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Kundenrezensionen

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am 13. Juli 2007
Joseph Roth schildert in seinem gefeierten Hauptwerk Aufstieg und Vergehen einer Familie in Verbindung mit Niedergang und Fall der Habsburgischen KuK Doppelmonarchie. In der Tradition des Gesellschaftsromans wird, wie etwa bei 'Buddenbrooks' oder 'Berlin Alexanderplatz', das Schicksal einer Sippe als Vehikel benützt um einen genauen und kritisch prüfenden Blick auf die betreffende Epoche zu werfen.

In ironischem, aber auch einfühlsamem Tonfall, der teils kritisch, teils spöttisch, manchmal aber auch nostalgisch verklärend wirkt, schildert Roth die Archetypen der alten KuK Zeit: Beamtentum, Militär, Adel, Bauern und die verschiedenen Völker. Er erzählt aber nicht wie ein nüchterner Betrachter im Stile Thomas Manns, sondern als Mitbetroffener - ein Trauernder, der seinen Verlust in Worte fasst.

In dieser ausdrucks- und gefühlvollen Haltung des Erzählers liegt für mich die große Stärke des Buches: Obwohl mit der österreichischen Geschichte schon vorher gut vertraut, konnte ich anhand dieser emotionalen Schilderungen erstmals oft zitierte Denkmuster der Vorkriegszeit wie Kriegsbegeisterung, Morbidität, Militarismus oder Untergangsstimmung unmittelbar nachvollziehen, da der Ratsch der Straße genauso wie die Ahnungslosigkeit diverser höherer Schichten aus nächster Nähe und menschlich-verständnisvoll beleuchtet werden.
Das alte Reich und seine Bewohner scheinen noch einmal in lebhaftesten Farben auf und man kann die heutige Selbstvergessenheit und Walzerseligkeit mancher Österreicher verstehen, falls die Habsbuger Zeit trotz all ihrer Probleme und Zwänge wirklich so prächtig gewesen sein sollte.
Ein großartiges Buch, das ich allen ans Herz legen möchte, die sich für Geschichte oder Österreich interessieren.
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am 6. Januar 2007
Es ist wirklich ein wunderschönes Buch, das die Zeiten des Niedergangs der Donaumonarchie vor dem geistigen Auge erscheinen lässt.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Es liest sich sehr flüssig, obwohl es auch mal 3 Seiten nacheinander gibt, in der nicht ein Absatz auftaucht. Der Lesefluss wird dadurch keineswegs gestört.

Hauptsächlich handelt das Buch ja von dem Leutnant Trotta und seinem Vater dem Bezirkshauptmann (Beamter) Trotta. Die Charaktere sind wunderbar beschrieben. Der Bezirkshauptmann wird z. B. mit seinen ganzen Marotten und Eigenheiten beschrieben, die es damals unzweifelhaft gab, dass man sich das sehr gut vorstellen kann, obwohl sie eigentlich aus heutiger Sicht total merkwürdig sind. (Bspw. liegt an einem Morgen seine Post nicht wie gewohnt neben dem Frühstückstablett und daher verändert sich sein Tagesablauf dermassen, dass er zum Beispiel den ganzen Tag nichts mehr essen kann, so sehr ist er verwirrt)

Anhand dieser Charaktere (hauptsächlich an dem Verfall des jüngeren Trottas) wird der Niedergang des Kaiserreiches Österreich sehr gut dargestellt. Der Sohn ist ohne Perspektive und hat seinen militärischen Aufschwung eigentlich nur der Tatsache zu verdanken, dass sein Großvater dem Kaiser das Leben rettete. Die Armee ist ein Sauhaufen, in der schon die Offiziere nur trinken und ihr Geld im Kasino verpulvern. Der Kaiser stand immer für Würde und für Stolz allerdings ist er in den Endzügen der Donaumonarchie auch schon über 80 (er selbst weiss sein genaues Alter nicht mehr) und verfällt zusehens. Dieser Verfall des Kaisers und der Armee ist exemplarisch für Österreich.

Fazit: Ein sehr schöner Klassiker, der die Zeiten des alten Österreichs noch einmal aufleben lässt und anhand der sehr schön gestalteten Charaktere ein tolles Sittengemälde von damals wiedergibt.
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am 8. September 2004
Joseph Roth beschreibt hier am Beispiel der Familie Trotta den Untergang Österreich-Ungarns. Es beginnt 1859, als der Grossvater der Hauptfigur dem Kaiser in der Schlacht von Solferino das Leben rettet. Ab diesem Moment geht es mit der Familie, wie auch mit der Monarchie, bergab. Bis der Roman schliesslich 1916 mit des Kaisers Tod (somit das Ende der Monarchie) und dem Tod des Vaters der Hauptfigur (das Ende der Familie Trotta) endet.
Der Grossvater (der Held von Solferino) steht hier sinnbildlich für das Militär, der Vater ist ein fleissiger Beamter (von "Heldenhaftigkeit" kann schon nicht mehr die Rede sein), somit sinnbildlich für das Beamtentum, was die beiden wohl zu den tragenden Säulen der Monarchie macht. Der Enkel Carl Joseph von Trotta, die eigentliche Hauptfigur, ist geplagt von seinem Dasein beim Militär, da ihn das nicht glücklich macht, andererseits sieht er aber auch keine Alternativen dazu . Er weiss nicht was er will, er kennt keine Zukunft und denkt selbst immer nur an seinen "grossen" Grossvater, dadurch, unter anderem, verfällt er dem Spiel und dem Alkohol.
In diesem Roman wird der langsame Verfall des Vielvölkerstaates mehr als deutlich. Sei es bei den vereinzelten Unruhen der Arbeiter, bei der Verbitterung des Vaters gegen tschechische Mitbürger oder auch bei der Spaltung der Lager als der Tod des Thronfolgers bekannt wird.
Der Autor schafft es dem Leser durch eine ganz ruhige und gelassene Erzählweise, alles mit ein Wenig Poesie unterlegt, einen wirklich tiefen Einblick in das Denken der Menschen die in dem beschriebenen Zeitraum in Österreich-Ungarn lebten, zu verschaffen. Ein wichtiger und, wie ich finde, auch lehrreicher Roman über die letzten Jahre der Donaumonarchie und somit ein Stück jüngerer europäischer Geschichte, dazu auch noch einfach zu lesen und zu verstehen. Deswegen: LESEN!
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am 11. Februar 2013
Joseph Roth zeigt in diesem Buch, warum er für mich zu den Weltbesten Romanciers gehört. Den eigentlichen Inhalt dieses Buchs muss man wohl nicht ausführlich kommentieren, da dieser in den zahlreichen anderen Rezensionen bzw. in der Buchbeschreibung selbst sehr gut dargelegt wird.

Was dieses Buch neben der meisterlich erzählten Geschichte des Schicksals der Familie Trotta und der letzten Jahre der k.u.k. Monarchie für mich persönlich jedoch so besonders macht, ist die unverwechselbare und menschlich zutiefst berührende Sprache und der im Grunde immer wertschätzende und liebevolle Umgang des Autors mit den Charakteren. Es zeigt, wie gewaltig und bewegend ganz kurze und scheinbar stille und bescheidene Augenblicke, Begegnungen oder ausgesprochene Sätze, gedachte Gedanken im Leben eines Menschen sein können. Dies sind Einblicke in die Geheimnisse des Lebens - Momente der Klarheit im Bezug auf vieles, was Menschen beschäftigt. Derartige Momente offenbart das Buch dem Leser immer wieder, und dies in einer wunderbar unaufdringlichen, nicht moralisierenden Weise.

Ich habe fast alle Bücher von Joseph Roth gelesen, der Radetzkymarsch bleibt jedoch sein absolutes Meisterwerk (ich fand es besser als "Hiob" - der oft als sein größtes Werk erwähnt wird). Dieses Buch - und die überragende Erzählkunst des Autors - vermochte es, mich in seinen langsamen, jedoch stetig und kräftig vorwärtsfließenden Strom seiner Geschichte mitzureißen, so wie es ansonsten Giganten wie Tolstoi oder Dostojewski vermochten.
Ein Buch, das man in verschiedenen Phasen seines Lebens immer wieder aufs neue entdecken kann.
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am 19. Juni 2015
Der Untergang der österreichisch-ungarischen Habsburgischen Monarchie mit Ihrem Repräsentanten Kaiser Franz Joseph I bildet das Thema dieses bekanntesten Romans von Joseph Roth. Beginnend mit der Auszeichnung des Großvaters, der dem jungen Monarchen in der Schlacht von Solferino im Jahre 1859 uneigennützig das Leben rettet bis zum Tod des greisen Kaisers im Jahre 1916 mitten im 1. Weltkrieg reicht die Geschichte der Familie Trotta. So wie die Dynastie den neuen Zeiten zum Opfer fällt, so scheitern auch die Protagonisten der zwei nachfolgenden Generationen zunehmend an ihren ehernen Überzeugungen.

„Wir sind, sage ich, die Letzten einer Welt, in der Gott noch die Majestäten begnadet und Verrückte wie ich Gold machen.“ (Chojnicki).
„Er sah die Welt untergehn, und es war seine Welt.“

Auch wenn sprichwörtlich früher alles besser war, konnte ich mich der Tragik und Melancholie des Romans mit seiner sachlichen Wucht der Sprache nicht entziehen. Angesichts seines ersten Erscheinungsjahrs 1932 und der prophetischen Weitsicht von Joseph Roth auf die bevorstehende grauenhafte Zukunft, erscheint mir diese sentimentale Sichtweise auf die Kaiserzeit zutiefst menschlich und verständlich, zumal die tröstliche Aufforderung mitschwingt, die Erinnerung und nicht das Vergessen zum Lebensprinzip zu machen: „Alles, was wuchs, brauchte viel Zeit zum Wachsen; und alles, was unterging, brauchte lange Zeit, um vergessen zu werden. Aber alles, was einmal vorhanden gewesen war, hatte seine Spuren hinterlassen, und man lebte dazumal von den Erinnerungen, wie man heutzutage lebt von der Fähigkeit, schnell und nachdrücklich zu vergessen“.

Wenn auch auf der ersten Blick ein wenig angestaubt, auf den zweiten ist dieser Roman so universal wie das eigene Leben selbst.
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am 10. März 2015
Dies ist keine leichte Lektüre, ganz besonders für einen Nicht-Muttersprachler wie mich (ich bin Brite), aber wer bereit ist, ein bisschen Mühe und Geduld zu investieren, wird wirklich belohnt. Joseph Roth beschreibt die letzten Jahre vor dem ersten Weltkrieg aus dem Blickwinkel einer Adelsfamile in Österreich-Ungarn, insbesondere aus der Perspektive des letzten seines Geschlechts, der des jungen Leutnants Carl Joseph von Trotta, dessen Großvater (der Held von Solferino) einmal dem jungen Kaiser das Leben gerettet hat und dafür geadelt wurde.

Roths Sprachgebrauch ist ein echer Genuss und er nimmt sich ganz schön viel Zeit mit dieser Erzählung. Er beschreibt einfache Situationen mit einer peniblen, manchmal fast witzigen, Genauigkeit, schreckt aber nicht davor zurück viele Wörter zu benutzen. 50 Seiten hätten gereicht, um die nackte Handlung zu berichten, aber dieses Buch ist viel mehr als nur eine Geschichte. Als Hintergrund zu den Ereignissen im Leben der Hauptcharaktere malt uns Roth ein detailliertes Bild der österreichischen Gesellschaft zu dieser Zeit, und das Buch dient heute auch als kleine Geschichtsstunde.

Ich bin alt genug, um Leute gekannt zu haben, die damals gelebt haben - es sind schliesslich nur 100 Jahre her - und mein geistiges Bild der damaligen (britischen) Gesellschaft ist natürlich ein anderes als das der heutigen, aber die moderne Zeit ist trotzdem erkennbar.

Die Welt, die aber Roth beschreibt - die starr gegliederte Gesellschaftsschichten vom einfachen Bauern bis hin zu Adel und Monarchie, die starke Ausprägung des Militärs und des Beamtentums in der Gesellschaft, die steifen und formellen Sitten - kommt mir vor wie vor 200 Jahren! Militärsoffiziere tragen prächtige, farbenfrohe Uniformen (anscheinend immer, Zivil wird fast nie getragen), wobei der Säbel unbedingt dazugehört; Maschinengewehre werden ein paarmal erwähnt aber das Wort Säbel kommt vielleicht hundertmal vor. Es werden Duelle ausgetragen.

Im Hinblick auf dieser Welt wird die Geschichte von einer gewissen Melancholie geprägt, die teilweise fast an Untergangsstimmung grenzt, hier und da wird von einem der Charaktere das Ende der Monarchie vorausgesagt. Heute wissen wir ja wie es ausgegangen ist, aber warum zu jener Zeit so eine Stimmung herrscht ist nicht offensichtlich - vielleicht fehlt mir dazu der geschichtliche Hintergrund. Das Reich Österreich-Ungarn ist zwar sehr groß und umfasst viele Völker mit stark unterschiedlichen Kulturen, Sprachen und Religionen aber man hat nicht den Eindruck, dass dadurch große Spannungen entstehen. Auch die Unruhen in der beginnenden Arbeiterbewegung sehen nicht gerade nach Revolution aus.

Leutnant von Trotta verdankt seinen Adelstitel und auch viel mehr im Leben dem längst verstorbenen Helden von Solferino und er lebt gewissermassen in dessen Schatten. Der unerwartete Tod von zwei Menschen die ihm sehr viel bedeutet haben, hat den jungen Mann sehr getroffen. Trotzdem ist mir nicht ganz klar, warum er selber permanent unter Melancholie und Unzufriedenheit zu leiden scheint, bis hin zu selbstzerstörerischer Waghalsigkeit. Von jugendlichem Optimismus keine Spur.

Joseph Roth ist (war) ein aussergewöhnlich begabter Schriftsteller, dessen köstliche Erzählweise einem manchmal fast den Atem verschlägt. Trotz meiner obigen Bemerkungen halte ich dieses Buch für grossartige Literatur. Es verlangt dem Leser zwar einiges ab, aber wer grossartige Literatur geniessen will muss halt da durch.
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am 4. März 2016
Anfang der 1930er Jahre schreibt Joseph Roth wie besessen an seinem Hauptwerk, welches auch als Parabel auf die untergehende Weimarer Republik verstanden werden kann.
Von ca 1870 bis 1916 dauert der zeitliche Verlauf, welcher dem Leser insgesamt drei Generationen der Adelsfamilie von Trotta näher bringt, die sich allesamt der Armee des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs verpflichtet haben. Die charakterlichen Eigenschaften von Großvater, Sohn und Enkel spiegeln dabei den Zustand der Monarchie wieder, die sich zusehends in Dekadenz und Herbeischwören von glorreichen Zeiten der Vergangenheit verwandelt und dabei ihre Schwäche zu verheimlichen sucht. Während der Großvater noch ohne zu zögern sein Leben für den Kaiser zu geben bereit ist, verfällt der Enkel dem Glücksspiel und der Alkoholsucht und versucht der Armee zu entkommen. Mit epischer Breite beschreibt Roth die schicksalhafte Geschichte der Familie Trotta und entwirft dabei wundervolle Vergleiche und symbolträchtige Episoden über eine Monarchie im Niedergang.

Ein absoluter Klassiker!
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am 27. Mai 2010
Radetzkymarsch

"Dieser Roman vom Glanz und Untergang einer Familie und eines deutschen Weltreiches führt von der Schlacht bei Solferino zur ersten Schlacht des Weltkrieges und bis zum Tod des greisen Kaisers. Er malt in farbenbrennenden Bildern und Szenen kaiserliche Audienzen und glänzende Feste auf Grafenschlössern, Manöver, Fronleichnamsprozession und Militärparade; die bunten Abenteuer leidenschaftlicher Liebe, den Tod treuer Diener, Manöver und Offizierskasino, die ganze versunkene Pracht des apostolischen Reiches. Die sprachgewaltige große Epopöe vom Untergange Österreichs beginnt und schließt unter den fortreißenden Trommelwirbeln des Radetzky-Marsches." Mit diesem Text stellte der Verlag Gustav Kiepenheuer den "Radetzkymarsch" im Klappentext der Erstausgabe von 1932 vor.
Nach mehr als 50 Jahren macht der Reclam-Verlag den "Radetzkymarsch" nun - ohne die zahlreichen Textfehler und ungerechtfertigten Eingriffe der seit den 1950er Jahren erschienenen Drucke - in seiner ursprünglichen Gestalt wieder zugänglich. Die Neuausgabe bietet den sorgfältig durchgesehenen Text der ersten Buchausgabe (1932); die durchgeführten Emendationen sind genauestens nachgewiesen. Aufgenommen wurde in diese Neuausgabe auch das Vorwort, das Roth am 17. April 1932 dem Vorabdruck seines Romans in der "Frankfurter Zeitung" vorausgeschickt hat.
Überdies bietet diese Ausgabe zum ersten Mal einen detaillierten Zeilenkommentar, der hilft, die historischen Hintergründe des Romans genauer zu verstehen. Der Kommentar verzeichnet auch von Roth herangezogene Quellen (u.a. einen Österreich-Roman von Bruno Brehm) und entschlüsselt literarische, topographische und autobiographische Anspielungen. Ein informatives, aspektereiches Nachwort des Herausgebers Werner Bellmann erläutert zeit- und entstehungsgeschichtliche Zusammenhänge sowie Thematik, Intention, Struktur und Gestaltungsmerkmale dieses Romans, der zweifellos zu den schönsten und literarisch wertvollsten Prosawerken des 20. Jahrhunderts gehört.

Insgesamt: eine sorgfältig herausgegebene und hilfreich kommentierte Ausgabe des Rothschen "Radetzkymarsch", den Volker Weidermann am 12. Juli 2004 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" als sein "Lieblingsbuch" vorstellte: "Es ist das schönste Buch der Welt. Das traurigste. Sentimentalste. Wundersamste. Es ist ein Wunder."
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Die Audiofassung von Joseph Roths Radetzkymarsch, Gespräche mit Jugendliche und die Lektüre von "iBrain: wie die neue Medienwelt Gehirn und Seele unserer Kinder verändert" führten mich zur Frage, wie weit sich junge Menschen des 21. Jahrtausends überhaupt noch in die Welten von früher einfühlen können. Habsburgerreich, Standesgesellschaft, Militärverherrlichung, Autoritätsgläubigkeit, verbindliche Verhaltensregeln und formelhafte Kommunikation zwischen Eltern und Kindern... Es fällt ja schon älteren Lesern schwer, Verständnis für die damaligen Verhaltensmuster zu zeigen. Eine Antwort, wie der Zugang möglich ist, liefert mir nun der 1933 geborene Schauspieler Michael Heltau. Denn wie er den berühmten Roman von Joseph Roth liest, ist einfach großartig. So schleppend wie er viele Passagen vorträgt, so morbid war eben dieses System. Und dennoch ging von ihm eine Faszination aus, die Millionen jubeln ließ, als der Kaiser die Jugend zum Aufbruch in den Krieg rief. Auch diesen Aspekt vermittelt die Stimme von Michael Heltau. Aber damit nicht genug, dem Vorleser gelingt es auch, das herauszuheben, was den Roman von Joseph Roth mit "Der Mann ohne Eigenschaften" verbindet: die Bewusstseinlage der handelnden Figuren in Worte zu fassen. Wichtig ist diese Fähigkeit des Vorlesers deshalb, weil darin das Moderne dieses literarischen Werks liegt. Wenn man den Beschreibungen lauscht, wie Worte des Vaters an den Kopf seines Sohne prallen und was sie in seinem Gedächtnis auslösen, hält man auch nach über sieben Jahrzehnten noch die Luft an. Oder wenn Gegenstände wie Koffer oder Uniformen zu lebendigen Mitspielern der Menschen werden, weil Joseph Roth Dinge zu handelnden Subjekten macht.

Gerade weil es vielen jüngeren Lesern wahrscheinlich schwer fällt, die besondere Melancholie, die tragische Ironie und die kitschige Sentimentalität aus den Formulierungen von Joseph Roth herauszuhören, braucht es einen Übersetzer wie Michael Heltau. Wenn sich seine Stimme ächzend langsam und nasal durch die Sätze Roths zieht, merkt man, wie träge dieses Macht- und Gesellschaftssystem geworden ist. Und gleichzeitig vermittelt Heltaus Stimme aber auch, dass sich dieses System ohne die Katastrophe des Ersten Weltkrieges weiter an der Macht gehalten hätte. "Einmal in der Woche ist Österreich", schreibt Joseph Roth und gibt mit dieser ironischen Formulierung wieder, dass die Wirklichkeit und das Paradoxe ein unzertrennliches Paar sind.

Mein Fazit: Wenn ich einer jüngeren Person den Zugang zu diesem Meisterwerk von Joseph Roth ebnen müsste, so würde ich ihm die Audiofassung schenken. Weniger weil ich ihm damit die Lektüre ersparen will, sondern weil ich der Meinung bin, dass es heute einen Übersetzer wie Michael Heltau braucht, um solch untergegangene Welten mit allen Sinnen wahrnehmen zu können. Ich werde mir das Taschenbuch kaufen, das im Februar 2010 im Insel Verlag erscheint.
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am 21. März 2006
Vorneweg: Dieses Buch ist keine klassische Familiengeschichte. Der Großteil des Buches erzählt den Lebensweg eines k.u.k. Offiziers bis zu seinem Tod in den Anfangstagen des Ersten Weltkrieges, stets vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Unterganges des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn. Der familiäre Hintergrund des Protagonisten wird dabei am Anfang vergleichsweise kurz und nüchtern umrissen. Die Parallele der von Trottaschen Familiengeschichte zur Geschichte Österreich-Ungarns und der des Monarchen ergibt sich auch erst im Gesamtbild: Der Großvater steigt 1859 als Kriegsheld in den Adel auf und der Enkel stirbt kinderlos und unheroisch irgendwann im Sommer 1914.
Vom Stil her ist das Werk gut und flüssig lesbar. Der Autor beschreibt die Handlung sehr plastisch und detailiert und spart auch nicht mit Bildern, d.h. mit Sicherheit keine "schwierige" oder abstrahierende Lektüre. Vor allem der drohende Untergang der Donaumonarchie und die Figur des Kaisers mit seiner integrierenden Funktion werden anschaulich gezeigt.
Was das Buch auch fesselnd macht, ist die Nichtabsehbarkeit der Handlung. Nüchtern beschreibt der Autor den Werdegang des "Helden" (der sicher keiner im klassischen Sinne ist, dem man sich aber doch sehr verbunden fühlt) und geht romantischen oder heroischen Klischees aus dem Weg. Für mich allein schon deshalb eines der lesenswertesten Bücher über diese Zeit.
Trotz dem guten Stil: Das Buch erschließt sich einem mit Hintergrundwissen leichter. Wer mit dem Ersten Weltkrieg und k.u.k. nichts anfangen kann, dem würde ich das Buch nur bedingt empfehlen. Interessierte werden aber das Buch nicht so leicht aus der Hand legen !
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