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46 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Konsequente Weiterentwicklung von "Faserland"
Alles beginnt im Iran, Teheran, 1979. Dies verwundert nicht weiter, wer Krachts „bunten Bleistift" kennt, weiß um seine Affinität zum Orient und Nahen Osten. Es ist die Zeit des Umbruchs, der islamischen Revolution. Der Kriegszustand ist ausgerufen, und inmitten dieser Wirren der Zeit, agieren der Protagonist und sein -zu meiner Überraschung-...
Veröffentlicht am 19. November 2001 von Andreas Gryphius

versus
5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen herr kracht was soll das?
Ein Mensch, mal wieder namenlos wird auf die Reise nach seinem ich geschickt. Auf dieser Reise wird er alles was er ist (ein Innenarchitekt) los und verliert dabei all seine Affekte. Das ist es fast schon was in diesem Buch passiert, nicht viel. Man kriegt viel über Inneneinrichtung und Kleidung zu hören und sogar ein wenig über Liebe. Die fade Handlung ist...
Veröffentlicht am 9. Oktober 2001 von Michiel Spijkerman


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46 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Konsequente Weiterentwicklung von "Faserland", 19. November 2001
Rezension bezieht sich auf: 1979: Roman (Gebundene Ausgabe)
Alles beginnt im Iran, Teheran, 1979. Dies verwundert nicht weiter, wer Krachts „bunten Bleistift" kennt, weiß um seine Affinität zum Orient und Nahen Osten. Es ist die Zeit des Umbruchs, der islamischen Revolution. Der Kriegszustand ist ausgerufen, und inmitten dieser Wirren der Zeit, agieren der Protagonist und sein -zu meiner Überraschung- schwuler Freund Christoph wie zwei Grotesken. Typisch Kracht steht die Politik hinten an, stattdessen werden Vorhänge kritisiert, Chaiselongues vom Ich-Erzähler und Innenarchitekten beschrieben. Wer die aus „Faserland" bekannte Barbourjacke sucht, wird nach nicht ganz zehn Seiten fündig, sie wurde lediglich durch ein Paar Berluti-Schuhe ersetzt, diese erfüllen aber ihren Zweck genauso gut, nämlich den Leser immer wieder an die Anfänge dieses wahnwitzigen Werkes zu erinnern. Das ist auch bitter nötig, denn was Kracht da in nicht einmal 180 Seiten zusammengeschrieben hat, wäre genug Stoff für andere Zeitgenossen, daraus eine sich über mehrere Jahrzehnte erstreckende Trilogie zu stricken. Ich danke Herrn Kracht für die Kurzfassung. Er bleibt sich -zumindest am Anfang- völlig Treu. Der geliebte, intelligente und hochzynische Freund des Erzählers und die ausschweifende Drogenparty, auf der die beiden in den ersten fünfzig Seiten landen ließen jedenfalls auf ein Remake von „Faserland" in Fernost vermuten, könnte doch der Verlauf der Feier genauso gut einer Szene des genannten Buches entnommen sein. Doch weit gefehlt. Ohne zuviel verraten zu wollen, wer ein von diesem Buch leichte Unterhaltung erwartet, dem wird spätestens im letzen Viertel das Lachen im Halse stecken bleiben. Und trotz der tragisch beschriebenen folgenden Ereignisse, die ich nicht so recht Kracht zuschreiben wollte bleibt es ein „echtes" Buch, made by C.K. Ein Feuerwerk überhöhter Ironie, eine Leichtigkeit und die Einfachheit der Sprache in Verbindung mit der paradoxen Geschichte stehen in einem grotesken Zusammenspiel und machen „1979" zu einem der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Wo andere Erzähler sich wortgewaltiger, blumiger Floskeln bedienen, um den Geschehnissen Tribut zu zollen, lässt der Kracht der Geschichte Luft, Platz zum Atmen, eine mysteriöse Ruhe liegt über den Ereignissen und der Leser darf sich selbst ein Bild der Geschichte machen. Und wenn man - wie ich - nach nicht ganz fünf Stunden intensiven Lesens das schlichte Buch beiseite legt, in einem Wechselbad der Gefühle, zwischen Schrecken, Empörung und Entzücken. - Der darf getrost wieder von vorne beginnen. Denn im Wissen um die späteren Ereignisse lassen die Hauptdarsteller in einem ganz anderen Licht dastehen, die Figuren wirken - im Gegensatz zum ersten Mal- schlüssig. Da passen die Details, die Lücken sind gefüllt. Für mich ist „1979" ganz klar eines der großen Werke der Gegenwartsliteratur.
Und wer nun aufgrund dieser Kritik über die Anschaffung nachdenkt, und zuvor keinen Kontakt mit dem Schreiben Krachts hatte, dem sei zuerst die Lektüre von „Faserland" ans Herz gelegt. Zum einen, weil das Erstlingswerk schon als Taschenbuch verfügbar, zum anderen, weil „1979" als konsequente Weiterentwicklung zu sehen ist. Doch Vorsicht: Kracht wird nicht erwachsen. Nur besser.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Innere Zerrissenheit, 19. August 2003
Rezension bezieht sich auf: 1979: Roman (Taschenbuch)
Eine Geschichte, die nicht belangloser und zugleich treffender die Partnerschaft zweier Menschen, die Asymmetrie ihrer Liebe und den verzweifelten Kampf eben um diese Liebe von unterschiedlichen Standpunkten und Bedürfniswinkeln aus beschreiben könnte, nimmt eine merkwürdige Kehrtwende und führt den Leser zum zweiten Teil auf die Grundwerte der menschlichen Existenz zurück.
Am Ende des Buches war ich innerlich zerrissen zwischen Mitleid mit dem Erzähler und der aufrichtigen Freude für ihn, denn Sinn für das beschriebene und gelebt erlebte Leben gefunden zu haben.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kafka trifft Hugo Pratt, 23. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: 1979: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Roman beginnt in Teheran im Jahr der islamischen Revolution. Als Touristen sind ein Innenarchitekt, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, und sein Lebensgefährte Christopher, obwohl sie sich schon lange nichts mehr zu sagen haben, in den Iran gereist. Christopher ist ein blasierter blonder Adonis, der sich auf einer Party im Norden der Stadt hemmungslos betrinkt und zukokst, durch eine Glastür stürzt und schließlich im Krankenhaus an seiner langjährigen AIDS-Erkrankung stirbt – nur dass im Jahr 1979 noch niemand die Krankheit kennt. Christophers Tod ist das Menetekel eines noch viel universelleren Zusammenbruchs.
Auf der Party ist es auch zum ersten Zusammentreffen des Protagonisten mit dem rätselhaften Rumänen Mavrocordato gekommen, der ihn mit esoterischen Einsichten verwirrt und in verschleierter Form auch den Tod Christophers voraussagt. Eine Kassette, die ihm untergejubelt wurde und Khomeini-Reden enthält, sorgt ebenfalls für Verwirrung. Doch die Polizei entlässt den Ich-Erzähler in die deutsche Botschaft, wo er die Formalitäten für den Todesfall regelt. Als er danach in einem Café von der nächtlichen Ausgangssperre überrascht wird, schleust ihn der Wirt durch einen unterirdischen Gang zu Mavrocordato, mit dem zusammen er nachts auf einem Gebäude eine Überwachungskamera in einen »hermetischen Zustand« versetzt, indem er sie mittels eines mitgebrachten Fernsehbildschirms, die er vor ihr aufstellt, sich selbst aufnehmen lässt. Schließlich regt Mavrocordato den Erzähler zur Umrundung des heiligen Berges Kailasch in West-Tibet an und gibt ihm auch das nötige Geld dafür. Der Ich-Erzähler könne so nicht nur von den Sünden eines Lebens reingewaschen werden, er würde auch etwas tun, »um das aus den Fugen geratene Gleichgewicht wiederherzustellen« (S. 117).

Der zweite Teil des Buches, der etwa ein Drittel des Textes ausmacht, widmet sich dann dieser bizarren Pilgerreise in die Einöde Tibets. Auftritte haben: ein wortkarger Führer, ein verrückter Mönch, ein zärtlicher Mönch und schließlich eine ganze Horde von Mönchen, mit denen gemeinsam er die Pilgertour um den Berg unternimmt, sich dabei ihren Ritualen anschließend (man wirft sich während der Umrundung fortwährend auf den Boden). Dann setzt das chinesische Militär den heiligen Verrichtungen ein jähes Ende. Die Katharsis des Erzählers verschiebt sich und erfolgt völlig anders als erhofft: nicht am Kailasch, sondern in einem Arbeitslager, in dem der illegal Eingereiste nach rücksichtslosem Verhör landet, nach Zumutungen durch Kälte und Durst, die der Verhaftete wie ein Hund an eine Heizung gefesselt zu erdulden hat. Das Ziel der Chinesen ist seine anti-imperialistische Umerziehung. Er wird also in ein monströses chinesisches Lager in der Wüste Lop Nor (Provinz Xinjiang) verbracht, wo er Löcher in den Wüstenboden graben muss, die karge Nahrung durch eiweißhaltige Maden aus dem Abort zu verbessern trachtet und schließlich Zeuge wird, wie sein bester Kamerad unter den Häftlingen von den »Kriminellen«, also den nicht-politischen Gefangenen, ermordet wird. Gleichmütig nimmt er alle Erniedrigungen und Misshandlungen hin und gleicht darin einem Gregor Samsa, doch ehe er womöglich dessen Los teilen muss, endet der Roman. Bemerkenswerter Kommentar des Erzählers zu seiner Lage: Er sei »glücklich«, endlich mal richtig abnehmen zu können; »ein, zwei Kilo hatte ich mir früher herunterhungern können, aber jetzt waren schon mindestens zehn oder zwölf Kilo weg, Gott sei Dank« (S. 166) – für mich eine Schlüsselstelle.

Das bereits über ein Jahrzehnt alte Buch des durch Imperium in die Schlagzeilen und Bestsellerlisten geratenen Schweizer Exzentrikers liest sich, als wäre Franz Kafka mit Hugo Pratt einen trinken gegangen, hätte sich mit ihm über die neuesten Trends auf dem Basar mystisch-esoterischer Geheimlehren ausgetauscht und danach eine Reinkarnation seines K. auf eine Reise in den Orient geschickt. Die schlichte Sprache, die Christian Kracht allerdings anreichert mit einer Vielzahl von Eigennamen aus der Welt der Mode sowie der Kunst- und Kulturgeschichte, ist dabei geblieben und verstärkt die Sogwirkung des Mysteriums, in das die Pilgerfahrt seiner Hauptfigur den Leser führt. Die Markennamen verschwinden dann notgedrungen, als sich die von Christopher geerbten »Berluti-Schuhe« im Staub von Tibet auflösen und nur mehr Filz als Kleidungsrohstoff taugt. Das Leben wird zunehmend aufs Elementare reduziert, auf das blanke Überleben. In dem scharfen Kontrast zwischen der Lebenswelt des Protagonisten vor und nach der Begegnung mit seinem rumänischen Guru vermuten viele die verborgene Botschaft des Romans. Solche schlichten Erklärungsversuche unterstreichen, wie sehr dieses Buch nach Interpretationen schreit. Denn drängender denn je steht am Ende der Lektüre die quälende Frage: »Was will uns der Autor mit diesem Büchlein sagen?« Etwas unbotmäßiger formuliert: »Was soll das?« Aber das war bei Kafka ja auch schon so.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckend, 15. November 2013
Von 
S. Glaser (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 1979: Ein Roman (Taschenbuch)
Gelesen hat man das Buch in wenigen Stunden. Aufgehört darüber Nachzudenken, sich an der eleganten Sprache zu erfreuen und durch und durch beeindruckt von den wenigen aber dafür umso prächtiger konstruierten Charakteren zu sein, habe ich auch ein halbes Jahr später nicht. Mit 1979 geht Christian Kracht weit über das reine Geschichten erzählen hinaus. Ich habe noch nichts vergleichbares gelesen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur so viel..., 3. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: 1979: Roman (Taschenbuch)
Das Buch ist groß! Ich habe es in einem durchgelesen und war schwer beeindruckt. Die Monotone Ruhe, die im Sprachrhythmus liegt ist poetisch, die Ereignisse surreal, die humoristischen Stellen höchst amüsant und die erschreckende Realität im letzten Teil des Buchs grausam, gerade weil sie so real wirkt. Und viel dichter dran als bei George Orwell.
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20 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anders als Faserland, 11. Februar 2002
Rezension bezieht sich auf: 1979: Roman (Gebundene Ausgabe)
Natürlich wurde und wird auch dieser Roman von Kracht wieder verissen. Dies geschieht - schon wieder - in derart ungerechter und dilettantischer Art, dass es schon fast weh tut!
Unpolitisch sei 1979 - nun, ich bezweifle, dass viele Leser und Kritiker überhaupt irgendetwas über den Iran wussten. Ich z.B. musste auch erst nachschlagen, was genau dort 1979 passierte. Natürlich bezieht Kracht durch seinen Ich-Erzähler nicht persönlich Stellung, denn genau das würde seine Aussage, würde den Ich-Erzähler ruinieren. Dieser ist unpolitisch bis dumm - aber deshalb sind es Kracht und der Roman insgesamt doch nicht!
Kracht kennt Asien sehr gut, und man bedenke bitte, dass 1979 nicht in der Welle des 11. Septembers erschien und auch nicht entstand. Da lag Harald Schmidt schon richtig, als er sagte, der Roman sei visionär.
Der Roman habe keine Aussage und gar kein wirkliches Thema - also, ein Mensch, der so von einem anderen abhängig ist, wie der Erzähler von Christopher, ein Mensch, der sich vor seinem eigenen Speichel ekelt, der keine Kindheitserinnerungen hat, den nur Innenarchitektur interessiert und der erst in einem Umerziehungslager eine gewisse Zufriedenheit erlangt...na, klingelt's langsam? Dieser Erzähler handelt nicht böse, oft sogar im Gegenteil, aber irgendwie tut er es doch! Er misshandelt niemanden, aber er schreitet eben auch nicht ein, wenn es andere tun. Ein Niemand also, der nicht zu den ganz bösen gehört, aber dennoch nicht nachahmenswert ist. Und das ist NICHT unpolitisch. Kracht gibt keine Anweisungen, er zeigt "nur" den Weg an. Mehr haben auch die ganz Großen nicht getan, und das mussten sie auch nicht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles ist sinnlos oder: Das ist sinnlos, 9. August 2012
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 1979: Roman (Taschenbuch)
"Ein kleiner Bach floß aus einem Gebüsch, schlängelte sich quer durch den Rasen und verschwand am unteren Ende des Grundstücks in einem Dornenstrauch. Brennende Fackeln waren in unregelmäßigen Abständen in den Boden gesteckt. Eine Frau in einem hellblauen Kleid stand etwas abseits im Garten und zielte mit einem Luftgewehr auf die Baumwipfel. Ihr Schatten zitterte auf dem Gras."

Völlig klar und doch wieder schematisch, so erscheint uns die Welt oft; Christian Kracht hat das in seinem Buch "Faserland" hervorragend eingefangen.
Auch in 1979, seinem Anschlusswerk, ist alles völlig klar, und auch ein wenig absurd, und doch auch irgendwie schematisch, als ob es keinen Ausweg gebe, als sei das Buch eine Reise in einem verschlossenen Waggon, also kombinierten die einzelnen Sätze des Werkes die Realität und wüchsen dann untrennbar zusammen. Schicksal und Vorbestimmung, dass alles wird ab ad absurdum geführt und doch wird die menschliche Bestimmung hervorgehoben.

Das Buch startet im Iran, in Teheran, Anfang 1979. Das Land ist im Umbruch, die alte Ordnung bröckelt, die offene Revolution gegen das Königshaus des Schahs ist nah. Aber ähnlich wie Nicolas Borns Held in Die Fälschung (ein Buch, das ein ganz kleines bisschen ist wie eine ältere Faserlandversion von "1979"), haben auch Krachts Protagonisten wenig Interesse an den Geschehnissen, denn sie sind, wie das bei normalen Menschen halt so ist und wie Kracht es auch konsequent verfolgt, laufend mit sich selbst beschäftigt, auf sich selbst konzentriert oder auf ihre Bezugspersonen/-punkte. Und so streifen sie den eigentlich alles beherrschenden Sog der Geschichte nur am Rande - die persönliche Innerlichkeit steht im Vordergrund, das Erleben der ganz und gar dezentralen Welt der Zentralismen.

In einer Odyssee wird aus Teheran über Tod und Flucht hinweg schließlich Tibet; eine Reise, die scheinbar ohne Grenzen und auch ohne Ziel bleibt. Von der Liebe, über die Freundschaft, den Glauben, bis zum letzten Ursprünglichen ist Kracht bis dahin die Stufen der Lebensleiter immer weiter hinabgestiegen. Viel kann nicht mehr kommen. Und so endet dieser Abstiegsroman kurz vor dem Nichts. Ein fast schon Beckett ähnliches Nichts, aber nicht mal mit dem Hang es zu erreichen.

Das schöne an 1979 ist, dass es ein Buch ist, das scheinbar keinerlei Erwartungen stellt. Und so ist der Leser angehalten viel vorsichtiger und aufmerksamer die Zwischenräume zu erkunden, die sich hinter Gedanken und Schilderungen des Ich-Erzählers und den Zusammenhängen ergeben, er kann mit Gedanken spielen wie mit dem Feuer - auch wenn sie letztlich nur Fragen ergeben.
Sicherlich ist es vor allem eine postmoderne Erzählung, die uns möglicherweise zeigen will, wie leicht der Abstieg aus der Zivilisation ist, weil schon einfachste Sachen ihr Gerüst herabsenken. Nie ist man fern von der Zivilisation, außer vielleicht in sich selbst.
Wegen Krachts detaillierter und nuancierter Erzählpolitik ist das Buch mehr ein Erlebnis, denn eine Geschichte, auch wenn es für viele wohl eher ein Fremderlebnis sein dürfte. Aber ein intensives Fremd- und Literaturerlebnis, keine Frage.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine gewisse Konfusion bleibt zurück, 31. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 1979: Ein Roman (Taschenbuch)
"Was war das jetzt?, war mein erster Gedanke, nachdem ich das Buch fertiggelesen hatte. Die Hauptperson treibt wie ferngesteuert durch das vorrevolutionäre Teheran bis nach Tibet, er taumelt von seinem Freund/Lebensgefährten über einen rumänischen Lebemann bis in ein chinesisches Arbeitslager und passt sich an, lässt sich ausnutzen und quälen. Das aus Faserland bekannte dekadente Setting finden wir in Teheran wieder. Die Hauptperson findet sich hier genauso zurecht wie in beim Umrunden eines heiligen Berges oder im Arbeitslager. Er ist wie ein Schwamm, der alles aufsaugt, aber nichts weitergibt. Der Stil ist Faserland nicht unähnlich und Kracht entwickelt einen eigenen, unverwechselbaren, Stil. Das (sehr kurze) Buch liest sich flüssig.

Am Ende fragt man sich aber doch, was das alles sollte. Worum ging es hier, was wollte uns der Autor damit sagen? Aber man muss auch nicht alles wissen oder verstehen und vielleicht sollte man sich einfach mal treiben lassen. Auf jeden Fall lesenswert, aber ich würde mit Faserland anfangen. Ich werde auch die anderen Bücker Krachts lesen.
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26 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "1979" wird die Zeit überdauern, 17. Oktober 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: 1979: Roman (Gebundene Ausgabe)
Christian Kracht hat ein kurzes Buch geschrieben: 150 Seiten, die Hälfte davon nur bedruckt, wenige Worte füllen eine Zeile. Nach gut einer Stunde ist man durch, und man wird nicht anders können, als gleich nochmal von vorne anzufangen: in einem komplett anderen Licht erscheinen dann plötzlich die Streitigkeiten der beiden schwulen Hauptfiguren, und auch die dekadente Party in Teheran, die mühelos auch am Bodensee in Rollos Haus hätte stattfinden können, wird man plötzlich ganz anders lesen. Überall lauern versteckte Anspielungen auf das Ende, aber auch auf den 11. September, der im Grunde ein ziemlich dämliches Datum ist, aber vielleicht auch der Tag, an dem uns die Augen dafür aufgingen, was Christian Kracht schon lange wusste: "Wir haben uns alle verschuldet, weil wir Amerika zugelassen haben. Und wir werden unsere Dekadenz nie wieder gut machen können, nie wieder." Für Kracht ist 1979 "light entertaintment", doch der Leser, der derartige Gewissheiten erst langsam verdauen muss, während der Ich-Erzähler mehr und mehr von Durchfall gequält wird, ist mehr erschrocken als amüsiert. Es ist die Leichtigkeit, die Überhöhung, der Hauch von Parodie, mit der Kracht seine bittere Geschichte vorbringt, die aus diesem Roman ein herausragendes Buch macht, ein Buch, das zum Besten der deutschen Gegenwartsliteratur zählt, das man wieder und wieder lesen wird und das einmal übrig bleibt, wenn der Begriff Popliteratur bedeutungslos geworden ist, Bernhard Schlink vergessen, Stuckrad-Barre verdrängt. Kracht ist der intelligenteste Autor unserer Zeit, 1979 sein bislang bestes Buch.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Schar, die Revolution und der Berg, 15. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: 1979: Roman (Taschenbuch)
Ich muß zugeben, ich habe es in einem durch gelesen, was sonst wirklich nicht meine Art ist, aber dieses Buch fesselt. Kracht schreibt in über zwei Drittel des Werks, über die letzten Tage des dekadenten Teherans im Jahr 1979. Dann bricht die Revolution aus und in den Wirren verliert die Hauptfigur seinen geliebten und gebrauchten Begleiter. Zwischendurch droht ihnen ein Exkurs in die Welt synthetischer Drogen.Dann erhält er einen Auftrag, der ihn allein in den Händen der chinesischen Armee treibt. In diesem Teil des Buches beginnt das Grauen: und was bisher ein kurzweiliges Lesevergnügen war dreht sich völlig um. Es geht nur noch um die blanke menschliche Existens und der angenehme Lifestile wird komplett pervertiert.
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1979: Roman
1979: Roman von Christian Kracht (Taschenbuch - 1. Mai 2003)
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