Kundenrezensionen


10 Rezensionen
5 Sterne:
 (6)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:
 (3)
2 Sterne:
 (1)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der anspruchsvollste Dostojewskij-Roman!
DAS NOBEL-INSTITUT UND NORWEGISCHE BUCHCLUBS RIEFEN NAMHAFTE SCHRIFTSTELLER DER WELT AUF, DIE NACH IHRER MEINUNG 10 WICHTIGSTEN WERKE DER WELTLITERATUR ZU BENENNEN. DIESES WERK WAR EINES DER (AUS DIESEN LISTEN ERSTELLTEN) 100 WICHTIGSTEN BÜCHER DER LITERATURGESCHICHTE.

Der meines Erachtens beste, anspruchsvollste unter Dostojewskijs Romanen. Die Geschichte...
Veröffentlicht am 8. Mai 2006 von Kankin Gawain

versus
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Harte Arbeit
929 Seiten schwierigen Lesens liegen hinter mir. Geschafft - habe ich gedacht, als ich das Buch zugeklappt habe. Denn ich empfand es durchaus als ganzes Stück Arbeit.
Dostojewski zeigt uns das vorrevolutionäre Russland auf. Dabei verknüpft er die Schicksale vieler in einer namenlosen Kleinstadt Russland lebender Menschen.
Es war schwer, immer den...
Veröffentlicht am 12. März 2010 von Bill Asch


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Harte Arbeit, 12. März 2010
929 Seiten schwierigen Lesens liegen hinter mir. Geschafft - habe ich gedacht, als ich das Buch zugeklappt habe. Denn ich empfand es durchaus als ganzes Stück Arbeit.
Dostojewski zeigt uns das vorrevolutionäre Russland auf. Dabei verknüpft er die Schicksale vieler in einer namenlosen Kleinstadt Russland lebender Menschen.
Es war schwer, immer den Faden zu behalten. Zum einen weil diese Menschen mit Vor-, Nach- Mittel- und verschiedenen Kosenamen angesprochen werden, da hilft auch nicht immer das Personenregister, das es glücklicherweise gab.
Zum anderen blieben mir von einigen Handelnden Personen auch die Beweggründe letztlich fern (Stawrogin zum Beispiel). Durch zahlreiche parallel geführte Handlungsstränge und teilweise sich sehr im Detail verlierende Episoden, blieb es zusätzlich schwer, "dabei" zu bleiben und dem Geschehen immer aufmerksam zu folgen. Auch mit dem anonymen Erzähler wurde ich nicht ganz warm. Woher hatte er nur all die Details? Das war teilweise unglaubwürdig.
Nichts desto trotz schafft Dostojewski es, einen in das ausklingende zaristische Russland zu entführen, die Anfänge einer Diktatur und aller damit verbundenen negativen Elemente (Denunziation, Anpassung bis zu Selbstaufgabe, Mord) aufzufächern und über 900 Seiten hinweg eine in sich logische und geschlossene Geschichte zu erzählen. Nicht zuletzt besticht natürlich seine Sprachgewalt.

Allerdings habe ich vor einigen Jahren "Die Sanfte" vom ihm gelesen und da hat er mir noch besser gefallen. Mein letzter Dostojewski wird es aber sicher nicht gewesen sein.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der anspruchsvollste Dostojewskij-Roman!, 8. Mai 2006
Von 
Kankin Gawain "Bis übermorgen dann..." (Eutopia) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Die Dämonen: Roman (Taschenbuch)
DAS NOBEL-INSTITUT UND NORWEGISCHE BUCHCLUBS RIEFEN NAMHAFTE SCHRIFTSTELLER DER WELT AUF, DIE NACH IHRER MEINUNG 10 WICHTIGSTEN WERKE DER WELTLITERATUR ZU BENENNEN. DIESES WERK WAR EINES DER (AUS DIESEN LISTEN ERSTELLTEN) 100 WICHTIGSTEN BÜCHER DER LITERATURGESCHICHTE.

Der meines Erachtens beste, anspruchsvollste unter Dostojewskijs Romanen. Die Geschichte ist unglaublich komplex, mehrere Erzählstränge werden entworfen, ineinander verdrillt und am Ende meisterlich zusammengeführt. Die Lektüre erfordert große Aufmerksamkeit – wichtig dabei zu wissen, dass alle in der Geschichte auftauchenden Charaktere entweder a.) mit Ihrem Vornamen, b.) Ihrem Nachnamen oder c.) Ihrem Spitz- bzw. Kosenamen auftauchen. Wer trotzdem durchhält und sich immer wieder vergewissert, welcher Protagonist gerade im Mittelpunkt steht, wer mit wem redet, verwandt ist und wer wen liebt, kennt, seinen Freund nennt, der wird ein Aha-Erlebnis haben, wie geschickt am Ende – die bereits erwähnten – Erzählstränge zusammengeführt werden. Dostojewskij zeigt sich hier als einer jener ganz wenigen großen Romanciers, die auch eine Geschichte über 500 und 800 Seiten „zusammenhalten“ können.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk der russischen Literatur, 27. Februar 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Dämonen: Roman (Taschenbuch)
Mit meisterhaften Charakterbeschreibungen gelingt es Dostojewski, einen spannungsreichen Roman zu zelebrieren, der Liebesgeschichten, Mord und Totschlag und viel Philosophie beinhaltet. Mit faszinierender Genauigkeit beschreibt er das Wesen des Kommunismus der russischen Spielart, wie er in der UDSSR zur Verwirklichung gelang. Eingebettet ist diese Kritik an der Theorie des Sozialismus (der nicht einheitlich dargestellt wird, sondern durch mehrere Charaktere in verschiedenen Spielarten vorgestellt wird - man merkt, das Dostojewski selbst auf Kongressen als Beobachter war, auf denen sozialistische Wortführer auftraten) und die bei Dostojewski allgegenwärtige Frage nach der Existenz eines Gottes in einen Kriminalfall, der tatsächlich geschehen ist. Zugleich gibt es Liebesverwirrungen, die Menschen um den Verstand bringen. Für jeden also was dabei, ohne das das Einzelne aus der Gesamtgeschichte herausfällt.
Wer diesen Roman liest, kommt nciht von ihm los, wird zum Nachdenken angeregt und kann sein eigenes Mitteilungsbedürfnis nur schwer im Zaum halten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Buddenbrocks in der russischen Variante, 12. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Dämonen: Roman (Taschenbuch)
Um sich einem solchen Werk zu stellen, muss man natürlich einen gewissen Grundstock an Muse mitbringen, da man sich ansonsten in dem Gespinnst der Handlungstränge zu verirren droht.
Ist man aber erst einmal in diese längst vergangene Welt Dostojewskis eingetaucht, wird man nicht so leicht wieder davon Abschied nehmen wollen, da es nur sehr wenige Schriftsteller derart meisterhaft verstehen, sämtliche Protagonisten eines Werk so lebendig zu schildern, dass man geradezu das Blut in deren Adern fliesen zu hören vermeint.
"Die Dämonen" ist Weltliteratur in seinem besten Sinne und setzt auch heute noch Standards hinsichtlich Spracheleganz und Sprachklarheit.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dostojewskis Bild des "Übermenschen", 30. August 2001
Von Ein Kunde
Beim 2. Lesen ist der Anfang der Handlung nicht mehr ganz so verwirrend, als beim 1. Mal, büßt jedoch fast nichts von seiner excellenten Spannung ein. Die Szene in Warwara Petrowna Haus, in welcher alle Hauptpersonen des Romans auftreten, gehört wohl zum Fesselndsten, was ich je gelesen habe. In Nikolai Stawrogin könnte der Leser Nietzsches "Übermenschen" interpretiert sehen. Alle Personen (besonders Schatow, Kirillow und Pjotr Stepanowitsch) sind in diesem Buch vom Fürsten Stawrogin, des "Helden" des Romans in einem sonderbaren Maß abhängig, alle zehren von ihm und lassen sich, durch seine Ratschhläge und obskur-düsteren Äußerungen inspirieren, während Stawrogin wahrscheinlich nur selbst ein Ziel, einen Sinn für sich zu erreichen sucht. Doch dies gelingt ihm nicht. Es gibt für ihn, trotz seiner unerklärlichen Schönheit und körperlichen Stärke keine Auferstehung, weil er den vollkommendsten Nihilisten aller Dostojewskiischen Gestalten darstellt. Deshalb enden auch alle anderen Hauptpersonen in der Katastrophe. Dies ist eingebettet in die immer wiederkehrenden Themen des Autors: Gottessuche, Nihilismus, Atheismus, der beginnende russische Sozialismus, letzteren prophetisch gezeichnet in seiner schlimmsten Form. Das alles ist in diesem großen Drama in atemberaubenden Dialogen und düsteren Umgebungen aufs kunstvollste vereint. Gerade für die moralische Orientierung der Menschen im 21. Jahrhundert noch hochaktuell.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Den Teufel im Herzen, 15. Oktober 2009
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Dämonen (Gebundene Ausgabe)
Kinderschändung, Mord, Massenhysterie - in den Dämonen geht es selbst für Dostojewski'sche Verhältnisse ausgesprochen düster zu. Inspiriert von historischen Ereignissen um den skrupellosen Anarchisten und Mörder Netschajew erzählt der russische Meisterschriftsteller von einem Generationswechsel mit katastrophalen Folgen. Die liberalen Ideale des alten Hauslehrers Stepan Werchowenskij werden von seinem Sohn Pjotr und seinem Schüler Nikolaj Stawrogin im nihilistischen Rausch zu einer Philosophie des Terrors verzerrt. Nur noch der Untergang liegt ihnen am Herzen, die Zerstörung der bestehenden Verhältnisse, die Macht über Leben und Tod. Ihre Lust am Bösen wirkt auf die Bewohner einer kleinen russischen Provinzstadt verführerisch. Nikolaj und Pjotr lotsen bald eine Schar williger Gefolgsleute in den sicheren Abgrund. Mit dem Wissen um die politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts erscheinen die beiden Figuren aus heutiger Sicht geradezu gespenstisch, nehmen sie doch die verheerende Demagogie eines Hitler oder Stalin vorweg.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verlorene Kinder, 5. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Dämonen: Roman (Taschenbuch)
Dostojewskij gelingt mit Dämonen natürlich ein Meisterwerk. In der Kunst einen Roman zu entfalten und Charaktere zu zeichnen in ihrer aus seiner Sicht unaufklärbaren verlorenen Art und Weise ist er unübertrefflich. Das Werk zeigt aber auch seine kleinbürgerliche und letzendlich reaktionäre Sichtweise, die die Widersprüche einer absterbenden Gesellschaft auf den Dualismus zwischen Gut und Böse, Gott und dem Teufel zurückführt . Will man die widerprüchlichen verlogenen Charaktere und niedrigsten Instinkte des reaktionären Subjekts genial ins psychologische aufgefädelt erfahren, beim russischen Großmeister wird man fündig. So kann ein Stepan Trofimowitsch sein Leben lang vom menschlichen Ideal faseln, das er in der Schönheit sieht, obwohl er als Müßiggänger gleichzeitig objektiv auf Kosten der arbeitenden Klasse lebt und folglich auch als Subjekt selbst seinen moralischen Ansprüchen in keinster Weise genügt und genügen kann.
Dostojewskij karikiert eine Welt, eine Mentalität , die der herrschenden Klasse im absolutistischen Zarenreich Russland, ohne seine Symphatie gegenüber ihr zu verlieren, gehört er doch dazu. Er ahnt nicht das sie kurze Zeit später aus der Geschichte getilgt wird. Dennoch muß der Niedergang der aristokratischen Herrschaft in Russland den Dostojewskij an Hand einer provinzialen Aristokratie eines Gouvernement zeichnet, als Analogie zur Degeneration der herrschenden Klasse der derzeitigen bürgerlichen Epoche genommen werden. Beim Lesen beschleicht einen unweigerlich das Gefühl das die 68iger schon im zaristischen Russland ihr Unwesen trieben. Den obwohl Stawrogin und Co. spüren das ihre Klasse überlebt ist, können sie doch nicht darüber hinwegschreiten , ihre subjektive Unbehaglichkeit gegenüber ihrer Elterngeneration und ihren Konventionen die bis zum mörderischen Hass und Selbsthass führen,nur ins psychologische, religiöse bzw. idealistische aufzulösen. Ihre Welt bleibt daher von der arbeitenden Klasse schon rein kulturell getrennt obwohl beide Klassen die Widersprüche einer Gesellschaftsformation spüren und erleiden müssse. Politisch trifft Dostojewskijs Kritik daher die utopischen Sozialisten und Anarchisten, nicht die Kommunisten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen russische Provinzposse, 19. November 2010
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Dämonen: Roman (Taschenbuch)
Zuallerert ist man dem Piper-Verlag für das Personenverzeichnis dankbar. Denn dieser Roman ist mit einem ganzen Sammelsurium von meist uninteressanten Figuren ausgestattet, welche bei längerem Lesen den Überblick nur schwer behalten lassen.
Und längeres Lesen ist bei diesem Buch eher wahrscheinlich, handelt es sich doch um eine überlange und häufig langatmige bis langweilige Provinzposse, deren Zugehörigkeit zur Weltliteratur man schon wegen des schwachen Personals und der mangelnden Weisheit bezweifeln kann. An den schwächsten Stellen erinnern die "Damönen" gar an Trivialliteratur - und ich sage das als bekennender Dostojewski-Freund. Dostojewski schwächelt im Gegensatz zum großen russischen Grafen hier erzählerisch merklich auf der Langdistanz.
Die Handlung nachzuerzählen ist müßig, da es im Grunde keine gibt. Hier wird einfach das Landleben einer Kleinstadt skizziert, das den heutigen Leser in der Regel ziemlich kalt lassen dürfte. Es ist mir ehrlich gesagt bei der länger anhaltenden Lesedauer bis zur Hälfte des Romans nicht mehr gelungen, hier ansatzweise eine durchgehende Geschichte zu identifizieren. Statt dessen wird der Roman von seinen Personen zusammengehalten, die wiederum zu wenig prägnant sind, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Wesentlich interessanter als der Roman selber sind die Anmerkungen des Herausgebers, welcher die Figuren und historischen Ereignisse, auf die sich Dostojewski stützt, so kenntnisreich dokumentiert, dass hier das eigentliche lebendige Bild des zaristischen 19. Jahrhunderts entsteht, welches ich mir vom Roman erwartet hatte.
Kurz und gut: ich habe auch hier nach der Hälfte der Distanz aufgeben müssen, weil mir die Lebenszeit hierfür schlicht zu schade war.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


17 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Abrechnung mit sozialistischen Ideen, 8. November 2001
Von 
Christian Kühn (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Dämonen: Roman (Taschenbuch)
Das Buch ist ein Klopper. Man quält sich durch, verliert den Faden, plötzlich tauchen Personen aus dem zweiseitigen Register auf, die man nicht mehr einordnen kann - also wirklich schwere Kost. Bedauerlicherweise trägt dieser Roman zu den Vorurteilen gegen "die Russen" und insbesondere gegen Dostojewski bei. Zu unrecht.
Es ist der dritte der fünf großen Romane Dostojewskis. Wie in den fünf großen Werken Shakespeares geht es auch in den fünf großen Romanen Dostojewskis um Mord und Totschlag. Wie in den anderen fünf Romanen geht es Dostojewski um die Existenz Gottes. Diesmal ist die Geschichte allerdings nicht wie z.B. in den Karamasows in eine Familiengeschichte eingebettet, sondern eine gesellschaftskritische Momentaufnahme mit z.T. schwierigen theoretischen Ausflügen über den Sozialismus. In der Hauptfigur Stawrogin findet sich vielleicht eins der gelungensten Verbrecherportraits der Weltliteratur.
Stawrogin wird von einem gutmütigen Trottel alter Schule, seinem Stiefvater, erzogen, der sein Auskommen bei einer reichen Dame, der Mutter Stawrogins fristet. Stawrogin, der Student, kommt nach längerer Abwesenheit zurück nach Hause, aufs Land, und beschließt revolutionäre Zellen zu bilden. Um ihn herum sind einige Jünger, die Stawrogin durch Intrigen an sich bindet. Im Grunde sind sie ihm egal, wie alle Menschen um ihn herum. Aus Neugier hat er eine Minderjährige vergewaltigt, eine schwachsinnige Frau aus Leidenschaft zur Qual geheiratet, eine dritte Frau wird von ihm geduldet umgebracht. Er zementiert seine Macht durch einen Mord, für den sich ein anderer schuldig bekennen muß, der dann Selbstmord begeht. Nach vielen Toten bringt Stavrogin sich dann auch um.
Die Handlung finde ich dröge. Was das Buch spannend macht ist zweierlei:
Erstens kann man nur erschreckt sein, mit welcher Präzision Dostojewski rund 50 Jahre vor der Oktoberrevolution den Sozialismus, die sozialistische Gesellschaft und die Mechanismen der gegenseitigen Kontrolle beschreibt. Hier kann man stellenweise meinen, Dostojewski habe seherische Fähigkeiten gehabt.
Zum zweiten spiegelt sich in dem Buch Dostojewskis Ringen um den Glauben wider. Das berühmteste Kapitel des Buches betrifft die Beichte Stawrogins bei einm Mönch und für jeden Christenmenschen ist dies sicher ein Dreh- und Angelpunkt in eigenen Glaubensfragen. Die meiste Sekundärliteratur kommt auch aus diesem Lager.
Das Spannungsverhältnis Glaube - Unglaube =Sozialismus macht dieses Buch lesens- und nachdenkenswert. Der russische Titel wird auch mit "Die Besessenen" übersetzt, weil Dostojewski an einer Stelle des Buches sagt, wer ungläubig sei, sei besessen.
Wer Zeit und Muße zum Lesen hat, für den ist dieses Buch ein großer Gewinn. Das Buch ist sehr sorgfältig editiert, hat ein ausgezeichnetes Nachwort, eine wertvolle Bibliographie und hilfreiche Anmerkungen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dämonisch?, 30. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Dämonen: Roman (Taschenbuch)
Dieser Roman von Dostojewskij gilt, wenn ich richtig informiert bin, als sein umstrittenster. Auch ich muss sagen, dass ich nach 3 genialen Büchern von Dostojewskij nun ein wenig enttäuscht bin. Der Autor hat es hier nicht geschafft mich durchgängig zu fesseln. War es bei "Die Brüder Karamasow" unter anderem auch die sehr verzweigte Kriminalgeschichte, die mich in den Bann zog, oder bei "Schuld und Sühne" die immer deprimierender werdende, melancholische Grundstimmung des Romans die mich faszinierte, verläuft sich der Autor hier, meines Erachtens nach, in zuviele Nebenhandlungen, die irgendwann nur noch enervierend wirken.
Der Kern des Romans dreht sich hauptsächlich um Pjotr Werchowenskij, der auch vor einem eigenhändigen Mord nicht halt macht, wenn es denn dazu dient seine revolutionäre "Fünfergruppe" auf dem Weg zur Alleinherrschaft über Russland zu schützen und um Nikolaj Stawrogin, Anarchist, der zwar auch mit einer Misshandlung, einem daraus resultierenden Selbstmord und auch einem, zumindest akzeptierten, Mord in Verbindung steht, aber dennoch auch seine guten Seiten zu haben scheint. Und über allem schwebt irgendwie Stepan Trofimowitsch, der Vater des erstgenannten und der Erzieher des letztgenannten, seines Zeichens liberaler Idealist alter Schule, der doch noch, wie andere auch, seinen schwindenden Einfluss geltend machen will, was aber bei dem Machthunger der Protagonisten natürlich nicht viel bringt. Dostojewskij stellt somit verschiedenste Sozialisationen und Glaubensrichtungen nebeneinander und zeigt was und wodurch dies alles wo hingeführt hat bzw hinführen wird. Ein äußerst politischer Roman also.
Leider allem hatte ich aber das Gefühl, das der Kern der Handlung, also die Geschichte rund um den Nihilisten Werchowenski und den zwischen Gut und Böse schwankenden Stawrogin, in dem als äußerst kunstvoll beschriebenen Aufbau des Romans völlig untergeht. Zumindest stellte sich bei mir nur bedingtes Interesse am weiteren Verlauf der Geschichte ein.
3 Sterne bekommt das Buch von mir, weil es zum einen ein interessantes Porträt der damaligen Zeit bietet, da es wie kein anderes Werk (meines bescheidenen Wissens nach) Dostojweskijs um die damals aktuelle Tagespolitik kreist und weil es zweitens viele Fragen zur religiösen und politischen Zugehörigkeit aufwirft, die man sich als Leser ruhig mal selbst beantworten sollte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Die Dämonen: Roman
Die Dämonen: Roman von Fjodor M. Dostojewskij (Taschenbuch - 1. September 1999)
EUR 12,90
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen