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48 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Geburt des Terrors aus dem Geist der Aufklärung
Jörg Baberowskis Buch über den "Roten Terror" ist als Geschichte des Stalinismus angelegt, nicht als Geschichte der Sowjetunion zur Zeit Stalins. Dieser Umstand bringt es mit sich, dass die Oktoberevolution, der Bürgerkrieg, die Kollektivierung, der Zweite Weltkrieg und viele andere Ereignisse nur am Rande behandelt werden. Das Augenmerk des Autors gilt...
Veröffentlicht am 1. April 2008 von Lucullus

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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ansatz zur Ergänzung.....
Da hier die Diskussion stellenweise hochkocht (Wie könnte es anders sein, bei einem historischen Phänomen wie dem Stalinismus ?) möchte ich hier doch noch einmal meine Auffassung zu Baberowskis Werk darstellen. Baberowski spricht im Titel von " DER Geschichte des Stalinismus", d. h. das Werk erhebt den Anspruch, den Stalinismus systematisch in seiner...
Veröffentlicht am 5. Juni 2012 von Stefan Kniestedt


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48 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Geburt des Terrors aus dem Geist der Aufklärung, 1. April 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Jörg Baberowskis Buch über den "Roten Terror" ist als Geschichte des Stalinismus angelegt, nicht als Geschichte der Sowjetunion zur Zeit Stalins. Dieser Umstand bringt es mit sich, dass die Oktoberevolution, der Bürgerkrieg, die Kollektivierung, der Zweite Weltkrieg und viele andere Ereignisse nur am Rande behandelt werden. Das Augenmerk des Autors gilt ganz der Frage, mit welchen Mitteln der Generalsekretär aus Georgien die Macht erringen und so lange behaupten konnte. In seiner Antwort gelingt es Baberowski persönliche, institutionelle, kulturelle und gesellschaftliche Faktoren zu einem theoretischen Modell zu verknüpfen, das als "historische Ortsbestimmung" des Stalinismus verstanden werden kann.

Baberowskis Ausgangspunkt ist die Ideologie. Indem sie unmittelbar an das Gedankengut der Aufklärung und die Reformpolitik der Zaren anknüpften, hätten die Bolschewiki versucht, ihrem rückständigen Land eine Ordnung aufzuzwingen, für die es nur minimale Voraussetzungen mitbrachte. Die Russen sollten in kürzester Zeit moderne Europäer werden und ihre überkommene Lebensform hinter sich lassen. "Die russischen Kommunisten waren gelehrige Schüler des Zeitalters der Vernunft und der Aufklärung. Was die Natur versäumt hatte, das sollte von Menschenhand vollbracht werden. Was sich der Vernunft, so wie die Bolschewiki sie verstanden, nicht fügte, musste aus der Wirklichkeit verschwinden. Der Sozialismus hatte am Projekt der Moderne nichts auszusetzen, er hielt sich im Gegenteil für seine eigentliche Vollendung." (S. 13).

Von den Zaren hätten sich die Anhänger Lenins nur durch den radikaleren Charakter ihrer Zukunftsvision, ihr messianisches Selbstverständnis und ihre ungleich größere Brutalität unterschieden. Seien schon die zaristischen Reformprojekte über weite Strecken fehlgeschlagen, habe das utopische Gesellschaftsmodell der Kommunisten von vornherein keine Erfolgsaussichten besessen. Als sein Scheitern deutlich wurde, hätten die roten Machthaber, Lenin allen voran, durch ihre Entscheidung, die Gründe dafür nicht in den Fehlern der eigenen Ideologie, sondern in den Umtrieben von Verrätern und Klassenfeinden zu suchen, die Voraussetzungen für den Terror gelegt. Ein weiterer zentraler Schritt war die Entmenschlichung des Gegners. Schon Lenin bezeichnete die Feinde des Bolschewismus als "menschlichen Abfall", "Insekten" und "Bakterien".

Um sich zur Höhe der Gewaltexzesse der dreißiger Jahre aufzuschwingen, habe der Terror allerdings noch zweier weiterer Voraussetzungen bedurft: Der sozialen Durchlässigkeit der postrevolutionären Gesellschaft sowie der Person Stalins. Die neuen Aufstiegsmöglichkeiten hätten Männer in führende Positionen gebracht, die noch ganz der bäuerlichen Gewaltkultur des flachen Landes verhaftet waren. Fernab jeglicher Sentimentalität beschreibt Baberowski das Leben der Bauern als "primitiv, schmutzig und kurz". Die meisten von ihnen seien es gewohnt gewesen, sich regelmäßig zu prügeln und ihre Frauen und Kinder zu schlagen. Hinzu sei die Verrohung gekommen, die eine ganze Generation junger Bauern durch den Ersten Weltkrieg und den Bürgerkrieg erlitt. Die "Chancengleichheit" des neuen Systems habe nun Vertreter dieser Mentalität an die Spitze der politischen Hierarchie befördert. Gerade ihr unmittelbares, physisches Verhältnis zur Gewalt unterschied, so meint Baberowski, Stalin und seine Anhänger von den Revolutionären der ersten Stunde, den Debattierern und Kaffeehaussozialisten vom Schlage Trotzkis, Radeks und Bucharins. "Stalin ließ sich die Geschlagenen und Gefolterten in seinem Arbeitszimmer vorführen, er gab Anweisungen, wie die Verhafteten zu misshandeln seien, und er schlug seinen Sekretär Poskrebyschew. 'Wie er mich geschlagen hat. Er hat mich an den Haaren gepackt und meinen Kopf auf den Tisch geschlagen', berichtete Poskrebyschew ..." (S. 206).

Der Mentalität der neuen Männer habe es außerdem entsprochen, politische Auseinandersetzungen in den Kategorien ihrer bäuerlichen Herkunft zu deuten: als Kämpfe verfeindeter Männerbünde. "Stalins Gesellschaftsmodell war die Räuberbande, deren Mitglieder in der rauhen Wirklichkeit nur überlebten, wenn sie einander auf Gedeih und Verderb die Treue hielten." (S. 179). Faktisch habe diese Einstellung die Sowjetunion in einen Personenverbandsstaat verwandelt, der von persönlichen Netzen und Gefolgschaftshierarchien zusammengehalten wurde. Zwar kam die Feudalisierung Stalins Macht zunächst zugute, doch lag in ihr auch eine Gefahr. Als seine Provinzfürsten zu selbständig zu werden drohten, habe der Diktator sich zu den Säuberungen der dreißiger Jahre entschlossen, um die feudalen Netze, die er ins Leben gerufen hatte, wieder zu zerschlagen. Ganz richtig habe er erkannt, dass persönliche Treue und Loyalität verschwinden würden, wenn niemand sich mehr seines Lebens sicher sein konnte. Indem er auf allen Ebenen Misstrauen schürte, stellte er sicher, dass seine Macht unumschränkt wurde.

Die "funktionalistische" These mancher Historiker, der Terror habe sich weitgehend aus der Eigendynamik des sowjetischen Systems entwickelt, weist Baberowski zurück. Seit Öffnung der Archive bestehe kein Zweifel mehr daran, dass alle entscheidenden Aktionen von Stalin selbst ausgingen und er jederzeit die Kontrolle über das Geschehen behielt. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Geschichte der Sowjetunion ohne ihn friedlich verlaufen wäre. Der Versuch, den Russen eine aufklärerische Utopie aufzuzwingen, musste in jedem Falle fehlschlagen. Angesichts der Herkunft der neuen Machthaber durfte man kaum erwarten, dass sie auf diese Entwicklung anders als mit Gewalt reagieren würden, ganz gleich wer sie anführte. So gesehen ist der Stalinismus nicht nur das Wüten eines einzelnen Mannes, sondern auch Ausdruck einer kollektiven Mentalität und das Scheitern der Moderne an ihren eigenen Idealen.
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41 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Durch Geschichte Wissen erlangen, 17. Oktober 2009
Ich möchte diese Rezension über ein Buch über den Stalinismus selbst mit einem Zitat Stalins zu eröffnen: "Ein Toter ist eine Tragödie, eine Millionen Tote eine Statistik."
Dieser Ausspruch macht bereits das Dilemma des Stalinismus im historischen Gedächtnis der Welt deutlich. Der Durchschnittsmensch weiss schon, dass der Stalinismus eine schlimme Episode der Geschichte war, er weiss von Gulag, Hungersnöten, Schauprozessen und Vertreibungen, und möglicherweise ist ihm auch bewusst, dass die Opferzahlen in die Millionen gehen, und dennoch sind all diese Zahlen und Worte nur abstrakte Begriffe, für ein Grauen, das ihn dennoch nicht berührt? Warum ist uns der Stalinismus, der erst 50 Jahre zurückliegt doch genauso fern wie der 30jährige Krieg oder die Hexenverbrennungen? Die Antwort ist einfach: Weil die stalinistischen Mordexzesse (im Gegensatz zu den nationalsozialistischen Verbrechen) wenig bis gar nicht im Bild dokumentiert sind. Es gibt kein Filmmaterial auf ZDF, nur wenig Fotografien; die Sowjetunion ist als Sieger untergegangen und hat die haarsträubendesten Indizien über ihre dunkelste Episode mit ins Grab genommen.

Gerade in Hinblick auf den Wiederaufstieg der umbenannten SED und das zunehmende Verblassen der Gedenken von DDR-Opfern in Deutschland ist es notwendig, sich mit dieser Epoche zubeschäftigen, und das Buch von Jörg Baberowski ist mit seinem schmalen Umfang nicht mehr und nicht weniger als ein historiographischer Meilenstein, der keine Fragen offen lässt.
Bereits der Skeptiker, der meint, die Verbrechen des Sowjetkommunismus seien nur ein bedauerlicher Einzelfall, und Lenin sei dennoch ein brillanter Theoretiker und Vordenker gewesen, der leider viel zu früh starb, und der schon hinter dem Titel des Buches eine Voreingenommenheit des Autors sieht, wird bereits im ersten Kapitel in seine Schranken verwiesen; denn "Der Rote Terror" war tatsächlich der Titel eines Magazins der Bolschwiken, der das Grundprinzip der kommenden Politik bereits 1918(!) auf den Begriff brachte:

"Wir führen nicht Krieg gegen einzelne. Wir vernichten die Bourgeoisie als Klasse. Während der Untersuchung suchen wir nicht nach Beweisen, dass der Beschuldigte in Worten und Taten gegen die Sowjetunion gehandelt hat. Die ersten Fragen die gestellt werden müssen, lauten: Zu welcher Klasse gehört er? Was ist seine Herkunft? Was ist seine Bildung und Beruf? Und es sind diese Fragen, die das Schicksal des Beschuldigten bestimmen sollten. Darin liegt die Bestimmung und das Wesen des Roten Terrors."

Hier liegt der Hauptverdienst von Baberowskis Werk: Fernab von jeglichem Zahlengestrüpp schafft er es, dem Leser die zugrunde liegende Paranoia des Sowjetkommunismus zu verdeutlichen: Die Bolschewiken fühlten sich von Beginn an durch das Schreckgespenst des "Klassenfeindes" bedroht, dessen Unterstützer sie im Klerus, der Oberschicht und den Akademikern erkannte, und das sie in späteren Jahren beliebig auf jede missliebige Volksgruppe projizieren konnten.
Wer nur meint, die Opfer des Stalinismus seien Einzelbürger und Regimekritiker gewesen, deren Verurteilung durch die damalige Gesetzgebung eben unvermeidlich gewesen war, liegt einem fatalen Irrtum auf, denn spätestens nach dieser Lektüre gibt es keine Zweifel mehr, dass die Bolschewiki, genau wie die Nationalsozialisten, die kollektive Ermordung ganzer Volksschichten von Anfang an im Programm hatte.
Das Buch ist viel zu klug, um sich auf Aufwertungen oder Vergleiche der Mordaktionen der beiden Regime einzulassen, aber dennoch lässt sich die Tatsache kaum widersprechen, dass mit der Oktoberrevolution und den darauf folgenden Jahrzehnten zum ersten Mal in der Geschichte (abgesehen von einigen spontanen Pogromen) die physische Auslöschung ganzer Volksgruppen zur Staatspolitik wurde. Die Bolschewiken sahen keine skeptischen Außenstehenden, die sie mit ihrer Politik vielleicht überzeugen konnten, wo immer sie nicht erfolgreich waren, vermuteten sie das Werk des Klassenfeinds, der ausgerottet werden musste, damit der geschichtlich legitimierte Kommunismus zur vollen Blüte reifen konnte.
Und wenn man hier liest, wie zum ersten Mal "DIE Kulaken", "DIE Adligen" oder "DIE Zaristen" zur gesellschaftlichen Auslöschung freigegeben wurden, dann wird es auch ein kleines bisschen weniger unfassbar, wie 15 Jahre später ein paar tausend Kilometer weiter im Westen eine gesamte Religionsgemeinschaft kollektiv zum Tode verurteilt werden konnte, ohne dass ein Aufschrei durch die Welt ging.

Und neben dem semi-bekannten Grauen von Hungersnöten, Deportationen, Parteisäuberungen und dem GULAG, deren Ausmaße bereits das Fassungsvermögen des Normallesers überschreitet, sind es erst die kleinen historischen Nebenschauplätze, die das Grauen des Stalinismus in vollem Umfang verdeutlichen: Etwa, dass während des Zweiten Weltkriegs tatsächlich die Familien hoher Armeefunktionäre als "Geisel" in Haft genommen wurden, um sie zu besseren Leistungen anzuspornen; dass die verkrüppelten Soldaten, die nach der Sowjetunion den Sieg erst ermöglichten dafür keinen Pfennig Anerkennung in der Heimat fanden, sondern ihnen als Invaliden ebenfalls Lagerhaft drohte, da die als Arbeitskräfte nicht zu gebrauchen waren; Sogar dass die kleine Handvoll russischer Zwangsarbeiter, die das Glück hatte, die Mordmaschine der Nationalsozialisten zu überleben, sich nach ihrer Rückkehr in die Heimat noch einmal vor ideologischen Standgerichten erniedrigen musste, und nicht wenige wegen "Begünstigung der feindlichen Rüstungsindustrie" gleich vom Regen in die Traufe kamen.

Ein so geschliffenes, faktenreiches und glasklar erzähltes Buch ist neben vorherrschender ZDF-Doku-Sentimentalität dringend notwendig. Jörg Baberowski hat auf nur 250 Seiten ein Standardwerk abgeliefert, das mit seinem Fakten- und Detailreichtum die landesweite Anerkennung als Pflichtlektüre im Geschichtsunterricht verdient.
Und so, mit Blick auf all dies, lässt sich diese Rezension mit einem weiteren Zitat diesmal des Physikers Jurii Orlov zusammenfassen:
"Das waren die Verhältnisse in einer Nation, die dem Rest der Welt zeigen wollte, wie man lebt."
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30 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der rote Terror, 27. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Der rote Terror: Die Geschichte des Stalinismus (Gebundene Ausgabe)
"Der Rote Terror" ist eine der besten Werke, die es zum Thema Sowjetunion und Stalin gibt. Im Vergleich zu anderen, meist sehr umfangreichen und langen Werken schafft Jörg Baberoski es, Stalins Werdegang vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Sowjetimperium darzustellen, ohne sich dabei in den Details des zweiten Weltkrieges, Hitlerdeutschlands, der chinesischen Ereignisse etc. zu verlieren. Der Leser gewinnt dadurch ein "unabgelenktes", präzises Bild der Gesellschaft und Entwicklung innerhalb der Sowjetunion zu Zeiten des Stalinismus.
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5.0 von 5 Sternen Wichtiges Buch, 4. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Kommunismus und Russland haben in Deutschland aufgrund der 68er Bewegung und der Gehirnwäsche, der die ehemaligen DDR-Bürger noch unterliegen, ein zu positives Image. Und beide werden völlig falsch eingeschätzt. Es wird Zeit, dass die Bürger in Deutschland über den Terror und das menschenverachtende Verhalten der Kommunisten aufgeklärt werden.
Dieses Buch ist das grelle Licht der Wahrheit in das die Linken nicht schauen können oder wollen, da Sie Opfer ihrer eigenen Lebenslügen sind.
Genauso wie die Aufklärung über den Holocaust wichtig war, so ist auch die Aufklärung der Verbrechen des Kommunismus (Holomodar etc.) wichtig.
DIe geschilderte Brutalität macht wütend und verdeutlicht umso mehr die Borniertheit, Ignoranz und Unaufgeklärtheit der Mehrheit der Menschen in Deutschland.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen kompakte, fundierte Studie, 10. Februar 2012
In "Der rote Terror" zeichnet Jörg Baberowski eine umfassende Geschichte des Stalinismus von den Vorbedingungen ("Innerer Kolonialismus" des Zarenreiches, Russische Revolution und Partei in den Zwanziger Jahren) bis zu Stalins Tod 1953. Der "Große Terror" von 1937/38 erscheint darin nur als eine von vielen Terrorwellen, die besonders heftig war.
Anders als frühere Theoretiker des Stalinismus sieht Baberowski in der Gewalt des stalinistischen Regimes nicht als zwangsläufige Entwicklung der totalitären Herrschaft. Er erklärt gerade die fragile Herrschaft der Bolschewiki verbunden mit einem totalen Herrschaftsanspruch zur Hauptursache des Terrors. In weiten Teilen des ländlich geprägten Russlands und in den Randgebieten des Reiches verfügten die Bolschewiki, wenn überhaupt über eine oberflächige Macht. Alte Herrschaftsstrukturen des Dorfes vermochten sie nicht aufzulösen. Ebenso schleppend passte sich die russische Bevölkerung dem normierten Verhalten des sowjetischen Ideals an, was sich beispielsweise in der anhaltenden Frömmigkeit (selbst unter Parteimitgliedern) zeigt. Die eigene Ohnmacht in Verbindung mit einem Gewaltkult der stalinistischen Elite, die Barberoski auf die Gewaltkultur des russischen Bauernmileus zurückführt, aus dem Stalin und viele seine Anhänger stammten, sind in seinen Augen Hauptursache der stalinistischen Gewaltherrschaft, der Millionen Menschen zum Opfer fielen. Damit liefert Baberowski einen interessanten und überzeugenden Erklärungsansatz für den Stalinismus, auch wenn er bestimmte Aspekte (wie die ausgesprochen idealistische Loyalität vieler junger Sowjetbürger) außer Acht lässt.
Baberwoski schreibt für einen Historiker ungewöhnlich klar und vor allem ansprechend. Er schäut sich nicht gelegentlich etwas bolemisch zu werden. Lenin bezeichnet er beispielsweise als "bösartigen Schreibtischtäter". Seine pointierte Ausdrucksweise machen das Buch auch stilistisch lesenswert!
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56 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fulminante Studie, 4. Dezember 2003
Von 
Albrecht Bär "albrecht_baer" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der rote Terror: Die Geschichte des Stalinismus (Gebundene Ausgabe)
Jörg Baberowski hat mit seiner Studie "Der rote Terror" eine brilliante Geschichte der Sowjetunion bis zum Tode Stalins vorgelegt. Der Autor arbeitet überzeugend die Gründe für den einzigartigen Gewalt- und Terrorexzeß heraus, der mit der bolschewistischen Revolution in die Welt kam: im Grunde handelten die bolschewistischen Revolutionsführer, ob sie nun Lenin, Trotzki, Stalin usw. heißen, wie Oberhäupter einer Mafiabande. Am besten verkörpert sieht Baberowski das in Stalin. Er verstand die Gesellschaft als Objekt seiner räuberischen Exzesse. Kontrahenten, ob reale oder eingebildete, wurden mit Gewalt beseitigt. Er besetzte wichtige Posten im ganzen Land mit seinen Kreaturen, die sich allein darin auszeichneten, ihm zu Willen zu sein. Wie ein Pate beherrschte er das Land. Für Fehler, Schlampereien und Fehlentwicklungen, die zwangsläufig auftreten, wo persönliche Treue über Sachverstand triumphiert, wurden Spione, Volksfeinde oder der Bourgeois verantwortlich gemacht. Die Schauprozesse dienten zu nichts anderem, als die Anhängerschaft immer wieder neu auf den "Führer" einzuschwören.
Selbst das einzige Verdienst, daß in Rußland immer noch mit dem Namen Stalin verbunden wird, der Sieg im "Großen Vaterländischen Krieg", ist Resultat seines brutalen Terrorapparats und der grenzenlosen Menschenverachtung eines Regimes, dem es buchstäblich egal war, über welche Leichen es ging. Aber über Leichen ging es immer.
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5.0 von 5 Sternen Der rote Terror, 12. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
der Titel besagt alles brutalster Terror und Stalin durch den Geheimdienst NKVD (später KGB) millionen von Menschen wurden erschlagen, erschossen, zu tode gefoltert oder verreckten im GULAG über 400 eigenhändig von Stalin unterzeichnete Exekutionslisten bestätigen das Stalin genauso ein Massenmörder wie Hitler war , wenn nicht sogar schlimmer, das sich sein Terror gegen die eigene Bevölkerung richtete
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ansatz zur Ergänzung....., 5. Juni 2012
Von 
Da hier die Diskussion stellenweise hochkocht (Wie könnte es anders sein, bei einem historischen Phänomen wie dem Stalinismus ?) möchte ich hier doch noch einmal meine Auffassung zu Baberowskis Werk darstellen. Baberowski spricht im Titel von " DER Geschichte des Stalinismus", d. h. das Werk erhebt den Anspruch, den Stalinismus systematisch in seiner Geschicht darzustellen. Das geschieht im Buch überhaupt nicht, es fehlt selbst an einer Definition des Begriffes - es gibt übrigens im Russischen zwei Begriffe dafür : "Stalinism" und "Stalinscina", die völlig unterschiedlich benutzt werden, darüber wird aber im Buch kein Wort verloren. Eine Systematik der Erklärung findet sich im Buch auch nicht, es werden immer wieder Einzelphänomene beschrieben (deutlich beim Terror des Bürgerkrieges), warum man aber dieses besondere Argument an dieser Stelle findet, erschließt sich dem Leser nicht. Es plätschern also Argumentationen vor sich hin, Zitate werden gewälzt, dann kommt auch immer mal wieder eine Schlußfolgerung, eine Erklärung des Stalinismus, seiner Funktionsweise, seiner historischen Besonderheiten usw. liefert man nicht.
Auffällig ist der Ansatz, ein Land im Terror zu beschreiben, in dem alle sozialen Systeme erodieren, die sowieso schon jahrhunderte lang von Terror unfd Gewalt beherrscht waren. Da beißt sich die Argumentation selbst : wo keine Moral, keine echte Zivilisation existieren, braucht man sie doch auch nicht mit Terror abzuschaffen ? Und Terror als Selbstzweck eines politischen Systems ? Das fände ich nicht mal im Nationalsozialismus nachvollziehbar.
Völlig ignoriert wird bei dieser Fixierung auf Terror, Korruption und Verfall der eigentliche, konkrete , historische Weg Stalins : er war, wie man weiß, am Anfang gar nicht der Radikale, Extreme ! Vielmehr verkörperte er die ständig wachsende Bürokratie und Funktionärsschicht, die beträchtliche Eigendynamik entwickelte. Diese Schicht fühlte sich von der NÖP verraten (wozu saß man oben im System, wenn die anderen mehr besaßen ?), sie war von Politikern wie Trockij, Bucharin usw. mit ihren Weltrevolutionsplänen genervt. Stalin vertrat die bürokratische Mitte und so wuchs seine Macht, so konnte er durch Intrigen das alte Politbüro gegeneinander ausspielen und es dann komplett vernichten. Die Vorstellung, Stalin sein Garant der Ruhe, machte ihn in bestimmten Kreisen der Bevölkerung populär. Das alles fehlt in diesem Buch : eine Analyse der Funktionsmechanismen des Stalinismus (Gewalt UND Populismus) hätte dem Buch mit seinem Anspruch gut getan.
Dass Baberowski im Buch die Entwicklung der UdSSR völlig aus dem internationalen Zusammenhang nimmt, sei hier auch vermerkt.
Trotzdem sollte man sich mit seinen Thesen beschäftigen, da es im Moment noch nicht den letzten Schluß der Weisheit zum Stalinsystem gibt.

Ich wehre mich nur massiv dagegen, Stalins historische (Un-)taten in Berufung auf einen falsch verstandenen historischen Determinismus zu legitimieren. Das geht nicht, das sind wir den Opfern schuldig
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32 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Analyse mit Röhrenblick, 19. Januar 2010
Von 
Felix Frey (Zürich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Das Buch "Der Rote Terror" von Jörg Baberowski versucht, Ursachen, Wesen und Wirkung des Stalinismus zu beschreiben. Dabei verfährt der Autor weitgehend im Freistil, Zahlen und Fakten werden nur selektiv nachgewiesen. Zahlreiche Annahmen des Autors - so zum Beispiel, dass die russische Dorfkultur primär eine Kultur der Gewalt sei - werden nicht erläutert und begründet, sondern ohne weitere Ausführung als scheinbare Tatsachen dargestellt.

Die Analyse des Stalinismus wird nicht in internationale Zusammenhänge eingebettet. Am ehesten geschieht dies noch bei der Analyse des Stalinismus während des 2. Weltkriegs, insgesamt bleibt jedoch ein auf die Sowjetunion und die Bolschewiken fixierter Röhrenblick, welcher den Erkenntnisgewinn dieses Buches klar vermindert. Bei der Betrachtung des russischen Bürgerkriegs tauchen die Weissgardisten fast nicht auf, ihre Gräuel werden auf geschätzten fünf Linien erwähnt. Dieser eingeschränkte Zugang zur Thematik erscheint mir problematisch bei einem Gegenstand, der so vielseitige Wurzeln und Auswirkungen hat.

Das Buch ist angenehm lesbar geschrieben, eine klare Vorgehensweise Baberowskis ist aber nicht erkennbar. Stellenweise kommt "Der Rote Terror" über den blossen Bodycount und die Auflistung der Gräuel nicht hinweg. Grundlegende Thesen gibt es zwar, müssen aber vom Leser herausgelesen werden und werden vom Autor selbst nicht genügend klar und explizit dargelegt. Deshalb ist das Buch als Einstieg in das grosse Thema des Stalinismus nur bedingt zu empfehlen.
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3 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Beschreibung der Schreckensherrschaft Stalins, 19. Dezember 2008
Viele Beispiele! Sehr detailgetreu. Mehr kann man nicht sagen wirklich toll geschrieben. Leicht zu lesen. Nur zu empfehlen, wenn jemand etwas über die Schreckensherrschaft des paranoiden Diktators Stalin erfahren möchte.
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Der rote Terror: Die Geschichte des Stalinismus
Der rote Terror: Die Geschichte des Stalinismus von Jörg Baberowski (Gebundene Ausgabe - 1. Oktober 2003)
Gebraucht & neu ab: EUR 9,20
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