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5.0 von 5 Sternen Was im Leben wirklich wichtig ist oder "so lang ich atme, hoffe ich" (Cicero)
"Wie, hat dich Narren wollen bedünken
Das Erdengut und dies dein Leben
Wäre dir alles zu Eigen gegeben?"

"Und Jedermann richten nach seinem Teil", nach meinem Vorbild, spricht Gott der Herr zum Tod, "Er muss eine Pilgerschaft antreten / Mit dieser Stund und heutigem Tag / Der er sich nicht entziehen mag."

Eine Pilgerschaft, dass...
Veröffentlicht am 28. März 2009 von kpoac

versus
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Angst als Beweggrund zur Liebe?
Dies Buch aus der "Bibliothek der Erstausgaben" des dtv bietet den originalen Text der 1911 erschienenen Ausgabe des Theaterstückes "Jedermann". Der Stoff geht auf ein englisches Morality Play (Sittlichkeitsschauspiel) namens "Everyman" (= Jedermann) eines unbekannten Autoren zurück, das um 1490 gedruckt wurde. Zudem verwendete Hofmannsthal die Adaption des...
Vor 13 Monaten von Basileus Bibliophilos veröffentlicht


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5.0 von 5 Sternen Was im Leben wirklich wichtig ist oder "so lang ich atme, hoffe ich" (Cicero), 28. März 2009
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Jedermann: Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes: The Play of the Rich Man Dying (Taschenbuch)
"Wie, hat dich Narren wollen bedünken
Das Erdengut und dies dein Leben
Wäre dir alles zu Eigen gegeben?"

"Und Jedermann richten nach seinem Teil", nach meinem Vorbild, spricht Gott der Herr zum Tod, "Er muss eine Pilgerschaft antreten / Mit dieser Stund und heutigem Tag / Der er sich nicht entziehen mag."

Eine Pilgerschaft, dass heißt nicht mehr, als auf eine Reise gehen, um sich selbst näher zu kommen. "Verändert kommst Du zurück" verheißt ein Gedicht in einem spanischen Kloster und so gilt das Pilgern der Welt, dem Säkularen und der erlebten Beziehung zwischen Menschen. Menschen, die einst Nachbarn waren und nun in der Ungleichzeitigkeit des Lebens und dessen monetären Reichtums von einander ablassen. "Ich tät mich schämen" sagt der eine und von Jedermann ist nur zu hören: "Mensch, da bist du in der Irr, / Wenn du meinst, ich könnt ohnweilen / Den Beutel Geld da mit dir teilen." Und nichts mehr als christliche Nächstenliebe wird seitens des Armen dem Jedermann als Wunsch vorgehalten, nochmals mit der Aufforderung, sein Geld zu teilen. So bleibt nur noch den Wert einer Schenkung zu rechnen, die mit der Menge auf Alle verteilt, einen Schilling für den einzelnen und seine Seele bringt, also nichts, was dem Wert eines Menschen entspricht, und doch "Ist [es d]ein gebührend richtig Teil."

Mit dem Zusammenspiel von Gott dem Herrn, dem Teufel und dem Tod gelingt es Hofmannsthal (1874-1929) die Sphären des Jenseits und des Metaphysischen zu verbinden mit dem Diesseits des Jedermanns, der als Metapher des Menschen an sich und seinen säkularen Interessen am Mammon seine Rolle findet. Religion im weitesten Sinne trifft auf das Leben, welches in seiner Ganzheit dem Tod entgegensteht und ihn dennoch integrieren muss. Jedermann ist sündhaft, am Golde hängend und doch führt Hofmannsthal den Leser zur Idee einer christlichen Übung der Reue. Deutlich soll werden, dass bei aller Zwiespältigkeit und vor allem unchristlichen Lebenswandel der Mensch nicht verloren ist. "Jedermanns Ladung vor Gottes Richterstuhl" ist nicht mehr, als eine letzte Chance in einem Märchen, das nicht einer Zeit angehört, einem Märchen, das, so wie der Jedermann an sich, zeitlos ist. Hofmannsthal verweist, wenn man so will, auf die letzte Stunde (... ein Stündlein Zeit), aber es scheint, als brauche er sie als Allegorie für das Leben.

Ihm will es so scheinen und damit dem Leser, dass das Leben bereits die letzte Stunde ist, damit wird der Begriff nicht zur Messung der Zeit, sondern zur Aufforderung, jede Zeit als die letzte zu begreifen ("Das Leben flieht wie Sand dahin"), auch in der Gewissheit, dass ein in vielen Sünden erprobtes Leben in einer bußfertigen Stunde gerechtfertigt werden kann. Der Glaube ringt mit dem Teufel um die Weihe des Lebens, "Reu", so der Glaube, "Die hat eine lohnende Feuerskraft, / Da sie von Grund die Seel umschafft." Dieses Umschaffen scheint nur dort zu gelingen, wo man allein gelassen ist ("So lang einer im Glücke ist / Der hat Freunde eine Menge, / Doch wenn ihm das Glück den Rücken kehrt, dann verläuft sich das Gedränge"), vor das Jüngste Gericht tritt man allein ("Nein, Jedermann, da geh ich nit / Kannst mich nicht zum Geleiter kriegen!") und so bleiben Freunde, Reichtum und Mammon daheim, allein sein Werk will mit ("Nein, ich will mit, denn ich bin dein."), doch der Jedermann merkt nur langsam, dass er weiß, "dies ist nun versäumt" ... "War so verblendet mein Gesicht!" und die Werke schafft nur, ihre Schwester Glaube zu rufen. "Die Angst und Not macht ihn beredt", Jedermann bekehrt sich in der Todesstunde, er erkennt: "Ich glaube: So lang ich atme auf Erden, / Mag ich durch Christum gerettet werden". Und so verliert Werk ihre Schwere und somit kann Jedermann unbeschwert in sein Grab gehen. Finis coronat opus, das Ende krönt das Werk, wie Ovid schon sagte.

So wie Hofmannsthal den Besitz als eine an die Sinnfragen gekoppelte Größe propagiert, geradezu das Stück um den Mammon rankt ("Daß ich der Schätze sehr bedarf"), steht Jedermann als Gegenspieler nicht der Metaphysik, der Religion, sondern vielmehr dem profanen Geld, dem Besitz gegenüber. Herr und Knecht zeigen sich in dem Sinn, dass "Was wir besitzen sollten, uns besitzt" und so muss im Sinne einer Kunst zu sterben gerade im Augenblick der letzten Stunde die richtige Position erkannt werden. Das Verhältnis des Menschen zu seinem Besitz wird in den artes moriendi verwandelt zum Gespür zu wissen, dass Sterben lernen heißt, mit dem Tod zu leben ("Hie wird kein zweites Mal gelebt!"). Dieses wissen wir seit den platonischen Schriften, und mit diesen wissen wir auch, dass nichts an himmlischen Anleihen durch Geld zu erwerben ist. Glaube und Philosophie sind auch hier bei Hofmannsthals Jedermann strategische Antworten am Horizont der Frage, was im Leben wirklich wichtig ist. Schillers Vermutung, dass "die philosophierende Vernunft [sich] weniger Entdeckungen rühmen kann, die der Sinn nicht schon dunkel geahndet und die Poesie nicht geoffenbart hätte" (in: Anmut und Würde) findet bei Hofmannsthal eher zum Gemeinsamen. Seine Poesie ist Philosophie.

Dass der Jedermann, 1903-1911 entstanden, seinen festen Platz bei den Salzburger Festspielen hat, macht Hofmannsthal in Ewigkeit unsterblich
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Angst als Beweggrund zur Liebe?, 12. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Jedermann: Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes: The Play of the Rich Man Dying (Taschenbuch)
Dies Buch aus der "Bibliothek der Erstausgaben" des dtv bietet den originalen Text der 1911 erschienenen Ausgabe des Theaterstückes "Jedermann". Der Stoff geht auf ein englisches Morality Play (Sittlichkeitsschauspiel) namens "Everyman" (= Jedermann) eines unbekannten Autoren zurück, das um 1490 gedruckt wurde. Zudem verwendete Hofmannsthal die Adaption des Stoffes durch Hans Sachs: "Comedi: Vom sterbend reichen Menschen" aus dem Jahre 1549.
Der Stoff des Menschen, der nicht an Gott, sondern an die Welt glaubt und sich keinerlei transzendente Gedanken erlaubt, jedoch plötzlich sterben muss, ist also alt. Letztlich steht er schon in der Bibel, etwa im Gleichnisse des reichen Prassers (Lk 16,19-31), der ohne seines Nächsten (nämlich des armen Eleasar alias Lazarus) zu gedenken seinen stofflichen Reichtum genießt, jedoch durch die Pforte des Sterbens zu vertauschten Rollen gelangt: jenseits ist er der Bettler.
So verfährt auch der Jedermann ähnlich erbarmungslos zu seinem armen Nachbarn oder zu einem Schuldknecht, den er vom Büttel wegen unbezahlter Schulden in den Schuldturm werfen lässt und sein und seiner Gemahlin Flehen nicht erhört. Sonderbar, dass solche harten Erbarmungslosen von ihren Drama- und Romanautoren gern als eigentlich weiche Zimperlinge dargestellt werden, die, wenn sie denn in eigener Angst zittern, ihrerseits um das Erbarmen zu betteln beginnen, das sie nicht zu gewähren bereit waren.
So auch Jedermann. Der Tod als das personifizierte Sterben sucht Jedermann heim, ihn auf "jene Seite" hinüber zu holen, wodurch der Geldreiche plötzlich zum Gnadenbettler wird: er fleht um Fristverlängerung, die allerdings nur für eine Stunde und zwar zur Besinnung gewährt wird. Jedermann fleht, weil ihm mit einem Male klar ist, dass er für seine Prasserei von Gott in die Hölle geworfen werde, die ihm seitens zweifelhafter Eschatologen eingeredet wurde. Aber so klar ist das nicht, wie ihm der personifizierte Glaube enthüllt: Gott verzeihe. Dazu müsse Jedermann aber reuig zum Glauben finden, wodurch seine guten Werke so groß würden, dass diese ihn vor der Hölle bewahrten. Und so geschieht es denn auch. Zwar muss Jedermann sterben, durchfährt dies jedoch leichten Herzens, weil er als plötzlich guter, gläubiger Mensch nicht in die Hölle kommt.
Das Thema ist groß und schwer; in dieser Darstellung erscheint es jedoch ein wenig klein und leicht. Aus Angst werde so plötzlich die Liebe gelernt? Das denken zwar viele Menschen, die dann auch denken, aus Angst vor Strafe würden die bösen Menschen plötzlich warmherzige, gute Menschen, und verlangen darum höhere Strafen und schärfere Gesetze. Welch ein unchristlicher Unsinn! Die Angst wird nur durch den guten Willen zur Vergebung überwunden. Und nur auf diesem Wege wird die Liebe offen und frei. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit jedoch waren die Menschen größten Teils noch nicht für die große Vergebung ihres Welttraumes bereit. In den verheerenden Seuchen jener Zeit sahen die Menschen "Strafen Gottes", den sie als gnadenlosen, wenn auch ungründlichen Rächer deuteten, anstatt als "die LIEBE" (1.Joh 4,16). Wie viele dachten, man könne zu solch einem Gotte durch Flehen und Betteln finden? Das Gebet als Liebesgedenken war unerschlossen.
Aus jener Zeit stammt der von Hofmannsthal nur etwas modernisierte Stoff seines "Jedermann"; Angst vor dem Sterben wird noch als Beweggrund zu vermeintlichem Gottglauben und Liebe angesehen; ist das überzeugend? Und wie sollte ein geistlos aufgesagter Formalglaube eines Ichlings den GOTT des GEISTES bewegen, dem in höllischer Angst zitternden Geistvermeider Einlass in das Paradies für Vergeistigte zu gewähren? Auch das vermag nicht zu überzeugen. Hinzu kommt die holperige Metrik der Verse, denen das Frühneuhochdeutsche wie auch der fränkische Einschlag des Hans Sachs anzumerken sind. Der um die Seele kreisende Antagonismus zwischen Ego und CHRISTUS bleibt gänzlich unerschlossen. Das hehre Thema wurde also leider nicht genügend geistvoll behandelt.
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3.0 von 5 Sternen Zeitloses Thema, 14. Juni 2006
Von 
B. Kugler "Bücherfan" (Michelfeld, BW Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Jedermann: Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes: The Play of the Rich Man Dying (Taschenbuch)
Ein allseits bekanntes Thema in Versform. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Jedermann, ein reicher Lebemann vom feinsten, wird bei einer geselligen Runde vom Tod besucht, der ihn holen will. Jedermann schindet noch eine Stunde Aufschub heraus und sucht verzweifelt Gefährten, die ihn auf seinem letzten Gang begleiten. Aber er findet natürlich niemand. Ausser seinen Werken. Die würden mit ihm mitgehen, wenn sie könnten, doch sie sind sehr klein und schwach. Die Schwester der Werke, der Glaube soll helfen. Und tatsächlich, Jedermann zeigt Reue. Fazit: Man kann ein nicht gottfürchtiges Leben führen und am Ende wird trotzdem alles gut? Stoff für Diskussionen. Es ist ein schon älteres Werk, doch das Thema bleibt aktuell. Vor allem, wenn aktuelle Theaterinszenierungen anstehen, sollte man die Urform gelesen haben, damit man bei der Umsetzung mitkommt oder auch nicht.
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Jedermann: Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes: The Play of the Rich Man Dying
Jedermann: Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes: The Play of the Rich Man Dying von Hugo von Hofmannsthal (Taschenbuch - 1. März 2004)
EUR 4,90
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