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Kundenrezensionen

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am 18. Juli 1999
Möge das Komitee zur Verfolgung literarisch Ungebildeter mich teeren und federn, aber mit Erich Kästner habe ich bis zur Lektüre dieses Buches eigentlich nur Kinderbücher (oder vielleicht auch vermeintliche Kinderbücher) wie "Das fliegende Klassenzimmer" und "Pünktchen und Anton" oder "Das doppelte Lottchen" verbunden. Als ich dann aber dieses Buch zu meinem Geburtstag geschenkt bekam (der zufälligerweise, wie Kästners auch, der 23. Februar ist) wurde das Präsent mit den Worten begleitet: "Lies das mal, der Kästner hat auch sehr ernsthafte Sachen für Erwachsene geschrieben".
Was soll ich sagen (bzw. schreiben), ich war überrascht. Fabian ist ein zynisch-distanzierter junger Akademiker, der in den Wirren der späten Weimarer Republik mit fast hemmungslosem Sittenverfall konfrontiert wird, seinen Job verliert und die hohe Arbeitslosigkeit am eigenen Leib erfährt. Fabian lernt in einer etwas bizarren, leicht (ich betone leicht) kafkaesk anmutenden Szene, eine Frau in seinem Alter kennen - die zufälligerweise ihm direkt gegenüber wohnt. Gerade dieser Handlungsstrang ist voll von Witz und surrealen Momenten - letztere tauchen aber auch immer wieder in anderen Szenen auf. So etwa in einem Kapitel, das in der Originalausgabe zensiert worden war. Fabian hat zu diesem Zeitpunkt noch eine Anstellung. An einem Arbeitstag taucht der Direktor der Firma bei Fabian und seinem Kollegen auf, und fängt nach einigen Sätzen an, sich auszuziehen; er zeigt seinen Mitarbeitern seine Bauchnarben. Surreal wird diese Darstellung durch die völlige Normalität mit der die drei Charaktere dieses Verhalten betrachten und darauf eingehen.
Kästner sagt selbst im Vorfeld, daß er mit dieser Satire die "große Arbeitslosigkeit, die der wirtschaftlichen folgende seelische Depression, die Sucht sich zu betäuben, die Aktivität bedenkenloser Parteien", kurz die "Sturmzeichen der nahenden Krise" darstellen wollte. Das gelingt ihm in hervorragender und sehr lesenswerter Weise- es ist zudem interessant (und trotz der eigentlich ernsten Materie eben auch witzig) in diese späte Phase der Weimarer Republik in seiner kulturellen und gesellschaftlichen Vielschichtigkeit einzutauchen... (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 11. April 2004
Erich Kästners Buch „Fabian" von 1931 trägt den Untertitel „Die Geschichte eines Moralisten". Der Moralismus, den Kästner hier entwirft, unterscheidet sich so gänzlich von dem, was auch heute noch vielfach darunter verstanden wird.
Wesentlicher Bestandteil des konservativen Moralismus war stets die Restriktion der menschlichen Sexualität. Davon kann bei Kästners Buch freilich keine Rede sein. Kästner selbst äußert sich im Anhang wie folgt: „Durch Erfahrungen am eignen Leibe und durch sonstige Beobachtungen unterrichtet, sah er (der Autor) ein, dass die Erotik in seinem Buch beträchtlichen Raum beanspruchen musste ... ihm lag außerordentlich daran, die Proportionen des Lebens zu wahren, das er darstellte. Sein Respekt vor dieser Aufgabe war möglicherweise ausgeprägter als sein Zartgefühl." Kästner wendet sich ausdrücklich gegen „Sittenrichter" jeglicher Façon. Und im Verlauf des Buches sind die für den tragischen Helden tröstlichen Momente insbesondere die, in denen er erotische Erfüllung erleben darf.
Moral ist nach Meyers Taschenlexikon definiert als „Gesamtheit von verbindlichen sittlichen und ethischen Normen, die das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft regulieren; Bereitschaft, sich einzusetzen". Diese Bereitschaft zeichnet den Titelhelden aus: Er setzt sich ein für Schwächere, für Toleranz und Menschlichkeit, gegen Falschheit, gegen ideologische Erstarrungen und somit letztlich auch und gerade gegen die Moralapostel seiner Zeit.
Die Zersetzung eines Moralbegriffs, der zum ideologischen Grundgerüst der rückschrittlichen Kräfte gehörte, konnte nicht ohne Widerspruch bleiben. „Fabian" musste den Moralaposteln als Ketzerei erscheinen. Dies war sicherlich ein Grund dafür, dass „Fabian" den Bücherverbrennungen der Nazis zum Opfer fiel.
„Fabian" ist das eindrucksvolle Zeugnis einer Welt, die Ihrem Untergang entgegentaumelt. Das Buch ist durchtränkt von Pessimismus, der sich bewahrheiten sollte. Es war gedacht als Warnung.. Der eigentlich von Kästner vorgesehene Untertitel „Der Gang vor die Hunde" war seinerzeit vom Erstverleger nicht zugelassen worden.
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am 24. Juni 2003
Manche würden Fabian, die Hauptperson in Erich Kästners "Fabian. Die Geschichte eines Moralisten" als aussichtslosen Fall bezeichnen, als einen vom Pech verfolgten. Zunächst verliert er seine Arbeit, dann seine Freundin Cornelia, seinen Freund Labude und zum Ende auch noch sich selbst.
Fabian ist Moralist. Er hofft sein ganzes Leben lang auf das Gute im Menschen und wird stetig mehr und mehr dafür bestraft. Geld ist nicht das Gut, das er erreichen möchte, "Anständigkeit der Menschheit" ist das Zauberwort. Er stellt sich nicht in den Mittelpunkt, immer wieder hilft er dritten Personen aus missligen Lagen, obwohl es ihm selbst zunehmend schlecht ergeht.
Ergreifend bis zum letzten Satz mit einem tragischen Ende, was den Fatalismus des Werkes nur noch mehr herauskristalisiert. Die Menschheit bewegt sich auf einen Abgrund zu, doch statt etwas gegen diesen Zustand zu tun, fühlen wir uns pudelwohl in der schwarzdurchtränkten Höhle, die ganze Völker erfasst...
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Kästner hat 1931 ein Buch mit 24 kritischen und teilweise satirischen Texten geschrieben. Aufgemacht ist jedes Kapitel mit drei Überschriften, die den Leser ein wenig an Zeitungsüberschriften erinnern. Der junge Fabian schildert seine sehr abenteuerlichen Erlebnisse in der Stadt Berlin und mit den Menschen etwa um das Jahre 1930.
Die Erstausgabe des Buches hatte den Titel: "Der Gang vor die Hunde!" Es ist die Geschichte eines Moralisten und Kästner legt den Finger in die Wunden. Er zeigt die teilweisen grotesken Auswüchse der Verhaltensweisen der Menschen, die damals von Massenarbeitslosigkeit geplagt und in sehr unsicheren Zeiten lebten. Nach fast 80 Jahren ist man heute schon erstaunt über so "aktuelle" Gedanken, die ich etwas verkürzt wiedergebe:
"Die Kaufkraft der Massen hat die galoppierende Schwindsucht. In Amerika verbrennt man Getreide und Kaffee, weil sie sonst zu billig würden. In Frankreich jammern die Weinbauern, daß die Ernte zu gut gerät. Stellen Sie sich das vor! Die Menschen sind verzweifelt, weil der Boden zu viel trägt! Zu viel Getreide, und andere haben nichts zu essen. Wenn in so eine Welt kein Blitz fährt, dann können sich die historischen Witterungsverhältnisse begraben lassen."
...."Abwarten und Tee trinken, denkt man, und so schreitet die öffentliche Gehirnerweichung fort, daß es eine Freude ist."
.... "Wir gehen an der seelischen Bequemlichkeit aller Beteiligten zugrunde. Wir wollen, daß es sich ändert, aber wir wollen nicht, daß wir uns ändern."
.... "Der Blutkreislauf ist vergiftet. Und wir begnügen uns damit, auf jede Stelle der Erdoberfläche, auf der sich die Entzündungen zeigen, ein Pflaster zu kleben. Kann man eine Blutvergiftung so heilen? Man kann es nicht. Der Patient geht eines Tages, über und über mit Pflastern bepflastert kaputt."

So und natürlich auch wieder völlig anders, aber auch überspitzt, sind die gelungenen Fingerzeige Kästners in dem Buch.

Fazit: Lassen Sie ruhig mal die Vergangenheit um die Ecke biegen...
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am 13. Juli 2013
Fabian, ein arbeitsloser Germanist, erzählt provokant von seinem Leben in der Großstadt, von der Arbeitslosigkeit, den Frauen und der trügerischen Fassade der Gesellschaft.
Er ist ein Sympathieträger, der ein zeitgenössisches Bild vom Denken, Handeln und Fühlen vermittelt.
Fabian ist ein Moralist nicht im ethischen Sinne, sondern ein Schilderer der Sitten.

Der Roman spiegelt die Problematiken der 30er Jahre wieder.
Es werden unter anderem die Folgen der Weltwirtschaftskrise angesprochen, das neue Frauenbild der damaligen Zeit, sowie die politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Umbrüche.
Der Roman ist in dem typischen Stil des Erich Kästner geschrieben. Die Erzähltechnik entspricht einer Satire.
Es sind allgemein kurze Sätze, eine neutrale Erzählweise, umgangssprachliche Beschreibungen und szenische Gestaltungen zu finden.

„Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“ ist eines der besten Bücher die ich gelesen habe.
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am 25. September 2007
Mit großem Wortwitz und ausgezeichneter Situationskomik zeigt Kästner auf, woran die Gesellschaft krankte und die Weimarer Republik scheiterte. In seiner Überzogenheit und Absurdität reflektiert "Fabian" den Zustand eines Landes, bei dem der Bogen längst weit überspannt war und der Untergang beinahe unausweichlich näher rückte. Für den modernen Leser ist es sowohl faszinierend, als auch erschreckend, wie viel Recht Kästner mit den in diesem Buch beschriebenen Ängsten und düsteren Vorahnungen behalten sollte.
Trotz oder gerade wegen der durch und durch unmoralischen Situationen, die das Buch wie selbstverständlich füllen, ist man als Leser gern gewillt, Fabian und seinem Freund Labude tatsächlich moralische Absichten zu unterstellen und sie als Moralisten zu akzeptieren. Dabei begeht Kästner nicht den Fehler, die Schraube zu überdrehen und in unrealistischen Idealismus abzudriften. Schließlich geht es in diesem Buch ja nicht nur um die Moral als Hoffnungsträger, sondern auch um die Wackligkeit dessen Postens.
Aber nicht nur aus historischen Gründen ist "Fabian" ein auch für den heutigen Leser sehr aufschlussreiches Buch. Es ist schon beinahe erschreckend, dass die satirischen Elemente von damals heutzutage fast als normal betrachtet werden könnten. Was in "Fabian" den Untergang einer Gesellschaft andeutet, läuft nun 24 Stunden lang unter dem Label "reality" im Fernsehen.
Insofern ist "Fabian" ein absolut lesenswertes Buch. Es überzeugt nicht nur durch seine Aussagekraft, sondern auch durch seinen brillianten Erzählstil und eine tragische Komik, die den Leser äußerlich zum Lachen und innerlich zum Weinen zu bringen vermag.
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TOP 1000 REZENSENTam 11. Januar 2007
Mein Sohn las "Fabian" in der Kollegstufe und war absolut begeistert. Mir selbst war Kästner nur durch seine wunderbaren Kinderbücher bekannt, die ich immer noch aus meiner Kindheit aufbewahre.

"Fabian" ist ein Meisterwerk, und, wie die anderen Rezensenten anführen, jetzt noch genauso aktuelle wie vor 70 Jahren: 5 Mio Arbeitslose, ein Werteverfall, keine Zukunftsperspektiven, hungernde Familien, Gleichgültigkeit den Mitmenschen und der Politik gegenüber, Jasager und Mitläufer, eine Tombola mit Nahrungsmitteln als Hauptpreis.... Kommt einem das irgendwie bekannt vor?

Das Buch ist zynisch geschrieben, das Lachen bleibt einem oft im Halso stecken, das Ende ist abrupt und überrascht, paßt jedoch im Kontext des Buches...

Einfach nur genial und empfehlenswert !
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am 10. Juni 2015
Man kann sagen, dass ich dieses Buch zwangsweise bestellen musste, da meine Deutschnote wohl ins Unermessliche gesunken wäre.

Wirklich begeistert hat mich lesen eigentlich nie. Und um es vorneweg zu nehmen, das ist auch so geblieben.
Aber ich muss dem Buch wirklich einige Stärken lassen. Es ist auch für "Nichtleser" absolut gut zu lesen, alles ist einfach zu verstehen und: !
Der Bezug zur heutigen Zeit ist genial. Man erkennt in diesem Buch meiner Meinung nach viele Bekannte wieder und stellt Parallelen zum eigenen Leben auf.

Lohnende Investition? Ich würde zu Ja tendieren, kein Fehlgriff für Gelegenheitsleser oder Leseratten.

Und für alle Schüler, die mit diesem Buch "geplagt" werden : Haltet die Ohren steif, so schlimm ist es gar nicht.
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am 19. September 2014
und man denkt bei Schulbüchern "nicht schon wieder so ein langweiliges Buch"... Hier nicht! Die Geschichte des Fabian ist wirklich interessant, vielleicht auch weil ich mich teilweise mit ihm vergleichen konnte. Erich Kästner nimmt in diesem Buch kein Blatt vor dem Mund und verpackt die Geschichte so gut, dass man immer wieder etwas neues entdeckt. Er schafft es hier Inhalt und Form so gut zusammen zu bringen, dass man beim erneuten Lesen noch überraschter ist, als beim ersten.
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am 18. November 1999
Passend zum Kästner Jahr Dieser Roman Erich Kästners ist eine der besten Geschichten des damals noch jungen Autors, der hier einige seiner eigenen Erfahrungen wiedergibt. Wie er selbst kommt auch der Held des Romans aus Sachsen und es zieht ihn in den Moloch Berlin. Hier kommt der sarkastische und satirische Kästner sehr häufig zum Vorschein. Er zeichnet ein sehr plastisches Bild des Berlins Anfang der 30er Jahre mit seinen Problemen und Ausschweifungen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der aus dem Titel hervorgehende Jakob Fabian. Er hat ein Germanistikstudium hinter sich, arbeitet aber aufgrund der angespannten Arbeitsmarktlage in einer Werbetextagentur aus der er aber nach kurzer Zeit rausfliegt. Arbeitslos und ziellos ohne zu wissen wo er hin will, treibt er durch das chaotische Berlin und lernt dieses mit seinen unterschiedlichen Figuren kennen. Ein besonderer Charakter ist sein Freund Labude. Der eigentlich hochbegabte Student, der sich vor seinen eigenen Wissen fürchtet. Er kommt aus gutbürgerlichen Hause, welches Kästner in seiner ganzen Abartigkeit und Verlogenheit darstellt und bei dem Kästner seiner Abneigung gegen das Großbürgertum einbringt. Auch der sinnlose Freitod Labudes, der eigentlich nur durch einen Scherz, wenn auch einen sehr groben, ausgelöst wurde, zeigt die ganze Dekadenz und Sinnlosigkeit des Lebens am Ende der Weimarer Republik. Dieser Roman ist allen Kästner Fans wärmsten ans Herz gelegt. Aber auch vielen die ihn noch nicht so intensiv kennen- oder schätzengelernt haben, ist dieser Roman wärmstens zu empfehlen. Weil hier die Spritzigkeit und jugendliche Fabulierfreude voll zur Geltung kommen, die ich in manchen seiner Spätwerke doch oft vermißt habe. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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