Kundenrezensionen


14 Rezensionen
5 Sterne:
 (9)
4 Sterne:
 (5)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

121 von 121 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hervorragend, 23. März 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600 - 1947 (Gebundene Ausgabe)
Christopher Clarks neues Buch über Preußen ist eine hervorragende Darstellung über Aufstieg und Niedergang Preußens zwischen 1600 und 1947. Er sieht Preußens Geschichte - im Gegensatz zu zahlreichen früheren britischen Historikern - nicht nur als Verhängnis an, welches zum Niedergang Deutschlands geführt habe (etwa im Vergleich zu Shirers monumentaler Studie zum Dritten Reich, die dessen Existenz auf das "preußische" und deutsche Erbe ziemlich undifferenziert zurückführt), sondern ist eine wohltuend differenzierte Darstellung, die nicht nur fesselnd geschrieben ist, sondern sich bemüht, Preußen vorurteilslos darzustellen und zu "erzählen".

Vergleichbar ist das umfangreiche Werk daher am ehesten mit dem - ebenfalls hervorragenden - Band von Sebastian Haffner: "Preußen ohne Legende" aus dem Jahre 1979. Christopher Clark erzählt Preußens Geschichte so "lesbar", dass sowohl Laien als auch Wissenschaftler gleichermaßen Zielgruppe sind. Ein vorzügliches Quellen- und Literaturverzeichnis rundet den gelungenen Band ab.

Preußens Höhepunkt sieht Clark in der Zeit zwischen 1713 und 1786, also den Regentschaften des "Soldatenkönigs" Friedrich Wilhelms I. und seines Sohnes, Friedrichs II. Auch das deutsche Kaiserreich wurde - vor allem mit der Vorrangstellung des Militärs - ein "erweitertes Preußen" mit dem Preußischen König als deutschem Kaiser. So bleibt deshalb zu fragen, ob der Titel des entsprechenden Kapitels: "In Deutschland aufgegangen" wirklich richtig gewählt wurde oder nicht der neu gegründete Staat von 1871 ein erweiteres Preußen-Deutschland gewesen ist, wie es der Autor auch eigentlich darstellt.

Die einzige Kritik, die ich an diesem fulminant erzählten und fesselnden Werk gefunden habe (und daher lediglich mit 4 Sternen bewerte) ist, dass die Sozialgeschichte eindeutig zu kurz kommt; der Schwerpunkt liegt auf der Ereignisgeschichte bzw. brilliant geschriebenen biographischen Essays. Natürlich werden auch die politischen Ideen (etwa der Pietismus) und die einzelnen Mächte im Land (Städte, Landadel) beschrieben. Die Auswirkungen der Industrialisierung kommen jedoch eindeutig zu kurz. Industrialisierung und die damit erzwungene Modernisierung waren wichtige Faktoren, die auch Preußen prägten - die preußischen Güter waren überschuldet und marode, der industriellen Konkurrenz nicht mehr "gewachsen" - und es ist bezeichnend, dass der letzte Anlass zum Sturz von Heinrich Brüning die von ihm gesehene Notwendigkeit gewesen ist, die großen Güter in Ostpreußen zu parzellieren und aufzuteilen, was ihm prompt in der Umgebung Hindenburgs als "Agrarbolschewismus" verübelt wurde.

Es sind - wie oben erwähnt - insbesondere die biographischen Portraits - von den Königen bis zu Politikern wie dem letzten preußischen Ministerpräsidenten in der Weimarer Republik, Braun und auch Hindenburgs, die das Buch lesenswert und interessant machen. Es ist dem Autor in jedem Fall gelungen, das "zwiespältige Bild" Preußens, welches eben nicht nur Aufklärung und Toleranz und die vielgelobten preußischen Tugenden, sondern eben auch durch Militarismus, Maßlosigkeit und auch Selbstüberschätzung (letzteres insbesondere unter Wilhelm II., dem letzten "deutschen" Kaiser) geprägt waren, aufzuzeigen. So ist eine insgesamt wohltuend differenzierte und gut lesbare Studie entstanden, die Haffners Werk und dem grundlegenden Preußen-Buch von Hans-Joachim Schoeps in keiner Weise nachsteht und sicherlich bald zum Standardwerk der Preußen-Werke zählen wird.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Preußen ohne Mythos, 23. Juli 2008
Von 
Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600 - 1947 (Gebundene Ausgabe)
Sir Winston Churchill bezeichnete Preußen einst als "die Wurzel allen Übels" und so verwundert es kaum, dass die Churchills Überzeugung zu Grunde liegende Sichtweise von Preußen als Hort des Nationalsozialismus aufgegriffen wurde und in der der Auflösung des Freistaats durch den Alliierten Kontrollrat am 25. Februar 1947 mündete. Nun bricht der 1960 in Sydney geborene Professor für Neuere Europäische Geschichte am St. Catharines' College in Cambridge mit diesem Diktum und zwingt durch sein eindrucksvolles Standard-Werk zu einer Revision des Preußenbildes, denn "Die Wahrheit ist, dass Preußen ein europäischer Staat war, lange bevor es ein deutscher wurde. Deutschland war nicht die Erfüllung Preußens, sondern sein Verderben"

Für Christopher Clark beginnt der Aufstieg Preußens jedoch nicht erst 1701 mit der Krönung Friedrich III. zu König Friedrich I. in Preußen, sondern bereits um 1600, als die Kurfürsten der Markgrafschaft Brandenburg gerade begannen ihre Position im Heiligen Römischen Reich zu festigen. 1613 etwa, konvertierte Kurfürst Johann Sigismund zum Calvinismus und wurde somit zu einem calvinistischen Herrscher über ein lutherisches Land, was zu einigen Differenzen mit dem Landadel führen sollte. Noch waren die brandenburgischen Hohenzollern lediglich Herrscher Brandenburgs, bis sie 1618 das Herzogtum Preußen erbten, welches außerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ursprünglich eine Region zwischen Hinterpommern und dem Kurland bezeichnete.

In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges wurden die Länder der Hohenzollern vermehrt verwüstet und der Kurfürst wechselte mehr als einmal die Bündnisse, wobei Georg Wilhelm zuletzt in das eher sichere Preußen flüchten musste, wo er 1640 verstarb. Sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm erbte ein zerrüttetes Land, das vom Dreißigjährigen Krieg gezeichnet war, ein schweres Trauma zu bewältigen hatte, doch der junge Monarch schritt energisch zur Tat und begann nicht nur das Heer zu vergrößern, sondern auch zu modernisieren und durch bessere Ausbildung, wie Manöver zu einer schlagkräftigen Truppe zu machen. Als Folge des Dreißigjährigen Krieges erkannten die brandenburgischen Folgen, wie wichtig eine Festigung ihrer Souveränität im Reich ist und dass sich das bleibende Gefühl der Verwundbarkeit nur durch ein starkes Heer effektiv bekämpfen lässt. Um dieses zu erhalten brauchte man allerdings Gelder, die unter anderem durch häufige Wechsel der Bündnispartner lukriert wurden.

Erst als sich Friedrich III. zu König Friedrich I. krönte, wurde eine Entwicklung in Gang gesetzt, die zur Bildung eines stärkeren Einheitsgefühls der nun königlichen Lande führte und Preußen im Laufe des 18. Jahrhunderts zum Namen des neuen Königreichs werden ließ. Die Krönung, so Clark, passte jedoch in ihre Zeit, als viele europäische Herrscher eine Standeserhöhung anstrebten und diese im Falle Preußens eben doch zu einer besseren Integration des vormaligen Herzogtums führte.

Was an Clarks Werk besonders hervorzuheben ist, er nutzt eine klare und deutliche Sprache, deren Formulierungen für Laien genauso verständlich sind, wie für Historiker. Dabei erzählt er die Geschichte von Preußens Aufstieg lebendig und regelrecht spannend, indem er neben der Ereignisgeschichte auch immer wieder Biographien bedeutender Persönlichkeiten, sowie Berichten und ferner eben Geschichten miteinander verwebt. Dabei bleibt der Autor dem Anspruch des Werkes jedoch treu und hält sich an eine umfassende Darstellung der Geschichte, ohne abzudriften. Dabei würde man sich jedoch immer wieder wünschen, er hätte doch bei diesem oder jenen Thema etwas mehr aufgearbeitet und doch vergisst man darüber leicht, dass genau dies den Umfang des Buches gesprengt hätte. Tragisch ist das gerade beim Thema Religion in Preußen, worüber Clark als Autor von "The Politics of Conversion: Missionary Protestantism and the Jews in Prussia" ein sehr spezifisches Fachwissen besitzen dürfte, dem er in sein opus magnum leider nur geringfügig Rechnung tragen darf.

Fortschritte und Rückschläge zeichnen die Geschichte Preußens und Christopher Clark scheut sich nicht, die Geschichte Preußens frei von allen Mythen, als eine politische Erfolgsgeschichte darzustellen. Die preußische Sicherheitspolitik verlangte ein starkes Heer, das Heer eine Finanzierung durch Bündnisse und die außenpolitischen Interessen eine Abgrenzung von der bedingungslosen Kaisertreue. Somit waren Preußens größte Innovationen und Errungenschaften einer Kosten-Nutzen-Rechnung unterworfen, etwa die Aufnahme Vertriebener Hugenotten, welche als leistungsfähige Arbeiter und Handwerker ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Prosperität Preußens leisteten. Als Australier ist Clark denkbar in der Lage sich objektiv-distanziert mit Preußen zu befassen und eigentlich war auch "Preußen: Aufstieg und Niedergang 1600 - 1947" ursprünglich für britische Leserschaft gedacht, wobei von dieser anderen Perspektive aber interessante Impulse ausgehen.

An die Ära des Deutschen Reichs nähert sich Clark unter dem Aspekt an, dass Preußen in dieser Zeit innerhalb des Reichs(Seite 637) "mit 65 Prozent der Gesamtfläche und einem Bevölkerungsanteil von 62 Prozent de facto eine Hegemonialstellung" genoss. Von da an, befand sich Preußen in Auflösung und hatte sich trotz allem den gesamtdeutschen Interessen unterzuordnen, auch wenn der preußische Ministerpräsident gleichzeitig als Reichskanzler agierte und der König Kaiser war.

Mit einem über 100 Seiten starken Anhang aus Anmerkungen, Index, Quellen-, Literatur- und Abbildungsverzeichnissen, sowie einigen sehr sehenswerten Kartenmaterial ist Christopher Clarks "Preußen: Aufstieg und Niedergang" ein wahren Wälzer, bleiben doch mehr als 700 Seiten an Text, die das Werk schlicht zu "dem" aktuellen Standard- und Referenzwerk machen, eine lohnenswerte Anschaffung für historisch Interessierte ist es schon aufgrund des unkomplizierten Stils und der fundierten wie erst recht umfassend ausgearbeiteten Geschichte allemal.

Fazit:
Klar formuliert, umfassend und höchst fundiert ist Christopher Clarks ein Standardwerk gelungen, das Laien wie auch Historiker begeistern kann.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein preußischer Sonderweg, 3. Dezember 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600 - 1947 (Gebundene Ausgabe)
Clark erzählt die etwa 350-jährige Geschichte Preußens auf "nur" 780 Buchseiten (ohne Anmerkungen), was unweigerlich zu einer gestrafften und fokussierten Darstellung nötigt. Diese Aufgabe bewältigte er meisterhaft - und vor allem neutral und ideologiefrei, was hierzulande kaum möglich erscheint und deshalb einem Angelsachsen vorbehalten bleiben muss.

Der australische Historiker räumt auf mit den offensichtlich konstruierten Zusammenhängen zwischen Preußentum und Nazismus, denn die Nazis beriefen sich zwar auf preußische Traditionen (allerdings nur auf diejenigen, die ins Bild passten), aber die Preußen waren unter den ranghöchsten NSDAP-Mitgliedern zahlenmäßig weit unterrepräsentiert, während im Widerstand insbesondere Mitglieder der traditionellen preußischen Eliten eine bedeutende Rolle spielten. Preußen stand für die Hoheit des Staates, der die Interessen der gesamten Zivilgesellschaft in sich aufnahm. Die Nazis wollten statt des Staates ein völkisches Gebilde.

Clark widerlegt auch die These, dass die Hitlerschen Angriffskriege in der Tradition einer ununterbrochenen Abfolge aggressiver Kriege Preußens stünden. Der Einmarsch Friedrichs II. in Schlesien gründete sich auf Erbstreitigkeiten mit dem Hause Habsburg sowie auf Rivalitäten mit Sachsen. Es drängt sich kein Vergleich mit Hitlers Überfall auf Polen auf. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 entspann sich um die Deutsche Einheit, welche die Franzosen nicht zulassen wollten. Die Krisen um das Großherzogtum Luxemburg und die spanische Thronfolge beinhalteten zwar die Möglichkeit eines Krieges, er war von Bismarck aber nicht geplant. Frankreich wollte seine privilegierte Stellung in Europa nicht gefährden und erklärte den Krieg, weil es glaubte, ihn zu gewinnen.

Der vielgescholtene preußische Militarismus relativiert sich im Vergleich zu Frankreich und Großbritannien, deren militärische Klubs und Vereinigungen den preußischen Militärvereinen in nichts nachstanden. Interessant ist, dass die Friedensbewegung im Deutschen Reich einen so starken Zulauf hatte wie in keinem anderen Land. Man denke hierbei an eine Friedenskundgebung im September 1911 in Berlin mit 250.000 Teilnehmern, die im Treptower Park demonstrierten.

Preußen war kein exzessiv-revolutionärer Staat wie England und Frankreich, wo Könige geköpft wurden. Nach der - von vielen Historikern als mißglückt bezeichneten - Revolution von 1848/49 wurde Preußen immerhin ein konstitutioneller Staat mit einer liberalen Öffentlichkeit. Die Pressezensur wurde ersetzt durch ein nuancierteres Verfahren der Nachrichten- und Informationssteuerung, so dass nun - theoretisch - jeder Bürger das Recht auf freie Meinungsäußerung in der Presse besaß.

Nicht zu vergessen ist der Reformstaat Preußen, der untrennbar mit den Namen der Minister Hardenberg und Stein, dem "Turnvater Jahn", dem Gründer der Berliner Universität Wilhelm von Humboldt und dem Philosophen Hegel, um nur einige zu nennen, verbunden ist.

Dies sind nur wenige Beispiele und Aspekte aus dem grandiosen Werk Christopher Clarks. Um die ganze Geschichte zu erfahren, hilft nur eines: Unbedingt kaufen und lesen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aufstieg und Niedergang 1600 - 1947, 16. November 2009
Von 
Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600 - 1947 (Gebundene Ausgabe)
Preußen, das klingt leider für viele heute nach Militarismus, Gewalt, Krieg und Junkertum. Doch was steckte eigentlich hinter einem der faszinierensten Staatsgebilde im Deutschen Reich? Was waren die Grundfesten auf denen es stand. Wo lagen in ihm Aufklärung und Toleranz, wo Maßlosigkeit und Selbstüberschätzung? Der Autor Christopher Clark zeigt in seinem Buch PREUßEN auf, wie die Idee dieses Staates sich über alle Maßen erhob und wie sie zu Fall kam.

Mit PREUßEN verbindet sich nicht nur der Begriff Wilhelm II. sondern auch die Toleranz und die Aufklärung eines Friedrichs des Großen. Das Preußen durch alliiertes Kontrollratsgesetz vom am 25.02.1947 aufgelöst wurde halte ich persönlich für einen kapitalen Fehler, denn es sind nicht staatliche Konstrukte, welche Fehler begehen, sondern die Mächtigen dahinter.

Das Buch PREUßEN von Christopher Clark zeigt uns die wechselvolle Geschichte dieses Landesteils Deutschlands von 1600 bis 1947, obwohl die Ursprünge Preußens weit im Frühmittelalter liegen und untrennbar mit dem Deutschen Orden und der Marienburg verbunden sind. Die Pruzzen, von denen sich der Name ableitet, waren Heiden und wurden gewaltsam vom Deutschen Orden missioniert.

Preußen - war sowohl humanistischer Hoffnungsträger als auch Keimzelle totalitären und militaristischen Denkens - die Ambivalenz ist groß, wenn man an Preußen denkt und in seiner Geschichte war es sowohl positiv besetzt wie auch Hort dunkler Gedanken.

Das Buch zeigt auf, wie die Bürokraten im Laufe der Geschichte das Ruder in Preußen in die Hand bekamen und das Schicksal wendete sich. Das Junkertum, der Landadel wird ebenso beleuchtet, wie die Nähe zu Polen und die wechselvolle Geschichte unseres Nachbarn.

Die Bauern waren aber ebenso Bestandteil Preußens und hatten unter der harten Führung oftmals zu leiden, dies zeigt dieses Buch auch auf. Erst als sich die konservativen Kräfte das Land fest einverleibt hatten, begann eine Politik, welche in der Auflösung dieses Landes 1947 kumulierte.

Dennoch war Preußen auch Träger der Aufklärung, Quelle der humanistischen Hoffnung und Keimzelle eines Gesamtdeutschen Staates mit viel positiver Energie. Dies wird bei aller Diskussion um Preußen oft und schnell vergessen.

Die verhängnisvolle Liebe und Ehe von Preußen und den Paladinen des Dritten Reichs mag ausschlaggebend gewesen sein für dessen spätere Beseitigung.

Das Buch beleuchtet sowohl diese wie auch andere Seiten und kommt am Ende des Buches zu folgendem Fazit: Preußen hat als Sündenbock herhalten müssen, um eine psychologisch motivierte Zerstörung des militaristischen Keims Deutschlands (dem Junkertum) glaubhaft nachkommen zu können.

Ob man aber so einfach Staatsgebilde aufzulösen vermag um die ihnen immanent innewohnende Kräfte zu beherrschen, wage ich zu bezweifeln!

Empfehlenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Territoriale und andere historische Kuriositäten, 8. Oktober 2008
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600 - 1947 (Gebundene Ausgabe)
"Der preußische Sozialminister, Verzeihung, der brandenburgische Sozialminister Alwin Ziel (SPD) schlug gestern vor, das mit der geplanten Fusion von Berlin und Brandenburg entstehende neue Bundesland "Preußen" zu nennen...."
(Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15. Februar 2002)

Die in Inhalt und Umfang nahezu erschöpfenden, bisherigen Rezensionen sind, ungeachtet des Historikerstreites um Rolle und Bedeutung des Staates Preußen für Deutschland, insbesondere in Bezug auf den Nationalsozialismus, sowie anderer Pro- und Kontra-Argumente, um einige interessante Kuriositäten zu ergänzen.

Das Kerngebiet des künftigen Amalgam "Preußen" befand sich in der "Mittelmark", jenem Teil der späteren Mark Brandenburg, inmitten des Siedlungsgebietes der Wenden, des westslawischen Stammes der Heveller. Nahezu 200 Kilometer Luftlinie östlich davon entfernt, außerhalb des Gebietes des "Heiligen Römischen Reiches" entsteht im 13. Jahrhundert ein Staat von Rittermönchen, den Herren des Deutschen Ordens. Im 15. Jahrhundert gerät dieses, nicht nur aufgrund von Nachwuchsproblemen zu einem Anachronismus gewordene, geschrumpfte Territorium unter polnische Oberherrschaft. Als erbliches Herzogtum erhält es mit Preußen eine Bezeichnung, die auf die ursprüngliche Bevölkerung, die Pr'usai zurückgeht; also jenes baltischen Stammes, der, milde ausgedrückt, von den frommen, wie aggressiven Schwarzkreuzträgern und ihren Siedlern erst christianisiert und schließlich assimiliert wurde.

In der zweiten Hälfte des 16. Jh. wird das Herzogtum von dem mittlerweile zum Kurfürstentum avancierten Brandenburg als eine im Königreich Polen gelegene Exklave erworben. Nachdem sich Kurfürst Friedrich III. mit Rücksicht auf seinen Lehnsherrn, den König von Polen, zunächst zum "König in Preußen" krönen ließ, wenden sich seine Nachfolger nunmehr außenpolitischen Aufgaben zu. Während mit der Eroberung "Westpreußens" und des "Netzedistriktes" eine Landverbindung zum nunmehr Ostpreußen genannten Landesteil geschaffen wird, gerät auch das dort hineinreichende Bistum Ermland in den Besitz der jetzt als "Könige von Preußen" genannten Monarchen. Zwei weitere Teilungen lassen Polen von der Landkarte verschwinden und bescheren dem militaristischen Staatsgebilde die Provinzen "Neu-Ostpreußen" und "Südpreußen" mit der Stadt Warschau. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Ostpreußen durch das wieder erstandene Polen erneut zu einer Exklave des mittlerweile führenden deutschen Teilstaates Preußen. Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung (19.01.1919) erhielt die SPD (mit Ausnahme des Ermlandes, das mehrheitlich das Zentrum wählte) in Ostpreußen die absolute, bzw. relative Mehrheit.

Während bei der Wahl zum Deutschen Reichstag (6.11.1932) in weiten Teilen der ehemals sozialdemokratisch dominierten Wahlkreise die rechtskonservative "Deutschnationale Volkspartei" (DNVP) die Mehrheit gewinnt, blieb das katholisch geprägte Ermland in der Hand des Zentrums. Vier Jahre später stimmte mit Ausnahme des Ermlandes und einer kleinen sozialdemokratischen Insel das restliche Ostpreußen mehrheitlich für die NS-Partei, die nach dem Angriff auf Polen das "angegliederte Danzig-Westpreußen" in Hitlers "Großdeutsches Reich" zu integrieren versuchte.......

Durch Artikel I des vom alliierten Kontrollrat am 25. Februar 1947 erlassenen Gesetzes zur Auflösung des Staates Preußen, seine Zentralregierung und aller nachgeordneten Behörden, endet die Geschichte eines deutschen Teilstaates, der jedoch nie, die einheitliche Identität z. B. eines Bayern, Würtemberg oder Sachsen besaß.

Mit seinem "Preußen - Aufstieg und Niedergang" ist Christopher Clarks ein wissenschaftlich-objektives Standardwerk gelungen, das trotz der etwas zu kurz gekommenen "Sozialgesetzgebung & Sozialistenpolitik" Bismarcks mit 5 Amazonsternen zu bewerten, und eine Empfehlung für sein gerade (Oktober 2008) erschienenes zweites Werk "Wilhelm II: Die Herrschaft des letzten Deutschen Kaisers", ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Iron Kingdom,, 5. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600 - 1947 (Gebundene Ausgabe)
unter diesem Titel erschien Christopher Clarks Preußengeschichte in seiner Originalausgabe, offenbar ein wenig auf die englische Prussophobie schielend. Doch Clark macht schon in der Einleitung klar, um was es ihm geht: Er will Bericht erstatten über Preußen, wertungsfrei und ohne Lehren zu erteilen. Das macht neugierig und skeptisch zugleich. Preußen ist ein Reizthema und wird es im Schatten des dritten Reich gewiss bleiben. Und bekanntlich langweilt historische Literatur, die sich auf Bestandsaufnahme reduziert, oder wie immer man den Anspruch auf Objektivität umschreiben will.

Clark beweist das Gegenteil. Er fördert keine grundlegend neue Erkenntnisse zutage, und sein Stil ist von trockener Geschmeidigkeit - der feinen englischen Art. Allein, man liest seine Geschichte von Kapitel zu Kapitel mit wachsendem Interesse, schließlich sogar mit Spannung, obgleich man das jämmerliche Ende ja kennt. Stets wendet er seinen Blick -wie aus einem fernen Land, aus Australien vielleicht, dort wo Clark herstammt - auf Preußen im europäischen Kontext, zieht zum Vergleich nicht nur das militärische und wirtschaftliche Potential anderer Großmächte heran, sondern auch das Bildungswesen und den Bildungsstand ihrer Bewohner. Der sonderbare Weg Preußens wird dabei deutlich. Clarks These hingegen, das Verderben Preußens sei schließlich Deutschland gewesen, mag politisch zutreffen, verdeckt aber den Keim der Fäulnis, der im Inneren spross.

Selbst in Großbritannien, in Frankreich ohnehin, so erfährt man, durchdrang in den letzten Jahrzehnten vor dem 1. Weltkrieg militärische (Un-)Kultur die gesamte Gesellschaft. Was aber ließ die Preußen, denen Clark Toleranz und ein hohes Bildungsniveau bescheinigt, derart auf jenen aberwitzigen Militarismus verfallen, der in der Figur des Hauptmanns von Köpennick weltweit Lachkrämpfe, durch W.II, Ludendorff etc. weltweit Haß und erbitterte Feindschaft bewirkte? Clark verweist auf die Kaste ostelbischer Landjunker, deren Geringschätzung ziviler Werte, vermengt mit paranoider Abwehrhaltung, sowie auf die (Selbst-)Verherrlichung der von Parlament und Gesellschaft weitgehend abgeschotteten Armee, der "Prätorianergarde des Kaisers". Das ist nicht neu und erklärt wenig, sickerte doch der Militärfimmel und mit ihm die Verachtung demokratischer Grundsätze bis in die bescheidensten Amts- und Wohnstuben ein.

Clarks nüchterne Geschichtsschreibung erteilt eben doch eine ernüchternde Lehre: Geschichte ist letztlich unbegreiflich, obgleich oder weil sie von Menschen gemacht wurde.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufräumen mit Klischees, 9. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600 - 1947 (Gebundene Ausgabe)
Der Autor, ein "unverdächtiger" Engländer, betrachtet Preußen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Literatur, Kunst und alltägliches Leben, werden ebenso beleuchtet, wie die Herrscherpersönlichkeiten, das Politische und das Militär. So entsteht ein äußerst differenziertes Bild von Preußen, mit seinen Lebensbedingungen, seinen Nöten und Zwängen, Stärken und Schwächen. Von der ersten bis zur letzten Seite ist dieses Buch auch für einen interessierten Laien spannend zu lesen. Wer Freude daran hat, gängige Klischees infrage zu stellen und mehr über die Zusammenhänge zu erfahren, dem würde ich dieses Buch wärmstens empfehlen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sehr gutes Buch, 25. Mai 2012
Von 
PZF85J (hier und dort - manchmal) - Alle meine Rezensionen ansehen
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600 - 1947 (Gebundene Ausgabe)
Der Autor gibt in der Tat einen sehr vollständigen Abriß über die Geschichte Preussens, und er läßt diese, was ich richtig finde, erst mit dem 2. Weltkrieg enden. Es wird sehr neutral und kompetent erzählt. Dem Buch ist anzumerken, dass der Autor ein sehr intensives Quellenstudium geleistet hat und die Quellen auch sehr gut eingebacht hat. Empfehlenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4.0 von 5 Sternen Erfrischend unbelastete Gesamtdarstellung vom Anfang bis Ende Preussens, 24. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600 - 1947 (Gebundene Ausgabe)
Auch wenn die wesentlichen Eckpunkte der preussischen Entwicklung für jeden an deutscher Geschichte interessierten Leser Allgemeingut sind und Clark seine Darstellung stark chronologisch gestaltet, gelingt ihm doch eine spannende Gesamtdarstellung Preussens. Dabei kommt ihm nicht nur die Tatsache zugute, dass er einer Historikergeneration angehört, die Preussen nicht mehr selbst erlebt hat. Vor allem seine immer wieder eingenommene englische Perspektive gibt dem Werk einen ganz besonderen Reiz. Eventuell ist es sogar die noch größere Distanz seiner australischen Herkunft, die es Clark ermöglicht, ein vorurteilsfreies ganz aus dem sich ihm als Wissenschaftler bietenden Bild geformtes Verständnis Preussens zu präsentieren, das die üblichen Vorurteile überzeugend verwirft ohne in eine ebenso verfehlte Apologie dieses geopolitisch einmaligen Konstruktes europäischer Neuzeit zu verfallen. Das Buch bietet keine besonders vertiefenden Einzelstudien noch auch irgendwelche völlig neuen Erkenntnisse. Es ist aber einer äusserst gelungene und durchgängig anregend zu lesende Synthese.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Eindeutig das beste Buch zum Thema!, 11. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600 - 1947 (Gebundene Ausgabe)
Toll zu lesen, wie ein nicht-deutscher Historiker so ausgewogen über das Phänomen Preußen schreibt. Sachlich, ausgewogen, kritisch und zugleich gerecht, Dämonisierung vermeidend, die deutschen Reflexe zu dem Thema verstehend, gut gegliedert und auf den Punkt gebracht. Große Klasse !!!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600 - 1947
Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600 - 1947 von Christopher Clark (Gebundene Ausgabe - 12. Februar 2007)
Gebraucht & neu ab: EUR 32,96
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen