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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grass und sein Butt - Wunderbar !! Einzigartig !!
Günter Grass hat mit diesem Wunderwerk bewiesen, dass es ein Leben nach Oskar Matzerath gibt: Die Geschichte des Butts, der zunächst Vertreter der "Männersache" ist und die Stellung des Mannes verbessern will, ist erzählerisch sogar ausgereifter als "Die Blechtrommel". Das Märchen vom Fischer und seiner Frau einmal anders herum, durchläuft...
Veröffentlicht am 23. April 2005 von dennisulbrich1

versus
3.0 von 5 Sternen So ist das mit den Meisterwerken
Dicke Schwarte. Verarbeitet den Ärger mit seinen Frauen und die Misere seiner Ehe. Küchenlatein der besonderen Art. Ein Butt, der von Anbeginn der Menschheit lebte und somit ein ewiges Leben hat, genau wie der Erzähler, der immer wieder von einer Köchin geboren und so die Geschichte der Menschheit und vor allem den Geschlechterkampf in jeder Phase,...
Vor 1 Monat von H. Schneider veröffentlicht


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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grass und sein Butt - Wunderbar !! Einzigartig !!, 23. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Butt: Roman (Taschenbuch)
Günter Grass hat mit diesem Wunderwerk bewiesen, dass es ein Leben nach Oskar Matzerath gibt: Die Geschichte des Butts, der zunächst Vertreter der "Männersache" ist und die Stellung des Mannes verbessern will, ist erzählerisch sogar ausgereifter als "Die Blechtrommel". Das Märchen vom Fischer und seiner Frau einmal anders herum, durchläuft der Protagonist alle Epochen der Weltgeschichte, immer begleitet von klugen Kommentaren des Butts.Schließlich konvertiert genau dieser Butt und tritt dem "Feminal" bei. Witzig und gleichzeitg meisterlich lässt Grass die "Ilsebill" immer wieder auferstehen und mit einer Mischung aus hoch intelligenter Sprache, Umgangssprache und "Fäkalsprache" ist es ein Hochgenuss, dieses Buch zu lesen. Wer eine Fortsetzung der Danziger Trilogie erwartet, wird enttäuscht sein. Ebenso der Leser, der sich Inhalt und Personenkonstellationen gerne einprägt: Während des Lesens muss das Buch genossen werden, denn hinterher ist vieles nicht mehr geläufig. Also nicht enttäuscht sein, wenn man sich die Fülle des genialen Inhalts nicht merken kann und wahrscheinlich auch gar nicht soll.
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3.0 von 5 Sternen So ist das mit den Meisterwerken, 1. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Butt. Roman. (Gebundene Ausgabe)
Dicke Schwarte. Verarbeitet den Ärger mit seinen Frauen und die Misere seiner Ehe. Küchenlatein der besonderen Art. Ein Butt, der von Anbeginn der Menschheit lebte und somit ein ewiges Leben hat, genau wie der Erzähler, der immer wieder von einer Köchin geboren und so die Geschichte der Menschheit und vor allem den Geschlechterkampf in jeder Phase, von der Steinzeit bis in die 70er Jahre, miterlebte.
Grass war bestimmt ein großartiger Schriftsteller, denn es ist nicht so einfach auf über 600 Seiten den Faden nicht zu verlieren, da er zwischen dem Jetzt und den früheren Jahrhunderten mit Leidenschaft herumturnte und sich dabei auch oft wiederholte.
Ich bin nicht intellektuell genug um dieses Buch wirklich zu mögen, trotzdem hat es mich bis zum Schluss nicht losgelassen – und – wirkt sogar nach – gruselig.

Die Werkstatt von Günter Grass und das kleine Museum in Lübeck haben mich sehr beeindruckt. Seine Bilder und Skulpturen finde ich großartig – zu seinen Büchern habe ich einfach noch nicht den richtigen Zugang.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geschlechterdystopie und Welthunger, 21. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Butt: Roman (Taschenbuch)
In »Der Butt« erzählt Günter Grass seine Version der Menschheitsgeschichte, angefangen in der Steinzeit bis in die wilden 1970er: Zu allen Zeiten sind es die Männer, welche um des uferlosen Fortschritts willen, Gewalt anwenden und Krieg führen. Dabei werden sie vom Butt, dem Sinnbild der Grassschen Definition des »männlichen Prinzips«, beraten. Die Frauen hingegen fristen, unterdrückt von ihren Männern, ein unscheinbares Dasein in deren Schatten. Dabei sind es im »Butt« die Frauen, die sinnvolles schaffen, sich sozial engagieren und als »Ernährerinnen« auftreten, ohne welche die Männer die Menschheit schon lange zu Grunde gerafft hätten.

Als der Butt realisiert, dass das Männerregime trotz seiner Hilfe immer weiter den Bach runtergeht, entsagt er den Männern. Er liefert sich den Frauen aus und bietet von nun an ihnen seine Dienste an. Dafür wird ihm aber zunächst vom Frauentribunal der Prozess gemacht, in dessen Verlauf über den Einfluss des Butt auf die Menschheitsgeschichte und über einen möglichen »faustischen Pakt« mit dem Ostseebewohner verhandelt wird.

Eine besondere Rolle lässt Grass in seinem »Butt« der Ernährung zukommen, welche er zum Leitmotiv erhebt. So stellt Grass auch durch die Beschreibung einer Indienreise im »Butt« viele Bezüge zum Welthunger unserer Zeit her.

Auch erzählerisch geht Grass in seinem »Butt« neue Wege: So lässt er seine beiden Hauptcharaktere, den männlichen Icherzähler und dessen weibliche Gefährtin Ilsebill, über die Jahrhunderte hinweg als Reinkarnationen der gleichen Charaktere auftreten.

Schade nur, dass Grass, bedingt durch die vielen Sprünge von Zeit, Personen und Handlungsort, nicht gelingt in diesem Werk eine vergleichbare Atmosphäre zu schaffen, wie er durch seine wahnwitzigen collagierten Bilder in seiner »Blechtrommel« erzeugt. Zu sehr steht dafür das Abstraktum der Prozesshaftigkeit der Menschheitsentwicklung im Mittelpunkt der Handlung, als dass sich Grass zu lange auf einzelne Bilder einlassen könnte. Auch viele der Grassschen Abschweifungen über das Essen sorgen für zum Teil unnötige Längen im »Butt«, die der Leser später nur noch überfliegt.

Mich hat an diesem Buch vor allem das Thema interessiert, nämlich wie Grass das Scheitern der Menschen herleitet und daraus eine mögliche Utopie entwickelt. Nach dem Ich den »Butt« dann gelesen hatte, beschlich mich das Gefühl, dass Grass dazu viele gute Ideen hatte, aber damit das Gesamtwerk regelrecht überlud. Bedingt empfehlenswert.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Wörtersturm durch die Jahrtausende der Emanzipation, 6. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Butt: Roman (Taschenbuch)
Allein für "Der Butt" (Erstausgabe 1977) hätte Günter Grass schon den Nobelpreis für Literatur verdient, den er dann zwei Jahrzehnte später zurecht erhalten hat. In "Der Butt" galoppiert Grass durch die Jahrtausende zivilisatorischer Entwicklungsgeschichte seiner kaschubischen (pommerschen) Heimat. In zwölf chronologisch angeordneten, aber im typischen Grass-Stil überlappend erzählten Spotlights führt Grass durch die Geschichte dieses Landstrichs, im wechselnder Zugriff der Pommerschen, Pruzzen, Goten, Dänen, Schweden, Bömer, Polen, Kaschuben, Ordensritter, Kaiserlichen, Preußen, Franzosen, Deutschen, Nazis, Russen und zuletzt polnischen Kommunisten. Im Vordergrund steht jeweils das wechselvolle Verhältnissen zwischen Männern und Frauen, den ewigen Ilsebills. Wurden die Männer erst durch die Jahrtausende überdauernde, beratende Tätigkeit des aus dem Grimmschen Märchen bekannten Butts aus weiblicher Vorherrschaft befreit, steht der Butt nun vor weiblichem Gericht und muss sich für die Folgen männlicher Herrschaft rechtfertigen.

Neben der so Grass-typischen sprachlichen Brillianz, präsentiert der Autor in "Der Butt" eine Kulturgeschichte Danzigs anhand einer Vielzahl realer Figuren sowie eine herrlich bizarre Sartire emanzipatorischer Gegenwartsauswüchse.

Sowohl die Emanzipationsgeschichte als auch die kulinarische Kulturgeschichte finden ihre Begegnungen in der Gegenwart. So verarbeitet Grass Reisen ins Polen der späten 70er Jahre (unter den Eindrücken von Volksaufständen, Streiks und Ausnahmezustand) sowie durch den von Hunger und Kindersterblichkeit gezeichneten indischen Subkontinent.

Der Leser braucht aufgrund der Vielschichtigkeit des Romans zunächst etwas Stehvermögen, um das Gewirr roter Fäden zu entwirren, wird dann aber mit einem einmaligen Lesegenuß belohnt. Der Roman entfaltet sich wie eine vieldimensionale Bleistiftzeichnung, derer Entstehung der Leser Strich für Strich beiwohnen darf. Dass sich Grass in "Der Butt" einige (unnötige) Ausritte in die Vulgärsprache leistet und sich damit den Ärger der Frauenbewegung zugezogen hat ("Altmänner-Literatur"), sei nur unter der Überschrift "Ironie des Lebens" angemerkt.

Ein großartiger Roman. Unter all den Büchern, die ich bisher von Grass gelesen habe, mein Favorit.
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9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Butt - ein episches Meisterwerk der modernen Sprache, 16. April 2003
Von 
G., Johannes (bei Stuttgart, BaWü) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Butt: Roman (Taschenbuch)
Ein wirklich sehr empfehlenswertes Buch, für das man allerdings auch bereits sein muss, sich Zeit zum Lesen zu nehmen und Liebe zum Detail zu entwickeln. Wer dieses Buch nur oberflächlich liest, wird wohl kaum in der Lage sein, die Gedanken, die Günter Grass in seiner ihm eigenen Art vermittelt, aufzugreifen, da Grass alle, mehr oder weniger historisch fundierten Charaktere, die die Hauptperson verkörpert und mit denen sie in Kontakt steht, sehr ausführlich darstellt. Die unsterblich-sterbliche Hauptperson, die immer wieder neue Leben leben zu können scheint, zieht, immer mit einer Ilsebill, die immer wieder neue Namen trägt, an der Seite, durch die Zeit. Dadurch erfährt der Leser sehr viel über die Eigenarten und Arten jeder einzelnen Epoche von der Steinzeit bis zur Moderne. Dabei beschreibt Grass auch, wie sich der Bezug zu Nahrung und Kochkultur dabei gewandelt hat, womit er unsere heutige Fastfoodgesellschaft wohl zum Nachdenken anregen will.
Die Sprache, die Grass verwendet ist sehr interessant und abwechslungsreich gestaltet, teilweise sogar im Buch selbstkritisch kommentiert.
Wer also bereit ist, historische und aktuelle Details und Entwicklungen aufzunehmen, sollte sich mit diesem Buch unbedingt befassen.
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26 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Senfblonder Dünnpfiff, 1. März 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Butt: Roman (Taschenbuch)
Der Inhalt des Buchs erscheint mir genauso vielfältig wie diffus. Es handelt von der kulinarischen Historie, ebenso wie von menschlichen Exkrementen und sonstigen Körperausscheidungen: "Doch noch scheißt er senfblond flüssig"; "schwarzer Dünnpfiff" (S. 230); "Warum nicht ein Gedicht über den Haufen Scheiße, wie Gott ihn fallen ließ und Kalkutta nannte"; "Mit Eiter schreiben"; "Schorf kratzen..." (S. 237).

Originell und komisch fand ich (lediglich) die Parodie der Stammheimer RAF-Prozesse: Auf dessen Beschwerden über die "Foltermethoden der modernen Klassenjustiz" wird der Butt - der über Jahrtausende die Sache der Männer betrieb und über den daher ein feministisches Tribunal gehalten wird - auf aberwitzige Weise verwöhnt: sowohl "frisches Nordseewasser" als auch "Ostseesand wurde[n] eingeflogen" und ein fischkundiges Institut für dessen Ernährung bemüht, um bloß dem Verdacht vorzubeugen, man halte ein "faschistische[s] Militärtribunal" ab (S. 217 f.).

Am stärksten haben mich jedoch Grass' sodomitische Phantasien und seine Ausführungen über die menschlichen Geschlechtsorgane beeindruckt:
Zunächst steigt die dreibrüstige Urmutter Aua "über den Regenbogen und fand den Himmelswolf", der "neben dem Urfeuer lag" und "ihre Tasche mit seinem Wolfsglied" prüft. Als er einschläft "ließ sie seinen Prüfer aus ihrer Tasche gleiten" und "nahm dann drei Stückchen glühende Holzkohle vom Urfeuer und versteckte sie in ihrer Tasche, wo sie sogleich den Wolfsamen auffraß, daß es zischte". Da ihre "Tasche" trocken wurde, wurde diese "von der glühenden Holzkohle gebrannt", so dass sie "'Aua! Aua!' schrie [...] und [...] sich urlautlich einen Namen" machte. So sei die "Jucknarbe" entstanden, die "später Klitoris oder der Kitzler genannt" wurde (S. 67 ff.).
Später heißt es, "Aua [...] läßt hundert Männer mit Steinäxten entmannen" um fortan "die dürren Penisse als Kette gereiht um ihr mächtiges Becken" zu hängen (S. 225).

Die menschlichen Geschlechtsorgane sind wohl seit Mörike nicht mehr so übel beleidigt worden und man kann verstehen, was Elke Heidenreich mit "ekelhafte Altmännerliteratur" meint. Ansonsten fällt mir zu so perversen Phantasien eigentlich nur noch ein Zitat von Günter Grass selber ein (das der gegen Oskar Lafontaine richtete): "Halt's Maul! Trink Deinen Rotwein".
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ilsebill salzte nach, 9. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Butt: Roman (Taschenbuch)
Dieser Dreiwortsatz, der mir hier als Überschrift dient, leitet den neben «Die Blechtrommel» wichtigsten Roman von Günter Grass ein. Der Satz wurde dreißig Jahre nach dem Erscheinen von «Der Butt» in einer Internetumfrage zum schönsten ersten Satz eines deutschsprachigen Romans gekürt. Kann er Lust machen auf die folgenden fast siebenhundert Seiten, wie es seine Aufgabe ist, und halten diese Seiten dann auch, was er vorab verspricht?

Das bekannte Märchen «Vom Fischer und seiner Frau» liefert das Gerüst für eine sexistische Variante der Geschichte, die den Kampf der Geschlechter von der Jungsteinzeit bis in die Neuzeit, bis zur Guillaume-Affäre, episodenhaft beschreibt. Grass übernimmt den Namen Ilsebill als zeitlose Verkörperung der Frau, deren Mann, seinerseits stellvertretend für das männliche Prinzip, den Butt fängt. Zum Dank für seine Freilassung steht der ihm nun als gleichermaßen fachkundiger wie streitbarer Berater für die Sache der Männer zur Seite. Als zeitliches Handlungsgerüst fungiert in der ersten Erzählebene die Schwangerschaft von Ilsebill, Grass benennt seine Kapitel dementsprechend mit «Erster Monat» bis «Neunter Monat». In den so gegliederten Epochen tritt in der zweiten Erzählebene der Ich-Erzähler in immer wieder neuen Rollen als Mann auf, dem jeweils eine andere Frau als Köchin zu Seite steht, das weibliche Prinzip verkörpernd. «Bevor gezeugt wurde gab es Hammelschulter zu Bohnen und Birnen» erfahren wir auf der ersten Seite, womit gleich noch ein weiteres Leitmotiv dieses ambitionierten Romans anklingt, die Geschichte des Kochens nämlich. Dabei steht hier die kaschubische Küche im Blickpunkt, deren ungewohnt deftigen Rezepte, das sei mir, ganz subjektiv, gestattet zu sagen, uns Heutigen eher abschreckend erscheinen dürften als appetitanregend. Vor einem spöttisch geschilderten, weiblichen Tribunal, eine bissige Parodie des RAF-Prozesses, muss sich der Butt als Spiritus Rector der männlichen Sache verantworten, auch dies ein ständig wiederkehrendes Leitmotiv.

Es dürfte klar sein, dass «Der Butt» mit einem derart komplexen Aufbau nicht gerade als leicht lesbar bezeichnet werden kann. Unendlich viele Zeitsprünge ebenso wie das völlig ausufernde Figurenensemble mit – ich habe sie nicht gezählt - gefühlt hunderten von Namen erfordern volle Konzentration vom Leser. Durch häufiges, auch mehrmaliges Rekapitulieren von wichtigen Geschehnissen hat Grass allerdings, zumindest für die Hauptfiguren, die Zuordnung ein wenig erleichtert. Schwierig aber bleibt seine, mit unglaublich vielen umgangssprachlichen, mundartlichen, zeit- und ortsbezogenen, oft derben Wörtern und originellen Wortbildungen gespickte Sprache, die selbst vor vulgärsten Ausdrücken nicht zurückschreckt, was Elke Heidenreich einst mit «ekelhafte Altmännerliteratur» quittiert hatte. Wie auch immer, die Fülle an Details ist jedenfalls erdrückend, oft wird ein dutzend Bezeichnungen allein für eine bestimmte Rübe benutzt, und ähnliches gilt für die vielen geografischen Namen im einstigen Pommern, die nur Wenigen heute noch geläufig sein dürften, um von den diversen, geschichtlich kleinräumigen Ereignissen ganz zu schweigen.

Das Buch ist, in einer extrem dichten Sprache, aus unverkennbar männlicher Sicht geschrieben, auch wenn Günter Grass sich vordergründig ganz demonstrativ auf die Seite der Frau schlägt in seiner historischen Darstellung. Die heftige Kritik in Alice Schwarzers damals gerade neu gegründeter Zeitschrift «Emma» aber ist nachvollziehbar, er entlarvt sich des Öfteren selbst. Unverkennbar jedoch ist auch seine köstliche Ironie, die sich in vielen verblüffend lakonischen, ja beißend sarkastischen Wendungen zeigt, die den oft üppig ausschweifenden Roman wohltuend zu beleben vermögen. Weder Matriarchat noch Patriarchat scheinen die ideale Gesellschaftsform zu sein, so das wahrlich nicht überraschende Fazit dieser lesenswerten Emanzipations-Satire.
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fischgeflüster, 5. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Butt: Roman (Taschenbuch)
Wie waren die Siebziger Jahre, wird man vielleicht irgendwann gefragt werden, und man kann beruhigt antworten: Lies den Butt. Was war das damals für ein Hype um dessen Erscheinen. Man kannte das Wort Hype in dem Zusammenhang noch gar nicht. Er traf einen Nerv. Die Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau spiegelte Grass am Märchen vom Fischer und seiner Frau, begnügte sich nicht mit einer Wohngemeinschaftsgeschichte, sondern schlug gleich den Bogen über mehrere Jahrhunderte. Wie liest man ihn heute? Wie eine lieb gewonnene Geschichte aus einer Zeit, wie sie einmal war. Und daß es da einen Autor gab, der sich den Fragen damals stellte. Viele moderne Klassiker entführen uns in eine gelebte Zeit, aus der wir unsere Wurzeln ziehen. Der Butt auch.
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7 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf den Wellen der Sprache gleiten, 21. August 2002
Rezension bezieht sich auf: Der Butt: Roman (Taschenbuch)
Vor Urzeiten hab ich mir das Buch eigentlich schenken lassen, weil es in war, Grass im Regal stehen zu haben. Nach einer Weile habe ich mich dann auch ans Lesen rangetraut und siehe da, nach wenigen Seiten hat mich das Buch mit seiner Dichte und Vielfalt an Erzählebenen gefesselt.
Mein Tip: reinfallen lassen und auf den Wellen der Sprache dahingleiten. Distanziertes Lesen geht nicht.
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Der Butt: Roman
Der Butt: Roman von Günter Grass (Taschenbuch - 1. September 1993)
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