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Kundenrezensionen

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am 18. März 2004
Jörg Böckem ist Pop-Journalist, das merkt man. Seine Geschichte ist spannend erzählt und liest sich schnell weg. Beschönigt wird nichts, wer glaubt, dass Drogen zu einem hippen Leben dazu gehören, wird hier keinerlei Bestätigung finden. Jedem jungen Wilden, der Bewusstseinserweiterung von Drogen erwartet, sollte dieses Buch lesen.
Böckem erklärt präzise, wie er auf den Irrweg kam, die übergroßen Erwartungen der Eltern, aber auch die Verwöhnung, sein Aufbegehren, all das ist stimmig. Zugleich bietet das Buch einen kleinen Streifzug durch die hanseatische Edeljournaille. "Tempo" lässt grüßen.
Tragischerweise ist das journalistische Talent Böckem wohl kaum ohne den Sucht-Menschen zu erklären, so dass man nur hoffen kann, dass er auch weiterhin clean bleibt, ohne seine schreiberische Besessenheit einzubüßen. Erzählerische Talente wie ihn gibt es immer weniger bei den Printmedien zu finden.
Ich gebe selten fünf Punkte, hier sind sie fällig!
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am 12. Mai 2004
Ich hatte von diesem Buch über einen Freund erfahren. Er gab mir ein Interview mit dem Autor im Internet zu lesen, was mich tief beeindruckte. Ich konnte mir nicht vorstellen wie jemand, der harte Drogen konsumiert, ernsthaft in der Lage sein konnte anspruchsvolle und intelektuelle Artikel für eine Zeitschrift wie den Spiegel zu schreiben. Allein das fand ich unglaublich.
Das Werk das Jörg Böckem hier geschaffen hat ist in meinen Augen ein Meisterwerk; seine eigenwillige und angenehm-direkte Art zu erzählen lässt einen das Buch schnell lesen, was aber als Pluspunkt zu verstehen ist und worunter die Atmosphäre nicht leidet, im Gegenteil. Seine Geschichten sind so bizarr und gleichzeitig so ehrlich vorgetragen, das man gar nicht auf den Gedanken kommt sie für realitätsfremd zu halten. Ich bin überzeugt davon dass vor allem junge Menschen, wie ich, sich sehr mit Gedanken aus diesem Buch indentifizieren können. Seine Art zu beschreiben kann selber kaum beschrieben werden: sie zeugt von unheimlicher Wortgewalt und zieht einen teilweise so sehr in ihren Bann das man das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein.
Jeder junge Mensch der mit dem Gedanken spielt oder Gespielt hat, wenn auch nur einmal, (harte) Drogen zu nehmen oder auszuprobieren MUSS dieses Buch lesen. Beim lesen leidet man förmlich mit Jörg mit. Man bekommt einen Eindruck in die Psyche eines jungen Menschen, der sich, wie viele andere auch, auf der Suche nach Bewußtseinserweiterung und Spaß vom "richtigen" Weg abkommt, es aber dennoch letztlich schafft die Kurve zu kriegen.
Ein geniales Buch, das einen auf unglaubliche Weise durch die verschiedenen Lebensabschnitte von Jörg Böckem führt. Einfach ein Buch für jeden!!
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am 17. Juli 2011
Ich habe mir das Buch zugelegt, nachdem ich den sympathischen Autor live in einer Talkshow gesehen habe und sehr angetan von seiner Offenheit und seiner bescheidenen und doch eloquenten Art war.
Ich wurde nicht enttäuscht, und die schonungslose und unglaubliche Lebensbeichte dieses Menschen hat mich zutiefst berührt.
Das Buch ist sehr flüssig geschrieben, und die Erzählweise des Autors geht trotz ihrer Nüchternheit mitten ins Herz. Er beschreibt seine Geschichte unglaublich eindringlich, jedoch ohne einen Hauch von Pathos.
Das Buch hat sogar meine Mutter, die sich an sich nicht für Drogenkarrieren interessiert ;-), begeistert.
Unbedingt zu empfehlen!!
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am 18. November 2006
Es klang unfassbar, als sich Jörg Böckem mit Veröffentlichung seines Buches als jahrelanger schwer heroinabhängiger Junkie kurz vor dem finalen Zusammenbruch outete. So unglaublich, dass man mir zum ersten Mal auf einer Party von dem Buch erzählte. In etwa so: "Da hat ja jetzt einer ein Buch rausgebracht, der hat jahrelang für den SPIEGEL geschrieben und war nebenbei schwer auf Heroin! Der hat sich in seinem Spiegel-Büro Heroin gedrückt und keiner hat was davon mitbekommen!"

Nun, das ist die kurze Version. Die längere steht in diesem Buch und geht auf Spurensuche in die eigene Geschichte. Bis ganz zurück. Was sich einem da eröffnet, ist eine bewegte und bewegende Biographie. Wie alles anfängt, mit einem inteligenten, aufgeweckten Jungen aus solider bürgerlicher Herkunft, der in entsprechendem Alter pubertiert, rebelliert und sein Leben nach und nach ganz der Suche nach Teenage Kicks widmet. Auf dem Programm: Sex (viel), Drogen (alles), Dummheiten machen (nicht zu knapp) und der unablässigen Suche nach neuen Grenzerfahrungen. Bis dahin liest sich das etwa wie Rocko Schamonis "Dorfpunks", nur besser geschrieben. Dann folgt, langsam, aber stringent und unausweichlich die Zeit, in der der Autor seinen Lebensstil nicht mehr kontrolliert, sondern von ihm kontrolliert wird. Der Rausch verblasst und wird zur Sucht. Man erlebt eine klassische Drogenkarriere, mehrere Entzüge, Zwischenerfolge, Niederlagen. Nebenbei wird man noch Zeuge einer -man muss es sagen- sagenhaft glückbehafteten Karriere zum Journalisten, über die Stationen Tempo, Die Welt, jetzt, NEON und dem KulturSPIEGEL. Und immer wieder die Versuchung, zurück in den verantwortungslosen Rausch zu fliehen. So kann man nachvollziehen, wie Böckem sich zwei parallele Leben aufbaut: seine professionelle Seite, in der er mit eiserner Disziplin beständig gute Arbeit liefert. Und die Drogensucht, die längst schon zum alles beherrschenden Aspekt wird.

Wer behauptet, Böckem ginge es vor allem um profilneurotische Selbstdarstellung, was er für eine bombastische sexuelle und journalistische Vita vorzuweisen hat, der hat leider gar nichts verstanden. Schließlich gibt es nichts unglamouröseres als eine Drogensucht und Böckem spart keine durchlittene Erniedrigung aus. Jedes geglückte Star-Interview wird begleitet von fast unmenschlichem und zehrendem Kraftaufwand der letzten Reserven. Mit zähem Überlebenswillen erlebt man ihn bei dem Versuch, eine heile Fassade aufrechtzuerhalten, während alle Pfeiler wegbröckeln. Er schont sich selbst an keiner Stelle. Dass er handwerklich tatsächlich etwas auf der Pfanne hat, das kann man nur indirekt erahnen, zum Beispiel durch die gelungene Schilderung der Ereignisse und Abfolgen. Und gerade sein abgeklärter und mitunter sachlich distanzierter Erzählstil ist es, der diese Geschichte glaubwürdig vor den Augen des Lesers abspielen lässt.

Für Böckem mag dieses Buch eine Katharsis, eine überfällige Aufarbeitung, Zeugnis eines verspäteten Reifeprozesses sein. Für den Leser ist es: eine verdammt gute Geschichte. Es spricht für sich, dass ich dieses Buch innerhalb eines einzigen Tages verschlungen (oder sollte ich sagen: mir reingedrückt?) habe. Es liest sich wie ein Rausch.
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am 31. Oktober 2007
als selbst betroffene Mutter geht dieses Buch doppelt unter die Haut. Plötzlich werden alte Erinnerungen wach an die man nicht erinnert werden möchte, die man unter allen Umständen unter der Decke des Alltages verstecken möchte. Auch ich habe bis heute keinen Weg gefunden mit der Sucht meines Kindes umzugehen, die Angst vor einem Rückfall ist immer da. Mit diesem Buch wird mir nun die Welt auf der anderen Seite vor Augen geführt und dies ist ein schmerzlicher Prozess, denn wer möchte schon wissen wie tierisch sein Kind gelitten hat. Trotzdem kann man das Buch nach der ersten Seite nicht mehr aus der Hand legen, es ist als würde man die Schmerzen plötzlich von beiden Seiten spüren, der einzige Zeitpunkt zum aus der Hand legen ist wenn man vor lauter Tränen und Weinkrämpfen die Buchstaben nicht mehr sieht. Selbst jetzt, beim Schreiben dieser Bewertung laufen mir die Tränen unkontrolliert über das Gesicht, der Schmerz ist da. Vielleicht sollte irgend jemand einmal ein Buch aus der Perspektive von beiden Seiten schreiben. Für mich ist dieses Buch nicht nur eine Art von Therapie für den Autor, sondern auch für jeden Betroffenen der es liest, wenn man es durchsteht!! Aber dieses Buch zeigt auch, es gibt immer die Hoffnung und das sollte man (wenn man es schafft) nie vergessen.
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am 6. Januar 2012
Ich fand das Buch sehr ehrlich und realistisch geschrieben.
Ich mußte es in einem durch lesen.
Der Schreiber hat wirklich nichts ausgelassen.
Da mein Bekannter Drogenabhängig ist,habe ich viel miterlebt und konnte mich durch dieses Buch,völlig in die Lage von Jörg Böckem hinein versetzen.
Er schreibt ohne zu übertreiben,wie hart und brutal es ist,wenn das ganze Leben durch die Droge ausgefüllt ist und man keine Zeit,keinen Nerv mehr hat, für normale alltägliche Dinge.Jeder Gedanke,jedes Tun und Handeln,dreht sich von morgens bis Abends,nur um die Beschaffung des Geldes,um die Beschaffung der Drogen.
Alle Achtung,wenn der Journalist trotzdem gearbeitet hat und es letztendlich geschafft hat,hoffentlich für immer,Drogenfrei zu leben.Ich weiß wie schwer es ist und wie schnell man wieder umfällt und die Droge sich wieder im Kopf,sowie im Körper breit macht.Schlimmer als die Pest!!!Ich weiß nicht ob der Schreiber des Buchs noch lebt,aber wenn,dann wünsche ich ihm von ganzen Herzen,dass das Suchen ein Ende hat und er endlich für sich gefunden hat,was er für sich braucht,um ein erfülltes Leben zu leben und das ganz ohne Droge.Ich hoffe er hat einen anderen Kick gefunden,der vielleicht weniger gefährlich und nicht tödlich ist.Das Buch ist sehr gut zur Abschreckung und auch zur Aufklärung.
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am 24. Februar 2006
Gerade durch seine scheinbar recht unbeteiligte Schreibweise und distanzierte Schilderung schlimmer Lebensereignisse (Überdosis, Verwahrlosung, Trennungen, Abstürze, (kalte) Entzüge...) macht Jörg Böckem deutlich, wie sehr die Droge ihn vereinnahmt hatte (hat). Erst im Nachwort wird nochmals von ihm herausgestellt, dass er weiß, dass er an den entscheidenden Kreuzungen des Lebens, nicht nur falsch abgebogen, sondern mit Totalschaden in den Graben gefahren ist. Das hier sind nicht einfach Jugendsünden, es ist eine "Drogenkarriere" mit allen traurigen Nebeneffekten: Straffälligkeit, Diebstahl,Prostitution, völliges Ruinieren des eigenen Körpers, Ignoranz gegenüber Gefühlen und Leben der Mitmenschen...Für mich wird er das einzige Mal richtig menschlich, wenn er über "Klara" spricht, die Tochter einer Freundin, um die er sich wie ein Vater gekümmert hat. Der entscheidende Satz dazu von ihm: "Drogen nimmt sie keine, soweit ich weiß. Ich hoffe sehr, dass es so bleibt." Das glaube ich ihm. Den Menschen, denen er Leid angetan hat, indem er ihnen z.B. die ersten Heroinspritzen gesetzt hat, kann er heute nicht mehr helfen. Vielleicht hofft er, dass sie sein Buch lesen und ihm vergeben, sofern sie noch leben. Ich denke, er kann sich nicht vergeben. Es ist wichtig, dass Jörg Böckem dieses Buch geschrieben hat. Es sollte in Schulen und Jugendeinrichtungen gelesen werden. Jörg Böckem kann nichts mehr rückgängig machen (und will es wohl auch nicht, s. Iggy Pop), andere junge Menschen können das schon. Sie brauchen erst gar nicht in diese Situation zu kommen. Denn was nutzt es einem, wenn während des Drogenrausches die Gehirnwände mit Nutella beschmiert sind, wenn einem ständig das Höllenfeuer der Abhängigkeit unter den Füssen brennt?
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am 22. Juni 2010
Dieses Buch ist meiner Meinung nach eines der besten Bücher über Drogensucht, das ich jemals gelesen habe. Erschreckend auch, weil man etwas von der typischen Vorstellung eines Junkies (am Bahnhof leben, kein Dach über dem Kopf etc.) abkommt und sieht, dass man auch Junkies in seinem Umfeld haben könnte, die ein (nach aussen) völlig normales Leben führen. Es wird einem bewusster, dass es nicht nur schwarz und weiss gibt und es ein langer Weg ist bis man ganz unten angekommen ist. Das Buch war für mich schockierend, wach rüttelnd und spannend zugleich. Ich wünsche Jörg Böckem, dass er clean bleiben und noch viel über dieses Thema schreiben wird.
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am 28. Dezember 2008
Jörg Böckem liefert mit diesem Buch eine couragierte und authentische Autobiographie über Jahre, in denen er ein Doppelleben führte. Der erfolgreiche Journalist war heroinabhängig. Sein Buch erzählt von Haft, Hepatitis, Karriere und Absturz.
Jörg Böckem ist heute Ende dreißig und ein bekannter freischaffender Journalist, der für bekannte Zeitungen schreibt, wie die "Zeit" oder dem "Spiegel". Er ist bekannt geworden durch Interviews und Reportagen, die er Jahre lang unter dem Einfluss einer der schlimmsten Drogen unserer Zeit verfasst hat. Heroin.
Heroin ist eine der aggressivsten und besitzergreifensteten
Drogen, die nach jahrelanger Abhängigkeit, Körper und Seele komplett zerstört. Betrachtet man Jörg Böckem heute, sieht man die Spuren, welche die Droge hinterlassen hat deutlich, ohne genauer hinsehen zu müssen. Umso erstaunlicher erscheint es, dass dieser Mann in seinen zwanzig Jahren Drogenabhängigkeit nicht vor die Hunde gegangen ist, sondern sich einen Namen in der Journalisten-Szene gemacht hat.

In seinem Buch berichtet der Journalist von seinem Doppelleben, das ein erstaunliches Beispiel dafür ist, wie beruflicher Erfolg und eine selbstzerstörerische Drogenkarriere Hand in Hand gehen können. Böckem berichtet, wie er mit 19 Jahren heroinsüchtig wurde, von Gefängnisaufenthalten und davon, wie er im Rausch beinahe seine Freundin erwürgt hätte. Er liefert einen realistisch gezeichneten Bericht vom Leben eines Junkies: eine Biographie bestimmt von Todesangst, Hepatitis, Porno-Drehs und Entzugsschmerzen.
Wie man den Erzählungen seines Buches entnehmen kann, hat es ihm wohl auch längere Zeit Spaß gemacht Drogen zu nehmen. Allerdings fällt es schwer zu verstehen, was daran Spaß macht, sich selbst einzugestehen was für ein mieser, asozialer Mensch man war. Rückblickend mag zwar die eine oder andere Episode amüsant gewesen sein, aber über sehr lange Zeit dominierten Leid, Sucht und Aggression Böckems Leben. Diese Faktoren dominieren auch die Darstellung der Sucht in seinem Buch. Man darf Böckem nicht falsch verstehen. Er beschönigt die Sucht nicht, er beschreibt sie schonungslos:
"Nach Feierabend fuhr ich zu meinen Eltern. Ich schloss mich auf der Toilette ein und versuchte, mir mein letztes Heroin für den Tag zu injizieren. Aber ich konnte keine intakte Vene finden, die einzige Stelle, die viel versprechend aussah, befand sich an einer Stelle an meinem linken Oberarm, die ich nicht erreichet konnte. Nach einer halben Stunde gab ich entnervt auf. Ich schloss die Badezimmertür auf und rief meine Mutter.'
"Ich treffe keine Ader", sagte ich ihr und hielt ihr die Spritze hin, die Flüssigkeit im Inneren war schon mit Blut vermischt, das bald verklumpen würde. "Mach du das. Du hast doch früher als Arzthelferin gearbeitet, du weißt doch, wie das geht." Sie sah mich an, völlig entsetzt. "Bist du verrückt?", stammelte sie, am ganzen Körper zitternd.
"Stell dich nicht so an", schrie ich. "Hilf mir verdammt."
Solche Episoden hinterlassen bei dem Leser ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Böckem erzählt seine Lebensgeschichte mit allen Höhen und Tiefen, er schont weder sich selbst noch seine Familie. Genau das sind die Personen, die am meisten unter Jörg Böckems Sucht zu leiden hatten: Seine Eltern, ganz besonders seine Mutter.
Seinen Eltern widmet er das Buch. Jörg Böckem übernimmt mit seinem Buch die volle Verantwortung für seine Taten, und er zeigt den Menschen, die durch ihn zu Opfern wurden, wie zum Beispiel seine Mutter, dass er seine Fehler einsieht. Er versucht nicht sich selbst zu entschuldigen, er bittet um Verzeihung. Dieses Buch ist auch kein Versuch die Verantwortung für seine Drogenabhängigkeit abzuschieben oder sich selbst als Opfer der Gesellschaft zu stilisieren. Viel mehr zeigt das Buch, das unter einer gewöhnlichen Fassade tiefe Abgründe stecken können, die wir trotz täglichem Umgang miteinander nicht sehen, oder nicht sehen wollen.
Jörg Böckems Buch ist interessant und spannend erzählt. Die schonungslosen Schilderungen, beispielsweise die detaillierte Beschreibung der Entzugserscheinungen, wo " stinkender Schweiß [...] aus allen Poren" bricht, zeigen die Abgründe der Heroinabhängigkeit auf. Die Sprache, die Böckem für seine Geschichte wählt, ist einfach und hat ein jugendliches Flair, was dadurch suggeriert wird, dass Böckem immer wieder damals aktuelle Songtexte einbaut, um den Zeitbezug herzustellen, und sein damaliges Lebensgefühl verstärkt darzustellen.
Jörg Böckems Buch ist keinesfalls drogenverherrlichend, aber als abschreckendes Beispiel für Schulklassen zur Drogenaufklärung würde kann man es nicht empfehlen. Zu deutlich sieht man, das es einen Weg gibt mit der Sucht durch zu kommen, ohne wirklich alles zu verlieren, so lange die Umwelt die Person nicht auf gegeben hat. Dies ist allerdings nicht der klassische Weg eines Junkies, der meist in der dunklen Ecke des Bahnhofklos mit einer Überdosis endet. Jörg Böckem hat wahrlich mehr Glück als Verstand gehabt. Dieser Tatsache und seiner verspäteten Einsicht verdankt er sein Leben.
Noch einmal zu dem Thema des Doppellebens: Auf der einen Seite hat er sich trotz bereits bestehender Drogenabhängigkeit zu einem anerkannten und renommierten Journalisten 'hochgearbeitet'. Er arbeitete und arbeitet u. a. für den 'Spiegel' und die 'Süddeutsche Zeitung'.
Auf der anderen Seite führt er ein Leben als 'Junkie', obwohl ich diesen Begriff nicht mag, da er mit sehr vielen Vorurteilen behaftet ist und sehr stigmatisierend ist. Jörg Böckem passt z. B. in dieses typische 'Junkie-Stigma' nicht hinein. Natürlich gibt es speziell bzgl. der Heroinsucht viele Parallelen und ähnliche Verhaltensmuster unter den jeweils Abhängigen, doch jede Sucht verläuft bei jedem Erkrankten doch auch immer unterschiedlich. Und Böckem liefert das beste Beispiel dafür.
Er war über viele Jahre hochgradig heroinabhängig, ja sogar polytoxikoman, hat aber gezeigt und in seinem Buch wunderbar beschrieben, dass es einen Weg aus dem Teufelskreis der Sucht gibt. Doch der führt nur über das eigene Ich. Therapien sind zweifelsohne unterstützend und hilfreich, mehr aber auch nicht. Wider der Meinung einiger Therapeuten kann man meines Erachtens die Bedeutung des eigenen Willens gar nicht genug zu unterstreichen, da dieser unabdingbare Voraussetzung ist, den wirklich harten Weg in die dauerhafte Abstinenz zu gehen.

Zum Schluss noch eins: Drogen können glücklich machen, ja. Doch Glück ist immer nur etwas sehr kurzfristiges, absolut nichts von Dauer. Ausgeglichenheit, Zufriedenheit und das 'mit sich selbst im Reinen sein' können beides sein: Kurzfristige Gefühlszustände, aber auch langfristige Gemütslagen. Und wie o. g. können Drogen glücklich machen ' sie verschaffen aber niemals echte Zufriedenheit und zerstören auf lange Sicht die komplette Persönlichkeit eines Menschen. Auf den körperlichen Verfall bei Dauerkonsum möchte ich an dieser Stelle gar nicht näher eingehen. Um echte, dauerhafte Zufriedenheit zu erlangen bedarf es eines langen Weges: Man muss seine jeweiligen Gefühle erkennen und mit ihnen umgehen können. Das heißt auch, völlig normale negative Gefühlslagen zu tolerieren und natürliche Wege zu finden, aus ihnen herauszufinden. Zudem: Jedes Gefühl, ob gut oder schlecht, vergeht auch wieder. Wer jedoch den schnellen Weg zum künstlichen 'Pseudoglück' sucht, kann das mit vielerlei künstlichem 'Zeug' finden. Das Wort 'Selbstwirksamkeitsüberzeugung' spielt hierbei eine sehr große Rolle. Wer Interesse hat, sollte sich Infos zu diesem Begriff einholen. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, darauf näher einzugehen.
Ich kann das Buch von Jörg Böckem Lesern mit einer recht gut ausgebildeten 'Selbstwirksamkeitsüberzeugung' absolut empfehlen. Bei Personen mit einer labilen Persönlichkeit kann das Buch die oben beschriebene Neugier auf das 'schnelle Glück' auch erst wecken!
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am 1. Juli 2004
Jörg Böckem hat ein gutes Buch geschrieben. Sein Schreibstil ist präzise, mitreißend, pointiert, er ist eben ein guter Journalist. Die Klarheit seiner Sprache wird bisweilen zusätzlich aufgewertet durch verblüffenden Witz. Inhaltlich transportiert er auf diese Weise die erschreckende Story seines Drogenmissbrauchs, von dessen Verlauf er sehr genau berichtet. Die einzelnen Phasen kommen, auch wenn sie nicht explizit gekennzeichnet sind, sehr deutlich heraus - kurz gesagt wie aus Abenteuerlust eine handfeste Abhängigkeit wurde.

Es wird J.B. gelegentlich vorgeworfen, nicht genügend über seine Sucht nachgedacht zu haben, wodurch über die Gründe seiner Sucht zu wenig in "Lass mich die Nacht überleben" zu lesen sei. Ich kann mich dieser Sicht nicht anschließen, ist doch die gnadenlose Ehrlichkeit gegenüber seiner selbst, die ihm das Schreiben dieser Biografie erst ermöglicht hat, Selbstreflexion genug. Er teilt diese Gedanken mit, ohne in psychoanalytische Untiefen abzugleiten. Bis auf die Berichte von seinen Gesprächstherapien verzichtet er, glaube ich, bewusst auf diese beschwerlichen Umschreibungen, sie würden den Erzählfluss mehr stören als dem Verständnis nutzen, und das aus gutem Grund. Theoretische Aufarbeitungen gibt es hierzu wahrlich genug; J.B. sagt mit diesem Buch: Sieh her, so war's bei mir. So betrachtet ist dieses Buch weder überflüssig noch zuviel, was nicht zuletzt das hartnäckige Halten in der SPIEGEL-Bestsellerliste belegt.
Beeindruckend finde ich seine Fähigkeit, sich durch seine sprachlichen Mittel von seiner Umwelt ziemlich deutlich abzugrenzen. Man kann es leicht als Defizit betrachten, dass alle anderen Personen in seinem Text als nur schemenhafte Gestalten mit undeutlichem Charakter erscheinen. Dies aber nur dann, wenn man nicht um die Wirkung der Droge weiß. Es ist J.B. gelungen, genau dadurch die Stumpfheit der Wahrnehmung darzustellen, die sich mit dem Konsum eben einstellt. Daraus ein Manko zu machen entspringt also der Unkenntnis.
Ein Kritikpunkt ist die an manchen Stellen des Textes verwirrende Abfolge der Geschehnisse. Einige Passagen lassen den Leser im Unklaren darüber, in welcher Zeit und an welchem Ort sich die Erzählung gerade befindet. In den meisten dieser Fälle erschließt sich dies erst später im Text, solange hängt der Leser was die Verortung betrifft mittelmäßig bis stark in der Luft. Das stört den Lesefluss.
Doch jetzt das Wichtigste: Keine Darstellung einer Droge ist komplett, ohne ihre Reize klar zu machen. Wie Renton in "Trainspotting" sagt: "Die Leute vergessen immer, was für einen Spaß das alles macht." Im Zusammenhang mit Drogen wird sich in den allermeisten Fällen auf die Risiken beschränkt und schöne Beispiele zur Abschreckung gebracht. Das geht an der Sache vorbei, und es ist J.B. zu danken, dass er auch beschreibt, was an den Drogen eben so toll ist. Ohne dieses Wissen wird niemand einen Drogenkonsumenten wirklich verstehen.
"Lass mich die Nacht überleben" erhält von mir vier Sterne. Einer ist für die gute Lesbarkeit, einer für den sprachlichen Witz, einer für die vollständige Darstellung der Droge und der vierte steht für den Wunsch, dass er clean bleibt. Der fehlende fünfte ist für die manchmal fehlende Stringenz. Ansonsten kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen.
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