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29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannender als ein Kriminalroman, 30. Dezember 2008
Von 
Volkmar Weiss - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wendepunkte: Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
Nach Kershaws Analyse sind die Kriegsjahre 1939 bis 1941 durch zehn Entscheidungen der führenden Politiker geprägt worden, die in jedem Falle auch anders hätten getroffen werden können. Kershaw gelingt es jedoch deutlich zu machen, daß in allen zehn Fällen die Politiker zu der Überzeugung gelangten, daß ihre Entscheidung nur so richtig seien und nicht anders. In allen zehn Fällen wird ausführlich der Hintergrund dargestellt, auf denen diese Entscheidungsfindung stattgefunden hat und das jeweilige Wissen der Akteure über die Gegenseite. Man kann die zehn Abschnitte auch einzeln lesen.

Im Nachhinein ist man stets klüger. Deutlich wird aber, daß 1940 auf Seiten der Achsenmächte der Angriff Italiens auf Griechenland, anstatt von Libyen aus auf den Suez-Kanal vorzugehen, und im Dezember 1941 die Kriegserklärung Hitlers an die USA - nach Kershaw zu diesem Zeitpunkt "die rätselhafteste Entscheidung des Zweiten Weltkriegs" - für den Kriegsverlauf und -ausgang von großer Bedeutung waren. Rätselhaft vor allem deswegen, da Japan seit Sommer 1941 keinerlei Anstalten gemacht hatte und machte, die sowjetischen Streitkräfte im Osten durch einen Angriff oder wenigstens einen Scheinaufmarsch zu binden, obwohl es auch in Japan durchaus derartige Überlegungen gegeben hatte. Hitler, Mussolini und Japan verfolgten jedoch eigene Ziele, und die Abstimmung unter ihnen war gering oder fehlte völlig.

In diesem Zusammenhang sind möglich gewesene alternative Entscheidungen ein beliebter Ausgangspunkt für kontrafaktische Geschichte, vergleiche
The World Hitler Never Made: Alternate History and the Memory of Nazism (New Studies in European History).

Kershaw schreibt zwar viel fesselnder als Heinz Magenheimer, jedoch ist es sehr zu empfehlen, als Bildungshintergrund Kriegsziele und Strategien der großen Mächte 1939-45 gelesen zu haben.
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28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Entscheidungen weniger, Schicksal vieler, 5. Dezember 2008
Von 
Heinz Abler "habler" (Winterthur, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wendepunkte: Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
Ian Kershaw stellt in diesem Buch die seiner Ansicht nach entscheidenden Wendepunkte nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zur Diskussion. Diese Entscheidungen fielen alle in der Periode zwischen dem Frühjahr 1940, als sich für Frankreich (und England) ein Desaster abzeichnete und dem Herbst 1941, als Hitlers Wehrmacht im Schlamm vor Moskau zum Stehen kam. Die Brennpunkte sind Berlin, Rom und Tokio auf der Seite der agressiven Achsenmächte, sowie London, Washington und Moskau auf jener der defensiven Alliierten.
England beschliesst unter der Führung Churchills im Juni 1940, sich keinem Friedensdiktat Hitlers zu unterwerfen und den Krieg fortzusetzen, in der Hoffnung, im Laufe der Zeit von den USA unterstützt zu werden. Hitler entscheidet sich, die Invasion Englands auf unbestimmte Zeit zu verschieben, um zuerst die Sowjetunion in einem Blitzkrieg nieder zu werfen. Mussolini will, in völliger Verkennung seiner militärischen Möglichkeiten, im Windschatten Hitlers sich seinen Anteil an der Beute heraus schneiden und Herr übers Mittelmeer werden. Tokio entschliesst sich, sein Imperium über China hinaus nach Südostasien auszudehnen, unter Inkaufnahme des Widerstandes der USA. Roosevelt sieht sich genötigt, sein kriegsunlustiges Volk und den Kongress davon zu überzeugen, dass England unter allen Umständen mit Kriegsgütern zu versorgen ist, was später faktisch zum Kriegseintritt der USA führen muss. Stalin seinerseits glaubt, alles besser zu wissen und entscheidet sich dafür, alle Warnungen hinsichtlich eines unmittelbar bevorstehenden Angriffes der Wehrmacht in den Wind zu schlagen, nachdem er die Rote Armee ihrer fähigsten Führer beraubt hat. Die Entscheidungen des Jahres 1941 fallen in der Folge der vorangegangenen Ereignisse in Tokio (Pearl Harbour) Washington (schleichender Kriegseintritt ohne Kriegserklärung) und Berlin (Krieg gegen die USA und "totaler Krieg" mit der Ermordung der Juden).
Naturgemäss konzentriert sich die Entscheidungsgewalt in Diktaturen auf Einzelfiguren (Hitler, Mussolini, Stalin), während im Falle von England, den USA und, beschränkt Japan, Entscheidungsprozesse auch unter Berücksichtigung zunächst widerstrebender Meinungen in Gang kamen.
Kershaw gelingt es brillant, anhand dieser Weichenstellungen die politischen Verhältnisse jener Zeit in den betroffenen Ländern anschaulich zu schildern und die Entwicklungslinien, die zu diesen, für die ganze Welt schicksalhaften Entscheidungen führten, zu skizzieren.
Gewiss, Entscheidungen hätten auch anders ausfallen können und wären dann Gegenstand kontrafaktischer Geschichtsschreibung. Kershaw ist sich dessen bewusst, erliegt aber der drohenden Gefahr nicht. Dennoch meint er im Vorwort, man könne sich kontrafaktischen Überlegungen nicht ganz verweigern, denn nur so erschlössen sich die historischen Ereignisse in ihrer wahren Dimension. Dem kann man sehr wohl zustimmen.
Kershaw ist ein grosses Werk gelungen und sei allen zeitgeschichtlich Interessierten, und vor allem jenen, die es werden wollen, ans Herz gelegt.
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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen beeindruckend!, 16. Januar 2011
In diesem Buch geht es ausschließlich um die Hintergründe von *politischen* Entscheidungen - militärische Aspekte des 2. Weltkrieges kommen (wenn überhaupt) nur am Rande zur Sprache.
Dabei wird jeweils die Vorgeschichte und der Kontext einer politischen Entscheidung beleuchtet, sowie potentielle Entscheidungsalternativen diskutiert.
Spannend ist so etwa die Darstellung der Positionen verschiedener politischer Größen in den einzelnen Entscheidungszentren.
Kontrafaktorische Überlegungen werden auch angestellt - aber niemals so weit, dass das Buch zu einem Was-Wäre-Wenn Werk verkommen würde.

Konkret werden in diesem Buch 10 Schlüsselentscheidungen der Jahre 1940/41 dargestellt, die als von zentraler Bedeutung für den weiteren Verlauf des 2. Weltkrieges angesehen werden können.
Beginnend mit der Entscheidung von GB den Krieg auch nach dem Ausscheiden von F fortzusetzen; über die Entscheidung der UdSSR, den Berichten über einen bevorstehenden Angriff von D nicht den vielleicht notwendigen Glauben zu schenken; bis hin zur Entscheidung in D zur systematischen Vernichtung der Juden in Europa.

Fazit: Ein ungemein spannendes und hervorragend geschriebenes Buch, das die politischen Hintegründe von wichtigen Entscheidungen während des 2. Weltkrieges erläutert.
Wirklich ausgesprochen lesenswert!
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39 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So verstehen auch Laien den 2. Weltkrieg!, 10. Oktober 2008
Von 
Regina Karolyi - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wendepunkte: Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
In den ersten beiden Jahren des Zweiten Weltkriegs überschlugen sich häufig die Ereignisse, und die gesamte Lage ließ sich auch für gut informierte Spitzenpolitiker nur schwer überschauen. Umso schwieriger war es, Entscheidungen zu treffen. Und wenn sie getroffen wurden, hatten sie häufig enorme Auswirkungen.
Der Historiker Ian Kershaw stellt in seinem Buch zehn solche Entscheidungen aus den Jahren 1940 und 1941 vor, beginnend mit dem Beschluss der Briten, den Krieg trotz Frankreichs Niederlage fortzusetzen, und endend mit Hitlers Entscheidung, möglichst alle europäischen Juden ermorden zu lassen. Die Vorgeschichte, der unmittelbare Prozess der Entscheidungsfindung und die Konsequenzen werden detailliert vorgestellt.
Etliche dieser Beschlüsse bleiben in den meisten Geschichtsbüchern rätselhaft, etwa Hitlers Kriegserklärung an die USA und, zumindest für Europäer, die japanische Position. Indem Ian Kershaw sorgfältig aus der Sicht der Agierenden aufzeigt, welche Verkettung von Vorfällen und welche vorhergegangenen Ereignisse zu der dramatischen Weichenstellung führten, macht er die Entschlüsse verständlich. Dies auch, weil er auf kulturelle Einflüsse Rücksicht nimmt und zudem auslotet, welche Alternativen es eventuell gab.
Die Verfasserin dieser Rezensension ist keine Historikerin, interessiert sich aber schon seit längerer Zeit für die neuere Geschichte und ist von "Wendepunkte" begeistert. Das Buch liest sich gerade wegen der vielen Perspektivwechsel sehr spannend, es enthält eine Fülle an sinnvollen und nachvollziehbar vermittelten Informationen, es wirkt bemerkenswert objektiv und lässt den Leser die politischen Zusammenhänge begreifen, die zu den genannten und sicher zu Recht ausgewählten Entscheidungen führten.
Absolut lesenswert für alle, die sich für die jüngere Geschichte interessieren!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wichtige Entscheidungen im Zweiten Weltkrieg, 25. Februar 2009
Von 
Gromperekaefer "gromperekaefer" (Luxembourg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Wendepunkte: Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
Ian Kershaw analysiert in diesem Buch die Hauptentscheidungen anfangs des zweiten Weltkriegs. Hierbei zeigt er dass viele dieser Entschlüsse nicht eindeutig waren, und die führenden Politiker jeweils Alternativen besassen. Der Autor erklärt warum diese und nicht jene Entscheidung getroffen wurde, und wie der Kriegsverlauf durch diese Entscheidungen beeinflusst wurde. Den Kriegsteilnehmern fiel es so nicht leicht, die ihrer Meinung nach richtige Entscheidung zu treffen. Bei autoritär geführten Ländern wurden die Entscheidungen zumeist von einer Person gefällt (von Hitler in Deutschland, Stalin in der Sowjetunion oder Mussolini in Italien). In den Demokratien entschieden mehrere Gremien, auf welche man Rücksicht nehmen musste. So waren in den USA dem Präsidenten Roosevelt dadurch die Hände gebunden.

Meilensteine der wichtigsten Entscheidungen sind so unter anderem die Entscheidung der Briten, den Krieg gegen Deutschland weiterzuFühren, trotz der eklatanten Niederlage im Mai 1940. In England erwog man zeitweilig einen Friedensschluss mit Deutschlan, unter dem Impuls von Churchill führte man aber den Widerstand fort.

Neben Hitlers Angriff auf die Sowjetunion bot sich ihm die Möglichkeit einer Invasion im Mittelmeerraum und speziell in Nordafrika. Hitler liess diese Option, welche andere vertraten, zugunsten des Überfalls auf Russland fallen.

Japan seinerseits schwankte anfangs zwischen einer Annäherung an Deutschland oder an Grossbritannien / USA, später dann zwischen dem Krieg gegen die USA oder einer friedlichen Lösung.

Die USA standen anfangs vor der Frage ob man die Alliierten unterstützen sollte oder ob man mehr isolationistisch auftreten sollte. Der Präsident musste Rücksicht auf die Stimmung im Volk nehmen, ebenfalls brauchte er für seine Entscheidungen die Zusage im Kongress. Roosevelt entschied sich zu einem schrittweisen Annähern an den Krieg.

Diese und andere Entscheidungen werden detailliert analysiert, wobei der Autor alle Facetten erläutert. Ein Buch welches man jedem empfehlen kann, der über Grundkenntnisse des zweiten Weltkriegs verfügt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wendepunkte, 9. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wie immer schreibt Kershaw genauestens recherchiert in einer wunderbaren Sprache über ein wichtiges historisches Thema. Abseits der üblichen Thematik hier über die Wendepunkte, die Aufstieg und Untergang des sog. Dritten Reiches. Ein Buch, dass in keinem Bücherschrank eines Historikers fehlen darf.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wendepunkte = Schicksalsentscheidungen, 17. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ian Kershaw schildert in seinem Buch "Wendepunkte" mit dem genauen Blick des Historikers zehn im Zweiten Weltkrieg getroffene Entscheidungen, die für den Verlauf des Krieges von größter Bedeutung waren. Der reine Text ohne Anmerkungen, Bibliographie und Register von über 600 Seiten verdankt seinen Umfang der ausführlichen Beschreibung des Hintergrundes jeder der von Kershaw anvisierten Entscheidungen und ihrer Folgen. Es verwundert nicht, dass von den zehn Beschlüssen der Kriegführenden sechs von den Handelnden der Achsenmächte getroffen wurden, da ohne sie der Zweite Weltkrieg nicht stattgefunden oder im Rückblick für den Kriegsausgang eine entscheidende Wendung genommen hätte. In der Schilderung Kershaws wird die Unausweichlichkeit jeder dieser Entscheidungen herausgeabeitet und jede "kontrafaktische Spekulation" des "was wäre, wenn ..." vermieden, wie sie in einigen Romanen angestellt wurden. Das macht die Betrachtungen, die der Verfasser angestellt so wertvoll. ich habe das Buch mit großem Gewinn gelesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Buch von Kershaw, 10. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mein Sohn hat sich das Buch zu Weihnachten gewünscht und ist begeistert über den Inhalt und den Stil des Autors
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen (Zeit)Geschichte - spannend und präzise präsentiert, 17. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Wendepunkte: Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
Der Autor spricht für Qualität und enttäuscht auch diesmal nicht.
Wer begreifen möchte, durch welche politischen Handlungen die große Katastrophe des 20. Jahrhunderts ihren Lauf nahm, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Kershew versteht es, die Handlungsabläufe nicht nur aufzuzählen, sondern auch noch spannend lesbar zu machen. Beeindruckend ist die Präzision der Recherche, wie die mannigfaltig zitierten Quellen zeigen. Für Geschichtsinteressierte ein Muß!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Missversteht Kershaw Diktatoren?, 19. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Irren sich Historiker?
Kershaws gründlich recherchiertes Buch über Schlüsselentscheidungen im 2. Weltkrieg führt den Leser zu wichtigen Erkenntnissen. Da beeindruckt zunächst einmal der Unterschied zwischen Demokratien und Diktaturen bei äußerst wichtigen Entscheidungen. Roosevelt handeln war eingeschränkt durch die Verfassung und die Gesetze der USA, er war absolut abhängig von der Zustimmung der Parlamente und musste letztlich auch darauf achten, seine Wiederwahl nicht zu gefährden.
Mussolini und vor allem Hitler entschieden absolut allein, was zu geschehen hätte. Es ist für Menschen, die nie eine Diktatur erlebt haben, kaum zu fassen, dass Hitler sogar den USA den Krieg erklären konnte, ohne überhaupt mit einer anderen Person sich zu beraten und ohne durch vertragliche Bindungen zum Handeln gezwungen zu sein.
Für uns Europäer ist der Entscheidungsprozess in Japan nicht leicht nachvollziehbar, weil schwer zu erkennen ist, welche Möglichkeiten Kaiser Hirohito hatte. Er stand zwar im Hintergrund, aber seine Stimme musste gehört werden.
Historiker stützen ihre Aussagen auf Protokolle, Zeugenaussagen, Dokumente u.a. Dieses Verfahren muss gegenüber Diktatoren versagen, da diese ihr wirkliches Denken nicht verraten. Letztlich kennt man nur ihre Verlogenheit. Viele Entscheidungen werden erst auf tieferen Ebenen schriftlich fixiert. Wir brauchen nicht daran zu zweifeln, dass Verbrechen wie der Holocaust nur durch Weisung Hitlers erfolgen konnte, aber es gibt keinen Beleg, wann er hier die letzte Entscheidung getroffen hat.
Aus seinem ‚Mein Kampf‘ kennen wir seinen Judenhass, wissen auch um sein Ziel, Lebensraum für Deutschland im Osten zu erobern. So gesehen war er geistig schon zurück geblieben, weil die Lebensfähigkeit eines Volkes nicht von der Menge der Quadratkilometer abhängig ist, sondern von der wissenschaftlich-technischen Leistungsfähigkeit.
Von daher ist mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass er die englischen Truppen 1940 bewusst in Dünkirchen entkommen ließ, um England friedensbereit zu machen. Der Krieg mit England war für ihn absolut unerwartet gekommen und gefährdete nur seine Lebensraumpolitik Richtung Osten. Es erstaunt schon, dass Kershaw, obwohl er immer wieder durch ‚Was wäre, wenn-Fragen‘ von der üblichen Methode der Historiker abwich, sich nur auf belegbare Akten zu stützen, nicht erkannte, dass dieses Verfahren gegenüber Diktatoren nicht klappt.
Was den Krieg gegen Russland anbetrifft, gilt gegenüber Stalin das Gleiche, was über Hitler zu sagen ist. Immer wieder schreibt Kershaw: „Stalin dachte… (z.B. S. 341 und S.362) Da irrt der Autor. Wir wissen natürlich nicht, was Stalin dachte. Wir wissen, dass dieser Paranoiker der Macht anlässlich der großen Säuberungen zwischen 1936-1938 Tausende von Menschen ermorden ließ. Kershaw erwähnt, dass 1937/38 annähernd 700 000 Menschen ermordet und mehr als 1,5 Millionen verhaftet wurden. Allein 34 301 Offiziere wurden verhafte, 22 705 waren in dieser Zeit erschossen worden. Es ist schon eine kühne, letztlich kaum glaubwürdige Behauptung Kershaws, dass diese Säuberungen Stalins Ansehen gehoben hätten.
Das Gegenteil wäre richtiger. Nicht nur die Ukrainer verwünschten damals dieses Regime. Stalin musste den Ausbruch einer Revolution bei einem deutschen Angriff befürchten. Er musste um die durch Führungsschwäche bedingte stark reduzierte Leistungsfähigkeit wissen und auch deren Kampfunwilligkeit befürchten. Wäre Hitler als Befreier vom kommunistischen Joch aufgetreten, hätte die Geschichte vielleicht einen anderen Verlauf genommen. Aber zum Segen für Stalin trat Hitler als Menschen verachtender Feind auf, der die Bevölkerung gefährdete und es Stalin ermöglichte, zum vaterländischen Krieg aufzurufen. Stalins einzige Chance, den überlegenen Gegner zu besiegen, bestand in der Weite des russischen Raumes und der Hoffnung auf den Winter. Deshalb ignorierte er wahrscheinlich jede Warnung vor einem deutschen Angriff, obwohl die Quellen, die den Angriff ankündigten, für ihn absolut zuverlässig sein mussten. Je weiter die Deutschen vordrangen, desto überdehnter musste deren Front werden, desto problematischer wurde auch die Nachschubfrage. Dass Millionen bei diesem Plan geopfert würden, ließ ihn genauso kalt, wie auch Hitler kein Menschenopfer scheute. Nur aussprechen durfte Stalin seine Absicht nicht. Er hatte Hitlers verbrecherische Gesinnung allen im Osten lebenden Menschen gegenüber erkannte, die für Hitler nur Untermenschen waren. So ließ er zwangsläufig die Deutschen tief nach Russland vorstoßen, weil er so und nur so letztlich siegen konnte. Merkwürdig nur, dass Kershaw so wenig in der Lage ist, sich in die Denkweise von Diktatoren zu versetzen. Von den zwei Einschränkungen-Dünkirchen und Krieg gegen die Sowjetunion- abgesehen, ist das Buch hervorragend.
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Wendepunkte: Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg
Wendepunkte: Schlüsselentscheidunge
n
von Ian Kershaw (Gebundene Ausgabe - Oktober 2008)
Gebraucht & neu ab: EUR 21,90
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