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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein stadtroman, der viel natur in sich birgt, 3. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Dämonen: Nach der Chronik des Sektionsrates Geyrenhoff Roman (Taschenbuch)
das epizentrum des umfangreichen romans ist der brand des justizpalastes in wien im jahre 1927, auf dieses ereignis zusteuernd, aus den unterschiedlichsten perspektiven, die mittels sehr stark kontrastierender sozialer ebenen geschildert werden. die struktur des buches orientiert sich an einer imaginären chronik, die ein ehemaliger sektionsrat (geyrenhoff) nach seiner pensionierung anlegt, um ereignisse in seiner umgebung festzuhalten. unterstützt wird er dabei von einigen der anderen protagonisten des romans. es gelingt doderer auf erstaunliche art und weise, die unterschiedlichen autoren mit wenigen worten und anmerkungen kenntlich zu machen. im großen und ganzen ist aber der roman kein politischer roman, und auch die bezeichnung "stadt-roman" trifft den kern des buches nicht - da sich in diesem epischen werke vielleicht die ergreifendsten naturschilderungen deutscher sprache finden, die jemals zu papier gebracht worden sind. wesentlich an dem buch ist jedenfalls die tiefe menschliche kraft, die die protagonisten in einem unweigerlichen sog aufeinander zu - oder auch voneinander weg - bewegt. die kraft des lebens selbst ist zu spüren.
ein lebensroman, eine wahre krone im werke doderers.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wien in den Zwanzigern, unvergleichlich erzählt, 2. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Dämonen: Nach der Chronik des Sektionsrates Geyrenhoff Roman (Taschenbuch)
Dieses riesige Werk hat mehrere Handlungsstränge. Zum einen geht es um eine locker zusammengewürfelte Gruppe, „die Unsrigen“ oder „die Düsseldorfer“, der vornehmlich jüngere Männer aller möglichen Professionen angehören, darunter auch eine junge Dame, Charlotte von Schlaggenburg, genannt „Quapp“, die eine der Hauptpersonen dieses Romans ist. Nach und nach stellt sich heraus, daß sie von der Familie Schlaggenburg adoptiert wurde und einem Seitensprung eines reichen Gutsbesitzers mit einer Adeligen entstammt. Der angenehme Nebeneffekt besteht in einer Millionenerbschaft, die ihr aufgrund ihrer Herkunft zusteht. Ein zweiter Handlungsstrang rankt sich um den Historiker Rene von Stangeler, der in einer Kärntner Burg eine originale Handschrift aus dem 16. Jahrhundert entdeckt, aus der sich eine andere Sichtweise der damals herrschenden Hexenprozesse ergibt. Die Fachwelt in Gestalt eines aus Budapest stammenden amerikanischen Harvard-Professors wird auf ihn aufmerksam und eine große Zukunft scheint im offenzustehen.
Zum dritten geht es um Leonhart Kakabsa, einem aus Böhmen stammenden Arbeiter, der – von unermeßlichem Bildungshunger erfüllt – beginnt, Latein zu lernen, dadurch bald in „höhere“ Kreise gelangt und letztendlich von einem Prinzen eine Stellung als Bibliothekar angeboten bekommt.
Doderer entwickelt ein unglaublich breitgefächertes Szenario: Dutzende von Figuren, die alle in irgendeinem – gar nicht an den Haaren herbeigezogenen – Zusammenhang stehen, tummeln sich in diesem Roman, dessen Umfang in der Taschenbuchausgabe (dtv) 1345 Seiten umfaßt. Adelige, Akademiker, Verbrecher, Beamte, Prostituierte, Journalisten, Arbeiter, Handwerksmeister, Kellner, Kaffeehauspatroninnen, Säufer, höhere Töchter: ein Bild Wiens in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre entsteht in einem Facettenreichtum, der den Leser manchmal überfordert; aber Doderer scheint nicht vergessen zu haben, daß er für Leser schreibt: wenn eine bestimmte Person nach 300 Seiten wieder auftaucht, gibt er kurze und keinesfalls aufdringliche Hinweise, die den Leser wieder mit dieser vertraut macht.
Der Autor versteht es – wie in der Strudelhofstiege – meisterhaft, die Figuren in immer neuen Konstellationen miteinander in Kontakt treten zu lassen, sie treffen sich zufälligerweise oder auch absichtlich, wo der Leser es nicht erwartet, verschiedene Ereignisse werden aus der Warte verschiedener Personen geschildert. Und: er erzählt von Wien, von Gassen und Straßen, von Kaffeehäusern, Beiseln, Spelunken, Hotels, Mietwohnungen, von Geschäften und Märkten, er beschreibt Stimmungen bei Regen, Nacht und Sonnenschein. Neben dem 1. Bezirk spielen sich die Geschehnisse vor allem im 20. Bezirk (Brigittenau), dem 9. (Alsergrund) und dem 19. Bezirk (Döbling) ab. Die Beschreibungen von Leonhards Wegen vom Althanplatz (heute Julius Tandler Platz) über Alserbachstraße, Friedensbrücke (wird im Roman immer wieder Beziehungsbrücke genannt) und Wallenstreinstraße in den 20. Bezirk hinein, sind großartig.
Doderer stellt seinen Roman vor einen konkreten historischen Hintergrund: den Brand des Justizpalastes am 15. Juli 1927. Im Jänner 1927 wurden im burgenländischen Schattendorf ein Kriegsinvalide und ein zehnjähriger Bub, die in einem Zug von Sozialdemokraten marschierten, von Leuten einer Frontkämpfervereinigung erschossen, die nach einem Geschworenengerichtsprozess am 14. Juli 1927 freigesprochen wurden. Die Sozialdemokratische Parteiführung war in einem Dilemma: sie, die energisch für Laiengerichtsbarkeit gekämpft hatte, konnte diese nach einem ihr nicht genehmen Urteil nicht verurteilen. Andererseits war auch klar, daß die „Basis“ diesen „Freispruch für Arbeitermörder“ nicht akzeptieren würde. Leider verabsäumte sie, für den nächsten Morgen den Schutzbund zu mobilisieren, worauf Generalstreik und Demonstrationen mit den bekannten Folgen außer Kontrolle gerieten...
Im Roman befinden sich viele Figuren an diesem Tag irgendwo in Wien und an einem Schnittpunkt ihres Lebens. Der eine verlobt sich, der andere findet seinen besten Freund erschossen auf der Straße, der nächste hat Aussicht auf eine wissenschaftliche Karriere.
Ein großartiges Szenario, das sich dem Leser bietet, dem aber aufgrund des Umfangs auch einige Ausdauer abverlangt wird. Aus meiner Sicht hat sich das aber gelohnt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Großstadtroman ?, 6. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Dämonen: Nach der Chronik des Sektionsrates Geyrenhoff Roman (Taschenbuch)
als Großstadtroman wie im Klappentext würde ich dieses Buch nicht bezeichnen. Spielt zwar ein Großteil in Wien, findet sich die Handlung doch auch oft in den grünen Randbezirken der Stadt,
im Burgenland, in der Burg Neudegg usw..
Erzählt wird in zahlreichen verschiedenen Handlungssträngen, welche alle miteinander verbunden sind
und auf den Brand des Wiener Justizpalastes im Juli 1927 hinauslaufen, die Wiener Gesellschaft hauptsächlich im Intellektuellenmilieu, aber auch in den Arbeiterschichten und dem Kleinganoventum.
Auch ein Bezug zur k. und k. Monarchie, dem ersten Weltkrieg und dessen Folgen wird hergestellt.
Ein zentrales Thema ist ein Familiengeheimnis in Bezug auf Charlotte von Schlaggenberg, genannt Quapp, und eine damit verbundene riesige Erbschaft.
Ein anderer Höhepunkt ist ein ganzes Kapitel in mittelalterlicher Sprache, in dem auf die Hexenverfolgung eingegangen wird.
Der Roman ist aufgrund seiner Länge und der vielen unterschiedlichen Personen nicht einfach zu lesen. Man sollte auch nicht allzu lange dafür brauchen um den Faden nicht zu verlieren.
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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein faszinierendes Bild der Wiener Gesellschaft, 13. August 1999
Von Ein Kunde
Wenn auch die Titelgleichheit Absicht ist, so darf dieser Roman nicht mit dem gleichnamigen Werk Dostojewskijs verwechselt werden. Doderer schuf einen einmaligen Großstadtroman. Er entwirft ein breit angelegtes, bis in kleinste Einzelheiten faszinierendes Bild der Wiener Gesellschaft, des alten Adels, der Großbürger, der Intellektuellen und Künstler, der Arbeiterscharen, bis hin zur Halb- und Unterwelt vor dem Hintergrund der für österreichische Hauptstadt so turbulenten Monate zwischen Herbst 1926 und Sommer 1927. Die Schicksale der Hauptakteure, die kritisch-distanziert von einem Chronisten und Augenzeugen geschildert werden, sind auf kunstvolle Art miteinander verwoben. Sie drängen zu auf das bedeutendste zeitgeschichtliche Ereignis der damaligen Monate, den Brand des Wiener Justizpalastes als Folge der großen Arbeiterunruhen nach einem die Massen bewegenden und kontrovers diskutierten Urteil in einem politischen Mordprozeß. Doderer begreift diese Ereignisse als das "Cannae der österreichischen Freiheit". Es gelingt ihm, am konkreten Fall die ideologischen Gegensätze zwischen dem linksstehenden republikanischen Schutzbund und den rechtsgerichteten Frontkämpfern bis hin zu dem sich abzeichnenden faschistischen Gedankengut deutlich werden zu lassen. Leider ist das Buch stellenweise etwas langatmig, deshalb nur 4 Sterne. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch zum Darin-Wohnen, 15. April 2010
Von 
Strasser-Koehler, Ute (Frankfurt am Main) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Dämonen: Nach der Chronik des Sektionsrates Geyrenhoff Roman (Taschenbuch)
Ein Gesellschaftsroman zum Darin-Wohnen und Immer-Wieder-Lesen - zum Vorlesen und anschließendem gemeinschaftlichen Durchkauen - ein perfektes Lese-Ereignis für Fortgeschrittene !
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Die Dämonen: Nach der Chronik des Sektionsrates Geyrenhoff Roman
Die Dämonen: Nach der Chronik des Sektionsrates Geyrenhoff Roman von Heimito von Doderer (Taschenbuch - 1. Oktober 1985)
EUR 26,90
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