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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein literaturhistorisch wichtiges Buch., 22. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Zimtläden: und alle anderen Erzählungen (Taschenbuch)
Als die „Zimtläden“ 1934 in Wahrschau erschien, rückten Sie ihren Verfasser Bruno Schulz mit einem Schlag in den Mittelpunkt des literarischen Interesses. Rechtsgerichtete Kritiker aus dem regierungstreuen Lager diffamierten die Erzählungen als abwegig, den Autor als „weinerlichen Sentimentalen“ – einer ging so weit zu empfehlen, man solle doch Schulz’ Werke verbrennen. Dem stand die Meinung der fortschrittlichen Schriftsteller Polens gegenüber. Die Avantgardisten, die gegen die kapitalistische Wirklichkeit Vorkriegspolens mit einer bewussten Hinwendung zum Grotesken und Absurden protestierten, um den bürgerlichen Geschmack zu schockieren, feierten Schulz als eine „erstrangige Erscheinung am versteinerten Literaturhorizont, als einen neuen Stern erster Größe“.

Indes sahen schon zeitgenössische Schulzkenner – obwohl von der dichterischen Intensität seiner Sprache fasziniert – die Grenzen im Schaffen von Bruno Schulz: in der Beziehungslosigkeit der Impressionen, im Fehlen der verbindenden Idee, wodurch trotz der Gemeinsamkeit des Ortes, der Zeit und der handelnden Personen vorläufig der Eindruck des Fragmentarischen zurückbleibe, was an der Stelle auch mein Kritikpunk darstellt.
In der Tat dürfte der fragmentarische Charakter der Zyklen „Die Zimtläden“ und „Das Sanatorium zur Todesanzeige“ das Fehlen einer über Autobiographisches hinaus ins Allgemeine greifenden, konzeptionellen Ideen, eine der Ursachen dafür sein, das Bruno Schulz, dessen Visionen eine außergewöhnliche poetische Begabung offenbaren, nicht in Bereiche der Weltliteratur vorgestoßen, dass er ein literarischer Außenseiter beblieben ist. Das hat aber nichts Abstoßendes zu bedeuten, im Grunde sind mir solche Talente lieber, die innerhalb von so wenigen Seiten eine solche Intensität erreichen, dass sie gar mit den ganz Großen, mit ihren ebensolchen großen Werken zu konkurrieren brauchen. Sie blieben Außenseiter, nur weil sie ihr Talent nicht zu voller Reife ausgeschöpft haben. Das hat aber in meinen Augen nichts Gravierendes zu bedeuten.

1935, nach dem Erscheinen der Zimtläden schrieb Schulz in einen Brief an einen Freund: „Ich betrachte die Zimtläden als autobiographischen Roman. Sie sind eine Autobiographie, weil sich dieser in mythologischen Phantasien verliert… Irgendwie sind diese Geschichten wahr, sie stellen meine Lebensweise dar, mein besonderes Schicksal. Die Dominante dieses Schicksals ist tiefe Einsamkeit und Absonderung von den Dingen des alltäglichen Lebens. Die Einsamkeit ist jener Faktor, der zur Gärung der Wirklichkeit und der Leerung ihres Schauplatzes von Figuren und Farben führt.“
Es handelt sich in der tat um einen Roman, der allerdings in einzelne Kurzgeschichten gegliedert ist.
Zweifellos ist das literarische Phänomen Schulz aus einem ständigen Kampf gegen die Tristesse des Provinzalltags, dem er nicht zu entrinnen mochte, zu erklären. Beginnt doch hier sein Rückzug in die phantastische Realität seiner Kindheit, in die Traumwelt der „Zimtläden“, sein Rückzug auf die Position eines „Fechtmeisters der Einbildungskraft“ für die „verlorene Sache der Poesie“.
So rührt er die Dinge seiner Umgebung, das vertraute Städtchen, die Wohnung, die Menschen, die seine Vergangenheit im verschlafenen Galizien der Jahrhundertwende belebten, wie mit einem Zauberstab an, hebt sie in eine neue poetische Dimension. Und der enge Garten hinter dem Haus weitet sich zum geheimnisvollen Farbenparadies, der zerlumpte Landstreicher wandelt sich zum Pan, die allesbeherrschende Gestalt des Vaters ist Vogel und patriarchalischer Prophet, der seinen Zorn auf eine verständnislose Menge ausschüttet, ehe ihn die nüchterne Realität in Gestalt des Dienstmädchens Adele aus seiner Scheinwelt zurückholt.

Diese in die sensuellen Schilderungen seiner Traumwelt immer wieder einbrechende ironische Distanzierung macht deutlich, dass sich der Autor der Kurzlebigkeit seiner Gestalten, der Planlosigkeit der Handlungen, des Provisoriums durchaus bewusst ist, dass er sich resignierend in seine Ohnmacht schickt und sich mit dem Fragmentarischen begnügt.
Durch die Symbolgestalt des Vaters, den die neuzeitlichen Geschäftsmethoden abstoßen, verdeutlicht Schulz seine eigene zwiespältige Beziehung zur Wirklichkeit, aus der er immer wieder in seine private, phantastische Realität flüchtet.

Bruno Schulz, der große Außenseiter in der polnischen Literatur zwischen den beiden Weltkriegen, wurde am 19. November 1942 von einem SS-Mann auf der Straße erschossen.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus der Krokodilgasse und näherer Umgebung, 13. November 2004
Von 
Francis Pierquin (Vernouillet, France - fspierqu@club-internet.fr) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Zimtläden: und alle anderen Erzählungen (Taschenbuch)
Dem Stoffwarenhändler Jakub macht viel zu schaffen: Nicht nur, daß eine Reihe neuartiger, im anrüchigen Viertel der Krokodilgasse liegender Geschäfte die altehrwürdige Kaufmannschaft am Ringplatz in arge Bedrängnis bringt. Zu Hause führt auch noch das Dienstmädchen Adela ein stocknüchternes, ihm immer mehr zusetzendes Regiment, dem er sich hilf- und wehrlos ausgeliefert sieht. Auf die Unterstützung seiner Frau mag er kaum zählen. Bleibt nur sein jüngster, gleichzeitig als kindlicher Ich-Erzähler fungierender Sohn Józef, der ihm ein gewisses Verständnis entgegenbringt. Da dies aber nicht ausreicht, sein Leben wieder ins Lot zu bringen, sieht Vater Jakub oftmals keine andere Zufluchtmöglichkeit mehr, als mannigfache, manchmal recht tollkühne Verwandlungen durchzumachen. Vater und Sohn ist gemein, daß sie die Welt der Poesie und der Phantasie verkörpern. Während sich bei Józef, wohl aufgrund seines Alters, noch niemand daran stößt, ist in der Umwelt des Vaters - beim häuslichen Kreis angefangen - keiner dazu bereit, es ihm als Erwachsenem durchgehen zu lassen. Daher sieht er sich dauernd zermürbenden Anfeindungen ausgesetzt, denen er immer weniger gewachsen ist, wenn er den Kampf auch nicht so bald aufgibt. Ob nun Vater Jakub oder Sohn Józef im Mittelpunkt einer Erzählung stehen: Immer wird die Geschichte aus kindlicher Sicht wahrgenommen und abgerollt. Dies mit Bedacht, gehört es doch zum Ansatz Bruno Schulz', von der Kindheit ausgehend zu den mythologischen Quellen des Menschseins zurückzufinden. Auch noch so sehr apart scheinende Erzählungen wie die dem Hündchen Nimrod gewidmet, dienen haargenau diesem Ansatz, ist doch die Aufspürung des Zumlebenerwachens eines solch jungen tierischen Geschöpfes wie geschaffen, „dem Menschen den Menschen zu zeigen" - wie es mittendrin in der Erzählung heißt. Dies der Gehalt jener fünfzehn im Jahre 1934 unter dem Namen „Die Zimtläden" erschienenen Erzählungen. Ihre Fortsetzung fanden sie im drei Jahre später herausgegebenen Zyklus „Das Sanatorium zur Todesanzeige", in dem derselbe Personenkreis wiederkehrt - nur daß Sohn Józef mit der Zeit zum Maturanten heranwächst, während der Vater immer mehr eingeht und nach einer allerletzten Verwandlung aufs schwerste versehrt auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Nebst einigen anderen, wenigen Fragmenten sind somit sämtliche erhaltene, literarische Werke Bruno Schulz' in einem Band vereinigt. Vom graphischen Werk dürfte hingegen ein größerer Anteil verloren gegangen sein. Wer die Erzählungen liest, spürt gleichwohl, er habe es mit einem Maler zu tun: Die Pinselstriche werden mit sicherer Hand ausgeführt, die Bilder, die vor dem inneren Auge entstehen, sind sinnreich, dicht, tiefsinnig und luftig zugleich. Keine geringe Leistung, wenn man bedenkt, in welche verborgenere und geheimnisvollere Sphären sie sich hochschwingen, ohne dabei eine gewisse Bodenhaftung zu verlieren. Tatsächlich ist Bruno Schulz - im Wortsinn - eher Maler denn Dichter gewesen. Bis er sich darauf besann, das Wort sei ausdrucksfähiger und -kräftiger als der Pinsel und er den Schwerpunkt seines Schaffens von der Malerei auf die Literatur verlegte. Völlig zu Recht, denn als ein Meister des Wortes darf Bruno Schulz ohne weiteres gelten. Die Feder ist das Instrument, das es ihm ermöglicht, mühelos bis in die verborgensten Bezirke vorzudringen - sowohl im physischen als auch im metaphysischen Sinne. Bei solcher Begabung fiel die Themenwahl leicht aus: Es reichte fast gänzlich der unmittelbare Lebens- und Wirkungskreis. So ist denn auch der Orts- und Zeitrahmen, in den die meisten Erzählungen eingebettet sind, der seiner Lebzeiten in seiner galizischen Heimatstadt Drohobycz und in deren näherer Umgebung - einschließlich des Himmels, zu dem nicht eben selten mit dichterischem und malerischem Blick aufgeschaut wird: „Über diesem schmalen und verlorenen Streifchen Land hat sich der Himmel noch einmal tiefer und ausladender als anderswo aufgetan, ein Himmel, gewaltig wie eine Kuppel, vielstöckig und saugend, voll unvollendeter Fresken und Improvisationen". Außer den Stilmitteln des Malers beherrscht Bruno Schulz virtuos eine Vielfalt von Registern und Schattierungen, die vom Realismus zum Expressionismus reichen und oftmals eines gehörigen Schusses Humors nicht entbehren. Man findet zwar Anklänge an so verschiedene Dichter wie Kafka, Rilke und Stifter sowie andere polnische Dichter seiner Zeit, doch versteht sich Bruno Schulz meisterhaft darauf, die vielfältigen, ihm zu Gebote stehenden Register zu einem höchst originellen, einzigartigen und fesselnden Ganzen zu verschmelzen. „Von Kindheit auf liebe ich es, das Zimmer aus der Vogelperspektive zu betrachten": Dieser verrutschte, durchdringende und unschuldige Blickwinkel ist es, der ihn zum unverwechselbaren Dichter macht. Bruno Schulz wurde am 19. November 1942 in Drohobycz auf offener Straße von einem Gestapomann erschossen. Von seinem Ende her wird er oftmals als tragischer Dichter betrachtet. Wohl mit einiger Übertreibung, wußte er doch auch voller Zuversicht zu schreiben: „Es gibt kein so fest zugemauertes Zimmer, in dem sich nicht eine (...) vertrauliche Tür öffnen ließe, wenn nur die Kräfte langen, sie hinzudenken". Ob im polnischen Original oder in der glänzenden Übersetzung Joseph Hahns: Die Erzählungen des Bruno Schulz gehören mit zum Besten, was eine Bibliothek bergen kann.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verbale Malerei, 26. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Zimtläden: und alle anderen Erzählungen (Taschenbuch)
Es lohnt sich auf jeden Fall, das Oeuvre dieses außerordentlichen Schriftstellers zu entdecken. Doch wer spannende Geschichten und Charaktere erwartet, wird ein wenig enttäuscht werden. Denn die üppig kolorierten Wetterstimmungen, die intensiv beschriebenen Farben des Himmels sowie der immer gleichen Schauplätze (Scholzens Elternhaus und Wohnort) dominieren doch sehr über die wenig detaillierte Handlung und die nur schemenhaft gezeichneten Figuren. Und nicht aller Wortreichtum ist auch wortgewaltig. Trotzdem, in kleinen Dosen genossen, eine faszinierende Lektüre.
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen TOLLTOLLTOLL....!, 16. August 2006
Von 
Michael Pietrucha (Forchheim Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Zimtläden: und alle anderen Erzählungen (Taschenbuch)
Leute, nutzt die Gelegenheit, und besorgt euch diese neue Auflage aller Erzählungen von Bruno Schulz, einem der großen polnischen Nachkrigsliteraten. Der behandelte Stoff ist in einem unvergleichlichen Stil ausgearbeitet. Alles, was man von kurzen Geschichten erwartet, wird von diesem Autor erfüllt. ES LOHNT SICH WIRKLICH!
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Die Zimtläden: und alle anderen Erzählungen
Die Zimtläden: und alle anderen Erzählungen von Bruno Schulz (Taschenbuch - 1. September 2004)
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