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28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Boyle at his best
Drop City ist eines der besten Bücher von T.C. Boyle. Eine sehr realistische Einschätzung der Hippie-Kultur. Boyle erliegt der nicht Versuchung, eine Szene zu vereinheitlichen, sondern gesteht den Menschen in dieser Szene eine Individualität zu. Das macht diesen Roman so glaubwürdig. Auf der einen Seite haben wir zum Beispiel Star, das naive...
Veröffentlicht am 14. Dezember 2003 von Wolfsheim

versus
16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Realitätscheck für Flower-Power?
Auch wenn ich die Hippiebewegung aufgrund meiner "verspäteten" Geburt nicht miterlebt habe, so zogen mich T.C. Boyles anschauliche Beschreibungen der kalifornischen Kommune schnell in ihren Bann: Zwar werden die einzelnen Protagonisten eher oberflächlich porträtiert, dafür gelingt aber die Beschreibung des Milieus bzw. der Atmosphäre im Hippiecamp...
Veröffentlicht am 17. August 2006 von hartmutw


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28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Boyle at his best, 14. Dezember 2003
Rezension bezieht sich auf: Drop City. Roman (Gebundene Ausgabe)
Drop City ist eines der besten Bücher von T.C. Boyle. Eine sehr realistische Einschätzung der Hippie-Kultur. Boyle erliegt der nicht Versuchung, eine Szene zu vereinheitlichen, sondern gesteht den Menschen in dieser Szene eine Individualität zu. Das macht diesen Roman so glaubwürdig. Auf der einen Seite haben wir zum Beispiel Star, das naive Blumenmädchen. Dann haben wir Ronnie (der nur "Pan" genannt werden möchte), der mit seinen (unbewußten) Psychomaschen seine Ziele erreichen möchte (Sex & Drugs) und dabei Menschen manipuliert. Norm, der Führer der Kommune, der eigentlich gar nicht führen will und letzlich die Kommune in einer schwierigen Phase im Stich lässt, nicht jedoch ohne der Gruppe eine glorreiche Vision auf dem Weg zu geben.
Und dann sind da noch die Leute in Alaska, die viel eher am Ideal der Hippies dran sind, als sie glauben wollen. Eindrucksvoll charaktierisert von Boyle: Sess Harder, ein kantiger Naturbursche, der von der Natur lebt und sich dem Leben in der Wildnis angepasst hat, und auch die "Schattenseiten" seines Daseins kennt. Pamela seine Frau, die gerne in der Wildnis leben will, sich jedoch im Winter zu langweilen beginnt, sich dies jedoch nicht eingestehen will.
Der Roman wimmelt von fantastischen Passagen, interessanten Einfällen des Autors und seiner glaubwürdigkeit. Ein faszinierender Roman.
Nach über 500 kurzweiligen Seiten ist man versucht noch sagen: noch mehr davon, es bleiben so viele Fragen offen. Genau wie in der Realität.
Für mich das Buch des Jahres. Hat das Zeug zum Klassiker!!!
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Sprache die high und süchtig macht !, 21. Dezember 2003
Rezension bezieht sich auf: Drop City. Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Protagonisten des Buches bedienen sich der Joints um in eine Hochstimmung zu kommen, mir reicht das Buch, um alles rundherum zu vergessen und mich tragen zu lassen. Die Sprache von Boyle ist eine Wucht. Er beschreibt selbst nebensächliches so wunderbar und wirkt dabei keinesfalls schwulstig. Es gehört neben "Wassermusik", "Worlds End" und "Grün ist die Hoffnung" zu meinen Lieblingsbüchern von T.C.Boyle !
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36 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...with flowers in her hair, 19. Juli 2003
Rezension bezieht sich auf: Drop City. Roman (Gebundene Ausgabe)
Woher Boyle seine bis ins psychodetail beschilderten Personen in den erdenklich unwirklichsten Situationen herholt ist immer wieder, auch dank seiner Sprache, ein Lesetraum.
Mit Drop City dringt er tief in die Gefühlswelt der Hippie's, Peace, brother and sister, we are one family, one world - ein. Die Kommune Drop City aus Kalifornien, die auf ihrer Flucht vor der Konsumgesellschaft, und doch nur auf der Suche nach ihrer eigenen Identität und einer beängstigenden Naivität nach Alaska aufbricht, dem letzten Winkel einer Zivilisation, die ihrer vorgestelllten Lebensweise einen Raum zu gewähren scheint. Was sie dort antreffen sind Menschen, die das Leben in der Wildniss gewählt haben, jenseits der Bedürfnisswelt, im Bewußtsein der Einsamkeit der langen dunklen kalten Polarnächte, und dem lebensnotwenigen Jagen und Töten.
Wie sich die Angste und Hoffnungen in dieser extremen Natur treffen, und was dann so passiert ist absolut unerwartet, und doch in den Charakteren von Anfang an vorhanden.
Auch ein Appell an die eigenen Gefühle zu glauben, die nicht nur in den massenhaft konsumierten Joints und Trips zu finden sind, die vom Anfang bis zum tragischen Ende in ihrer Obsessivität zerstörerisch wirken.
Die Geschichte geht zu Ende, die Zukunft bleibt offen, und doch - wir haben gelernt - daraus entsteht das Gute.
Danke T.C. Boyle. Wie lange bis zum nächsten Buch?
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen sehr schöner schinken!, 28. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Drop City: Roman (Taschenbuch)
wieder einmal laufen bei boyle erzählstränge parallel. und im laufe des lesens machen sich ahnungen, wünsche und hoffnungen breit. dies verkörpert zauberhaftes lesen, das nicht innehalten wollen, wissen wollen, wie es weitergeht.
die story ist viele male beschrieben worden. sie taugt zum nacherzählen, sogar dazu, sie einem kumpel in allen einzelheiten auszumalen, und man wird dabei selbst zum helden, kommt um die witzigen, aberwitzigen szenen nicht drum herum und wird die lacher auf seiner seite haben.
der erzähler boyle ist immer auch ein politischer, ein kritischer geist. auch dies sollte man nicht überlesen. bei allem spaß und allem humor, den seine geschichten transportieren, bleibt das aufrütteln, das anprangern, das motivieren ein boylesches prinzip. freiheit hat seine grenzen. grenzen müssen so gestaltet sein, dass sie jedem genügend freiraum geben. leben und leben lassen.
boyle hat diese zeit zweifelslos erlebt. er hat sie genossen. und daraus gelernt.
ich aus seinem buch.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Inspirierend, weckt den Ruf nach Freiheit., 12. Juli 2004
Von 
Roman Kühner (Mannheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Drop City. Roman (Gebundene Ausgabe)
Hippies in Alaska, ein paradoxer Gedanke. Es gelang T.C. Boyle stets gut einem diese zwei verschiedenen Lebensstile näher zu bringen und Verständnis für beide alternativen Lebensarten zu erzeugen. Über die Hälfte des Buches wird in 2 Handlungssträngen (immer im Wechsel) erzählt. Auf der einen Seite ist da die Hippie Kommune welche im Drogenrausch in den Tag hinein lebt und auf der andern Seite ein Trapper im tiefen Alaska der versucht eine Frau zu finden und sein Leben zu meistern.
Die einzelnen Charaktere werden einem im ersten drittel des Buches gut näher gebracht. Der ständige Wechsel zwischen den zwei Handlungssträngen (bis die zwei -Welten- aufeinander treffen) erzeugt eine große Spannung.
Als die Kommune im Sommer in Alaska ankommt und sich in der unmittelbaren Nachbarschaft des Einsiedlers niederlässt, hat sie nicht mehr viel Zeit um sich auf den harten Winter vorzubereiten. Hier wird dem Leser das wahre harte leben in Alaska nähere gebracht.
Zwischenmenschliche Konflikte unter den Hippies aber auch unter den Alaskanern bestimmen das letzte drittel des Buches.
T.C. Boyle gelang es die spannendsten Geschichten zu schreiben die ich je gelesen habe. Es hat mir große Freude bereitet ein so interessantes Buch zu lesen.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Paradies-vertriebene Hippies..., 28. Januar 2004
Von 
Shaun - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Drop City. Roman (Gebundene Ausgabe)
In seinem neuesten Roman beschreibt T.C. Boyle meisterhaft die Hippie-Kultur der ausgehenden 60er Jahre, vorgeführt an Ronnie und Star, die sich von der Schule kennen und beide in den goldenen Westen nach Kalifornien fliehen, um in „Drop City", der von Norm geführten Kommune, ihre Ideale einer brüderlichen/schwesterlichen Gesellschaft mitzuleben. Das es dabei naiv genug zugeht und Mitläufer aus dem Ideal eine Farce machen, indem es unter anderem zu Vergewaltigung und Ertrinken im Dreck kommt, zeigt das Problematische an der Flower-Power-Kultur bereits an: Jeder will genießen, aber keiner will Verantwortung übernehmen. Nur der zugereiste Marco macht da eine rühmliche Ausnahme, in den sich Star auch prompt verliebt.
Als der Sheriff mit Bulldozern anrückt und das Gelände platt gemacht wird, flieht die Gemeinde aus dem Paradies und strebt dem vermeintlich gelobten Land Alaska zu. Herrlich wird die Reise in einem Ungetüm von Bus beschrieben, das Norm gerade noch rechtzeitig besorgt, Sack und Pack rein, die Ziegen obendrauf mitgeführt, die freilich in Alaska rasch zur Beute des nordamerikanischen Vielfrasses werden. Die Vorbilder für's Leben in der Wildnis sind geschildert in Sess Harder und der ihn heiratenden Pamela, deren vorausschauendes Arbeiten für den kalten langen Winter stark kontrastiert mit der in den Tag hinein lebenden Kommune in der Nachbarschaft. Ronnie verspielt nicht nur die Beziehung zu Star sondern schließlich jeden Kredit seiner Leute, als er in der nahen Stadt das anvertraute Geld der anderen verprasst. Er schließt sich Joe Bosky, einem Fiesling und Feind Sess Harders an, was Joe und Ronnie schließlich zum Verhängnis werden wird. Die Annäherung der Hippie-Kultur an die praktische lebensnahe Wildniswelt von Sess und Pamela gelingt schließlich Star und Marco, die von ihnen lernen möchten.
Das Ende bleibt offen, viele sind bis Weihnachten 1970 bereits aus der unwirtlich gewordenen Kommune entflohen, allen voran Norm, der Gründer. Ob sie den langen dunklen Winter überstehen werden, wird im Ungewissen gelassen. „Drop City" ist nach den düsteren Büchern „Amerika" und „Ein Freund der Erde" erfrischend humorvoll geschrieben und bedient sich der Hippie-Sprache mit viel Kennertum, die T.C. Boyle sicherlich aus persönlicher Erinnerung beizusteuern versteht - das Thema ist ihm sozusagen auf den Leib geschrieben, wie ich auch aus seiner Lesung des Buches in Göttingen bemerken konnte. - Unbedingt lesen und auf jeden Fall 5 Punkte!
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwei Welten klatschen aufeinander, 8. August 2003
Rezension bezieht sich auf: Drop City. Roman (Gebundene Ausgabe)
TCB nimmt sich in Drop City der Hippiezeit an, und dies war wohl längst überfällig. Schließlich hat er jene bewegenden Jahre, die unsere Gesellschaft nicht unwesentlich veränderten, selber hautnah miterlebt; vielleicht sogar mehr, als ihm lieb war, wenn man mal einen Blick auf seine Biographie wirft. Deshalb scheint sich der Autor auch wie Zuhause zu fühlen, wenn er von den Prioritäten der Hippiegeneration schreibt, von der freien Liebe, von Drogenparties, vom Lebensgefühl und dem Soundtrack jener Zeit. Seine Sprache passt auf jeden Fall bestens zu diesem Thema, besser als zu jedem anderen Roman, den er bisher geschrieben hat. Althippies tendieren ja normalerweise dazu, ihre bewegende Jugend zu verklären. TCB nicht, und das war wohl auch von vornherein nicht zu erwarten. Er lässt seine Protagonisten in gewohnter Manie durch die Geschichte stolpern, was dazu führt, dass weniger die positiven Grundgedanken und Ansätze, die die Hippiegeneration hatte, sichtbar werden, sondern vielmehr ihre naiven und selbstzerstörerischen Seiten.
Wie schon der Klappentext verrät, lässt TCB in Drop City zwei völlig verschiedene Welten aufeinanderklatschen: kalifornische Hippie-Pioniere (Norm Sender) und rustikale Einsiedler aus Alaska (Joe Bosky). Da ist das dicke Ende vorprogrammiert; ein Ende, das einem nicht wie in "América" im Regen stehen lässt, jedoch noch genug Freiraum für eigene Gedanken und Überlegungen bietet.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Charakter bricht Kultur, 1. März 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Drop City. Roman (Gebundene Ausgabe)
Nur auf den ersten Blick handelt es sich bei diesem Buch um eine Satire auf das Hippieleben. Wer nach drei Jahrzehnten über eine Hippiekommune in Alaska schreibt, hat tieferes im Sinn, insbesondere wenn der Autor Tom Boyle heißt.
Dabei scheinen die ersten 100 Seiten in der Tat zunächst nichts anderes zu sein als eine Karikatur auf ein zum Scheitern verurteiltes soziologisches Experiment, nämlich die Utopie einer freien Gesellschaft in Form einer selbstorganisierten Kommune zu verwirklichen. Schon von der ersten Seite an geizt Boyle nicht mit ironischen Seitenhieben gegen das naive Ideal. Das materielle Überleben der Kommune wird nur durch das ererbte Geld des Obergurus, das schamlose Ausnutzen des Sozialstaats und, schlimmer noch, dreisten Diebstahl gesichert. Freie Liebe entpuppt sich als ideologische Verbrämung purer Geilheit. Der Ausstieg aus dem Establishment bedeutet nichts als Faulheit und unproduktive Langeweile. Feministische Befreiung bleibt ein Witz: Wie selbstverständlich sind die Frauen für die Küchenarbeit zuständig, während das männliche Geschlecht den Tag mit Drogenrausch, Sex und Kater verbringt. Liberalität wird zur Karikatur, wenn eine Mutter ihre Kinder mit LSD versetzten Saft zu trinken gibt (was zur Beinahe-Katastrophe führt). Doch es passiert noch schlimmeres: Üble Gestalten nutzen das freiheitliche Leben, es kommt zur Vergewaltigung einer Vierzehnjährigen, und selbst die zartesten Sanktionen werden auch noch auf dem Altar der political correctness geopfert, wenn sich die Vergewaltiger ob ihrer schwarzen Hautfarbe als Opfer rassistischer Aggression wähnen. Obwohl die Risse in der Utopie sichtbar werden, bricht die Kommune nicht deshalb auseinander, sondern wegen der Banalitäten des Alltags. Weil die Hippies es nicht geregelt bekommen, Latrinen anzulegen, weil ihre Hütten nicht der Bauordnung entsprechen und weil die Grundsteuer fällig wird, rücken die Bulldozer an. Die Rettung: Ein einsames Grundstück mitten in Alaska, das der Oberguru Norm (mal wieder) ererbt hat. Der hält eine flammende Rede, ein psychodelischer Schulbus wird organisiert und ab geht es in die Wildnis.
Dort hat Boyle inzwischen einen zweiten Handlungsfaden gesponnen, der bei allem Kulturkontrast auch Parallelen aufzeigt. Die hübsche Pamela gibt ihr spießiges Kleinstadtleben auf, um (nach einer bizarren Brautwerbung) einen rauhen Naturburschen zu ehelichen, mit dem sie ein Blockhaus drei Stunden von der nächsten Ansiedlung entfernt teilen wird. Auch dies ist ein Ausstieg aus der bürgerlichen Gesellschaft, wenngleich mit anderen Vorzeichen. Während sich der Hippiekonvoi nach Norden aufmacht, entspinnt sich ein Wechselspiel der Kulturen. Auch unter den Fallenstellern und Buschpiloten in Alaska herrscht nicht eitel Sonnenschein. Eskalierende Konflikte, Gewalt, Trinkgelage, Unvernunft sind auch dort die Charakteristika der menschlichen Gesellschaft.
Und so entwickelt sich der Konflikt der Kulturen, als der Hippiebus schließlich in Alaska eintrifft, mit vielen überraschenden Wendungen. Vorurteil und Unverständnis wechseln sich ab mit brüderlichen Saufgelagen, weiblicher Solidarität und gegenseitiger Hilfeleistung. Und wer denkt, dass die brutal harte Natur in Gestalt gefährlicher Tiere und eines erbarmungslosen Winters den naiven Hippies eine Lektion erteilt, die nur in einer Katastrophe enden kann, unterschätzt den Autor Boyle. Vielmehr sind es die Nuancen, die den Unterschied machen. Beide Kulturen, die Welt der Fallensteller und die Welt der Hippies, brechen auseinander in rivalisierende Fraktionen, und es mischen sich neue, quasi interkulturelle Paarungen, Männer- und Frauenfreundschaften. Die Botschaft Boyles lautet, dass der individuelle Charakter letztlich entscheidet, nicht die Kultur. Und wer anfangs noch geglaubt hat, die Satire auf die Hippies wäre einseitig oder boshaft gewesen, wird zunehmend bemerken, dass auch diese Welt dem freudlosen Einerlei der Naturburschen Farbigkeit und Leben zu geben vermochte - zum beiderseitigen Vorteil. Ein großartiger, subtil gesponnener Roman.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein neuer Boyle und (endlich) ein guter Boyle, 18. September 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Drop City. Roman (Gebundene Ausgabe)
Yessss, T.C. Boyle ist wieder zur alten Hochform zurück gekehrt. Nach einigen eher lahmen Büchern ist er mit 'Drop City' wieder in seinem Element. Die Story ist stimmungsmäßig irgendwo zwischen 'World's End' und 'Grün ist die Hoffung' angsiedelt und rundum gut gelungen. OK, der Leser erfährt nichts wirklich Neues, aber das Altbewährte ist enorm gut verpackt. Schade, dass so schnell ausgelesen war, die Story hätte für mich ruhig noch einige Hundert Seiten weitergesponnen werden können...
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Realitätscheck für Flower-Power?, 17. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Drop City: Roman (Taschenbuch)
Auch wenn ich die Hippiebewegung aufgrund meiner "verspäteten" Geburt nicht miterlebt habe, so zogen mich T.C. Boyles anschauliche Beschreibungen der kalifornischen Kommune schnell in ihren Bann: Zwar werden die einzelnen Protagonisten eher oberflächlich porträtiert, dafür gelingt aber die Beschreibung des Milieus bzw. der Atmosphäre im Hippiecamp umso besser. Man bekommt einen guten Eindruck von Spaß, Lockerheit und Leichtigkeit, aber auch von der überall anzutreffenden Gleichgültigkeit, wenn etwa schreiende Kinder mit Trips beruhigt werden oder Arbeitsteilung, Küchendienst und Körperhygiene als überflüssige Spießerideen abgetan werden.

Obwohl Boyle diese etwas dunklere Kehrseite der Hippie-Idylle aus freien Drogen, freier Liebe und guter Musik intensiv schildert, denunziert er sympathischerweise nicht die gesamte Flower-Power Bewegung. Gerade am Beispiel des Gegenentwurfs, der im Buch in Form einer Parallelgeschichte über das Leben eines Einsiedlerpärchens in Alaska aufgezeigt wird wird klar, daß auch die sogenannten geordneten Verhältnisse kein Zuckerschlecken sind.

Dennoch wird mit fortschreitender Handlungsdauer klarer, wo Boyle seine Vorlieben hat: Die Hippies ersticken nach ihrer Zwangsumsiedlung von Kalifornien nach Alaska im eigenen Dreck und verlieren nach und nach die Lust am gar nicht mehr so entspannten Leben - das sie auch noch mittels ihrer Sozialhilfe, also durch die "Spießerwelt" finanzieren. Die frische Ehe des Einsiedlerpärchens dagegen funktioniert prächtig und auch der einzige ernste Konflikt des Buches löst sich klassisch schwarz-weiß: Böse (inklusive schlechter Hippie) kommt um, Gut (inklusive guter Hippie) triumphiert, ohne auch nur Mitschuld auf sich zu laden.

Vielleicht liegt hier auch das Manko des Buches: Obwohl es sich insgesamt gut liest fehlt es doch ein wenig an Dramatik oder Zugkraft. Dies wäre bei einem tiefsinnigeren Gesellschaftsportrait verständlich, da bei diesem mehr Wert auf eine Analyse gelegt wird. Nachdem Boyle sich aber mit mehr oder weniger oberflächlichen Beschreibungen zufrieden gibt fehlt mir insgesamt der zündende Funke oder eben das ganz große Lesevergnügen. Dennoch kann ich das Buch als entspannende Sommerlektüre empfehlen.
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Drop City: Roman
Drop City: Roman von T. C. Boyle (Taschenbuch - 1. September 2005)
EUR 9,90
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