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Kundenrezensionen

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am 30. Juni 2005
Thomas Linde spricht auf Beerdigungen, im Gegensatz zur „Konkurrenz" aber nie von Gott, sondern vom Leben der Verstorbenen. Linde ist ein Altlinker, eine echte „rote Socke" mit einschlägiger Vergangenheit: Endlose Diskussionen in muffigen Kneipenkellern, Agitprop an der Uni, kommunistische Weinlese nebst promisker Freizeit im französischen Süden.
Bei einem Begräbnis lernt er Iris kennen, im wahrsten Sinne des Wortes eine Lichtgestalt, über zwanzig Jahre jünger, verheiratet. Sie interessiert sich erstaunlicherweise sehr für den alternden Revolutionär, eine Affaire beginnt. Gleichzeitig bekommt der Grabredner einen neuen Auftrag: Sein lange vergessener Genosse Aschenberger ist gestorben und hat sich Linde für die Beisetzung gewünscht. Dieser taucht tief ein in die Welt seines ehemaligen Freundes, der seine Ideale bis zuletzt auch gelebt hat. Mit einer Ausnahme, der Verweigerung, aus politischen Motiven gewalttätig zu werden. Aschenberger plante, die Berliner Siegessäule zu sprengen, dieses anachronistische Zeichen militärischer Macht inmitten der Stadt. Und tatsächlich findet Linde zwischen dem Müll in Aschenbergers Souterrain-Wohnung ein Päckchen Sprengstoff ...
Timm ist ein wortmächtiger Erzähler, dessen Sprache rasch vereinnahmt, die von brillierender Schönheit ist. Sie geht einher mit origineller Dramaturgie, die die eigentlich eher tröpfelnde Geschichte mit einer Art Druck ausstattet, der sich auf den Leser überträgt. Auch viele Wiederholungen und deklamierend vorgetragene linke Allgemeinplätze langweilen deshalb nie, während sich das schillernde Mosaik nach und nach zusammenfügt, um schließlich in der titelgebenden Farbe zu leuchten. Großartige Literatur.
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am 9. April 2002
"Rot" ist eines von jenen Büchern, wo man die Samstagseinkäufe schnell hinter sich bringt, um zu Hause weiterlesen zu können. Mit Humor und Ironie beschreibt Uwe Timm Verhaltensweisen und Sprachhülsen aus der 68er-Zeit, neumodisches Palaver und unerfüllte Lebenssehnsüchte. Dabei denunziert er seine Figuren nicht, macht sie nicht zu bloßen Blödmännern oder Blödfrauen. Als Beerdigungsredner macht sich der Ich-Erzähler Thomas Linde Gedanken über jene, die nicht von der "christlichen" Konkurrenz zu Grabe getragen werden und entfaltet so Lebensgeschichten über Liebe, Utopien, verkorkstes und gelingendes Leben. Und natürlich über sich selbst: über die Zeit der WG-Diskussionen, seine Liebschaft zur 20 Jahre jüngeren Lichtinstallationskünstlerin Iris, zu Edmond, der früher die revolutionären Reden geschwungen und später mit Wein ein Vermögen gemacht hat. Und natürlich über seinen verstorbenen Ex-Kommunarden Aschenberger, der alles bürgerliche Leben ablehnte und sich in einen Kokon des Kellerlebens einspannte. Ein wundervolles Buch über Tod und Liebe, Seitensprünge und Zärtlichkeit, Spießerleben und politischen Dogmatismus, über Gemeinheiten und persönlichen Mut. Mit kraftvoller Sprache werden die alltäglichen Bosheiten und Schönheiten des Lebens entschlüsselt, immer mit Witz und angemessener Nachdenklichkeit, mit unprätentiöser philosophischer Kenntnis und: mit Heiterkeit!
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Wie umgehen mit der eigenen legendären 68er Vergangenheit? Vielleicht so: Einsehen, was das für ein infantiler Unsinn war (höchstens historisch erklärbar) und im Laufe der Jahre Einpendeln auf die Lebensrealität, auf die jeweils eigene authentische Person? Einsehen, dass die radikale Weltverbesserung eine naive Menschheitsutopie war und sich lieber bescheiden einlassen auf die Mühen des wirklichen Lebens? Das tut der Protagonist in dem Roman durchaus. Er ist schon über 50, hat immer noch Erfolg bei jüngeren Frauen und kann als Beerdigungsredner auskömmlich leben. Er hat dies und jenes ausprobiert, ist wieder ungebunden, spielt Jazz und ist mit Jazzkritiken im Radio zu hören.

Aber nein, das ist dann doch zu wenig. Immer wieder bricht für ihn die Sinnlosigkeit des Lebens in unserer Konsumgesellschaft durch: "Alles Verklärungen, verbale Krücken, um das zuzudecken, was sich auftut, was tatsächlich ist: nichts. Ein schwarzes Loch, in das alles zusammenstürzt, eine Implosion des Sinns, nichts, nichts, nichts'" (153). Und als er die Beerdigungsrede bei einem ehemaligen Genossen halten soll, der keine Kompromisse machte und ein anspruchsloses, einsames Leben führte, um seine Ideale aufrechtzuerhalten, da überwältigt ihn die Nichtigkeit seiner eigenen Existenz, da ist er so gerührt von dem ehemaligen Weltverbesserungsethos, dass er sich gleich selbst von der Berliner Siegessäule stürzt, die sein alter Kumpel eigentlich in die Luft sprengen wollte. Man ist verblüfft: So schwer hat er am Leben getragen?

Es liegt also eine gewaltsame Aufprotzung seines Lebens mit Tiefsinn und Tragik vor, was man seinem real geschilderten Leben gar nicht abnimmt. Die Menschen, mit denen er zu tun hat, sind durchaus diskussionsbereit, liebenswert und zugänglich, obwohl es richtige Yuppies und Kapitalistenknechte sind, die Geld in Hülle und Fülle verdienen und einen alten Porsche mit kultigem Sitzpolsterleder fahren. Außerdem: Ist dieses Empfinden von totaler Sinnlosigkeit und Verzweiflung nicht einfach nur die Kehrseite von der jugendlichen Illusion der totalen Weltverbesserung? Jeder versucht sich halt die Welt zu erklären, wie er es gewohnt ist.

Timm erzählt deutsche Geschichte gekonnt und einfallsreich, wenngleich er auch immer wieder etwas angestrengt in Tiefsinn (über die Farbe Rot, wobei er sich anscheinend von Pamuks "Rot ist mein Name" von 1998 hat beeinflussen lassen) und Symbolik macht (Iris, das Licht, Jonas und der Walfisch). Er hätte es vielleicht bei der Darstellung belassen sollen, wie einer allmählich vom Leben belehrt wird und darin seinen Lebenssinn findet. Aber nein, der Mann will gleich tot sein, gleich vom ersten Kapitel an.
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am 17. Januar 2006
Irgendjedmand hier schrieb von fadenscheinigem Inhalt, was ich vehement bestreite. An Timms sprachlicher Virtuosität ist noch nichts auszusetzen gewesen, und mit ROT bestätigt er diese nur noch mehr. Aus Sicht eines Grabredners geschieben, interessierte mich das Buch natürlich besonders, da ich in selbem Metier arbeite. Die winzigen(auch witzigen) Parallelen zur tatsächlichen Berufswelt, die Andeutungen in Richtung Bestattungsbranche, amüsieren den Insider. Tief berührt hat mich die Suche nach den mehreren Wahrheiten, nach dem, was in jedem Leben zu finden ist, wenn man danach sucht, siehe die Episode mit dem beschädigten Schrank. Ein schönes, wertvolles, leichtes Werk, und für das Ende möchte man den Autor ans Herz drücken.
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am 22. Februar 2002
Wovon erzählt der neue Roman von Uwe Timm mit dem lakonischen, gleichwohl aber vielschichtigen, Titel „Rot"?
Rot ist die Farbe der Liebe und der Roman ist ein Liebesroman. Es wird eine erstaunliche und facettenreiche Liebesgeschichte geschildert. Die Liebesgeschichte eines alternden Mannes zu einer 20 Jahre jüngeren Frau ist der Spiegel in dem die großen Themen dieses Werks reflektiert werden.
Rot ist die Farbe des Blutes, deshalb auch des Lebens und in diesem Roman geht es um das Leben, um den Wert, die Kostbarkeit und um das Scheitern des Lebens. Letztlich stellt sich unausweichlich die Frage nach dem Sinn des Lebens. Je tiefer man in diesen Roman eindringt, umso mehr drängt sich diese Frage auf: Welchen Sinn hat dieses großartige und gleichzeitig elende Leben angesichts des Scheiterns von Lebenshoffnungen und Lebensentwürfen?
Rot ist die Farbe des Todes, des physischen Todes eines Verblutenden. In diesem Roman ist dieses letzte Scheitern immer präsent. Der Ich-Erzähler, Thomas Linde, ist Beerdigungsredner und hält hier im Grunde seine eigene Beerdigungsrede. Er durchlebt mehr als ein halbes Jahrhundert menschlichen Lebens in dem Moment, in dem sein Leben an seinen Endpunkt gekommen ist, im Moment seines Sterbens nach einem Unfall.
Es geht in diesem Roman also um das Leben, die Liebe und den Tod. Keine neuen Themen in der großen und weniger großen Literatur, aber so eindringlich, aspektreich und originell, dabei auch sprachlich souverän geschildert, dass ich von einem großen Roman sprechen möchte. „Rot" ist ein Werk von geradezu metaphysischer Tiefe, besonders dann, wenn man sich auf die Frage einlässt, die dieses Werk an einigen Stellen aufwirft und als Gesamtentwurf aufwerfen kann; wenn man sich nämlich auf die Frage nach Gott einlässt.
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am 11. Oktober 2001
Uwe Timms neuer Roman: Rot, ist ein großartiges Werk über die Liebe und den Tod. Erzählt wird aus dem Leben des Beerdigungsredners Thomas Linde, der mit 54 Jahren eine Beziehung zu einer 21 Jahre jüngeren, verheirateten Frau eingeht, und das, obwohl er "in Würde alt werden wollte". Als der mittlerweile wohlsituierte Linde die Grabrede für seinen ehemaligen Mitstreiter aus der 68er Revolution halten soll, wird er mit seiner politisch aktiven Vergangenheit konfrontiert. Dem Leser werden eindrucksvoll die letzten 30 Jahre der deutschen Geschichte vorgeführt. Vom Scheitern der Utopien, der Aufgabe der Ideale und von schleichender Resignation ist die Rede.
Auffällig und der Handlung mehr als angemessen, ist auch die Form des Romans. Der Protagonist läßt sein ganzes Leben im Augenblick des Sterbens noch einmal Revue passieren. Linde ist bei rot über die Ampel gegangen!
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TOP 500 REZENSENTam 10. Oktober 2006
In meiner letzten Rezension schrieb ich: 'Bleibt die Frage, warum es im deutschen Sprachraum nicht viele Erzähler des Formats eines Andrew Sean Greers gibt.'

Einer der wenigen lebenden deutschen Erzähler, die mit der Vielzahl der erstklassigen amerikanischen Romanciers konkurrieren können, wo es nicht direkt etwas zu konkurrieren gibt, ist Uwe Timm.

Nach 'Morenga' und 'Die Entdeckung der Currywurst' ist 'Rot' das dritte Buch, das ich von Timm gelesen habe. Und das dritte Buch, das ich im Nachhinein als lesenswert bezeichne.

Die Handlung an sich wäre schnell erzählt, wenn es darum ginge. 'Rot' ist jedoch kein Roman, der von der Handlung lebt. Vorsicht deshalb, wer in Filmen, Büchern und im Leben ständig nach Aktion sucht! 'Rot' besteht zu einem großen Teil aus dem Gedankenstrom des Erzählers, respektive des Protagonisten, einem professionellen Beerdigungsredner. Gedankenstrom? In der Tat erinnern die letzten circa 50 Seiten an Teile in James Joyces 'Ulysses', wenn auch in abgemilderter Form. Zwar immer gut lesbar, ist es jedoch nicht immer ganz leicht den Überblick zu behalten. Das wiederum ist aber geradezu typisierend für Texte dieser Art. Wenig beschreibende Passagen, viele Dialoge, noch mehr Gedanken.

Die Figuren im Roman, nicht nur der Protagonist Thomas, werden dennoch oder gerade dadurch plastisch und greifbar. Der Roman beginnt mit dem Ende und so schließt sich mit dem letzten Wort der Gedankenkreis. Nie langweilig gehört 'Rot' zu den Höhepunkten deutscher Erzählkunst der letzten Jahre.
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am 22. Januar 2004
Eine Sammlung von Eindrücken, Gedankenblitzen, Gefühlen, Augenblicksaufnahmen... Oft findet man sich ein bißchen wieder, oft erwischt Uwe Timm einen kalt mit scheinbar distanzloser Beschreibung. Durch das Feuerwerk von geschichtlichen, politischen, philosophischen, menschlichen Rückblicken führt die Farbe rot als roter Faden. Und auch durch das Leben des Protagonisten, eines Beerdigungsredners, der mit diesem Buch eine letzte Trauergemeinde anspricht- seine eigene.
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am 26. Dezember 2008
Sorry, aber auf Grund mancher Rezensionen hier muss ich annehmen, dass diejenigen, die dem Autor Langatmigkeit, Verblendung, Klischee-Pflege&Co unterstellen, das Buch nicht in all'seiner breiten Facettierung&Tiefe, in seinem Kern verstanden haben...und das macht, angesichts dieses einfach wunderbaren Gesamtkunstwerks Timms, dann schon fast betroffen und ein wenig wütend, weil in diesem Buch verschiedene Lebensstile, Eindrücke, essentielle Themen ganz kunstvoll& in seiner Fertigkeit bezaubernd miteinander verflochten werden und derlei Rezensionen ihm einfach nicht gerecht werden.

Ich kann jenen nur raten, dem Buch, und damit vor allem sich selbst, eine zweite Chance einzuräumen, und diesmal bewusster zwischen die Zeilen zu tauchen.

Das ist ein Buch, dem so viel innewohnt, dass man auch nach mehrmaligem Genuß trotzdem immer wieder Neues entdecken wird.

Mein innigster Dank dem Autor, für diese nachhaltigen Berührungen, die den Leser nicht auch zuletzt durch seinen eher unkonventionellen Schreibstil in den Bann ziehen, freie Gedanken zu neuer Verknüpfung anregen, die Nerven am Feuern halten.

Einfach großartig.

Zu diesem Buch kann man nur eins sagen: Lesen!!
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am 16. Juni 2010
Uwe Timm liefert einen sehr reflektierten Rückblick auf eine interessante Zeit und ihre Denkweise.Dass der fiktive Erzähler ein Begräbnisredner ist, schafft eine sehr spannende Erzählsituation: Der Erzähler vergleicht sein Leben und Handeln mit dem des Toten, für den er die Leichenrede halten soll, und macht bei seinen Nachforschungen interessante Entdeckungen. Genial angelegter Roman, der einem in mehrerlei Hinsicht zu denken gibt. Faszinierend von der ersten bis zur letzten Seite. Auch jeder bürgerlich-konservative Leser sollte sich einmal an dem Roman reiben. Schaden würde es keinem!
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