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am 29. Juni 2011
Henry Chinaski, Charles Bukowskis "Antiheld-Alterego", ist die zentrale Figur in "Faktotum", einer Novelle, die über Chinaskis (Bukowskis) scheinbar zahllose, schlecht bezahlte, wertlose Jobs berichtet - diese Jobs benötigt Chinaski lediglich um weiterhin in den Genuss von Alkohol, billiger Unterkunft und der Freiheit schreiben zu können zu kommen (denn natürlich ist Chinaski eigentlich Schriftsteller).

Chinaski ist ein Mann, der viele Laster hat. Er ist ein Alkoholiker, ein Spieler, er "begattet" alles, was sich ihm bietet, und er betrachtet sich selbst als erfahrenen Arbeitnehmer, selbst wenn er nur einen einzigen Tag in diesem Job überstanden hat.

Mit täglichem Kater auf der Arbeit erscheinend (denn er säuft jeden Tag), ist Chinaski ziemlich faul oder einfach unfähig zu arbeiten. Aber er ist keinesfalls dumm. Die Arbeiten, die Chinaski bekommt, sind allerdings meistens sinnlos und erniedrigend - wie auch seine Vorgesetzten; etwas, worauf Chinaski auch gerne mal hinweist, obgleich das unweigerlich bedeutet, dass er sich den nächsten stupiden Job suchen muss.

Selbstverständlich besitzt Henry eine Arbeitsmoral, auch wenn diese Arbeitsmoral heißt: "verdiene genug Geld, um etwas zu saufen kaufen zu können, saufe, verliere den Job, finde einen anderen Job, verdiene genug Geld, um etwas zu saufen kaufen zu können...usw.". Dieser Kreislauf wird manchmal von lieblosen (aber liebevoll beschriebenen) sexuellen Begegnungen und natürlich Glücksspiel unterbrochen

In der Tat gibt es eine exzellente Passage im Buch (die sich über ein paar Wochen hinzieht), in der Chinaski und ein Arbeitskollege sich früher von ihrem Arbeitsplatz entfernen, um noch auf das letzte Pferderennen des Tages wetten zu können. Schon bald platzieren sie auch Wetten für ihre anderen Kollegen (genau genommen behalten sie einfach das Geld, ohne Wetten abzugeben). Um wetten zu können, müssen Chinaski und sein Kollege selbst ein Rennen hinlegen: von der Firma zur Rennbahn, vom Parkplatz zum Wettschalter - das alles, bevor das letzte Pferderennen gestartet ist. Wie gesagt: eine wunderbare Passage des Buchs.

Henry treibt dahin: Arbeiter in verschiedenen Jobs (zumindest verschiedenen Variationen des gleichen Jobs) oder arbeitslos, er treibt von Stadt zu Stadt, lebt in den ärmeren Vierteln dieser Städte, mit den bemitleidenswerten Menschen, den heruntergekommenen Bars, in schlechten Wohnungen, deren Wände zu dünn sind.

Was Bukowski in "Faktotum" meiner Meinung nach wirklich überzeugend rüberbringt ist, dass wenn du in einem stupiden Job festhängst, du die wachsende Leere mit irgendetwas füllen musst. Und wenn dieses "Etwas" nichts ist, dass allgemein als "wohlwollend" akzeptiert ist - wie Familie oder Religion -, dann gibts ja noch die Sauferei. Solange du noch Zeit für das Spielen und für sexuelle Zweisamkeit übriglässt (und einsiehst, dass es niemals genug Alkohol in der Welt gibt).

Wer sich mit Bukowskis unzähligen Gedichten ein wenig in seine (Gedanken)welt eingelesen hat und Lust auf "etwas längeres" hat, dem sei "Faktotum" empfohlen.
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am 17. August 2001
Fesselnd!Düster und hoffnungslos, Suff, Sex, immer das Gleiche? Falsch, nur für den oberflächlichen Leser, der sich nicht auf den Prolet Bukowski einlassen will. Es gibt schon gewisse Unterschiede in Grundstimmung und Humor zu seinen anderen Werken, kennst du einen kennst du alle trifft hier beileibe nicht zu. Faktotum war der zweite Roman Bukowskis und ist eigentlich eine Forsetzung seines später geschriebenen Jugendromans "Fast eine Jugend". Sein Motto war, "Warum über das eigene Leben hinausschauen?" Wieder einmal kongenial übersetzt von Carl Weissner.
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am 4. Januar 2015
Ein prall gefülltes Buch hat Bukowski da abgeliefert – 87 Kapitel auf 211 Seiten, sechs Handlungsorte mit etlichen Bleiben, etlichen Frauen und noch mehr verschiedenen Gelegenheitsjobs. Bukowski bleibt seinem autobiografisch gefärbtem Erzählstil treu und und greift abermals auf sein Alter Ego Hank Chinaski zurück, den er unsanft auf die Verliererstraße schickt. Chinaski kommt in einer Stadt an, findet eine Unterkunft, betrinkt sich, findet einen Job, betrinkt sich, verliert den Job wieder, betrinkt sich, findet kurzfristigen Spaß mit einer Frau, betrinkt sich und verlässt die Stadt wieder. Zugegebenermaßen ist das überspitzt und sicherlich kommt es zu einigen Ausnahmen von der Regel, doch eine wirkliche Handlung mit einer Weiterentwicklung des Protagonisten sucht man hier vergebens.

Ohne über eine nennenswerte Ausbildung zu verfügen, besteht sein einziger Ehrgeiz darin, möglichst mühelos genügend Kleingeld für den nächsten Vollrausch aufzutreiben und bei Verlangen eine Frau für die Nacht zu finden. Jede Arbeit, die ihn einschränkt, wird gekündigt. Die guten Jobs verliert er von allein – sei es durch Faulheit, Aufsässigkeit oder Betrunkenheit. Chinaski lässt sich hemmungslos treiben und versucht erst gar nicht, seinen Platz in der Gesellschaft oder im Leben zu finden. Er hat sich in der Rolle des Außenseiters eingerichtet und gefällt sich als noch unentdeckten Schriftsteller; dabei schreibt Chinaski zwar viel, veröffentlicht jedoch kaum etwas. Seine Verwahrlosung überhöht er hingegen bereits zu einer notwendigen und romantischen Unangepasstheit, die allen Genies gleich ist. Wie viel davon innere Überzeugung und wie viel Selbstbetrug ist, lässt Bukowski unbeantwortet.

Diese mangelnde Nähe zur Psyche Chinaskis ist für mich eine der großen Schwächen von „Faktotum“; in anderen Büchern sind Bukowski wesentlich intimere und glaubhaftere Einblicke gelungen (Das Liebesleben der Hyäne). Selbst tiefste Einschnitte wie der unvermeidliche Bruch mit den kleinbürgerlich geprägten Eltern wird geradezu lakonisch und teilnahmslos hingenommen. Als Leser konnte ich dem nur schwer folgen. Daneben strapaziert auch der streng zyklische Handlungsablauf die Geduld, so dass man sich einen Ausbruch von der Routine und ein Hinsteuern auf die Essenz herbeiwünscht. So mancher wird sicherlich auch an der wenig verschleiernden und drastisch vulgären Sprache Anstoß nehmen, die dem schmalen Grat zur Frauenfeindlichkeit das eine oder andere Mal gefährlich nahe kommt.

Wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, erwartet einen ein Buch, das in aller Derbtheit und Offenheit ein schonungsloses Portrait der Verlierer und Außenseiter zeichnet. Fasziniert betrachtet man, wie Chinaski sich seiner Zukunft beraubt und fortwährend scheitert. Sein Scheitern bricht ihn jedoch nicht. Zwar verweigert er sich kategorisch gesellschaftlicher Anpassung, träumt dennoch in aller Konsequenz den amerikanischen Traum. Wo hunderttausend Andere diesen aufgrund der Notwendigkeit einer Existenzsicherung aus den Augen verlieren, geht er aufs Ganze und riskiert nicht weniger als alles. In diesem Kontext betrachtet, steht Chinaski in dem fast heroischen Licht des Künstlers, der bereit ist, für seine Überzeugung jeden Unbill in Kauf zu nehmen. Ob ihn hingegen tatsächlich dieser innere Drang treibt oder ihn schlichtweg nur die eigene Faulheit bremst, bleibt ungewiss. „Faktotum“ lebt von dieser Ambivalenz und entwickelt eine Spannung, die jenseits der Handlung wirkt und funktioniert.

Ich bin wahrlich kein uneingeschränkter Anhänger von Bukowski, aber seine Bücher faszinieren mich. In einer absolut einfachen Sprache kreiert er stilsicher eine Welt, die aus Pferderennbahnen, schäbigen Absteigen und billigen Spelunken besteht. Seine Handlungsorte triefen vor Schmutz und Grobheit, seine Charaktere sind versoffen und verroht. Sympathie oder Anteilnahme zu empfinden, fehlt mir da eher schwer. Und dennoch übt genau das einen unwiderstehlichen Reiz aus und ist ein hervorragendes Beispiel für die Wirkungskraft authentischer und wahrhaftiger Literatur. Bukowski ist ein Meister dieser Pulp Fiction und „Faktotum“ schon seit langem ein Klassiker.
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am 18. Oktober 2005
ist einer meiner absoluten All-Time-Favourites! Und ich finde es schade, dass er nicht mehr Romane geschrieben hat. "Faktotum" würde ich eher als einen schwächeren bezeichnen, trotzdem ist er lesenswert.
Ich denke aber, dass man Bukowski unbedingt auf englisch lesen sollte, sollte auch für jemanden mit nur rudimentären Englisch-Kenntnissen kein Problem sein. Nach Buk greife ich immer, wenn es mir schlecht geht, danach fühl ich mich einfach viel besser.
Weil der Vergleich schon öfters gezogen wurde: Auch ich finde, dass Andre Pilz mit "Weine nicht ..." ein Buch gelungen ist, dass an Passagen von Bukowski erinnert.
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am 1. August 2007
Die Handlung des Romanes ist rasch erzählt: Der nicht immer unsympathische Taugenichts Hank Chinaski, Bukowsis mehr oder weniger autobiographisches Synonym, versucht sich mit wechselndem Erfolg eine Existenz als Schriftsteller aufzubauen, säuft permanent, arbeitet meist in irgendwelchen Gelegenheitsjobs und wird dabei immer wieder aufgrund von Faul-, Trunkenheit und/oder seines miserablen Benehmens gefeuert. Weitere Handlungsbeigaben sind , typisch für Bukoswki, Chinaskis Frauengeschichten sowie seine ausgeprägte Vorliebe für Sinfonien und Pferederennen. Mehr passiert hier nicht.

Spötter werden sagen, diese meist autobiographischen Motive sind der Rahmen für den Großteil des Bukowskischen Werkes - kennt man eine der Stories, kennt man fast alles, wie einer der Rezensenten trefflich sagte. Wer hingegen Bukowski schätzt wird wahrscheinlich erwidern, dass er genau deshalb seine Erzählungen so schätzt.

Was die Sprache bzw. die Übersetzung anbelangt ' sie liest sich sehr flüssig, glaubhaft und passt sich an Bukowskis Ansichten und Denkweisen an. Diese sind bei weitem nicht so pornographisch und vulgär wie ihr Ruf. Sensiblere Leser könnten sich höchstens an Hank Chinaski's derber Wortwahl stören, und manchmal sicher auch an seinem Zynismus. Hin und wieder gelangt er aber manchmal zu Analysen und gelungener Satire auf das Leben in der "Neon-Wildnis".

Bukowski hat stellenweise extrem Krankes und zum Teil auch eher Langweiliges geschrieben, dieses Werk gehört zu keiner der beiden Gruppen. Seine Werke und Ansichten polarisieren und können nicht jedem gefallen. Aber: Wer schon immer mal Bukoskwi lesen wollte, kann hier oder alternativ beim "Mann mit der Ledertasche" bedenkenlos zuschlagen. Leser, die schon andere Werke angewidert weglegten, dürften hier auch nicht glücklich werden. Fans von Buk kennen das kurzweilige Buch ja i.d.R. schon.
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am 24. August 2014
Zu Bukowski
Er ist ein Tunichtgut der immer Pech hat. Und das amüsiert die Leute. Er ist der (oft) unsympathische Pechvogel, der immer wieder aufs Maul fliegt, sich davon aber nicht beirren läßt und einfach immer weiter macht. Recht zweifelhaft eigentlich. Alkoholiker ist er auch und er feiert das irgendwie.
Ein Augenblicksmensch mit großen Träumen von wegen Schriftsteller werden und endlich raus aus der Misere. Das ist sehr riskant und kann auch böse nach hinten losgehen!
Bukowski, der immer so ober cool drauf ist, lässig von Nutten und Zuhältern spricht, die Nächte lang durch trinkt um sich hinterher böse Schlägereien zu liefern. Dann philosophiert er ein bißchen über die Niedertracht der Menschheit, vor allem über die Arbeitswelt, und läßt sich gleich wieder volllaufen. Dann geht das ganze Spiel von Neuem los: Saufen, eine Hure kommen lassen – komisch: in den Büchern kommt es so rüber, als hätte er die Frauen aufgerissen. In Wirklichkeit aber hat er sie genauso bezahlen müssen wie jeder andere auch. Dann vögeln, trinken, sich gegenseitig ewige Liebe schwören, dem Ganzen aber mißtrauen, weil er Freier und sie Prostituierte ist, dann Streit anfangen, wieder prügeln – Bukowski hat auch Frauen geschlagen (schrecklich bei Youtube zu sehen!), - weil ja so miese Huren generell eins auf die Mütze kriegen müssen. Das ist so das Leben nach Hanks Geschmack, das gefällt ihm.

Welche super heißen Frauen kann ein verratzter Bukowski schon aufreißen, zumal er nicht einen Cent in der Tasche hat? Oft ist er ein armer Schlucker, dann weint er meistens und will sich ändern und flennt und ach, alles schlimm. Das soll wohl seine Gefühlsseite sein. Wenn er dann wieder ein paar Dollar durch irgendeine stumpfsinnige Handlangertätigkeit ergattert hat, was macht er dann mit dem Geld? Er kauft sich ein paar Flaschen Wein und Zigaretten und beginnt eine Woche lang durchzusaufen. Das sind dann die Highlights, die Sternstunden im Leben eines Charles Bukowski.

Zu Wahrheit und Lüge
Bukowski wurde wohl auch bös' von seinem Vater geschlagen. Denn darüber spricht er häufig. In dieser Sache ist er ehrlich. Seine Empfindungen und Ideen, auch das Trinken, kommen mir dann plausibel vor. Leider entwickelt das dauerhafte Trinken bald eine Eigendynamik. Der Alkohol holt auch die schlechten Seiten von Hank hervor. Er wird asozial, abhängig, wird hin und wieder obdachlos. Hauptsache Trinken, Trinken, Trinken.
Ich finde das seltsam, fragwürdig. Was für Frauen mag er da bloß aufgerissen haben? Mit welchem Zuhälter will er sich da anlegen, in seinem Zustand, allein, ohne Geld, abgerissen? Welche Frau geht mit so einem mit und läßt sich ausgerechnet von ihm zurichten? Und er schlägt sie und denkt nicht daran das sie hinterher zu ihrem Pimp geht und dem die ganze Geschichte erzählt. Und der Pimp läßt das natürlich alles geschehen ohne nochmal mit Buk „zu reden!“.
Vieles hat er aufgehübscht, unerwähnt gelassen.

Zur Form
asoziales Proletengehabe, oft primitiv, aber humorvoll. Kurze, schwere Sätze. Große literarische Begabung, aber!: alkoholinduziertes Schwarz-Weißdenken, Rechthaberei, Überheblichkeit, gossenphilosophischer Pragmatismus. Einfach-plausible Scheinschlüsse über die Bedingungen des Daseins, ausgeprägte Egozentrik, autosuggestive narzisstische Selbstbetrachtungen über die eigene Standhaftigkeit und Unbeirrbarkeit bzgl. der Lebensführung, insgesamt subversives Gedankengut, anarchische Neigungen! Ehrloses Verhalten!

Abschließende Bemerkungen
Ein kaputter Typ, der darüber philosophiert warum er nichts geworden ist und sich an seinen Traum ein Schriftsteller zu sein klammert. Seinen Frust ertränkt er im Alkohol und was er so denkt und erinnert können wir in seinen Büchern lesen: Bizarre Besäufnisse mit Huren und Verbrechern die Gewalt antun oder selbst erleiden. Alles innerlich vollkommen zerrüttete Gestalten, Loner, Looser, Alkoholiker, Nutten, Barbekanntschaften und sonstige gestörte Druffies. Da sucht er sein Glück. Vor diesem Hintergrund betont er auch gern seine „Klasse“, oh ja, sein Leiden an der Welt ist vor allen anderen am tiefsten gefühlt. Dann kommt eine humorvolle Erkenntnis, verbunden mit dem Vergeben der Welt für ihre rüde Art – das dient der Selbstaufwertung – und weiter schreibt der Hank sein Leben in der Gosse auf. Eine andere Bargeschichte wird erzählt, er reißt eine klasse Frau auf, pimpert sie, nutzt sie aus, will den Zuhälter spielen, klappt aber nicht, kriegt Krach mit der Alten, sie hauen sich, er wieder allein und säuft! Toll! Ganz große Klasse Hank! Darauf hat die Welt gewartet. Das bringt uns weiter.
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am 1. Januar 2003
Bukowski schreibt über sein Leben. Und dies auf eine ehrliche, unverblümte, raue, witzige und traurige Weise. Bei Bukowski gibt es alles. Vor allem aber einen leicht depressiven, schwermütigen Grundton. Immer wieder geht es in Faktotum auch auf humoristische und dennoch bedrückende Weise über den Stumpfsinn der Arbeitswelt. Wer ein ehrliches, schnörkelloses Buch sucht, welches auf seine Weise trotzdem literarisch hochwertig ist, sollte zu Bukowski greifen.
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am 24. März 2009
Ich war immer der Ansicht, dass Charles Bukowski in erster Linie Kurzgeschichtenschreiber war, und erst dann Romancier. Kaum ein anderer amerikanischer Schriftsteller hat die Gattung der Kurzprosa zu ähnlicher Perfektion gebracht, wie er: Auf minimalem Raum, maximalen Effekt zu erzielen, Figuren auf nur zwei Seiten vorzustellen und ihnen doch eine Feinzeichnung zuzugestehen - das hat kaum wieder jemand mit ähnlicher Meisterlichkeit geschafft. Genau aus diesem Grund konnten mich die längeren Arbeiten Bukowskis nie in gleichem Maße begeistern (von seinen wunderbaren Jugenderinnerungen "Das Schlimmste kommt noch" abgesehen). Die Motive und Themen waren dieselben - Frauen, miese Jobs, Alkohol - aber hier wurden sie auf unnötige Breite ausgewalzt, obwohl dies gar nicht zwingend notwendig war.
Und in diesem Zusammenhang zählt Bukowskis Frühwerk "Faktotum" für mich zu seinen schwächsten Arbeiten. Worum geht es? Um einen Mann, der Schriftsteller werden will, viel trinkt, eine Vielzahl von selbstzerstörerischen Liebesbeziehungen hat und ständig gefeuert wird. Nur wird von diesem Mann eben nicht drei Seiten lang erzählt, sondern über 200.
Im Mittelpunkt des Buches (Ein Faktotum ist ein Mensch, der alle Aufgaben übernimmt) steht die endlose Folge von unbefriedigenden Sisyphus-Jobs, die Henry Chinaski übernehmen muss, um sich seinen schriftstellerischen Lebensunterhalt zu finanzieren. Nach einer durchaus gelungenen Eröffnung des Romans von ca. 30 Seiten, gleitet der Roman zu einer reinen Diashow verschiedener Tätigkeiten und Nebenjobs ab; oft lesen wir nicht einmal, dass der Erzähler gefeuert wurde, das Kapitel ist zu Ende, und bei Beginn des nächsten steht Chinaski wieder hinter an einem anderen Fließband. Kurzweilig ist diese Technik (wenn es denn wirklich eine Technik ist, und nicht nur das Produkt einer unbearbeiteten Aneinanderreihung von Notizen - ich bin mir da nicht ganz sicher) durchaus amüsant, und verstärkt noch den surrealen Zug der Situation, an Berufe gekettet zu sein, die einen weder interessieren, noch fordern, noch erfüllen, denen man aber trotzdem ausgeliefert ist; da diese Sequenz aber fast den gesamten Mittelteil des Romans ausmacht, lassen sich gewisse Ermüdungserscheinungen nicht verschweigen. Zumal auch Bukowski leider nicht die Chance nutzt, näher auf diese einzelnen Tätigkeiten einzugehen, dem Leser den Unterbauch verschiedener Betriebe in all ihrer Unerträglichkeit näherzubringen, wie er es in "Der Mann mit der Ledertasche" über seine Zeit im Postamt geschafft hat.

Es geschieht noch einiges mehr, in dem Roman, aber es lohnt sich kaum, näher darauf einzugehen: Auch die verschiedenen Frauengeschichten, die dem Autor widerfahren, wirken lieblos und austauschbar; der Autor nimmt sich hier noch ein wenig zu ernst, der für Bukowski typische Humor fehlt vollkommen, und am Ende hat sich der Erzähler scheinbar keinen Schritt von der Situation wegbewegt, von der er ausging.
Neben den wirklich großartigen Romanen von Bukowski ("Das Schlimmste kommt noch", "Das Liebesleben der Hyäne" und mit einigen Abstrichen, "Der Mann mit der Ledertasche") ist "Faktotum" wirklich keine beeindruckende Leistung; hier hat sich der Autor voller Energie, Elan und Humor auf seine Themen gestürzt - und hat großartige Erzählwerke geschaffen. All dies sind Qualitäten, die "Faktotum" leider fehlen.
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am 11. Januar 2013
... ihm ist's egal, zumindest scheint dieser oft gehörte Satz von ihm abzuprallen.
Es ist sowieso alles einerlei, irgendwie wird er den Tag schon rüberbringen, vielleicht sogar den nächsten und den übernächsten. Aber so weit vorausdenken?
Chinaski lebt im Augenblick, den Drink, den er jetzt braucht, muss er organisieren; etwas zu Essen, wenn's hochkommt; eine Frau? Wenn es sich ergibt.
Aber zu nahe kommen darf die Welt ihm nicht, weder in Gestalt eines Jobs, einer Frau oder seiner Familie.
Nur nichts Festes!
Aber Irrtum! Etwas gibt es doch, wovon er zum Glück nicht lassen kann: das Schreiben.
Irgendwie ist er ja doch ein Teufelskerl, dieser Chinaski (oder sollen wir ihn Bukowski nennen?).

==> Ich vergebe fünf Sterne, wenn ich in eine Geschichte so hineingezogen werde, dass ich sie wie eine der Figuren darin miterleben kann.
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TOP 1000 REZENSENTam 31. Oktober 2012
Faktotum setzt dort an, wo "Das Schlimmste kommt noch" aufhört und wenn man, so wie ich es grade tue, Bukowskis Romane chronologisch lesen möchte, sollte man es sich als zweites zur Brust nehmen, auch wenn die Bücher nicht unbedingt in dieser Reihenfolge geschrieben wurden.

In einer Rezension zum Buch las ich: Kennt man einen Bukowski, kennt man alle.
Das mag oberflächlich betrachtet richtig erscheinen, denn wirklich viel passiert nicht:
Buk schlägt sich durch hunderte miese Jobs, schlägt sich mit anderen Typen, mag keine Menschen, besäuft sich hemmungslos, wettet auf Pferde,erbricht 2500 mal, schreibt Stories, trägt schmutzige Unterwäsche und hurt mit runtergekommenen Weibsbildern herum, die scharfkantige Gegenstände nach ihm werfen, ihn mit dem Mund vergewaltigen oder sein Glockenspiel malträtieren.

Diese Elemente ziehen sich durch alle seine Romane und durch die meisten seiner Kurzgeschichten ebenfalls, daher kann man der Aussage grundsätzlich einen gewissen Wahrheitsgehalt nicht absprechen.

Und trotzdem lese ich seine Bücher immer wieder begeistert, denn niemand versteht es so gut wie Onkel Hank, eigentlich belanglose Alltagssituationen so humorvoll zu beschreiben.

Immer wieder muss ich prusten, weil ich die Szenen direkt vor mir sehe, weil Bukowski sie so wundervoll in seine raue Sprache kleidet. Das bekommen nur wenige Autoren hin! Und der Humor entsteht selten aus obszönen Szenen, vielmehr ist das wohl Situationskomik und wenn ich gefragt werde, worüber ich da grade so lache, kann ich es daher selten beschreiben.

Faktotum setzt den Fokus auf die unzähligen Sklavenjobs die Bukowski nachgehen musste, um sich mit billigem Fusel und billigen Frauen abzuschießen. Seine Partnerin Jan steht ihm in Sachen Krawall nichts nach und bildet einen weiteren roten Faden in der Geschichte. Auch seinen Eltern haben einen Gastauftritt und man darf hautnah miterleben, wie Buk's Tarnidentität Hank Chinaski seine Liebe zu Pferdewetten entdeckt, vom angehenden Trinker zum Profisüffel wird und seine ersten, kleinen schriftstellerischen Erfolge feiert. Das Buch wurde übrigens auch recht passabel mit Matt Dillon verfilmt, das aber nur mal als kleine Randnotiz.

Bukowski gilt nicht umsonst als einer der größten Schriftsteller der Neuzeit und in seinen Geschichten steckt viel mehr, als man auf den ersten Blick unter der Kruste aus Dreck, Erbrochenen, Sex und Suff erahnen kann.
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