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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein bedeutendes Buch
Ein solches Buch gelingt auch einem großen Schriftsteller, und das scheint mir der jugoslawisch-serbische Tisma zu sein, nur wenige Male. Sind schon die anderen Bücher der "Reihe" wie "Treue und Verrat", "Die wir lieben" verstörend, eindringlich, eindrucksvoll, so gilt das für "Der Gebrauch des Menschen" noch mehr. Man kann dieses Buch offenbar nur...
Veröffentlicht am 30. März 2008 von Dietrich Marquardt

versus
3.0 von 5 Sternen Kriegsschicksale aus dem jugoslawischen Novi Sad
Mitte der 30er-Jahre des letzten Jahrhundert ist Novi Sad ein Schmelztiegel der Kulturen: Altösterreicher, Juden, Serben, Kroaten und Ungarn aller Schichten leben friedlich zusammen, ehe der Ausbruch des zweiten Weltkriegs und die deutsche Besatzung das Dasein seiner Bewohner radikal verändert. Tisma schildert in ausdruckstarken Szenen die Schicksale dieser...
Vor 5 Tagen von schmechi veröffentlicht


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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein bedeutendes Buch, 30. März 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Gebrauch des Menschen: Roman (Taschenbuch)
Ein solches Buch gelingt auch einem großen Schriftsteller, und das scheint mir der jugoslawisch-serbische Tisma zu sein, nur wenige Male. Sind schon die anderen Bücher der "Reihe" wie "Treue und Verrat", "Die wir lieben" verstörend, eindringlich, eindrucksvoll, so gilt das für "Der Gebrauch des Menschen" noch mehr. Man kann dieses Buch offenbar nur langsam lesen, denn es ist sehr gehaltvoll und baut fast auf jeder Seite eine neue Szene auf. Es erscheint mir als ein Welttheater auf einer lokal relativ eng begrenzten Bühne. Es spielt während des zweiten Weltkrieges und einige Jahre danach im Raum Novi Sad und Belgrad. Der Ausflug der Hauptfigur Vera nach Frankfurt am Main ist der Besuch in einer noch fremderen Welt, als es schon die eigene Heimat nach 1945 und dem Schrecken der Kriegsjahre für die verfolgten Menschen war.

Menschen und Schicksale werden mit ungewöhnlicher Knappheit der Worte und doch großem Tiefgang geschildert.

Das Tagebuch einer deutschsprachigen Lehrerin (z.T. auf Französisch geschrieben) bildet den Auftakt und das Ende des Buches. Wie dieses Tagebuch die Hauptfiguren Vera, Tochter eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen deutschen Mutter, und Sredoje, den Serben, zusammenführt und dann unerbittlich trennt - das ist spannend, ja atemberaubend und entsetzlich traurig.

Tisma macht sich und seinen Lesern keine Illusionen über die Menschen. Aber er scheint sie doch verzweifelt zu lieben, sonst würde er nicht so großartig, präzise und gedankenvoll über so viel Niedriges schreiben.

Man liest dieses Buch oder andere Bücher von Tisma und hat das Gefühl, dass sie einen verändern, dass man ernste, tiefe Bilder in sich aufnimmt und dass man danach ernster, aber auch gelassener in die Welt schaut. Ein bedeutendes Geschenk.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefgehendes Werk, 17. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Gebrauch des Menschen: Roman (Taschenbuch)
Eine Handvoll Familien in Novi Sad werden vom zweiten Weltkrieg aus den Gefügen ihrer Welt geworfen und finden sich in der danach neu entstandenen nicht mehr zurecht. Während die einen in der Brutalität des Krieges ausgelöscht werden, müssen die anderen sich damit zurecht finden überlebt zu haben und nun keine Zukunft mehr zu sehen. Die Hauptfiguren, Vera, die Tochter eines jüdischen Kaufmannes und Sredoje, halbstarker Sohn eines nationalistischen Serben, finden über dem Tagebuch ihrer alten Lehrerin wieder zusammen. Beide sind gezeichnet von den Erfahrungen, Vera überlebte das Konzentrationslager, in dem sie als „Lagerhure" misshandelt wurde, nur mit Glück, während Sredoje sich irgendwie durch den Krieg wurstelt ohne in Kampfhandlungen verwickelt zu werden. Stattdessen versucht er diese für einen richtigen Mann bedeutende Langeweile mit einer Ansammlung von Geliebten und der Auslebung seiner privaten Machtallüren wieder Herr zu werden.
Die anderen Figuren gehen im Krieg unter, fallen im Kampf, sterben in den KZ's oder bleiben schwer verwundet in den Händen des Feindes. Doch scheinen sie, verglichen mit den Überlebenden, das bessere Los gezogen zu haben. Den Vera und Sredoje sind seelisch so verkrüppelt, dass sie kein normales Leben mehr führen können. Erst durch die naiven Kommentare zur Liebe, die sie in dem Tagebuch ihrer Lehrerin finden, wird ihnen bewusst, dass sie nicht mehr fähig sind Gefühle zu empfangen oder zu geben und ihnen das Leben fortan nur mehr Qual bereiten wird.
Was wie starker Tobak klingt, wird von Tišma in unnachahmlicher in einen Roman verpackt, der einen nicht mehr los lässt. Tišma vermeidet es gekonnt sich nicht auf philosophische, religiöse oder ethnische Fragen einzulassen, er kokketiert spielerisch mit dem Verbotenen und beschreibt grauenhaftes wie ein Abenteuer. Seine Figuren sind leicht gezeichnet und voller Sympathie und ihrer Schwere wird sich während des Lesens nur langsam bewusst. Allerdings verfällt er auch nicht darin, alles mit Naivität zu tarnen, sondern ist seinen Figuren sehr wohl schuldig, dass sie immer wissen was mit ihnen passiert. Eine seltene Symbiose zwischen Erzähler und Figur wird hier eingegangen, als spielte ein es gut meinender Vater mit seinen Söhnen, von welchen er weiß, dass er sie früher oder später ins Verderben schicken muss. Einmaliges Leseerlebnis!
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5.0 von 5 Sternen Düster und wortgewaltig: ein schmerzhaft gutes Buch, 26. April 2014
Von 
FG "fg" (Freiburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Gebrauch des Menschen: Roman (Taschenbuch)
In den 1930ern leben sie noch nebeneinander, die Serben, Deutschen, Juden und Ungarn von Novi Sad (im heutigen Serbien). Als der 2. Weltkrieg die Stadt erreicht, fällt sie 1941 in den deutschen Machtbereich, wird jedoch von ungarischen Truppen besetzt. Auch für die Jugendlichen Vera, Srodoje und Milinko werden die nun folgenden Jahre schicksalhaft sein. Was sie im Krieg durchleben und was der Krieg mit ihnen macht, ist das große Thema dieses Buches.

Tisma war natürlich eine schriftstellerische Größe - doch ich bin kein Literaturwissenschaftler und muss hier daher dessen ungeachtet meinen eigenen Zugang zum Buch darlegen.
Der beherrschende Ton in "Der Gebrauch des Menschen" ist einer der Düsternis. Durchaus nicht etwa ab Kriegsausbruch, in der Zeit von Angst und Massenmord. Auch vorher scheinen die Menschen von Novi Sad überwiegend Menschen in argen Nöten zu sein, z.B. das einsame deutsche "Fräulein" Anna, der ängstliche Kaufmann Kroner (Veras jüdischer Vater, ihre Mutter ist Deutsche), der sich an Gewalt gegen Frauen ergötzende Srodoje, dazu Gestalten wie gewalttätige Väter und verzweifelt-rebellische Kinder, um nur einige zu nennen. Unter Tismas Lupe werden sie alle überlebensgroß, genauer überlebensgroß in ihren Schwächen und ihrer Verzweiflung, gewiß auch unter den gesellschaftlichen Bedingungen ("Alle anderen kranken an dem Gift, nicht völlig erniedrigt zu sein: sie streben nach etwas" (S. 22, über die Ärmsten unter der Arbeiterschaft). Ich argwöhnte beinah, hier würde nach dem Grundsatz verfahren "Ernsthafte Literatur kann es nur sein, wenn alle verzweifelt sind." Aber damit lag ich falsch.

Sprachlich haben wir es - wie zu erwarten - mit einem Profi zu tun, der ungemein farbige, flüssige, präzise Sätze über sechs, sieben Zeilen hinknallt (Wie weit geht der alte Kaufmann Kroner bei seinen Besuchen bei Prostituierten? An die "Grenze des Möglichen": "Bis an die Grenze der Liebe, denn Kroner ist jedesmal bereit, die Liebe zu erfahren und sich auf Beständigkeit und Treue einzulassen, sofern er von der zufälligen Gefährtin ein Echo auf seine Sehnsüchte erfährt", S. 37). Allein der Sprache wegen lohnt es vollkommen, das Buch zu lesen.

Was folgt, ist der Krieg, und der Wahnsinn nimmt kein Ende. Interessanterweise ist es der moralisch am fragwürdigsten agierende unter den jungen Leuten, der einigermaßen davonkommt. Aber alle können sich gleichermaßen die Frage stellen: "Gibt es auf dieser Erde etwas Festes, das unabänderlich steht, an das man denken kann, ohne sogleich zu wissen: auch das ist vorbei?" (S. 187). Besonders das unsagbar harte Schicksal der Vera Kroner wird mit hoher Eindringlichkeit geschildert; plötzlich erscheint sie sogar für kurze Zeit als Ich-Erzählerin (übrigens etwas, was Tisma offenbar gerne macht: eben noch hängt die Geschichte an einer Figur, dann geht es in die Weitwinkel-Ansicht und verschiedene Todesarten unterschiedlicher Menschen werden nacheinander beschrieben - oder die Tagebucheintragungen des "Fräuleins", der örtlichen Deutschlehrerin, werden zitiert, kurzum, es passiert etwas, was das Muster durchbricht).
Tisma geht seinen Charakteren - das muss man ganz unpathetisch sagen - auf den Grund der Seele.

All dies macht "Der Gebrauch des Menschen" zu einem schmerzhaft guten Buch, das sich nur wärmstens empfehlen läßt.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verlangt dem Leser einiges ab..., 30. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Gebrauch des Menschen: Roman (Taschenbuch)
Trotz meiner guten Bewertung für "Der Gebrauch des Menschen" möchte ich gleich zu Anfang sagen, dass ich enorme Schwierigkeiten mit diesem Buch hatte. Sie haben sich auch im Laufe des Buches nicht gelöst, sondern sich vielmehr verschlimmert, und mein Lesevergnügen stark beeinträchtigt.
Die Handlung spielt im serbischen Novi Sad und umfassst schätzungsweise den Zeitraum von 1940 bis 1946. Der Alltag zweier befreundeter Familien, die eine deutschstämmig, die andere jüdisch wird mit großem Detailreichtum geschildert. Der Einmarsch der Wehrmacht auf dem Balkan legt den unterschwelligen Hass und die Atmosphäre bösartiger Gerüchte frei, die in der Stadt brodelt.
Diesen Satz, so hohl und abgegriffen er klingen mag, kann man als Leitmotiv über den Roman stellen: hier wird die Schattenseite jedes Menschen offengelegt.
Dabei macht es sich der Autor niemals einfach: hier geht es nicht um die bösen Deutschen und die feigen Kollaborateure, nicht um Verführer und Verführte, nicht um Gut und Böse. Die Menschen müssen nicht erst verführt werden um böses zu tun, sie tun es aus reiner Bereitschaft, obwohl sie vorher niemals daran gedacht haben.
Das Buch ist durch und durch deprimierend, gleichzeitig immer wieder erstaunlich mit welcher Präzision der Autor menschliches Leid beschreiben kann.
Mein Problem mit dem Buch ist nur sein Stil: Tisma beschreibt das Geschehen in einem gehetzten, atemlosen Strom, der kein Platz für wörtliche Rede lässt und auch vor Absätzen nicht halt macht. Das Lesen wird buchstäblich zu einer körperlichen Anstrengung, man muss sein Lesentempo so weit herunterschrauben, dass man gerade Wort für Wort verfolgen kann. Die geringste Ablenkung kann einen schon um mehrere Zeilen zurückwerfen.
Ich bereue nicht, "Den Gebrauch des Menschen" gelesen zu haben und werde bestimmt bald wieder auf den Autor zurückkommen, der Leser sollte sich nur auf eine psychische Extrembelastung vorbereiten, da sich einem bereits nach einem Kapitel der Kopf dreht.
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3.0 von 5 Sternen Kriegsschicksale aus dem jugoslawischen Novi Sad, 27. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Gebrauch des Menschen: Roman (Taschenbuch)
Mitte der 30er-Jahre des letzten Jahrhundert ist Novi Sad ein Schmelztiegel der Kulturen: Altösterreicher, Juden, Serben, Kroaten und Ungarn aller Schichten leben friedlich zusammen, ehe der Ausbruch des zweiten Weltkriegs und die deutsche Besatzung das Dasein seiner Bewohner radikal verändert. Tisma schildert in ausdruckstarken Szenen die Schicksale dieser Menschen.

Tismas Werk ist nicht leicht zu lesen. Sein Stil ist anstrengend, die Erzählperspektive (aber auch die literarische Qualität) der einzelnen Szenen wechselt und oftmals verwebt er Lebenslinien, noch ehe sich dem Leser die Zusammenhänge offenbaren. Hinzu kommt der nahezu gänzliche Verzicht auf Absätze.

Lässt man sich aber auf Tismas Werk ein, wird man mit einer vielschichtigen Schilderung bedrückender Lebensschicksale und einer treffsicheren Analsye einer nach der grausamen Zäsur eines Weltkriegs neuorientierten Gesellschaft, die die psychischen Langzeitfolgen des Erlebten nicht abzuschütteln vermag, belohnt. Zudem ist Tismas Roman zugleich ein Stück jugoslawische Geschichte.
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4.0 von 5 Sternen Seelische Wunden der Kriegsopfer, 8. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Gebrauch des Menschen: Roman (Taschenbuch)
Mittelpunkt des Buches ist die Stadt Novi Sad. Erzählt wird das Schicksal einiger Einwohner vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Ausgangspunkt und Endpunkt der Erzählung ist das Tagebuch einer Lehrerin. Theoretisch betrachtet hat das Buch also durchaus eine Struktur. Beim Lesen fällt sie jedoch auseinander, und die Personen scheinen keine Beziehung zueinander zu haben.
Vor allem zu Anfang kam mir oft der wenig freundliche Gedanke: Oh nein! Noch so ein Buch zum Nationalsozialismus... Doch bald musste ich mein Urteil revidieren, denn ich war sehr erschüttert durch das Schicksal der KZ-Hure Vera. Vor allem ging mir nahe, wie unmoeglich es ihr war, in der Nachkreigszeit in die Normalität zurückzufinden. Dabei fiel mir auf, dass es zahlreiche Bücher zum Nationalsozialismus gibt, aber kaum welche zu den Opfern und zu ihren unüberwindlichen seelischen Wunden.
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Der Gebrauch des Menschen: Roman
Der Gebrauch des Menschen: Roman von Aleksandar Tisma (Taschenbuch - 1. Dezember 1994)
Gebraucht & neu ab: EUR 7,36
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