallhart, ohne Umschweife. Dabei werfen sich dem Leser viele Fragen hinsichtlich Umgang mit Medien, Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit, sowie Bildung von Vorverurteilung, Menschenkenntnis und Moral auf.
Alle Figuren der Handlung werden von Seite zu Seite unsympathischer, einschließlich des betont passiven Erzählers. Glavinic liefert mit seinem „Kameramörder" ein sprachlich und stilistisch eindrucksvolles Psychogramm. Ein kurzer Roman, der es in sich hat, denn jedes noch so unwichtig und überflüssig erscheinende Detail erhält in der brutalen Aufklärung einen Sinn.
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