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38 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Roman eines gewöhnlichen Juden
Das ist die Geschichte eines Mannes, der Gott fürchtet und von ihm geprüft wird, wie Hiob im alten Testament. Mendel ist keiner, der stolz ist auf seine Individualität. Im Gegenteil, er will nur ein ganz gewöhnlicher Jude sein unter anderen Juden.
Anfänglich gelingt ihm das auch, er heiratet, er unterrichtet, er hat Kinder, tut, was sein...
Veröffentlicht am 15. Dezember 2005 von H. P. Roentgen

versus
3.0 von 5 Sternen Nichts besonderes
Es ist ja so hoch gelobt. Die Geschichte von Mendel Singer passt parallel zur Hiobs Geschichte in der Bibel. Allerdings erscheint mir Mendel Singer gar nicht als der liebenswerte, gute, fromme Mann. Er mag gottesfürchtig sein, aber gut verhält er sich meiner Meinung nicht (siehe Stellen wie: er ermahnte seine Frau nicht zu Seufzen ... ).
Ich kann die Zitate...
Vor 8 Stunden von Veronica Bardel veröffentlicht


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38 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Roman eines gewöhnlichen Juden, 15. Dezember 2005
Von 
H. P. Roentgen - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Hiob: Roman eines einfachen Mannes (Taschenbuch)
Das ist die Geschichte eines Mannes, der Gott fürchtet und von ihm geprüft wird, wie Hiob im alten Testament. Mendel ist keiner, der stolz ist auf seine Individualität. Im Gegenteil, er will nur ein ganz gewöhnlicher Jude sein unter anderen Juden.
Anfänglich gelingt ihm das auch, er heiratet, er unterrichtet, er hat Kinder, tut, was sein Vater tat, denkt, was dieser schon dachte. Doch dann bricht das Unheil über sein Haus herein. Sein jüngster Sohn lernt nie sprechen, seine Tochter macht mit Kosaken herum, sein erster Sohn meldet sich freiwillig zur Armee und mit dem zweiten wandert er nach Amerika aus. Beide fallen im ersten Weltkrieg und Mendel hadert mit Gott. Er, der gottesfürchtige Jude, fängt an, zu schmähen, was er früher verehrte. Doch eines Tages steht der Jüngste wieder vor der Tür, der Jüngste, der nie sprechen konnte, jetzt aber ...
Roth erzählt uns die Geschichte mit biblischer Wucht; schafft es mit seiner Sprache, uns in die längst vergangene Welt des Stetls zu versetzen, taucht den Leser ein in eine Welt, die so ganz anders ist als alles, was er kennt. „Hiob“ ist nicht nur ein einmaliges Zeitzeugnis, es ist auch ein wundervolles Beispiel gelungener Literatur, die auch heute noch, nach fünfundsiebzig Jahren, den Leser zu fesseln weiß.
Fazit: Archaische Erzählung aus Osteuropa, das die Zeit vor dem ersten Weltkrieg lebendig werden lässt.
(C) Hans Peter Roentgen
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ich fand auch Josefs Geschichte im Hiob, 1. Februar 2012
Von 
Rezi-Tante "Bettina" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hiob (Kindle Edition)
Joseph Roth erzählt die Lebensgeschichte seines Protagonisten in märchenhafter Einfachheit mit linearem Handlungsablauf und in scheinbar schlichter Sprache.
Die Hauptfigur Mendel Singer lebt in Zuchnow, einem fiktiven Stetl in Russland um 1900. Er ist ein streng religiös lebender Religionslehrer ohne Ehrgeiz,der versucht, alles Unjüdische seinem Leben und seiner Familie fern zu halten. Von ihm heißt es im Roman: Er lehrte mit ehrlichem Eifer und ohne aufsehnerregenden Erfolg. Hunderttausende vor ihm hatten wie er gelebt und unterrichtet.

Doch es ist eine Zeit der Veränderungen, die auch vor Zuchnow nicht halt machen.
Mendel Singer hat eine Frau, zwei Söhne und eine Tochter und lebt treu nach dem Gesetz der Vorväter, bis hin zur Bestrafung der Söhne nach (u.a.) Sprüche 13, 24: Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn. Wer ihn liebt, sollte ihn schon von klein auf züchtigen - in Mendels Fall mit dem Gürtel, ab und an.

Doch dann wird ihm ein dritter Sohn geboren, und der ist behindert.
Während seine Frau Deborah verzweifelt sucht, Hilfe für den behinderten Sohn Menuchim zu bekommen, sieht Mendel in dem Kind seine Strafe Gottes, die es zu ertragen gilt. Ein Angebot eines Arztes, das Kind in einem Krankenhaus kostenlos zu behandeln lehnt er ab, denn es würde dort nicht 'koscher' ernährt und von Nichtjuden beeinflusst werden.Gott wird es schon richten...
Den Geschwistern ist der Bruder peinlich, sie quälen ihn, weil sie sich seiner schämen, die Mutter ist ganz mit Menuchim beschäftigt, dass sie ihre sonstigen Aufgaben nicht mehr erfüllen kann, Mendel trägt sein Schicksal ergeben und verliert die Liebe zu und das körperliche Interesse an seiner Frau.

Doch das 'Fremde' bedrängt sein Leben weiterhin. Die Söhne sollen zur Armee des Zaren gezogen werden, für einen religiösen Juden undenkbar. Sein ältester Sohn findet aber an der russischen Lebensweise und am Militär Gefallen, sein jüngerer Sohn flieht vor dem Wehrdienst nach Amerika und wird Geschäftsmann mit einigem Erfolg. Die Tochter ist ebenfalls herangewachsen und beginnt sich mit Kosaken herumzutreiben. Mendel sieht in dem Angebot, mit Tochter und Ehefrau nach Amerika zu gehen, die einzigste Möglichkeit dieser Schande und dem wirtschaftlichem Elend zu entgehen, auch wenn es bedeutet, dass der behinderte Sohn zurückbleiben muss.
Alles, was dann erzählt wird, bezieht sich wie ein Spiegel auf das bisher erzählte, schlussendlich wird Menuchim gesund, reich und berühmt und wird zu Mendels letztem Glück'

Für mich ist das noch mehr eine kaum erzählte Entwicklungsgeschichte des Sohnes Menuchim, als die Lebensgeschichte seines Vaters Mendel.So, wie sich der biblische Josef erst entwickeln konnte, als ihn seine neidischen Brüder in den Brunnen geworfen hatten.
Der Sohn Menuchim musste die religiös begründeten Entscheidungen seines Vaters erleiden und konnte sich erst entwickeln, als dieser keinen Einfluss mehr auf ihn hatte. Trotzdem ist er dem Vater dankbar und verbunden, denn dieser hatte ihn diesen einen, besonderen Seelenton hören lassen, der nun seine Musik so besonders macht.

Dieser Roman wirkt durch sein fantastisches Ende märchenhaft und wie in guten Märchen steckt in ihm eine Wahrheit, die nur in dieser märchenhaften Form so vielschichtig und breitdeutbar erzählt werden kann.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zwischen Realität und Märchen, 19. November 2008
Von 
Bernhard Horwatitsch "horwatitsch" (Muenchen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hiob: Roman eines einfachen Mannes (Taschenbuch)
"Der Erzähler ist ein Beobachter und ein Sachverständiger. Sein Werk ist niemals von der Realität gelöst, sondern in Wahrheit (durch das Mittel der Sprache) umgewandelte Realität." (Joseph Roth)

Literaturgeschichtlich ist das Werk von Joseph Roth einzuordnen in die 'neue Sachlichkeit' (abgegrenzt zum Realismus ' Hauptvertreter Balzac) und nimmt eine Entwicklung, die sich vom Expressionismus stark abgrenzt in Themenwahl und Sprache. Hier bei Hiob im Vordergrund steht jedoch nicht die neue Sachlichkeit, sondern die Parabel über die sozialen Probleme der Menschen. Nicht die poetische Verklärung der Welt wie im Expressionismus, oder die ganz nüchterne Schilderung sozialer Wirklichkeit wie in der neuen Sachlichkeit, sondern (vor vielen Jahren lebte in Zuchnow...) eine gewisse Zeit- und Ortlosigkeit der Handlung. Zum Realismus, der die Welt objektiv abbilden will, grenzt sich die neue Sachlichkeit in Joseph Roths Werk ab durch die Fragmentierung der Erzählweise. Auch wenn Dokumente in die Texte eingearbeitet werden, ist diese Literaturgattung kritisch genug in ihrer Erzählhaltung, und aufgeklärt genug, die Welt nicht erfassen zu können. Von hier ist der Schritt in die Parabel gar nicht so weit, wie man annehmen möchte. In Hiob siedelt Roth die Familie Singer einerseits in einen realen Kontext, dem russischen Zarenreich und der neuen Welt Amerika, andererseits wird die Geschichte durch die jüdische Mythologie aufgeladen.
Zur neuen Sachlichkeit gehörend zeigt sich Hiob dadurch, dass es am Ende unerklärlich bleibt, wie es zu Leid und Glück des Mendel Singer kommt. Aber symbolistische Anteile (womöglich zurückführend auf Roths Freundschaft mit Stefan Zweig), ausgedrückt in vielen Sinnbildern und Methaphern (aus dem biblischen) gibt es zur Genüge. Hiob ist sicher Roths untypischster Roman, und das zeigt sich in der Rezeptionsgeschichte. Erst durch den unermüdlichen Einsatz für Roths Werk durch Herman Kesten und auch durch die Fürsprache von Reich Ranicki (in den 70ern), erfuhr dieser Roman eine größere, seinen bloßen Unterhaltungswert steigernde Bedeutung.
Vieles in der Sprache Roths, ist noch rudimentär expressiv, denn eine starke Betonung des Adjektivs findet immer noch statt, (das Leben rinnt an 'kärglichen' Ufern wie ein 'kleiner, armer' Bach dahin). Die Adjektive unterstützen den Symbolismus. Aber in Themenwahl und Stoßrichtung, als auch in der sprachlichen Orientierung vor allem des zweiten Teils nimmt der Erzähler schon eine stark personal orientierte Erzählweise an.
Der Erzähler hält sich zurück, die Sprache wird so nüchterner.

Im Gegensatz zum biblischen Hiob ist Mendel Singer eher Unterschicht. Der einfache Lehrer (in der jüdischen Tradition die unterste soziale Stufe ' Singer kann nicht schreiben siehe Seite 77) steht im Gegensatz zum Großgrundbesitzer Hiob.
Auch hierin klar die Themenwahl der Generation nach dem ersten Weltkrieg. Zuckmeyer, Tucholsky, Fallada, sind ebenfalls Vertreter dieser Literaturgattung.

Persönliches
Bei Roth wird (seiner Neigung zur Mystifizierung entsprechend) vieles eingewebt, was seiner eigenen Biografie entspringt. So ist der Wahnsinn, den Mirjam ereilt, aus dem biografischen Erleben Roths in zweifacher Hinsicht. Sein eigener Vater wurde wahnsinnig, und seine erste Frau Friedl Reichler. Für Friedl geht Roth sogar zu einem chassidischen Wunderrabbi (wie Deborah Singer) ' aber vergebens. Auch begreift Roth das Verlassen seiner Frau (die 1940 der Euthanasie zum Opfer fällt) sehr wohl als persönliche Schuld. In diesem Zusammenhang steht auch Roths Alkoholabhängigkeit.

Der Gegensatz von chassidischem Wunderrabbi und orthodoxem Judentum, dieser Gegensatz zeigt sich in Roths Leben in seinem Gegensatz zwischen Sozialismus und Mitgliedschaft bei der Gruppe 1925 (Roth wurde von Kisch vorgeworfen , ein Sozialromantiker zu sein) und Roths Monarchismus und Anhängerschaft Otto von Habsburgs. Er war sogar in Wien, um Schuschnigg zur Abdankung zugunsten von Habsburg zu überreden. Tatsächlich gab es auch in Bayern Bestrebungen, die Monarchie zum Retter vor dem Nationalsozialismus zu installieren. Der Gedanke ist also nicht so abwegig. Und es wäre lohnend, einen utopischen Roman zu schreiben, der eine Welt beschreibt, in der die Barbarei des Nationalsozialismus durch eine neue, vielleicht sogar moderne Monarchie verhindert worden wäre.

In erster Linie ist Hiob eine Geschichte von Exil und Assimilation der Juden. Einerseits Jonas, der zu den Kosaken geht, und damit zum jüdischen Erzfeind überläuft (die Kosaken vollzogen mehrere schlimme Progrome gegen die Juden) und Brandwein trinkt (auch dies für die Juden ein Getränk, das Schuld an den Ausschreitungen trägt), andererseits Schamarjah bzw. Sam, der nach Amerika auswandert und ein Leben nach westlich geprägten Mustern lebt und sich im nordamerikanischen Patriotismus verliert und im Krieg fällt. Dann aber Menuchim, der mithilfe der Kunst eine gelungene Assimilation vorlebt, und damit das Wunder vollbringt.
Dies ist gewissermaßen eine rationale Interpretation des Messiasgedankens. Menuchim kehrt nicht zufällig zum Pessachfest (Fest der Erwartung des Messias) zu Mendel Singer zurück. Mendel Singer selbst kann sich nicht anpassen, er kann lediglich seine Gottesfurcht in Gotteshass wandeln. Assimilation misslingt ihm, er wird durch das persönliche Leid zum Teufelsanbeter.
In vielerlei Hinsicht ist dieser Roman durchsetzt von biblischen Parabeln. Menuchim ist gewissermaßen auch Joseph, der von seinen Brüder beinahe ermordet wird und der in Ägypten dann eine positive Assimilation erfährt.
Die Familie Singer wandert nach Amerika aus, das entspricht dem Auszug der Kinder Israels aus Ägypten.
Der Gegensatz zwischen Schamarjah und Jonas (Isaak und Esau), Mirjam und die biblische Sulamith. Sulamith ist der Name der Geliebten im »Hohenlied« des Alten Testaments. In den Versen 7,1-10 preist der Verfasser ' nach der Überlieferung König Salomo ' die Schönheit Sulamiths.
Chiasmen (Du gehst beten [...] beten gehst du S. 61), Alliterationen (schwarz und schweigsam S. 61), Anaphern (Sein Schlaf war traumlos. Sein Gewissen rein. Seine Seele war keusch. S. 8), Metaphern (eine Wand aus kaltem Glas. S. 22), sind starke Stilmittel, die Joseph Roth anwendet, und die damit der im großen und ganzen einfachen Sprache eine wirksame Poesie verleihen.

Abschließende Bemerkung
Die Jahre des Schaffens von Joseph Roth sind geprägt von einer Dichte sich durchdringender Literaturepochen: Fin de siecle, Expressionismus, neue Sachlichkeit, Symbolismus, Avantgarde.
Dass die Barbarei des Nationalsozialismus diese rasante literarische Entwicklung radikal zum Stillstand brachte, ist bis heute deutlich spürbar.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Familienleben im Schtetl und Aufbruch in die Neue Welt, 1. November 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Joseph Roth Hiob Kiepenheuer & Witsch
ISBN 3462034057

Joseph Roth hat in seiner Sprache und mit dem ihm eigenen Tenor das Leben des Mendel Singer aufgeschrieben.
Sein dem Schicksal ergebener und vor Gott demütiger Held Mendel Singer lebt um 1900 in einem russischen Schtetl mit kärglichen Einnahmen aus seinem Beruf als Dorfschullehrer. Seine Frau Deborah ist nicht so gehorsam und ergeben Gott gegenüber wie ihr Mann. Als ihnen nach den Söhnen Jonas und Schemarjah und der Tochter Mirjam noch Menuchim, ein Krüppel und Tölpel, geboren wird, nimmt sie das Unglück nicht widerspruchslos hin. Mit Empörung und Aufruhr begibt sie sich zum Rabbi, der ihr die Gesundung des Sohnes verspricht. Sie müsse nur an seine Zukunft glauben und bei ihm bleiben.
Der Familie ist das Glück nicht hold, und Deborah muss viele Wege gehen, um Unabänderlichkeiten abzuwehren. So kann sie einen Sohn vor dem Militärdienst unter dem Zaren retten, den anderen aber nicht. Für Schemarjah organisiert sie die Auswanderung nach Amerika. Mirjam bändelt mit Kosaken an und nimmt es mit dem Glauben nicht so genau. Schweren Prüfungen sieht sich Mendel, wie Hiob in der Bibel, durch die täglichen Ereignisse ausgesetzt.

Joseph Roth bedient sich einer Sprache, die in langen Passagen an Bibeltexte des Alten Testamentes erinnert.
Das Altern und die Ehe der Mendels gleichen in der Beschreibung einem Gesang. Wie aus der anfänglichen Liebe Hass und Gleichmut werden, und die Scham der jungen Jahre sich im Alter wiederholt, das grenzt an biblische Weisheit, in der es ebenfalls Verkündigungen mit unabänderliche Weissagungen gibt. Bei allen Widrigkeiten wird doch die Bindung zwischen dem Paar immer enger in einem langen Leben, und das Wort von der Liebe bis in den Tod wird zur unumstößlichen Wahrheit.
Als die Familie nach Amerika aufbricht, ist die Mühsal des Aufbruchs in die Neue Welt mit all' dem Fremden so überwältigend für Mendel, dass er es nicht fassen kann. Amerika mit seiner lauten, modernen und dem Fortschritt verpflichteten Gesellschaft steht im Kontrast zum einfachen Leben der Bürger aus dem Schtetl.
Was dann noch passiert, wirft einen Blick auf den Glauben, die Zweifel und auf die Anfechtungen, denen Mendel ausgesetzt bleiben wird. Alles ist fremd, er versteht vieles nicht, aber ein Satz wie < er war getrost > macht es ganz einfach, denn alles wird sich fügen. Die Geschichte gewährt einen Blick in längst vergangene Zeiten und überzeugt von der Gläubigkeit, denen auch ein Agnostiker wie Joseph Roth Ausdruck zu geben vermag!
Man lauscht dem Klang der Worte und nimmt ihre archaischen Kerngedanken und Weisheiten auf und ist gerührt, wie sehr sie das eigene Herz zum Klingen bringen!

Das Buch gehört zu einem der schönsten der Weltliteratur.
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5.0 von 5 Sternen Ein moderner Hiob, 20. August 2014
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hiob (Kindle Edition)
Die Parallelen zum biblischen Hiob (und anderen biblischen Geschichten) sind deutlich, aufschlussreich sind aber die Abweichungen. Mendel Singer ist nicht wie Hiob reich und mächtig, sondern ein unbedeutender kleiner Toralehrer, der im Vergleich zu seiner Familie - der vitalen, ehrgeizigen Frau Deborah, der lebensgierigen Tochter Mirjam, den beiden gesunden Söhnen Schemarjah und Jonas reichlich schwächlich und weltfremd wirkt. Nur in dem geistig und physisch behinderten Kind Menuchim kann er sich wiedererkennen: "Du bist mein wirklicher Sohn!" (43).

Mendels Entschluss, nach Amerika zu gehen, ist kein Versuch, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und sein Glück zu machen, sondern eher ein Weglaufen vor den Problemen in seinem Leben: Er möchte nicht, dass Mirjam sich mit den Kosaken einlässt, und er lässt Menuchim in der Pflege fremder Leute zurück.

In Amerika geht es den Singers nicht eigentlich schlecht: Schemarjah hat zunächst Erfolg, Mirjam nimmt sich alle Freiheiten, die sie braucht. Daran und an den Zeitläuften gehen Mendel und seine Familie aber zu Grunde: die Söhne fallen im Krieg (vom zweiten gesunden Sohn Jonas nimmt Mendel es an), Mirjams "Freiheit" schlägt in Verzweiflung und Irrsinn um, und Mendel, der sich ohnehin in Amerika immer als Fremder fühlte, wird zusehends von Schuldgefühlen geplagt, weil er Menuchim verlassen hat. Mendels Unglücksschläge sind also - im Gegensatz zu Hiobs - teilweise selbst verschuldet: Er hat sich nicht aktiv um Deborah und Mirjam gekümmert und ist seiner moralischen Verantwortung für Menuchim nicht gerecht geworden.

Als Mendel wie Hiob von den Unglücksschlägen heimgesucht wird - seine ganze Familie wird in gewisser Weise dahingerafft -, verliert er - im Gegensatz zu Hiob - fast gänzlich seinen Glauben: Er verwünscht Gott und vegetiert nur noch dahin. Als er sich endlich entschließt, noch einmal Menuchim in der alten Heimat aufzusuchen, also letztlich seiner moralischen Verantwortung gerecht zu werden, geschieht das "Wunder", das ihm die Augen öffnet. Und im Zuge dieser wunderbaren Ereignisse wird Mendel dem Leben wiedergeschenkt. Auf einmal öffnet sich ihm die amerikanische Gegenwart, die ihm bis dato nur fremd und sogar unheimlich gewesen war, und Mendel erkennt: "Ein schlechter Vater war ich" (187). Dabei denkt er an Menuchim und Mirjam.
Der biblische Hiob musste reich und schuldlos sein, um seine Fallhöhe im Unglück und seine Unerschütterlichkeit im Festhalten an Gott zu demonstrieren. Mendel Singer ist ein Durchschnittsmensch, sein Glaube ist erschütterbar, seine eigene Schuld und sein Schicksal sind untrennbar miteinander verwoben.

Joseph Roths Buch ist ein Klassiker, weil die "Legende" in einem einprägsamen, sinnlich-anschaulichen Stil geschrieben ist. Sie ist holzschnitthaft-einfach geschildert - vielleicht auch immer nah an Stereotypen - aber voller emotionaler Tiefe. Das "Wunder" am Schluss ist auf meisterliche Art und Weise in Szene gesetzt, so dass einem beim Lesen die Tränen kommen können. Auch wenn man an dem Status dieses wunderbaren Buches nicht rütteln mag, so frage ich mich doch, wie die Geschichte ausgegangen wäre, wenn sich das Wunder nicht ereignet hätte - wie es ja wohl im wirklichen Leben zu gehen pflegt.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Brilliant erzählte Geschichte eines zweifelnden Hiobs, 12. Juli 1999
Von Ein Kunde
Das Thema des Romans ist bereits im Titel vorgegeben: Hiob, die biblische Figur, der alles genommen wird, trotz allem Gottvertrauen. Mendel Singer, dem Protagonist des Romans, ergeht es ähnlich. Er ist ein frommer Jude und führt mit seiner Familie ein bescheidenes aber glückliches Leben bis eine Kette von Schicksalschlägen einsetzt. Mit der Geburt seines Sohnes, der schwachsinnig und epileptisch ist, scheint das Unheil nicht mehr zu stoppen zu sein. Die beiden älteren Söhne werden zum Militär einberufen, was Mendel zu verhindern versucht. Während dies bei dem ältesten Sohn fehlschlägt, kann der zweitälteste Sohn nach Amerika fliehen. Zudem läßt sich Mendels Tochter mit Kosaken ein, die für Mendel der Inbegriff des Bösen sind. Auch die Liebe zwischen ihm und seiner Frau scheint erloschen zu sein. Der Lichtblick scheint dann die Auswanderung Mendels Familie zu ihrem Sohn nach Amerika zu sein. Dafür muß die Familie jedoch den schwachsinnigen Sohn zurücklassen. Das Schicksal verschont Mendel jedoch auch dort nicht. Wenn Mendels Gottvertrauen scheinbar unerschütterlich schien, so verzweifelt er schließlich und verflucht Gott. Das sich Mendels Haltung jedoch noch bis zum Abschluß des Romanes ändern wird, liegt im Stoff des Hiob Stoffes.
Nur auf dem ersten Blick erscheint diese Geschichte naiv. Doch unter der Oberfläche entdeckt der Leser eine brilliant geschriebene Charakteranalyse. Joseph Roths einfache Sprache, die mit vielen biblischen Anklängen versehen ist, geben dem Roman die richtige Stimmung. Im Gegensatz zur biblischen Geschichte Hiobs verzweifelt Mendel und wird zum Zweifler. Dennoch bleibt er nicht in dieser Haltung, sondern wird von Gottes Gnade überwältigt und findet seinen Glauben wieder. Roth nimmt die Fragen nach Sinn und Ziel im Leben auf und beantwortet sie im Geiste der Bibel. Roth beantwortet die Fragen aus der Sicht eines Zweiflers, die Sichtweise mit der sich der Leser wohl am ehesten identifizieren kann. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hat einen ganz eigenen Reiz, 24. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Hiob: Roman eines einfachen Mannes (Taschenbuch)
Roth schafft es auf wunderbare Weise die "alte" Hiobsgeschichte "neu" zu erzählen. Vor allem mit seiner Sprache, die gekonnt in ihren Bann zieht und die nach Stefan Zweig "an Musikalität ... kaum zu übertreffen" ist.

Die Geschichte ist nie langweilig und sehr handlungsorientiert. Auf gerade mal 188 Seiten schafft es Roth, die Verwandlung eines gottesfürchtigen Menschen in einen gotteslästernden glaubwürdig darzustellen und dabei das Leben des Mendel Singer zu schildern. Mendel Singer ist in seiner Einfachheit und Naivität seltsam anrührend. Und obwohl die Geschichte durch die vielen Schicksalsschläge sehr emotional ist, ist sie nie pathetisch oder kitschig. Einzig das Ende wirkt allzu zuckersüß, ist aber verständlich, wenn man an die biblische Geschichte denkt.

"Hiob" ist eine wunderbare Einheit aus Sprache und Inhalt. Der Roman wirkt auf seine ganz eigene anmutende Art. Am besten ist es, diese als Leser selbst zu erfahren.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Menschliches Drama mit der Frage nach Gott, 16. Mai 2014
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Rezension bezieht sich auf: Hiob (Kindle Edition)
Ein frommer Jude, der eine menschliche Tragödie nach der anderen erlebt und schließlich an Gott verzweifelt. Es sei an dieser Stelle nicht verraten, ob die Wende zum Guten noch gelingt. Zugleich ein Einblick in die Lebensweise osteuropäischer/ russischer Stetl-Juden, die im Zarenreich unterdrückt wurden und in die "Neue Welt" auswanderten, um in New York ein neues Leben zu beginnen. Zugleich ein Einblick in chassidische Frömmigkeit und Religiosität. Ein Muss für Bücherwürmer!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hiob im 20.Jahrhundert, 21. März 2014
Von 
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Rezension bezieht sich auf: Hiob: Roman eines einfachen Mannes (Taschenbuch)
Joseph Roth hat sich einen Spaß gemacht. Er hat die biblische Geschichte ins 20. Jahrhundert adaptiert. Anfang des Jahrhunderts irgendwo an damaligen russischen Grenze zu Europa. Eine jüdische Familie, bitterarm, gläubig, guter Dinge in einem Kaff, einen Tagesmarsch von der KuK-Grenze entfernt.
Mendel Singer - jüdischer Lehrer, die Frau Deborah, die Söhne Jonas und Mescharjah, die Tochter Mirjam und der verspätete "Unfall" Menuchim. Aber der Unfall Menuchim, der sabbernde nicht sprechende Krüppel, häßlich, scheinbar dumm, unfähig zu sprechen, der zurückgelassen wird in Europa, als man nach Amerika übersiedelt, der birgt die Hoffnung für die ganze Familie in sich. Jonas - hat die Familie verlassen, um Soldat zu werden und geht im Ersten Weltkrieg verschollen. Schemarjah fällt auf der Seite der Alliierten in Frankreich. Die Mutter stirbt im Alter, die Tochter wird wahnsinnig und kommt in die Irrenanstalt. . . .
Wer wissen will, wie es ausgeht, der sollte entweder in der Bibel oder das Buch lesen. Ich habe es verschlungen, obwohl ich weder Jude bin, noch ein sonderlich frommer Mensch.
Gerade in der heutigen, gottlosen, schnelllebigen und meist grausam-sinnentleerten Zeit sollte man das Buch lesen - und auf sich wirken lassen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Buch der Abschiede, 4. Oktober 2013
Von 
Heino Bosselmann "Heino Bosselmann" (Rützenfelde, Mecklenburg-Vorpommern) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Hiob: Roman eines einfachen Mannes (Taschenbuch)
Hiob als Titel, das spricht für sich. – Dieses Buch ist eines der Abschiede.

Zu Anfang finden wir Mendel Singer zwar arm, aber gesichert heimisch – ein Bibel-Lehrer in der Welt seines Schtetls, ebenso wie sein Vater und Großvater vorher, im Gleichmaß der ritualisierten Abläufe in der schwierigen, stets bedrohten Diaspora, behaust durch sein Vertrauen auf Gott, mit dem er Zwiesprache hält und von dem er sich gehalten fühlt. „Gott hatte seinen Lenden Fruchtbarkeit verliehen, seinem Herzen Gleichmut und seinen Händen Armut.“

Diese Harmonie des einfachen Lebens und sinnenden Geistes gerät aus dem Takt, als Mendel die erotischen Sinnlichkeit gegenüber seiner starken Frau Deborah verliert, nachdem sie ihrer beider letzten Sohn gebar. Dessen zwei ältere Brüder verlieren mit unterschiedlichem Schicksal ihr Zuhause, ebenso wie die schöne, aber gazellenhaft zerbrechliche Tochter Mirjam, die die Männer anzieht wie umgekehrt diese sie.

Als schließlich Mendel und seine Frau die magische Welt des russischen Polen noch vor Krieg und Revolution verlassen, bleibt nur Menuhin zurück, der kranke, debil anmutende Letztgeborene, dem aber der Rabbi ein großes Geschick verhieß. –

Versündigten sich Mendel und Deborah an Gottes Beschluß, indem sie, Menuhin zurücklassend, ihrem vor der Einberufung nach Amerika geflohenen Sohn Schemarjah nachfolgten, der in der damals immer noch Neuen Welt zu einem fremd gewordenen, aber wohlhabenden Sam avancierte?

In der freien Welt verliert sich Mendel, und er verliert seine enge, aber sichere Heimat, die für den Himmel immer offen war. Er verliert seine Söhne an den Krieg, Mirjam an den Wahnsinn und daraufhin seine Frau an den Gram, der ihr buchstäblich das Mutterherz bricht.

Nach allen Katastrophen verliert er im Hader dann Gott und will mit seinen religiösen Utensilien auch ihn, Gott, verbrennen. Mehr Hybris geht nicht. Aber: „Obwohl Mendel mit Gott böse war, herrschte Gott noch über die Welt. Der Haß konnte ihn ebensowenig fassen wie die Frömmigkeit.“ – Und so gibt es ein fatal glückliches Ende. Natürlich über das Wiedersehen mit Menuhin …

Poetisch geschrieben, Sätze voller Kraft („Er wußte, daß er eine der seltsamen Stunden erlebte, in denen der Mensch an seinem Schicksal weniger zu formen hat als die große Gewalt, die es ihm beschert.“), eingefühlt in die Kultur und Mystik des Ostjudentums kurz vor dessen Vernichtung bzw. dem Exodus, der nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt veränderte. Und wie eine große Sage einging in die Literatur.

Der erste Teil des Bandes wirkt märchenhaft wie alle diese Geschichten aus der Versunkenheit, der zweite dagegen etwas säkularisiert durch seinen Gegenstand. Amerika. Dort ist Mendel ein Implagiat, das nicht passen will und nach Hause möchte. Denn Amerika ist eine fremde Welt, die bereichert, wenn man mit Verlusten zu zahlen bereit ist. Und gewissermaßen seine Seele verkauft. Die wiederum Mendel zu seinem Segen nachgereist kommt …
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Hiob: Roman eines einfachen Mannes
Hiob: Roman eines einfachen Mannes von Joseph Roth (Taschenbuch - 1. November 2002)
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