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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Außergewöhnlich mittreissend
Von dem mir unbekannten Namen „Antoni Libera" und dem Titel „Madame" erwartete ich Unterhaltung, und nicht mehr; eigentlich kann ich Unterhaltungsliteratur nicht leiden und habe nur zu lesen begonnen, weil mir das Buch geschenkt worden war.
Diese negative Erwartung wurde aber ganz und gar nicht bestätigt und im Sturm widerlegt: Denn das hier...
Veröffentlicht am 7. Januar 2004 von Dichtung&Kritik

versus
15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig
Eigentlich passiert sehr wenig: der siebzehnjährige Ich-Erzähler verliebt sich in seine geheimnisvolle Französischlehrerin und beginnt ihr nachzuspionieren um mehr über sie zu erfahren. Er macht dabei allerlei erstaunliche Erkenntnisse, die er mehr oder weniger dezent in sein Verhalten ihr gegenüber einfließen lässt.
Dass das Buch...
Veröffentlicht am 2. August 2004 von C. Holst


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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Außergewöhnlich mittreissend, 7. Januar 2004
Rezension bezieht sich auf: Madame: Roman (Taschenbuch)
Von dem mir unbekannten Namen „Antoni Libera" und dem Titel „Madame" erwartete ich Unterhaltung, und nicht mehr; eigentlich kann ich Unterhaltungsliteratur nicht leiden und habe nur zu lesen begonnen, weil mir das Buch geschenkt worden war.
Diese negative Erwartung wurde aber ganz und gar nicht bestätigt und im Sturm widerlegt: Denn das hier vorliegende Buch ist eine große Hommage an das Leben und die zarte, wartende, betrachtende, hoffende, verträumte Liebe. Vordergründig geht es um die Verliebtheit eines intelligenten, belesenen polnischen Schülers in seine Französischlehrerin - jene merkwürdig geheimnisvolle westliche Schönheit, die Verschlossene, Undurchdringliche.
Der junge Mann ist zugleich der Erzähler der Geschichte - und hier beginnt bereits die Faszination, die von dem Buch ausgeht: Denn der Erzähler ist nicht nur gewitzt und belesen, er ist ungeheuer frech, geistreich - elitär, angeberisch spöttelnd - liebevoll nachdenklich, poetisch. Man kann den Blick nicht von seinen Worten wenden. Manchmal muss man sogar laut lachen, dann wieder schwer schlucken, und dann wieder die Faust ballen, aus mitfühlendem Zorn oder in Siegesfreude.
Langsam folgen wir seinen Erkundungsgängen, auf denen er „Madame", wie er seine Lehrerin nennt, verfolgt, um sie in allen Facetten ihres Lebens kennenzulernen. Und bangen mit ihm, wenn er seinen - drekt an sie gerichteten - Aufsatz einreicht, wenn er um ihr Haus streicht, sie im Theater von Ferne betrachtet: und all das doch nur, um ihn sich selbst und uns ein Bild von einer Frau zeichnen zu lassen, die sehr zart und traurig und zugleich voll Hoffnung ist - einer Existenzialistin im Polen der 70er Jahre.
Und so wird bald aus einer scheinbaren Liebesgeschichte vielmehr eine liebevolle Betrachtung: ein vorsichtiges, respektvolles und bewunderndes Vortasten in eine fremde faszinierende Denkwelt.
Jeder Satz Liberas ist geschmeidig oder stichelnd, brillierend oder leise fragend - und sowohl der Junge, als auch seine von Ferne umworbene „Madame" wachsen dem Leser aus den Worten des Textes direkt in Geist und Herz.
Ein Bild zweier Menschen und ihrer Träume, ein Bild des vergangenen Polens und eine unerhört phantasievoll leise Liebesgeschichte - ein Buch, das mich so mitgerissen hat, dass ich, was mir so noch nie passiert ist, eine ganze Nacht gelesen habe, ohne abzusetzen und ohne im geringsten zu ermüden - ein Autor, den man mit ganzem Herzen lesen darf - ein wundervolles Buch, und bestimmt keine Unterhaltungsliteratur - hier ist Herz, Sinn und Verstand gefordert - und ganz zuletzt wird man verwundert aufsehen und staunen, dass der Autor 1949 in Warschau geboren und das Buch 1998 veröffentlicht wurde - aber mehr möchte ich nicht verraten. Außerordentlich lesenswert.
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Madames, 9. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Madame: Roman (Taschenbuch)
"Bist du aber sicher, dass der, dem Deine Seele nachtrauert, Dir zu begegnen hervortritt? Dass er Deine Gefühle erwidert? Dass er auf sie wenigstens antwortet? Was, wenn es anders kommt? Wenn es sich zeigt, dass er jedoch nicht Schubert ist, der deinem jungfräulichem Gesang die Musik schreibt? Was dann? ..."
Mit Sätzen wie diesen arbeitet der polnische Verfasser Antoni Libera seine Philosophie der Liebe in seinem Roman Madame heraus. Der Protagonist, ein Ich Erzähler, der aus der Perspektive eines längst schon erwachsenen Mannes, die Geschichte seiner Jugend im Nachkriegswarschau nacherzählt. Er reflektiert das letzte Jahr seiner Gymnasialzeit und beleuchtet die Ereignisse vor, um und kurz nach dem Abitur. In den Mittelpunkt des Romans tritt eine Erfahrung des Verliebtseins, die der Erzähler als Junge bezüglich seiner selbst noch jungen gerade erst anfangs der 30er stehenden Direktorin und Französischlehrerin erlebt.
Antoni Libera schmiedet zwar eine Liebesgeschichte, gießt sie aber als inhaltlichen Umbau über eine Kritik des kommunistischen Systems. Er schreibt aus der Sicht von heute über die 60er bis 80er Jahre, die eine grauenvolle Zeit für Polen, den Handlungsort der Geschichte gewesen sind.
Es werden die Unmenschlichkeiten, Schwächen und Umstände des korrupten und alles zersetzenden kommunistischen Regimes, mit seiner Treue zur Sowjetunion, bis hin zur vollkommenen Untergebenheit, die Repression und Deportationen ins stalinistische Sibirien auszeichnen, an Hand einer Liebesgeschichte erzählt. Antwort auf die Frage wie schwer es bei all den staatlichen Verboten und Regulierungen in dieser für Polen unglücklichen Zeit war, Toleranz zu üben, mit anderen Kulturen, Gedankengängen, schon überhaupt mit politischen Einstellungen und Meinungen gibt Antoni Libera die Geschehnisse um seinen Protagonisten bauend, die typisch für die Jugend eines intelligenten Gymnasiasten gewesen sind.
Wen das moderne Polen interessiert und wer wissen möchte, wie es um den verblendenden Kommunismus stand, gleichzeitig aber ein Freund der Literatur, speziell der Liebesliteratur ist, der wird an diesem Meisterwerk von Antoni Libera, das mit dem Nike Preis der Polnischen Literatur ausgezeichnet wurde, seinen Genuss finden. Eine Leseempfehlung, die ich als polnischer Zwangsemigrant und Sohn politisch verfolgter Eltern jedem geben möchte, der die Seele seines östlichen Nachbarn an Hand seiner jüngsten Geschichte und deren Schmähungen verstehen möchte. Ein Buch für jeden, egal ob junger (werdender) Lehrer, Schüler, Student oder erfahrener und betagter Mensch.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kunstvoll, aber nie gekünstelt - ein literarischer Genuss, 4. Oktober 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Madame (Broschiert)
Was ist es, das den Leser 500 Seiten lang in einem Roman ohne nennenswerte Handlung in Atem hält? Antoni Libera schickt den Leser auf eine Reise des Geistes und geistreicher Entdeckungen. Seine faszinierende Botschaft, die er genüßlich langsam enthüllt, lautet: das größte erlebbare Abenteuer sind Geist und Seele eines Menschen. Auch wenn der Roman im stickigen, von Misstrauen und Engstirnigkeit geprägten kommunistischen Polen angesiedelt ist, gleicht das Grundmuster doch eher einem mittelalterlichen höfischen Epos: Der junge Held, ein Gymnasiast, zieht - im übertragenen Sinne - aus, um die Aufmerksamkeit und Minne einer edlen Herrin, seiner Französischlehrerin, zu erringen. Die geringsten Gunstbeweise, etwa ein blutgetränktes Taschentuch, werden zu Liebestrophäen von unschätzbarem Wert. Madame, die Königin in einem königlichen Spiel, alle anderen Personen an Glanz und Herrschaftsanspruch übertreffend, macht es ihrem Ritter nicht leicht. Er muss sich von Station zu Station bewähren, Missachtung und Erniedrigung erdulden, bis er sich der Herrin als würdig erweist und vom grauen Knappen zum Prinzen aufsteigt. Mit detektivischem Spürsinn versucht der Gymnasiast das Geheimnis der Persönlichkeit und der Vergangenheit seiner Lehrerin zu lüften. Er plant die erhoffte Eroberung der Königin wie ein genialer Schachspieler, der nichts dem Zufall überlässt, um am Ende zu erkennen, dass das Mysterium der Liebe in der gegenseitigen Achtung der Persönlichkeit und des Geistes des anderen besteht. Leitmotivisch, verstärkt durch viele literarische Belege, durchzieht den Roman der Glaube des Autors an die Macht und Magie des Wortes, die er selbst in erstaunlichem Maße beherrscht. Die Vereinigung der Liebenden findet nicht bin der Realität, sondern folgerichtig im Geiste statt, indem sie sich als ebenbürtig erkennen und anerkennen, ja, aus der geistigen Verbindung heraus wird - symbolisch - sogar ein gemeinsames "Kind" "geboren", indem dem von der Königin geformten und an ihr gereiften Protagonisten, bevor er zur Legende erstarrt, wiederum ein Gleichgesinnter nachfolgt. Libera ist ein sehr dichter Roman gelungen. Alle Bezüge in der kunstvollen, aber nie gekünstelten Romankomposition aufzuzeigen, böte genügend Stoff für ein literarisches Seminar. Es ist ein zutiefst anrührender, aber nie sentimentaler Roman. Er lebt von einer inneren Spannung, die auf äußere Effekte nicht angewiesen ist. Im Elend kommunistischer Knechtung des Geistes entfaltet sich Individualität in der Gestalt zweier wahrhaft adeliger Menschen (die doch alles andere als Traumtänzer sind) in der reinsten Form.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fast schon selbst ein Glasperlenspiel, 14. Dezember 2000
Rezension bezieht sich auf: Madame (Broschiert)
Liberas Hommage an Bildung, Ästhetik und Stil ist ein wunderschöner, berauschender, farben- und detailsprühender Roman. Libera spielt mit literarischen Motiven, indem er seinen jungen Helden - der fast schon etwas zu altklug erscheint - seine Umwelt und deren Geschichte entdecken lässt. Dabei findet der junge, sensible Held natürlich nicht nur etwas über seine angebetete "Madame" und die jüngere Vergangenheit heraus, sondern findet auch seinen eigenen Weg im zensurbelasteten Polen der 60er. Ich habe dieses Buch gelesen, geliebt und gleich weiterverliehen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leicht und glänzend wie ein blauer Zeppelin, 6. Dezember 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Madame (Broschiert)
"Sie war stark und stolz. Und sie schien unabhängig von der entsittlichenden polnischen Realität, geschaffen in düsterem Wahn von der Volksdemokratie. Mit ihrem ganzen Wesen sagte sie nein zu dieser Welt." (405) Wenn der Leser auf diese Sätze stößt, ist er schon weit vorgedrungen in diesem außerordentlichen Roman. Er spürte schon lange ihr Gewicht, bevor die Sätze ausgesprochen sind, ja er "erleidet" sie mit - die Unwürdigkeit der Verhältnisse und die Obsession für eine Frau. "Sie" das ist "Madame" - eine einunddreißigjährige Lehrerin der französischen Sprache von beklemmender Schönheit und Intelligenz, höchster Bildung, "weltläufiger Eleganz" (Klappentext) und - Schuldirektorin. Er, der diese Sätze denkt, ist ein siebzehnjähriger junger Mann von attraktivem Äußeren und schier unglaublichem Hunger auf Bildung und ein authentisches Leben. Stolz, Einfallsreichtum, Eloquenz und seine große Sehnsucht sind Wesensmerkmale des Protagonisten, und er ist - ihr Schüler. Der Ort, an dem die beiden Ausnahmemenschen aufeinander treffen: Warschau in den sechziger Jahren. Alles beginnt als Geschichte, in der ein Schüler der Abiturklasse sich in seine junge Lehrerin verliebt. Eine normale, eine häufige Geschichte, doch nicht, wenn ein solcher Autor sie erzählt. Natürlich - sie spürt seine Avancen, sie kennt das, die halbe Schule ist ihr verfallen. Sie ist kühl, sehr kühl, abweisend, und sie hat ein Geheimnis. Er ist unrettbar verloren. Verloren für die Mitschülerinnen, die Laien-Theatergruppe, das Jazz-Quartett, die er gegründet hatte und für die regellose Lektüre alles "Westlichen". Seine Lebensperspektive fokussiert sich auf "Madame" und er rüstet sich, um hinter das Geheimnis der "Basaltplatte" (88) zu kommen. Mit Witz und Chupze steigt er ihr nach. Wo wohnt sie, und wohnt sie allein? Bald hat er es heraus. Wo hat sie studiert, erinnert man sich dort an sie? Die Recherche führt ihn zu Herrn Konstanty und dessen Sohn Freddy. Der Alte kannte Vater und Mutter von "Madame" und entstammt der "großen Epoche" (7) der dreißiger Jahre, in der es noch "interessante Zeiten, ungewöhnliche Begebenheiten, phänomenale Menschen gab." (7) Der Sohn studierte Romanistik wie "Madame", liebt sie unglücklich und kümmert am romanistischen Institut / Warschau als gerade noch gelittener Dozent vor sich hin, da er den Handschlag mit den Exponenten des kommunistischen "Stumpfsinns" im Land verweigert. Die beiden überwintern, sind bitter und voller böser Erinnerungen. Unversehens geraten wir in eine Abrechnung mit Stalin und dessen Politik im spanischen Bürgerkrieg. "Wie ermordet man den, den man zu begünstigen vorgibt?" - nämlich die spanische sozialistische Republik. (227) Konterkariert wird die Erzählung des alten Konstanty durch eine Schulfeier zum Gedenken an diesen Krieg, einem alarmierenden Beispiel von Geschichtsklitterung. Und immer wieder begegnen wir mit dem Ich-Erzähler zusammen Leuchttürmen der französischen und deutschen Kultur: Racine und Picasso, Goethe und Hölderlin, Johanna Schopenhauer und Simone de Beauvoir. "Faust", Hölderlins Dichtung "Der Rhein", Joseph Conrads "Sieg", Picassos Bilder, Racines "Phädra" sowie Thomas Manns Leverkühn und Tonio Kröger; leitmotivisch durchweben sie den Roman und werden zu Kilometersteinen auf dem Weg des jungen Erzählers, denn sie gehören zur Welt von "Madame" - und er muss ihr ebenbürtig werden, nur dann hat er eine Chance. Alles, was im "Sumpf und Aberwitz" (405) des damaligen Systems davon zu ergattern ist, durch Radio Freies Europa und das gerade noch gelittene französische "Centre de Civilisation" (!). - Film, Theater und immer wieder antiquarische Bücher - schlürft er wie Nektar in sich hinein. Das sonst schwere Gewicht abendländischen Kulturguts, hier wird es leicht und glänzt wie ein blauer Zeppelin am westlichen Horizont. Das Idealistische, Klassische, Bildungsbürgerliche noch einmal zu solcher Frische und Erotik aufpolieren zu können, wo viele es doch bei uns seit Jahrzehnten nach Kräften demontieren, dazu muss man wohl - wie der Autor - aus Polen kommen. Fechtboden der Treffen mit spitzem verbalen Florett bleibt lange das Klassenzimmer während der Französisch-Stunden bei "Madame". Erst eine geraume Zeit nach Abgabe seines genialischen Aufsatzes "L `astrologie -magie ou science?" (133) gelingt es dem Jungen, ihr auch an anderen Orten zu begegnen: in ihrem Büro in der Schule, im Theater bei einer Phädra-Aufführung, im Kino zur einmaligen Aufführung des damaligen Kultfilms "Ein Mann und eine Frau", bei der Eröffnung einer Picasso-Ausstellung. Ganz öffnet sie sich ihm nie. Aber sie geht, für ihre Verhältnisse, sehr weit. Und es gelingt ihm, hinter ihr Geheimnis zu kommen. Mehr als das und einige Berührungen der Hände - gönnerhaft von ihr, keck von ihm - war nicht zu erwarten. Sie entschwindet in blaue Fernen, er bleibt zurück mit der Erinnerung an eine Zeit des Fiebers, die ihn für das Leben prägt
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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig, 2. August 2004
Von 
C. Holst (Bremen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Madame: Roman (Taschenbuch)
Eigentlich passiert sehr wenig: der siebzehnjährige Ich-Erzähler verliebt sich in seine geheimnisvolle Französischlehrerin und beginnt ihr nachzuspionieren um mehr über sie zu erfahren. Er macht dabei allerlei erstaunliche Erkenntnisse, die er mehr oder weniger dezent in sein Verhalten ihr gegenüber einfließen lässt.
Dass das Buch doch auf knapp 500 Seiten kommt, liegt vor allem daran, dass Libera es zum Vorwand nimmt, dem Leser seine Belesenheit unter die Nase zu reiben. Das gibt der Geschichte einen altklugen Beigeschmack, der mitunter die Grenzen des Erträglichen auslotet. Die Gedankengänge mögen unter einem literaturwissenschaftlichen Blickwinkel durchaus reizvoll sein, hier geht es jedoch auf Kosten erzählerischer Stringenz und Überzeugungskraft. Die beiden Hauptfiguren, der Ich-Erzähler, ein siebzehnjähriger Gymnasiast, in dessen Neunmalklugheit sich die des Autors spiegelt, und seine vergötterte Lehrerin »Madame« wirken in charakterlicher Hinsicht teilweise karikativ überspitzt und daher nicht selten unglaubwürdig. Die weitschweifigen Überlegungen, Spekulationen und Strategieentwürfe des Ich-Erzählers nehmen breiten Raum ein und strapazieren die Geduld des Lesers.
Dies ändert sich erst zum Schluss des Buches, wo sich die Vielschichtigkeit der angelegten Gedankenstränge auch in der Handlung niederschlägt und diese an Schwung und Atmosphäre gewinnt. Die Figuren werden menschlicher, ihr Verhalten und die Ereignisse glaubwürdiger und die vielen Fäden, die im Laufe der Geschichte ausgelegt wurden, werden nun in erzählerischer wie intellektueller Hinsicht kunstvoll zusammengeführt. Das macht dann wieder Spaß. Ein zwiespältiges Gefühl bleibt trotzdem.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Hymne an das Wort, 19. September 2004
Rezension bezieht sich auf: Madame: Roman (Taschenbuch)
Libera läßt uns in seinem Romandebüt tief in die Gefühls- und Gedankenwelt eines pubertierenden Außenseiters blicken. Aus Neid und Arroganz von vielen seiner Klassenkameraden gemieden, lebt der Theaterliebhaber in seiner Welt der Worte und Sprache. Äußerst agil gestaltet er schon in jungen Jahren sein Leben, nimmt es in die Hand und erringt mit dem Glauben an die Macht des Wortes persönliche Siege. Ja, es ist eine Geschichte vom erfüllten Leben und vom Mut, seinen Weg zu gehen.
Und es ist ein Ostblock-Roman, der das grazile Frankreich als Garten Eden des Schöngeistes porträtiert, der die unbändige Sehnsucht nach Freiheit und der französischen Lebensart in Worte faßt und der nicht zuletzt einen Einblick in die sozialistische Realität gewährt.
Ein Herz für die Kunst, für das Theater sollte der Leser mitbringen. Doch dann steht dem ungetrübten Lesevergnügen bei dieser Huldigung an die Sprache nichts im Weg.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eins der besten polnischen Bücher überhaupt, 12. September 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Madame (Broschiert)
Das Buch hat Witz, Charme und intelligent gestaltete Handlung. Es ist rührend und klug zugleich. Ich würde diesem Buch möglichst grossen Leserkreis wünschen. Das Buch habe ich (im Orginal) im Urlaub gelesen und damit mein Urlaub auf ganz besondere Weise verschönert. Ich habe jetzt geprüft, ob es auch auf deutsch zu bekommen ist, denn ich möchte so gerne allen meinen deutschen Freunden das Buch schenken oder zumindest weiterempfehlen. Es ist absolute Spitzenklasse!
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das beste Buch, das ich kenne, 25. September 2001
Rezension bezieht sich auf: Madame (Broschiert)
Meine Vorgänger haben die Brsonderheiten Madames treffend beschrieben und mir bleibt nur zu sagen, dass mich noch nie ein Buch so angesprochen hat. Es ist für mich schon nahezu eine Lebenspholosophie. Jeder, der Kunst, Literatur, Theater schätzt wird all diese Dinge hier in wundervoller Art vereint finden und einen namenlosen Protagonisten, der die herausstechendste Persönlichkeit der Literatur für mich ist.
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3 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von der Schwierigkeit, Pole zu sein, 26. November 2003
Rezension bezieht sich auf: Madame: Roman (Taschenbuch)
Madame ist ein literarisch hochwertiges Buch und der Autor ein begabter Schriftsteller. Die Geschichte des Schülers, der sich in seine Französischlehrerin verliebt und deshalb versucht, alles über sie und ihr Vorleben in Erfahrung zu bringen, um einen Ansatz zu finden, sich ihr zu nähern, ist überwiegend interessant und hat die Zutaten für einen guten Roman.
Leider hat mir die Lektüre des Buches keinen Spass gemacht. Mich hat gestört, dass der (autobiografische) Roman in der Ich-Form erzählt wird, und der Ich-Erzähler mir bei jeder Gelegenheit mitteilt, wie begabt und gebildet er ist. Schlimmer ist, dass man über das ganze Buch hinweg fühlt, dass er dieses nur tut, um über seinen Komplex in Bezug auf seine Nationaliät hinwegzukommen.
Das autobiografische Ich ist mit Leib und Sehle polnisch, doch empfindet es Scham darüber wegen der Geschichte des Landes, das immer wieder besetzt wurde und zur Zeit des Romans seine eigene Form des Stalinismus durchlebte. Es ist nur konsequent, dass er sich ausgerechnet in seine Französischlehrerin verliebt, da Frankreich für viele Polen das symbolisierte, was sie gern sein wollten.
Für mich leidet das Buch zu sehr unter diesem Komplex. Der Stil und die Beschreibungen sind nicht ausgeglichen und haben mich nervös gemacht. Ich habe es zwar fertiggelesen, doch dabei keinen rechten Spass gehabt. Ich würde mich freuen, wenn künftige Bücher dieses Autors etwas vom Stolz der Polen über ihre Erfolge seit dem Ende des Kommunismus mitbekommen und dadurch selbstverständlicher werden.
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Madame: Roman
Madame: Roman von Antoni Libera (Taschenbuch - 1. Mai 2002)
Gebraucht & neu ab: EUR 0,24
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