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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Umfassendes Gesellschaftsbild von etwa 80 Jahren
Heinrich Böll hat in einem Interview angegeben, daß er lediglich die Geschichte einer Frau nachzeichnen wollte, die "die ganze Last dieser Geschichte (von 1890 bis etwa 1970) mit und auf sich genommen hat". Ein etwas schwerfälliger und ironischer "Verf." erzählt die Geschichte der Helene Maria Pfeiffer Gruyten, an der sich die...
Am 24. November 1999 veröffentlicht

versus
23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anstrengende Lektüre
Nachdem ich vor Jahren bereits begeistert "Ansichten eines Clowns" gelesen habe, wollte ich nach unzähligen Büchern der U-Literatur (soweit man diese Unterscheidung wirklich machen sollte, denn eigentlich wollen doch alle Bücher unterhalten) endlich wieder ein Werk der E-Literatur lesen und entschied mich für Bölls "Gruppenbild mit Dame". Die...
Veröffentlicht am 19. März 2004 von Katrin Olbrich


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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Umfassendes Gesellschaftsbild von etwa 80 Jahren, 24. November 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Gruppenbild mit Dame (Broschiert)
Heinrich Böll hat in einem Interview angegeben, daß er lediglich die Geschichte einer Frau nachzeichnen wollte, die "die ganze Last dieser Geschichte (von 1890 bis etwa 1970) mit und auf sich genommen hat". Ein etwas schwerfälliger und ironischer "Verf." erzählt die Geschichte der Helene Maria Pfeiffer Gruyten, an der sich die ganze Unmenschlichkeit der Gesellschaft vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg widerspiegelt. Das Personal des Romans ist ungeheuer vielfältig. Zahlreiche Motive (z. B. weibliche Trinität, das "Abfällige", die Unmenschlichkeit der Gesellschaft im allgemeinen), die schon aus vorherigen Erzählungen Bölls bekannt sind, finden hier ihren Niederschlag. An der Person der Leni Pfeiffer und der Gruppe, die sich langsam um sie formiert, wird die deutsche Geschichte unserer Epoche mehrfach ironisch gebrochen. Das "Gruppenbild" ist dann auch ein Querschnitt durch die Gesellschaft: Kriegsgewinnler, Konformisten, Nonkonformisten, ausländische Müllfahrer, Beamte und - nicht zu vergessen - der Herr "Hochgestellt" geben ein glaubwürdiges Bild der dargestellten Zeitspanne ab. Böll ist mit seinem umfassendsten Werk ein eindrucksvolles Porträt deutscher Zeitgeschichte gelungen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einzigartig, 5. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Gruppenbild mit Dame (Broschiert)
Heinrich Bölls Roman "Gruppenbild mit Dame" erschien 1971. Er erzählt die Geschichte der 48-jährigen Leni Pfeiffer, die 1922 geboren wurde. Während des Krieges besorgt Leni dem sowjetischen Kriegsgefangenen Boris, den sie kennen und lieben lernt, einen deutschen Pass. Boris, der von den Amerikanern gefangen genommen wurde, kommt bei einem Unglück in einer Kohlengrube um. Selbst der Sohn, den Leni von Boris hat, sitzt im Gefängnis.
So oder ähnlich könnte man den Inhalt des Romans "Gruppenbild mit Dame" zusammenfassen, doch eine solche Zusammenfassung würde dem Roman niemals gerecht werden. Bölls "Gruppenbild mit Dame" erzählt nämlich nicht nur die Geschichte einer Frau mittleren Alters, sondern ist viel mehr eine erzählerische Meisterleistung.
Heinrich Böll schafft es, Authentik mit Absurdem zu verknüpfen. So erscheinen seine Schilderungen erst absurd und im Nachhinein authentisch zu sein. Durch diese Darstellung entsteht eine Kritik, die den Leser zum Lachen bringt, ihn aber ebenfalls zum Nachdenken anregt.
Bölls Kritik bezieht sich auf die Sinnlosigkeit des Krieges, auf den Katholizismus, auf die Gesellschaft, auf vorschnelle Vorurteile, auf soziale Ungerechtigkeit und auf Heuchelei, vor allem in den Institutionen.
Allerdings beinhaltet der Roman nicht nur Kritik. Trotz aller Kritik ist der Roman ein Manifest der Humanität, welches das Idealbild der Klassik korrigiert. Durch die präzise Schilderung aller in dem Roman auftauchender Personen werden diese für den Leser fast alle sympathisch. Wären die Schilderungen oberflächlich gewesen, wäre das Urteil des Lesers sicherlich anders ausgefallen. Der Roman zeigt auf, dass das Leben vieler Menschen anders, also besser, hätte verlaufen können.
Durch den Roman wird ersichtlich, warum die Idealvorstellungen Kants und anderen Vertretern immer wieder scheitern. Sie scheitern nämlich nicht nur an den Menschen, sondern an den Umständen der Umwelt und an den Menschen als Gesellschaft, vor allem aber an den Institutionen.
Bölls Roman bezieht sich nicht nur auf das Dritte Reich und auf den Zweiten Weltkrieg, sondern auch auf den Generationenkonflikt, der in den 60er und 70er Jahren stattfand. Böll kritisiert die Institutionen wie sie auch von der 68er-Generation kritisiert worden sind. Er zeigt auf, dass die Institutionen vor allem in Deutschland eine wichtige Rolle spielen und das sie voller Heuchelei stecken. Trotzdem ist sein Roman auch eine Mahnung an diese Generation. Böll verdeutlicht nämlich mit seinem Roman, dass viele Verbrecher, Parteimitglieder, aber auch andere von der Gesellschaft verachtende Personen, wie Leni eine ist, menschlich sein können. Diese Personen können nicht alle über einen Kamm geschert und angeprangert werden. Sie sind in vielerlei Hinsicht Opfer ihrer Erziehung, ihrer Umwelt, also der Gesellschaft.
Jedes Mal entdeckt der Leser hinter einem maßgeblichen Unmenschen einen Menschen mit Gefühlen. Mit seinen Roman zeigt Böll eine neue Dimension der Aufklärung auf. Den Menschen muss bewusst werden, dass die Fehler anderer oftmals auf die Gesellschaft zurückzuführen sind. Daher darf nicht ein einziger Mensch verstoßen werden, sondern die Gesellschaft muss mit der Hilf aller verändert werden. Dazu würden, dass zeigt der Roman ganz deutlich, eine größere soziale Gerechtigkeit und weniger Heuchelei beitragen.
Böll geht jedoch über die bloße Kritik hinaus. Er setzt der Oberflächlichkeit und Scheinmoral der Gesellschaft die menschliche Würde, die vor allem durch Leni repräsentiert wird, entgegen. Leni stellt sich gegen die Vorurteile der Gesellschaft. Sie lehnt gesellschaftliche Anpassung ab, so fern diese nicht menschlich ist. Aus diesem Grund hat sie ihr ganzes Leben lang mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Leni wird schon fast als Heilige beschrieben, weil an ihr alles echt und nichts Schein ist.
Die Menschlichkeit, dass zeigt Böll mit seinem Roman, kann siegen, aber nur wenn die Menschen ihre Vorurteile gegenüber Menschen wie Leni ablegen würden und selbst mehr „Sein" würden als „Schein".
Ich kann „Gruppenbild mit Dame" nur jedem wärmstens empfehlen. Dieser Roman besticht durch die meisterhaft konstruierte Ironie des Autors. Hier ist jeder, wirklich jeder Satz durchdacht. Jede Beschreibung, jede Szene ergibt einen Sinn. Für mich ist dies der Jahrhundertroman des 20. Jahrhundert.
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23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anstrengende Lektüre, 19. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Gruppenbild mit Dame (Broschiert)
Nachdem ich vor Jahren bereits begeistert "Ansichten eines Clowns" gelesen habe, wollte ich nach unzähligen Büchern der U-Literatur (soweit man diese Unterscheidung wirklich machen sollte, denn eigentlich wollen doch alle Bücher unterhalten) endlich wieder ein Werk der E-Literatur lesen und entschied mich für Bölls "Gruppenbild mit Dame". Die Erzählung über das Leben der Leni Pfeiffer machte auf den ersten Seiten einen sehr interessanten Eindruck auf mich. Aus Sicht eines Verfassers wird das Leben der jungen Frau in der deutschen Vor- und Nachkriegszeit geschildert, bei dem es mehr um die persönlichen Dramen Lenis geht als um das eigentliche Kriegsgeschehen. Sehr spannend wird zu Beginn die Person der Leni Pfeiffer dargestellt und psychologisch ausgeleuchtet. Im Laufe des Romans wird es jedoch sehr anstrengend, dem Buch weiterhin zu folgen. Zu irritierend wirkt die Erzählweise des Verfassers, der in einer Art Aufzeichnung seiner Recherchen über zu viele Personen berichtet, die in irgendeiner Art und Weise an Lenis Geschichte beteiligt waren. Sicher läßt sich aufgrund der komplizierten verwobenen Handlungsstränge, aus denen dieser Roman besteht, erkennen, dass es sich um das Werk eines meisterhaften Autors handelt, dessen Sensibilität und Phantasie keine Grenzen kennt, wie Marcel Reich-Ranicki treffend bemerkt hat. Aber für mich als durchschnittlichen Leser und Bücherwurm war das Buch einfach ein bißchen zu kompliziert zu lesen und zu verstehen. Ab einem gewissen Punkt empfand ich die Lektüre als anstrengend und langatmig, so dass ich mehrere Monate brauchte um mich durch das Buch zu "kämpfen".
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Uneingeschränkt empfehlenswert!, 8. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Gruppenbild mit Dame (Broschiert)
Der als Verf. bezeichnete Erzähler rekonstruiert das Leben der Leni Pfeiffer. Der Roman ist dargestellt als Dokumentation. „Ich habe versucht, das Schicksal einer deutschen Frau von etwa Ende Vierzig zu beschreiben oder zu schreiben, die die ganze Last dieser Geschichte zwischen 1922 und 1970 mit und auf sich genommen hat." sagte Böll selbst zu seinem Werk.
Leni Pfeiffer ist intelligent, gutherzig aber ungebildet. Ihre Familie ist wohlhabend, verliert nach Ausbruch des Weltkrieges durch mehrere Schicksalsschläge sowohl materiell als auch menschlich sehr viel. Die letzten Jahre des Krieges arbeitet sie in einer Kranzbinderei und lernt dort einen sowjetischen Kriegsgefangenen kennen, Boris, mit dem sie eine Liebe und schliesslich ein Sohn verbindet. Tragischerweise stirbt ihr Geliebter in den letzten Kriegstagen in französischer Gefangenschaft. In der zweiten Romanhälfte geht es dann vorwiegend um die Nachkriegszeit und Lenis Schwierigkeiten, sich den gängigen gesellschaftlichen Konventionen unter zu ordnen. Ihr sind ihre humanitären Massstäbe nach wie vor wichtiger als die Meinung der anderen. So gerät sie und ihr Sohn Lev in mehrere Schwierigkeiten, aus denen sie aber mit Hilfe ihrer Freunde herausfindet.
Ich war sowohl von der Geschichte, als auch von der Erzähltechnik ungeheuer beeindruckt und glaube, dass ich nie einen besseren Roman von Heinrich Böll gelesen habe. Das Buch ist voll von packenden Kriegs- und Nachkriegsschicksalen und uneingeschränkt empfehlenswert!
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Auf die Dauer anstrengend, 6. Juli 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Gruppenbild mit Dame (Broschiert)
Nach der Lektüre so grossartiger Bücher Bölls wie "Ansichten eines Clowns" und "Haus ohne Hüter" muss "Gruppenbild mit Dame" enttäuschen. Schon die Sprache, die Böll hier verwendet, kann nicht halten, was sie verspricht. Denn die versachlichte Darstellung der Umgebung Leni Gruytens macht den Gegenstand- ich glaube wider Willen - mit Fortschreiten der Lektüre lächerlich und langweilt selbst, gerade weil sie kaum unterbrochen wird. Auch die Protagonistin, häufig umschrieben als "Heilige", kann auf mich weder heilig, noch irgendwie eindrucksvoll wirken. (Ich unterstelle einfach, dass sie das nicht sollte.) Mit Beginn der Lektüre werden durch Sprache und Ankündigungen des Erzählers beim Leser Hoffnungen geweckt, die nicht erfüllt werden. Weder Ironie noch Ernsthaftigkeit werden deutlich und das angestrebte Gesellschaftsbild, das Gruppenbild eben, baut sich um eine Dame auf, die in eigenartiger Schwebe bleibt und kaum als ernstzunehmende Person fassbar wird.
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4.0 von 5 Sternen Bölls bester Roman, 12. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Gruppenbild mit Dame (Broschiert)
Also ich vor einem Vierteljahrhundert mein Abitur abgelegt hatte, habe ich in den großen Ferien danach ein gutes Dutzend Romane und Erzählungen von Böll gelesen. Gruppenbild mit Dame ragte aus dem Œuvre als Höhepunkt heraus.
Weges des bleibenden Eindrucks von damals, wurde das Buch nun nochmals gelesen.

Wie über 40 Jahre nach Erscheinen kaum anders zu erwarten, ist das Buch nicht mehr tagesaktuell. Beim ersten Lesen beeindruckte mich, wie sich Böll hier endlich vom Katholizismus und dessen engem Moralkorsett gelöst hat. Er beschreibt ein Sittengemälde Deutschlands von der Jahrhundertwende bis in die 70er Jahre. Der als Verf. eingeführte Ich-Erzähler verliert hier zunehmend seine Distanz zur Hauptperson Leni Gruyten und wird Teil seiner als sachlichen Reports gestarteten Erzählung. Sprachlich ist das Böll auf seinem Höhepunkt.

Mein Eindruck ist nun dennoch, dass dies Buch für heute nicht mehr wirklich von Belang ist. Es lässt sich vor allem als Spiegel seiner Zeit lesen. Irgendwie erinnerte mich das Leseerlebnis an das Schauen der "Tageschau vor 20 Jahren". Man bringt dem Interesse entgegen; hat auch das Gefühl bis auf die Details eigentlich alles zu kennen. Aber man nimmt nicht viel neues mit.

Bei bisher keinem anderem "alten" Buch hatte ich bisher das Gefühl, dass es nur für die Zeitgenossen von Belang sein könnte.
Daher bin ich in meiner Wertung etwas irritiert und vergebe nur 4 Sterne...
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5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk !!!, 3. März 2013
Von 
Frank U. (Nordrhein-Westfalen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Gruppenbild mit Dame (Gebundene Ausgabe)
Heinrich Böll zeichnet die Geschichte einer Frau nach und erzählt somit auch ein Stück deutscher Geschichte von 1920 bis 1970.

Der Erzähler (Böll) bezeichnet sich in der Geschichte als "Verf."

Böll erzählt die Geschichte der 48-jährigen Helene Maria Pfeiffer Gruyten. Die Geschicht gibt hauptsächlich die Geschehnisse, während und nach dem zweiten Weltkrieg wieder.

Böll schreibt in einem ironischen Stil, den ich persönlich in dieser Form vorher noch nicht kannte.

1972 wurde Heinrich Böll der Literatur-Nobelpreis verliehen "für eine Dichtung, die durch ihre Verbindung von zeitgeschichtlichem Weitblick und liebevoller Gestaltungskraft erneuernd in der deutschen Literatur gewirkt hat", so das Nobelpreis-Komitee.

Wer hätte zu Bölls Lebzeiten gedacht, dass die Bild-Redaktion einmal eines seiner Bücher verlegt. Schließlich war es die Bild-Zeitung, die nie ein gutes Haar an Böll gelassen hat.

Die ganze Reihe "Nobelpreis Bibliothek" umfasst 20 Werke von Nobelpreisträgern der Literatur. Es ist schön, dass gute Literatur in dieser hochwertigen, schmucken Reihe neu aufgelegt wurde.

Mann bekommt in einem niedrigen Preissegment - in dem sonst nur Taschenbücher angeboten werden - ein gebundenes, 460-seitiges Buch, das von einen deutschen Nobelpreisträger geschrieben wurde.

Ich kann den Kauf empfehlen.
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5.0 von 5 Sternen Nobelpreiswürdig, 18. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Gruppenbild mit Dame (Gebundene Ausgabe)
Man kann es kurz machen: der schon vor vielen Jahren erschienene Böll-Roman eignet sich zum wieder- und wiederlesen. Im wahrsten Sinne nobelpreiswürdig. Der Erzählstil des "Verf." ist herrlich, wenn auch nicht immer ganz einfach zu lesen. Er erfordert vom Leser Konzentration. Zugleich ist in diesem Stil eine Verfremdung enthalten, die irgendwie fasziniert. Die Schilderung der "Dame" durch die "Gruppe der Menschen", die sie in ihrem Dasein umgeben haben, ist fein nuanciert und lässt ihr Bild entstehen. Köstlich zu lesen wie Böll Mittel der Satire einsetzt. Das trifft insbesondere zu bei der Darstellung des Klosterlebens wie auch der Figuren in der Kranzbinderei der "kriegswichtigen" Friedhofsgärtnerei. Das Liebesverhältnis zwischen der Protagonistin des Romans und dem sowjetischen Kriegsgefangenen inmitten der Umgebung des "gewöhnlichen Faschismus" ist sensibel und mitreißend geschildert.

Pikant, dass ausgerechnet "Bild" diesen Roman von Böll verlegt, der zu dessen Lebzeiten zum Lieblingsfeind des Boulevardblattes geworden war und den es in die Nähe des Terrorismus der Rote Armee Fraktion zu rücken versuchte. Seine konsequente antifaschistische und kriegsfeindliche Haltung war dem Blatt ein Gräuel.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen H. Bölls Meisterwerk, 2. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Gruppenbild mit Dame (Broschiert)
Dass dieses Buch nicht leicht zu lesen ist, dass es ein Kampf sein kann, ist kein Argument gegen, sondern für dieses Buch. Kein anderes Buch über die Zeit vor und nach dem 2. Weltkrieg könnte besser zeigen, was in Deutschland passierte, wer Gewinner und wer Verlierer war. Dass auch die conditio humana beleuchtet und erhellt wird, macht das Buch zu einem dauerhaften Wegbegleiter durch viele Jahre einer wiederholten Lektüre. Nie wieder hat Böll diese Höhe der Dichtkunst erreicht, nie wieder hat er besseres über Deutschland geschrieben.

Wer Angst davor hat, dass ein Buch einen Leser packen kann: Finger weg!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Last des Schicksals, 24. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Gruppenbild mit Dame (Broschiert)
Heinrich Bölls Roman »Gruppenbild mit Dame« erschien 1971 und gilt als sein gelungenster Roman. Der Roman ist eine Böll-typische Erzählung, die inhaltlich den Bogen von der Kriegs-, über die Nachkriegs bis in die Wohlstandszeit schlägt.

Böll selbst sagte im Juni 1971 zu seinem Roman über die Last des Schickals: "Die Idee zu diesem Buch hat mich schon sehr lange beschäftigt, wahrscheinlich schon bei den meisten Romanen und Erzählungen, die ich bisher geschrieben habe. Ich habe versucht, das Schicksal einer deutschen Frau von etwa Ende Vierzig zu beschreiben oder zu schreiben, die die ganze Last dieser Geschichte zwischen 1922 und 1970 mit und auf sich genommen hat."

»Gruppenbild mit Dame« ist eine Erzählung über das Leben der Leni Pfeiffer. Er erzählt die Geschichte der 48-jährigen Leni Pfeiffer, die 1922 geboren wurde. Diese Leni Pfeiffer ist eine intelligente und gutherzige, aber ungebildete Frau. Ihre Familie zählt zu Beginn der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zu den Gewinnern dieser Zeit. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird ihre Familie von mehreren Schicksalsschlägen getroffen, und Leni ist schließlich fast auf sich selbst gestellt.

Gegen Ende des Krieges arbeitet sie in einer Kranz- und Blumenbinderei und lernt dort den sowjetischen Kriegsgefangenen Boris Koltowski kennen. Die beiden beginnen, obwohl dies verboten und außerordentlich gefährlich ist, eine Liebesbeziehung, und Leni gebiert kurz vor Ende des Krieges ein Kind von Boris. Boris, der von den Amerikanern gefangen genommen wurde, kommt bei einem Unglück in einer Kohlengrube um. Selbst der Sohn, den Leni von Boris hat, sitzt im Gefängnis.

Das "Gruppenbild" entsteht, als Böll um sich die Person der Leni Pfeiffer langsam eine Gruppe formiert. An der Person der Leni Pfeiffer und der Gruppe, die sich langsam um sie formiert, wird die deutsche Geschichte unserer Epoche mehrfach ironisch gebrochen. Das "Gruppenbild" ist dann auch ein Querschnitt durch die Gesellschaft: Kriegsgewinnler, Konformisten, Nonkonformisten, ausländische Müllfahrer, Beamte und - nicht zu vergessen - der Herr "Hochgestellt" geben ein glaubwürdiges Bild der dargestellten Zeitspanne ab. Böll ist mit seinem umfassendsten Werk ein eindrucksvolles Porträt deutscher Zeitgeschichte gelungen.

Böll zeichnet ein Sittenbild der Gesellschaft und ihm ist ein eindrucksvolles Porträt deutscher Nachkriegs- und Zeitgeschichte gelungen. Dieser Roman ist dabei sowohl eine dokumentarische Widmung als auch eine Art poetische Dokumentation.
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Gruppenbild mit Dame
Gruppenbild mit Dame von Heinrich Böll (Broschiert - 1974)
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