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Kundenrezensionen

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am 16. Oktober 2010
Schuldig ist in den Augen der Macht, wer Widerstand leistet, wer auch nur zu widersprechen wagt, ja schon, wer sich nicht unauffällig und stromlinienförmig genug bewegt. Denn der Macht kommt es auf die Durchsetzung ihrer selbst, auf die Exekution von Abhängigkeiten an. Nur das scheint ihr innerer Zweck zu sein.

Sie sucht sich dann das Passende unter den formellen Regeln und Gesetzen heraus, um es für ihre Zwecke schonungslos einzusetzen. Möglichst vieles hält sie verdeckt und im Dunkeln: so zum Beispiel die Ursache und den Auslöser des Gerichtsprozesses; das die Macht Störende -vielleicht gar nicht Justiziable- nicht benennend; keinerlei Anklagepunkte gegenüber dem Angeklagten offenlegend und nichts über das weitere Verfahren verlauten lassend.

Die Drahtzieher des unsäglichen Vorgehens -und womöglich Richter in einer Person- bleiben dem Angeklagten unbekannt. Jedes offene Visier wird vermieden, während ausschließlich aus dem Hinterhalt operiert wird. So lässt sich ein Angeklagter doch zweifellos am leichtesten in einer umfassenden Hilflosigkeit halten. So scheint er der Willkür am Optimalsten ausgeliefert. So funktionieren Kunst und Kultur der Klammheimlichkeit und Hinterhältigkeit.

Und was bedeutet schon Rechtssicherheit und was beinhaltet sie überhaupt? Was heißt schon Moral?
Auch darauf gibt es eine einfache Antwort: Ein einheitliches Recht oder eine allgemeingültige Moral, auf die sich der Angeklagte stützen und berufen könnte, existieren einfach nicht.
Macht und Freiheit stehen einander unversöhnlich gegenüber. Der höhere Wert, so Kafka, kommt aber unzweifelhaft der Freiheit zu.

Wie im richtigen Leben eben... Kafka beschreibt die Zustände und die Menschen wohl so, wie sie eben sind.

Werden da etwa Erinnerungen an Spitzelwesen und Korruption in bekannten, großen Organisationen wach, an das Meucheln von Missliebigen, die unter banalsten, ja lächerlichsten Vorwänden entfernt, ausgestoßen, "exekutiert" werden, an gedungene, graue Handlanger, die sich bedenkenlos in den Dienst ihrer "Brötchengeber" stellen?

Nur die Spitzen der Eisgebirge scheinen zur öffentlichen Besichtigung freigelegt.
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am 2. Oktober 2008
Es ist im Grunde genommen ein wenig albern, hier ein paar amateurhafte Sätze zu hinterlassen, die dieses Werk in irgendeiner Form angemessen bewerten sollen. Genau genommen ist es ziemlich anmaßend. Über Kafka und dieses Buch haben Germanisten tausende von Seminarvorträge, Magisterarbeiten und Dissertationen verfasst. Das Thema ist von allen Seiten professionell ausgeleuchtet, es existieren Regalmeter an Sekundärliteratur. Es kann also hier nur darum gehen, einen spontanen Eindruck wiederzugeben, der dem einen oder anderen, der den "Prozeß" tatsächlich noch nicht gelesen hat, eine Hilfestellung sein mag.

Ich habe nach rund 15 Jahren wieder zu dem Buch gegriffen - einfach um zu sehen, ob ich es nicht unangemessen verklärt hatte und meine Begeisterung der damaligen Jugend geschuldet war. Um es kurz zu machen: Es hat mich sofort wieder gepackt. Kafka schafft es, in wenigen Sätzen eine beklemmende und fesselnde Atmosphäre zu erzeugen. Das ganze ist traurig, bewegend, begeisternd und niemals langweilig. Ich bin tatsächlich erstmals seit Jahren wieder von einem Buch in den Schlaf verfolgt worden - "Der Prozeß" rief finsterste Träume hervor, wie es Thriller niemals schaffen.

Zwei Bemerkungen noch:
- Ich will hier wirklich nicht in die Interpretation einsteigen. Aber wer in diesem Buch in erster Linie eine Kritik an Justiz und Bürokratie sieht, sollte nochmal zwei, drei Minuten länger nachdenken.. ;o)
- Es ist sensationell und auch erschreckend, wie wenig sich in der Arbeitswelt seit 1920 geändert hat. Die Beschreibung der Atmosphäre in der Bank, die Konkurrenzkämpfe, die Angst, Schwächen zu zeigen - all das könnte sich genauso in unserer Zeit zutragen.
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VINE-PRODUKTTESTERam 23. Juni 2012
Nix von diesen drei in der Überschrift genannten Dingen wird wirklich erklärt.
Das Buch ist eine Verwirrung, die es selten stiftet. Man beginnt direkt und ohne Erklärung in einem Szenario, welches man sich mit unserem normalen Gedankengang kaum vorstellen kann. Und so unvermittelt, wie das Buch beginnt, genau so geht es weiter. Fragen werden kaum beantwortet, aber dafür werden offenstehende Fragen immer mehr und mehr. Was ist denn nun der Grund einer Anklage? Wer hat Joseph K. verklagt, und was ist das bitte eine Art der Verhaftung? Fragen über Fragen, wobei keine gelöst wird. Bis zur letzten Seite hüllte sich das Buch bei mir in riesige Fragezeichen, bis ich durch den vorletzten und den letzten Satz tatsächlich den Sinn und die Geschichte des Buches verstehen konnte. Der Prozess ist der Prozess, den man mit seinem Leben, seiner Erfahrung und seinem Gewissen macht. Man landet in einer Traumwelt, die jedoch viel zu real, aber auch gleichzeitig viel zu unwirklich wirkt. Es stiftet Verwirrung pur.

Ich hasse dieses Buch! Ich hasse es einfach, weil es einfach ist es zu hassen, ich hasse es, das Buch zu lieben, und gleichzeitig liebe ich es, das Buch zu hassen. Es ist eine Hassliebe, die mich zu diesem Buch bringt und mich damit verbindet. Es hat ungefähr einen Reiz wie Hermann Hesse und sein "Steppenwolf", wobei das Hesse-Werk mich aufgrund der Nähe zu mir doch mehr begeistern konnte. Aber trotzdem ist der Prozess lesenswert, aber schwer, was sich daran zeigt, dass in meinem Deutschkurs kaum einer das Buch bis zum Schluss gelesen hat.
Es ist wie ein harter, langwieriger Prozess, aus dem man nicht mehr herauszukommen scheint...
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am 15. März 2012
Am Morgen seines 30. Geburtstages wird dem Bankangestellten Josef K. in seiner Wohnung ohne weitere Begründung mitgeteilt, dass er angeklagt wurde. Verzweifelt versucht er, herauszufinden, wessen man ihn beschuldigt und wie er sich verteidigen könnte: Ein vergeblicher und absurder Kampf gegen ein ebenso absurdes Gerichtswesen.
Die unzähligen verschiedenen Expertenmeinungen zum "Prozeß" belegen, dass wir es hier mit einem der uneindeutigsten und undurchdringlichsten Werke des 20. Jahrhunderts zu tun haben. Sie belegen auch eine Tatsache, die von zu vielen Literaturwissenschaftlern zu oft ignoriert oder gar geleugnet wird: Die Tatsache nämlich, dass Verstehen und Bedeutungskonstruktion nicht alleine vom Text, sondern auch vom Kontext und von den Erfahrungen, Kenntnissen, Dispositionen und kognitiven Strukturen des Lesers gesteuert werden. Die Stärke des "Prozesses" besteht unter anderem auch darin, dass er uns diese Tatsache unweigerlich vor Augen führt.
Ich selbst lese das Romanfragment in erster Linie - nicht ausschließlich! - als den Versuch einer Kritik an der mit den Mitteln der Vernunft nicht greifbaren Willkür und Absurdität religiöser Machtstrukturen (sowohl weltlich als auch metaphysisch verstanden). In dieser wie in anderer Hinsicht ist der "Prozeß" wohl eines der verstörendsten und entlarvendsten Werke der Literaturgeschichte.
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am 19. Januar 2003
Nun, was soll man sagen...ich komme mir schon sehr anmaßend vor, als abgehalfterter Student so ein Werk überhaupt zu "bewerten". Es ist wirklich, wie ein anderer Rezensent hier schreibt: Kafka kann das Leben des Lesers verändern. Und meines hat er ganz definitiv verändert, hat Fenster zur Welt aufgestoßen, von deren Existenz ich vorher überhaupt nicht wußte. Nach der Lektüre mancher Bücher denkt man, nun viel schlauer und wissender zu sein. Bei der Kafka-Lektüre läuft es umgekehrt: danach ist alles offener, unermeßlicher, geheimnisvoller, als man es für möglich gehalten hätte. Sicher liegt das an Kafkas offenem Stil, der den Leser quasi Schritt für Schritt in dessen Inneres lockt, so dass jeder Kafka-Roman für einen jeden Menschen wohl eine ganz und gar einzigartige Erfahrung ist auf Grund der weit reichenden individuellen Melodie, die Kafka den Leser geradezu zu komponieren zwingt. Der wahre Inhalt steht hier nicht in, sondern zwischen den Sätzen, zwischen den Wörtern, die einem so schön im Kopf klingen, zwischen dem, was Sagbar ist. Und das ist wirklich...sehr groß.
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am 27. Oktober 2004
„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." So beginnt Franz Kafkas Meisterwerk. Die Geschichte des Prozesses des Josef K. Nachdem die Überraschung etwas überstanden ist, macht sich der Verhaftete daran aus dieser Misere zu kommen. Doch etwas ist anders: Er weiß nicht wessen er beschuldigt wird, er weiß nicht wer ihn anklagt - und muss erkennen, dass er um so tiefer in die Sache hineingezogen wird, je mehr er sich bemüht herauszukommen.
Kafka schildert diese unglaubliche Geschichte mit seiner kühlpräzisen, abstrahierenden Sprache und erweißt sich als Meister der Stimmung. Trotz genauester Beschreibung gelingt es ihm, die Spannung zu halten. Um K. herum zieht sich die Schlinge unaufhaltsam enger...
Die enorme Verständlichkeit der Sprache, steht dabei in krassem Gegensatz zur Geschichte: Schon viele Interpreten haben sich an Deutungen des Werks versucht, allein der Roman steht nach wie vor und gibt dem Leser Rätsel auf, da er gegen jede Deutung oder Interpretation resistent zu sein scheint.
Das beste ist: Man macht sich selber ein Bild.
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am 12. Januar 2006
Von den mehreren Ausgaben Kafkas "Der Prozeß" ist die Ausgabe von "Suhrkamp BasisBibliothek" sicherlich die weitaus Beste!
Man findet Erläuterungen zu Wörtern des ostereichischen Dialektes direkt am Text. Sehr hilfreich!
Weiter gibt es diese Ausgabe Hintergrundinformationen über Kafka, Deutungsanzätze und direkte Verweise im Text zu Hinweisen, die einen tieferen Einblick in das Werk ermöglichen.
Im Anhang finden sich außerdem von Kafka gestrichene Textpasagen.
Klasse Ausgabe!
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am 6. Dezember 2005
Real - irreal - Phantasie oder Wirklichkeit - Einbildung oder Fiktion - wo liegt die Wahrheit?
Ein Wunderwerk und Paradebeispiel für das Wesen der Literatur, die sich mit der Methode der Auslegung u. Deutung von Texten auseinandersetzt.
Literatur - Poesie - Psychologie und Kunst fließen ineinander über und verschmelzen. Gedanken und surreale Konstrukte machen es dem Leser fast unmöglich, eine eindeutige Interpretation zu finden. Und immer gelingt es Kafka - in diesem "Prozess" auch den seinen und den des Lesers einzuflechten - so entsteht ein Geflecht aus schier unlösbaren Knoten, die nur durch die Breite des Bewusstseins eine Deutung finden kann.
Meine Assoziationen und Gedanken liefen beim Lesen in Richtung „Sinn des Lebens“ – ich selbst suchte nach einer „inneren Überschrift“ und fand in mir folgende Vorschläge:
1. „Das jüngste Gericht“
2. „Bilanz des Lebens“
3. „Die Tür zu Gott ist immer offen“
4. „Du stehst dir selbst im Weg“
5. „Das Leben ist nur ein Trugbild deiner Persönlichkeit“
6. „Die Erkenntnis kommt immer erst im Tod“
Nach diesem inneren Resümee für mich, stelle ich fest, dass meine eigenen Überlegungen spiritueller Natur waren, da mich der Text vermehrt veranlasste, über den Sinn des Lebens zu reflektieren. Ich ging sehr schnell davon ab, mir konkrete Personen vorzustellen, die sich hier unterhielten. Vielmehr hörte ich eine innere Stimme zu mir sprechen, die mir aus dem innersten meiner Seele versuchte, neue Türen auf meinem Lebensweg zu öffnen.
Der Text sprach gleichsam einer Parabel oder einer Allegorie zu mir.
Unabhängig von allen möglichen Deutungsansätzen empfand ich den Text komisch, grotesk, tragisch, ernst und mitfühlend zugleich. Die Denkweise des Autors lässt sich nur schwer herausarbeiten, denn den Text lädt zu vielen unterschiedlichen Spekulationen ein.
Ich vermute deshalb, dass es hier nicht um Denkweisen oder Weltanschauungen geht, sondern vielmehr um eine Reflektion eines inneren Lebenszustandes, die als Symbol für das Leben an sich – einer Generation oder Minderheitengruppierung zu ihrer Zeit oder auch autobiographisch zu deuten ist.
So könnte „der arme Mann“ ein Sinnbild für eine verlorene Generation, für ein frustriertes Individuum oder aber auch das Leben selbst sein. Der Türsteher kann ebenfalls auf unterschiedlichen Ebenen eine Deutung finden. Ist er ein Symbol für die Ungerechtigkeit, die Machtinstanzen, das Schicksal – oder aber soll er die Insuffizienz und Schwächen der Persönlichkeit des Menschen symbolisieren?
Das begehrte Objekt in dieser Geschichte – das Gesetz – bewegt den Leser dazu, sich einen Gerichtssaal vorzustellen, wo zum Schluss ein Urteil gesprochen werden muss. Doch zu keinem Zeitpunkt erfahren wir, wo, wie und wer an dieser Verhandlung teilnimmt, da der eigentliche Prozess „vor der Tür“ stattfindet.
Hier gibt es Parallelen zum gesellschaftspolitischen Leben – aber auch starke Ähnlichkeiten zum religiösen. Ich habe die ganze Zeit das Gefühl gehabt, zwischen Wirklichkeit und Phantasie entscheiden zu müssen. Zum Schluss bin ich zu der Auffassung gekommen, dass jeder Mensch, diese Geschichte für sich so interpretieren wird, wie er selbst in der Lage ist, seinen Blickwinkel zu wechseln. Jeder andere Fokus lässt wieder eine komplett andere Interpretationsweise zu – und das ist das Geniale an diesem Buch. Man könnte es geschichtlich, gesellschaftspolitisch, psychologisch und auch theologisch deuten.
Der Text lebt durch die Differenz der Darstellung des Widersinnigen und Unstimmigen in einer scheinbar geordneten äußeren Welt im Gegensatz zu einer vernünftigen inneren Moral- und Wertvorstellung.
Letztlich bleibt die Frage: Wer ist der Schuldige im ganzen Spiel – gibt es überhaupt einen Täter – und wer ist das Opfer? Wer kann und sollte urteilen – gibt es eine Kompetenz außer der Göttlichen, die urteilen dürfte – und wenn ja, gibt es das Göttliche überhaupt, wenn der Einlass das Leben kostet?
Fazit: Alle Versuche, den Text aus dem Verstand heraus deuten zu wollen, müssen fehlschlagen, weil das Wesentliche selbst nicht über das Wort ausgedrückt werden kann. Alle Versuche, mittels Logik und Vernunft einen Sinnzusammenhang zu erkennen, müssen in den wichtigsten Fragen des Lebens scheitern. So steht der Mensch doch in den entscheiden Fragen des Lebens mit sich allein vor Gericht und muss sich der Unmöglichkeit, einer logisch-stimmigen Aussage geschlagen geben. Vielleicht ist das Geschriebene daher selbst ein Versuch, die Verzweiflung über die menschliche Insuffizienz auszudrücken.
Das menschliche Zusammenleben soll in Form von Gesetzen geregelt werden – und muss doch immer wieder deutlich ihre Lücken erkennen – wie auch das religiöse, welches nicht allein über die zehn Gebote geregelt werden kann.
Wenn der Mensch das verloren hat, was ihm zum Menschen gemacht hat, dann hat er auf allen Ebenen sein Menschsein verloren. Ob er nun im Gerichtssaal sitzt – ob er arbeitet, ob er liebt oder stirbt – ob er vor der ersten oder letzten Tür steht – wenn er den Zugang zu seinem Herzen nicht gefunden hat, dann wird er die inneren Türen seines Wesens und auch die Türen zu Gott und der Menschlichkeit nicht öffnen können. Die letzte Instanz ist nicht das Gericht – auch kein jüngstes Gericht, wenn es das überhaupt gibt – die letzte Instanz liegt im Menschen selbst verborgen und sollte von ihm verantwortlich erkannt werden.
Dieser Text hat mich deshalb eines sehr gut gelehrt: Nämlich meine eigene Erkenntnisfähigkeit zu untersuchen und das Wesen des Verstehens genauer unter die Lupe zu nehmen. Bestimmt nun das Sein das Bewusstsein oder das Bewusstsein das Sein? Ist diese Frage aus unserer Sicht überhaupt zu beantworten oder IST das Sein ein Spiegelbild des Bewusstseins? Ich denke, ein jeder von uns hat allein durch diesen kleinen Textauszug genügend „Material“, über diese wichtigen Fragen zu reflektieren.
Anmerkung: Meine Interpretation angesichts der Breite dieses Textes hat hier selbstverständlich nur den Stellenwert meines persönlichen Blickwinkels und sollte deshalb auch nur den Versuch darstellen, etwas Unmögliches möglich zu machen. Ein Blickwinkel kann nie vollständig sein – bleibt immer nur ein Ausschnitt vom Ganzen.
Kurz gesagt: Ich fand diesen Textausschnitt einfach genial, weil er zwischen den Zeilen viel in mir bewegt hat. Dies können nur Texte großartiger Schriftsteller, die selbst während des Schreibens einen innerlichen Prozess durchlaufen, der im Leser auf ein Echo stößt.
Ist ja doch ganz schön lang geworden - sorry, vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit - das Buch hat es verdient!
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am 31. März 2005
Dieser berühmte Roman Kafkas sollte von jedem gelesen werden!
In manchen Schulen gehören immerhim Fragmente daraus in den Unterricht als Pflicht-oder Klausurlektüre, was mich persönlich einst von Kafka ferngehalten hat, weil er anders, als viele Schriftsteller vor und während seiner Zeit, nicht im Geringsten eindeutig und wertend geschrieben hat. Das macht seine Werke so anziehend in der Freizeit! Die äußere Sprache ist einfach strukturiert und verständlich, aber die innere Sprache wird wohl jeder individuell anders verstehen, weil Kafka doch recht wenige Anhaltspunkte vorgibt. Nach jedem gelesenen Abschnitt und dem Beginn des nächsten brach für mich jedesmal ein neuer Interpretationsansatz zusammen; ich bin dann zwar zu einer Art "Gesamtergebnis" gekommen, werde es allerdings unterlassen, hier darüber zu schreiben, sondern empfehle den "Proceß" noch einmal wärmstens!
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am 25. August 2009
Es findet eine Hetz- und Treibjagd nach Herrn K. statt, der dieser hilfslos gegenübersteht und sich nicht wehrt. Er fragt kein einziges mal warum ein Prozess gegen ihn anhängig ist. Die symbolische Schlinge um seinen Hals wird immer enger gezogen, er wird gesellschaftlich und beruflich beschädigt bis ihm schliesslich ein Messer ins Herz gestossen wird. Die Exekution lässt er auch fraglos über sich ergehen. Bei den surrealen Begegnungen, die Herr K. durchlebt, hat man den Eindruck alle Agierenden wissen worum es geht nur Herr K. (der Protagonist) versteht nicht.

Das Buch ist fesselnd geschrieben und keinen Moment langatmig. Deshalb ist es leicht sich auf die Handlung (oder Nichthandlung) zu konzentrieren. Ich habe das Buch vor fünf Tagen ausgelesen und es ist mir immer noch nicht aus dem Kopf gegangen.

Kafka hat das Buch (oder das Fragment) in der Zeit von 1914 bis 1924 geschrieben. An Aktualität hat es dennoch nicht verloren. Nach meinem Empfinden symbolisiert Herr K. den Menschen in einer undurchschaubaren Welt, der er hilflos gegenübersteht. Wer versteht schon die Finanzkrise ? Elfriede Jelinek hat geschrieben den Sparern wird ihr Erspartes erspart bleiben (Lehman-Anleger haben es erlebt, andere werden folgen). Ich würde Herrn K. als Mainstream bezeichnen. Herr K. ist Täter und Opfer in einem, er ist sowohl Biedermann als auch Brandstifter. Das interessanteste ist, dass Kafka den Leser kein Mitleid mit Herrn K. empfinden lässt. Aber auch keine Schadenfreude. Herr K. lässt sich ohne Widerstand in den Untergang führen. Es könnte sogar möglich sein, dass Herr K. froh ist, dass die ein Jahr dauernde Treibjagd auf ihn, nämlich von seinem 30. bis zu seinem 31. Geburtstag, beendet ist. Das Buch ist spannend und empfehlenswert. Kafka hat die juristischen Spitzfindigkeiten professionell beschrieben, kein Wunder er hat ja Jura studiert.
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