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am 28. Oktober 2006
Die Geschichte von Franz Biberkopf, Berlin Alexanderplatz, ist in dieser Hörbuch-Version ein Highlight. Hannes Messemer, der die Texte liest, setzt das Buch mit seiner sehr variantenreichen, virtuosen Stimme in bestechender Weise in gesprochene Sprache um, so dass die Geschichte und ihre Dialoge mit allen Gestalten pointiert und im Wechselspiel ihrer Einstellungen und Situationen sehr eindrücklich für den Hörenden entsteht. Auch schafft er es für meine Begriffe, den atmosphärischen Kolorit der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts sehr gut zu treffen. Dieses Hörbuch mit seinen 11 CDs und seinem großen Umfang an Text Alfred Döblins und sonstigem Material (Booklet) kann daher als ein ganz eigenes Kunstwerk auf Basis von Alfred Döblins Romanwerk angesehen werden. Das Hörbuch hat mich ohne Zweifel sehr beeindruckt und sehr gefallen. Ich habe es gerne angehört.
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am 1. Juni 2008
Ich habe Berlin Alexanderplatz nach zwanzig Jahren wieder zur Hand genommen und war erneut völlig begeistert von der virtuosen Beschreibung der Erlebnisse des Franz Biberkopf im Berlin der Jahre 1928-29. Die Geschichte ist die eines Kleinkriminellen, der aus dem Gefängnis entlassen beschließt anständig zu werden und doch an verschiedenen Prüfungen des Lebens scheitert, wieder kriminell, und dann zum Krüppel wird, schließlich seine Braut verliert und zum Schluss erkennt, dass er sich im Leben nur auf sich selbst und auf Gott verlassen kann. Döblin beschreibt ihn als den 'Hiob' Berlins.

Was mich bei der diesmaligen Lektüre jedoch besonders berührt hat, sind die Beschreibungen Berlins kurz vor dem Sieg der Nationalsozialisten. Es besteht eine breite Kluft zwischen der großen Masse der Armen, der Arbeiter, Arbeitslosen, Kleinhändler, Handwerker etc. und den wenigen Großbesitzern (die Letzteren bleiben im Roman anonym). Die Armen kämpfen ums Überleben und wenn sie 'anständig' bleiben, dann ist es vor allem aus Angst vor der Polizei und vor Strafe. Es gibt eine große Gewaltbereitschaft, politisch wählt man die Extreme und jeder sehnt sich nach einer Perspektive für eine positivere Zukunft. Die Beschreibungen erinnern in Manchem an das heutige Moskau, Bukarest oder Kiev. Man bekommt Angst, wenn man Döblin liest, dass sich die Geschichte wiederholen könnte, wenn die Politik im Osten sich nicht ändert und weiter wenig Gewinner, viele Verlierer und wenig Perspektive und Stolz auf das Erreichte hervorbringt. Die Assoziationen, die der sehr eigenwillige Stil erweckt, trugen bei mir zu diesem Vergleich bei: Gewalt, Alkohol, Prostitution auf der einen Seite und Werbung, Konsumdenken und Bürgerlichkeit auf der Anderen, alles wird in expressionistischer Manier beschrieben, um den Hintergrund der Erlebnisse der Hauptperson zu verdeutlichen, doch finden sie ihr Echo heute. Der Roman ist nicht einfach geschrieben, hat mich jedoch völlig in sich aufgesogen.
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am 15. Dezember 2009
Eines steht fest: Man liebt dieses Buch oder man hasst es, man liest es zu Ende oder hoert mittendrin auf. Wenn ich ein Buch dieser Komplexitaet zur Hand nehme, muss ich mich fragen, warum ich es tue und welche Erwartungen ich damit verbinde. Döblin schafft es, die damalige Zeit der Weimarer Republik lebendig werden zu lassen. Er macht sich zum Chronisten, beschreibt soziale und politische Zusammenhaenge, zeigt auf, laesst erahnen, wie es zum 3. Reich kommen konnte. Berlin ist nicht nur die Hauptstadt, sondern auch der Schmelztiegel, in dem sich die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten vereinen und auf engstem Raum nebeneinander leben, erhalten Einblicke voneinander. Hier ist es dem einzelnen moeglich, sich in einem bestimmten Rahmen auszuleben, Eigenarten zu entwickeln. Dennoch ist der Zwang zur Konformitaet gross. Berlin ist fortschrittlicher als die anderen Regionen des Landes, aber auch damals schon bunter. Berlin verfuehrt. Die Probleme engen, menschlichen Zusammenlebens, die Haerten des Lebens sind hier offensichtlicher und werden weniger durch die Gemeinschaft abgefedert, als es in beschaulicheren Teilen der Republik der Fall ist..
Mit den alltaeglichen Problemen konfrontiert, geht es fuer viele 'einfache' Buerger nur ums Ueberleben. Tagein, tagaus. Ums Ueberleben, ohne sich dabei verkaufen zu muessen. Was angesichts der Verhaeltnisse schwer genug zu sein scheint. Das versucht auch die Hauptperson Franz Biberkopf, um bei diesem Versuch zu scheitern und sich den Anforderungen der damaligen Zeit zu ergeben und zum kopflosen Mitlaeufer zu werden. Welche andere Chance haette er gehabt? Diese Frage muss jeder fuer sich selbst beantworten.
Doeblins Meisterwerk ist eine Bestandsaufnahme Berlins und der damaligen Zeit. Es gewaehrt uns Einblicke in das Denken, Handeln und Fuehlen eines Mannes, der den Lebensumstaenden auf Dauer nicht gewachsen war. Das Resultat folgte einige Jahre spaeter.
Die Dichte und Detailgenauigkeit der Erzaehlung entschaedigt fuer die teilweise anstrengende Schreibweise. Zeit und Ort werden fuer den Leser transparent und lebendig.
Meine Erwartungen wurden voll erfuellt, um auf meine anfaenglichen Ausfuehrungen zurueckzukommen.
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am 4. August 2005
Man mag, kann und muss über Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz" differenziert diskutieren. Die einen geißeln es als überladenes, wirres Roman-Ungetüm, während die anderen in ihm eines der größten deutschen Werke sehen, das sich in methodischer und sprachlicher Qualität als wahrer Schatz erweist.
Ob einem das Buch gefällt oder nicht, mag durchaus daran liegen, mit welcher Intention man sich an es heranwagt. Will ich einen zeitgenössischen Weimar-Roman lesen, der sich primär um die gesellschaftlichen Probleme der damaligen Zeit dreht und diese anhand des „babylonischen Berlins" festmacht oder möchte ich darüber hinaus, und das ist eine nicht zu vernachlässigende Prämisse, in die persönlich-emotionalen Weiten einer tragischen und zugleich umstrittenen Figur (Franz Bieberkopf) abtauchen. Das lässt sich synthetisch nur schwer miteinander vereinbaren, weshalb das Buch an manch gehegter Erwartungshaltung scheitert (siehe hierzu andere Rezensionen).
Franz Biberkopfs Kampf mit der Großstadt Berlin, ist auch ein Kampf mit dem Geist seiner Zeit. Verlockung und Abscheu zugleich: wie der verbotene Apfel im Garten Eden verführt ihn die Faszination an der Kriminalität. Biberkopf stilisiert sich dabei immer wieder selbst als Opfer, das sich den Fängen der urbanen Umgebung ausgesetzt sieht. Vieles von dem wie Biberkopf handelt, ist dabei kennzeichnend für die gesamtgesellschaftlichen Strukturen der Weimarer Republik
Dennoch tut man sich schwer Bieberkopf zu (er)fassen und sogleich auch die historische Dimension der 20er-Jahre („Goldenen Zwanziger") und deren fundamentale Umwälzungen zu begreifen. Sie sind nicht offensichtlich, sondern vielmehr in komplexer Art und Weise in eine ungewohnte methodische Form eingebettet: Zeitgenössische Schlager- und Werbetexte werden dabei mit Mono- und Dialogen vermischt, überblendet und mit „Zeitungsklatsch" vermischt. Das hört sich skurril an und mag den Zugang zur komplexen Welt, die Döblin ohne Frage in diesem Werk schonungslos präsentiert, erschweren, ist aber zugleich auch eine Herausforderung an und für den Leser.
Wie gesagt, es kommt auf die Erwartungshaltung an, leichte Kost ist Döblins Sujet in keinem Fall.
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am 15. August 1999
In den heutigen Tagen wird viel über Berlin geredet und die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts werden sowieso meist als „goldig" bezeichnet. In diesem Roman ist eben das Berlin der 20er Jahre Schauplatz und auch Thema. „Berlin Alexanderplatz" war der erste bedeutende deutsche Roman, in dem die Großstadt nicht nur Schauplatz und Rahmen der Handlung war, sondern thematisiert wurde. Und: er ist bis heute der bedeutendste deutsche Roman dieser Art. Die Großstadt Berlin der goldenen 20er(der Roman ist 1928/29 entstanden und spielt auch in dieser Zeit) ist es, in die der Strafgefangene Franz Biberkopf zurückkehrt. Die Stadt ist ihm fremd geworden und er fühlt sich unsicher und sehr einsam. Er will ehrlich werden, was aber durch vielfältige Gegebenheiten stark erschwert wird... Der Roman „Berlin Alexanderplatz" ist für alle, die sich mit der Stadt Berlin auseinandersetzen einfach ein Muß. Und für alle anderen ist das Buch wenigstens von der Geschichte her noch interessant und vielleicht kommen sie dadurch auch der Stadt Berlin etwas näher. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 8. September 1999
Seit seinem Erscheinen im Jahre 1929 ist der „Alexanderplatz" Döblins auf anhaltend großes Echo gestoßen. Als richtungsweisender Großstadtroman ist das Werk gedeutet worden, als modernes Volksbuch, christliche Dichtung, Unterweltsgeschichte, Bänkelsang des Berliner Milieumenschen, entartete Kunst und Asphaltliteratur, episches Lehrstück oder politischer Roman am Ende der Weimarer Republik. Die Ursachen für dieses Interesse sind in der Andersartigkeit des Romans begründet, der „Alexanderplatz" ist in mehrfacher Hinsicht ein Novum in der deutschen Literatur. Erzählt wird die Geschichte des ehemaligen Transportarbeiters Franz Biberkopf, der aus einer Berliner Haftanstalt entlassen wird und unter dem Vorsatz, von nun an anständig zu sein, in der Großstadt Berlin Fuß zu fassen sucht. Nach einer Reihe sich sukzessiv steigernder Schicksalsschläge bricht Biberkopf geistig und körperlich zusammen und geht schließlich als gewandelter Mensch aus der Krisis hervor. Döblin feiert nach einer Reihe von Mißerfolgen mit dem Alexanderplatz seinen Durchbruch. Mittels neuer Techniken, die annähernd zeitgleich von James Joyce im „Ulysses" und John Dos Passos im „Manhattan Transfer" erfolgreich entwickelt werden, kommt ein Roman zustande, der überkommene Sujets ebenso aufbricht wie die traditionelle Erzählweise. Eine Fülle von ständig wechselnden Erzählsituationen, eine neue didaktische Rolle des Erzählers, die dadurch ermöglichte Verbindung von Einzelmotiven und Nebengeschichten mit der Haupthandlung, schaffen ein kunstvolles und überaus komplexes Geflecht von Vorausdeutungen, Rückblenden und Parallelgeschichten, das in der Inszenierung an filmische Erzählweise heranreicht. Auf sprachlicher Ebene mischen sich Dialekt, Berichte aus Radio und Zeitung, medizinische und journalistische Fachsprache, politische Lieder, Werbeslogans und andere zeitgenössische und authentische Versatzstücke zu einem schillernden Erzählkomplex. Die Innovation auf dem Gebiet der Erzählstruktur ist unverkennbar. Sie eröffnet die Möglichkeit einer neuen Darstellung zeitlicher Dimensionen, von Parallelität und Simultaneität. Ein montierender Erzähler ist in der Lage, nunmehr ein gesamtes Wahrnehmungsprogramm vollständig wiederzugeben. Ein großes Buch, eine Momentaufnahme des Berlins der 20er Jahre und ein Markstein in der deutschen Literaturgeschichte. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 28. Juli 2010
Döblins 'Alexanderplatz' ist eines der wichtigsten deutschen Werke über die Zeit der Industrialisierung und die damit einhergehende strukturelle Veränderung der Städte. Als Franz Biberkopf, der proletische und gleichzeitig liebenswerte Protagonist, nach vier Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, findet er sein Berlin vollkommen verändert vor. Durch seine Augen sieht der Leser die vielen Baustellen in der Stadt, hört den Lärm der Dampfwalzen und spürt die Hektik, die plötzlich herrscht.
Der Roman ist als Bewusstseinsstrom Biberkopfes geschrieben und braucht deshalb einen starken Sprecher, der bei diesem vielschichtigen und ambivalenten Charakter den richtigen Ton trifft. Ben Becker ist dies gelungen. Nicht nur der Klang der Stimme, der zu eben jenen rauen Lebensstil Biberkopfs, der sich in zwielichtigen Kneipen der Berliner Unterschicht herumtreibt, sondern auch der Ausdruck sind fabelhaft nüchtern interpretiert. Ebenso wie der Leser des Buches dessen gebrochenen und resignierten Antihelden auf seinen Irrwegen durch die Stadt begleitet, bekommt auch der Hörer dieses Hörbuchs durch viele Zwischentöne einen tiefen Einblick in das Seelenleben dieser tragischen Figur.
Auch die Ausstattung bleibt ganz nah an der Figur und stört nicht mit vielen und überlauten Geräuschkulissen.

Tolle Inszenierung!
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TOP 500 REZENSENTam 13. April 2010
Mit Büchern geht es einem oft wie mit Menschen. Wenn man mehrfach und aufrichtig versucht hat, zu jemandem in Kontakt zu treten und es immer wieder scheitert, dann lässt man es schließlich. Ebenso ging es mir mit Döblins "Berlin Alexanderplatz". Ich habe dieses Buch immer gerne lesen wollen, weil alle erzählen, es sei ein Meilenstein der abendländischen Kulturentwicklung, doch ich habe die Lektüre immer wieder abgebrochen, weil mir der Stil zuwider war, weil mich die Handlung langweilte (insofern ich eine erkennen konnte) oder weil ich bei aller Mühe keinerlei Interesse für die Hauptperson Franz Biberkopf aufbringen konnte. Dann aber geriet dieses Buch auf die Agenda unseres Lesekreises, und nun half alles nichts mehr: nun musste ich es lesen, und wenn mit vor Ödnis die Brille von der Nase fallen würde.
Normalerweise lese ich ein Buch in wenigen Tagen. Für die ersten 90 Seiten "Berlin Alexanderplatz" habe ich über eine Woche gebraucht, nach zweieinhalb Wochen befinde ich mich nun auf S. 142 am Ende des vierten Buches. Manchmal packt einen ein regelrechter Widerwillen gegen dieses Konvolut, und die Lektüre macnher Seiten kommt mir so vor, als würde man Holzwolle lutschen oder sich selber eine Ohrfeige verpassen. Der Text ist im Stil freier Assoziation verfasst, und man muss sich immer genau überlegen, wer gerade spricht - ist es der Franz, ist es sein Gegenüber, oder ist es der Erzähler? Sehr oft erscheinen Nebenfiguren, die vom Autor genau vorgestellt werden, nur um gleich wieder zu verschwinden, ohne jemals wieder aufzutauchen. Innere Assoziationsketten und die Schilderung äußerer Abläufe gehen ineinander über, ebenso die Zeitebenen, mal wird etwas aus der Vergangenheit berichtet, dann befinden wir uns plötzlich schon wieder in der Gegenwart. Dass Döblin überwiegend Umgangssprache schreibt und seinen Ehrgeiz darin setzt, diesen restringierten Berliner Unterschichtenslang möglichst echt rüberzubringen, fordert vom Leser die Ausbildung einer ästethischen Elefantenhaut.
Und nun die Überraschung! Dergleichen Kritik macht in der Sicht der Döblin-Gemeinde gerade den Rang des Werkes aus. Das Unzusammenhängende ist die "Montage", der sich Döblin bedient, um die Fragmentarität des Großstadtlebens zu demonstrieren, die Schroffheit des Werkes, das alle Formen sprengt, ist seinem "Futurismus" geschuldet, d. h., dem festen Willen, etablierte Kunst- und Ausdrucksformen auf den Müll zu werfen. Allerdings muss man tatsächlich zugeben, dass Döblin mit diesen Stilmitteln hier und da literarische Passagen von bedrückender Eindringlichkeit gelingen - die Schlachthofszenen ab S. 119 des Buches gehören sicher zum Schockierendsten, das man in der Literatur lesen kann.
Wie aber verhält es sich mit der Handlung? Der Franz Biberkopf, der noch am Anfang das Gefängnis mit dem festen Vorsatz verließ: "Es können alle wieder auf die Beine kommen, die gesessen haben, und die können gemacht haben, was sie wollen." (S. 22), wird dann doch wieder rückfällig. Bei der Diebestour verunglückt er durch die Mitschuld seiner Kumpane, so dass sein Arm amputiert werden muss. Kurz darauf verliert er auch noch seine Braut, die hingebungsvolle "Mieze", die vom widerwärtigen Reinhold ermordet wird. Das Leid, das über dem armen Franz hereinbricht, hat etwas Knarrendes, es ist plötzlich so, also würde das Buch brummen, so schrecklich ist die Pein, die der arme Franz erleidet, der eigentlich gut ist, gut sein will und der doch scheitert. In diesen finalen Passagen gewinnt der Roman endlich etwas Packendes, weil nun Stil und Leid merkwürdig harmonieren. Am Ende leidet Franz Biberkopf am Leben mehr als der Leser an diesem Buch, Biberkopf hat sich zu einem modernen Hiob entwickelt, vom Leben grausam geprüft, stolz und uneinsichtig - und extrem leidensfähig, wie die abschließenden Szenen aus dem Irrenhaus beweisen.
Am Ende des Buches wird er zum zweitenmal aus dem Gefängnis entlassen und landet als "Hilfsportier in einer mittleren Fabrik(...) Weiter ist hier von seinem Leben nichts zu berichten."(S.409). Mit diesem Buch geht es mir genauso. Ratlos wie Franz Biberkopf bleibe auch ich nach der Lektüre des Buches zurück.
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am 17. Dezember 2009
Berlin Ende der Zwanziger Jahre: Die Weltwirtschaftskrise ist überwunden, die Wirtschaft hat sich stabilisiert, das Ende der Weimarer Republik ist abzusehen. Franz Biberkopf wird nach 4 Jahren aus der Haftanstalt in Tegel entlassen und weiß nicht mehr so recht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Kein geregelter Tagesrhythmus mehr, wie soll es mit ihm bloß weitergehen. Er hat niemanden mehr, nachdem er sein Geliebte Ida erschlagen hat. Durch die Hilfe der Gefangenenfürsorge, findet er zurück uns Leben und schwört, anständig zu bleiben. Er findet Arbeit als Strassenhändler, erst verkauft er Schlipshalter, später Zeitungen. Lina, Franz' neue Freundin unterstützt ihn und sorgt dafür, dass er anständig bleibt. Aber ein Zwischenfall mit Linas Onkel sorgt dafür, dass Franz alles wieder in Frage stellt und seinem anständigen Leben den Rücken kehrt. Er ist verletzt und muss erst mal seine Wunden lecken. Als er sich wieder gefangen hat, macht er die Bekanntschaft von Reinhold, dessen Freundschaft zu ihm Franz fast zum Verhängnis werden soll. Reinhold bringt Franz in Kontakt zu Pums, einem Hehler, der sich seine "Waren" selber besorgt. Bei einem "Einkauf" und einem Streit mit Reinhold verliert Franz seinen rechten Arm. Sein ehemaliger Knastbruder Herbert und seine Freundin Eva kümmern sich um ihn, pflegen ihn gesund. Eva stellt Franz ihre Freundin Sonja vor, die Franz fortan nur noch Mieze ruft. Er scheint wieder ein halbwegs anständiges Leben zu führen, bis er aus Langeweile wieder anfängt, für Pums zu arbeiten. Weder Mieze noch Herbert und Eva können ihn davon abhalten. Als Mieze eines Tage nicht nach Hause kommt, fällt ein dunkler Schatten auf Franz, der ihn fast zu Grunde richtet.

Alfred Döblin erzählt in seinem expressionistischen Roman "Berlin Alexanderplatz" nicht nur die Geschichte des Franz Biberkopfs sondern auch der Stadt Berlin, und gibt einen Einblick in das Leben Ende der Zwanziger Jahre in Deutschland. Der Roman ist Charakterstudie, Zeitbild und Gesellschaftskritik in einem. Mit einer Aktualität wie man sie auf den ersten Blick nicht vermuten würde.

Die Charaktere des Romans sind sehr gut skizziert. Wir lernen Franz Biberkopf als naiven, treu-doofen Mann kennen, der sich sehr leicht manipulieren lässt. Freundschaft ist ihm sehr wichtig. Um Gegensatz zu Reinhold: Er versucht, aus allem nur seinen Vorteil zu ziehen. Mieze hält treu zu Franz, hat Vorahnungen, kann sich aber nicht wirklich durchsetzen, genausowenig wie Eva.
Auch das Leben in einer Großstadt wird anschaulich beschrieben, man spürt förmlich das Gewusel der Stadt, hört den Lärm.

Der Erzählvorgang der Geschichte ist in Einzelteile zerbrochen, die Erzählperspektiven wechseln sich ständig. Das ist anfangs etwas befremdlich, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran. Döblin schafft metaphorische Bilder, die auf dem ersten Blick nichts mit der Geschichte zu tun haben, aber einen Hinweis darauf geben, wie die Geschichte weitergehen wird. Geschichten aus der Bibel und der Mythologie ergänzen diese Bilder. Allerdings sollte man schon eine sehr gute Allgemeinbildung haben, um diese Sachen auch richtig deuten zu können, andernfalls bleiben sie verwirrende Einschübe. Mit diesem Roman sollte sich der Leser kritisch auseinandersetzten, sollte ihn mehrmals lesen, um alles zu verstehen. Aber wer sich dran wagt, wird nicht enttäuscht werden.
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am 12. März 2009
Ben Becker gelingt hier eine geradezu meisterhafte Interpretation dieses imposanten Werks. Mal kaltschnäuzig, mal ungläubig, mal ratlos und dann wieder verzweifelt und hilflos. Er intoniert den Franz Biberkopf so überzeugend , dass sich dadurch eine deutliche Verstärkung dessen einstellt, was Alfred Döblin hat ausdrücken wollen. Die Surrealität des Werks wird so genial unterstützt. Und die versteht es meisterhaft, dem Hörer klarzumachen, wie kalt, orientierungslos und grausam diese Berliner Gesellschaft im Jahre 1929 gewesen sein mag.
Und das ist vermutlich genau das, was Döblin mit seinem Buch hat zum Ausdruck bringen wollen. Ein Meisterwerk! Umbedingt anhören!
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