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30 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Prophetisch, 8. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Der Aufstand der Massen (Gebundene Ausgabe)
Ortega y Gasset muß dem heutigen Leser, wie ein Prophet erscheinen, der seine Gedanken über Europa und seine Gesellschaft 1930 schrieb. Besonders interessant sind die Kapitel über den Vorteil der Massengesellschaft, der in der Bequemlichkeit und Sicherheit des Lebens gegenüber früheren Jahrhunderten besteht. Um so interessanter erscheinen die Gedanken über die Nachteile und den großen Preis, den die Massengesellschaft für die Bequemlichkeit und Sicherheit zahlt: staatliche Bevormundung, Polizei, Regeln, Vorschriften, Unfreiheit, Demokratie als Mittel zur Unterdrückung von Minderheiten; Minderheiten die herausragend sein können, aber die Masse, die demokratische Mehrheit stören und deshalb von dieser mittels Mehrheitsbeschlüssen (dem Knopf in Ortegas Sprache) mit Leichtigkeit erdrückt und ausgelöscht werden. Wer glaubt, selbst heute (im Jahr 2002) in einer "Individualgesellschaft" zu leben, in der er alle Freiheiten geniessen kann, der ist leider in diese Gesellschaft mit einer schicken Sonnenbrille hineingeboren worden und Teil des Systems geworden. Und weil er Teil des Systems ist, nimmt er alles als selbstverständlich wahr, die Technik, das soziale Gefüge, das seine Bequemlichkeiten ermöglicht hat, wie Luft und Wasser auf dieser Erde.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Träge Masse GEGEN Vitale Elite, 31. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Aufstand der Massen (Gebundene Ausgabe)
José Ortega y Gasset´s Abhandlung über den Massenmenschen beginnt mit dessen Machtergreifung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Während die Völker früherer Jahrhunderte von einer jeweils wechselnden Elite beherrscht wurden, gelang es der sozialistischen Idee in Verbindung mit der Industrialisierung, den Massenmenschen zur herrschenden Macht zu erheben.
Gasset unterscheidet strikt zwischen dem Massenmenschen und dem Individuum, wobei er –anders als der Begründer der Massenpsychologie Gustave Le Bon- nicht davon ausgeht, dass der Einzelne in der Masse zum Massenmenschen WIRD. Vielmehr IST man das eine -oder das andere.
Der Massenmensch produziert sich Tag für Tag neu -so wie er ist- wie ein Abziehbild, das jeden Tag schwächer wird, bis es verblasst. Er verlangt nichts von sich selbst, will nicht über sich hinaus wachsen, sich nicht verändern. Er begnügt sich mit dem, was er ist. Der Massenmensch kann nur durch Gewalt von aussen verändert werden. Von selbst ändert er sich nur, wenn der Schmerz des „status quo“ grösser ist als die Leiden einer Veränderung. Der Massenmensch geht immer den Weg des geringsten Widerstandes. Der Massenmensch schert sich nicht darum, ob etwas richtig ist, gut oder wahr; ihn interessiert das Angenehme. Er ist subjektiv und sich selbst das Wichtigste, er ist asozial und unmenschlich. Die Gedanken des Massenmenschen sind in Wahrheit nur Triebe in logischer Verkleidung. Es gibt nichts Positives am Massenmenschen, alle Errungenschaften der menschlichen Zivilisation sind von Einzelmenschen ausgegangen. Der Massenmensch kann langfristig nur mit Unterstützung des Einzelmenschen überleben, da er sonst an seiner eigenen Dekadenz zugrunde gehen würde, umgekehrt gibt es nichts, was der Elitemensch vom Massenmenschen lernen könnte.
Den Einzelmenschen dagegen kennzeichnet „die innere Notwendigkeit, von sich fort zu einer höheren objektiven Norm aufzublicken, in deren Dienst er sich freiwillig stellt. Er ist in der Lage, Dinge zu akzeptieren, die über ihm stehen. Er hat gelernt zu verzichten und zu erkennen, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als er selbst, kurz: Er ist bereit, einem Ideal zu dienen.
Es drängt sich der Vergleich auf zwischen dem gemeinen Proletariat und dem edlen Aristokrat. Oder zwischen intelligentem Juden und dem primitiven Rest. Jedenfalls ist nicht verkennbar, dass der Autor die Herrschaft der Massen als nicht gerade zuträglich für die Kultur und Moral der Menschheit wertet.
Dieses Buch bietet sicherlich eine Menge Stoff für Diskriminierung, aber eines lässt sich nicht leugnen: es gibt diese zwei Arten von Menschen!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Visionäre Dystopie, 15. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Aufstand der Massen (Gebundene Ausgabe)
Es ist immer wieder verwunderlich wie genau und visionär Menschen wie Huxley und Orwell und auch José Ortega y Gasset vor mehr als einem halben Jahrhundert die heutige Entwicklung aufzeichneten. Die Masse degeneriert durch das Überangebot durch die Reizüberflutung durch die Betäubung ihrer Sinne. Wie konträr sind diese Beobachtungen gegenüber Gottliebs Fichtes Erkenntniss über die Bestimmung des Menschen. Und hier kommen wir zu etwas was Ortega zu weiten teilen nicht benannte und das ist die Thematik wie die heutige Masse mit der Individualität umgeht. Ja seien wir doch mal ehrlich alles was in dieser Zeit den Stempel der Individualität trägt und bekommt wird doch mit psychologischen ICD und DSM Schlüsseln zugetextet. Die Masse mag keine Individualität, da sie eine scheinbare Abweichung der Norm darstellt. Aber sind es nicht genau diese "Nicht" "Normalos", die das kranke System als Ausnahme die die Regel bestätigt solange haben erhalten lassen ??? Ortega benannte es recht gut.
„Anderssein ist unanständig. Die Masse vernichtet alles, was anders, was ausgezeichnet, persönlich, eigenbegabt und erlesen ist. Wer nicht 'wie alle' ist, wer nicht 'wie alle' denkt, läuft Gefahr, ausgeschaltet zu werden.“

Das Weimarer Republik Szenario unter dem dieses Buch entstand, war ja nur der Vorlauf für etwas das jetzt folgen wird. Denn nach dem Aufstand der Massen folgt die Konsolidierung bei der wieder nach Individualität und Geistegegenwart geschrien wird. Und die traurige Wahrheit so scheint es ist das Nietzsche auch hier mit der ewigen Wiederkunft des Pudels Kern getroffen zu haben scheint. Der Übermensch also der homo superior scheitert an der Masse an den Plejebern deren Siegesgeheul ihren eigenen Untergang einleiten wird.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In unserer Zeit herrscht der Massenmensch; er ist es, der entscheidet., 4. Dezember 2010
Von 
Mag Sarah Krampl "sarahkrampl" (Villach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Aufstand der Massen (Gebundene Ausgabe)
"Der Aufstand der Massen", das Hauptwerk von José Ortega y Gasset, fertig gestellt im Jahre 1929, ist sowohl für die damalige Zeit, als der Begriff der "Masse" gerade in all ihren Facetten von mehreren Denkern beschrieben wurde (unter anderem im Werk von Gustave Le Bon: "Psychologie der Massen"), als auch heute von größter Wichtigkeit und gedanklicher Schärfe. Abgesehen von der damaligen Wirtschaftskrise und der schwierigen Nachkriegszeit in Europa, schafft es Ortega y Gasset sich auf das Massenphänomen zu beziehen, als sei es eine zeitlose Erscheinung und könne neben den konkreten Auswirkungen in der Zeit auch als zeitloses Thema behandelt werden. Masse und Freiheit sind zwei Begriffe, die determinierend sind und sich jedoch ausschließen. Wie im Traktat von John Stuart Mill "Über die Freiheit" betont Ortega y Gasset die Wichtigkeit der individuellen Freiheit, die nur durch Selbstverantwortung und Leistung zu erreichen ist. Deshalb meint er, dass nur eine geistige Aristokratie, eine geistige Elite es schafft, die Kultur eines Volkes, einer Gemeinschaft aufrecht zu erhalten. Teil einer geistigen Elite sind aber nur jene, die aus sich heraus etwas schaffen wollen, die aus individueller Arbeit und Schaffenskraft konkreten Bestrebungen nachgehen. Die demokratische Herrschaft stellt sich aber diesem Bestreben in den Weg, insofern, dass der Mensch dadurch träge und orientierungslos wird, weil keine Autorität über ihm ist, die ihn antreibt. Ohne Autorität ist der Mensch verloren, wobei Ortega y Gasset Autorität als etwas Positives definiert, indem der Mensch sich selbst eine eigene Autorität aussucht und gerne in diesem untergeordneten Verhältnis lebt, weil er sich geborgen, wohl und angenommen fühlt.

Ein weiteres Problem neben demokratischen Verhältnissen ist die Zunahme der Bevölkerungszahl. Wenn man sich vor Augen hält, was er meint:

"Seit dem Beginn der europäischen Geschichte im 6. Jahrhundert bis 1800 - also zwölf Jahrhunderte lang - beträgt die Einwohnerzahl Europas nie mehr als 180 Millionen. Von 1800 bis 1914 - also in wenig mehr als einem Jahrhundert - steigt die europäische Bevölkerung von 180 auf 460 Millionen!"

dann bedeutet der Bevölkerungszuwachs in gewisser Weise Chaos. Wenn in wenigen Jahrzehnten so viel mehr Menschen in Europa leben - und es gibt keine Ordnung ohne Organisation - dann kann eine vernünftige Organisation gar nicht gelingen, überhaupt wenn Gruppen auf sich selbst gestellt sind und keine Autorität mehr anerkennen. Das ist auch heute ein großes Problem: Man erkennt es am besten daran, dass, wenn eine Massenpanik ausbricht, Menschen einfach niedergetreten werden. Je mehr Menschen irgendwo zusammengepfercht sind, desto schwieriger wird, sich vernünftig und ordnungsgemäß zu benehmen und zu entwickeln.

Typische Merkmale für den Massenmenschen sind: Anonymität, Gefühlsbestimmtheit, Schwinden der Intelligenz und Schwinden der persönlichen Verantwortung. Der Massenmensch verzichtet auf "selbständiges, individuelles, rationales Verhalten und gibt sich an "eine gefühls- und triebbetonte, von möglichst vielen geteilte Reaktion" hin. Diese Auffassung war vielleicht zu Ortega y Gassets Zeiten noch utopisch, heute ist sie Realität. Die Kulturauffassung, wenn man überhaupt von einer Kultur sprechen kann, wird heute von den Medien diktiert und dominiert: Was zählt sind heute Gefühle, Kitsch und Passivität in all ihre Facetten. Wenn man daran denkt, dass schlechte Schüler in Österreich bald die Klasse nicht mehr wiederholen müssen, dann sieht man schon, wohin diese Tendenz führt - ins Nichtstun:

"In der Schule, wenn einer merkt, dass der Lehrer hinausgegangen ist, gerät die Bubenschar aus Rand und Band. Alle sind selig, dem Druck, den die Gegenwart des Lehrers ausübte, entronnen, des Jochs der Regeln ledig zu sein; sie wiehern wie die Füllen und fühlen sich als Herren ihres Schicksals. Aber sind die Vorschriften aufgehoben, welche Beschäftigungen und Pflichten regeln, so hat die junge Bande eigentlich nichts mehr zu tun, keine ernsthafte Arbeit, keine sinnvolle, stetige Aufgabe auf lange Sicht, und nun kommt es heraus, dass sie, sich selbst überlassen, nichts fertig bringen als Bocksprünge."

Die politische Entscheidung, dass Kinder in der Schule nicht mehr sitzen bleiben können, wurde deshalb getroffen, weil es die Mehrheit so will. Ortega y Gasset erkannte und legte in seinem Werk dar, dass jeder Herrscher, egal ob Monarch, Diktator oder wie heute die Parteien, immer das durchsetzen wird, was die Mehrheit will, was sich die Masse wünscht.

"Der Massenmensch ist der Mensch, der ohne Ziel lebt und im Winde treibt. Darum baut er nichts auf, obgleich seine Möglichkeiten und Kräfte ungeheuer sind. Und dieser Typus Mensch entscheidet in unserer Zeit."

Ortega y Gasset behauptet weiter

"Bleibt dieser Menschentypus weiter Herr in Europa, gibt er endgültig den Ausschlag, so werden dreißig Jahre genügen, damit unser Erdteil in die Barbarei zurückfällt. Die technische Beherrschung der Materie und des Organisationsapparates wird mit derselben Leichtigkeit verloren gehen, mit der so oft im Laufe der Geschichte Herstellungsgeheimnisse in Vergessenheit geraten sind. Das ganze Leben wird schrumpfen. Der augenblickliche Überfluss an Möglichkeiten wird sich in ausgesprochenen Mangel, Not, beklemmendes Unvermögen, in einen wahrhaften Niedergang verwandeln. Denn der Aufstand der Massen ist dasselbe, was Rathenau den "vertikalen Einfall der Barbarei" genannt hat."

Darum plädiert Ortega y Gasset für eine geistige Elite, eine geistige Macht, "Adel erkennt man am Anspruch an sich selbst, an den Verpflichtungen, nicht an den Rechten". Heute jedoch denkt der Massenmensch, er habe nur Rechte aber keine Pflichten. Außerdem schreibt Ortega y Gasset weiter "Im öffentlichen Leben gibt es keine Frage, in die er (der Massenmensch) sich, taub und blind wie er ist, nicht einmischte, seine Ansichten durchsetzend". Der Massenmensch ist naiv, beschränkt, hochmütig, arrogant und rücksichtslos. Ihn interessiert nicht die Kultur aufrecht zu erhalten, sondern "was ihm am Herzen liegt, sind offenbar Automobile, Anästhetika und ein paar andere Dinge [...] Das heißt, man verzichtet auf ein kultiviertes Zusammenleben, das ein Zusammenleben unter Normen ist, und fällt in eine barbarische Gemeinschaft zurück."

Ortega y Gasset beschäftigt sich sehr lange mit der europäischen kulturellen Gemeinschaft und sieht voraus, dass Europa nicht aus Deutschen, Franzosen und Engländern besteht, sondern aus Europäern. Das Problem ist aber, dass Europa nicht nur jegliche Sittlichkeit und Moral aufgrund der aufkommenden Massen- und Medienherrschaft verloren hat, sondern sich keine gemeinsame Aufgabe stellt:

"Die Europäer können nur leben, wenn sie in eine große gemeinsame Aufgabe hineingestellt sind. Fehlt diese, so werden sie gewöhnlich und schlapp; die Seele geht ihnen aus den Fugen".

Ortega y Gasset gelangt zu dem Schluss:

"Jetzt erntet Europa die schmerzlichen Folgen seines geistigen Verhaltens. Es hat sich vorbehaltlos einer glänzenden, aber wurzellosen Kultur verschrieben."

Insgesamt findet Ortega y Gasset, dass die Herrschaft des Massenmenschen schädlich ist und der Massenmensch, in diesem Fall die europäische Gesellschaft untergehen wird, weil er nicht mehr bereit ist, das Leben als das zu sehen was es sein sollte: Arbeit, Verpflichtung, Anstrengung und Zusammenhalt. Nur wer bereit ist über sich selbst hinaus zu wachsen, gehört zur geistigen Elite, gehört zu jenen, die es vielleicht in einem andere Teil der Welt schaffen werden, eine Kultur aufrecht zu erhalten. Jedenfalls enthält dieses Buch viele Prophezeiungen die in unserem 21. Jahrhundert schon fast Realität geworden sind, dass es sich lohnt es zu lesen und darüber nachzudenken.

Zwei interessante Sätze konnte ich noch mit zwei gegenwärtigen Philosophen verbinden, die das gleiche gesagt haben, und die mich tief beeindruckt haben. Ob Konrad Paul Liessmann und Peter Sloterdijk diese Gedanken aus Ortega y Gassets Werk haben oder selbst darauf gekommen sind, sei dahingestellt.
Ortega y Gasset schreibt auf Seite 38:

"Der Gedanke, dass der Geschichtsschreiber ein umgekehrter Prophet ist, fasst die ganze Philosophie der Geschichte zusammen".

Konrad Paul Liessmann sprach in einem Vortrag auch über Geschichte als "Rücklaufende Prophetie".

Auf Seite 46 schreibt Ortega y Gasset:

"Wenn man im Leben fortschreitet, bemerkt man bis zum Überdruss, wie wenig Menschen zu einer Anstrengung imstande sind, die ihnen nicht als genaue Antwort auf eine äußere Notwendigkeit auferlegt wird [...]. Sie sind die Ausgezeichneten, die Edlen, die einzigen Aktiven, nicht nur Reaktiven, für welche das Leben eine ständige Spannung, ein unaufhörliches Training ist. Training = Askesis. Sie sind Asketen".

Nun, Peter Sloterdijk sagt in seinem Buch "Du musst dein Leben ändern" im Prinzip dasselbe, wenn er behauptet, dass das Leben insofern ein Training sein soll, dass man immer weiter lernen, um wie im Sport Spitzenleistungen zu schaffen, auch im Leben immer weiter trainieren soll, dass dies der einzige sinnvolle Grund unserer Existenz sein sollte.

Ein weiteres Buch, das sich mit einer ähnlichen Thematik über Massenmensch und Freiheit beschäftigt, ist "Die Furcht vor der Freiheit" von Erich Fromm.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Entwicklung der Gesellschaft aus der Perspektive eines großen Essayisten, 3. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Aufstand der Massen (Gebundene Ausgabe)
Ortega y Gasset war ein Philosoph, der sich einer außergewöhnlich klaren Sprache bediente. Er war ein Virtuose, was die Darstellung großer Zusammenhänge betrifft. Ich empfehle jedem, seine Essays und seine Bücher zu lesen. Man sieht die Welt danach jedes Mal einfach mit anderen Augen, mit aufgewecktem Geist, man schmeckt und riecht und fühlt sie wieder in volleren, stilleren, harmonischeren Zügen. Die Metapher ist in seiner praktischen Lebensphilosophie nicht wegzudenken. Mit ihr lässt der Autor seine Ideen vor unserem geistigen Auge entstehen, damit sie von uns verstanden und nicht bloß gewusst werden.

Der Autor verwendete das westliche Denken (ab 1936 lebte er in Frankreich und Argentinien im Exil, ab 1943 in Portugal...), um den Anspruch einer lateinamerikanischen Identität gegenüber Europa zu rechtfertigen. Auf diese Weise zwang er schließlich Europa, die eigene problematische Situation zu überdenken:
Die Anonymität (siehe auch H. Marcuses "Der eindimensionale Mensch") des menschlichen Seins und Verhaltens; die vollkommen neuen Existenzbedingungen des Menschen im Industriezeitalter; Marktfundamentalismus (siehe auch Jean Ziegler: "Das Imperium der Schande"); Luxusgewohnheiten und die grundsätzliche Undankbarkeit gegenüber allem, was das eigene reibungslose Dasein ermöglicht hat.

Auch in anderen Büchern hat er betont, dass der entscheidende Faktor in der Geschichte eines Volkes der Durchschnittsmensch ist. Die Analyse des Massenmenschen: Was früher Begrenzung, Verpflichtung, Abhängigkeit war, ist heute Sinnesüberreizung und ungehemmte Ausdehnung egoistischer Lebenswünsche, Gedankenlosigkeit und Verführbarkeit der Massen durch die Medien. Versicherung und Sicherheitsdienste statt innerer Gewissheit. Immerzu das Recht einfordernd, alles zu dürfen und zugleich zu nichts verpflichtet zu sein. Die vollkommene Organisation äußerer Lebensordnungen beeinflusst die Massen dahingehend, diese Bedingungen nicht als Folgen intensiv betriebener Organisation, sondern als Natur - und naturgegebenes Recht - zu betrachten.
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14 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen eine soziale und systemische Verstehensweise des Fortschritt, 11. Dezember 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Aufstand der Massen (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch wird oft verkannt und nicht verstanden: die Interpretation erfolgt oft im Sinne einer postumen Verwendung der Inhalte für eigene Zwecke, z.B. in der Hermeneutik. Es ist sehr spanisch und schwer zu interpretieren, manchmal wird Ortega als elitär kritisiert. Es kann aber gesagt werden, dass es eine nützliche Information dazu gibt, wie das system von Masse, Elite und Bildung nachhaltig gestaltet werden kann und wie dieses System Gewalt in unserer Gesellschaft mindert. Es kann als ein möglicher Zugang zur Entwicklung von Systemtheorie verstanden werden, vom sozialen Gedanken ausgehend, aber es kann vor allem ein Beispiel dafür geben, wie Konflikte und Gewalt zu lösen sind, also auch ein Handlungs- oder Interaktionsmodell liefern. Die Provokation des Lesers bezogen auf die Eitelkeit ist doch gerechtfertigt: das verstehen all die, welche die von Ortega vorgeschlagene Anstrengung leisten. Es werden Ideen und Gedanken sehr Emotionsreich vorgetragen, wodurch sie sehr authentisch auch wenn spanisch wirken. Spannend dürfte doch vor allem sein, dass das Werk in einer solch frühen Zeit und in Spanien entstand. Man sollte es lesen um heutige spanische sozialpolitische Haltungen darauf beziehen zu können, welche in der EU von entscheidender Bedeutung sind, für die nachhaltige Entwicklung von Sozialpolitik. Wichtige Details sind doch die, dass er so etwas wie die heutige Greencard voraussagte um mal ein Beispiel zu nennen. Insbesondere fordert der Autor aber die Politiker dazu auf ihre Funktion als langfristig denkende Generalisten, nicht als Spezialisten, zu verstehen und zu erfüllen.
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12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen noch mal neu drüber nachdenken ..., 20. Januar 2003
Von 
FrizzText "frizz" (Wuppertal) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Der Aufstand der Massen (Gebundene Ausgabe)
"der kommunismus ist eine moralische ausschweifung..." bemerkte jose ortega y gasset lakonisch. und: "wenn die masse selbständig handelt, tut sie es nur auf eine art: sie lyncht..." das hat ihn bei kommunisten nicht gerade beliebt gemacht. in einem DDR-philosophie-lexikon (1982) findet sich der gegenhieb: "mit rassistischen argumenten unterstellt ortega, dass der kommunismus zwar für die slawen, nicht aber für die europäer geeignet sei. mit diesen anschauungen wurde ortega während des kalten krieges zu einem geeigneten ideologischen partner der imperialistischen bourgeoisie. er prägte elite-theoretische konzeptionen..." 1929 war ortegas berühmtestes werk, "der aufstand der massen" erschienen - viel, auch in deutschland, gekauft - wenig besprochen... warum? kritik der masse in ihren negativen auswüchsen müsste doch allmaehlich erlaubt sein, man muss ja nicht royalist sein, um dies erkennen zu koennen. die idee eines geeinten europa, kann ebenfalls nun keine gefahr mehr darstellen: es ist vollbracht. was ist denn dann noch gefährlich oder fragwürdig an ortega? dass ortega aufgrund des ausbruches des kommunistisch unterstützten befreiungskrieges sein spanien verließ, mag durchaus akzeptabel erscheinen, für einen denker, der von berufs wegen ideologien infrage zu stellen hat. dass er seine emigration aber ausgerechnet 1939-1945 in deutschland (mit zwischenaufenthalten in portugal), in der nähe heideggers verbrachte, bringt etwas stirnrunzeln und nachfragen in gang. mit heidegger mag ihn (als ehemaligen sich in die widersetzlichkeit rettenden jesuiten-schüler) die kritik am papsttum und der wunsch nach entkonfessionalisierung verbunden haben. auch ist er mit seiner die individuelle biographie (im sinne bergsons) ernstnehmenden konzeption der existenzphilosophie deutlich zuzurechnen. wie heidegger mit den kapiteln über das "man" sein unbehagen ausdrückt, so empfindet auch ortega sprache als kampf zwischen persönlichem meinen und dem, was die leute sagen. ortega hat auch durchaus einen bezug zur heiteren seite des daseins. heidegger liebte zu sehr das pathos des schreckens und schrecken-verbreitens - umsomehr sind denker nötig, die humor als anthropologisches fundament begreifen können. ortega-kostprobe: "die frau ist kein raubtier. sie ist die beute, die dem raubtier auflauert." diese bemerkung kommt vom fachmann. ortega hat sich auch ausgiebig zu einer philosophie des waidgerechten jagens geäußert. "es steht uns durchaus frei, vor unserer wahrhaften bestimmung zu desertieren, aber nur, um als gefangene in die unteren stockwerke unseres schicksals zu fallen..." schreibt ORTEGA auch ziemlich spöttisch. also, man lese ortega doch noch einmal mit leichtigkeit und ironischer genussfähigkeit - vielleicht begreift man ihn dann allmählich - und die spanier gleich mit - die, wie wir wissen, es hinter den ohren sitzen haben ...
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbehagen am Massenmenschen, 2. Juli 2012
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Aufstand der Massen (Gebundene Ausgabe)
José Ortega y Gassets Der Aufstand der Massen ruft bis heute unterschiedliche Reaktionen hervor. Den einen gilt der Spanier als feinsinniger Philosoph, der in seiner 1929 erschienenen Schrift das Aufkommen totalitärer Regimes prophezeite. Die anderen ordnen ihn der rechten Kulturkritik in die Tradition Oswald Spenglers zu. Ein Antidemokrat aber war Ortega nicht, eher ein enttäuschter Idealist. Verbittert registrierte er den Niedergang der liberalen Demokratie in seiner Zeit: Das im 19. Jahrhundert verkündete Ideal von Freiheit und Gleichheit sei im 20. Jahrhundert zu einer reinen Selbstverständlichkeit geworden. Ob Wahlrecht oder Autos, ob technischer oder medizinischer Fortschritt: Alle Errungenschaften der Zivilisation nehme der moderne Mensch wie ein verwöhntes Kind hin, ohne sich für ihre Grundlagen oder Fortentwicklung zu interessieren - eine Kritik, die bis heute aktuell geblieben ist. In immer neuen Bildern und teilweise drastischen Formulierungen prangert Ortega Oberflächlichkeit, Konformismus und die Missachtung Andersdenkender an. Mitunter allerdings rückt seine scharfsinnige Zeitdiagnose in die Nähe von Stammtischparolen: Masse - das sind eben immer bloß die anderen.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Welche Meinung hat unsere Zeit von sich selbst?, 6. Dezember 2011
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Aufstand der Massen (Gebundene Ausgabe)
"Der Massenmensch ist der Mensch, der ohne Ziel lebt und im Winde treibt. Darum baut er nichts auf,
obgleich seine Möglichkeiten und Kräfte ungeheuer sind. Und dieser Typus Mensch entscheidet in unserer Zeit."

José Ortega y Gasset (1883-1955) hat im Jahre 1930 sein Hauptwerk veröffentlicht. In einer Zeit der politischen und gesellschaftlichen Unsicherheit in Europa schien eine Bestandsaufnahme notwendig. Der Massenmensch seit Le Bon in die Wirklichkeit gezogen und der Analyse unterworfen, mit Freud zur Ich-Analyse bewegt wird hier in diesem Werk gegen jede Form von Utopie gesetzt. Seit 2007 leben mehr als 50% der Weltbevölkerung in Städten (vgl Rifkin). "Die Städte sind überfüllt", lesen wir und weiter, dass, was früher kein Problem war, jetzt unausgesetzt gilt: "einen Platz zu finden". Die Individuen gab es schon immer, aber eben nicht als Menge. Sind sie nun Menge in der neuen virtuellen Welt oder sind sie Individuum ohne Anschluss? "Gibt es keine Helden mehr, nur noch den Chor?", fragt Ortega berechtigterweise. Verlassen uns die Eliten zugunsten einer Vermassung, fragte er ebenso. "Die Masse vernichtet alles, was anders, was ausgezeichnet, persönlich, eigenbegabt und erlesen ist. Wer nicht 'wie alle' ist, wer nicht 'wie alle' denkt, läuft Gefahr, ausgeschaltet zu werden." Die Politik der Mitte hat Anschluss an alle Parteien. Jede Wahl ist ohne Gegner, die Extremen werden dadurch positioniert.

Fordert die heutige Gesellschaft wieder die Zeit des Ausgleichs, eine Angleichung an eine Regel in Kultur, Geschlecht und Wirtschaft? Ist diese Angleichung, die z.B. ein Europa fordert von allen zugehörigen Staaten eine Position der zukünftigen Stärke? Wird dieser Aufstand der Massen zu einem Ziel einen "unermesslichen Zuwachs an Lebenskraft und -möglichkeiten" bedeuten? Ortega sieht in der Herrschaft der Massen durchaus eine positive Seite. Aber nur, wenn sie "auf der Höhe der Zeit" ist. Nun muss diese velofizierte Zeit nicht gemessen werden an der Höhe des Pulsschlags. Die Höhe der Zeit ist die Beziehung des Jahrhunderts relativ zum Niveau der vergangenen Zeiten. Das galt damals wie heute. Der alte Spruch: Jede vergangene Zeit war besser! gilt nur im Verhältnis zu den Gefühlen in einer Epoche. Schon Hesiods Goldenes Zeitalter wird zu einer Legende, jedoch gleichzeitig als Maßstab folgender Zeiten. Nur in denen lebt man und muss sich dort einrichten.

In Cervantes großen Roman gab es die alte Weisheit, ein Weg sei besser als die Herberge. Denn ein Ziel erreicht zu haben, verringert jedes Begehren, jedes Verlangen; "die Quelle jeden Wünschens ist versiegt". Das heißt auch, dass jeder Weg in Frage gestellt werden kann. Denn geht man immerfort denselben und nennt diesen im wahrsten Sinne "Fortschritt", bleibt nur der Gedanke eines Gefängnisses. Denn der immerwährend gleiche Weg führt nicht ins Freie, wie Ortega richtig sagt. Eine Melancholie der Ruinen ist nicht das, was bewegt. Genauso wird ein Übereifer des rein Virtuellen nicht das Echte beweisen. Allen Prognosen ist eigen, einen unvorhersehbaren und offenen Horizont von Möglichkeiten zu eliminieren. Offenheit und Zugriff auf das Echte sind die Fülle des wahren Lebens.

Jede Zeit stellt die Frage: "Zu welcher Zeit möchten Sie gelebt haben?" Und die Proustsche Suche nach der verlorenen Zeit nimmt ihren Lauf. Es ist richtig, die Standpunkte für neue Horizonte zu wechseln, es ist richtig, einen neuen Blick auf dasselbe zu werfen. Doch welche Meinung hat unsere Zeit von sich selbst?

Die quantitative und qualitative Steigerung gegenüber anderen Zeiten ist unbestritten. Wir wissen mehr als Aristoteles mit Newton und mehr als Newton mit Einstein und Heisenberg. Wir beherrschen die Technik mehr als die Ägypter es taten und doch staunen wir vor den Pyramiden. Doch wie steht es um die Werte? Der augenblickliche Mensch weiß von seiner Differenz, er weiß sich um mehr Möglichkeiten ausgestattet und doch treibt ihn ein Unbehagen an der Kultur (Freud). Ortega zeigt die günstigen Aspekte der Massen und doch wird er die gefährlichen Seiten nicht vernachlässigen können und dürfen.

Betrachten wir die Historie, wird klar werden, dass nicht Ratschläge, etwas zu tun, uns dort erwarten, sondern eher die Ratschläge, etwas zu lassen. Denn in allem gilt die menschliche Freiheit, etwas zu entscheiden, nämlich es zu tun oder es zu lassen. Es gibt keine Umstände, die entscheiden. Die Geburt eröffnet mehrere Wege. Welche man geht, ist Ergebnis der Entschlusskraft, die niemals ruhen kann. Und dieser individuelle Freiraum ist auch Freiraum eines Kollektivs. Die von diesem vorgelegten Programme sind Grundlage eines gemeinschaftlichen Lebens, sei es gesellschaftlich, politisch oder wirtschaftlich. Ortegas Schelte gegen die Mittelmeerländer, politisch wie auch wirtschaftlich in den Tag hineinzuleben, erscheint wie von heute. Wenn er sagt, dass damit sich keine Zukunft ankündigt und jeder Lebensplan vermisst wird, dann scheint er ein aktueller Redner zu sein. Und für diese Tatsachen sucht er Klarheit über die Beschaffenheit des Massenmenschen.

"Ohne eine neue geistige Macht wird unser Zeitalter einer Katastrophe zutreiben". Könnte dieser Satz von Comte heute noch ungeteilt gelten, wäre der Historiker ein umgekehrter Prophet. Aber wir wissen, das wir heute in einer vitalen Welt leben, eine radikale Umkehr in Bezug auf frühere Zeiten. Und doch ist dieser neue Lebenshintergrund vergleichbar, was die Führung angeht. Denn die alten Strukturen einer Bestrafungsgesellschaft (Foucault) werden heute nur von der Fremdbestrafung zur Selbstbestrafung verändert. Aus dem alten "Du sollst!" ist ein globales "Ich kann!" geworden und mit der Selbstführung und dessen Scheitern sind wir eingetreten in ein Massenphänomen der neuronalen Krankheiten (Depression, Borderline, ADHS, Burn-Out). Der absurde Seelenzustand ist damals wie heute der gleiche. Jeder beschäftigt sich mit seiner Wellness und Fitness und zugleich arbeitet er den Ursachen für das Wohlbefinden entgegen. Sich zu erinnern, das wir sind, wie die Welt uns einlädt zu sein, kann den Umgang mit der Welt wieder auf die Füße stellen. Es Leben zu nennen, wenn man nirgends auf Grenzen stößt, heißt auch, jeden sich selbst zu überlassen. Der Mensch der Masse unterliegt also nicht mehr der Führung materieller Beschränkungen, sondern gewinnt die Chancen aus eigener Kraft zu gewinnen oder zu scheitern; systemimmanent und damit als Massenmensch.

Dass Ortega schlussendlich den Menschen in seiner Haltung kritisiert, in dem er ihm unterstellt, jedes Recht und keine Pflicht zu haben glaubt, entspricht vergleichend mancher heutigen Meinung. In allem liest sich der Philosoph modern, aktuell, weise und auf der Höhe dieser Zeit. Gut, es geht um Menschen und vielleicht können wir davon ausgehen, dass sich trotz Erkenntnis wenig ändert, wenn die Umstände als gern genommene Gründe überhand gewinnen müssen. Die Masse bewegt sich nach den Umständen, es sei denn, jemand definiert die Umstände nach seinem Gusto. Und damit ist Ortega bei einer Lebensphilosophie, die nicht die Gleichheit predigt, sondern die Chancen in der subjektiven Ausprägung Einzelner, asketische Elite zu sein, sieht. Anlass zur Diskussion gibt dieses Werk damit allemal.

Dennoch! Ein sehr interessanter Ausflug in eine wichtige Zeit. Freuds Unbehagen in der Kultur erschien im gleichen Jahr. Ebenso sind Le Bon (1895), Spengler (1918) und Freud (1921) in ihren Szenarien einer Weltbeschreibung zu empfehlen. Aus der Masse auszutreten, hieße sein Leben ändern. Sloterdijks (2009) Aufruf zur Askese folgt dem Szenario von Ortega.
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Der Aufstand der Massen
Der Aufstand der Massen von José Ortega y Gasset (Gebundene Ausgabe - 18. Februar 2002)
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